Mittwoch, 26. November 2014

PhiloJune
Was ich schon immer an dir liebe: Eigenschaften, die in der Partnerschaft WIRKLICH zählen


Mann - Perspektive


Ich bin in deinen Augen der perfekte Mann
Du bist stolz auf mich
Du vertraust mir
Du schenkst meinen Ideen & Ambitionen Interesse
Dir ist nicht egal, wer meine Freunde sind
Du kümmerst dich gern um mich
Wenn mir etwas fehlt, darf ich schlecht drauf sein
Du gibst mir bedingungslosen Rückhalt
Du sagst mir genau, was du von mir erwartest
Du lässt mich eigene Entscheidungen fällen
Du willst immer mein Bestes
Du hast mich nie beleidigt, du wirst mich nie beleidigen
Du hast nie auf mich herabgesehen, du wirst nie auf mich herabsehen
Auch wenn ich kein Soldat oder Jäger bin, machst du dir immer ein bisschen Sorgen um mich
Dich interessiert, wie viel Geld ich mache - aber nicht, wie viel du davon abkriegst
Du willst, dass ich erfolgreich bin: Genauso sehr, wie du willst, dass ich glücklich bin
Du liebst mich: bedingungslos

Danke MAMA - und DANKE zukünftige Partnerin!

Frau - Perspektive

Du kannst mir nicht lang böse sein
Du verzeihst mir meine Macken, ich muss mich für dich nicht ändern
Du akzeptierst meine Schwächen, aber du hältst mich für stark
In deinen Augen bin ich etwas ganz Besonderes
Du findest mich schön, aber darüber hinaus findest du mich toll
Du willst mein Bestes
Bei dir fühle ich mich geborgen
Bei dir fühle ich mich sicher
Bei dir kann ich schwach sein und werde gehalten
Du nimmst mich ernst
Du bist mein Fan
Du erwartest von mir, dass ich mir für nichts zu schade bin
Du erwartest von mir, dass ich für mich einstehe
Du erwartest von mir, dass ich Einsatz zeige
Bei dir erfahre ich echten Trost
Ich bin für dich unersetzbar & unaustauschbar
Ich bin für dich einzigartig
Ich lasse dein Herz höher schlagen
Du bist glücklich, einfach weil ich bei dir bin
Du liebst mich: bedingungslos

Danke PAPA - DANKE zukünftiger Partner!

Ich glaube daran, wenn jemand sagt, dass die erste, ernste partnerschaftliche Beziehung unseres Lebens die zu unseren Eltern ist. Und dass sie unsere zukünftigen Beziehungen prägen wird. Selbst abwesende oder grauenhaft schlechte Eltern prägen uns - indem wir zum Beispiel besonders treue, besonders bodenständige oder besonders liebe Partner auswählen. Aber auf die schlechten Beispiele will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen - sondern auf das, was wir idealer Weise von unseren Eltern mitgenommen haben und deshalb bei unserem Partner suchen oder suchen sollten. Denn die Listen oben adsummieren sich am Ende zu einem großen, gemeinsamen Nenner, der die Grundlage einer jeden Beziehung sein sollte: Mit dir fühle ICH MICH immer wohl! (Sogar mit mir selbst)

Als Eltern sollten wir maßgeblich dafür sorgen, dass sich unsere Kinder in ihrer Haut wohl fühlen - damit sie später genau das in ihrer Partnerschaft suchen & wiederfinden: Einen Partner der ihnen jeden Tag zeigt "Du bist gut, du bist schön, du bist liebenswert - und ich sehe das alles!"


Vater & Tochter (4) und "I know you belong to me"

Was ich schon immer an dir liebe? Alles, was ich schon immer gebraucht habe, um mich geliebt zu fühlen!

Dienstag, 25. November 2014

PhiloJune
Unkenrufe: Macht die Ehe aus uns schlechte Menschen?

Sie waren bezaubernd miteinander. Die besten Freunde. Sie passten aufeinander auf. Achteten sich. Behandelten sich mit viel Rücksichtnahme, Respekt und Geduld. Die Fehler des Anderen waren "klein". Fielen nicht ins Gewicht. Und das Aussehen? Gefiel - genau so. Kinder, Karrieren, Lebensträume - alles wurde zu einem großen JA ICH WILL. In Ewigkeit....

Zehn Jahre später.

Ekel Alfred aus "Ein Herz und eine Seele"
Bild von moviepilot.de


"Stehst du heute noch auf, oder willste wieder den ganzen Tag im Bett rumgammeln?"
versus
"Guten Morgen, Hase. Kaffee und frische Brötchen für meinen Schatz! Ich muss jetzt zur Arbeit, aber du kannst ja noch liegen bleiben - ich ruf dich später an, ja?"

"Sehe ich in dem Kleid dick aus?" - "Nicht dicker, als in den anderen."
versus
"Sehe ich in dem Kleid dick aus?" - "Hallo?! Schau dich mal an! Du bist wunderschön! Hör auf dich immer selbst so fertig zu machen!"

"Schatz, ich komme heute erst spät von der Arbeit!" - "Vergiss die Kondome nicht, Arschloch!"
versus
"Schatz, ich schaffs heut leider nicht früher aus dem Büro, wir haben noch für 20 Uhr ein wichtiges Brainstorming für die Gala am Sonntag. Schlimm?" - "Nein Liebling, das verstehe ich doch. Ich liebe dich!"

"Ich liebe dich!" - "Ha ha ha!"
versus
"Ich liebe dich!" - "Ich liebe dich mehr." - "Ich liebe dich viel mehr und ich habe dich zuerst geliebt!" - "Ich habe dich schon immer geliebt, ich habs nur nicht gewusst. Und ich liebe dich viel mehr als du mich." - "Ich lieb dich mehr" - "Nein ich" - "Nein ich" usw.

"Meine Mutter will, dass wir am Wochenende vorbeikommen." - "Dann geh doch."
versus
"Schatz, wir sind am Wochenende mit meinen Eltern verabredet." - "Oh, wie schön. Das wird bestimmt nett."

Sex?
"Du könntest dich auch mal wieder waschen."
"Ich bin müde."
"Ich hab Kopfschmerzen."
"Ich bin heut länger im Büro."
"Mit wem schreibst du dir da dauernd?" 
versus
Sex! Sex! Sex! Sex! - Leben außerhalb von Sex. Sex! Sex! Sex!

Wer kennt es nicht - vielleicht aus eigener Erfahrung (ertappt?), oder von anderen Paaren. Mit der Zeit werden viele Partner unappetitlich ätzend. Vor allem miteinander. Wenn sie den Punkt erreicht haben, dass sie diese ätzenden Gefühle nicht mal im öffentlichen Raum verstecken können, werden sie zum social - roadkill. Etwas, womit keiner was zu tun haben will...etwas tot gefahrenes, auf das man mitleidig herabsieht, während man selbst vorbeibraust.
Es wird gelogen, betrogen, beleidigt. Statt an die Träume des Partners zu glauben, heißt es "Bei der Post verdient man auch Geld". Die Enttäuschung darüber, dass das Leben nicht so läuft, wie man es gern hätte, verdirbt den hausgemachten Brei, den man mit der Monogamie angesetzt hat. Die Anstrengungen des Alltags verzerren das, wofür man so hart arbeitet, zu einem albtraumhaften Bild voll Pflicht und Frustrationen. Eigentlich will man dann nur noch raus, manchmal aus allem: Partnerschaft, Familie, Job.
Verändert uns die Ehe, verändern wir uns oder verändert uns der Alltag? Klar ist: Probleme mussten viele schon vor einer festen Partnerschaft meistern. Manche Beziehung startete unter dunklen Vorzeichen und das Zusammenbleiben war eine Zerreißprobe. Und wir selbst verändern uns vielleicht, aber nicht so sehr, dass man sagen könnte: Du bist ein anderer Mensch! Meistens vertiefen sich die einen Eigenschaften, verstärken sich die anderen, verblassen die übrigen. Der Cocktail bleibt der Gleiche, die Menge der Zutaten kann sich ändern. Es ist und bleibt Caipi. Oder Molotov. Oder?
Was ist nach Jahren in einer Ehe (oder festen Partnerschaft) anders, als am Anfang? Werden wir zu schlechten Menschen gemacht, oder kehren wir unsere schlechten Seiten raus? So wie Teenager, die zu Hause rumrüpeln und hausen, wie kleine Schweine? Weil sie können? Weil sie sich sicher sind: Ich werde nicht rausgeschmissen.
Ist das derselbe Grund bei Partnerschaften? Verlässt man sich auf die Beharrlichkeit des Status Quo, ist man deshalb nachlässig? Ich glaube: Ja!
Wenn man nämlich in Sorge um die Partnerschaft/Ehe lebte, würde man sich für sie einsetzen. Man würde auf schmerzhaften und hässlichen Pfaden wandeln, um zu retten, was man hat. Man würde sich nicht wie ein Arschloch verhalten, man würde nicht wie ein Hausdrachen sein. Man würde auch keine Diktatur und auch keine Isolationshaft akzeptieren - nein, man würde es besser machen. Ja, die Ehe macht aus uns schlechte Menschen - wenn wir zulassen, dass wir die Ehe bzw. das Versprechen "Mit dir in Ewigkeit" als einen Garantieschein ohne Rückgabemöglichkeit wahrnehmen. Wenn wir uns und den anderen bis in alle Ewigkeit an Worte gebunden sehen, selbst wenn sich das alles schon nach Gefangenschaft oder Sumpf anfühlt.
Was hilft ist jeden Tag so zu leben, als könnte er der letzte sein. Sinnbildlich. Schafft man ja nicht jeden Tag. Aber es sollte so eine Grundeinstellung sein. Dieses "Ein besserer könnte kommen" oder "Ich könnte ihm einfach irgendwann nicht mehr genügen" usw., das sollte man im Hinterkopf behalten. Es gibt KEINE Garantien! Der Mensch an unserer Seite gehört uns nicht! Er gehört sich selbst und er kann gehen und bleiben wie er will. In Wirklichkeit ist selbst die Ehe eine Einigung mit einem hohen Maß an Freiwilligkeit. Ich kenne verheiratete Paare, die seit Jahren in neuen Partnerschaften stecken - sie haben sich nur nie offiziell scheiden lassen. Wenn man sich jeden Tag vor Augen führt, dass in einer Partnerschaft beide freiwillig entscheiden ihre kostbare und unbestimmte Lebenszeit mit dem jeweils anderen zu verbringen, wird man vielleicht ein bisschen dankbarer. Netter. Freundlicher. Und wer weiß: Vielleicht bringt diese "Was wäre, wenn dies unsere letzte Woche wäre" Attitude ja ein paar ganz neue Aspekte in die Ehe/Partnerschaft rein. Denn - WENN dies unser letzter Tag auf Erden wäre: Würde man dann nicht miteinander glücklich sein wollen?






Social Hack
Will mich richtig: Wie ihr endlich ein Paar werdet! Und wie nicht.

Ich habe zig Freundinnen und ein paar Freunde, die dasselbe Lied singen (jaulen):

Es lief so gut - warum hat er/sie sich plötzlich anders entschieden?

