Donnerstag, 19. Oktober 2017

#MeToo# - ER auch

Kollegen, Freunde, Familie...Wer hat wohl wen schonmal wo angefasst...?

Harvey Weinstein.
Damit endet meine Einleitung. Inzwischen weiß jeder, wer Harvey Weinstein ist und worum es mir geht. Hier vorsichtshalber ein Link für die, die hinterm Mond keine aktuellen News empfangen: Kultur der Komplizenschaft. Und Ende. Um Harvey geht es hier nämlich nicht. Auch nicht um die mehrere Millionen Teilnehmer große Onlinebewegung #MeToo#, in der Opfer von männlichem sexuellem Machtmissbrauch aufzeigen, wie groß das Problem ist. Ich kann mich da anschließen. Ich habe zu viel erlebt, sagen wir es so. Ich möchte nicht, dass meine Töchter erleben müssen, was ich erlebt habe. Gewalt, Hilflosigkeit, Flucht, panische Gegenwehr (ich werde nie meine Metallabsätze vergessen: Lebensretter!), Ausgeliefertsein - und eine endlose Reihe furchtbarer Kommentare und Sprüche bis in die 'höchsten' Kreise, Galaveranstaltungen der jungen Wirtschaft und Bälle der sogenannten Reichen und Schönen inklusive. Frau gewöhnt sich im Laufe ihres Lebens daran. Die Männer, die mir weh tun wollten, weh taten oder sich selbst erniedrigt haben, indem sie sexuelle Anspielungen gemacht oder konkret sexuelle Sachen gesagt haben, hatten natürlich immer Komplizen. Zuerst sei deren alkoholisierter Zustand als Mittäter in über 90% der Fälle genannt. Nicht zu verachten die Dunkelheit. Und mein allein zu Fuß unterwegs sein. Erwähnenswert ist auch die aus Männersicht sich wohl ergeben habende günstige Gelegenheit. Ich möchte auch die soziale Komplizenschaft nicht unerwähnt lassen: Da gab es die Gruppe, den Freund, die zwei Freunde...und das häufig alles begleitende Gelächter und Gegrine, weil sexuelle Belästigung ja auch sehr lustig sein kann. Vor allem, wenn das Opfer vor lauter Überrumpelung dumpf dreinschaut - erwartet ja auch keine im Rahmen einer Wirtschaftskammerveranstaltung. Ist schon lustig, im Kreise der Anzugträger. Aber: Hier geht es nicht um mich. Nicht um meine Erfahrungen. Davon liest man ja nun überall im #MeToo#- Schlund, der sich da auftut und ein weiteres Stück des guten männlichen Images verschlingt.

Sexueller Missbrauch

Ich will auch keine Bresche FÜR Männer schlagen, denn in meinen Beispielen sind AUCH Männer die Täter. Aber eben nicht nur. Und - und darum geht es jetzt - Männer sind auch mal die Opfer.
Als neugierige Menschin habe ich in meinen Beziehungen und bei meinen engsten Freunden durchaus mal nachgefragt..."Und du so?"
Das erste Mal als ich erfuhr, dass auch Männer Opfer sein können, war ich vielleicht 18 Jahre alt. Ich hatte meinen Freund gefragt, ob er 'sowas' schonmal erlebt habe. Konnte ich mir mit Sicherheit kaum vorstellen, er war über 2 Meter groß. Sowas passierte ihm doch nicht - oder?
Doch!
Es war ein paar Jahre davor. Ich weiß nicht mehr die genauen Umstände, ist zulange her. Aber die Essenz seiner mit Unbehagen erzählten Story weiß ich genau.
Er, besoffen nach einer Party mit Kumpels am Strand eingepennt.
Er, besoffen, noch schlafend, merkt, dass jemand an seinem Schritt rumfummelt.
Er, besoffen, wird wach und sieht einen Schatten über sich. Kennt er nicht. Mann.
Er, will sich wehren, die Hand des Fremden ist schon zu weit.
Die anderen werden wach.
Der Fremde haut ab.
Wem hat er das erzählt? Niemandem. Macht mann nämlich nicht.

Eine weitere (aber nicht die zweite) Story, erzählte mir ein Freund, der ein wahrer Womanizer ist. Ständig wechselnde Frauen und so. Ich, ungläubig: "Wie - DU?! Ernsthaft?!"
Schlimm: auf Grund der Tatsache, dass ich wusste, wie wichtig ihm Sex war und wie viel er mit wie vielen (ungefähr) gehabt hatte, kam mir gar nicht in den Sinn, dass er so etwas wie eine Grenze haben könnte. Dass auch er verletzlich wäre.
Seine Story ging so.
Er, bekannt für sein 'nachtaktives Hobby', zu Hause, eine Bekannte kommt vorbei. Er will nicht mit ihr, sie aber mit ihm. "Nein" - sagt er. So, wie wir Frauen so oft ungehört Nein sagen. Sie hört es wohl auch nicht. Sie macht weiter. Vielleicht betrunken, aber vor allem zielstrebig. Fasst ihm in den Schritt. Wenig überzeugende Argumente hat sie, um ihn doch rumzukriegen, klingt selbst fast wie ein Mann: "Ich weiß, dass du das magst"- "Ich weiß, dass du das willst". Er ist körperlich leicht ansprechbar, sein Körper besiegt seine Psyche. Geist ist unwillig, Fleisch ist schwach - macht eben nicht mit. Nicht, wie er will. Sie deutet es als Zeichen. "Nein!" - Wegdrehen, Weggehen, Wegschieben - aber immer vorsichtig, weil er keinen Eklat will. Den fürchtet er.
Sie hat gefunden, was er nicht verbergen kann.
Zieht an ihm, als könne sie ihn so dirigieren.
"Hattet ihr...?"
"Ja..." gab er zu.
Es klang fast traurig. So klingt es, wenn man tut, was man nicht wollte. Nachher 'wusste sie', dass sie Recht gehabt hatte. Er hatte Sex mit ihr, es ging, also wollte er es wohl auch. Hatte sich nur geziert. Mein Freund ist ein attraktiver Mann. "Vielleicht eine Art Trophäe?" wollte ich wissen.
Er zuckte die Schultern. Ihm egal. Er schwieg lange.

Diese Geschichte hat mich lang beschäftigt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Warum?
Weil ich wusste, dass ich dasselbe gedacht hätte, wie diese Frau. Damals. Als ich noch unaufgeklärt war. Irgendwie - auf Grund meiner eigenen Erfahrungen - war in mir so eine Idee gekeimt, dass Männer doch alle das Gleiche wollen. Sex 'aufgedrückt' bekommen - das stört die doch nicht! Ja, das hatte ich wirklich geglaubt. Erst Recht bei so einem Womanizer. Gefühlt sagt der doch zu allem Ja, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Wieso sagt er dann Nein? Ich gebe zu, ich glaubte ihm, aber ich habe es lang nicht verstanden. Ich habe nicht kapiert, nicht bis tief in mich hinein, dass er dieselben Gefühle haben könnte, wie ich. Wir wir Frauen. Hat er aber. Nicht nur dieselben Gefühle:
Er hat dieselben Erfahrungen wie wir Frauen.

Stimmt doch: Eine Frau, von der jeder weiß, dass sie sexuell sehr aktiv ist, wird gern als Schlampe oder Hure bezeichnet. Wer kennt Samantha Jones aus 'Sex & the City'? Geeenau....so, wenn so eine Frau von einem Mann bedrängt wird, mit dem sie nicht will, was wird er wohl sagen?
"Du willst es doch auch" - "Ich weiß doch, dass du darauf stehst" etc. Und wir? Wären wir nicht ihre Freundin, sondern nur vielleicht Arbeitskollegin, wie würden wir reagieren, wenn sie erzählte "Zuerst war der Abend ganz nett, wir waren auf einer Party, haben getrunken, aber mir war nicht danach, ich wollte nicht, aber er hat mich solange belagert...dann hat er mich ins Schlafzimmer gedrängt...er hat mich vergewaltigt"...wie viel Mitleid würden wir empfinden? Würden wir ihr abkaufen, dass sie das wirklich alles nicht gewollt hat? Was, wenn sie schon tags darauf gut gelaunt wieder zur Arbeit käme? 'Alles Show, habs doch gewusst' würden die Lästerzungen hissen. Dass Opfer sexueller Gewalt überspielen oder gar verschweigen, was ihnen passiert ist, vergessen wir dabei. Würden wir dauernd mit einer "Ich bin vor drei Wochen vergewaltigt worden" - Miene rumlaufen wollen? So, dass wir dauernd darauf angesprochen werden? Nein - ich glaube, die meisten von uns würden das nicht tun.


Sexuelle Belästigung

Kommen wir zum Thema sexueller Belästigung. Wo fängt die bei uns an? Bei mir: sexuell anzügliche Sprüche, wie 'Geile Freundin, macht die auch 'n Dreier?!' oder 'O..schöne Lippen...' plus ein Blick, der mich komplett entkleidet (gegen meinen Willen, kack Fahrkartenkontrolleur!) und das übliche 'Titten&Arsch'-Gebrülle geistbeschränkter Nachtschwärmer und Bauarbeiter. Sowas eben.
Physisch sieht sexuelle Belästigung zum Beispiel so aus: Wenn mir jemand an meine sekundären, und erst recht primären, Geschlechtsorgane fasst - dann fühle ich mich körperlich sexuell belästigt. Mein Hintern fühlt das gar nicht mehr, aber es passiert hin und wieder. Mein Busen fühlt das sehr wohl und ich finde es unverschämt, wie oft es passiert, wenn wir mit Freunden oder Bekannten feiern, essen, ausgehen...ernsthaft: Ich sage jetzt mal, dass man Jacken so nicht reichen muss! Geschweige denn abnehmen! Hashtag KOTZ. Ich weiß, dass das nicht zufällig ist, auch wenn ihr euch alle Mühe gebt, es zufällig wirken zu lassen. Ende Hashtag KOTZ.
Kennen Männer das auch? Das brauche ich nichtmal fragen. Das sehe ich. Oft genug.
Frauen, die besoffen an Männern hängen, die nicht ihre sind und nicht ihre sein wollen. Frauen, die besoffen ihre Hände am männlichen Busen genauso unsittlich oft haben, und manchmal peinlich intensiv, wie umgekehrt Männer. Frauen, die Männern ständig so auf die Oberschenkel klopfen, dass die Hand auffällig nah am Schritt ist. Die Knie drücken und streicheln, wie es seinerzeit nur Gottschalk konnte. Frauen, die auf Po´s klapsen, die verheiratet sind. Frauen, die sich an Schultern ankuscheln, mit dem ganzen Mann kuscheln, obwohl sie selbst vergeben sind. Oder er.
Betrunken, angeschickert oder nüchtern und mit dem Plan, auf sich aufmerksam zu machen: Frauen beherrschen die Kunst, Männer das Handwerk der sexuellen Belästigung. Bei Frauen ist es oft subtiler, je betrunkener aber auch umso offensiver und peinlicher, bei Männern ist es oft plump und fast vorhersehbar, vor allem, wenn es immer die gleiche Art von dem immer gleichen Typ ist (Harvey Weinstein).
Sexuelle Belästigung kommt nicht nur im unpersönlichen 1-zu-1 statt, sondern vor allem und insbesondere im intimen Rahmen, auf Feiern von Freunden oder Firmen, Zuhause bei Geburtstagen, auf Familienfesten...überall, wo sich Mann und Frau begegnen und Sehnsüchte und Alkohol zusammenfließen. Das Feld der sexuellen Belästigung besetzen beide Geschlechter auf ihre Art gleichermaßen unangenehm-'gut'.

