Dienstag, 16. Dezember 2014

Mein Trivial Pursuit
Der etwas andere Jugendclub: Was Hollywood mit Politik, der Jugend und ISIS zu tun hat

Blutige Träume

Sonntagmorgens kamen wir merkwürdig energiegeladen und bei bester Laune aus dem Film ¨The Equalizer¨ mit Denzel Washington. Merkwürdig, weil wir soeben einen unnötig blutrünstigen Film gesehen hatten. Einen Film, in dem nicht die Polizei bei Ladendiebstahl geholt wird, sondern der Hammer.
Wir überschlugen uns in eigenen Fantasien von ¨Wenn jemand dir das antäte, dann würde ich...¨ und Gedanken, wie ¨Manchmal würde man auch am liebsten mal aufräumen, so wie Denzel.¨ Wir fühlten uns erstaunlich gut, kein Alkohol, keine Drogen - es waren der Blutrausch und das Gefühl von Selbstgerechtigkeit, was uns flutete.
Wer kennt es nicht? Dieses Bedürfnis das Unrecht der Welt in Eigenregie bekämpfen zu wollen. Notfalls mit allen Mitteln.
Ich kenne das. Ich liebe Kinder. Das Wissen darum, dass es überall auf der Welt Kinder gibt, denen Leid angetan wird, quält mich. Es gibt zu viele Kinder, die versklavt werden, Kinder, von denen ganze (Sex)Tourismuszweige leben, Kinder, die verhungern - es ist eine Marter, sich mit diesen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Die Vorstellung den Menschen, die Kinder missbrauchen, töten und versklaven gegenüber treten zu dürfen, um dann Selbstjustiz an ihnen zu üben, tröstet mich in meiner Fantasie ein wenig: Nach Filmen wie ¨Trade - Willkommen in Amerika¨ - sehe ich mich in ihr vor lauter Wut und Verzweiflung über all das gezeigte Leid selbst für Ruhe und Ordnung sorgen. Für einen viel zu langen Moment sind mir die so getöteten Menschen dann egal: "Eh alles Schweine!"

Wenn Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen durch Erwachsene werden - wollen wir sie beschützen. Und den Täter? Den wollen wir ausgehändigt haben. So zeigt es die Realität, wenn kleine Nachbarschaftsgruppen mit selbstgefertigten Plakaten vor den Wohnungen von ehemaligen Straftätern demonstrieren, deren Verschwinden fordern und beklagen, dass die Justiz versagt hat. ¨So ein Schwein gehört gehängt, nicht in die Gesellschaft integriert¨ - hört man dann. Und denkt vielleicht auch, dass solche Menschen ihre Chance auf ein Leben in unserer Gesellschaft vertan haben. Hollywood schafft Abhilfe und füllt die Kluft zwischen dem Bösen und dem (machtlosen) Staat mit neuen Helden. Diese "Helden" (oder eher Anti-Helden), leben nicht für den Ruhm und die Anerkennung, sondern für die Sache an sich. Sie leben mit sozialer Ausgrenzung, sie leben damit missverstanden zu sein, sie leben allein. Ihr Motto lautet: "Grade, weil ich anders bin als ihr, ist mir möglich, anderes zu tun als ihr" und sie tun Gewaltiges. Schreckliches. Aber - davon sind sie überzeugt - in summa summarum tun sie das Richtige. Solche Outlaws, Gesetzlose eben, sind Figuren wie Denzel Washington in ¨The Equalizer¨. Der Ausgleicher. Aber auch Tom Cruise als Jack Reacher. Oder Liam Neeson in ¨Taken¨. Und natürlich auch ¨Batman¨, als der Held, den Gotham verdient hat. Die Zahl der Hollywood/TV - Anti-Helden, die für ihre Ideale und Prinzipien einstehen und für das Erreichen ihrer Ziele über Leichen gehen, ist groß. Die Massen, die sie ins Kino ziehen, sind noch größer. Sie tun das, was sie nicht sollen (zum Beispiel reihenweise morden oder ihre eigene Regierung in Gefahr bringen), weil sie  allein wissen, dass es so richtig ist.

Gewalt als aprobates Mittel

Menschen in die Luft sprengen, korrupte Beamte vor den Augen der Familie töten, ganze Dörfer auslöschen: Der Tod ist der stille Reiter in dem Szenario, das die Antihelden dichten. Wir Zuschauer stumpfen langsam ab ob der Übergewalt, die uns täglich präsentiert wird. Selbst die, die Kriegsfilme wegen ihrer Gewaltdarstellung vermeiden, kommen nicht umhin zuzugeben, dass der Tatort auch mal unblutiger war. Auch Filme, wie ¨Django¨ ,¨12 Years a Slave¨ oder ¨Gone Girl¨ schauen wir - wir gucken zunehmend einfach ¨dran vorbei", konsumieren die blutige Kost, fokussieren auf den Rest. Aber Bilder sind wie Worte: Man kann sie nicht zurücknehmen. Erst recht nicht, wenn sie einen täglich begleiten.

Ich erinnere mich an C.S.I. - eine Serie im TV, wo eine Einheit des CSI Tatorte betrachtete, säuberte und Theorien zum Tathergang aufstellte. Damals, als C.S.I. herauskam, empfand ich die Kamerfahrten unmittelbar hinter einem Projektil her, die durch Brust, Knochen, Herz und Rücken führten ekelhaft, ja - grenzwertig. Heute? Ist das ein ziemlich alter Hut. Stören tut es mich nicht mehr, ich habe mich daran gewöhnt solche Bilder zu sehen. Auch die Filmindustrie reagiert auf die Gewöhnung im Publikum - was früher mit Computer gezeigt wurde, wird heute wieder mit viel Kunstblut und Maske technisch unterstützt, um echter auszusehen. Die zweite Hauptfigur aus ¨The Equalizer¨ heißt Teddy und scheint direkt aus der Hölle zu kommen. Er tötet Menschen, noch viel mehr, als (...Denzel) nötig. Es gibt eine Prügelszene, wo man sich fragt ¨Oh mein Gott...muss das sein...? Das sieht aber echt aus...¨. Aber hingeschaut habe ich, bis zum letzten qualvollen Moment. Immerhin:Mir und meinem Mann ist es unangenehm solche Szenen zu sehen. Nicht mehr körperlich, wie früher. Sondern intellektuell. Wir fühlen uns unwohl, dass uns da Gewalt so cool und durchdesignt serviert wird. Uns passt es nicht, dass wir und alle anderen mit uns, sehen, wie ein Mensch buchstäblich zu Brei geschlagen wird. Die Kamera geht voll mit, sie will alles zeigen. Um uns herum sitzen zig junge Männer - ich höre respektvolles, fast ehrfürchtiges Staunen. ¨Krass - alter, dem hat ers voll gezeigt¨. Mein Mann und ich wir sind abgestumpft, wir gucken hin ...aber unser uns umgebendes, junges Publikum ist nicht nur abgestumpft:es ist begeistert. Fasziniert!

Ich ahne: Genau wie ich in meiner Fantasie beim Thema ¨Kindesmissbrauch¨ zum Racheengel werden könnte, sehen sich diese jungen Männer ebenfalls als Heilsbringer, Ausgleicher, als ¨Ritter in einer Welt ohne Ritter¨. Sie haben auch Fantasien, bestimmt. Denn unser aller Köpfe sind wohl genährt mit Bildern aus den Medien - sei es die Tagesschau mit Köpfungsszenen im Fernsehen oder eben das Kino. Neu ist, dass es immer mehr dieser Anti-Helden gibt, immer mehr Menschen, die wirklich grausame und brutale Selbstjustiz üben und dafür merkwürdige Begeisterung ernten und Faszination sähen. Wie der Vater, der in  ¨Taken¨  seine in die Sexsklaverei entführte Tochter aus Paris rettet und dabei alles zu Humus zerschlägt, was nicht fliehen kann (NICHTS kann fliehen!). Und ich meine alles. Keine Überstellung an die Justiz - nein nein, die Regierung, der Staat, die haben versagt - deren Zeit war mal, jetzt kommt einer, der alles richtig macht: Leichen säumen seinen Weg, aber egal - er tut das, wofür der Staat nicht mehr die Mittel und die Rechte hat. Er tut, woran er glaubt. Er verfolgt nur seine Prinzipien. Ein rechtschaffener Mensch, der eben tötet: Die Bösen. Und damit ist er - der Gute?

Sie tun, woran sie glauben. Sie verfolgen streng ihre Prinzipien. Sie töten Menschen - aber nur die Bösen. Die ISIS

Was hat das alles mit ISIS zu tun? Wenn ich so darüber nachdenke: Eine ganze Menge. Die Medien werden nicht müde uns darüber zu unterrichten, dass der Staat ein Versager ist. Nichts kriegt er hin. In Amerika herrscht unlängst eine ¨Alles muss man alleine machen¨ - Haltung, und ¨Wenn die uns nicht beschützen, machen wir es eben selbst¨. Daher die vielen Toten, die durch eigene Waffen erschossen werden. Auch in Deutschland wird ständig so über den Terror, über Ausländer, über die Politik - ja , eigentlich alles, berichtet, als wären die Politiker regelmäßig am Ende ihres Lateins. Hilflos und an ihre eigenen Gesetze (oder an ihre Geschichte, nämlich das dritte Reich) gebunden. In Kinos wird uns dann noch die Korruption unter die Nase gerieben, das ¨Du kannst eh niemandem als dir selbst trauen¨ - Mantra wird den Zuschauern eingehämmert. Das muss alles in allem ja gewaltig auf die Jugend wirken. Natürlich wenn ich mich schon mit Mähdräschern über Vergewaltiger brausen sehe und finde ¨Die haben es nicht anders verdient¨.
Es gab mal einen Internethype um Kony, den die ältere Erwachsenenwelt scheinbar nicht verstanden hat. Sie sprachen von leicht zu manipulierender Jugend, Naivität, Größenwahn. Meine Theorie? Die Kampagne um Kony hat den Menschen eines gegeben, was die allermeisten Vereine nicht schaffen: den Glauben daran, dass sie WIRKLICH etwas ändern können. Sie hatten lauter Instrumente im Angebot, die man als Befürworter nutzen konnte. Man konnte sich stark und wichtig fühlen.
Die ISIS macht es genauso: ¨Du musst nur zu uns kommen, wir bilden dich aus, wir zeigen dir, wie du für eine bessere Welt kämpfen kannst, du bist der Erleuchtete unter den Blinden, wir sind die Auserwählten, du brauchst nichts, außer Mut, wir nehmen alle an die Hand, gemeinsam können wir die Welt verändern!¨ 

In einer Welt, in der uns vorgebetet wird, es herrsche überall Ungerechtigkeit, in einer Welt, in der uns erzählt wird, die Politik könne nichts mehr ändern, weil: zu viele Regeln, zu viel Korruption! In einer Welt, in der Kinofilme und Serien den Outlaw, den Selbstgerechten, den ¨Macher gegen den Staat¨ verherrlichen und ihm eine breite Bühne geben: In so einer Welt wird man Anhänger der ISIS.