Die üblichen Verdächtigen, wie "Er/Sie steht einfach (doch) nicht auf dich" oder "Es sollte halt nicht sein" und natürlich mein Favorit "Du bist zu kompliziert" mal außer Acht gelassen, gibt es ein anderes wichtiges Element, das verbindet oder entbindet. Nämlich das "den anderen wollen". Wenn man jemanden schätzt oder sogar liebt, dann ist nichts wichtiger, als diese Gefühle bestätigt also gespiegelt zu bekommen. Und nichts vernichtender, wenn diese Gefühle NICHT gespiegelt werden. Wenn ich meine Verliebtheit also hinter einer Maske aus Albernheit und Kumpeligkeit verberge: Was erwarte ich, was mir gespiegelt wird? Oder wenn ich vor lauter Rücksichtnahme und Höflichkeit unnahbar bleibe: Was wird mir wohl gespiegelt werden? Wenn ich aus Angst vor Zurückweisung nie eindeutig werde: Was soll dann Eindeutiges zurückkommen?

Das Problem an der Sache mit den suchenden Singles ist - es gibt mehrere. Wenn nun ein anderer Single alles in puncto "Guck mal, wie sehr ich dich will" richtig macht - wie viel Zeit hat man dann noch, um seine eigenen Anbahnungen zum Erfolg zu bringen?
Es gibt einfach zu viele Freunde (Kollegen, Single-Eltern-Freunde), die gar nicht nur befreundet sein wollen, aber keiner steht zu seinen Gefühlen. Es gibt schüchterne Frauen und Männer, die ganze Wochenenden mit ihrem Traumpartner verbringen und dabei keine romantische Geste auslassen, außer der Eindeutigsten: Körperkontakt bzw. Nähe. Und dann geht der Traumpartner, vielleicht verunsichert oder sogar gekränkt (warum wollte er/sie nichts von mir?) nach Hause und lässt sich von dem trösten, der sehr klar "will". Es gibt zu viele Paare, ja selbst die!, die nicht klar sagen, was sie voneinander wollen. Der eine möchte gern hören, dass er seine Sache wirklich gut macht, die andere möchte vielleicht fühlen und nicht nur erzählt bekommen, dass sie immernoch attraktiv ist und so weiter. Es gilt beim Paarfinden und beim Paarbleiben: Eindeutigkeit! Je klarer ich mache, was ich will, desto klarer, ob auf der Gegenseite Interesse bzw. Ein-Verständnis besteht oder nicht.
Wenn ich um einen Kuss bitte und keinen kriege, zerschmettert das mein Selbstbewusstsein und säht in mir Zweifel, ob aus mir und "dem Anderen" etwas werden kann. Oder ich gehe gleich davon aus "Nein ist nein - ist NEIN". Wenn ich jemandem mein Herz per Email oder Telefon oder VoiceMessage ausschütte und darauf nicht im Geringsten (so) erwidert wird, wie ich erhoffe - dann gehe ich davon aus: Da ist nichts zu holen!
Das Verrückte ist: DOCH - bei Vielen von diesen sich ausschweigenden, nichts sagenden, distanziert bleibenden Singles da draußen WÄRE was zu holen, wenn sie sich trauen würden, konkret zu werden. Wenn sie das Risiko eingehen würden IN der Beziehung verletzt zu werden, würden sie sich bestimmt trauen, die Hürde der Eindeutigkeit zu nehmen. Diese Herzschmerzvermeider gibt es wie Sand am Meer. Sie verunsichern meine Freunde und Freundinnen! Sie sorgen dafür, dass überall Unklarheit herrscht. Sie treiben gute Singles in die Arme von desinteressierten Idioten, die zwar das mit der Eindeutigkeit beherrschen ("Sex?"), aber nicht die feine Sprache der Zwischentöne.

Ergo: Lasst die Gefühle raus! Seid ehrlich. Verliebt in einen verheirateten Mann? Sagt es. Verliebt in den besten Freund der Freundin? Sagt es. Verliebt in den süßen Typ an der Kasse? Sagt es. Verliebt in die Kollegin? Sagt es. Verliebt in eine 20 Jahre ältere Frau? Sagt es! Sagt es einfach - erfahrt Erleichterung durch das eindeutige Ja oder Nein, das ihr dann bekommt - und macht weiter. Entweder neu gemeinsam verliebt, oder mit der Hoffnung, jemanden zu finden, der ganz für euch ist und euch auch liebt. Keine Zeitverschwendung mehr mit Menschen, die nicht EINDEUTIG sind - denn in der Liebe ist es einfach immer am besten, wenn beide immer Stellung beziehen.

Willste mich? Ja! Komm her!  Der goldene Weg ;-)

P.S. Es gibt natürlich ein paar Singlekandidaten, die wollen einen ungefähr so, wie der osmanische Sultan Mehmed II die Stadt Konstantinopel. Wenn ein Mann/eine Frau ungefähr so viel Energie aufwendet, wie ein Sultan mit seiner 80.000 Mann starken Belagerung, um einen für sich zu gewinnen, dann fühlt man sich unwohl, ausgeliefert und vielleicht sogar gruselig bedroht. Es reicht ja, wenn mans gesagt hat, Kuss drauf, fertig! Und ein Nein muss man eben akzeptieren - niemand will aus Liebe bis in die Knochen erschreckt werden. Türen eintreten ist nicht romantisch, besoffen vor dem Haus stehen und "Ich liiiiiebe dich Janine!" brüllen ist es auch nicht und den Neuen Drohbriefe oder Schmähbriefe schicken ist auch nicht das, was ich unter einem schönen, aufrichtigen "Ich will dich" verstehe. Das verbuche ich intern eher unter OHMEINGOTT. Und: Danke nein!



PhiloJune
Pöbelle & Co. oder Leben unter Finstressinnen


Pöbelle

Kinder spielen fröhlich auf einem Hof inmitten der Berliner Innenstadt. Ein Amselmännchen hat das grüne Kleinod für sich entdeckt und zwitschert sich eine Liebste herbei. Das Kinderlachen hallt von den hellen Wänden der liebevoll sanierten Gemäuer wider, die Sonne scheint sanft auf das selige Treiben der Kleinen. Plötzlich erhebt sich die Finstressin von dem Küchenstuhl, den sie seit einer ganzen Weile frustriert in den Boden gesessen hatte, und öffnet die Fensterläden. Wie eine Mischung aus krachendem Blech und krächzenden Krähen schallt ihre verrauchte Stimme über den Hof: "Könnt ihr Gören nicht mal ruhig sein da unten?! Es ist 12 Uhr! Mittagsruhe!" Ihre Feindseligkeit vertreibt das friedliche Spiel der Kinder vom Hof in irgendeine Wohnung, die sie nicht sehen kann, deren Bewohner sie aber nicht leiden kann, da sie den Hof für sich haben und ihre plärrenden Bälger dort immer spielen lassen. Sie würde das nicht tun. Sie schließt die Fensterläden und setzt sich wieder auf ihren Stuhl. Die ausgelesenen Magazine seufzen raschelnd, als ein Luftstoß unter den sich niederlassenden Gesäßbacken entweicht. Pöbelle, im Ostflügel ihrer Wohnung gefangen, unterhält sich wieder mit der Kaffeetasse, in die sie mit jedem bitteren Schluck hineinbrummelt, was ihr alles nicht passt. Da erhebt sich ein animalisches Geräusch aus dem Westflügel, sie hört, wie sich eine Tür öffnet. Ein unheilvoller Geruch weht durch die Wohnung. Ihr Biest ist erwacht.

Die anderen Märchenfinstressinnen

http://fora.mtv.ca/2012/04/headlines-anna-sucks

Schneeflittchen, Pöbelle, Blapunzel, Lästerella und wie sie alle heißen könnten, haben eines gemeinsam: Sie sind das Gegenteil von dem, was Walt Disney unter einer vollkommenen Prinzessin versteht. Sie benutzen Worte wie "Gutmensch" oder "Öko" als Schimpfwort, sie rauchen Zigarette, um anderen die Luft zu verschmutzen, sie sind Meisterinnen im Auseinanderdividieren von "Du hast was, das ich nicht hab..." und sie haben die Manieren eines raubeinigen Kutschers, der über Mensch und Tier die Peitsche knallen lässt. Sie nennen ihre eigenen Kinder Arsch oder Glitterflittchen, sie lästern über ihre Freundinnen vor anderen Freundinnen, sie schmeißen ihre Kippen in die perfekten Blumenkästen der Nachbarin und beschäftigen sich am liebsten mit den Verfehlungen anderer, die sie lang auswälzen und sich genüsslich an ihnen weiden. Sie kaufen Liebe mit Sex, reden ohne Sinn und Verstand von allem, was nicht interessiert und heben gute Worte nur für den Moment auf, da sie jemanden für sich gewinnen wollen. Diese Frauen gibt es überall, in jeder Form.
Ihr Lebensmotto bewegt sich irgendwo zwischen "Warum solltest du mehr haben als ich?" und "Ich bleib so scheiße, wie ich bin". Ganze Bücher werden für sie geschrieben ("Ich bleib so scheiße, wie ich bin" oder "Nett ist die kleine Schwester von Scheiße") , sie sind beliebter Teil von Serien - ja manchmal sind sie sogar der ganze Inhalt einer Serie ("Devious Maids"). Warum sind sie in Walt Disneys Welt jedoch stets die Bösen? Cruelle De´Ville, Ursula die Meerhexe, die böse Königin aus Schneewittchen - oder Maleficent: Sie alle stehen für die hässliche Seite in Frauen, für das Böse, das sie bewegt. Neid, Missgunst, Eitelkeit, Egoismus - das sind ihre Triebfedern.

Im Zwiespalt zwischen Ablehnung und Mitgefühl für diese Abarten all dessen, was vollkommene Weiblichkeit ausmacht (laut Disney, Mens Health & Co), schlägt Malificent die Bresche für das "Dazwischen", nämlich den Grund weshalb man boshaft wird und niemandem aufrichtig einen Funken Gutes wünscht. Und so wie in der neuen filmischen Adaption von Dornröschen die "böse" Maleficent das Kind, das sie fortwährend beobachtet und schützt, herablassend "Monsterchen" nennt, beschimpft die ein oder andere vielleicht jemanden, dessen konsequente Haltung zu Umweltschutz sie nervt oder deren andauernde Bemühung um positive Stimmung sie ankotzt "Öko" oder "Gutmensch" - es ist das herausgekotzte Kompliment an all das, was sie - die Finstressin - nicht sein kann oder sein will. Und wenn sich so eine Ursula von Meerhexe aus ihrem Pool aus Frustration erhebt, nur um dir mitzuteilen, dass sie dich für eine dumme, arme Seele in Not hält, dann versuch die Wahrheit dahinter zu sehen: Ursulas Bestimmung ist es im Leben anderer Menschen herumzupfuschen - nur ist es ihr nie gelungen anders Kunden an sich zu binden, als durch Beleidigungen.

Fazit: Manchen Menschen - selbst Frauen  - muss man nachsehen, dass sie in diesem Leben eine negative Rolle besetzen wollen. Ob es nun Kundengewinnung via Beleidigung ist ("Wer hat Ihnen denn die Haare verschnitten?"), Offenheit durch Boshaftigkeit ("Na und, dann hab ich sie halt erpresst - was hätte ich sonst tun sollen?") oder Fellpflege durch Lästerei ("Du kannst sowas wenigstens tragen, hast du Isa in dem Kleid schonmal gesehen?"), die Finstressinnen der Welt haben keine disneyhaften Umgangsformen verinnerlicht, und das muss man akzeptieren können. Als eine Art der Revolution gegen das Diktat des guten Tons und einer ganzen Industrie von Schönheit und Gutmacherei kann man ihnen fast dankbar sein, dass sie das Gleichgewicht zwischen all den Tollen und Guten da draußen wieder herstellen, indem sie einfach nur scheiße sind.
Manchmal macht allein der Kontrast aus uns eine Cinderella - und das ist doch auch irgendwo schön!



