Donnerstag, 30. Oktober 2014

Sexualkundeunterricht 2.0 - More Business than usual!


Sexualkundeunterricht habe ich schon immer für notwendig erachtet. Ich hab oft bemängelt, dass es dabei so gut wie nie um Beziehungen geht. Und wenig um Hormone und was passiert, wenn man Sex miteinander hat (Oxytocinlevel, Wunsch sich zu binden - u.U. auch an Menschen, die man vor dem Sex gar nicht mehr vorhatte danach zu sehen). Ich finde, es sollte erklärt werden, dass Mädchen andere Vorstellungen und Erwartungen an Sex haben, als Jungs. Dass der Wunsch nach Sex Biologie ist - und auch, was Sex für Risiken hat. Emotionale eingeschlossen. Von mir aus sollte auch über Suchtgefahr und über Pornographie (Wahrheit versus Wirklichkeit) aufgeklärt werden.
Aber Sexpraktiken? Ich weiß nicht. Ich halte mich für ziemlich modern, aber Sexpraktiken durchdiskutieren, oder ein Bordell "rein theoretisch" im Unterricht aufbauen (natürlich optimiert), die Kinder Kärtchen ziehen lassen auf denen dann steht "1. Mal Analverkehr"...und dann drüber reden? Wenn DAS modern ist, bin ich ziemlich rückwärts gewandt.
Ich finde über die diversen Sexualpraktiken muss man ungefähr so nötig aufklären, wie über verschiedene Alkoholsorten. Wenn ich über den Umgang mit Alkohol aufklären will: Muss mein Kind wissen, dass es Wein, Sekt, Champagner, Bier, Wodka, Korn, Likör, Punsch, Bowle usw. gibt? Muss mein Kind wissen, in welchen Etablissements man diese Getränke üblicher Weise konsumiert und sich ausgiebig mit Komasaufen beschäftigen, u.a. auch damit, wie man Komasaufen "optimieren" kann? Nein - oder? Wieso dann beim Sex?
In unserer Gesellschaft wird so viel über die Technik gefachsimpelt, alle Magazine geben Tips von A bis Z: Aber über Beziehungen, über Gefühle, über Moral und Ethik, über Grenzen, die nicht überschritten werden sollten, darüber, wie man eigene Grenzen schützt - darüber wird viel zu wenig berichtet und aufgeklärt.
Wenn der Sexualkundeunterricht für mein Berliner Töchterchen beginnt (ich befürchte ja Berlin macht grade so einen modernen Quatsch mit), werde ich mich definitiv einsetzen dafür, dass der Unterrichtsinhalt verändert wird. Sorry - aber ich finde das Wissen über diverse Sexpraktiken und Bordellmanagement nicht nur zu weit gehend, sondern auch unnütz. Dann weiß mein Kind also, dass viele Wege nach Rom führen - aber nicht, wie es ohne Verlustängste und selbstbewusst kommunizieren kann, dass es lieber nach Paris will? No thanks.
P.S. JA wir Eltern sind auch in der Pflicht. Ich finde Filme geeignet, Dokus und Magazine (selbst ausgewählt), um eine Grundlage zum drüber Reden haben. Und ganz wichtig: Jungs auch mal einen Film sehen lassen, wo die Gefühle einer Frau nachdem sie Sex hatte nicht erwidert werden. Einfach, damit sie ein bisschen verstehen, was da für Dramen entstehen können. Ist eben nicht alles nur geil, fun und Technik.

Bin gespannt, ob und wo sich das durchsetzt – und nicht zuletzt, ob meine vielen Einwände nicht ebenso unnütz und ziellos sind, wie der beschrieben Sexualkundeunterricht. Frei nach dem Motto „Watt kommt, datt kommt“…und dann ist es am Ende nie so schlimm, wie es am Anfang aussah…



Wer weiß. Da heißt es nun tief Luft holen und Hecheln…ähm Durchatmen!

Hier der Link zu dem Artikel bei Spiegel Online auf den ich mich beziehe.
Oben ein Bild eines weiteren Artikels aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung (23.10.2014)