Was kann da helfen? Vielleicht, in dem wir selbst, wir ALLE aufhören, der Jugend einzuflüstern oder einzuhämmern, man könne sich nicht auf den Staat und die Regierung verlassen. Dann muss man nämlich auch nichts gegen das, woran wir glauben - nämlich an die ABGABE der Selbstjustiz in die Hände eines großen, fairen Apparates - unternehmen. Und man muss dem Staat auch nicht ¨helfen¨, in dem man Asylantenheime abfackelt, um zukünftigen Flüchtlingen zu zeigen ¨Hier ist kein Platz für euch¨. Wir müssen deutlich machen, dass der Staat niemanden braucht, der im Alleingang Mauern einreißt und dabei Existenzen ruiniert oder gar vernichtet. Edward Snowden könnte genauso ein Kinofan gewesen sein, wie wir. Ein junger Mann, der von vielen Filmen und einer ihn enttäuschenden Politik überzeugt wurde, im Alleingang die Welt zu verändern. Nur - das Leben ist nicht, wie im Kino. Eine leidvolle Erfahrung, die Edward Snowden machen muss, ebenso wie zahllose traumatisierte und verstörte junge Menschen, die sich der ISIS oder anderen Terrororganisationen angeschlossen haben und nun nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist.

Und zu guter Letzt: Vielleicht sollte man doch mal Flagge zeigen und einfach aus dem Kino gehen - schlicht und ergreifen deshalb, weil man zermatschte Gesichter eigentlich nicht sehen will.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Kind(Er-)Kenntnis
Länger schlafen und mehr mitkriegen: Schulstart verschieben!

Da bin ich auch dafür, Frau Schröder: Ausschlafen! Es gibt inzwischen immer mehr Studien die bestätigen, was die allgemeine Müdigkeit und Unkonzentriertheit in Schulen am Morgen seit Beginn des Unterrichts zwischen 07.00 Uhr und 8.00 Uhr unlängst bewiesen haben: Die Kinder sollten später mit ernsthaften Unterricht beginnen. Die, die in den ersten ein bis zwei Stunden Sportunterricht haben, die haben es gut - die sind dann wenigstens so richtig wach, wenn Mathe & Co. anfangen. Die Fächer, wo man (mit)denken muss. Es gibt viele Kinder, die kleine Nachteulen sind - auch ohne Film am Abend oder fehlendes Abendritual. Es gibt Kinder, die liegen immer um Punkt 8 im Bett und schlafen trotzdem erst eine halbe bis ganze Stunde später, ohne auch nur einen einzigen "Pipi, Hunger, Durst, Kann nicht schlafen" - Marathon absolviert zu haben. Die sind einfach abends nicht so müde. Dafür aber morgens kaum aus dem Bett zu pulen.
Lasst die Kleinen ruhig länger dösen. Mit einer Hortbetreuung ab 7.30 Uhr morgens sollte jeder Familie gerecht geworden sein, mit Märchen CDs und Kuschelsofa kann dann schön bis 8.30 Uhr geschlummert und nachgeträumt werden. Dann obligatorisch eine halbe Stunde Bewegung, vielleicht sogar an der frischen Luft, ein zweites Frühstück (für manche bekanntlich das erste) und FLUPP! - die Kinder sind so aufmerksam, wie wir nach 2 Espresso zum Frühstück.

Ja - gebt den Kindern mehr Zeit im Tag anzukommen!
Ich halte die Daumen gedrückt & die Zehen gefaltet - vielleicht bringts ja was.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Kind(Er-)Kenntnis
"Ich will nur das Beste für mein Kind! - Aber nicht von DIR!"

Ich wette, die ein oder andere hat sich schon beim Titel ertappt gefühlt. Es gibt schon im ganz kleinen Bereich Menschen, die unsere Kinder glücklich machen und zum Strahlen bringen und die wir dafür hassen. 

Es gibt die Willy-Wonka-Omis von nebenan, wo die Kinder nur klingeln müssen und schon ergießt sich ein nicht enden wollender Strom aus purem Zucker über ihnen. Oder auch diese unangenehmen aufdringlichen Kioskverkäufer, die beim Anblick des Nachwuchses sofort hinter der Theke hervorspringen und mit viel "Gefühl" eine Überraschung für "ihre Prachtkinder" locker machen. Es gibt aber auch diese elende Verwandtschaft im Ausland, die man nie sieht, die aber zu jeder Gelegenheit die kitschigsten Pakete der Welt schicken, voller Kram und Plunder, den kein Mensch braucht, die aber nicht weggeworfen werden dürfen (falls sie doch mal zu Besuch kommen). 
Diese Menschen gibt es überall - aber die meine ich nicht!

Ich meine z.B. die Schwiegermutter, die jeden Besuch mit großem Trara einläutet, stets eine gewaltige Menge an Geschenken mit sich führt und keine Gelegenheit ungenutzt lässt, einem ihre Sorge um die Umstände, unter denen ihr Enkel gezwungen ist aufzuwachsen, mitzuteilen. Die Kitawahl ist unpassend, weil die Talente des Kleinen nicht genug gefördert werden, der Berufswunsch der Mutter ungesund, weil das Kind seine Mutter braucht, die vegetarische Ernährung zweifelhaft für eine rundum gute Entwicklung des kindlichen Körpers und die Kleidung sieht auch immer "geschossen" aus. Sie will mit Sicherheit nur das Beste fürs Kind - aber um das zu erreichen, müsste sie schon über Leichen gehen. Denn solange Muttern lebendig ist, bleibt der Nachwuchs schön außerhalb dem Aktionsbereich der Besserwissermutter.
Der Exmann darf unter Umständen aber auch nichts gut machen. Wehe die Kinder haben eigene Zimmer oder gar eigene Betten bei ihm. Wehe sie finden es schön dort! Wehe er unternimmt mit ihnen Dinge, die früher aus Prinzip nicht in Frage gekommen wären (Disneyland ahoi!). Wehe er verwöhnt die Kinder mit ihren Lieblingsgerichten (es gibt jedes Wochenende selbstgemachte Pizza), ohne auf ihre Gesundheit zu achten! Wehe er hat dauernd nur Spaß mit ihnen! Wehe die Kinder sind dort so glücklich, dass sie öfter oder länger da sein wollen! Das Leben wäre so viel einfacher ohne ihn - oder wenn er ein schlechter Vater wäre. Verdammt!
Schlimm auch die eigene Schwester, die stürmisch mit "Tanti Tanti Tanti" begrüßt wird. Sie ist kinderlos, reist durch die Welt und hat tausend spannende Geschichten zu erzählen. Außerdem ist sie "Genau so schön, wie du früher, Mama" und denkt auch wirklich NIE daran, den Kindern zum Geburtstag zu gratulieren. Dennoch wird sie abgöttisch geliebt, war sie zu Besuch, wird mindestens eine Woche lang von ihr geredet und geschwärmt. Ein Foto von ihr hängt in jedem Kinderzimmer und "Wenn ich groß bin, will ich werden, wie Tante Leni". Dabei kann die gar nicht mit Kindern, sonst hätte sie ja welche! Kotz!
Ich meine auch die Neue, die sich ständig überall einmischen muss. Vorher war der Ex ein mittelmäßig engagierter Wochenendpapa, den man ab und an mal mit Genugtuung anmeckern konnte, weil er wieder irgendetwas falsch gemacht hatte. Sowas kommt Dank der Neuen nicht mehr vor. Im Gegenteil: Jetzt tut er, als wäre er perfekt - wegen IHR! Um die Kinder geht es ihm doch eh nicht. Und "sie" mit ihrem ganzen dummen Getue und ihrem nervtötenden Geschwätz und wer ist sie überhaupt?! Sie kauft den Kindern Kleider, die sie nicht mehr ablegen wollen, geht mit ihnen zum teuren Friseur und schenkt ihnen Tickets zu Konzerten, zu denen sie gestern gar nicht gehen durften! Sie kauft hochhackige Schuhe, weil sich "die Lütte" sie so gewünscht hatte und lädt ständig alle Freunde der Kinder zum Übernachten ein. Es existieren Fotos von ihr mit den Kindern im Arm und alle lachen und sind glücklich! Was bildet sich diese "Frau" ein, meine Kinder glücklich zu machen? Das steht ihr nicht zu!
Aber auch die eigene Freundin kann zum ungeliebten Gast werden, wenn Kinder im Spiel sind. Sie ist zart, lustig und unglaublich verständnisvoll. Sie versteht die Kinder immer - und zwar wirklich! Letztens ging eines der Kinder zu IHR um über ein Problem zu sprechen - zu ihr! Und wenn es Ärger zu Hause gibt, wird sie zitiert und "Hanna würde sowas nie machen, die liebt mich wirklich!" Das Problem an Hanna ist: Hanna weiß zu viel! Nur deshalb kann sie sich wie ein Alien in die Gehirne der Kinder einklinken und per Gedankenkontrolle aus ihnen kleine, unkritische Leibeigene machen. Die Krönung & das Ende der Freundschaft stehen bevor..."Ich will lieber bei Hanna wohnen"...Ekelhafte Kinderhexe!
Einen Ehrenplatz in der Liste derer, die die Finger vom eigenen Nachwuchs halten sollen, sind Väter. Auch in intakten Familien kann er zum Feindbild werden. Der, der nie Zeit hat, sich um das wirklich Wichtige zu kümmern - aber trotzdem unverhältnismäßig doll angehimmelt wird, nur weil er ab und zu Computerspiele und Fußball spielt. Der, der sich Lorbeeren durch Intrigieren erschleicht, indem er mit Absicht die eigenen Gebote hintergeht - "Ein Keks mehr tut doch nicht weh". Oder er ist einfach immer so kack entspannt - wie sieht man denn neben ihm aus? Man kann nicht mal über den Stress mit den Kindern klagen: Weil er ihn gar nicht hat! Es gibt aber auch die Väter, die alles falsch machen. "Du hältst ihn falsch" - "So geht das nicht" - "Lass mich lieber machen" - "Bist du dir sicher, dass du weißt, wie das geht?" - "Warum fragst du mich nicht zuerst, ehe du wieder so ein Chaos machst" - "Sowas versteht nur eine Mutter".
Das Beste - ganz klar - kann nur eine geben: Mama!

Das Gegenteil will sie auch nicht

Ich kenne einige dieser Mütter. Sie sind meine Freundinnen, oder Bekannte. Oder mir wurde von ihnen erzählt - von ihren Männern. Ich kenne auch einige aus persönlicher Erfahrung, der Satz "Da wird man ja fast ein bisschen neidisch, wenn er so von dir schwärmt" ist mir durchaus geläufig (genau wie "Was bildet die sich ein?").

Das Paradoxon, das sich hier auftut, ist, dass sich über das echauffiert und an dem gestört wird, was wir unseren Kindern doch am allermeisten auf der Welt wünschen: Dass ihnen von anderen Menschen gespiegelt wird, wie liebenswert und toll sie sind! Was für eine wunderbare Erfahrung es doch ist, zu wissen, dass man von mehr Menschen als den eigenen Eltern geliebt und verstanden wird. Was für eine tröstliche Erfahrung zu erleben, dass nicht nur Mama (und Papa) bereit ist (sind), einem zu helfen. Wie großartig zu sehen, dass da am Tor noch andere Menschen stehen, die einem zujubeln! Es ist genau das, was wir für unsere Kinder wollen - dennoch gibt es Menschen, wo sich uns die Nackenhaare aufstellen, wenn sie ihr Bestes geben. Viele Mütter (ich kenne das bei Vätern nicht, ich bin mir aber sicher, da wird es auch solche Kandidaten geben), teilen ihre Kinder gern, aber nicht deren Liebe, Begeisterung und Zuneigung.