Was tun?

Eine gute Frage. Ich gebe zu, dass ich noch nie einer ziemlich zudringlichen Freundin gesagt habe "Äh komm, wir gehen dann mal kurz frische Luft schnappen". Ich habe auch noch nie geschimpft: "Ey, Hände weg aus dem Schritt meines Mannes!" - obwohl ich das gesehen habe. Vielleicht, weil ich dachte: "Der kriegt das schon hin?" Vielleicht - und viel wahrscheinlicher - weil es mir selbst unangenehm gewesen wäre. 'Was macht die für ein Theater?' - 'Da war doch nix': Freundschaft adé....
Meinem Mann ging es schon oft genauso. Etwa, als einer seiner besten Freunde (nicht mehr) mich mal zum Abschied fest auf die Lippen küsste, in Abwesenheit meines Mannes. Dieser Freund war als Grabbler bekannt. Ich war irgendwie irritiert, redete mir aber ein: Daneben gegangener Abschiedskuss. Mein Mann war alarmiert, irritiert, frustriert...aber vor allem ängstlich. Er hatte Angst bei einer 'banalen Sache' überzureagieren. Wir haben lange drüber geredet und entschieden, es nicht anzusprechen. Es ist auch nie mehr passiert. An das Getätschel meines Hinterns hatte ich mich eh schon gewöhnt, denn 'Das macht er ja bei jeder'. Merkwürdig, wie wir uns das schön geredet haben. Wie wir verharmlost haben, was jeder so intensiv als falsch und unangenehm empfindet.
Ich habe erlebt, dass sich eine Bekannte - dabei immer besoffen - an meinen Vater rangemacht hat. Vor uns allen. Unter den Augen aller. Auch meiner Mutter. Meine Mutter hat sich AUFGEREGT! Später, nachher. Unter vier Augen. Bei mir. Mit Sicherheit bei Freunden. Aber gemacht hat keiner was. Igitt, wenn ich mir vorstelle, dass mir dasselbe mit einem männlichen, sabbernden Grabbelknutscher passiert wäre....uäh...eklig (Harvey Weinstein!). Warum hat denn niemand von uns in dem Moment was gemacht? Ach ja: Geburtstagsfeier, Silvester - es war doch grad so schön. Es war doch grad so nett. Das macht man doch nicht kaputt. Und sowieso: 'Das macht die doch immer'.
Es ist, wie mit allen anderen Themen auch: Ist es politisch korrekt Stillschweigen zu bewahren, oder ist es korrekt, einzuschreiten, wenn sich daneben benommen wird?
Bei Fremden würde ich sagen: Erstmal Situation abwarten, Eskalation kann blöd laufen.
Bei Freunden keimt in mir das Gefühl: Ich sag jetzt was!
Vielleicht, indem ich diesen Artikel vornweg schicke. Wenn gaaanz Viele diesen Artikel lesen, können wir über so etwas reden, ohne gleich Freundschaften aufzukündigen. Vielleicht ist es dann okay, wenn ich das nächste Mal einer Freundin sage: 'Hui, ich glaub der letzte Drink hat aber gewältig enthemmt...du hattest grad die ganze Zeit deine Hand fast in seinem Schritt...'. Vielleicht dankt sie mir dann, weil sie nicht merkt, wie weit sie gegangen ist.
Und weil sie gelesen hat, dass ich es nicht böse meine. Sondern, weil ich glaube, dass wir besser aufeinander aufpassen müssen. Wir müssen aufpassen:
Dass wir Freunden und Verwandten nicht erlauben, Täter zu werden.
Dass wir nicht zulassen, wenn andere zu Opfern werden.







Foto von pexels.com

Dienstag, 17. Oktober 2017

The Truths of Donald Trump
A theory on the president's lie-ability

I won bigly. I got the best words. I´m like a smart person. 

Donald Trump is known for lying. If not on a daily basis, then at least on a weekly basis. But to be honest, when it comes to opinions it's not so much about facts, is it? Factual lying is easy to spot and  we can call it out, because we simply KNOW the truth. But opinions: that is a whole different issue. Now Donald Trump may be a liar, but mostly in a sense of “How he sees it” versus “How we see it”. If Donald Trump says “I´m a smart person”: That´s an opinion. You can have that opinion of yourself and no IQ test in the world could actually prove you the opposite. 

Why is that so?

Ask a 3 year old about his parents. He´ll let you know “My mother is the most beautiful woman in the world” and “My daddy is the strongest man in the world”. It would be easy to find  proof that this little fellow is wrong...but try to convince the kid. Nearly impossible!
So if Donald Trump believes he is smart: What can you actually say against it? In HIS world, that might just be the case. We do not know by which standards he really compares people to one another on behalf of ‘smartness’. What does smart even mean to a person like Donald Trump?
The same is true for his perception of other things, even crowd sizes.
“My daddy has the biggest car” – this can be perfectly true for a kid, even though in reality daddy is driving a 4-seat minivan. What does ‘big’ mean anyway? Or large? 

The biggest I know? The largest I have ever seen? 

Close observers of Donald Trump hear him introduce his own ‘truths’ by saying things like
“From what we know...” or “As far as we are informed...”. He´s being plain honest about really not knowing the facts. He is honest about lacking information. That doesn´t hinder him of making false statements or accusations. Because he relies on something completely else than facts.

As uninformed as Donald Trump seems to be on many political and historical topics, we must assume that he is uninformed, even unaware of a lot of other things, too. Surprising to us: He couldn´t care less. Donald Trump doesn´t need facts to be right.


How his claims make sense: to him

When Donald Trump claims ‘Nobody has ever done it like me’, it is absolutely true from his viewpoint. Even when bragging about how good things are going: It is his very own truth, spoken from a very subjective perception of a very small focus point on what reality really is.
Looking back, maybe it is true that Donald Trump himself has never accomplished so much in such little time like he has as a president. He is proud of himself, so he lets everybody now.
Compared to what he has experienced in his life so far, he actually is doing ‘bigly’. Even ‘betterly’ – from what he is told – than any former president has done. As Donald has no in-depth knowledge of what was really going on before his presidency and surely has never payed close attention to political movements or decisions in the past, in HIS world he is doing better than anybody. Simply because not much existed in his world that he could compare his achievements to. Donald Trump always compares himself to his own self. It might not seem that way, because in words he compares himself to ‘the past’ or to Barack Obama, or to an undefined group of others. But as ignorant as Donald Trump is towards facts, details and in-depth knowledge, he really has no choice but to compare everything and everybody to his own experience, his own past.

And to be honest: It is what we all do. It´s just that usually presidents know the stuff he doesn´t. And if not, they work hard to know them.

Donald Trump, when it comes to his own self, does not lie.

“I have the best words”. Since he doesn´t enjoy reading nor listening too much, he must have the best words. They don´t need to objectively be ‘the best’. They are ‘the best’ in his world, to him: 
That is all that matters.
Donald Trump is often caught lying about facts, besides of opinions, too. I do not know for sure – of course- but I have a theory that even his factual lies are his ‘opinions’. 

For example: this week Donald Trump lied about Barack Obama not calling families to comfort them over the loss of fallen soldiers. It was a rather pathetic quick-response he obviously didn´t give much thought to, in excuse of his own ignorance of the death of four soldiers who have been killed in yet mysterious circumstances in Niger. Called out upon his lie, he quickly claimed somebody else had told him about Barack Obama. Since we are talking about Donald Trump lying – as skilled as a six year old in this particular field – and not Vladimir Putin, I assume that he actually thought it could have been true. He didn´t think of calling the grieving families, why should anyone else? In his reality, not calling is at least a possibility. When Donald Trump claims “somebody told me”, what he´s actually saying is 'I thought'. His thoughts echo in his head the way conversations echo in normal peoples memories. So if he thinks ‘I didn´t call – bet Barack didn´t call either’ he´ll just say it. He´d only have to justify this opinion to himself – before his presidency that is how it used to be.
I´m not blaming me”, Donald Trump said publicly with the senate all around him, when asked about Mr. Bannon attacking Mitch McConnell on failing to ‘get things done’. This proves my point again (at least in my opinion) because: Donald is the only person he ever really compares himself to. The only person who´s criticism really hurts. The only person who´s advice he really considers ("My primary consultant is myself" – Donald Trump stated in an interview about why he doesn´t need all the intel presidents usually are provided with). So in his reality it makes absolute sense to say “I´m not blaming myself”. Why should he? It wasn´t his job to begin with – right? I bet – in his opinion, in his world – this is exactly true.

Let me draw a conclusion from this theory:
1. Donald Trump has only one true foe, competitor, consultant, critic and friend: Himself. 
He´d never betray himself, he´d never hurt himself and he´d never blame himself.
2. If you want Donald Trump to change ANYTHING, you need to get inside of his head. You need to become his own voice. It is no use repeating his words like a parrot: He heard that stuff in his mind before you said it. It is no use trying to bribe him by mirroring his behaviour. He mirrors his behaviour constantly, his reflection is the only reflecting he´s capable of doing. No – to really change him, you need to do what ‘Inception’ taught us: Make him believe YOUR ideas actually are his (the way Saudi Arabia does with Iran).
3. You cannot and should not take Donald Trumps words for what they are in a normal world. We are all part of what is in Donald Trumps head. It is NOT the other way around! All of our insults, criticism, questions and outcries of frustration are only fractions of what he thinks the world is like. He will never see or understand OUR side – he has proven incapable of that forever in the past few months as president.
4. Do not BELIEVE Donald Trump. Do not TRUST Donald Trump. No – understand him. And use what you understand to make sense out of his world, out of the White House, out of present politics. Nothing is the way it used to be – things don´t make sense in the terms we´ve become accustomed to, they only make sense in Trumps world. Welcome to the circus: Don´t try to make sense of the clown. And since the clown is in charge – either enjoy the show, or – if unhappy with what you see – do what you can to get rid of the manager.
It´s at least worth a try.




Photo by Ryan McGuire > gratisography.com

Freitag, 13. Oktober 2017

Coming Out
Wie tolerant bist du wirklich?

Anders als ...


'Coming Out' - es ist eines der Themen unserer modernen Zeit. Coming Out bedeutet sich zu seiner sexuellen Orientierung, seiner Sexualität und - mitunter - zu seiner Identität zu bekennen. Während Homosexualität noch in den 90er Jahren das gesellschaftliche Eklat-Thema in diesem Zusammenhang war, ist es heute zunehmend die Bekanntgabe 'Ich bin trans' - also die Bekenntnis eine Geschlechtsidentität zu haben, die nicht zur angeborenen, augenscheinlichen passt.
Grade in Metropolen und/oder Hauptstädten wie Berlin wird gern eine beinahe selbstverständliche Offenheit mit diesem Thema gelebt. Nicht, dass alle älteren Semester mit dieser Haltung mitgehen, aber eine grundsätzliche Offenheit, ja fast Neugier, strömt inzwischen unter den jüngeren Generationen. Wer keine homosexuellen Freunde hat, lebt hinterm Mond. Wer keine Trans oder Quers kennt, ist noch nicht aus seiner Eierschale geschlüpft. Mit dem Brustton der Überzeugung sagen die Kids heute "Schwul - na und? Entspann dich, ist doch egal."
Auch Großstadteltern zeigen sich heute toleranter, als frühere Generationen. Wenn 'er' lieber Haarspangen und Zöpfe trägt, langes Haar haben möchte und am liebsten "Schminken" spielt, dann ist das eben so. Besonders selbstbewusste Väter tragen dann auch mal aus Solidarität einen Rock.
Wir sind ganz schön cool, oder?