Dienstag, 11. November 2014

I got it from my mama - Was Will.I.am vergessen hat

Baby, whered you get your body from?
Tell me, whered you get your body from?
Baby, whered you get your body from?
Tell me, whered you get your body from?
I got it from my mama
I got it from my mama
I got it from my mama
I got it, got it

Der ganze Text: Will I Am - I Got It From My Mama Lyrics | MetroLyrics 

Will.I.am über das Wesentliche am weiblichen Geschlecht, haha! Wir haben unseren Eltern in der Tat einiges zu verdanken. Abgesehen davon, dass normale Eltern ihren wesentlichen Pflichten nachkommen [ihren Nachwuchs einkleiden, versorgen, vor Unbill und Krankheit schützen, pflegen und kulturell bilden], legen über-normale Eltern noch einen oben drauf, indem sie stets das Beste für ihr Kind wollen (sei es, was es sei). 
Und wenn die Kids dann fertig sind und in der Blüte ihres Lebens stehen: Was haben sie dann von ihren Eltern - ihre Kultur, ihre Einstellungen, ihre Gesundheit - oder darfs ein bisschen mehr sein?



INTELLIGENZ?

CHARME?

DAS GUTE AUSSEHEN?



Was immer es auch sein mag, seid dankbar! Jeder hat etwas richtig Gutes von seinen Eltern mitbekommen - sogar von denen, die nicht anwesend waren.

Und ich? Hmmm..... 

What I got from my mama


- die Liebe zu Büchern
- die Liebe zum Schreiben
- das rhetorische Geschick
- Anspruchsdenken einer "modernen" Frau
- den Pragmatismus
- die Kritikfähigkeit
- den Stolz
- den Drive zu tun, was ich möchte
-  das Stark sein, auch für andere
- das anders Denken

What I got from my daddy


- die Lust an Albernheit
- das Talent Gefühle mit Worten zu wecken
- die Liebe zum Singen
- unser "philosophisches" Element
- das Ernste
- Toleranz für Menschen
- den weichen Kern
- die Empathie
- das Konsequenz zeigen
- die Liebe zu Kindern & Kindlichem

Was ich von beiden mitbekommen habe ist übrigens das sture sich um Kopf und Kragen und alle Sympathien diskutieren ;-) Zum Glück können die meisten Menschen mir das nachsehen - vermutlich, weil ich natürlich mit dem gleichen Eifer und Elan FÜR meine Freunde (und Kunden und Lieben) einstehe. Für die diskutiere ich auch bis zum jüngsten Tag wenns sein muss. 

Eins ist jedenfalls klar: (Wir) Eltern beeinflussen, wie sich Kinder in der Welt wahrnehmen. Schenken wir "next generation parents" ihnen deshalb Selbstvertrauen, damit sie schon früh zu sich selbst stehen lernen: Dann haben wir das so ziemlich Wichtigste geschafft!

Oder?



Ehe mit Vaddern
20 Jahre älter

Eigentlich müsste ich Roy zu Liebe den Blogtitel sofort wieder ändern. 

18. Juni 2007 - ich 21, Roy 39
Er würde darauf bestehen, dass ich die Zahl korrigiere: 17 nicht 20 Jahre. Er würde sich gekränkt fühlen, weil ich "Vaddern" geschrieben habe - und das klingt irgendwie alt. Aber ich schreibe ja nicht aus meiner Perspektive - sondern aus der Perspektive anderer. 

Aus der Perspektive derer, die sich fragen "Was will der alte Knacker von dem jungen Mädchen?" oder andersherum "Was will die von dem alten Knacker?"Als Roy und ich uns kennenlernten, war ich 20,5 Jahre alt. Ich runde mal auf 20 ab. Und Roy war 38. Ich runde mal auf 40 auf. Und dann haben wir die Zahlen, die die anderen im Kopf hatten. Der ist doppelt so alt, wie sie. Ihr wisst schon, was uns da unterstellt wurde? Mir gings nur ums Geld - ihm gings nur um Sex. Oder darum, sein Ego zu streicheln. Also auf jedenfall ging es uns nicht um den Anderen. Wer könnte schon den vierzigjährigen Roy lieben? Wer könnte schon mein zwanzigjähriges Ich lieben? Und warum, wenn Sex und Geld doch für jede Beziehung vollkommen ausreichen?

Nun, Roy und ich sind die eine Ausnahme. Bestimmt basieren sonst alle Beziehungen mit großem Altersunterschied auf ziemlich oberflächlichen Aspekten....

Was willst du von einem alten Mann? Ich frage das mal so, wie ich es gefragt worden bin.
Hast du dir nie Gedanken darüber gemacht, wie das mal wird, wenn er richtig alt ist?
Ist das nicht total strange Stiefkinder zu haben, die näher an dir dran sind, als du an ihm?
Stell dir mal vor du wärst 40 und dein Mann verlässt dich für eine Jüngere? 

Okay, viele Menschen scheinen ein großes Problem mit dem Alter zu haben. Für Jugendliche hört das Leben mit 30, aber spätestens mit 40 auf. Danach kommt doch nix mehr! Menschen, die bereits jenseits der 40 sind, wünschen sich, jünger sein zu können. Sie wünschen sich vielleicht wieder 30 sein zu können. Alle beschäftigt ihr Alter und das Alter der Anderen.

Aber es gibt ja viel mehr als nur Zahlen. Und weil ich grauenhaft schlecht in Mengenlehre oder überhaupt Mathematik bin, habe ich die schon immer ausgeblendet. Auch bei der Partnerwahl. Roy ist nicht der einzige Mann, mit dem ich eine Beziehung hatte, der deutlich älter war als ich.
Mit 18 hatte ich mal eine Affäre mit einem 36 Jahre alten Mann. Der war wirklich reich und damals war das auch wirklich der Grund, weshalb ich diese Affäre hatte. Schlichte Neugier.
In der Schule war es nicht viel besser. Ich war grundsätzlich an den älteren Brüdern meiner Klassenkameraden interessiert, nicht an ihnen. Mit 14 hatte ich eine kurze, belanglose - für mich aber damals irre ernste - "Beziehung" mit einem 21 Jährigen.

Als ich Roy kennenlernte: Fand ich ihn alt? Nein! Erstens wusste ich nicht, wie alt er überhaupt war, denn wir haben uns online kennengelernt und sein Profilbild war scheiße. Zweitens war ich sofort süchtig danach mit ihm zu kommunizieren, weil wir uns beide sehr sehr ähnlich sind. Das war, wie sich mit meinem männlichen Gegenstück auszutauschen. Diese Vernarrtheit hatte durchaus etwas narzisstisches: ich konnte mich dank Roy selbst plötzlich viel mehr leiden. Denn was ich an ihm toll fand - hej, das war ich selbst in vielen Punkten!
Irgendwann stellte sich natürlich das Thema Alter und Geburtstag ein. Roy und ich sind beide am 18.06. geboren - siebzehn Jahre auseinander geborene Zwillinge. So empfinden wir das bis heute. Unsere Eltern würden da sofort Einspruch erheben - mitnichten ist dieser Kerl ein Abbild unserer Tochter! Mitnichten ist der Goldsohn meiner Schwiegermutter wie deren nunmal-leider-nicht-mehr-zu-ändernde-Schwiegertochter! Aber: WIR leben nunmal zusammen - und nur wir wissen, wie ähnlich wir uns wirklich sind. Vielleicht wird die Jüngste im Bunde das irgendwann schicksalsergeben (& augenrollend) erkennen - und dann uns gemeinsam mit den Worten: "Mit euch kann man eh nicht diskutieren" abkanzeln (was gelogen wäre, mit uns kann man super diskutieren! Wir haben nur leider immer beide Recht, höhö).

Nein, Roy und all die Jungs und Männer vor ihm, die älter oder wesentlich älter waren, als ich, fand ich nicht alt. Sondern interessant. Spannend. Aufregend. Die Welt der Gleichaltrigen war mir viel zu vollgestopft mit langweiligen Problemen, die die Bravo schon für uns löste.  Der Reiche, der hatte echte Probleme!!! Drogen, Schmuggel, gekaufter Doktortitel in BWL, Koks in Schälchen auf dem Gäste-WC, Frauen und "Geschäftspartner", die ihn um Geld betrügen...ich hab live in einem Krimi mitgelesen. Immer schön darauf bedacht, nirgends mitzumachen, natürlich. Gut, das meiste hat der Typ mir erzählt - aber das Koksschälchen hab ich höchst selbst entdeckt und geöffnet, ein paar merkwürdige Telefonate hab ich live erlebt und das mit dem gekauften Doktortitel hab ich ihm sofort abgekauft. Den hatte der nicht erarbeitet. Und die anderen? Hatten schon Autos, als wir noch in der 10. Klasse waren, und damit waren sie unabhängig. Wir konnten abhauen, ans Meer fahren und frei sein! Sie hatten Ausbildungen oder spannende Berufe und konnten mir über ihre Projekte und Lebenspläne erzählen. Kein "Boah letztes Wochenende war ich wieder voll hacke" oder "Ich weiß nicht, was ich vom Leben will" - nein, die alle waren schon wer oder ziemlich sicher auf dem Weg, ein "Wer" zu werden. Die wussten meistens was sie wollen und haben darüber viel und ausführlich mit mir geredet. Toll!
Ich liebe eben nicht ältere Menschen, sondern Menschen, die mir etwas zu bieten haben. Ich liebe Männer, die mehr drauf haben als ich, von denen ich also etwas lernen kann. Und wenn es Auto-CAD und Lasertechnik ist, womit meine erste große Liebe sich beschäftigte. Das U-Boot, das er für die MHH in Hannover mit einem selbst programmierten Ablauf per Laser aus einem dünnen Blech schnitt, so dass es für Tests auf arterieller Ebene genutzt werden konnte - WOW war das toll!
Ich bin furchtbar ungeduldig und wissenshibbelig. Wenn ein Mensch mit seinem Leben nicht in die Puschen kommt und nicht "Gas" gibt (um den Reichen zu zitieren, hat er dauernd gesagt...Da musst du Gas geben), dann ist er für mich eben nach fünf Minuten langweilig. Ich will Auto-CAD U-Boote für die MHH ;-)

Und Roy? Roy ist wie eine ganze Bibliothek kaufen und darin stundenlang lesen. Als ich Roy kennenlernte, war sein Leben so tragisch wie eines Buddenbrocks, sein Geist so geschmeidig und rasch wie das eines Stanislav Lem und sein Wissens - und Erlebnishunger ungefähr so groß, wie meiner (also sehr groß). Roy wollte immer mehr mehr mehr! Wir beide zusammen, wir konnten zwar nicht ständig raus in die Welt und sie entdecken, wie wir wollten (gab ja noch die beiden Lütten), aber in Gedanken - oh da haben wir die Welt zum Einstürzen gebracht, sind bis ins Weltall hinausgeflogen und haben jeden Aspekt und Winkel des Menschen durchforstet und analysiert!
Reden reden reden reden reden reden reden - diskutieren diskutieren diskutieren. Das war Erotik pur! Das war unsere Währung. Das war der Grund, weshalb ich Roy so komplett verfallen bin! Dass er so viel älter war als ich, fiel einfach nicht ins Gewicht. Das war (und ist) mir sowas von egal. Nein - anders - das Alter ist ja meistens genau der Grund, weshalb ich all das andere Schöne dazu bekomme.

x -Jahre * y - spannende Erfahrungen = Sexy! Bingo!