Entspannt das Gute annehmen

Ich teile mein(e) Kind(er) gern. Sowohl die Stiefis, als auch "dit biologische, wa". Ich genieße es, wenn mein Kind strahlend und glücklich von anderen Menschen nach Hause kommt. Mich stört es nicht, wenn es sagt, dass es lieber eine andere Mutter hätte, nämlich eine, die nicht so streng ist (haha). Ich weiß, was ich gut mache und was ich kann - und ich weiß, wozu ich zu faul bin oder was mir einfach nicht liegt. Mathehausaufgaben? Ich kann nicht mal Wechselgeld ausrechnen. Die Böden wienern und ständig das Lieblingsessen kochen? Hey, meine Vorfahren waren schon vor Jesus Zeiten Sklaven - ich suche mir Fußfesseln außerhalb des Haushalts! Ich kann auch überhaupt nicht gut über Freundinnen lästern und verziehe über viele "Wehwehchens" nicht mal eine Miene...sorry, du musst dir eine richtige Freundin suchen, ich bin nur June, deine Mutter. Ich liebe den Wettkampf und werde garantiert maximal in 50% der Fälle mit Absicht verlieren, du Loser! Werd erstmal so groß und stark, wie ich! Ja - so eine Mutter bin ich, so ein Mensch...klar kann ich auch Zeug, was andere neidisch macht oder wo sie sagen "Dafür hätte ich auch gern die Energie". Aber dafür glänzen die eben mit anderen Punkten, die ich nicht auf meiner Liste habe. Jeder Mensch hat was Tolles zu bieten - ich finds super, wenn mein(e) Kind(er) von diesen vielen "Plussen" profitieren. Bin ja nich perfekt, nech ;-)










Mittwoch, 26. November 2014

PhiloJune
Was ich schon immer an dir liebe: Eigenschaften, die in der Partnerschaft WIRKLICH zählen


Mann - Perspektive


Ich bin in deinen Augen der perfekte Mann
Du bist stolz auf mich
Du vertraust mir
Du schenkst meinen Ideen & Ambitionen Interesse
Dir ist nicht egal, wer meine Freunde sind
Du kümmerst dich gern um mich
Wenn mir etwas fehlt, darf ich schlecht drauf sein
Du gibst mir bedingungslosen Rückhalt
Du sagst mir genau, was du von mir erwartest
Du lässt mich eigene Entscheidungen fällen
Du willst immer mein Bestes
Du hast mich nie beleidigt, du wirst mich nie beleidigen
Du hast nie auf mich herabgesehen, du wirst nie auf mich herabsehen
Auch wenn ich kein Soldat oder Jäger bin, machst du dir immer ein bisschen Sorgen um mich
Dich interessiert, wie viel Geld ich mache - aber nicht, wie viel du davon abkriegst
Du willst, dass ich erfolgreich bin: Genauso sehr, wie du willst, dass ich glücklich bin
Du liebst mich: bedingungslos

Danke MAMA - und DANKE zukünftige Partnerin!

Frau - Perspektive

Du kannst mir nicht lang böse sein
Du verzeihst mir meine Macken, ich muss mich für dich nicht ändern
Du akzeptierst meine Schwächen, aber du hältst mich für stark
In deinen Augen bin ich etwas ganz Besonderes
Du findest mich schön, aber darüber hinaus findest du mich toll
Du willst mein Bestes
Bei dir fühle ich mich geborgen
Bei dir fühle ich mich sicher
Bei dir kann ich schwach sein und werde gehalten
Du nimmst mich ernst
Du bist mein Fan
Du erwartest von mir, dass ich mir für nichts zu schade bin
Du erwartest von mir, dass ich für mich einstehe
Du erwartest von mir, dass ich Einsatz zeige
Bei dir erfahre ich echten Trost
Ich bin für dich unersetzbar & unaustauschbar
Ich bin für dich einzigartig
Ich lasse dein Herz höher schlagen
Du bist glücklich, einfach weil ich bei dir bin
Du liebst mich: bedingungslos

Danke PAPA - DANKE zukünftiger Partner!

Ich glaube daran, wenn jemand sagt, dass die erste, ernste partnerschaftliche Beziehung unseres Lebens die zu unseren Eltern ist. Und dass sie unsere zukünftigen Beziehungen prägen wird. Selbst abwesende oder grauenhaft schlechte Eltern prägen uns - indem wir zum Beispiel besonders treue, besonders bodenständige oder besonders liebe Partner auswählen. Aber auf die schlechten Beispiele will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen - sondern auf das, was wir idealer Weise von unseren Eltern mitgenommen haben und deshalb bei unserem Partner suchen oder suchen sollten. Denn die Listen oben adsummieren sich am Ende zu einem großen, gemeinsamen Nenner, der die Grundlage einer jeden Beziehung sein sollte: Mit dir fühle ICH MICH immer wohl! (Sogar mit mir selbst)

Als Eltern sollten wir maßgeblich dafür sorgen, dass sich unsere Kinder in ihrer Haut wohl fühlen - damit sie später genau das in ihrer Partnerschaft suchen & wiederfinden: Einen Partner der ihnen jeden Tag zeigt "Du bist gut, du bist schön, du bist liebenswert - und ich sehe das alles!"


Vater & Tochter (4) und "I know you belong to me"

Was ich schon immer an dir liebe? Alles, was ich schon immer gebraucht habe, um mich geliebt zu fühlen!

Dienstag, 25. November 2014

PhiloJune
Unkenrufe: Macht die Ehe aus uns schlechte Menschen?

Sie waren bezaubernd miteinander. Die besten Freunde. Sie passten aufeinander auf. Achteten sich. Behandelten sich mit viel Rücksichtnahme, Respekt und Geduld. Die Fehler des Anderen waren "klein". Fielen nicht ins Gewicht. Und das Aussehen? Gefiel - genau so. Kinder, Karrieren, Lebensträume - alles wurde zu einem großen JA ICH WILL. In Ewigkeit....

Zehn Jahre später.

Ekel Alfred aus "Ein Herz und eine Seele"
Bild von moviepilot.de


"Stehst du heute noch auf, oder willste wieder den ganzen Tag im Bett rumgammeln?"
versus
"Guten Morgen, Hase. Kaffee und frische Brötchen für meinen Schatz! Ich muss jetzt zur Arbeit, aber du kannst ja noch liegen bleiben - ich ruf dich später an, ja?"

"Sehe ich in dem Kleid dick aus?" - "Nicht dicker, als in den anderen."
versus
"Sehe ich in dem Kleid dick aus?" - "Hallo?! Schau dich mal an! Du bist wunderschön! Hör auf dich immer selbst so fertig zu machen!"

"Schatz, ich komme heute erst spät von der Arbeit!" - "Vergiss die Kondome nicht, Arschloch!"
versus
"Schatz, ich schaffs heut leider nicht früher aus dem Büro, wir haben noch für 20 Uhr ein wichtiges Brainstorming für die Gala am Sonntag. Schlimm?" - "Nein Liebling, das verstehe ich doch. Ich liebe dich!"

"Ich liebe dich!" - "Ha ha ha!"
versus
"Ich liebe dich!" - "Ich liebe dich mehr." - "Ich liebe dich viel mehr und ich habe dich zuerst geliebt!" - "Ich habe dich schon immer geliebt, ich habs nur nicht gewusst. Und ich liebe dich viel mehr als du mich." - "Ich lieb dich mehr" - "Nein ich" - "Nein ich" usw.

"Meine Mutter will, dass wir am Wochenende vorbeikommen." - "Dann geh doch."
versus
"Schatz, wir sind am Wochenende mit meinen Eltern verabredet." - "Oh, wie schön. Das wird bestimmt nett."

Sex?
"Du könntest dich auch mal wieder waschen."
"Ich bin müde."
"Ich hab Kopfschmerzen."
"Ich bin heut länger im Büro."
"Mit wem schreibst du dir da dauernd?" 
versus
Sex! Sex! Sex! Sex! - Leben außerhalb von Sex. Sex! Sex! Sex!

Wer kennt es nicht - vielleicht aus eigener Erfahrung (ertappt?), oder von anderen Paaren. Mit der Zeit werden viele Partner unappetitlich ätzend. Vor allem miteinander. Wenn sie den Punkt erreicht haben, dass sie diese ätzenden Gefühle nicht mal im öffentlichen Raum verstecken können, werden sie zum social - roadkill. Etwas, womit keiner was zu tun haben will...etwas tot gefahrenes, auf das man mitleidig herabsieht, während man selbst vorbeibraust.
Es wird gelogen, betrogen, beleidigt. Statt an die Träume des Partners zu glauben, heißt es "Bei der Post verdient man auch Geld". Die Enttäuschung darüber, dass das Leben nicht so läuft, wie man es gern hätte, verdirbt den hausgemachten Brei, den man mit der Monogamie angesetzt hat. Die Anstrengungen des Alltags verzerren das, wofür man so hart arbeitet, zu einem albtraumhaften Bild voll Pflicht und Frustrationen. Eigentlich will man dann nur noch raus, manchmal aus allem: Partnerschaft, Familie, Job.
Verändert uns die Ehe, verändern wir uns oder verändert uns der Alltag? Klar ist: Probleme mussten viele schon vor einer festen Partnerschaft meistern. Manche Beziehung startete unter dunklen Vorzeichen und das Zusammenbleiben war eine Zerreißprobe. Und wir selbst verändern uns vielleicht, aber nicht so sehr, dass man sagen könnte: Du bist ein anderer Mensch! Meistens vertiefen sich die einen Eigenschaften, verstärken sich die anderen, verblassen die übrigen. Der Cocktail bleibt der Gleiche, die Menge der Zutaten kann sich ändern. Es ist und bleibt Caipi. Oder Molotov. Oder?
Was ist nach Jahren in einer Ehe (oder festen Partnerschaft) anders, als am Anfang? Werden wir zu schlechten Menschen gemacht, oder kehren wir unsere schlechten Seiten raus? So wie Teenager, die zu Hause rumrüpeln und hausen, wie kleine Schweine? Weil sie können? Weil sie sich sicher sind: Ich werde nicht rausgeschmissen.
Ist das derselbe Grund bei Partnerschaften? Verlässt man sich auf die Beharrlichkeit des Status Quo, ist man deshalb nachlässig? Ich glaube: Ja!
Wenn man nämlich in Sorge um die Partnerschaft/Ehe lebte, würde man sich für sie einsetzen. Man würde auf schmerzhaften und hässlichen Pfaden wandeln, um zu retten, was man hat. Man würde sich nicht wie ein Arschloch verhalten, man würde nicht wie ein Hausdrachen sein. Man würde auch keine Diktatur und auch keine Isolationshaft akzeptieren - nein, man würde es besser machen. Ja, die Ehe macht aus uns schlechte Menschen - wenn wir zulassen, dass wir die Ehe bzw. das Versprechen "Mit dir in Ewigkeit" als einen Garantieschein ohne Rückgabemöglichkeit wahrnehmen. Wenn wir uns und den anderen bis in alle Ewigkeit an Worte gebunden sehen, selbst wenn sich das alles schon nach Gefangenschaft oder Sumpf anfühlt.
Was hilft ist jeden Tag so zu leben, als könnte er der letzte sein. Sinnbildlich. Schafft man ja nicht jeden Tag. Aber es sollte so eine Grundeinstellung sein. Dieses "Ein besserer könnte kommen" oder "Ich könnte ihm einfach irgendwann nicht mehr genügen" usw., das sollte man im Hinterkopf behalten. Es gibt KEINE Garantien! Der Mensch an unserer Seite gehört uns nicht! Er gehört sich selbst und er kann gehen und bleiben wie er will. In Wirklichkeit ist selbst die Ehe eine Einigung mit einem hohen Maß an Freiwilligkeit. Ich kenne verheiratete Paare, die seit Jahren in neuen Partnerschaften stecken - sie haben sich nur nie offiziell scheiden lassen. Wenn man sich jeden Tag vor Augen führt, dass in einer Partnerschaft beide freiwillig entscheiden ihre kostbare und unbestimmte Lebenszeit mit dem jeweils anderen zu verbringen, wird man vielleicht ein bisschen dankbarer. Netter. Freundlicher. Und wer weiß: Vielleicht bringt diese "Was wäre, wenn dies unsere letzte Woche wäre" Attitude ja ein paar ganz neue Aspekte in die Ehe/Partnerschaft rein. Denn - WENN dies unser letzter Tag auf Erden wäre: Würde man dann nicht miteinander glücklich sein wollen?