So sieht Toleranz aus




Tränen bei Seite - mein erster Gedanke ist:
"Tolle Eltern!"
"Das würde ich auch so machen!"
"Das kann ich schaffen!"

Wir denken, weil wir ja ach so sehr aufgeschlossen sind, dass wir sexuelle Neigungen unserer Kinder und unserer Mitmenschen tolerieren wollen und können. Dass wir das auch müssen. Als Gesellschaft.
Aber...

"Mama ..."
"Warum weinst du?"
"Weil ich...weil ich Angst habe, dass du mich nicht mehr liebst."
"Willst du mir etwas sagen?"
"...ja...ich weiß nur nicht, wie...."
"Schatz, du weißt, du kannst mir alles sagen. Ich werde dich immer lieben."
"...ich weiß nicht...ich habe Angst, dass keiner mich mehr liebt, wenn..."
"Nein, was redest du da? Ich liebe dich, dein Vater liebt dich...wir werden dich immer lieben."
"Ich glaube...ich stehe vielleicht auf..."
"...Männer? Willst du mir sagen, dass du schwul bist?"
"...nein....eher jünger...eher...Kinder..."


Wie gehst du damit um? 

Ich lebe in Berlin. Das Thema Pädophilie ist mir hier NICHT fremd. Wer seine Augen offen hält, dem fallen ab und an diese Leute (ja, alles Männer) auf, die sich einfach merkwürdig um Kinder herum verhalten.
Und ja - ich musste auch schon vor sexuell übergriffigem Verhalten schützen, bzw. einschreiten.
Das war krass! Sich da einmischen, einem Mann zu sagen "Ich hab das gesehen, du hast das Kind da im Schritt angefasst", nicht wissen, was als nächstes tun...Ich habe mir so einen Kinderstuhl aus der früheren Kinderbuchecke geschnappt, mich vor diesen Mann gesetzt und maschinengewehrartig auf ihn eingeredet. "Das geht nicht! Das darfst du nicht! Du hast ein Problem, du musst das kontrollieren. Du musst in Behandlung!" Sowas habe ich gesagt. Es purzelte wahllos aus mir heraus - okay, nicht ganz. Ich habe ihn nicht beschimpft. Ich habe ihn nicht beleidigt. Das hatte einen Grund: Ich hatte mich mit dem Thema Pädophilie eine Weile lang beschäftigt. Aus Angst, als ich selber Mutter wurde. Ist so meine Umgangsform: Kenne den Feind. Dadurch habe ich viel gelernt darüber, wie das sein muss. Ein gewisses Gefühl von "Die armen Typen" ist in mir aufgekeimt. Der Ekel und die Ablehnung und die Schutzhaltung ist aber gleichermaßen stark geblieben. Ich habe drei Kinder. Als sie klein waren/jetzt wo eins klein ist, habe ich permanent das Gefühl, jedem die Augen ausschießen zu müssen, der komisch guckt. Den Mann habe ich angezeigt. Dussmanns hat ihn angezeigt. Ich bin zum Infoschalter gegangen. Der Typ ist abgehauen, aber wir haben Videoaufzeichnungen gehabt, er war eindeutig darauf zu erkennen. Dussmanns hat versprochen sich darum zu kümmern. Wie gesagt: Ich weiß, es folgte eine Anzeige. Und sein Foto war eine Weile lang an den Kassen - Hausverbot!
Pädophile trifft man hier in Berlin dort, wo es für sie am meisten Sinn macht: Auf Spielplätzen. 
Weil ich das weiß, habe ich höllisch auf die Spielumgebung meiner Tochter geachtet. Angst halt.
Auf dem Spielplatz habe ich durchaus auch mal Männer, die wie herrenlose Hunde wirkten, gefragt "Und...welches ist ihres?" Klassiker: Die meisten sind aufgestanden und gegangen, oder haben rumgestottert. Ertappt. Nur einer hatte eine Story parat, er warte hier auf seine Tochter, blöde Scheidung, er dürfe sie nicht sooft sehen, wie er wolle...habe ich akzeptiert. Misstrauisch bin ich trotzdem geblieben. 
Wäre ich in der Lage gewesen mein Psychologiestudium erfolgreich abzuschließen, hätte ich meine Bachelorarbeit gern über Pädophilie geschrieben. Nicht, weil mich das Thema fasziniert. Sondern weil ich denke, von diesen Männern geht, bleiben sie unerkannt und unbehandelt, eine Gefahr aus.
Sie sind die Abnehmer in der schrecklichen Kinderpornobranche.
Sie sind die, die unsere Kinder heimlich fotografieren (erlebt! Horror!!!).
Sie sind die, die unseren Kindern unmoralische und unehrliche Angebote machen (erlebt!). 
Sie sind die, die zum Täter werden.
Nicht alle, aber genug.
ABER - sie sind Söhne. Sie waren irgendwann einmal ein Kind. Ein fußballspielender Junge vielleicht, ein kleiner, brillentragender Bastler, ein Sammler, ein Dinofan, ein Bücherwurm. Eben ein ganz normales Kind - das irgendwann zu alt ist, um seinesgleichen zu lieben: Und es dennoch tut.
Ich hätte meine Bachelorarbeit gern geschrieben, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir als Gesellschaft tatsächlich auch dieses schwierige, mich immer wieder aufwühlende Thema, anpacken müssen. Mit aller dazugehörigen Offenheit. So, wie bei den Homosexuellen.
Es müsste einen Film geben, wie Philadelphia. Wo ein Pädophiler stirbt, vielleicht Suizid begeht. Ein netter Kerl, der keiner Fliege was zu Leide tun würde oder kann - aber vor lauter Verzweiflung über das "Böse" in ihm, keinen Ausweg sieht, als den Tod. Viele junge Männer bringen sich um. Weltweit. Wer weiß, wie viele von ihnen 'Neigungen' haben, die für sie den familiären und gesellschaftlichen Tod bedeuten - oder zu bedeuten scheinen?
Ja - ein Pädophiler kann auch anders zum Täter werden: Gegen sich selbst gerichtet.
Wir müssen, um einen Dialog beginnen, die Tür öffnen. Nicht zu der Möglichkeit die pädophile Neigung zu tolerieren, sondern vor allem den pädophilen Menschen. 

NEIN zu Sex mit Kindern!
Aber JA zu jedem Leben.
Wir waren alle mal Kinder.
Viele von uns haben Kinder.
Wie können wir einander helfen, ein lebenswertes Leben zu führen - ohne Hass, ohne Dunkelheit, ohne Einsamkeit, ohne Ausgrenzung?
NUR durch Dialog. Durch Lernen. Durch Verständnis. Durch den gleichen Lernprozess, den wir für und mit der LGBTQ - Szene durchgemacht haben und immer noch durchmachen.

Ein Schlusswort:
Ich bin denke ich schon froh, dass ich keinen Pädophilen kenne. Da bin ich ehrlich. Die Angst bleibt einfach. Ich wüsste gar nicht, wie ich mit ihm umgehen sollte. Alles in mir würde schreien: Weg mit dir! Fort! Lass meine Familie in Ruhe!
Aber: Wenn sich mir jemand in größter Verzweiflung, so wie oben in dem Coming Out- Video, anvertrauen würde. Wenn er mir sagen würde "Ich glaube, ich stehe auf Kinder" - dann würde ich zuhören! Das weiß ich. Und ich würde ihm helfen wollen. Und ich hoffe, es geht einigen von euch nach diesem Bericht genauso.

Und SO kann man helfen: 

Kein Täter werden










Foto von: https://www.pexels.com/photo/food-colorful-sweet-bear-54633/

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Amis erklärt - Was haben die mit ihren Waffen?



Lädst du noch oder schießt du schon?


Amerika hat momentan viel auf seiner To-Do-List: angefangen beim chaosstiftenden Joker im Weißen Haus (Batman: wo bist du?), über eine Reihe von verheerenden Naturkatastrophen, bis zu dem an Kraft gewinnenden Rechtsruck, der die Nation spaltet. Amerika ist wie ein Trump Hotel, das grade durch eine Inventur muss, während draußen schon die Geländer von den maroden Balkonen krachen. Ein Punkt brennt aber schon seit Jahrzehnten auf der U.S.-To Do-Liste, und egal wie viele neue Punkte oben dazukommen, dieser eine Punkt schafft es leider immer wieder in die Schlagzeilen, und damit in die Top 10.
Sandy Hook – ein Amoklauf in einer Grundschule, 20 Kinder und 8 Erwachsene sterben hier
Pulse Bar – ein Amoklauf in einer Schwulenbar, 49 Erwachsene sterben hier
Las Vegas Strip – der schlimmste Amoklauf seit Schwarze nicht mehr in Bäumen hängen: 59 Erwachsene sterben hier, über 500 wurden zum Teil schwer verletzt


Rattattattata Ratta Rattattattata – Die Hymne der NRA


Es ist der schlimmste Amoklauf der amerikanischen Geschichte: Ein weißer, millionenschwerer Frührentner erschießt in nur wenigen Minuten fast 60 feiernde Menschen auf dem Las Vegas Strip und verletzt über 500 weitere teilweise schwer. Die Nation ist erschüttert, aber auch verwirrt: Was ist das für ein Mann, den man in überhaupt kein sonst übliches Feindbild pressen kann? Nichts weiß man über ihn, außer, dass er eigentlich normal war. Normal ist in Amerika eben auch, wenn man ein eigenes Waffenarsenal besitzt. Normal ist, wenn man mit einem Arsenal an Waffen reist. Normal ist auch, dass der Täter dieses Amoks weiß ist. Und während Nachrichtensprecher sich sogar in ihrer Wirrnis verhaspeln und öffentlich sagen, dass sie einfach nichts Schlechtes an diesem Mann finden können, werden die Rufe nach verschärften Waffengesetzen wieder laut.
Aber die Schreie der Gegenstimmen sind lauter.

„Hollywood ist schuld“, weiß die NRA, um den Verwirrten eine Rettungsleine zuzuwerfen. Ein sonst völlig normaler Mann MUSS eben zu viele Hollywoodfilme konsumiert haben. Die haben ihn verkorkst! Obwohl Hollywood fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland macht, wo – komischer Weise – Amokläufe in amerikanischem Ausmaße üblicher Weise nicht auf der To-Do-Liste stehen.
„Es könnte sein, dass er ein Atheist war“, unken die Christlichkeit heuchelnden Nächsten (Trump-Wähler).  Immer wieder wird Gott herangezogen, wenn man erklären will, weshalb frei verkäufliche Waffen töten…äh Menschen (ja Menschen!) töten: Entweder war der falsche Gott schuld, der fanatische Glaube an Gott oder die Abwesenheit von Gott.
Die Erklärungsversuche sind ungefähr so überzeugend, wie „Schatz, ich wollte nicht mit ihr schlafen…“.

