Montag, 10. November 2014

Knusper Knusper Knäuschen...Das will ein Kind im Häuschen!

Ich bin definitiv keine in der Theorie ausgebildete Raumausstatterin - aber wenn es um Kinderzimmer oder überhaupt "Raum für Kinder" geht, dann bin ich nicht nur ziemlich kreativ, sondern auch ziemlich GROßARTIG.

Ich selbst LIEBE Kinderzimmer, Spielzeuge, Höhlen, Zelte usw. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Zimmer meiner Kinder/meines Kindes alle paar Tage neu gestalten. Die Tatsache, dass Freunde stets begeistert von den Zimmern unserer Kinder waren, gibt mir in puncto "artgerechte Haltung" ein gutes Gefühl. Da einige meiner Freundinnen grade Mama geworden sind, ihren frisch eingezogenen Bauchbewohnern noch Asyl gewähren oder demnächst umziehen und überlegen, wie das neue Kinderzimmer denn aussehen soll, dachte ich, ich teile mal ein paar meiner Ideen und Ansichten:

Meine Tipps & Ratschläge für die Gestaltung von Kinderzimmern


1. Ein Kinderzimmer sollte eine Mischung aus Museum, Kuschelecke und Bibliothek sein.

Museumselemente: Regale, in denen Krimskrams (am besten Spielfiguren, kleine Musikinstrumente -  wie Panflöten, Rasseln, Schellen -, Taschenlampen, Lupen, Muscheln, Stöcker, Geschenkdeko, Postkarten, Bilder usw.) stehen, Mobiles (auch selbst gemacht), Gläser mit Münz -, Stein -, Feder- oder anderen Sammlungen, uralte Sachen, die AUF den Regalen stehen (nicht anfassen, nur gucken - bei uns zB ein anatomisches Modell vom Mensch mit "Innenschau").
Kuschelecke: Das kann eine einfache Babybettmatratze mit Kissen und Kuscheltieren und Deckchen sein, aber auch ein großer Karton mit einer Tür und einem kleinen Fenster (selbstgemacht) oder eben ein schönes Zelt sein (in dem man vielleicht noch Laternen aufhängen kann...voll schön für abends!)
Bibliothek: Es kommt auf die Menge an! Je mehr Bücher, desto besser. Am besten man hat große Bücher, Bilderbücher, kleine Bücher, Pappbücher, Pixi-Bücher usw. Es schadet nicht, wenn Bücher in der Kollektion sind, die noch gar nichts für die Kleinen sind. Sie wecken die Neugier auf das, was noch kommen wird.
Jungszimmer: Das Kunterbuntesurium


2. Abwechslung ist das Rezept

Ein Kind braucht nicht viel Spielzeug. Ein Kind braucht nur Inspiration und Abwechslung. Und Abwechslung braucht es überall. Kinder entdecken Spielzeug, Bücher usw. in einem neuen Kontext neu. Eine alte Puppe kann spannend sein, wenn sie plötzlich im Regal sitzt und das Fernrohr um den Hals hat: Plötzlich ist sie eine Gefährtin für Abenteuer!

Wechselnde Ausstellungen kann man durch Kisten, die auf Schränken stehen oder die im Keller lagern, ganz leicht selbst kreieren. Spielzeug kann in den Keller abwandern, ganze Spielküchen, Tischchen etc. können mitgehen und irgendwann wieder auftauchen. Im Bücherregal kann man mal die kleinen, mal die bunten, mal die bildreichen Bücher auf Augenhöhe einsortieren. Und wer sagt, dass zwischen den Büchern nicht mal ein Kuscheltier oder ein Legohaus stehen darf?

Unser Gehirn ödet an, was es kennt. Schon kleinste Babys schließen die Augen, wenn man ihnen Fotos von den gleichen Gesichtern im Wechsel zeigt. Wenn sie merken "Ey, das sind ja immer dieselben" wandert das Interesse ab. Sortiert man die Fotos neu, flammt das Interesse kurz auf. Mischt man die Fotos mit Bildern von ganz anderen Dingen, wird es richtig spannend. Genau so sind wir als Kinder und eigentlich auch als Erwachsene. Nur muss es nicht neuer Input sein (also immer alles neu kaufen), sondern das bereits Vorhandene sollte sich ab und an neu darstellen.

Keines meiner drei Kinder, weder die Stiefkinder, noch meine Kleine, haben je über die Veränderungen in ihrem Zimmer geklagt. Es gab ja immer was zu gucken, und irgendwie war alles neu und aufregend.