Social Hack
Will mich richtig: Wie ihr endlich ein Paar werdet! Und wie nicht.

Ich habe zig Freundinnen und ein paar Freunde, die dasselbe Lied singen (jaulen):

Es lief so gut - warum hat er/sie sich plötzlich anders entschieden?

Die üblichen Verdächtigen, wie "Er/Sie steht einfach (doch) nicht auf dich" oder "Es sollte halt nicht sein" und natürlich mein Favorit "Du bist zu kompliziert" mal außer Acht gelassen, gibt es ein anderes wichtiges Element, das verbindet oder entbindet. Nämlich das "den anderen wollen". Wenn man jemanden schätzt oder sogar liebt, dann ist nichts wichtiger, als diese Gefühle bestätigt also gespiegelt zu bekommen. Und nichts vernichtender, wenn diese Gefühle NICHT gespiegelt werden. Wenn ich meine Verliebtheit also hinter einer Maske aus Albernheit und Kumpeligkeit verberge: Was erwarte ich, was mir gespiegelt wird? Oder wenn ich vor lauter Rücksichtnahme und Höflichkeit unnahbar bleibe: Was wird mir wohl gespiegelt werden? Wenn ich aus Angst vor Zurückweisung nie eindeutig werde: Was soll dann Eindeutiges zurückkommen?

Das Problem an der Sache mit den suchenden Singles ist - es gibt mehrere. Wenn nun ein anderer Single alles in puncto "Guck mal, wie sehr ich dich will" richtig macht - wie viel Zeit hat man dann noch, um seine eigenen Anbahnungen zum Erfolg zu bringen?
Es gibt einfach zu viele Freunde (Kollegen, Single-Eltern-Freunde), die gar nicht nur befreundet sein wollen, aber keiner steht zu seinen Gefühlen. Es gibt schüchterne Frauen und Männer, die ganze Wochenenden mit ihrem Traumpartner verbringen und dabei keine romantische Geste auslassen, außer der Eindeutigsten: Körperkontakt bzw. Nähe. Und dann geht der Traumpartner, vielleicht verunsichert oder sogar gekränkt (warum wollte er/sie nichts von mir?) nach Hause und lässt sich von dem trösten, der sehr klar "will". Es gibt zu viele Paare, ja selbst die!, die nicht klar sagen, was sie voneinander wollen. Der eine möchte gern hören, dass er seine Sache wirklich gut macht, die andere möchte vielleicht fühlen und nicht nur erzählt bekommen, dass sie immernoch attraktiv ist und so weiter. Es gilt beim Paarfinden und beim Paarbleiben: Eindeutigkeit! Je klarer ich mache, was ich will, desto klarer, ob auf der Gegenseite Interesse bzw. Ein-Verständnis besteht oder nicht.
Wenn ich um einen Kuss bitte und keinen kriege, zerschmettert das mein Selbstbewusstsein und säht in mir Zweifel, ob aus mir und "dem Anderen" etwas werden kann. Oder ich gehe gleich davon aus "Nein ist nein - ist NEIN". Wenn ich jemandem mein Herz per Email oder Telefon oder VoiceMessage ausschütte und darauf nicht im Geringsten (so) erwidert wird, wie ich erhoffe - dann gehe ich davon aus: Da ist nichts zu holen!
Das Verrückte ist: DOCH - bei Vielen von diesen sich ausschweigenden, nichts sagenden, distanziert bleibenden Singles da draußen WÄRE was zu holen, wenn sie sich trauen würden, konkret zu werden. Wenn sie das Risiko eingehen würden IN der Beziehung verletzt zu werden, würden sie sich bestimmt trauen, die Hürde der Eindeutigkeit zu nehmen. Diese Herzschmerzvermeider gibt es wie Sand am Meer. Sie verunsichern meine Freunde und Freundinnen! Sie sorgen dafür, dass überall Unklarheit herrscht. Sie treiben gute Singles in die Arme von desinteressierten Idioten, die zwar das mit der Eindeutigkeit beherrschen ("Sex?"), aber nicht die feine Sprache der Zwischentöne.

Ergo: Lasst die Gefühle raus! Seid ehrlich. Verliebt in einen verheirateten Mann? Sagt es. Verliebt in den besten Freund der Freundin? Sagt es. Verliebt in den süßen Typ an der Kasse? Sagt es. Verliebt in die Kollegin? Sagt es. Verliebt in eine 20 Jahre ältere Frau? Sagt es! Sagt es einfach - erfahrt Erleichterung durch das eindeutige Ja oder Nein, das ihr dann bekommt - und macht weiter. Entweder neu gemeinsam verliebt, oder mit der Hoffnung, jemanden zu finden, der ganz für euch ist und euch auch liebt. Keine Zeitverschwendung mehr mit Menschen, die nicht EINDEUTIG sind - denn in der Liebe ist es einfach immer am besten, wenn beide immer Stellung beziehen.

Willste mich? Ja! Komm her!  Der goldene Weg ;-)

P.S. Es gibt natürlich ein paar Singlekandidaten, die wollen einen ungefähr so, wie der osmanische Sultan Mehmed II die Stadt Konstantinopel. Wenn ein Mann/eine Frau ungefähr so viel Energie aufwendet, wie ein Sultan mit seiner 80.000 Mann starken Belagerung, um einen für sich zu gewinnen, dann fühlt man sich unwohl, ausgeliefert und vielleicht sogar gruselig bedroht. Es reicht ja, wenn mans gesagt hat, Kuss drauf, fertig! Und ein Nein muss man eben akzeptieren - niemand will aus Liebe bis in die Knochen erschreckt werden. Türen eintreten ist nicht romantisch, besoffen vor dem Haus stehen und "Ich liiiiiebe dich Janine!" brüllen ist es auch nicht und den Neuen Drohbriefe oder Schmähbriefe schicken ist auch nicht das, was ich unter einem schönen, aufrichtigen "Ich will dich" verstehe. Das verbuche ich intern eher unter OHMEINGOTT. Und: Danke nein!



PhiloJune
Pöbelle & Co. oder Leben unter Finstressinnen


Pöbelle

Kinder spielen fröhlich auf einem Hof inmitten der Berliner Innenstadt. Ein Amselmännchen hat das grüne Kleinod für sich entdeckt und zwitschert sich eine Liebste herbei. Das Kinderlachen hallt von den hellen Wänden der liebevoll sanierten Gemäuer wider, die Sonne scheint sanft auf das selige Treiben der Kleinen. Plötzlich erhebt sich die Finstressin von dem Küchenstuhl, den sie seit einer ganzen Weile frustriert in den Boden gesessen hatte, und öffnet die Fensterläden. Wie eine Mischung aus krachendem Blech und krächzenden Krähen schallt ihre verrauchte Stimme über den Hof: "Könnt ihr Gören nicht mal ruhig sein da unten?! Es ist 12 Uhr! Mittagsruhe!" Ihre Feindseligkeit vertreibt das friedliche Spiel der Kinder vom Hof in irgendeine Wohnung, die sie nicht sehen kann, deren Bewohner sie aber nicht leiden kann, da sie den Hof für sich haben und ihre plärrenden Bälger dort immer spielen lassen. Sie würde das nicht tun. Sie schließt die Fensterläden und setzt sich wieder auf ihren Stuhl. Die ausgelesenen Magazine seufzen raschelnd, als ein Luftstoß unter den sich niederlassenden Gesäßbacken entweicht. Pöbelle, im Ostflügel ihrer Wohnung gefangen, unterhält sich wieder mit der Kaffeetasse, in die sie mit jedem bitteren Schluck hineinbrummelt, was ihr alles nicht passt. Da erhebt sich ein animalisches Geräusch aus dem Westflügel, sie hört, wie sich eine Tür öffnet. Ein unheilvoller Geruch weht durch die Wohnung. Ihr Biest ist erwacht.

Die anderen Märchenfinstressinnen

http://fora.mtv.ca/2012/04/headlines-anna-sucks

Schneeflittchen, Pöbelle, Blapunzel, Lästerella und wie sie alle heißen könnten, haben eines gemeinsam: Sie sind das Gegenteil von dem, was Walt Disney unter einer vollkommenen Prinzessin versteht. Sie benutzen Worte wie "Gutmensch" oder "Öko" als Schimpfwort, sie rauchen Zigarette, um anderen die Luft zu verschmutzen, sie sind Meisterinnen im Auseinanderdividieren von "Du hast was, das ich nicht hab..." und sie haben die Manieren eines raubeinigen Kutschers, der über Mensch und Tier die Peitsche knallen lässt. Sie nennen ihre eigenen Kinder Arsch oder Glitterflittchen, sie lästern über ihre Freundinnen vor anderen Freundinnen, sie schmeißen ihre Kippen in die perfekten Blumenkästen der Nachbarin und beschäftigen sich am liebsten mit den Verfehlungen anderer, die sie lang auswälzen und sich genüsslich an ihnen weiden. Sie kaufen Liebe mit Sex, reden ohne Sinn und Verstand von allem, was nicht interessiert und heben gute Worte nur für den Moment auf, da sie jemanden für sich gewinnen wollen. Diese Frauen gibt es überall, in jeder Form.
Ihr Lebensmotto bewegt sich irgendwo zwischen "Warum solltest du mehr haben als ich?" und "Ich bleib so scheiße, wie ich bin". Ganze Bücher werden für sie geschrieben ("Ich bleib so scheiße, wie ich bin" oder "Nett ist die kleine Schwester von Scheiße") , sie sind beliebter Teil von Serien - ja manchmal sind sie sogar der ganze Inhalt einer Serie ("Devious Maids"). Warum sind sie in Walt Disneys Welt jedoch stets die Bösen? Cruelle De´Ville, Ursula die Meerhexe, die böse Königin aus Schneewittchen - oder Maleficent: Sie alle stehen für die hässliche Seite in Frauen, für das Böse, das sie bewegt. Neid, Missgunst, Eitelkeit, Egoismus - das sind ihre Triebfedern.