Hier auf Englisch wie Amerika versucht den Täter zu "verdauen":

             

Guns ‚N Roses – Der Amerikaner, das Gewehr und die Romantik


Um zu verstehen, warum ein Teil der Amis so an seinen Waffen hängt, wie ein Kettenraucher am nächsten Zug, müssen wir uns etwas Einzigartiges anschauen: The 2nd Amendment.
Als die von Patrioten viel zitierten Gründungsväter 1789 ihre „Bill of rights“ quer durch die bürgerkriegsgebeutelte USA schickten, legten sie den Grundstein für etwas, das inzwischen genauso alt ist, wie alles andere, was 200 Jahre her ist. Die ‚Bill of rights‘ sind klinisch tot, werden aber künstlich am Leben erhalten.
Ernsthaft: Alle paar Jahre ändern sich – sogar in Amerika! – die Schulbücher als Reaktion auf die Veränderungen in unserer Umwelt und Gesellschaft. Die gehen sogar mit verrückten Trends wie Kreationismus mit und löschen die Evolutionstheorie aus. Die Schulbücher werden geändert, aber nicht die Gesetze, auf die man sich beruft. Die werden nicht angefasst, die sind heilig! Sagt übrigens auch viel darüber aus, wie die Amis zu 'Weiter'-Bildung stehen….
In diesem momentan wieder bis zur Verfeindung verteidigtem ‚2nd Amendment‘ steht unter anderem drin, dass der Amerikaner ein Recht darauf hat sich zu bewaffnen. Damals war das auch eine Art Empfehlung, weil jederzeit mit Umstürzen durch durchgeknallte Monarchen, Anarchen oder Diktatoren gerechnet worden ist. Vor DENEN sollte man sich zu jederzeit schützen, sie notfalls sogar stürzen (…hinrichten…) dürfen. Das war sozusagen heilige Pflicht.

Der Amerikaner wird nicht mit vielen Gedanken zur Lage der Welt großgezogen. Erstmal wird er dazu erzogen, sich Gedanken um Amerika zu machen. Während es dabei in den Schulen auch um die „Bill of Rights“ geht, wird gerne versäumt zu erörtern, auf welcher Basis die eigentlich geschaffen wurde. Der historische Kontext wird im amerikanischen Unterricht zu oft zu einem süßen Heroenbrei verkocht, bis die Kinder glauben, man hätte damals mit den Indianern zu Thanksgiving wirklich Friedenspfeife geraucht, die Sklaverei hätte mit George Washington wirklich geendet, die Nationalhymne ginge auf die Zeiten von Christoph Columbus zurück, der selbst ein ehrenhafter und edler Mann gewesen sei. In diesen Cocktail wird noch eine Miniprise Schuldgefühl (Sklaverei) und eine große Prise Rachelust (11. September) gemischt, und fertig ist der völlig sinnentleerte, kontextlose und fehlgeleitete Nationalgeist auf einem Trip durchs Erwachsenenleben, in dem es viel zu oft um Schuld und Sühne, und viel zu selten um Empathie und Nachsicht geht.
So wächst der von Kindesbeinen an gegen nationale Zweifel geimpfte Amerikaner in der Illusion auf, dass alles, was mit der amerikanischen Geschichte zu tun hat, vor allem mit Stolz, mit dem Kampf um das Richtige, mit dem Sieg des Guten über das Böse, zusammenhängt. Sein ganzes Sein wird auf den Grundfesten dieser Überzeugungen aufgebaut. Und weil zu diesen Überzeugungen per Gesetz der Besitz von Waffen und die Verteidigung der Freiheit schlichtweg dazugehören, haben die Amis Probleme ohne Ende.

Ich fürchte dich – drum schieße ich


Um sich gegen die eventuelle Übernahme von Monarchen oder Diktatoren zu wappnen, dürfen alle Amis zur Waffe greifen. Und zwar herzhaft. Auf sogenannten Gun-Shows gehen die weg wie warme Semmel am Sonntagmorgen. Inzwischen ist aus der Bewaffnung aus Angst vor einer feindlichen Übernahme das Recht „mich, meine Familie und meinen Besitz zu beschützen“ geworden. Es geht also nicht mehr so richtig ums Land, sondern um „da, wo ich bin“. Und überall wo ich bin, trage ich meine Waffe. Sicherheitshalber. Und weil wir heute keine Angst mehr vor invadierenden Monarchen haben und keiner checkt, was einen Diktator eigentlich von einem General oder Footballcoach unterscheidet, bewaffnen sich die Amis vor allem, um sich vor „den anderen“ zu schützen.
Dieses „ich schütze mich und meine Familie vor den anderen“ ist zu so einem gefährlichen, hohlen Mantra geworden, dass schon als bedrohlich empfunden wird, wer nicht in die Nachbarschaft ‚gehört‘. Da wird die Polizei gerufen, weil Latinos oder Schwarze – im gruseligsten Falle sogar in Gruppen – in der Gegend rumlaufen. Weil man sie noch nie gesehen hat, geht man grundsätzlich davon aus, dass sie eine Bedrohung darstellen. Mit ihrer Schusswaffe am Anschlag stehen sie am Telefon neben der Eingangstür und warten…“Wehe du setzt auch nur einen Fuß auf mein Grundstück…dann schieße ich dich über den Haufen“.  Wer schießt, hat seiner puren Angst vor dem Fremden Munition gegeben. Wer schießt hat seine Furcht vor dem schwer einzuschätzenden, mystisch bedrohlichem Raum gegeben. Eine Furcht, die sogar bis in die Reihen der Polizei hineindiffundiert. Die Polizisten haben solche Angst, dass sie vor Nervosität den Abzug drücken, ehe sie überhaupt die Situation verstanden haben. So sind fast 50% der von Polizisten getöteten Menschen solche, die eine psychische Störung hatten und in Deutschland in Behandlung gekommen wären.
Aus Angst schießen: so eine Mentalität gibt es hier nicht. Uns wird weder Stolz eingetrichtert, noch Furcht. Uns wird weder Fremdenangst noch die Idee, das wir eine Lösung für alle Probleme hätten, eingeimpft. Wir glauben nicht daran, dass ‚die Wahrheit‘ in der Bibel steht. Wir glauben nicht an eine zweihundert Jahre alte Verfassung. Wir ändern unsere Schulbücher genauso wie unsere Gesetze, und das fast sooft wie unsere Wintergarderobe.  Und: Wir halten nichts von Waffen. Waffen gehören in die Hände von Profis, Profikiller ausgenommen. Wir überlassen das Schießen den Polizisten und dem Schützenverein. Und in der Regel schießen letztere. Ja – nicht einmal unsere Polizei nutzt Schusswaffen. Vorbildlich bei den Auseinandersetzungen auf dem G20-Gipfel dieses Jahr unter Beweis gestellt. Ein Krieg tobt auf der Straße und es bricht keine Massenschießerei aus: It´s possible. It´s unamerican.
Die wenigen Deutschen, die unter einer Dunstglocke der Fremdenangst aufwachsen, werden hierzulande das, was sie überall sind: latente oder manifeste Rassisten. In Amerika heißen dieselben Leute ‚Patrioten‘ oder ‚Alt-Rights‘ (die sich besonders gern auf die Bill of Rights berufen…Kontext Leute, Konteeeeext!).

Was hat das mit Waffen zu tun?


Wenn man einem (der vielen) unreflektierten Patrioten das aus der Verfassung hervorgehende Recht auf Bewaffnung beschneiden will, beschneidet man damit seine Potenz und befeuert seine Angst, sich anders nicht gegen ‚die Anderen‘ wehren zu können.
Der Verlust seiner Waffe würde den Gebrauch seines Präfrontalkortex zwingend nach sich ziehen, wenn er in der Welt ohne freien Waffenbesitz überleben will. Das bedeutet, dass er den Nerv aufbringen muss sich in ‚anderes‘ hineinzuversetzen, denn nur was man versteht kann man auch einschätzen, und was man einschätzen kann, muss man nicht mehr – so sehr – fürchten. 
Das verlangt viel von einem, dem seine ganze Schullaufbahn gesagt worden ist, er sei etwas Besonderes, bis er erwachsen ist und merkt, dass das nicht stimmt. Und um die Illusion aufrecht zu halten, hält sich dieser jemand dann an der zweifelhaften Romantik vergangener Tage fest, verbindet sich innerlich mit dem Urgroßvater, der für sein Land (und sein Recht auf Sklaven….) gekämpft hat, und streichelt dabei seine Waffe, die ihn wie eine in Blei gegossene Zeitmaschine direkt in die gute, alte, einfache Zeit, in eine ‚schwarz-weiße‘ Welt zurückversetzt.
Ohne sein Recht auf die Waffe: Was hat er dann noch?
Worauf und wie weit soll er sich noch reduzieren lassen?
Wie viel Beschneidung kann ein Mann vertragen, ohne sich komplett impotent zu fühlen?
Der Rassist in Deutschland weiß, dass er keine Sonderrechte auf Instrumente hat, die ihm ein Gefühl von Größe, Einfluss und Wichtigkeit geben. Der Rassist, also Patriot, in Amerika, hat das Gefühl, nicht nur ein Recht, sondern Privilegien zu besitzen. Privilegien, die selbst den einfachsten Mann zu einem anerkannten Nationalhelden machen. Dazu muss er nichts leisten, außer nach amerikanischem Gesetz erwachsen werden. Wer würde sich die nehmen lassen?
Genau auf dieser Klaviatur aus fatal zusammengepanschten Gefühlen wie Nationalstolz, Angst und Wehmut, spielt die NRA. Die NRA sagt dem Patrioten, der in Deutschland einfach nur ein Rassist wäre, dass er OHNE Waffen nackt wäre.

Urknalltheorie



Und genau deshalb wird das Thema Waffen und Waffennarrheit in den USA noch lange diskutiert werden. Erst, wenn sich der Patriot von Schusswaffen bedroht fühlt, könnte sich etwas ändern.      Wer muss sich also bewaffnen?
Wenn er wirklich der Rassist ist, für den ich ihn halte, wenn ihn wirklich so viel Fremdenangst plagt, dann ist die Antwort leicht: Die anderen!
Wenn die anderen nämlich plötzlich alle bis an die Zähne bewaffnet rumlaufen, bekommt der Rassist es mit rationaler Angst zu tun. Rationalität ist ja der Saatkeim aller Gesetzgebungen, und Logik führt sogar den schlichtesten Waffennarr zur einzig möglichen Conclusio:
Selbst wenn er sein eigenes Recht auf Waffenbesitz gern ausübt – DIE dürfen das nicht!
Also muss das Recht (seins!) auf Waffenbesitz strenger kontrolliert, überwacht und reglementiert werden – damit das bei denen nicht aus dem Ruder läuft!
Hoffen wir, dass die Amerikaner, um aus der Urzeit in die Steinzeit zu gelangen, keinen Urknall benötigen, sprich: keine bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen einer beliebigen Zahl von „anderen“ mit einer beliebigen Zahl von „nicht anderen.
Hoffen wir, dass irgendwann auch ohne Praxis die Theorie die Runde macht, ja, dass das Gros der 2nd Amendment Verfechter statt ihrer Waffe ihre Kinder liebevoll streicheln, weil ihnen bewusst geworden ist, in was für einer Welt diese leben, wo narzisstisch gestörte Rentnermillionäre sie beim unschuldigen Feiern auf einem Country Music Festival erschießen könnten.

Montag, 2. Oktober 2017

Gauland: Mit den falschen Federn geschmückt

Two wrongs don´t make a right...



Wer kennt Vichy? Den kleinen französischen Kurort, in dem 1940 ein Mann Geschichte schrieb.
Phillipe Petain, der Held aus der Schlacht um Verdun, verhandelte dort mit den Deutschen um das Schicksal Frankreichs. Überrannt von einer übermächtigen Wehrmacht, war das französische Militär flächendeckend außer Gefecht gesetzt. 2 Millionen französische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Darunter der junge Francois Mitterrand.
Petain gelang es, einen Waffenstillstand zu erwirken. Davon überzeugt, dass das Naziregime letztlich siegen würde, übte man sich alsbald darin, wie eine privilegierte Partnerschaft mit Hitlers Deutschland aussehen konnte. Und das ganz ohne Druck aus Deutschland. Das 1940 entstandene Vichy-Regime basierte auf einem unmoralischen Pakt mit dem Teufel. Die Judentransporte, die massenhaft Juden aus Südfrankreich in deutsche Lager wie Dachau deportierten, sind unter anderem trauriges Zeugnis dafür, mit welch hohem Preis Frankreich die Besatzungsfreiheit erkauft hatte.


