Donnerstag, 30. Oktober 2014

Halloween & Ausländischer Firlefanz

„Jetzt kommt das schon hierher“… Ich höre das öfter. 
Halloween – diese schaurige Modeerscheinung aus den USA. Von wo auch sonst? Es ist übertrieben, es ist aufdringlich, es geht um Konsum und dafür werden mal wieder die Kinder missbraucht. Firlefanz.
Ich bin ein halber Ami. Und ein halber Deutscher. Aber kein halber Arier, denn dafür ist mein Stammbaum diesseits zu „unrein“. Irgendwo tummeln sich da Juden und Polen in meinen Genen. Und ich bin auch kein halber Afro-Amerikaner, oder worauf man sich nach political correctness grade geeinigt hat, denn auch mein amerikanischer Stammbaum ist bunt durcheinander gewirbelt. Da gibt es Iren und Indianer und natürlich den Sklaven aus Afrika und mit Sicherheit noch irgendwo einen Deutschen, denn die gibt’s ja irgendwie immer. Und das macht mich zu einer Promenadenmischung. Vielleicht ein Grund, weshalb ich die Feste so feiere, wie sie fallen. Seitdem ich eine echte jüdische Freundin habe, feiere ich ein paar jüdische Feste mit. Weil sie so andächtig und intim gefeiert werden. Und seitdem ich eine biologische Tochter habe, beschäftige ich mich mit Indianischer Kultur und deren Festen. Und weil ich ein halber Ami bin, feiere ich Weihnachten mit einem Santa Claus in Rot (auch amerikanischer Firlefanz) und lass die Bescherung mal am 24. Abends und mal am 25. Morgens geschehen, feiere Thanksgiving – das amerikanische Pendant zum Erntedankfest, welches hier ja gar nicht groß zelebriert wird – und Halloween und den Independence Day. Außerdem feiere ich, wie alle Christen, Ostern und manchmal das schwedische Midsomarfest (weil ich mit meiner Beteiligung am Wohlstand der IKEA Family quasi mit zum Clan gehöre) und finde auch ganz witzig mal Silvester sausen zu lassen, denn die Chinesen feiern eh wann anders.
Die, die gegen eine vereinte Welt voller gemeinsam zelebrierter Feste fremder Kulturen sind  – ich frage mich, wie konsequent sie dann FÜR etwas einstehen? Dagegen sein ist ja leicht, wenn man nichts tun muss. Welche Feste feiern sie denn dann? Fühlen sie sich christlich, oder sehr deutsch (Tag der Arbeit, Tag der deutschen Einheit, Herrentag etc)? Lassen sie konsequent den Firlefanz von draußen weg, z.B. den Muttertag (USA) oder den Valentinstag (USA), boykottieren sie Kaufhäuser in denen Coca-Cola Santas rumlaufen, suchen sie nach Sankt Nikolaus usw.?
Und sind WIR als die, die irgendwie alles mitnehmen, so offen, wie wir glauben? Wenn muslimische Feste beginnen unseren Alltag so zu beeinflussen, wie Halloween, Valentinstag & Co. – sind wir dann auch tolerant und neugierig? Sagen wir dann auch: her mit dem Multi-Kulti, gebt uns allen Firlefanz? Fragen, die sich mit Sicherheit bald selbst beantworten werden. Bis dahin bleibt uns nur zu hoffen, dass extreme Haltungen uns nicht diktieren. Auch nicht, wenn wir in Partystimmung sind!