Im Zwiespalt zwischen Ablehnung und Mitgefühl für diese Abarten all dessen, was vollkommene Weiblichkeit ausmacht (laut Disney, Mens Health & Co), schlägt Malificent die Bresche für das "Dazwischen", nämlich den Grund weshalb man boshaft wird und niemandem aufrichtig einen Funken Gutes wünscht. Und so wie in der neuen filmischen Adaption von Dornröschen die "böse" Maleficent das Kind, das sie fortwährend beobachtet und schützt, herablassend "Monsterchen" nennt, beschimpft die ein oder andere vielleicht jemanden, dessen konsequente Haltung zu Umweltschutz sie nervt oder deren andauernde Bemühung um positive Stimmung sie ankotzt "Öko" oder "Gutmensch" - es ist das herausgekotzte Kompliment an all das, was sie - die Finstressin - nicht sein kann oder sein will. Und wenn sich so eine Ursula von Meerhexe aus ihrem Pool aus Frustration erhebt, nur um dir mitzuteilen, dass sie dich für eine dumme, arme Seele in Not hält, dann versuch die Wahrheit dahinter zu sehen: Ursulas Bestimmung ist es im Leben anderer Menschen herumzupfuschen - nur ist es ihr nie gelungen anders Kunden an sich zu binden, als durch Beleidigungen.

Fazit: Manchen Menschen - selbst Frauen  - muss man nachsehen, dass sie in diesem Leben eine negative Rolle besetzen wollen. Ob es nun Kundengewinnung via Beleidigung ist ("Wer hat Ihnen denn die Haare verschnitten?"), Offenheit durch Boshaftigkeit ("Na und, dann hab ich sie halt erpresst - was hätte ich sonst tun sollen?") oder Fellpflege durch Lästerei ("Du kannst sowas wenigstens tragen, hast du Isa in dem Kleid schonmal gesehen?"), die Finstressinnen der Welt haben keine disneyhaften Umgangsformen verinnerlicht, und das muss man akzeptieren können. Als eine Art der Revolution gegen das Diktat des guten Tons und einer ganzen Industrie von Schönheit und Gutmacherei kann man ihnen fast dankbar sein, dass sie das Gleichgewicht zwischen all den Tollen und Guten da draußen wieder herstellen, indem sie einfach nur scheiße sind.
Manchmal macht allein der Kontrast aus uns eine Cinderella - und das ist doch auch irgendwo schön!



Dienstag, 11. November 2014

I got it from my mama - Was Will.I.am vergessen hat

Baby, whered you get your body from?
Tell me, whered you get your body from?
Baby, whered you get your body from?
Tell me, whered you get your body from?
I got it from my mama
I got it from my mama
I got it from my mama
I got it, got it

Der ganze Text: Will I Am - I Got It From My Mama Lyrics | MetroLyrics 

Will.I.am über das Wesentliche am weiblichen Geschlecht, haha! Wir haben unseren Eltern in der Tat einiges zu verdanken. Abgesehen davon, dass normale Eltern ihren wesentlichen Pflichten nachkommen [ihren Nachwuchs einkleiden, versorgen, vor Unbill und Krankheit schützen, pflegen und kulturell bilden], legen über-normale Eltern noch einen oben drauf, indem sie stets das Beste für ihr Kind wollen (sei es, was es sei). 
Und wenn die Kids dann fertig sind und in der Blüte ihres Lebens stehen: Was haben sie dann von ihren Eltern - ihre Kultur, ihre Einstellungen, ihre Gesundheit - oder darfs ein bisschen mehr sein?



INTELLIGENZ?

CHARME?

DAS GUTE AUSSEHEN?



Was immer es auch sein mag, seid dankbar! Jeder hat etwas richtig Gutes von seinen Eltern mitbekommen - sogar von denen, die nicht anwesend waren.

Und ich? Hmmm..... 

What I got from my mama


- die Liebe zu Büchern
- die Liebe zum Schreiben
- das rhetorische Geschick
- Anspruchsdenken einer "modernen" Frau
- den Pragmatismus
- die Kritikfähigkeit
- den Stolz
- den Drive zu tun, was ich möchte
-  das Stark sein, auch für andere
- das anders Denken

What I got from my daddy


- die Lust an Albernheit
- das Talent Gefühle mit Worten zu wecken
- die Liebe zum Singen
- unser "philosophisches" Element
- das Ernste
- Toleranz für Menschen
- den weichen Kern
- die Empathie
- das Konsequenz zeigen
- die Liebe zu Kindern & Kindlichem

Was ich von beiden mitbekommen habe ist übrigens das sture sich um Kopf und Kragen und alle Sympathien diskutieren ;-) Zum Glück können die meisten Menschen mir das nachsehen - vermutlich, weil ich natürlich mit dem gleichen Eifer und Elan FÜR meine Freunde (und Kunden und Lieben) einstehe. Für die diskutiere ich auch bis zum jüngsten Tag wenns sein muss. 

Eins ist jedenfalls klar: (Wir) Eltern beeinflussen, wie sich Kinder in der Welt wahrnehmen. Schenken wir "next generation parents" ihnen deshalb Selbstvertrauen, damit sie schon früh zu sich selbst stehen lernen: Dann haben wir das so ziemlich Wichtigste geschafft!

Oder?



Ehe mit Vaddern
20 Jahre älter

Eigentlich müsste ich Roy zu Liebe den Blogtitel sofort wieder ändern. 

18. Juni 2007 - ich 21, Roy 39
Er würde darauf bestehen, dass ich die Zahl korrigiere: 17 nicht 20 Jahre. Er würde sich gekränkt fühlen, weil ich "Vaddern" geschrieben habe - und das klingt irgendwie alt. Aber ich schreibe ja nicht aus meiner Perspektive - sondern aus der Perspektive anderer. 

Aus der Perspektive derer, die sich fragen "Was will der alte Knacker von dem jungen Mädchen?" oder andersherum "Was will die von dem alten Knacker?"Als Roy und ich uns kennenlernten, war ich 20,5 Jahre alt. Ich runde mal auf 20 ab. Und Roy war 38. Ich runde mal auf 40 auf. Und dann haben wir die Zahlen, die die anderen im Kopf hatten. Der ist doppelt so alt, wie sie. Ihr wisst schon, was uns da unterstellt wurde? Mir gings nur ums Geld - ihm gings nur um Sex. Oder darum, sein Ego zu streicheln. Also auf jedenfall ging es uns nicht um den Anderen. Wer könnte schon den vierzigjährigen Roy lieben? Wer könnte schon mein zwanzigjähriges Ich lieben? Und warum, wenn Sex und Geld doch für jede Beziehung vollkommen ausreichen?

Nun, Roy und ich sind die eine Ausnahme. Bestimmt basieren sonst alle Beziehungen mit großem Altersunterschied auf ziemlich oberflächlichen Aspekten....

Was willst du von einem alten Mann? Ich frage das mal so, wie ich es gefragt worden bin.
Hast du dir nie Gedanken darüber gemacht, wie das mal wird, wenn er richtig alt ist?
Ist das nicht total strange Stiefkinder zu haben, die näher an dir dran sind, als du an ihm?
Stell dir mal vor du wärst 40 und dein Mann verlässt dich für eine Jüngere? 

Okay, viele Menschen scheinen ein großes Problem mit dem Alter zu haben. Für Jugendliche hört das Leben mit 30, aber spätestens mit 40 auf. Danach kommt doch nix mehr! Menschen, die bereits jenseits der 40 sind, wünschen sich, jünger sein zu können. Sie wünschen sich vielleicht wieder 30 sein zu können. Alle beschäftigt ihr Alter und das Alter der Anderen.

Aber es gibt ja viel mehr als nur Zahlen. Und weil ich grauenhaft schlecht in Mengenlehre oder überhaupt Mathematik bin, habe ich die schon immer ausgeblendet. Auch bei der Partnerwahl. Roy ist nicht der einzige Mann, mit dem ich eine Beziehung hatte, der deutlich älter war als ich.
Mit 18 hatte ich mal eine Affäre mit einem 36 Jahre alten Mann. Der war wirklich reich und damals war das auch wirklich der Grund, weshalb ich diese Affäre hatte. Schlichte Neugier.
In der Schule war es nicht viel besser. Ich war grundsätzlich an den älteren Brüdern meiner Klassenkameraden interessiert, nicht an ihnen. Mit 14 hatte ich eine kurze, belanglose - für mich aber damals irre ernste - "Beziehung" mit einem 21 Jährigen.

Als ich Roy kennenlernte: Fand ich ihn alt? Nein! Erstens wusste ich nicht, wie alt er überhaupt war, denn wir haben uns online kennengelernt und sein Profilbild war scheiße. Zweitens war ich sofort süchtig danach mit ihm zu kommunizieren, weil wir uns beide sehr sehr ähnlich sind. Das war, wie sich mit meinem männlichen Gegenstück auszutauschen. Diese Vernarrtheit hatte durchaus etwas narzisstisches: ich konnte mich dank Roy selbst plötzlich viel mehr leiden. Denn was ich an ihm toll fand - hej, das war ich selbst in vielen Punkten!
Irgendwann stellte sich natürlich das Thema Alter und Geburtstag ein. Roy und ich sind beide am 18.06. geboren - siebzehn Jahre auseinander geborene Zwillinge. So empfinden wir das bis heute. Unsere Eltern würden da sofort Einspruch erheben - mitnichten ist dieser Kerl ein Abbild unserer Tochter! Mitnichten ist der Goldsohn meiner Schwiegermutter wie deren nunmal-leider-nicht-mehr-zu-ändernde-Schwiegertochter! Aber: WIR leben nunmal zusammen - und nur wir wissen, wie ähnlich wir uns wirklich sind. Vielleicht wird die Jüngste im Bunde das irgendwann schicksalsergeben (& augenrollend) erkennen - und dann uns gemeinsam mit den Worten: "Mit euch kann man eh nicht diskutieren" abkanzeln (was gelogen wäre, mit uns kann man super diskutieren! Wir haben nur leider immer beide Recht, höhö).