Ich stehe im Übrigen mit nichten auf Channing Tatum. Er sieht gut aus - aber er reizt mich nicht. Ich stehe total auf Hugh Jackman. Der sieht auch gut aus - und ich könnte in seinen Armen versinken und ihm stundenlang beim Reden zuhören! (und ihn dabei unterbrechen)
Ich stehe ein bisschen auf Ryan Gosling - der hat sowas gelebtes - aber ich würde den wegschubsen, wenn mir Mark Strong einen Tag mit sich schenken würde (aber er müsste sich dann schon GENAU SO geben und stylen, wie in seiner Rolle als Chef das jordanischen Geheimdienstes Hani Salaam in "Der Mann der niemals lebte"....sabber).

Alter ist nur eine Frage der Zeit - Charakter ist eine Frage des Seins. Ein guter Charakter zeigt sich in jedem Moment des Lebens wieder, das Alter wandelt sich mit der Zeit und ist keine Konstante. Es gibt junge Alte, alte Junge, es gibt Menschen, die mit 40 wie 28 aussehen (...Roy) und Menschen, die mit 28 aussehen, wie 40. Es gibt Männer, die sehen aus, wie Frauen und Frauen, die sehen aus, wie Männer. Es gibt Partner, die sterben nach zwanzig Jahren Ehe, es gibt Partner, die sterben nachdem man sich ein Jahr kannte, es gibt Partner, die sterben, wenn sie uralt und dement sind. Das Alter garantiert einem nichts - der Charakter als Konstante verspricht dafür viel!

Ich bin eher so der Charaktergucker...Männer, die mich anziehen, sind Brainteaser. Mit ihnen fühle ich mich wohl, im öffentlichen Raum und im privaten. Vor Freunden oder vor Fremden. Auf einer Businessveranstaltung oder bei einer Grillparty. Von ihnen fühle ich mich herausgefordert aber auch in meiner "Kopfigkeit" an/erkannt. Ich fühle mich von ihnen als mehr wahrgenommen, als ein paar in Schoko getunkte Kurven. Ich weiß, dass diese Kurven irgendwann zu Tränensäcken werden, dass ich irgendwann keine Reize mehr zum Geizen habe. Ich weiß, dass meine Gesundheit und mein Aussehen ein temporäres Geschenk mit Verfallsdatum sind. Ich wüsste das auch, wenn morgen ein schöner, sexy gebauter Mann meines Alters oder jünger vor mir stünde und mir schöne Augen machte. Wird er in 20 Jahren noch immer so gut aussehen? Nein!

Ich habe Roy kennengelernt, da war er 38 Jahre alt. In den Jahren, die wir nun schon die allerbesten Freunde sind und ein wirklich toughes, eingespieltes Team, habe ich keine Überraschungen erlebt. Keine Enttäuschungen. Ich habe bekommen, was ich am ersten Tag bekommen habe. Und genau das wollte ich! Ganz einfach.




Montag, 10. November 2014

Knusper Knusper Knäuschen...Das will ein Kind im Häuschen!

Ich bin definitiv keine in der Theorie ausgebildete Raumausstatterin - aber wenn es um Kinderzimmer oder überhaupt "Raum für Kinder" geht, dann bin ich nicht nur ziemlich kreativ, sondern auch ziemlich GROßARTIG.

Ich selbst LIEBE Kinderzimmer, Spielzeuge, Höhlen, Zelte usw. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Zimmer meiner Kinder/meines Kindes alle paar Tage neu gestalten. Die Tatsache, dass Freunde stets begeistert von den Zimmern unserer Kinder waren, gibt mir in puncto "artgerechte Haltung" ein gutes Gefühl. Da einige meiner Freundinnen grade Mama geworden sind, ihren frisch eingezogenen Bauchbewohnern noch Asyl gewähren oder demnächst umziehen und überlegen, wie das neue Kinderzimmer denn aussehen soll, dachte ich, ich teile mal ein paar meiner Ideen und Ansichten:

Meine Tipps & Ratschläge für die Gestaltung von Kinderzimmern


1. Ein Kinderzimmer sollte eine Mischung aus Museum, Kuschelecke und Bibliothek sein.

Museumselemente: Regale, in denen Krimskrams (am besten Spielfiguren, kleine Musikinstrumente -  wie Panflöten, Rasseln, Schellen -, Taschenlampen, Lupen, Muscheln, Stöcker, Geschenkdeko, Postkarten, Bilder usw.) stehen, Mobiles (auch selbst gemacht), Gläser mit Münz -, Stein -, Feder- oder anderen Sammlungen, uralte Sachen, die AUF den Regalen stehen (nicht anfassen, nur gucken - bei uns zB ein anatomisches Modell vom Mensch mit "Innenschau").
Kuschelecke: Das kann eine einfache Babybettmatratze mit Kissen und Kuscheltieren und Deckchen sein, aber auch ein großer Karton mit einer Tür und einem kleinen Fenster (selbstgemacht) oder eben ein schönes Zelt sein (in dem man vielleicht noch Laternen aufhängen kann...voll schön für abends!)
Bibliothek: Es kommt auf die Menge an! Je mehr Bücher, desto besser. Am besten man hat große Bücher, Bilderbücher, kleine Bücher, Pappbücher, Pixi-Bücher usw. Es schadet nicht, wenn Bücher in der Kollektion sind, die noch gar nichts für die Kleinen sind. Sie wecken die Neugier auf das, was noch kommen wird.
Jungszimmer: Das Kunterbuntesurium


2. Abwechslung ist das Rezept

Ein Kind braucht nicht viel Spielzeug. Ein Kind braucht nur Inspiration und Abwechslung. Und Abwechslung braucht es überall. Kinder entdecken Spielzeug, Bücher usw. in einem neuen Kontext neu. Eine alte Puppe kann spannend sein, wenn sie plötzlich im Regal sitzt und das Fernrohr um den Hals hat: Plötzlich ist sie eine Gefährtin für Abenteuer!

Wechselnde Ausstellungen kann man durch Kisten, die auf Schränken stehen oder die im Keller lagern, ganz leicht selbst kreieren. Spielzeug kann in den Keller abwandern, ganze Spielküchen, Tischchen etc. können mitgehen und irgendwann wieder auftauchen. Im Bücherregal kann man mal die kleinen, mal die bunten, mal die bildreichen Bücher auf Augenhöhe einsortieren. Und wer sagt, dass zwischen den Büchern nicht mal ein Kuscheltier oder ein Legohaus stehen darf?

Unser Gehirn ödet an, was es kennt. Schon kleinste Babys schließen die Augen, wenn man ihnen Fotos von den gleichen Gesichtern im Wechsel zeigt. Wenn sie merken "Ey, das sind ja immer dieselben" wandert das Interesse ab. Sortiert man die Fotos neu, flammt das Interesse kurz auf. Mischt man die Fotos mit Bildern von ganz anderen Dingen, wird es richtig spannend. Genau so sind wir als Kinder und eigentlich auch als Erwachsene. Nur muss es nicht neuer Input sein (also immer alles neu kaufen), sondern das bereits Vorhandene sollte sich ab und an neu darstellen.

Keines meiner drei Kinder, weder die Stiefkinder, noch meine Kleine, haben je über die Veränderungen in ihrem Zimmer geklagt. Es gab ja immer was zu gucken, und irgendwie war alles neu und aufregend.


3. Feste Installationen blockieren die Phantasie

Ich baue und räume gern um. Alles darf neu und anders aussehen. Aber mit Schrankwänden, riesigen Möbeln, schweren Puppenhäusern und dicken Sesseln ginge das nicht. Ich habe immer erst nach dem Kaufen dazu gelernt, was hieß: Schrankwand gekauft - für unpraktisch befunden - wieder verkauft. Das passierte mir früher öfter. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass eine Raumgestaltung leicht sein sollte. Möbel können Rollen haben (zB Betten!), oder sollten eher klein und zierlich, statt groß und klobig sein (Schreibtisch, Kleiderschrank), und Regale sollten Kästchen und Körbchen enthalten, um Stauraum zu schaffen, ohne weitere Möbel kaufen zu müssen. Ein Kind braucht eigentlich nur einen Tisch, wo mindestens eine große Legoplatte draufpasst (bzw. ein Standard Pappkarton oder Puppenhaus), eine Matratze (als Bett) und einen Schrank bzw. ein Regal/Kommode für Kleidung. Den Rest bekommt man an Wänden, in Boxen und Kästchen gut unter. Und das Beste: So kann das Kind auch mal selbst umräumen. Wie meine kleine Tochter, die fand, dass sie einen Spieltisch neben dem Bett braucht, oder einen Stall unter ihrem Schreibtisch. Sie braucht mich mit 4 Jahren nicht mehr, um sich ihre Welt so zu gestalten, wie sie es will. Sie macht das selber.

Das Jungszimmer von der Tür aus: So sehen 7,8m² aus!


4. Farben

Bunt ist gesund, aber grau ist nicht gleich mau. Eigentlich ist wichtig, dass das Kind sich bei den Farben seines Spielzeuges, seiner Kleidung und seiner Bücher einbringen kann - nicht aber, ob seine Zimmerwände hellgrau, beige oder quietsch grün sind. Das ist Elternsache. Mein Tipp: waschfeste Farbe auf das untere Drittel der Zimmerwände, von 0 - 6 Jahren mindestens wird dieser Bereich der Wand nämlich mit Sicherheit angemalt, angespuckt, angepopelschmiert, angetatscht (mit Nutellahändchen) und und und. Wenn man das einfach von der Wand abwaschen kann: Bon!
Dann lieber eine Ecke aussuchen, die bunt sein soll, statt alles mit Farben zuknallen.

Einfach schnell eine Ecke an(ders) malen!


5. Bilder

Ob nun Fotos, Postkarten, Geschenkpapier, eingerahmte Poster oder selbstgemachte Kunstwerke von den Kindern: Sucht euch einen Platz für eine Gallerie und richtet sie ein. Die bunten Bilderrahmen von IKEA sind praktisch und günstig, es gehen natürlich aber auch schlichte. Hauptsache es gibt etwas zu schauen. Ich liebe es mit meiner Jüngsten vor ihrer Gallerie zu sitzen und mit ihr die Bilder zu besprechen. Je älter sie wird, desto mehr hat sie selbst dazu zu sagen. Es ist einfach nur schön!
Was man übrigens grade bei den günstigen Möbeln machen kann: Anmalen! Auch selbstgemalte Bilder sind schön - ob nun Mama oder Kind ihre Möbel verzieren - Hauptsache es gefällt!

Hier lädt alles zum Angucken ein: Selbst das Regal!

Ein Zelt über einer Matratze kann das schönste Bett sein!


6. Ferkelwand

Wir haben eine Tafelfolie für die Kleine gekauft, weil sie gern an Wände malt. Die Folie haben wir an die Wand geklebt, sie ist nur 100 x 200 Meter groß. Hier kann sie sich austoben - während der Rest Gott Lob endlich unbefleckt bleibt. Das ist ein super Kompromiss für uns alle. 