Was hat das mit Gauland zu tun?

Am 02. September erklärte Alexander Gauland in kleiner, öffentlicher Runde, es sei an der Zeit einen Schlussstrich unter die deutsche Nazivergangenheit zu ziehen. Zudem solle man die Taten der deutschen Wehrmachtssoldaten endlich neu bewerten. So findet Gauland:
"Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."
Als sei das nicht schwierig genug, lobt Gauland obendrein die Wehrmacht. Wir Deutschen hätten ein Recht darauf, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".
Es erübrigt sich an dieser Stelle darauf einzugehen, weshalb diese Ansichten allein die große Mehrheit der Deutschen befremdet. Stolz sein auf unsere Kriegsvergangenheit und die ihr zu Grunde liegenden Motive? Wer Fußnägel hat, dem kräuseln sie sich.

Irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland, nachdem ihm die gefährliche Verharmlosung unserer mitnichten umfänglich aufgearbeiteten Vergangenheit von vielen Seiten vorgeworfen worden ist, irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland später zur Verteidigung auf Francois Mitterrand verweist.
Den jungen französischen Soldaten, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war.
Egal wie man zu Mitterrand steht, dessen Lob des deutschen Mutes und Patriotismus als Verteidigung heranzuziehen, ist einfach falsch. Gauland hat sich nicht nur mit fremden Federn geschmückt, in dem er sich einen großen (toten) Mann zur Seite stellt, er hat sich auch im großen Stile mit den falschen Federn geschmückt.

Entweder man sieht Francois Mitterand so, wie die Franzosen ihn vor der Aufklärung und Verurteilung der Verbrechen unter dem Vichy-Regime sahen.
Da kommt er ungeschoren als ein Held der berühmten Resistance Bewegung durch.
Da ist er vor allem wichtigstes Mitglied der Sozialistischen Partei in Frankreich gewesen.
Da ist er ein glühender Pro-Europa-Verfechter.
Weshalb er dann als Sozialist, als Europa-Befürworter, als Held der linken Resistance-Bewegung ein merkwürdiger Verteidiger in Gaulands Sinne wäre, der das alles nicht ist.

Oder man sieht Mitterrand als einen wankelmütigen Opportunisten.
Als einen Mann, der ehrgeizig die eigene Moral hintanstellen konnte, wenn es denn seinen Interessen diente. Ein Mann, der nach seiner Flucht aus der Kriegsgefangenschaft für das Vichy-Regime gearbeitet hat, ehe er in die Resistance ging. Der sich aber von Petain mit einem hohen Orden auszeichnen ließ und Petain, den Kriegsverbecher, bis zuletzt als Freund bezeichnete. Ein Mann, der ganz im Geiste der rechtsnationalen Bewegung in Frankreich für die Zeitschrift "France, revue de l`état nouveau" Artikel verfasste. Der sich über Überfemdung echauffierte und den Organisator der Judentransporte aus Vichy bis zu dessen Tod 'sehr schätzte''.
Unter welchen Umständen er ein ebenso schlechter Fürsprecher in Gaulands Sinne wäre, da man dann davon ausgehen kann, dass Mitterrand die Nazivergangenheit Deutschlands ebenso verharmlost hatte, wie Gauland es tat. Two wrongs don´t make a right.

Es bleibt ein Gefühl von Verwirrung darüber, weshalb Gauland sich mit den Federn eines Feindes seiner Ideale, oder eines Freundes seiner Ideale verteidigt hat. Klar ist nur, dass er besser daran getan hätte, jemanden zu zitieren, der weniger kontrovers ist.
Er hätte aber auch einfach zugeben können, dass er die Dinge so meint, wie er sie gesagt hat.
Ohne einen Übersetzer wie Mitterrand heranzuzitieren, der bei näherer Betrachtung auch keine große Hilfe ist.



Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com

Freitag, 29. September 2017

Verantwortung übernehmen - Deshalb konnte Merkel nicht gehen





Angela Merkel hat eine klare Einstellung zu Flüchtlingen, die hier entweder Zuflucht oder Chancen suchen: In einer Notlage helfen wir. Kein Mensch ist illegal. Deutschland schafft das.
In den Medien wurde schon lange vor der BTW gestöhnt, als Merkel das Offensichtliche bestätigte: Ein weiteres Mal als Kanzlerkandidatin zu kandidieren. "Die ewige Kanzlerin" wird nun gespöttelt, wer ihre Haltung zur Flüchtlingspolitik ablehnt, meint, sie gehört abgeschafft. Gänzlich. Nicht nur als Kanzlerin. Doch was verlangte man von Angela Merkel, als man seinen Überdruss über ihre Wiederaufstellung und Wiederwahl aussprach? Selbst diejenigen, die grundsätzlich mit der Regierung einverstanden waren, schimpften: "Das wird doch langweilig".
Hätte sie wirklich gehen sollen?

Ihr Verantwortungsgefühl verbietet es - Unseres auch


Wer Millionen von Flüchtlingen sagt:
Wir schützen euch.
Wir rehabilitieren euch.
Wir finden eine Lösung.
Wir wollen euch hier und in eurer Heimat helfen.
Wer 80 Millionen Deutschen Zuversicht, Nachsicht, Geduld und Empathie abverlangt.
Wer immer wieder Fehler und Rückschläge hinnehmen und ausbessern muss. Der geht doch nicht mittendrin, doch nicht noch fast am Anfang aller auf uns zukommenden Arbeit, und sagt "Na da habt ihr jetzt echt einiges zu tun: Viel Spaß! Ich geh dann mal."

Was hätten ihre Nachfolger gewettert!
Sie hätten Merkels Politik womöglich nicht vertreten. Sie hätten die Dinge anders gemacht. Alles neu, alles umwerfen, eigene Regeln, eigenes Tempo. Dann hätten sie geschimpft auf alles, was Merkel geschafft hatte, in Bewegung zu setzen. Jedes Mal, wenn sie gescheitert wären, hätten sie auf Merkel als Buhmann gezeigt, gesagt: "Die ist schuld. Die hat uns das eingebrockt!"
Es wäre so geworden, wie mit Obama und Donald in Amerika. Wie mit der Debatte um die Gesundheitsversorgung der angstgepeitschten Amerikaner. Obamas Zeit reichte nicht, um die Fehler, die Lücken und die Schwächen seines Gesundheitsprogramms auszubessern. Er musste sein Baby in die Obhut von Gegnern geben, von Neidern, Feinden. Sie haben das Kind genommen und begonnen, es öffentlich zu schlachten. Die ganze Welt kann dem Ringen der Mächtigen um eine Gesundheitsreform zuschauen. Es ist furchtbar mitanzusehen, aber richtig schlimm muss es sein, direkt von dem Hickhack betroffen zu sein.

Keine andere Wahl


Obama hatte keine andere Wahl: im wahrsten Sinne des Wortes.
Er musste gehen. Das Gesetz verlangte es so. Dabei gab es noch so viel zu tun.
Nun bangen Millionen von Amerikanern um ihre Zukunft. Die Debatte um die Gesundheitspolitik ist dabei um ein Vielfaches bedeutender, als unsere hiesige Flüchtlingspolitik.
Wenn sich Obamas Erzgegner durchsetzen, sind Millionen von Amerikanern dem Tod geweiht.
Wer mit einer Behinderung geboren wird, wer einen Unfall hatte, wer schwanger ist, wer an einer geistigen Krankheit oder an einer Sucht leidet, ist geliefert: Niemand wird die Kosten der Behandlung übernehmen. In Deutschland geht es Gott Lob nicht um Leben und Tod der Deutschen. Wir bangen ja nicht, ob wir wegen des Zustroms an Flüchtlingen in 2018 vielleicht alle sterben müssen. Das tun die Flüchtlinge, über deren Schicksal noch immer nicht ausreichend berichtet wird, um endlich flächendeckende Sympathien zu wecken. Nein, bei uns geht es um ein paar Grundsatz-entscheidungen. Um die Verteilung von Hilfsmitteln, von finanzieller Zuwendung. Bei uns geht es um den Umgang mit Kriminalität unter Zugewanderten, um die Frage, wie weit wir unsere Gesetze verschärfen können, ohne unsere Ideale zu verraten.

Obama musste gehen. Er konnte nicht zu Ende bringen, was er begonnen hat.
Merkel hatte die Wahl: tatsächlich aber auch keine andere. Sie MUSSTE gewinnen.
Sie hat "das mit den Flüchtlingen begonnen", sie wird es zu Ende bringen.
Danach, das verspreche ich, wird sie dankbar gehen.
Angela Merkel hat mit Sicherheit nicht geplant 16 Jahre Kanzlerin zu sein.
Aber mit Sicherheit hat sie auch nicht vorgehabt ihren Kanzlerruhestand mit einem Verrat an ihren eigenen Prinzipien zu beginnen. Ich prophezeie, dass sie, sobald sie ihre Ziele - weitestgehend - erreicht hat, still und leise in den Hintergrund treten wird. Es wird jemanden geben, dem sie heimlich das Ruder übergibt. Der immer häufiger für sie sprechen wird. Vielleicht in Jahr 3 ihrer Amtszeit.
Angela Merkel ist nicht unsere ewige Kanzlerin.
Sie ist unsere verantwortungsvollste Kanzlerin!

P.S.
Meines Erachtens ist der Wahlausgang auch keine "Schlappe". Kein Zeichen dafür, dass die Wähler Merkel per se "abgewählt" haben. Für mich ist der Wahlausgang ein Zeichen dafür, dass es eine Vielzahl von Menschen gibt, die weiterhin eine moderne, progressive Politik wollen (Ausstieg Atomkraft, Flüchtlingsdebatte, Homoehe), denen es aber nicht modern und progressiv genug ist.
Eindeutig beweist das der Wiedereintritt der FDP in den Ring. Auch Linke und Grüne haben keine schlechten Positionen, und die SPD steht zwar schlechter da, als je zuvor, doch aber nur, weil es gleichzeitig andere Parteien mit einer starken Positionierung in den Bundestag geschafft haben.
Bei so vielen Parteien, wie wir sie jetzt 4 Jahre lang im Bundestag haben, musste ja eine Umverteilung der Stimmen passieren.
Der Ausgang der BTW ist kein Abgesang auf die CDU oder Deutschland, sondern eine Hymne auf unsere neuen Ideale.


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Hier - mit Augenzwinkern - mehr Argumente, weshalb wir alle gleich sind: Lesen!

Donnerstag, 28. September 2017

AfD - Wenn Familienmitglieder den Hass teilen

...wie die AfD Familienmitglieder verändert...

Wer glaubt die deutsche Gesellschaft stünde vor großen Herausforderungen, der hat noch keinen Blick hinter die Kulissen deutscher Familien geworfen. Die Gräben, die die AfD innerhalb unserer Familien reißt, sind unvergleichlich tiefer und schmerzhafter, bitterer, als der Graben, den die 10% AfD Befürworter in der gesamten deutschen Gesellschaft ausgehoben haben. 

Während des Wahlkampfes mag es öffentlich hoch hergegangen sein - aber wie ist das, wenn der Wahlkampf in der eigenen Familie weitergeführt wird? Wenn wochenlang seitenweise Emails hin - und herfliegen, in denen die nationalsozialistischen Ansichten regelrecht gefördert werden? Wenn verunglimpfende Memen von der Bundeskanzlerin geteilt und Hassreden verbreitet werden?