Nein, Roy und all die Jungs und Männer vor ihm, die älter oder wesentlich älter waren, als ich, fand ich nicht alt. Sondern interessant. Spannend. Aufregend. Die Welt der Gleichaltrigen war mir viel zu vollgestopft mit langweiligen Problemen, die die Bravo schon für uns löste.  Der Reiche, der hatte echte Probleme!!! Drogen, Schmuggel, gekaufter Doktortitel in BWL, Koks in Schälchen auf dem Gäste-WC, Frauen und "Geschäftspartner", die ihn um Geld betrügen...ich hab live in einem Krimi mitgelesen. Immer schön darauf bedacht, nirgends mitzumachen, natürlich. Gut, das meiste hat der Typ mir erzählt - aber das Koksschälchen hab ich höchst selbst entdeckt und geöffnet, ein paar merkwürdige Telefonate hab ich live erlebt und das mit dem gekauften Doktortitel hab ich ihm sofort abgekauft. Den hatte der nicht erarbeitet. Und die anderen? Hatten schon Autos, als wir noch in der 10. Klasse waren, und damit waren sie unabhängig. Wir konnten abhauen, ans Meer fahren und frei sein! Sie hatten Ausbildungen oder spannende Berufe und konnten mir über ihre Projekte und Lebenspläne erzählen. Kein "Boah letztes Wochenende war ich wieder voll hacke" oder "Ich weiß nicht, was ich vom Leben will" - nein, die alle waren schon wer oder ziemlich sicher auf dem Weg, ein "Wer" zu werden. Die wussten meistens was sie wollen und haben darüber viel und ausführlich mit mir geredet. Toll!
Ich liebe eben nicht ältere Menschen, sondern Menschen, die mir etwas zu bieten haben. Ich liebe Männer, die mehr drauf haben als ich, von denen ich also etwas lernen kann. Und wenn es Auto-CAD und Lasertechnik ist, womit meine erste große Liebe sich beschäftigte. Das U-Boot, das er für die MHH in Hannover mit einem selbst programmierten Ablauf per Laser aus einem dünnen Blech schnitt, so dass es für Tests auf arterieller Ebene genutzt werden konnte - WOW war das toll!
Ich bin furchtbar ungeduldig und wissenshibbelig. Wenn ein Mensch mit seinem Leben nicht in die Puschen kommt und nicht "Gas" gibt (um den Reichen zu zitieren, hat er dauernd gesagt...Da musst du Gas geben), dann ist er für mich eben nach fünf Minuten langweilig. Ich will Auto-CAD U-Boote für die MHH ;-)

Und Roy? Roy ist wie eine ganze Bibliothek kaufen und darin stundenlang lesen. Als ich Roy kennenlernte, war sein Leben so tragisch wie eines Buddenbrocks, sein Geist so geschmeidig und rasch wie das eines Stanislav Lem und sein Wissens - und Erlebnishunger ungefähr so groß, wie meiner (also sehr groß). Roy wollte immer mehr mehr mehr! Wir beide zusammen, wir konnten zwar nicht ständig raus in die Welt und sie entdecken, wie wir wollten (gab ja noch die beiden Lütten), aber in Gedanken - oh da haben wir die Welt zum Einstürzen gebracht, sind bis ins Weltall hinausgeflogen und haben jeden Aspekt und Winkel des Menschen durchforstet und analysiert!
Reden reden reden reden reden reden reden - diskutieren diskutieren diskutieren. Das war Erotik pur! Das war unsere Währung. Das war der Grund, weshalb ich Roy so komplett verfallen bin! Dass er so viel älter war als ich, fiel einfach nicht ins Gewicht. Das war (und ist) mir sowas von egal. Nein - anders - das Alter ist ja meistens genau der Grund, weshalb ich all das andere Schöne dazu bekomme.

x -Jahre * y - spannende Erfahrungen = Sexy! Bingo!



Ich stehe im Übrigen mit nichten auf Channing Tatum. Er sieht gut aus - aber er reizt mich nicht. Ich stehe total auf Hugh Jackman. Der sieht auch gut aus - und ich könnte in seinen Armen versinken und ihm stundenlang beim Reden zuhören! (und ihn dabei unterbrechen)
Ich stehe ein bisschen auf Ryan Gosling - der hat sowas gelebtes - aber ich würde den wegschubsen, wenn mir Mark Strong einen Tag mit sich schenken würde (aber er müsste sich dann schon GENAU SO geben und stylen, wie in seiner Rolle als Chef das jordanischen Geheimdienstes Hani Salaam in "Der Mann der niemals lebte"....sabber).

Alter ist nur eine Frage der Zeit - Charakter ist eine Frage des Seins. Ein guter Charakter zeigt sich in jedem Moment des Lebens wieder, das Alter wandelt sich mit der Zeit und ist keine Konstante. Es gibt junge Alte, alte Junge, es gibt Menschen, die mit 40 wie 28 aussehen (...Roy) und Menschen, die mit 28 aussehen, wie 40. Es gibt Männer, die sehen aus, wie Frauen und Frauen, die sehen aus, wie Männer. Es gibt Partner, die sterben nach zwanzig Jahren Ehe, es gibt Partner, die sterben nachdem man sich ein Jahr kannte, es gibt Partner, die sterben, wenn sie uralt und dement sind. Das Alter garantiert einem nichts - der Charakter als Konstante verspricht dafür viel!

Ich bin eher so der Charaktergucker...Männer, die mich anziehen, sind Brainteaser. Mit ihnen fühle ich mich wohl, im öffentlichen Raum und im privaten. Vor Freunden oder vor Fremden. Auf einer Businessveranstaltung oder bei einer Grillparty. Von ihnen fühle ich mich herausgefordert aber auch in meiner "Kopfigkeit" an/erkannt. Ich fühle mich von ihnen als mehr wahrgenommen, als ein paar in Schoko getunkte Kurven. Ich weiß, dass diese Kurven irgendwann zu Tränensäcken werden, dass ich irgendwann keine Reize mehr zum Geizen habe. Ich weiß, dass meine Gesundheit und mein Aussehen ein temporäres Geschenk mit Verfallsdatum sind. Ich wüsste das auch, wenn morgen ein schöner, sexy gebauter Mann meines Alters oder jünger vor mir stünde und mir schöne Augen machte. Wird er in 20 Jahren noch immer so gut aussehen? Nein!

Ich habe Roy kennengelernt, da war er 38 Jahre alt. In den Jahren, die wir nun schon die allerbesten Freunde sind und ein wirklich toughes, eingespieltes Team, habe ich keine Überraschungen erlebt. Keine Enttäuschungen. Ich habe bekommen, was ich am ersten Tag bekommen habe. Und genau das wollte ich! Ganz einfach.




Montag, 10. November 2014

Knusper Knusper Knäuschen...Das will ein Kind im Häuschen!

Ich bin definitiv keine in der Theorie ausgebildete Raumausstatterin - aber wenn es um Kinderzimmer oder überhaupt "Raum für Kinder" geht, dann bin ich nicht nur ziemlich kreativ, sondern auch ziemlich GROßARTIG.

Ich selbst LIEBE Kinderzimmer, Spielzeuge, Höhlen, Zelte usw. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Zimmer meiner Kinder/meines Kindes alle paar Tage neu gestalten. Die Tatsache, dass Freunde stets begeistert von den Zimmern unserer Kinder waren, gibt mir in puncto "artgerechte Haltung" ein gutes Gefühl. Da einige meiner Freundinnen grade Mama geworden sind, ihren frisch eingezogenen Bauchbewohnern noch Asyl gewähren oder demnächst umziehen und überlegen, wie das neue Kinderzimmer denn aussehen soll, dachte ich, ich teile mal ein paar meiner Ideen und Ansichten:

Meine Tipps & Ratschläge für die Gestaltung von Kinderzimmern


1. Ein Kinderzimmer sollte eine Mischung aus Museum, Kuschelecke und Bibliothek sein.

Museumselemente: Regale, in denen Krimskrams (am besten Spielfiguren, kleine Musikinstrumente -  wie Panflöten, Rasseln, Schellen -, Taschenlampen, Lupen, Muscheln, Stöcker, Geschenkdeko, Postkarten, Bilder usw.) stehen, Mobiles (auch selbst gemacht), Gläser mit Münz -, Stein -, Feder- oder anderen Sammlungen, uralte Sachen, die AUF den Regalen stehen (nicht anfassen, nur gucken - bei uns zB ein anatomisches Modell vom Mensch mit "Innenschau").
Kuschelecke: Das kann eine einfache Babybettmatratze mit Kissen und Kuscheltieren und Deckchen sein, aber auch ein großer Karton mit einer Tür und einem kleinen Fenster (selbstgemacht) oder eben ein schönes Zelt sein (in dem man vielleicht noch Laternen aufhängen kann...voll schön für abends!)
Bibliothek: Es kommt auf die Menge an! Je mehr Bücher, desto besser. Am besten man hat große Bücher, Bilderbücher, kleine Bücher, Pappbücher, Pixi-Bücher usw. Es schadet nicht, wenn Bücher in der Kollektion sind, die noch gar nichts für die Kleinen sind. Sie wecken die Neugier auf das, was noch kommen wird.
Jungszimmer: Das Kunterbuntesurium


2. Abwechslung ist das Rezept

Ein Kind braucht nicht viel Spielzeug. Ein Kind braucht nur Inspiration und Abwechslung. Und Abwechslung braucht es überall. Kinder entdecken Spielzeug, Bücher usw. in einem neuen Kontext neu. Eine alte Puppe kann spannend sein, wenn sie plötzlich im Regal sitzt und das Fernrohr um den Hals hat: Plötzlich ist sie eine Gefährtin für Abenteuer!

Wechselnde Ausstellungen kann man durch Kisten, die auf Schränken stehen oder die im Keller lagern, ganz leicht selbst kreieren. Spielzeug kann in den Keller abwandern, ganze Spielküchen, Tischchen etc. können mitgehen und irgendwann wieder auftauchen. Im Bücherregal kann man mal die kleinen, mal die bunten, mal die bildreichen Bücher auf Augenhöhe einsortieren. Und wer sagt, dass zwischen den Büchern nicht mal ein Kuscheltier oder ein Legohaus stehen darf?

Unser Gehirn ödet an, was es kennt. Schon kleinste Babys schließen die Augen, wenn man ihnen Fotos von den gleichen Gesichtern im Wechsel zeigt. Wenn sie merken "Ey, das sind ja immer dieselben" wandert das Interesse ab. Sortiert man die Fotos neu, flammt das Interesse kurz auf. Mischt man die Fotos mit Bildern von ganz anderen Dingen, wird es richtig spannend. Genau so sind wir als Kinder und eigentlich auch als Erwachsene. Nur muss es nicht neuer Input sein (also immer alles neu kaufen), sondern das bereits Vorhandene sollte sich ab und an neu darstellen.

Keines meiner drei Kinder, weder die Stiefkinder, noch meine Kleine, haben je über die Veränderungen in ihrem Zimmer geklagt. Es gab ja immer was zu gucken, und irgendwie war alles neu und aufregend.


3. Feste Installationen blockieren die Phantasie

Ich baue und räume gern um. Alles darf neu und anders aussehen. Aber mit Schrankwänden, riesigen Möbeln, schweren Puppenhäusern und dicken Sesseln ginge das nicht. Ich habe immer erst nach dem Kaufen dazu gelernt, was hieß: Schrankwand gekauft - für unpraktisch befunden - wieder verkauft. Das passierte mir früher öfter. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass eine Raumgestaltung leicht sein sollte. Möbel können Rollen haben (zB Betten!), oder sollten eher klein und zierlich, statt groß und klobig sein (Schreibtisch, Kleiderschrank), und Regale sollten Kästchen und Körbchen enthalten, um Stauraum zu schaffen, ohne weitere Möbel kaufen zu müssen. Ein Kind braucht eigentlich nur einen Tisch, wo mindestens eine große Legoplatte draufpasst (bzw. ein Standard Pappkarton oder Puppenhaus), eine Matratze (als Bett) und einen Schrank bzw. ein Regal/Kommode für Kleidung. Den Rest bekommt man an Wänden, in Boxen und Kästchen gut unter. Und das Beste: So kann das Kind auch mal selbst umräumen. Wie meine kleine Tochter, die fand, dass sie einen Spieltisch neben dem Bett braucht, oder einen Stall unter ihrem Schreibtisch. Sie braucht mich mit 4 Jahren nicht mehr, um sich ihre Welt so zu gestalten, wie sie es will. Sie macht das selber.