7. Kinder brauchen Platz - Eltern brauchen Ruhe

Eins verstehe ich nicht und werde es nie verstehen: Warum so viele Eltern ein Schlafzimmer haben und ihr Kind nicht einmal ein eigenes kleines Zimmerchen. Nicht mal einen Rückzugsraum dank Trennwand, Paravent oder Raumteilerregal. Viele Eltern bestehen darauf ein eigenes Schlafzimmer zu haben - für mich macht das keinen Sinn.
Wenn es wegen der Kleidung ist, die kann man ja trotzdem im Kinderzimmer unterbringen. Dann missachten wir den Tipp mit den sperrigen Möbeln und stellen da eine Schrankwand hin - Hauptsache die ist dann verspiegelt (Spiegel sind für Kinder toll!) und zum Malen geeignet (auf Schrankflächen kann man prima Tafelfolie anbringen). Solange ein Kind einen Ort hat, an dem es auf innere Reisen gehen kann, wo es mit seinen Freunden Abenteuer erleben und Geheimnisse teilen kann, solange ist alles gut. Schlafen kann man überall, aber seine Ruhe vor Kindern haben (und ihren Freunden) und ihnen ihre Entwicklungsfreiräume einrichten: Das geht nicht überall. 

Das "große" Mädchenzimmer in der 1. Wohnung



8. Trennungskinder brauchen ZWEI Zuhause

Wenn die Eltern sich trennen und virtuell zwei zu Hause entstehen, ist es wichtig - meines Erachtens - dass man als Kind auch wirklich ein zweites zu Hause bekommt. Einen Ort, wo man sich jederzeit Willkommen und geborgen fühlt. Ein Ort, der sagt "Du bist immernoch mein Kind - ich habe immer einen Raum für dich in meiner Welt".  Irgendwann hat man dann vielleicht sogar zwei Zufluchten, wenn die Welt einem schwer auf den Schultern lastet:
Einer der wenigen Vorteile, der mir einfällt, wenn ich an getrennt lebende Eltern denke (und unsere Kinder).

9. Geld regiert hier nicht die Welt

Man braucht nicht viel Geld, um ein Zimmer interessant zu gestalten. Alles, was wir für die Kinder hatten, haben wir bei IKEA besorgt oder gebraucht gekauft über ebay.kleinanzeigen.de (damals kijiji.de) - liebevoll gestalten geht nämlich mit ganz kleinem Budget. Das sieht man auch an der Babyecke, die wir in der Nestbauphase eingerichtet hatten (2 Mal).

Wohnung im PrenzlBerg
Wohnung in Köpenick

















10.  Höhlen, Zelte, Kisten 

Das Schöne ist: Heute bekommt man tolle Fertighäuser aus Pappe zum Anmalen und selber zusammenbauen für ganz wenig Geld & frei Haus geliefert. Zelte gibt es auch in allerlei Varianten. Ganz altmodisch kann man natürlich auch Pappkartons nehmen - Amazon liefert die ja selbst für ein Paar Socken in Übergröße. So oder so: Die Kinder lieben es! Ach ja - und Flugzeuge und Rennautos kann man natürlich auch aus Pappe bauen!

                                                                   

Schöne Kisten für die Kleinen & ganz Kleinen

Ein Zelt im Wohnzimmer lädt zum Träumen ein

Klar ist: Wandel und Beständigkeit sollten genauso Bestandteil von Räumen, in denen sich Kinder bewegen und aufhalten, sein, wie die Mischung aus Anregung (Platz zum Spielen & Toben) und Abregung (Traum - und Kuschelecken). 

So zumindest meine kleine, bescheidene Meinung zum Thema: Und wie ihr seht - ich halte es keine 5 Minuten im Zimmer aus, ohne irgendwas zu verändern. Ist vermutlich klinisch ;-)



Samstag, 8. November 2014

Der ECHTE Tag der deutschen Einheit: Morgen fiel die Mauer!

Vor 25 Jahren endete die zweite deutsche Diktatur: Die DDR fiel dem Chaos bürokratischer Verwirrung oder der Halbwertszeit eines schlecht laufenden Systems zu Opfer - oder schlicht den Massen an freien Menschen, die wie Sturmwellen gegen die Berliner Mauer prallten, welche die ganze Lächerlichkeit und Traurigkeit des DDR Staates symbolisiert. Als ein Reporter während einer öffentlichen Pressekonferenz ahnungslos ob ihrer Bedeutung die Frage stellte, ab wann die neuen Reiseregelungen über die DDR Grenze in Kraft träten, antwortete der ebenso ahnungslose Günter Schabowski schicksalsschwer mit dem nicht rückholbaren Startschuss für Millionen: "Sofort".


Morgen fiel die Mauer: Am 09. November 1989 änderte sich das Schicksal von Millionen von Menschen innerhalb und außerhalb von Deutschland. Auch meins. Mein Mann war 21 Jahre alt, als die Mauer fiel. Das heißt seine Kindheit und Jugend waren geprägt von dem Schatten, den die DDR über das Denken und Fühlen seiner Mitbürger legte. Heute ist mein Mann mit einer jungen Westdeutschen Halbamerikanerin verheiratet. Sein Bruder lebt in Washington D.C. Und seine Mutter ist Gründerin der Berliner Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus.
Seine Familie erzählt die Geschichte der Ostdeutschen, die intellektuell, geistig und seelisch "raus" wollten. Die über die Grenzen ihrer staatlichen Freiheit hinaus dachten und fühlten. Deren Welt nicht aus dem bestand, was sie besaßen, sondern von dem geprägt wurde, was sie wussten. Wir sind nicht nur eine Patchworkfamilie im herkömmlichen Sinne, sondern auch im Staatensinne. Ost &West, Deutschland &Amerika, DDR 68er Generation & moderne Generation Y = Wir sind das MODERNE DEUTSCHLAND.

Morgen feiert ganz Berlin das Ende der DDR: Neben der beeindruckenden Lichtgrenze entlang der alten Mauer, die quer durch Berlin führt, wird am Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz, im Mauerpark und überhaupt ÜBERALL die Erinnerung wachgerufen und die Freiheit gefeiert!

Wer kann sollte noch schnell nach Berlin reisen und sich das Spektakel anschauen!
We´re gonna celebrate like it´s 1989!

Lichtgrenze Brandenburger Tor
Lichtgrenze Checkpoint Charly



DJIMALAYA - Isrealische Pfadfinder AHOI!


Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine authentische jüdische bzw. israelische Küche genossen. Im Ravencove hatten wir vor kurzem Gäste aus Israel, die uns ganz lieb kleine Talismane zum Schutz gegen böse Geister aus Jerusalem mitgebracht hatten. Aber das war der bis dato erste und einzige echte Kontakt mit Isreal, bis wir heute das DJIMALAYA entdeckten. Das DJIMALAYA in der Invalidenstraße verspricht nicht zu wenig: Das Essen schmeckt wirklich nicht ganz koscher. Oder wie nennt man die sauersten Gurken und Oliven der Welt sonst, die wie Center Schocks im Mund sofort für Würgereflexe sorgen? Ein persönliches Aha!- Erlebnis für mich: Sauer macht lustig - die Vorspeise dient in Isreal vielleicht zum Anregen hitzig - witziger Debatten über dem Hauptgang, der kam - und siegte!

Das Hummus schmeckt ein bisschen zu gut, um noch gesund zu sein. Das Rindersteak ist Tatsache göttlich und wer immernoch nicht religiös verzückt herumprobiert sollte vielleicht mal das Mana kosten. Das gibt es auch! Außerdem kostenlos Brot, das man teilen kann oder auch lieber nicht. Es schmeckt angenehm süß und wird dampfend warm geliefert - der Brotkorb kann locker als eigenes Menü durchgehen (für so Brotjunkies wie mich). Zu Trinken gab es Schwarzen Tee mit Allerlei und Classics. Ich hatte schwarzen Tee mit Honig und einer Zimtstange darin: Schmeckt! Mein Salat war sehr lecker, so eine Art Couscous, und die Sauce, die uns zu den Säuerlichkeiten gereicht wurde, war schärfster Bärlauchpamps, der sofort einen Protest in der Magengegend hervorrief, jedoch zu lecker war, um auf die Warnrufe von unten zu hören. Zum Abschluss aß ich sehr angetan von seiner Apfelmusigkeit ein Stück "Sebastian Tart Tartin" - was dünner Mürbeteig sein könnte, auf den jemand Apfelmus so angerichtet hat, dass er nicht herunterrutschen kann. Fazit: Ich bin begeistert!







Ein paar Stunden später sitze ich nun viel zu satt mit leichtem Bauchkneifen (oh dieser Bärlauch...) in meinem Schreibersessel und überlege mir, wie und wann ich wohl wieder ins DJIMALAYA komme. Es war eine echte Geschmacksreise, etwas für Extremgourmets und Fans von Hummus. Eins ist aber sonnenklar: Ich komme wieder - und dann gönn ich mir ein bisschen Bärlauch, Brot und Kichererbsen. War nämlich lecker! 


Ehe mit Vaddern
Machs nochmal! Was mein Mann aus der ersten Ehe mitgebracht hat

Aus der Perspektive eines Mannes, der schonmal alles hatte


Ich habe mir das nie romantisch ausgemalt, aber daran gedacht hab ich schon früh: Ans Heiraten. Es gibt ein Selfie-Video von mir, da bin ich 13 Jahre alt und erzähle, was ich werden will (Lehrerin) und wie viele Kinder ich haben werde (2). Ich beschreibe sogar meinen Traummann - ich glaube, der saß damals in meiner Klasse...der Beschreibung nach zu urteilen :-)
Das habe ich  mir aber sicher nie vorgestellt: Dass ich eine Secondhand - Ehe führen würde. Oder gar eine Patchworkfamilie haben könnte. In meiner Phantasie war dieses ganze Familiending eine ziemlich einfache Angelegenheit. Deshalb hatte ich auch nie Angst davor. Wirklich nie.
Mit dieser ziemlich kindlichen Einstellung ("Familie ist doch easy") bin ich dann mit fast 21 Jahren meinem jetzigen Mann auf den Leim gegangen ;-) Bin also kleben geblieben, an ihm und allem, was dazugehörte.

Ich habe viel von ihm, von seiner ersten Frau und von seinen Kindern gelernt.
Meine Top 5 teile ich hier & erzähle aus SEINER Perspektive.

1. Es gibt keine Garantien

Man kann mit dem festen Glauben daran durch die Ehe gehen, dass man genug gemeinsam erlebt, ja überlebt hat - da kann die Ehe nichts mehr erschüttern. Es stimmt einfach nicht. Es gibt keine Garantien. Der Mensch an deiner Seite ist im besten Fall ein Geschenk, auf jedenfall aber dein Weggefährte. Wer stur nach vorn schaut im Glauben, rechts links und hinter einem liefe alles glatt, der verliert das (2.) Wichtigste aus den Augen: Den anderen.