Hier ein persönlicher Aufschrei der Empörung darüber, was unsere Familie wegen der AfD aushalten muss.
Ein Brief an die AfD-Befürworter in unseren Reihen, die das Edelste in den Dreck ziehen, was wir haben: Unsere Familie!

Brief an die AfD in unseren Reihen


Es geht mir nicht darum, ob alles faktisch stimmt, was die AfD propagiert.
Auf der Metaebene des faktisch Richtigen kann man außerhalb der Familie debattieren.

Innerhalb der Familie kommt für mich vor den Fakten, wofür du stehst.

Bist du für den Klimaschutz, oder dagegen?
Bist du für Europa, oder dagegen?
Bist du für die Errettung Ertrinkender, oder dagegen?
Das ist für mich so einfach zu beantworten, wie
"Atmest du lieber, oder nicht?"
Wer mit "Nicht" antwortet, ist irgendwie gestorben.



Wir haben in den letzten Wochen tonnenweise Material bekommen, das entweder die AfD Propaganda repräsentiert, oder die AfD Propaganda unterstützt.

Ich bin entsetzt.

Dieses Video ist eines der letzten, das wir per Email bekommen haben.

"Schau´s dir an....". Wir schauten. Fassungslos.




Es zeigt den AfD Politiker Müller aus Bayern. Und es zeigt, wie weit sich vom Kern unserer Familie entfernt wurde. Die AfD hat einen Teil unserer Familie zum Mond geschossen. Von meiner Position hier unten aus, kann ich ihn einfach nicht mehr verstehen.

In einer Familie, die polnische, böhmische, jüdische Wurzeln...die afrikanische, indianische, irische Wurzeln hat, in einer Familie, in der Kinder und Enkelkinder sich mit aller Neugier, Offenheit und Menschenliebe anderen Kulturen zugewandt haben, kann man so eine Rede nicht guten Gewissens teilen. Hier haben wir uns nämlich unlängst der italienischen, der amerikanischen, der russischen, der vietnamesischen Kultur geöffnet. In dieser Familie, in der Mischkultur der Standard ist, in dem es kein Reinheitsgebot gibt, in der niemand wirklich sagen kann, welche Kultur das eigene Aussehen oder unseren emotionalen Reichtum am meisten geprägt hat, in dieser Familie ist die Rede des bayrischen AfD Politikers eine Ohrfeige!


Das ist Nazigedankengut!


Ich fühle, wer auch immer in UNSERER Familie befürwortet, was in dieser Rede propagiert wird, hat sich vom Kern all dessen, was unsere Familie besonders, was alle darin enthaltenen Kinder wertvoll macht, entfernt. WEIT entfernt!

In einer Familie, wie der unseren, KANN man sich gar nicht wohlfühlen,
wenn man diese Rede befürwortet. Wenn man ihre Inhalte teilt.
Wenn man die Konsequenzen aus solchen Reden herbeisehnt.
Nein - in dieser Familie, in der

italienisches
afrikanisches
jüdisches
polnisches
böhmisches
russisches
vietnamesisches
amerikanisches
und vermutlich auch französisches

Blut

gelebt, zelebriert, integriert, geliebt, vermehrt, vermengt wird,
in dieser Familie ist kein Raum für jemanden, der dem Fremden mit so viel
Wut, Hass, Argwohn und Ablehnung gegenübersteht.

Der sogenannte Bevölkerungsaustausch hat in dieser Familie schon über Generationen hinweg Tradition. Er ist Teil unserer Geschichte, er ist schon jetzt - die Partnerwahl unserer Kinder einbeziehend - Teil unserer Zukunft.

Das Reinheitsgebot kennen unsere Adern nicht!
Wir alle sind aus den Herzfasern der Weltbevölkerung gemacht!
Wir sind stark, schön und besonders, weil wir nicht nach einer Art gut geraten, sondern
als Mensch gut geraten sind.

Bis vor kurzem wurde so über das Judentum gesprochen, hier in Deutschland, wie über den Islam. Es gilt:
Die Deutschen sind keine Nazis,
die Juden nicht die Geißel der Menschheit,
die Muslime keine Terroristen!


Es sind stets einzelne, separatistische Gruppen, die ihren Fundamentalismus versuchen in die Welt hinauszutragen. Neuestes Beispiel für fundamentalistische Hardliner sind die AfD und all ihre Anhänger.

Fundamentalismus ist gefährlich.
Fundamentalismus verletzt Menschen, spaltet Familien.
Fundamentalismus lässt keinen Raum für Kompromisse.
Fundamentalismus kennt keine Flexibilität.
Vor allem aber kennt Fundamentalismus kein Pardon.


Die Familie, wie die Gesellschaft, ist ohne Pardon verloren.
Die AfD hat unsere Familie gespalten.
Die Angst, die sie geschürt hat, hat Seelen gefressen.
Uns bleibt nichts, als auf den Rückflug vom Mond zu warten.





Foto wie immer von Ryan McGuire @ gratisography
...von mir verfremdet...


Dienstag, 12. September 2017

Wie Donald Trump moderne Bildungsziele ad absurdum führt

Leben auf der Überholspur: Ist das alles, was wir wollen?


In unserer Gesellschaft wird von Druck gesprochen. Druck und Wettbewerb, und natürlich Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen wachsen, besser werden, schneller werden. Die Frage ist doch nur: Verglichen mit wem? Und: Ist jedweder Vergleich wirklich so vernünftig?

Bildung ohne Konkurrenz


In der Schule wird mobil gemacht. Das heißt: Kaum hat der Erstklässler gelernt sein zukünftiges Schreibbesteck normgerecht zu halten und die Reihung des ABC zu verinnerlichen, beginnen die Diktate in Schreibschrift. Kaum hat der Erstklässler gelernt eine Vorstellung vom Nutzen von Zahlen, vom Zählen, vom Auf- und Abrechnen zu entwickeln, beginnt er mit dem kleinen Einmaleins, ungeachtet dessen, dass er noch immer auf der Spur des Addierens und Subtrahierens ist. Die zweite Klasse beginnt für den Schulneuling mit Druck. Tempo, Fortschritt, Wachstum: Alles jetzt gleich. Wer sich Zeit lässt, wird abgehängt.

Donald Trump machts vor:
Weshalb nur 'in Konkurrenz' denken nicht zum Ziel führt


Donald Trump macht vor, wie ein Kind dieser Schule als Erwachsener agiert:
Schneller, weiter, Wachstum, Konkurrenz, Wettbewerbsfähigkeit. Ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Plan. Das einzige, was er im Kopf hat, ist seine eigene Größe zu maximieren. Bei ihm ist der gesellschaftliche Kanon vom ewigen Wachstum, von ständiger Gewinn(er)maximierung angekommen: Leider vollkommen ohne Inhalte.
Der Präsident der Vereinigten Staaten bemerkt voller Anerkennung, dass das durch den Hurricane Irma am meisten gewachsene Label die amerikanische Wasserwacht geworden sei. Jetzt sind die so richtig bekannt, weil die so mutig gewesen sind und wirklich Leute gerettet haben. Toll - das macht das Label "America" wieder so richtig populär!
Den Hurricane Harvey Opfern teilte der Präsident mitfühlend mit, dass sie mit Sicherheit nie so viel publicity gehabt hätten, wie nun. "Hier ist richtig was los", bemerkt der Präsident, und "Wow, großartig, wie viele Leute hier sind". Er wünscht den Helfern nach einem "wunderschönen Erlebnis" noch einen "schönen Tag". Die Einschaltquoten seien gigantisch!
Donald Trump, der kein besonders guter Stratege, noch ein Diplomat, noch ein Verhandlungstalent, noch irgendetwas vergleichbar Nützliches für einen Mann an seiner Stelle ist, ist nur eines:
Ein Maximalist.
Alles ist in seinem Falle eine Frage der Größe, Größe führt zu Wichtigkeit, und Wichtigkeit ist sein Lohn. Großartigkeit wird bei ihm nicht an Sinnhaftigkeit gemessen.

Donald Trump ist Sinnbild für die Krise, in der die Bildung weltweit steckt:
Ist mehr wirklich immer mehr? Oder: ist mehr immer besser?


Die Massen an Menschen, die ungläubig oder begeistert an seiner Vereidigung zum Präsidenten teilnahmen, vereinten sich in diesem Zusammenhang zur "größten Ansammlung aller Zeiten". Seiner Vereidigung haben angeblich mehr Menschen zugesehen, als bei irgendeiner davor.
Obschon der Präsident wenig für irgendetwas tut, brüstet er sich damit, dass sein de facto chaotischster Regierungsapparat, den die USA je erlebt hat, mehr schafft, als alle vorherigen.
"Wir haben schon jetzt mehr geschafft, als alle meine Vorgänger in den ersten Jahren ihrer Amtszeit", wird Donald Trump nicht müde zu behaupten. Tatsächlich schafft er vor allem mit Hochdruck ab, was sein Vorgänger und größter Konkurrent, Barrack Obama, etablieren wollte bzw etabliert hat.
Er sei der beliebteste Präsident, auch wenn das laut Umfragewerten nicht der Wirklichkeit entspricht.
Er habe mehr für das vereinte Amerika getan, als irgendeiner vor ihm, auch wenn die USA seit Jahrzehnten nicht mehr so tief gespalten war, wie sie es jetzt ist.
Donald Trump liebt es zu polarisieren, zu übertreiben, groß zu tun: Es ist offenbar auch das einzige, was er wirklich kann. Doch: Dumm kann er nicht sein, es gibt keine Belege dafür, dass er weniger intelligent als viele seiner Mitstreiter im Weißen Haus wäre. Aber schlicht ist er. Und das ist ein Problem!


Standardisierung + Wettbewerbsblindheit = Schlichtheit



Donald Trump kommt aus einer Familie, in der einfache Formeln eins bedeuten: Geld.
Geld = Wohlstand, und Wohlstand wollen ja alle.
Den Wohlstand in der Gesellschaft mehren, das ist das Ziel. Wirklich?
Wenn Wohlstand nur die Menge an verfügbaren Finanzmitteln ist, den emotionalen und kulturellen Reichtum eines Menschen aber ausklammert: Laufen wir dann nicht Gefahr, als Gesellschaft zu verarmen? Ist das wirklich, was wir wollen?

Wettbewerbsblindheit macht, dass wir Druck auf Individuen ausüben, die wir trotz ihrer Einzigartigkeit alle auf eine Stufe stellen, um sie überhaupt miteinander vergleichen zu können.
Wettbewerbsblindheit macht, dass wir mit einer regelrechten Manie Standards und Normen aufstellen, an denen wir jeden einzelnen messen.
Wettbewerbsblindheit macht, dass wir alle Fähigkeiten und Potentiale beschneiden und verbiegen, damit sie zu unseren Normen und Standards passen.
Wettbewerbsblindheit sorgt dafür, dass wir alle Menschen, alle Schüler, in eine Schublade stecken.

Der Sinn von Bildung ist uns abhanden gekommen, das bloße Pauken von Methodenkompetenzen und das Voranpeitschen von Kindern zu höheren, größeren, weiteren Lernzielen verfehlt, worum es in der Bildung, in der Mensch - und Erwachsenwerdung eigentlich geht: So bekommen wir keine gesamtheitlich gebildeten Menschen mehr, die in der Lage sind, ihr Leben und die Welt ganzheitlich zu formen.
Ohne ganzheitliche Bildung - werden wir höchstens bessere Trumps.
Und das ist keine schöne Aussicht.


Was muss sich ändern?