Das Jungszimmer von der Tür aus: So sehen 7,8m² aus!


4. Farben

Bunt ist gesund, aber grau ist nicht gleich mau. Eigentlich ist wichtig, dass das Kind sich bei den Farben seines Spielzeuges, seiner Kleidung und seiner Bücher einbringen kann - nicht aber, ob seine Zimmerwände hellgrau, beige oder quietsch grün sind. Das ist Elternsache. Mein Tipp: waschfeste Farbe auf das untere Drittel der Zimmerwände, von 0 - 6 Jahren mindestens wird dieser Bereich der Wand nämlich mit Sicherheit angemalt, angespuckt, angepopelschmiert, angetatscht (mit Nutellahändchen) und und und. Wenn man das einfach von der Wand abwaschen kann: Bon!
Dann lieber eine Ecke aussuchen, die bunt sein soll, statt alles mit Farben zuknallen.

Einfach schnell eine Ecke an(ders) malen!


5. Bilder

Ob nun Fotos, Postkarten, Geschenkpapier, eingerahmte Poster oder selbstgemachte Kunstwerke von den Kindern: Sucht euch einen Platz für eine Gallerie und richtet sie ein. Die bunten Bilderrahmen von IKEA sind praktisch und günstig, es gehen natürlich aber auch schlichte. Hauptsache es gibt etwas zu schauen. Ich liebe es mit meiner Jüngsten vor ihrer Gallerie zu sitzen und mit ihr die Bilder zu besprechen. Je älter sie wird, desto mehr hat sie selbst dazu zu sagen. Es ist einfach nur schön!
Was man übrigens grade bei den günstigen Möbeln machen kann: Anmalen! Auch selbstgemalte Bilder sind schön - ob nun Mama oder Kind ihre Möbel verzieren - Hauptsache es gefällt!

Hier lädt alles zum Angucken ein: Selbst das Regal!

Ein Zelt über einer Matratze kann das schönste Bett sein!


6. Ferkelwand

Wir haben eine Tafelfolie für die Kleine gekauft, weil sie gern an Wände malt. Die Folie haben wir an die Wand geklebt, sie ist nur 100 x 200 Meter groß. Hier kann sie sich austoben - während der Rest Gott Lob endlich unbefleckt bleibt. Das ist ein super Kompromiss für uns alle. 

7. Kinder brauchen Platz - Eltern brauchen Ruhe

Eins verstehe ich nicht und werde es nie verstehen: Warum so viele Eltern ein Schlafzimmer haben und ihr Kind nicht einmal ein eigenes kleines Zimmerchen. Nicht mal einen Rückzugsraum dank Trennwand, Paravent oder Raumteilerregal. Viele Eltern bestehen darauf ein eigenes Schlafzimmer zu haben - für mich macht das keinen Sinn.
Wenn es wegen der Kleidung ist, die kann man ja trotzdem im Kinderzimmer unterbringen. Dann missachten wir den Tipp mit den sperrigen Möbeln und stellen da eine Schrankwand hin - Hauptsache die ist dann verspiegelt (Spiegel sind für Kinder toll!) und zum Malen geeignet (auf Schrankflächen kann man prima Tafelfolie anbringen). Solange ein Kind einen Ort hat, an dem es auf innere Reisen gehen kann, wo es mit seinen Freunden Abenteuer erleben und Geheimnisse teilen kann, solange ist alles gut. Schlafen kann man überall, aber seine Ruhe vor Kindern haben (und ihren Freunden) und ihnen ihre Entwicklungsfreiräume einrichten: Das geht nicht überall. 

Das "große" Mädchenzimmer in der 1. Wohnung



8. Trennungskinder brauchen ZWEI Zuhause

Wenn die Eltern sich trennen und virtuell zwei zu Hause entstehen, ist es wichtig - meines Erachtens - dass man als Kind auch wirklich ein zweites zu Hause bekommt. Einen Ort, wo man sich jederzeit Willkommen und geborgen fühlt. Ein Ort, der sagt "Du bist immernoch mein Kind - ich habe immer einen Raum für dich in meiner Welt".  Irgendwann hat man dann vielleicht sogar zwei Zufluchten, wenn die Welt einem schwer auf den Schultern lastet:
Einer der wenigen Vorteile, der mir einfällt, wenn ich an getrennt lebende Eltern denke (und unsere Kinder).

9. Geld regiert hier nicht die Welt

Man braucht nicht viel Geld, um ein Zimmer interessant zu gestalten. Alles, was wir für die Kinder hatten, haben wir bei IKEA besorgt oder gebraucht gekauft über ebay.kleinanzeigen.de (damals kijiji.de) - liebevoll gestalten geht nämlich mit ganz kleinem Budget. Das sieht man auch an der Babyecke, die wir in der Nestbauphase eingerichtet hatten (2 Mal).

Wohnung im PrenzlBerg
Wohnung in Köpenick

















10.  Höhlen, Zelte, Kisten 

Das Schöne ist: Heute bekommt man tolle Fertighäuser aus Pappe zum Anmalen und selber zusammenbauen für ganz wenig Geld & frei Haus geliefert. Zelte gibt es auch in allerlei Varianten. Ganz altmodisch kann man natürlich auch Pappkartons nehmen - Amazon liefert die ja selbst für ein Paar Socken in Übergröße. So oder so: Die Kinder lieben es! Ach ja - und Flugzeuge und Rennautos kann man natürlich auch aus Pappe bauen!

                                                                   

Schöne Kisten für die Kleinen & ganz Kleinen

Ein Zelt im Wohnzimmer lädt zum Träumen ein

Klar ist: Wandel und Beständigkeit sollten genauso Bestandteil von Räumen, in denen sich Kinder bewegen und aufhalten, sein, wie die Mischung aus Anregung (Platz zum Spielen & Toben) und Abregung (Traum - und Kuschelecken). 

So zumindest meine kleine, bescheidene Meinung zum Thema: Und wie ihr seht - ich halte es keine 5 Minuten im Zimmer aus, ohne irgendwas zu verändern. Ist vermutlich klinisch ;-)



Samstag, 8. November 2014

Der ECHTE Tag der deutschen Einheit: Morgen fiel die Mauer!

Vor 25 Jahren endete die zweite deutsche Diktatur: Die DDR fiel dem Chaos bürokratischer Verwirrung oder der Halbwertszeit eines schlecht laufenden Systems zu Opfer - oder schlicht den Massen an freien Menschen, die wie Sturmwellen gegen die Berliner Mauer prallten, welche die ganze Lächerlichkeit und Traurigkeit des DDR Staates symbolisiert. Als ein Reporter während einer öffentlichen Pressekonferenz ahnungslos ob ihrer Bedeutung die Frage stellte, ab wann die neuen Reiseregelungen über die DDR Grenze in Kraft träten, antwortete der ebenso ahnungslose Günter Schabowski schicksalsschwer mit dem nicht rückholbaren Startschuss für Millionen: "Sofort".


Morgen fiel die Mauer: Am 09. November 1989 änderte sich das Schicksal von Millionen von Menschen innerhalb und außerhalb von Deutschland. Auch meins. Mein Mann war 21 Jahre alt, als die Mauer fiel. Das heißt seine Kindheit und Jugend waren geprägt von dem Schatten, den die DDR über das Denken und Fühlen seiner Mitbürger legte. Heute ist mein Mann mit einer jungen Westdeutschen Halbamerikanerin verheiratet. Sein Bruder lebt in Washington D.C. Und seine Mutter ist Gründerin der Berliner Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus.
Seine Familie erzählt die Geschichte der Ostdeutschen, die intellektuell, geistig und seelisch "raus" wollten. Die über die Grenzen ihrer staatlichen Freiheit hinaus dachten und fühlten. Deren Welt nicht aus dem bestand, was sie besaßen, sondern von dem geprägt wurde, was sie wussten. Wir sind nicht nur eine Patchworkfamilie im herkömmlichen Sinne, sondern auch im Staatensinne. Ost &West, Deutschland &Amerika, DDR 68er Generation & moderne Generation Y = Wir sind das MODERNE DEUTSCHLAND.

Morgen feiert ganz Berlin das Ende der DDR: Neben der beeindruckenden Lichtgrenze entlang der alten Mauer, die quer durch Berlin führt, wird am Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz, im Mauerpark und überhaupt ÜBERALL die Erinnerung wachgerufen und die Freiheit gefeiert!

Wer kann sollte noch schnell nach Berlin reisen und sich das Spektakel anschauen!
We´re gonna celebrate like it´s 1989!

Lichtgrenze Brandenburger Tor
Lichtgrenze Checkpoint Charly



DJIMALAYA - Isrealische Pfadfinder AHOI!


Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine authentische jüdische bzw. israelische Küche genossen. Im Ravencove hatten wir vor kurzem Gäste aus Israel, die uns ganz lieb kleine Talismane zum Schutz gegen böse Geister aus Jerusalem mitgebracht hatten. Aber das war der bis dato erste und einzige echte Kontakt mit Isreal, bis wir heute das DJIMALAYA entdeckten. Das DJIMALAYA in der Invalidenstraße verspricht nicht zu wenig: Das Essen schmeckt wirklich nicht ganz koscher. Oder wie nennt man die sauersten Gurken und Oliven der Welt sonst, die wie Center Schocks im Mund sofort für Würgereflexe sorgen? Ein persönliches Aha!- Erlebnis für mich: Sauer macht lustig - die Vorspeise dient in Isreal vielleicht zum Anregen hitzig - witziger Debatten über dem Hauptgang, der kam - und siegte!

Das Hummus schmeckt ein bisschen zu gut, um noch gesund zu sein. Das Rindersteak ist Tatsache göttlich und wer immernoch nicht religiös verzückt herumprobiert sollte vielleicht mal das Mana kosten. Das gibt es auch! Außerdem kostenlos Brot, das man teilen kann oder auch lieber nicht. Es schmeckt angenehm süß und wird dampfend warm geliefert - der Brotkorb kann locker als eigenes Menü durchgehen (für so Brotjunkies wie mich). Zu Trinken gab es Schwarzen Tee mit Allerlei und Classics. Ich hatte schwarzen Tee mit Honig und einer Zimtstange darin: Schmeckt! Mein Salat war sehr lecker, so eine Art Couscous, und die Sauce, die uns zu den Säuerlichkeiten gereicht wurde, war schärfster Bärlauchpamps, der sofort einen Protest in der Magengegend hervorrief, jedoch zu lecker war, um auf die Warnrufe von unten zu hören. Zum Abschluss aß ich sehr angetan von seiner Apfelmusigkeit ein Stück "Sebastian Tart Tartin" - was dünner Mürbeteig sein könnte, auf den jemand Apfelmus so angerichtet hat, dass er nicht herunterrutschen kann. Fazit: Ich bin begeistert!