2. Man muss sich wirklich kennen - im Großen und im Kleinen

Mensch ist Mensch. Macken haben wir alle. Einstellungen. Fehler passieren. Aber: Warum? Und - ist es so, wie wir es machen, gut und richtig? Für uns - oder auch für die Ehe? Oder umgekehrt: Für die Ehe zwar gut, für uns aber vernichtend? In Ehen wird oft über die großen Themen diskutiert (Geld, Arbeit, Sex, Familienplanung usw.), aber es gibt auch eine Reihe von kleinen Themen. Wenn man diese nicht behutsam und ernsthaft diskutieren kann, ist es kein Wunder, wenn man es nicht schafft, die großen Themen bei Schwierigkeiten auf die Reihe zu kriegen. 
Kleine Themen können sein:
"Du lässt mich damit immer im Stich"
"Du bürdest mir hier die alleinige Verantwortung auf"
"Du nimmst gar keine Rücksicht auf meine Erschöpfung"
"Du bist immer wichtiger als ich"
"Du merkst nicht, wie unwohl ich mich damit fühle"
"Du lässt meine Gefühle nicht gelten, wenn du sie albern findest"
"Du kommunizierst nur deine Unzufriedenheit mit dem Leben oder mir"
Darüber muss man reden können. Wir akzeptieren viel in der Ehe. Weil wir lernen oder gelernt haben, dass man den anderen nicht verändern kann. Das mag stimmen. Aber - Umstände kann man immer verändern. Und genau das geht tiefer als "Ich akzeptiere dich, wie du bist".  
Weiß ich wirklich, warum du bist, wie du bist? Erleichtere ich dir irgendwas, wenn ich akzeptiere, wie du bist? Oder nehme ich dich in Wirklichkeit gar nicht ernst, wenn ich einfach alles akzeptiere? Willst du wirklich immer stark sein? Willst du wirklich die Kinder mittags zu Hause haben? Willst du wirklich arbeiten, wo du grade arbeitest? Bist du wirklich bereit für mich einen Gefallen zu tun, obwohl du doch grade von einem langen Arbeitstag nach Hause gekommen bist? In anderen Worten stellt sich die Frage: Wie authentisch ist das, was mein Partner tut. Für wen tut er es. Warum tut er es. Warum sagt er es. Wie viel Kompensation, Angst oder (Vor-) Urteil begründet das, was meinen Partner bewegt? Wenn wir das wissen, wissen wir eine Menge übereinander, dann kennt man sich. Und kann manchmal vielleicht wirklich füreinander da sein.


3. Respekt und Achtsamkeit sind das A und O


Wie viel Selbstverletzung, wie viel Schmerz, wie viel Leid erlauben wir dem Menschen, mit dem wir unser Leben teilen (und zwar prognostisch vielleicht bis zum eigenen Tod!), uns anzutun? Verzeihen wir aus Liebe?  Schlucken wir aus Großzügigkeit? Tolerieren wir, weil er/sie ja nicht anders kann - weil man etwas schon kennt? Das Herz verschenken ist eine heikle Sache: In einer Ehe ohne Respekt und Achtsamkeit kann das ganz schnell zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Ständig wird auf den eigenen Gefühlen herumgetrampelt. Ständig muss man Verletzungen einstecken. Wie viel Narben will man entstehen lassen? Wie viele Beleidigungen will man akzeptieren? Wie viel Bloßstellung kann man ertragen? 
Es gibt Beziehungen (Eltern - Kind, Vorgesetzter - Angestellter, Geschwister, Freunde, Partner), die leiden an einer ganz bestimmten, subtilen Form von Respekt - und Achtlosigkeit. Obwohl (!) man weiß, welche Waffen den anderen verletzen, verletzt man ihn mit genau diesen. Und würde man noch so wütend gegen Dritte in den Kampf ziehen, um die Ehre der Geliebten/des Geliebten zu schützen: In den eigenen vier Wänden schießt man selbst mit giftigen Pfeilen immer wieder auf das, was man eigentlich wie den eigenen Augapfel hüten sollte. Nämlich das Selbstwertgefühl meines Gegenübers.
Schlagende Eltern, sich ständig übertrumpfen wollende Geschwister, sich in großer Runde ständig über den anderen lustig machende Partner oder die verletzende Ehrlichkeit von Freunden: Sie alle sabotieren das, was ihnen mit großem Vertrauen geschenkt wurde. Ich schenke dir meine Liebe und einen Teil meiner Selbst. Ich binde mich an dich. Ich bin für dich da.

"Du siehst heute morgen wieder scheiße aus."
"Oh, das kann die Dame auch nicht?" 
"Wie blöd bist du eigentlich?"
"Ja ja, geb dir keine Mühe, auf dich kann man sich eh nicht verlassen."
"Du spinnst doch total."
"Ich wills gar nicht mehr hören."
"Weißt du was? Das ist mir egal!"
"Meine Mutter hatte Recht - "

Egal wie wenig Liebe, Freundschaft oder Verständnis in manchen Momenten für den anderen da ist:
OHNE Respekt und Achtsamkeit degradieren wir den anderen zu einem Menschen 2. Klasse - nämlich zu jemandem, mit dem wir uns GEZWUNGEN sehen Zeit zu verbringen. Jemand, der unsere besten Seiten nicht mehr wert ist. Jemand, den wir eben x-beliebig behandeln.

4. Kein Sex außerhalb der Ehe

Dieser Punkt ist einfacher geschrieben, als umgesetzt. Viele tiefliegende Krisen treten durch eine aufgeflogene Affäre ans Licht. Selbstbeherrschung und die bewusste Entscheidung FÜR oder GEGEN die Ehe sollten die Hauptmotive sein, nach denen sich alles richtet. Man ist es sich selbst, dem eigenen Partner und auch der Affäre schuldig schnell und ohne Verzögerung eine klare Entscheidung PRO oder CONTRA zu fällen. Und das geht - immer! Nicht bereit? Dann hat man noch nicht genug aufgearbeitet, dann gehört man noch in die Ehe. Erst in dem man zu anderen Menschen ehrlich ist, ist man auch zu sich selbst ehrlich. "Ich will Sex mit unserem Freund" kann der Motor sein, der lange nicht geführte Gespräche endlich ins Rollen bringt. "Ich habe Sex mit unserem Freund gehabt" beendet mit einem Schlag eine ganze Reihe von Gesprächen, die man hätte führen können und müssen. Was für ein Verlust für beide!


5. Man muss es wirklich wollen


Freundschaft ist eine gute Grundlage. Toller Sex kann auch eine sein. Gemeinsame Ziele und Vorstellungen auch. Irre  unbeschreibliche Verliebtheit sowieso. ABER wenn die weg sind (wenn auch nur temporär - aber ein Jahr ist lang!), dann zählt nur eines: Man muss es wollen. Man muss wirklich wirklich zusammen sein wollen. Man kann eine Ehetherapie nicht beginnen, wenn man von vorneherein nicht sicher ist, ob man die Ehe noch will. Dessen muss man sich im Klaren sein. Braucht man dafür Zeit? Ja - manchmal ist das die schwerste Entscheidung von allen, aber sie ist die Wichtigste. Wenn man sie mit Ja beantworten kann, ist der Weg danach vielleicht steinig: Aber es geht mit Sicherheit aufwärts. Ohne Steine kann der Weg noch so leicht zu beschreiten sein, wenn die Antwort Nein lautete, wird er zwangsläufig abwärts führen. So einfach ist das.


An dieser Stelle möchte ich ein Buch empfehlen - auch Roy und ich hatten unsere Krise (ganz klassisch im 7. Jahr. Irgendwas musste bei uns dann ja auch mal normal verlaufen, nech?!) - das ich zwar erst NACH dem 7. Jahr gelesen habe, bei dem ich aber regelmäßig gedacht habe "Ja, zum Glück haben wir das auch so gesehen" oder "Zum Glück haben wir das auch so gemacht". Dieses Buch hat mir gezeigt was wir in unserer Krise richtig gemacht haben. Und wie viel ich aus früheren Fehlern gelernt hatte - ebenso wie Roy. Wir sind beide erstaunlich reif durch die Sache gegangen. Zumindest ich komme mir jetzt ein bisschen "over-wise" vor und klopfe mir in unseren vielen glücklichen Momenten regelmäßig stolz auf die Schulter. Aber ich finde: DA darf man dann auch mal so richtig stolz sein. Eine Ehe durch hausgemachtes Unwetter in einen sicheren Hafen bringen - das ist harte Arbeit. Kein Scherz!

Hier das Buch der vielen wichtigen (kleinen) Wahrheiten:
Der EHE CODE von Nadine Magg

Sommer 2014/ Ostsee
Ein schönes Wochenende wünsch ich euch - nein, wünschen WIR ;-)

Schmuddelwettertrost: Betty n Caty

Winter ist, wenn Weihnachten und Silvester sind. Und damit enden die good news - zumindest für die Klimazone Berlin. Skifahren? Is nicht. Kalt? Trotzdem. Sehr kalt...schön, wenn guter Kaffee und köstliche Leckereien ihren tröstlichen Rettungsring in die langen Schatten dunkler Nachmittage werfen, um uns Ertrinkende zu retten. Und: Es funktioniert.
Heute stelle ich einen Liebling vor, der mir wie neu vorkommt - den gabs doch letztes Jahr gar nicht, oder? Auf dem Weg zur Kita winkt er mir schon zu, während ich mich per velo durch die Kälte strampele...morgens oder kurz vor Kitaschluss sinke ich ganz gern mal mit ihm in schwere Polster.
Richtig guter, warmer Kaffee schmeckt im Prinzip eigentlich nur im Winter so richtig gut. Nämlich dann, wenn man ihn am nötigsten hat.


Und wo kriegt man ihn?
Bei BETTY´N CATY - dem wunderbaren Szene Café gleich bei uns um die Ecke in der Knaackstraße. Selbst Herr Benno Fürmann lässt sich dort gern nieder und lässt den sonnenbrillenverdeckten Blick über die Straße schweifen. So einer is das :-)




Ja - das Betty ´N Caty: Vorbeikommen lohnt sich, bleiben ist ein Geschenk!
Dunkelheit - ich fürchte ich nicht: B und C ist schon in Sicht ;-)

Freitag, 7. November 2014

Instant Vegan: Wie man innerhalb von 30 Sekunden zum Veganer wird!

Jeder, der sich schonmal mit einem echten Vegetarier oder Veganer verzettelt hat, weiß eines: Sie sind Hardcore. Voller Leidenschaft für ihre Sache. Was sie treibt - ob die Tiere oder die Gesundheit - ist eigentlich egal - UNS, den Carnivoren. ABER wenn man dieses Video gesehen hat - oder noch besser - live erlebt hätte, was diese Kunden eines Einkaufszentrums erlebt haben: Dann keimt vielleicht selbst in uns ein kleiner muslimischer Samen auf a la: Schwein isst man nicht.
Und mit den Tagen, Wochen, Monaten...Jahren...wäre vielleicht sogar das ein oder andere Tier ebenfalls von unserer "To chew" Liste verschwunden.

Oder?


Ich sag nur: Nackensteak ahoi!


Mama Gedanken
Du bist so anders als ich:Meine Tochter & Ich

Wenn man sich vorstellen kann ein Kind zu haben, dann stellt man sich das Kind in verschiedenen Etappen seines Lebens vor. Als "Vorlage" dient einem die eigene Kindheit. Vielleicht noch das, was man vom realen Traummann weiß, oder sich von Wunschtraummännern erhofft. Ein bisschen spielen vielleicht noch die eigenen Eltern mit rein, oder Geschwister ("Bloß nicht wie meine Schwester werden" oder so). Aber im Prinzip impliziert ein Kinderwunsch immer auch, dass man schon ziemlich genau weiß, was man bekommt. Etwas, das man irgendwo schonmal gesehen hat ;-)

Wenn man aus einer "gemischt rassigen Ehe" stammt, so wie ich (in den USA nennt man das bi-racial, also zwei-rassig), dann wird sich irgendwo "das Fremde" untermischen. Die Frage ist natürlich, aus wessen Perspektive nun eigentlich das Neue das Fremde ist (hu kompliziert...). Die Familie meines Vaters hat "die Weiße" als so fremd empfunden, wie die Familie meiner Mutter "den Schwarzen". Aber so oder so: Das Neue bzw. das Fremde kam durch.