Wir müssen Konkurrenz abbauen.
Als Konkurrenten sehen wir nur: "Was hat der, was ich nicht habe?", statt zu sehen "Was habe ich, was kann ich damit alles machen?" Wenn wir nur einer definierten Zielgerade folgen, bemühen wir uns auch nur, diese eine Zielgerade zu erreichen: Und Erster dabei zu sein.
So kommen wir nur einen Schritt weiter, als der andere.
Aber wir erreichen nie mehr, als das.
So, wie Donald Trump.

Er hätte ein großartiger Politiker sein können. Er ist ganz anders, als all seine Vorgänger, er hat Humor und weiß, wie man unterhält. Er hätte mit seiner Fähigkeit, selbst die bildungsfernsten Menschen zu bewegen, Großes vollbringen können. Er hätte sich aller Themen annehmen können und sagen können: Gemeinsam gehen wir über alle uns bekannten Ziele hinaus!
Aber weil er ein Kleingeist ist, weil er unter völliger Bildungsarmut leidet, kennt er nur:
Zielgeraden. Planvorgaben. Zahlen. Größe.
Und weil sein größter Konkurrent Barack Obama ist, und weil der schon so viel Lob eingeheimst hat, fällt ihm nichts Besseres ein, als Barack seine Lorbeeren wegzunehmen. Wenn nicht durch Leistung, dann durch Streichung der Disziplin, in der Barack sie einstmalst verdiente.

Der fette, plumpe, reiche Junge, der gern so cool und sportlich wäre, wie der schlacksige, braune Highschoolliebling, wird Schulsprecher. Er verbietet zuerst die Teilnahme an Sportwettbewerben für schlacksige, braune Kinder. Dann verbietet er Sportwettbewerbe gänzlich. Dann lässt er den Trophäenschrank, der an die Leistungen der Sportler erinnert, vernichten.
Dann fällt ihm nichts mehr ein.
Bis ihm auffällt, dass der schlacksige, braune Junge immernoch gelobt wird: für seine Arbeit in der Schülerzeitung. Die macht er dann platt. Indem er alle, die Anhänger seines Erzfeindes sind, feuert. Und durch Schleimer, die ihm huldigen, ersetzt. Er liest nie die Artikel, die über ihn verfasst werden. Er zählt nur, wie oft sein Name in jeder Ausgabe auftaucht. Das vergleicht er damit, wie oft der Name seines Konkurrenten auftaucht. Nur, wenn er öfter genannt wird, als der genannt wurde, ist er zufrieden.
Er ist ein Junge ohne eigene Werte, eigene Ideale, eigene Inhalte. Er ist ein Junge ohne Ideen.
Er ist eine geistlose Maschine, die nur zu einem Zweck gebaut wurde:
Konkurrenz vernichten, Konkurrenz überholen.


Wollen wir das für unsere Kinder?

Nein, mit Sicherheit nicht.
Deshalb sei allen Eltern, Lehrern und Bildungspolitikern an dieser Stelle gesagt:
Zensuren zeigen nur, an welcher Stelle ein Mensch im Wettrennen um die besten Plätze ins Ziel gekommen ist. Sie zeigen nur, was dieser Mensch im Rahmen fester Standards ohne Flexibilität, ohne Platz für Individualität, kann. Wenn ihr den Druck dieses Systems aufrecht erhaltet, schiebt ihr die Menschen weg von ihrem ureigenen Potential: Und macht ihnen am Ende Angst davor, es zu entfalten.
So werden wir zu China, zu einem Land von Überflüglern, die vor allem darin glänzen, die Ideen und Erfindungen anderer zu kopieren und höchstens zu verfeinern. Mit eigenen Ideen glänzen momentan immernoch wir - wenn wir wollen, dass es so bleibt, sollten wir schleunigst umdenken!


Dir hat der Artikel gefallen?

Hier ist ein weiterer Artikel über Donald Trump mit prophetischen Zügen: Lesen!


Foto wie immer von gratisography.com, Ryan McGuire

Dienstag, 5. September 2017

SCHULE - Loslassen oder Anfassen?

Führen mit festem Druck: Oder einfach nur zugucken


Seit der Einschulung unserer jüngsten Tochter ist ein Jahr vergangen. Die Aufregung der ersten Monate und das Gefühl, mein Kind ganz ganz falsch untergebracht zu haben, sind abgeklungen.
Ähnlich wie bei den Phasen der Trauer sind wir beim Stadium der Akzeptanz angekommen:
Wir akzeptieren, dass die Schule SO nichts für unsere Tochter ist.
Wir akzeptieren, dass wir momentan noch keine Alternative für sie gefunden haben.
Wir akzeptieren, dass wir diese Alternative nicht haben, weil wir unsere Tochter als Schulkind erst noch kennenlernen wollen und müssen - Step by Step.

Schule ist doof. 

"Ich mag die Schule nicht" - stellt meine Tochter nüchtern fest. Wenn andere sie kürzlich fragten "Und, freust du dich schon auf die Schule?" - es waren ja grade Sommerferien - beantwortete sie das erwartungsgemäß mit "Ja" - und gab dann Fersengeld. Bloß keine weiteren Fragen beantworten müssen. Uns sagt sie, was sie denkt. Sie mag die Konkurrenz nicht. Das Tempo ist zu hoch. Die Lehrerin zu streng. Sie kann sich nicht konzentrieren, wenn alles zu schnell geht. Sie hat Angst, Fragen zu stellen. Hilfe abzuholen. Wegen der anderen.
Wenn unsere Tochter von Schule erzählt, klingt das schon jetzt, wie wenn meine Freundinnen von ihrer Arbeit erzählen. Nach Stress pur. 

Cool bleiben. Aber wie cool?


Unsere Reaktion darauf: Entspannt bleiben. Ruhe reinbringen. Dem Kind Freiheiten lassen, zu tun, wonach ihr ist , wenn sie von der Schule kommt. Schwierig nur, dass unsere Tochter eigentlich mehr Hilfe braucht. Mathe ist so ein Kandidat. Daran beißt sie sich schon jetzt die Zähne aus. Eine Kombination aus Prüfungsstress und Talentfreiheit. Wir versuchen es mit Mathespielen. Aber die reichen offensichtlich nicht. Man müsste richtigen Stoff üben - aber dann kommt der Druck zurück. Der, dem wir hier ausweichen wollen. Wir wollen nicht Schule nachmachen, wir spielen höchstens mal Schule. Wir wollen nicht Wissen vermitteln, sondern beim Vertiefen unter die Arme greifen. Tränen über Mathespiele? Nein - that was not the plan.

Loslassen


Eine momentan viel beäugte Möglichkeit ist das Loslassen. Die Schule passt nicht zu uns Eltern, der Unterricht und die Ziele nicht so wirklich zu unseren Ideen und zu unserer Lebenswirklichkeit.
Artikel von Bloggern, die "Aussteiger" sind, also aus dem System ausgestiegen sind, oder von neuen Schulkonzepten, wie dem der NSH Hamburg, über das ein ins System Zurückgekehrter in der letzten brandeins berichtet hat, machen uns Hoffnung. Und Mut. 
Es stellt uns aber auch vor eine Herausforderung: Wie können wir neben Arbeit und Alltag den Raum schaffen, indem unsere Tochter das mitbekommt, was wir uns eigentlich von der Schule erhofft haben? 

Erziehungskompetenzen ausbauen


Wir müssen uns an die eigene Nase fassen.
Unser Kind besucht eine altmodische Schule. Wir sind das Gegenteil von altmodisch. Wir leben so modern, dass es unsere Eltern mitunter befremdet. Wir sind weltfremd, wird uns vorgehalten. Aber nicht hier. Nicht, wo wir uns ein Leben aufgebaut haben. In unserer Wahrnehmung sieht Zukunft so aus, wie unsere Nachbarschaft. Wie unser Kiez. Wie unsere vier Wände. Liberal. Weltoffen. Neugierig. Multikulturell. Wir glauben an selbstfahrende Fahrzeuge, Uber, Airbnb, Share-Communities, Recycling, Shared-Offices...also gesellschaftliche Modelle, die sich von dem, womit wir aufgewachsen sind, unterscheiden.
Jetzt heißt es unserer Tochter nicht nur vorleben, sondern beibringen, wie diese Modelle funktionieren. Erfindungsgeist, Wissensdurst, Bewusstsein schaffen...Kompetenzen, in denen wir 'ausbilden' müssen, um fürs Erste auszugleichen, was ihre Schule nicht bieten kann und wird.
Gott Lob müssen wir das Rad nicht neu erfinden - es gibt viele Kurse in einer Hauptstadt wie Berlin, die alle dasselbe wollen: Unser Geld - und formbare menschliche Geister!

Und dann?


Loslassen, statt Druck ausüben und führen. Ich erinnere mich an meine Kindheit: Weinend über Matheaufgaben gebeugt. Oder mein Bruder: Nachmittage seiner Kindheit waren dahin, eingesperrt in einem dunklen Zimmer, hoffnungslos überfordert aber auch hochgradig blockiert von all dem Druck, der in der Schule, wie auch Zuhause auf ihm lastete. Mein Bruder ist mein Vorbild. Er hat sich gegen alle Widrigkeiten Freiheit erkämpft. Die Grenzen seines Lebens hat er sich selbst ausgesucht, den Druck, den er jetzt in seiner Arbeit erlebt, hat er selbst gemacht. SELBST...das ist das Ziel. Die Antwort.
Das erste Wort unserer Jüngsten war ein langes, ausgedehntes "Neiin". Nicht laut, nicht schrill. Das ist nicht ihr Stil. Sondern klar, deutlich, nüchtern. Es war ein "-ich meine das ernst" - Nein. Was sie sagt, meint sie. Hat Hand und Fuß. Ist meist sachlich korrekt. Sie weiß, was sie will, und wenn sie kann, lebt sie danach. Druck ist nicht ihr Ding. War es nie. Wir wollen ihr zeigen, wofür sie zur Schule geht. Warum sie das alles macht. Wofür sich das lohnt. Das schafft die Schule nicht - sich attraktiv zu machen für Querdenker und Eigenbrödler. Nur, wer gern mitläuft und sich gern mit anderen misst, ist in dieser altmodischen Form von Schule gut aufgehoben. 

Wir lassen also los...wir werfen den Boomerang. Hoffentlich trifft er uns nicht!

Dienstag, 16. Mai 2017

Junge Frau (ich) & Alter Mann (er) Teil 2


Frühjahrsputz die Zweite.
Ordnung muss sein. Auch im Oberstübchen. Sortiere demnach grade meine Gedankenstapel und archiviere einzelne Ideen und Erinnerungen je nach Priorität und Erzählwert. Eine Sache, die ich loswerden will - in Anbetracht von Macron und seiner 25 Jahre älteren Frau und Ex-Lehrerin Brigitte - ist dieses Thema, das heute zufällig auch grad wieder in aller Munde ist.
Nämlich die Frage nach dem WARUM.
Warum sind wir (juhu, ich eins im Geiste mit Frankreichs neuem Präsidenten), mit ihnen zusammen: Den Menschen, die locker unsere eigenen Eltern sein könnten?
Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass ich grundsätzlich erstmal bis über beide Ohren verliebt in meinen 17-Jahre-älteren Mann bin. Das müsste eigentlich ausreichen, tut es aber nicht. Man 'glaubt' es eben nicht, kauft diese Liebe nicht ab. Ist das nicht vielleicht doch ein verkappter Vaterkomplex? Braucht Emmanuel Macron eine Leihmutti? Hat er vielleicht in Wirklichkeit Affären mit ihren hübschen Töchtern?
Es stellt sich nicht nur bei Emmanuel Macron die Frage danach, was er an dieser 'alten' Frau findet - sondern es stellt sich allgemein die Frage:
Was haben sie, was unsere gleichaltrigen Gegenstücke nicht haben/hatten?
Lassen wir also kurz bei Seite, dass Liebe 'blind' ist (oder macht) und weder Alter, noch Religion, noch Geschlecht kennt...