Ein paar Stunden später sitze ich nun viel zu satt mit leichtem Bauchkneifen (oh dieser Bärlauch...) in meinem Schreibersessel und überlege mir, wie und wann ich wohl wieder ins DJIMALAYA komme. Es war eine echte Geschmacksreise, etwas für Extremgourmets und Fans von Hummus. Eins ist aber sonnenklar: Ich komme wieder - und dann gönn ich mir ein bisschen Bärlauch, Brot und Kichererbsen. War nämlich lecker! 


Ehe mit Vaddern
Machs nochmal! Was mein Mann aus der ersten Ehe mitgebracht hat

Aus der Perspektive eines Mannes, der schonmal alles hatte


Ich habe mir das nie romantisch ausgemalt, aber daran gedacht hab ich schon früh: Ans Heiraten. Es gibt ein Selfie-Video von mir, da bin ich 13 Jahre alt und erzähle, was ich werden will (Lehrerin) und wie viele Kinder ich haben werde (2). Ich beschreibe sogar meinen Traummann - ich glaube, der saß damals in meiner Klasse...der Beschreibung nach zu urteilen :-)
Das habe ich  mir aber sicher nie vorgestellt: Dass ich eine Secondhand - Ehe führen würde. Oder gar eine Patchworkfamilie haben könnte. In meiner Phantasie war dieses ganze Familiending eine ziemlich einfache Angelegenheit. Deshalb hatte ich auch nie Angst davor. Wirklich nie.
Mit dieser ziemlich kindlichen Einstellung ("Familie ist doch easy") bin ich dann mit fast 21 Jahren meinem jetzigen Mann auf den Leim gegangen ;-) Bin also kleben geblieben, an ihm und allem, was dazugehörte.

Ich habe viel von ihm, von seiner ersten Frau und von seinen Kindern gelernt.
Meine Top 5 teile ich hier & erzähle aus SEINER Perspektive.

1. Es gibt keine Garantien

Man kann mit dem festen Glauben daran durch die Ehe gehen, dass man genug gemeinsam erlebt, ja überlebt hat - da kann die Ehe nichts mehr erschüttern. Es stimmt einfach nicht. Es gibt keine Garantien. Der Mensch an deiner Seite ist im besten Fall ein Geschenk, auf jedenfall aber dein Weggefährte. Wer stur nach vorn schaut im Glauben, rechts links und hinter einem liefe alles glatt, der verliert das (2.) Wichtigste aus den Augen: Den anderen.

2. Man muss sich wirklich kennen - im Großen und im Kleinen

Mensch ist Mensch. Macken haben wir alle. Einstellungen. Fehler passieren. Aber: Warum? Und - ist es so, wie wir es machen, gut und richtig? Für uns - oder auch für die Ehe? Oder umgekehrt: Für die Ehe zwar gut, für uns aber vernichtend? In Ehen wird oft über die großen Themen diskutiert (Geld, Arbeit, Sex, Familienplanung usw.), aber es gibt auch eine Reihe von kleinen Themen. Wenn man diese nicht behutsam und ernsthaft diskutieren kann, ist es kein Wunder, wenn man es nicht schafft, die großen Themen bei Schwierigkeiten auf die Reihe zu kriegen. 
Kleine Themen können sein:
"Du lässt mich damit immer im Stich"
"Du bürdest mir hier die alleinige Verantwortung auf"
"Du nimmst gar keine Rücksicht auf meine Erschöpfung"
"Du bist immer wichtiger als ich"
"Du merkst nicht, wie unwohl ich mich damit fühle"
"Du lässt meine Gefühle nicht gelten, wenn du sie albern findest"
"Du kommunizierst nur deine Unzufriedenheit mit dem Leben oder mir"
Darüber muss man reden können. Wir akzeptieren viel in der Ehe. Weil wir lernen oder gelernt haben, dass man den anderen nicht verändern kann. Das mag stimmen. Aber - Umstände kann man immer verändern. Und genau das geht tiefer als "Ich akzeptiere dich, wie du bist".  
Weiß ich wirklich, warum du bist, wie du bist? Erleichtere ich dir irgendwas, wenn ich akzeptiere, wie du bist? Oder nehme ich dich in Wirklichkeit gar nicht ernst, wenn ich einfach alles akzeptiere? Willst du wirklich immer stark sein? Willst du wirklich die Kinder mittags zu Hause haben? Willst du wirklich arbeiten, wo du grade arbeitest? Bist du wirklich bereit für mich einen Gefallen zu tun, obwohl du doch grade von einem langen Arbeitstag nach Hause gekommen bist? In anderen Worten stellt sich die Frage: Wie authentisch ist das, was mein Partner tut. Für wen tut er es. Warum tut er es. Warum sagt er es. Wie viel Kompensation, Angst oder (Vor-) Urteil begründet das, was meinen Partner bewegt? Wenn wir das wissen, wissen wir eine Menge übereinander, dann kennt man sich. Und kann manchmal vielleicht wirklich füreinander da sein.


3. Respekt und Achtsamkeit sind das A und O


Wie viel Selbstverletzung, wie viel Schmerz, wie viel Leid erlauben wir dem Menschen, mit dem wir unser Leben teilen (und zwar prognostisch vielleicht bis zum eigenen Tod!), uns anzutun? Verzeihen wir aus Liebe?  Schlucken wir aus Großzügigkeit? Tolerieren wir, weil er/sie ja nicht anders kann - weil man etwas schon kennt? Das Herz verschenken ist eine heikle Sache: In einer Ehe ohne Respekt und Achtsamkeit kann das ganz schnell zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Ständig wird auf den eigenen Gefühlen herumgetrampelt. Ständig muss man Verletzungen einstecken. Wie viel Narben will man entstehen lassen? Wie viele Beleidigungen will man akzeptieren? Wie viel Bloßstellung kann man ertragen? 
Es gibt Beziehungen (Eltern - Kind, Vorgesetzter - Angestellter, Geschwister, Freunde, Partner), die leiden an einer ganz bestimmten, subtilen Form von Respekt - und Achtlosigkeit. Obwohl (!) man weiß, welche Waffen den anderen verletzen, verletzt man ihn mit genau diesen. Und würde man noch so wütend gegen Dritte in den Kampf ziehen, um die Ehre der Geliebten/des Geliebten zu schützen: In den eigenen vier Wänden schießt man selbst mit giftigen Pfeilen immer wieder auf das, was man eigentlich wie den eigenen Augapfel hüten sollte. Nämlich das Selbstwertgefühl meines Gegenübers.
Schlagende Eltern, sich ständig übertrumpfen wollende Geschwister, sich in großer Runde ständig über den anderen lustig machende Partner oder die verletzende Ehrlichkeit von Freunden: Sie alle sabotieren das, was ihnen mit großem Vertrauen geschenkt wurde. Ich schenke dir meine Liebe und einen Teil meiner Selbst. Ich binde mich an dich. Ich bin für dich da.

"Du siehst heute morgen wieder scheiße aus."
"Oh, das kann die Dame auch nicht?" 
"Wie blöd bist du eigentlich?"
"Ja ja, geb dir keine Mühe, auf dich kann man sich eh nicht verlassen."
"Du spinnst doch total."
"Ich wills gar nicht mehr hören."
"Weißt du was? Das ist mir egal!"
"Meine Mutter hatte Recht - "

Egal wie wenig Liebe, Freundschaft oder Verständnis in manchen Momenten für den anderen da ist:
OHNE Respekt und Achtsamkeit degradieren wir den anderen zu einem Menschen 2. Klasse - nämlich zu jemandem, mit dem wir uns GEZWUNGEN sehen Zeit zu verbringen. Jemand, der unsere besten Seiten nicht mehr wert ist. Jemand, den wir eben x-beliebig behandeln.

4. Kein Sex außerhalb der Ehe

Dieser Punkt ist einfacher geschrieben, als umgesetzt. Viele tiefliegende Krisen treten durch eine aufgeflogene Affäre ans Licht. Selbstbeherrschung und die bewusste Entscheidung FÜR oder GEGEN die Ehe sollten die Hauptmotive sein, nach denen sich alles richtet. Man ist es sich selbst, dem eigenen Partner und auch der Affäre schuldig schnell und ohne Verzögerung eine klare Entscheidung PRO oder CONTRA zu fällen. Und das geht - immer! Nicht bereit? Dann hat man noch nicht genug aufgearbeitet, dann gehört man noch in die Ehe. Erst in dem man zu anderen Menschen ehrlich ist, ist man auch zu sich selbst ehrlich. "Ich will Sex mit unserem Freund" kann der Motor sein, der lange nicht geführte Gespräche endlich ins Rollen bringt. "Ich habe Sex mit unserem Freund gehabt" beendet mit einem Schlag eine ganze Reihe von Gesprächen, die man hätte führen können und müssen. Was für ein Verlust für beide!


5. Man muss es wirklich wollen


Freundschaft ist eine gute Grundlage. Toller Sex kann auch eine sein. Gemeinsame Ziele und Vorstellungen auch. Irre  unbeschreibliche Verliebtheit sowieso. ABER wenn die weg sind (wenn auch nur temporär - aber ein Jahr ist lang!), dann zählt nur eines: Man muss es wollen. Man muss wirklich wirklich zusammen sein wollen. Man kann eine Ehetherapie nicht beginnen, wenn man von vorneherein nicht sicher ist, ob man die Ehe noch will. Dessen muss man sich im Klaren sein. Braucht man dafür Zeit? Ja - manchmal ist das die schwerste Entscheidung von allen, aber sie ist die Wichtigste. Wenn man sie mit Ja beantworten kann, ist der Weg danach vielleicht steinig: Aber es geht mit Sicherheit aufwärts. Ohne Steine kann der Weg noch so leicht zu beschreiten sein, wenn die Antwort Nein lautete, wird er zwangsläufig abwärts führen. So einfach ist das.


An dieser Stelle möchte ich ein Buch empfehlen - auch Roy und ich hatten unsere Krise (ganz klassisch im 7. Jahr. Irgendwas musste bei uns dann ja auch mal normal verlaufen, nech?!) - das ich zwar erst NACH dem 7. Jahr gelesen habe, bei dem ich aber regelmäßig gedacht habe "Ja, zum Glück haben wir das auch so gesehen" oder "Zum Glück haben wir das auch so gemacht". Dieses Buch hat mir gezeigt was wir in unserer Krise richtig gemacht haben. Und wie viel ich aus früheren Fehlern gelernt hatte - ebenso wie Roy. Wir sind beide erstaunlich reif durch die Sache gegangen. Zumindest ich komme mir jetzt ein bisschen "over-wise" vor und klopfe mir in unseren vielen glücklichen Momenten regelmäßig stolz auf die Schulter. Aber ich finde: DA darf man dann auch mal so richtig stolz sein. Eine Ehe durch hausgemachtes Unwetter in einen sicheren Hafen bringen - das ist harte Arbeit. Kein Scherz!

Hier das Buch der vielen wichtigen (kleinen) Wahrheiten:
Der EHE CODE von Nadine Magg

Sommer 2014/ Ostsee
Ein schönes Wochenende wünsch ich euch - nein, wünschen WIR ;-)