Mein Bruder und ich waren anders. Nicht nur optisch, wie ich finde, sondern ganz schön anders in vielen Dingen. Woran ich das heute merke - früher als Kind war mir Vieles nicht bewusst, nicht mal immer, dass ich anders aussehe - ist zum Beispiel die Affinität zu einer Kultur, mit der wir gar nicht aufgewachsen sind. Wir lachen über den Humor dieser Kultur, obwohl er nie Bestandteil unserer sozialen Umgebung war. Wir empfinden ähnlich und können nachfühlen, was uns in Film, Medien und Büchern/Magazinen aus dieser Kultur (der amerikanischen und vor allem der afro-amerikanischen) erzählt und verkauft wird. Ja - wir sind Amerikaner, obwohl wir in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind. Und ja - wir sind schwarze Amerikaner (keine schwarzen Afrikaner, das ist - für uns - ein GROßER Unterschied!!!) - in ganz vielen Punkten gilt für uns im positiven Sinne: Schuldig im Sinne der Anklage. Klar, deutsch sind wir auch - das macht das Leben für uns bisweilen interessanter, aber auch anstrengender. Dieses "beides sein", dieses "beides fühlen".

Und dann bekommt man selbst Nachwuchs.

Erste Überraschung: Meine Tochter ist weiß. Finde ich. Ganz besonders im Winter. Weiß mit dunkelbraunem, glatten Haar und schwarz-braunen Augen. Ihre Lippen sind lustig: Oben dünn, unten dick. Ihr Teint hat im Winter was von Porzellan, im Sommer wird sie so dunkel, wie die Spanier zum Beispiel. Wir sind viel mit unserer Kleinen gereist. Fast jeder nimmt sie für sich in Anspruch: Die Inder finden, sie sieht indisch aus, die Italiener finden, sie sieht italienisch aus, die Türken finden, sie sieht türkisch aus, die Araber finden, sie sieht arabisch aus, die Spanier finden, sie sieht spanisch aus und so weiter und so fort. Die Deutschen geben allen anderen Recht, die Afrikaner und Afro-Amerikaner mit Sicherheit auch. Und eins ist schonmal klar: Wie ich sieht meine Tochter schonmal gar nicht aus.

Und das ist nur die Oberfläche. Ich habe mit meiner Tochter einen Menschen bekommen, der nicht nur äußerlich ganz anders ist als ich. Meine Kleine ist mir manchmal so fremd, wie jedes andere Kind, das zu uns zu Gast ist. Nicht, weil ich sie nicht inzwischen gut kenne, sondern weil sie sich ja noch entwickelt und ihre Persönlichkeit, ja ihr ganzes Wesen, immer wieder überraschende Seiten zeigt, die in mir einfach nicht "wiederhallen".
Kein "Ach ja, das kenne ich gut" - sondern ein "Aha, das ist ja putzig" oder "Huch, was ist denn das?" oder auch "Oh Gott, was soll das denn - was mach ich denn jetzt?".

Nehmen wir zum Beispiel ihr NICHT Bedürfnis nach Lob, Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zuneigung von anderen Menschen. Ja nicht mal von Familienmitgliedern. Manchmal nicht einmal von mir! Dieses Kind will nichts von anderen. Dieses Kind ist gern für sich allein. Es braucht niemanden. Und wenn wir sauer sind, oder enttäuscht, oder Oma und Opa, oder Tante und Onkel...meinem Kind kann das sehr gut egal sein. Darin und in allem, was in Konsequenz an dieser inneren Unabhängigkeit liegt, unterscheiden wir uns sehr.

Noch ein Unterschied: Ich wollte immer zeigen, was ich kann - meine Tochter will nicht einmal mir zeigen, was sie kann. Regelmäßig schleppen ihre Alterskameraden gemalte und gebastelte Geschenke aus der Kita und überreichen sie stolz ihren Eltern. Selbst die Freunde meiner Tochter machen mir mehr Geschenke, als meine Tochter. Sie bastelt nicht gern, sie malt nicht gern - überhaupt: Kreativität gehört im Feinstofflichen Bereich nicht zu ihren Stärken (oder Interessen). Auch da unterscheiden wir uns. Ich konnte schon mit drei das Sandmännchen inklusive Sack und Hut malen. Meine Tochter konnte mit drei dasselbe malen, wie mit eins: Gar nichts! (außer wilde Kringelkreise). Deshalb malte sie auch nicht gern: Sah ja eh alles gleich aus. Das hab ich nicht gesagt, sondern sie! Mit drei Jahren, als ich sie frage, ob sie mir ein Bild malen mag, zeigt sie mir ein altes Bild am Kühlschrank und meint: Hab ich schon! Und sie hat recht: So eins hätte ich ja nur wieder bekommen. Noch ein Unterschied: Sie ist zufrieden mit dem, was sie schon geleistet hat. Ich war das nie - ich bin das bis heute nicht. Ich bin die "Gut ist nicht genug, geschafft ist nicht geleistet, geleistet heißt da geht noch mehr" - Menschin. Meine Tochter ist die: "Hej, ich kann das, dann reicht das ja erstmal" - Menschin. Bei ihr hat alles Zeit, was sie eh nicht interessiert. Und das ist VIEL. Ich habe mich gefühlt für alles interessiert und das tue ich noch heute. Meine Tochter? No chance. Sie will ja auch nicht groß sein, oder können, was wir können. Sie will auch nicht zur Schule. "Jetzt bin ich genau gut" (was heißt "genau richtig"). Das sagt sie im Brustton der Überzeugung und verleugnet grade vehement, dass sie ihren ersten Wackelzahn hat. Mit 4,5 Jahren. Körperlich geht bei ihr immer schon alles superschnell. Aber sie will nicht superschnell - sie will am liebsten konservieren, was grade jetzt ist. Sie mag ihr Leben. Sie braucht nicht dauernd neuen Input. Dazu gehören auch Geschenke und Süßigkeiten. Sie lehnt die unter Umständen aktiv ab. "Das brauch ich nicht" und weg mit dem Ü-Ei oder dem kleinen Schleichtier. Und "Das mag ich jetzt nicht" und weg mit den Süßigkeiten. Sie mag sowieso vieles nicht - ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich mochte denke ich eher alles ;-)

Ich liebe die Geschichten von Astrid Lindgren über "Die Kinder aus der Krachmacherstraße". Manchmal glaube ich, ich habe eine Lotta. Zum Beispiel als wir beim Zahnarzt waren und meine Lütte den Mund nicht aufmachen wollte. Lotta macht das auch so. Und ich fühlte mich dabei, wie Lottas Bruder, der sich beklagte "Mit diesem Kind muss man sich überall schämen". Ja ich gebe zu: Ich habe mich total geschämt. Da hat man so ein Riesenkind auf dem Schoß und es benimmt sich, wie ein Riesenbaby...

Doch mein Kind benimmt sich nicht einfach so anders, als ich es kenne oder erwarte. Lotta sagt: "Ich öffne meinen Mund nicht vor Menschen, die ich nicht kenne." Meine Tochter sieht das bestimmt ähnlich. Sie erklärt mir gern, warum sie sich so verhält und nicht anders. Wie letztens, als wir mit ihr ausnahmsweise mal gegen 19 Uhr ausgegangen sind, in ein fetziges American Diner hier in Berlin. Sie benahm sich unmöglich - für mein aufgeräumtes "Im Restaurant hat man sich soundso zu benehmen" Verständnis. Da ich öffentlich ungern Szenen mache, mahnte und wiederholte ich leise. Zu Hause gab es dann was zu hören - sehr ernst, denn ich wollte klarmachen, dass ich unter solchen Umständen nicht noch einmal mit ihr abends ausgehen kann.
Meine Tochter dazu: "Aber ich bin doch wild. Ich will wild und frei sein. Dann musst du mit mir eben in ein anderes Restaurant gehen." Sie hat ein bisschen Recht.

Nicht nur in ein anderes Restaurant muss ich wohl mit ihr gehen...sondern ganz generell  andere Wege. So "anders" wie sie ist, wandle ich mit ihr oft auf fremdartigem, neuen Terrain. Das verunsichert bisweilen, weil man einfach nicht weiß, wie man mit etwas umgehen soll, das man gar nicht kennt. Aber es ist auch eine echte Bereicherung. MICH gibt es nämlich mindestens schon einmal auf der Welt - und ich kenne mich ziemlich gut. Wäre ganz schön langweilig, mich noch einmal kennenzulernen. Und dann lebenslang einen Spiegel zu haben, der einem die eigenen Fehler dauernd vorlebt. Um dann meine Tochter wohlmöglich vor sich selbst (also vor mir selbst) zu warnen. So nach dem Motto "Been there - done that".
Nein, mit meiner Tochter darf ich einen "neuen Menschen" kennenlernen. Neue Höhen, neue Täler.
Es ist eigentlich ganz einfach: Weil du anders bist, muss ich anders sein. Eine großartige Erfahrung!

Schwangerschaft - irgendwie als wäre man selbst ein wandelndes Überraschungsei ;-)




Donnerstag, 6. November 2014

Kindesmund macht Ohren wund...

Ich liebe Kinder - da sitzt man mit lässigem Afro in der Küche und arbeitet, wird unvermittelt von seiner Tochter umarmt und bekommt kostenlos die dollsten Dinge zu hören. Heute: "Deine Haare sehen ganz schön schrecklich aus, oder Mama?"
Kuss drauf!


Mittwoch, 5. November 2014

Männer auf der ganzen Welt sind Schweine - Stimmts Hollaback?!

Gestern habe ich einen Post über die Organisation Hollaback und ihr Video in New York veröffentlicht - Fazit von Hollaback: Wir müssen mit euch Männern mal ein ernstes Wort wechseln bzw. ein Huhn rupfen...ihr seid Schweine! Wir Frauen müssen uns gegen euch wehren.
Ich schrieb, dass ich zu recht finde, dass ganz schön verallgemeinert wird. Hier die Antwort aus Auckland - mit einem weiblichen Modell als Versuchskaninchen:


Ekelhaft diese Kerle - alle gleich, wa?

(Stief-) Eltern sein dagegen sehr...

Es gibt Unterschiede. Die gibt es wirklich. Zwischen dem Leben mit eigenen Kindern und dem Leben mit "fremden" Kindern. Nun sind mir meine Stiefkinder nicht fremd, ich kenne sie seit sie in der 2. und 4. Klasse sind. Nun sind sie in der 10. und 12. Klasse und damit fast aus dem Haus. Fast erwachsen. Fast an dem Punkt, wo man wirklich nur noch zusehen kann. Inzwischen sind das acht Jahre. LANGE Zeit.
Wir haben viel durchgemacht, nicht nur, weil ich vordergründig der sehr klassische Scheidungsgrund der Eltern war (jünger und so...) und die Kinder "meinetwegen" zwei Elternhäuser hatten. Nicht nur, weil als Patchworkfamilie unter den dunklen Wolken eines Rosenkrieges zusammenwachsen einfach nur schwierig ist und viel viel von einem (von allen) abverlangt. Sondern auch, weil wir alle unsere Macken und Eigenheiten haben und unseren Umgang miteinander hinbekommen mussten.