Hier sind ein paar Gründe, weshalb WIR kein Problem mit Partnern haben, die so alt sind, wie unsere eigenen Eltern


1. Es ist nicht ihr Geld: Es ist ihre Unabhängigkeit
Selbstbewusstsein IST manchmal eine Frage des Alters


Was haben Menschen jenseits der 40 in der Regel erreicht? Richtig: Finanzielle Unabhängigkeit! Zumindest oder insbesondere im Vergleich zu Menschen in ihren 20gern. Ist das attraktiv? JA. Nicht wegen der materiellen Güter, auf die man vielleicht mit 20 noch scharf ist, sondern wegen der Freiheiten und Entscheidungsmöglichkeiten, die ein gesichertes Einkommen mit sich bringen.
Einfältige (oder junge) Menschen denken jetzt an Reisen, Autos, Kleidung. "Toll, denen geht´s doch nur ums Geld". Na ja - JEIN. Denn Reisen, Autos, Kleidung - das können wir mit ein bisschen Disziplin oder einem ganz gut bezahlten Job eigentlich auch schon mit 20 haben. Reiseblogger sind idR nicht 40+.
Nein, wir stehen auf die Unabhängigkeit und die - nach Jahren des Berufslebens erlangte - Reife, mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln gut umzugehen. Ja, ein Mensch, der Kaufentscheidungen genauso ernst nimmt, wie Lebensentscheidungen, entrückt manchen jungen Frauen (und Männern) ein entzücktes Seufzen: Das ist sexy!

2. Keine Machtkämpfe

Wer sich zum Affen macht und wer zum Obst...


Wessen Karriere geht vor?
Wer kümmert sich um die Kinder?
Wer darf sich selbst verwirklichen?
Wer ist wichtiger?
usw.

Fragen, die zu kritischen Kämpfen innerhalb jeder jungen Beziehung führen können. Ständig muss sich abgestimmt werden, schlimmer noch, es muss gekämpft werden, um das Recht auf Eigenständigkeit, auf eigene Entscheidungen, auf Dinge, die mir gut tun, nicht dir usw. Egoismus ist ganz und gar schwierig in jungen Beziehungen, wenn beide noch alles vor sich haben und die einzige Krise, die gemeistert werden muss, das Finden eines Babysitters oder das Absagen einer wichtigen Veranstaltung ist. Mit älteren Partnern muss man nicht um Ausgehzeiten, Babysitter, 'Verzicht auf' oder 'mehr Zeit für' feilschen - denn das, wonach wir uns sehnen, haben unsere älteren Partner schon alles gehabt. Sie haben die Kämpfe oder die Freiheiten erlebt, sie haben genossen, was zu genießen war und vielleicht den ein oder anderen Schaden auf Grund falsch verstandenen Freiheitsdenkens (> Scheidung) verursacht/erlitten. Fast müde können sie über jungen Enthusiasmus und das Bedürfnis, die Welt aus den Angeln zu heben, lächeln...oder als erfahrener Unterstützer von eigener (Frei-)Zeit großzügig abgeben. Sich nichts erkämpfen müssen und für die noch so abwegigste Idee mitunter sogar Beifall ernten (zB weil Geld keine so große Rolle mehr spielt): Das ist sexy!


3. Kinderfragen? Nicht vertagen
Kinder bedeuten nicht den finanziellen Ruin, aber ihr Spielzeug

Welche junge, kinderlose Frau kennt das nicht: Die Suche nach einem Mann, der bereit ist, eine Familie zu gründen. Gar nicht so einfach. Heutzutage sind so viele selbst mit 35 Jahren noch mehr Kind als Mann, dass zu Recht Zweifel aufkommen, ob denn schon genug Reife und Verantwortung für eigenen Nachwuchs vorhanden sind. So hangelt sich Frau von heute, wobei sie natürlich Zeit hat Karriere zu machen, von Beziehung zu Beziehung, ohne das Gefühl zu haben: Hier kann ich Anker legen, hier kann ich mir was für die Zukunft aufbauen. Zukunft? Die verbinden junge Männer heute mehr damit, was sie haben wollen, und weniger mit dem, was sie aufbauen möchten. Erst, wenn sämtliche Bedürfnisse befriedigt, sämtliche Statussymbole abgearbeitet und in den eigenen Besitz überführt wurden, erst wenn ER in den Spiegel schauen und sagen kann "So wollte ich immer aussehen, das wollte ich immer haben", erst dann kommt die Frage nach dem 'Mehr', nach dem 'Sinn', eben nach Geben...und nicht nur Nehmen. Zu dumm, dass Frau vor lauter Warten schon 35 geworden ist...oder 42...
Wer sich als junger Mensch mit einem älteren Partner zusammentut, hat unter Umständen das Glück gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Erstens bekommt man in der Regel einen Menschen, der schon Familienerfahrung gesammelt hat und weiß, dass Kinder nicht das Ende aller Freude sind. Zweitens, so er nicht irgendeinen Schaden in seinen letzten Beziehungen genommen hat, steht er dem Thema Familienplanung meist locker und sogar mit einem gewissen Wunsch nach Konkretheit gegenüber - denn er ist zu alt, um noch zehn Jahre zu warten: Anders als sein mittzwanzigjähriger Konkurrent, von dem Frau weiß, dass er sich ohne Umstände noch locker 10-15 Jahre Zeit nehmen kann, wenn er wollte. Wenn also die Biologie sagt "Ich will ein Baby" und das Feld vertrauenserweckender, gleichaltriger Partner mit gleichem Wunsch eher spärlich gesäht ist, dann fällt ein Familienvater mit der Option auf Zuwachs überaus positiv auf: Das ist sexy!

4. In der Ruhe liegt die Kraft

"Gut gewachsen" kann schöner sein, als "Noch im Wachstum"




Wie ist das, wenn man schon zehn Jahre seines Lebens miteinander verbracht hat? Vielleicht von 20 bis 30? Wenn man alles in Frage stellt, die Zeit, die Entscheidungen, die gemeinsame Zukunft? Nun: Scheidungen folgen nicht umsonst wie ein Kometenschauer auf den 35. Geburtstag, wie Hochzeiten auf den 28. Besser ist es da, wenn man schon einen leidgeprüften Partner mit First-Hand Erfahrungen hat: Der hat da nämlich kein zweites Mal Bock drauf! Scheidungen sind immer scheiße, eine verschwindend geringe Zahl von Ausnahmen bestätigt die Regel. Ein Mann oder eine Frau, die das Tal der Horrorscheidungen schon durchwandert haben, haben mit Glück gelernt. Sie wissen, was sie damals hätten lassen sollen, aber auch, was sie versäumt haben, zu tun. Damals waren sie vielleicht auch noch jung und der festen Überzeugung, dass etwas Besseres auf sie wartet. Dass man "das Bessere" aber erarbeiten muss, dass da Arbeit und Disziplin und Treue dazugehören, dass man eine gute Partnerschaft nicht einfach nachgeworfen kriegt, sondern dafür Schweiß und Tränen investieren muss: Das wissen sie, weil sie geläutert sind. Wenn man dann als Mittzwanziger oder Mittdreißiger nach 7 Jahren plötzlich eine "Ich stelle grad alles in Frage" - Krise hat, dann wird der andere (ältere) mit Glück nicht auf Kollisionskurs gehen, aber auch nicht auf emotionale Fußfessel setzen. Er wird hoffen, dass er dem Sturm der jungen Gefühle dieses Mal standhalten kann. Er wird darauf setzen, dass Vernunft und Reden, Reden, Reden helfen werden. Er wird alles dafür tun, dem jungen Menschen keine Last zu sein, gleichzeitig aber auch seine Liebe beweisen. Schwer sich von jemandem zu trennen, der einem weder auf die Nerven geht, noch einen rasend macht vor Wut.
Und ja, es gibt jüngere Männer und Frauen, die ihm oder ihr gefährlich werden können - doch einmal im Angesicht mit schäumender Wut oder dickköpfigem Egoismus - holt einen die Realität schnell ein, und man merkt: So einen entspannten und ruhigen Partner - fast Verhandlungspartner - wie meinen, finde ich so schnell nicht wieder. Und ganz ehrlich: Ein stolzer Baum im Garten macht doch irgendwie mehr her, als ein glänzender Grill. Der ist zudem nicht unbedingt austauschbar und macht viel weniger Arbeit! Ruhe und Weisheit: Das ist sexy!


5. Wir sind (endlich mal) die Jungen
"Sie war jedes Wochenende im Museum - Er wollte LEBEN"


Ich glaube, wer sich in einen wesentlich älteren Menschen verliebt, hat auch innere Anteile eines "älteren", also reifen, Menschen. Man ist dann vielleicht ruhiger als seine gleichaltrigen Kameraden, oder ernster, oder verantwortungsbewusster, oder hat ganz verschrobene Interessen, wie Briefmarken oder Bronzefiguren aus dem 15. Jahrhundert. Was immer es ist - es wird etwas sein, das wir in unserem Gegenüber suchen. Die Gleichaltrigen finden uns sympathisch oder sogar nett mit unserem "Anderssein", sie können aber oft nicht wirklich etwas damit anfangen. Es ist - insbesondere in Beziehungen - eben doch eher ein Bug und kein Feature, wenn man als 20-Jährige von einem 20-Jährigen erwartet, vernünftige Haushaltspläne zu führen, Partys bis zum Erbrechen (wortwörtlich) fern zu bleiben oder in eine 4-stündige französische Oper zu gehen.
"Boah du klingst wie meine Mutter", oder "Du bist voll der Opa" sind dann zwar zutreffende, aber verletzende Kommentare. Wir 'alten Jungen' können ja nichts dafür, dass uns sowas wichtig ist. Wir sind eben....anders. Unser Jugendgefühl beziehen wir aus anderen Quellen, als Feiern bis spät in die Nacht, regelmäßigen Alkoholvergiftungen oder Rave-Festivals.
Wenn wir dann einem Menschen begegnen, der unsere Spleens genauso schätzt, wie unsere Jugend...in dessen Augen wir nicht klingen, wie eine Mutter, sondern wie ein ganz besonderer und ungewöhnlicher junger Mensch: Dann hallt das Echo dieser Bewunderung lange und mit viel Nachdruck in unseren Herzen wider. Denn um unser Selbst willen geliebt und bewundert zu werden UND für unsere Jugend: Das ist sexy!

Dies sind alles Aspekte, die ältere Partner so unglaublich attraktiv machen. Und es gibt viele mehr.
Emmanuel Macron beschreibt seine Beziehung zu Brigitte übrigens als "heimliche Komplizenschaft" - ich würde meinen Hintern darauf verwetten, dass die allermeisten Beziehungen zwischen 'Jung&Alt' den Flair eines verschworenen 2er-Clubs haben. Bei mir ist das jedenfalls so...

Wenn ihr jetzt neidisch auf eure schwieriger werdende "gleichaltrigen-Beziehung" schielt: Don´t worry! Es gibt im Freundeskreis unserer älteren Partner zahllose Paare, die die Stürme einer jungen Beziehung gemeistert und hinter sich gelassen haben.
Beides kann halt richtig gut funktionieren - es ist eben egal, wo die Liebe hinfällt:
Man muss sie nur richtig angehen!



Fotos wie immer von McGuire Fotos: gratisography.com