Wenn man sechs Jahre lang "Wochenendheld" ist, dann hat man ein anderes Leben und eine andere gemeinsame Grundlage, als wenn man Jahre lang das Unter-der-Woche-Ekel ist. Klar, unter der Woche muss der Terror gemacht werden:
Hast du schon wieder verschlafen?
Hast du deine Hausaufgaben gemacht?
Wie wars in der Schule?
Was ist mit deiner Schulmappe passiert?
Oh nein, schon wieder eine vier?
Wer hat deine Haare abgeschnitten?
Wo sind deine Schlüssel?
Warum hast du den Bus verpasst? und so weiter.
Bei uns galt meistens "Und was machen wir heute?" - und dann hatten wir Spaß miteinander. Fast zu recht hat sich dann die andere Seite beklagt wir würden es uns leicht machen und würden uns nur die Rosinen rauspicken. Aber Kinder sind am Wochenende nunmal Rosinen - und man muss auch abgeben können, wenn man Hilfe oder Ablösung will. So ist das eben.

Ganz unerwartet schiebt sich das Leben ja immer so zurecht, wie es grade passt: Dem Leben, nicht einem selbst. Und so bekam ich ehrlich überrascht und zutiefst skeptisch (anders mein Mann, klar, den hat das unendlich gefreut) in 2013 plötzlich echten Zuwachs. Von der coolen Stiefmom, die sich Sorgen und Wehwehchen anhört, Geheimnisse mitbekommt, die für eine schöne Zeit sorgt, die die coolen Events und Urlaube plant - werde ich plötzlich zur "Mutter auf Raten". In vielerlei Hinsicht:
1. da kannste lange Raten, was ich von dir will...oder nicht will
2. da kannste lange Raten zahlen, bis ich dich für voll nehme...und dann
3. die echten "auf Raten", weil ich a) nicht die echte Mutter bin und b) nur für einen mini Augenblick lang eine "so called mom" in der Praxis sein werde.

Wir bekommen aber kein Kind, sondern einen Teenager. Das ist so, als wenn man statt einem Blumenstrauß einen Kaktus geschenkt bekommt. Eigentlich freut man sich total, Geschenke und dann noch lebendige - Juhu! -  aber man piekst sich ja auch dauernd an dem Ding...
Wie nimmt man so ein Geschenk an?
Ein Teenager zieht ein. Bricht aus dem Kokon, der ihn 13 Jahre genährt hat aus und schlüpft in einen neuen rein. Hier ist ALLES ANDERS. Vor allem anders, als an Wochenenden. Wusste er das vorher, unser Teenager?

Wir unternehmen ziemlich viel - aber alles auf dem Rad, bei jedem Wetter und meistens abends. UNTER der Woche. Wir sind viel zu Hause, weil mein Mann und ich eben alles am PC machen und nur ab und an Termine außerhalb wahrnehmen müssen. Selbständig eben. Mein Mann arbeitet unter der Woche oft den ganzen Tag, vor allem in den Abend oder die Nacht hinein, dafür machen wir vormittags gern lange Pausen, gehen joggen, spazieren oder mal lecker brunchen. Abends haben wir alle keinen großen Hunger und die Lütte kommt gut gefüttert aus der Kita und hat einen so speziellen Geschmack, dass sich für sie kochen nicht lohnt. Also gibt es Gemüse (gedünstet), Fisch, Salate, Ei, Dips, Suppen. "Ihr esst ja wie Rentner" war ein früher Kommentar vom Teenager, der irgendwie bei uns in Hungerfrust geriet. Wir trinken auch "nichts Richtiges", weil nur Wasser, Tee, Milch, Kaffee. Kakao will er nicht. Nur was "mit Geschmack", weil Tee ja nach nichts schmeckt. Wir fangen an Saft zu kaufen, aber der reicht für Teenie nicht und die Kleine will nur noch Saft und fängt an Aufstände zu fabrizieren. Dann wird lang rumexperimentiert (und gemosert), bis wir - übrigens heute - die hundertachtundfünfzigste Lösung gefunden haben. Trinken ist hier ein heißes Thema.
Ich beginne zu kochen für meinen Leasing-Sprössling. Schmeckt irgendwie alles nicht. Komische Prenzelberger Küche. Meine Freunde lieben es, Süßkartoffeln und Lauch mit Fenchel, dazu Fisch oder auch nur Brot mit Dip...Teenie? Bäh! Ich fange an "richtig" zu kochen (Steak, Burger, Pasta, Klöße, Schnitzel, Gratins, Aufläufe etc.) - na ja, es stillt den ersten Hunger. Aber die Reste rührt Teenie nicht an. Ich muss jeden Tag was Anderes kochen, damit Teenie glücklich ist. Jeden Tag? Ich krieg ne Macke. Ich will gar nicht jeden Tag kochen. Wer soll das alles essen? Niemand will überhaupt Gekochtes, mein Mann klagt schon über seinen wachsenden Bauch - ist ja alles viel zu viel. Und dann ISST TEENIE NICHT MAL ALLES AUF. Essen beginnt in rauen Mengen in den Müll zu wandern. Ich bin frustriert. Ich reduziere meinen Einsatz auf 3 Abende/ Woche. Teenie kommt erst um 16 Uhr nach Hause, da ist 18 Uhr eine gute Zeit zum Essen. Trotzdem wandert viel in den Müll - und zwischen 22 Uhr und 0 Uhr wird auch gern nochmal schnell eine Pizza gemacht. Na ja, ich bin nicht gut im satt machen. War ich noch nie.
Und dann kam da die Sache mit dem Unter-der-Woche-Ekel (UdWE). Zu Hause herrscht Uneinigkeit. Wer spielt diese Rolle? Mein Mann, der oft genug bis in die Nacht am PC sitzt und arbeitet? Oder ich, die ja gar keine echte Mutter ist? Wir wechseln uns ab. Er kann das mit der Enttäuschung und der Genervtheit ganz gut, ich bin ein wunderbarer Gardinenprediger. Mal er, mal ich. Teenie solls gut haben, wir beginnen zu optimieren - wer weiß, wie lang er bleibt. Mehr Taschengeld, mehr Eigenverantwortung, weniger Einmischung. Aber irgendwie läuft nichts. Gut - alles muss besser ausdifferenziert werden. Teenie beklagt sich. Alles wird angeblich schlechter für ihn. Und wir? Irgendjemand muss den Haussegen schief hängen, aber wir haben beide keine Lust. Wir streiten nicht gern, wir haben einfach keine Energie für lange und zähe Auseinandersetzungen. Der Bad Cop ist bei uns eine lustig-finstere Verkleidung, die wir je nach Bedarf für 10 Minuten überziehen, um dann wieder in den Moralprediger oder den Enttäuschten (ich nenne ihn mal "Jesus, der die andere Wange hinhält, obwohl er nicht will") transformieren. Wir sind keine guten Streiter. Und ich könnte nachhaltig stressen - ständig liegt mir ein "Wir hatten doch das und das vereinbart" - "Muss das wieder sein?" - "Ich habe HALLO gesagt" - "Ist diese Zahnbürste jemals benutzt worden?" - "Räum doch endlich mal das und das weg" oder was man so als UdWE sagt, auf der Zunge. Aber ich guck in dieses Gesicht und es ist mir fremd. Im Herzen. Das ist nicht mein Kind. Ich kann den nicht dauernd anpfeifen! Das ist eher - ein Cousin, ein WGler...ich habe Hemmschwellen. Innere Barrieren. Ich kann nicht alles negativ kommentieren - ich kann da nicht erziehen.
Ich verfluche manchmal die Mutter, die es mir hier hätte leichter machen sollen. Oder kann sie nicht? Ist das so? Es ist immerhin mein erstes Teenie-happening. Ich kann es nicht beurteilen. Manchmal denke ich: Boah, hat die das Teenie nicht beigebracht? Um dann - nachdem ich selbst mit viel Spucke versucht habe, Sense in Teenies Kopf zu klopfen - festzustellen, dass selbst ganz normale Dinge nicht mehr funktionieren. Dass alles, was ich sage nur 1 Minute Halbwertszeit hat. "Denkst du dran den Kühlschrank wieder zuzumachen?" [Daran muss man ERINNERN!] "Ja". Fünf Minuten später.
"Hej - der Kühlschrank steht ja immernoch offen."
Oder man erklärt, wie wichtig es ist, dass Teenie sich an - und abmeldet. Damit wir uns nicht so viele Sorgen machen müssen. Teenie ist empört und genervt - wir nerven! Wer geht abends ohne ein einziges Wort aus der Tür? Teenie! Verschwindet in die Nacht ohne auch nur "Ich bin dann mal weg" zu rufen. Ich kriege Frust. Warum nicht Wut? Weil es nicht MEIN Kind ist. Ich stelle mir vor, dass ich mit meinem Kind in eine Arena steige und dort wütende und emotionale Gefechte austrage. Aber mit Teenie? Ich kenne dich über die Hälfte deines Lebens, aber ich kann dir keine reinwürgen. So siehts aus. Nicht verbal, nicht in echt - gar nicht. Das ginge nur bei Menschen, die ich so liebe, wie mein eigenes Kind. Oder wie Roy, deinen Vater. Die kriegen meine ganze liebevolle Wut mit auf ihren Lebensweg. Du Teenie? Du bekommst alles, was ich gelesen habe. Über Teenies. Ich habe gelesen, dass euer Gehirn nicht funktioniert. Weil es "wegen Umbau geschlossen" hat. Ich versuche also alles auf dem Niveau, das man bei Babys und Kleinkindern hat: Wiederholung bis zum Erbrechen. Vielleicht bleibt was hängen. Und mit Humor arbeiten - hab ich gelesen. Denn Teenies soll man nicht so ernst nehmen. Du bist nicht mein Kind, deshalb geht das. Ich sage dann Dinge, wie: "Du musst den Kühlschrank zumachen, sonst wirds in der Küche kalt". Oder: "Dein Zimmer ist ne Petrischale für interessante Dinge, aber die bleiben leider nicht in deinem Zimmer." Oder: "Leg dich nicht mit Zohan an." (Damit meine ich dann mich, ich drohe damit, ihn zu nerven, bis Teenie tut was ich möchte). Ich habe mich auch schonmal in den Türrahmen gestellt und die ganze Zeit "Lalalalalala" gemacht - das hat funktioniert! Und ich habe mir auch mal mit einer Beauty-Maske ins Gesicht gemalt und mich zu einer Totemmaske umfunktioniert und dann Teenie beschwört: Hat funktioniert! Ich habe auch schonmal einfach den Strom abgeschaltet, als Teenie nicht aus dem Chatroom oder was auch immer "ausloggen" wollte. Und dann habe ich "Ups" gesagt und gelacht. Aber ich glaube, man kann mich nicht ernst nehmen. Ich gebe mir wirklich Mühe - aber ob nun Moralpredigt oder Totemmaske: Irgendwie kommt nichts an.
Liegt das an uns? Oder liegt das am Alter (15)? Oder an den Umständen?

Nachts liege ich im Bett und bete.

"Bitte lass es das Alter sein, bitte lass es das Alter sein, bitte lass es das Alter sein."

Und habe für die nächste Erziehungsmaßnahme schonmal eine Trillerpfeife und ein Stoppschild organisiert. Man weiß ja nie...