3. Feste Installationen blockieren die Phantasie

Ich baue und räume gern um. Alles darf neu und anders aussehen. Aber mit Schrankwänden, riesigen Möbeln, schweren Puppenhäusern und dicken Sesseln ginge das nicht. Ich habe immer erst nach dem Kaufen dazu gelernt, was hieß: Schrankwand gekauft - für unpraktisch befunden - wieder verkauft. Das passierte mir früher öfter. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass eine Raumgestaltung leicht sein sollte. Möbel können Rollen haben (zB Betten!), oder sollten eher klein und zierlich, statt groß und klobig sein (Schreibtisch, Kleiderschrank), und Regale sollten Kästchen und Körbchen enthalten, um Stauraum zu schaffen, ohne weitere Möbel kaufen zu müssen. Ein Kind braucht eigentlich nur einen Tisch, wo mindestens eine große Legoplatte draufpasst (bzw. ein Standard Pappkarton oder Puppenhaus), eine Matratze (als Bett) und einen Schrank bzw. ein Regal/Kommode für Kleidung. Den Rest bekommt man an Wänden, in Boxen und Kästchen gut unter. Und das Beste: So kann das Kind auch mal selbst umräumen. Wie meine kleine Tochter, die fand, dass sie einen Spieltisch neben dem Bett braucht, oder einen Stall unter ihrem Schreibtisch. Sie braucht mich mit 4 Jahren nicht mehr, um sich ihre Welt so zu gestalten, wie sie es will. Sie macht das selber.

Das Jungszimmer von der Tür aus: So sehen 7,8m² aus!


4. Farben

Bunt ist gesund, aber grau ist nicht gleich mau. Eigentlich ist wichtig, dass das Kind sich bei den Farben seines Spielzeuges, seiner Kleidung und seiner Bücher einbringen kann - nicht aber, ob seine Zimmerwände hellgrau, beige oder quietsch grün sind. Das ist Elternsache. Mein Tipp: waschfeste Farbe auf das untere Drittel der Zimmerwände, von 0 - 6 Jahren mindestens wird dieser Bereich der Wand nämlich mit Sicherheit angemalt, angespuckt, angepopelschmiert, angetatscht (mit Nutellahändchen) und und und. Wenn man das einfach von der Wand abwaschen kann: Bon!
Dann lieber eine Ecke aussuchen, die bunt sein soll, statt alles mit Farben zuknallen.

Einfach schnell eine Ecke an(ders) malen!


5. Bilder

Ob nun Fotos, Postkarten, Geschenkpapier, eingerahmte Poster oder selbstgemachte Kunstwerke von den Kindern: Sucht euch einen Platz für eine Gallerie und richtet sie ein. Die bunten Bilderrahmen von IKEA sind praktisch und günstig, es gehen natürlich aber auch schlichte. Hauptsache es gibt etwas zu schauen. Ich liebe es mit meiner Jüngsten vor ihrer Gallerie zu sitzen und mit ihr die Bilder zu besprechen. Je älter sie wird, desto mehr hat sie selbst dazu zu sagen. Es ist einfach nur schön!
Was man übrigens grade bei den günstigen Möbeln machen kann: Anmalen! Auch selbstgemalte Bilder sind schön - ob nun Mama oder Kind ihre Möbel verzieren - Hauptsache es gefällt!

Hier lädt alles zum Angucken ein: Selbst das Regal!

Ein Zelt über einer Matratze kann das schönste Bett sein!


6. Ferkelwand

Wir haben eine Tafelfolie für die Kleine gekauft, weil sie gern an Wände malt. Die Folie haben wir an die Wand geklebt, sie ist nur 100 x 200 Meter groß. Hier kann sie sich austoben - während der Rest Gott Lob endlich unbefleckt bleibt. Das ist ein super Kompromiss für uns alle. 

7. Kinder brauchen Platz - Eltern brauchen Ruhe

Eins verstehe ich nicht und werde es nie verstehen: Warum so viele Eltern ein Schlafzimmer haben und ihr Kind nicht einmal ein eigenes kleines Zimmerchen. Nicht mal einen Rückzugsraum dank Trennwand, Paravent oder Raumteilerregal. Viele Eltern bestehen darauf ein eigenes Schlafzimmer zu haben - für mich macht das keinen Sinn.
Wenn es wegen der Kleidung ist, die kann man ja trotzdem im Kinderzimmer unterbringen. Dann missachten wir den Tipp mit den sperrigen Möbeln und stellen da eine Schrankwand hin - Hauptsache die ist dann verspiegelt (Spiegel sind für Kinder toll!) und zum Malen geeignet (auf Schrankflächen kann man prima Tafelfolie anbringen). Solange ein Kind einen Ort hat, an dem es auf innere Reisen gehen kann, wo es mit seinen Freunden Abenteuer erleben und Geheimnisse teilen kann, solange ist alles gut. Schlafen kann man überall, aber seine Ruhe vor Kindern haben (und ihren Freunden) und ihnen ihre Entwicklungsfreiräume einrichten: Das geht nicht überall. 

Das "große" Mädchenzimmer in der 1. Wohnung



8. Trennungskinder brauchen ZWEI Zuhause

Wenn die Eltern sich trennen und virtuell zwei zu Hause entstehen, ist es wichtig - meines Erachtens - dass man als Kind auch wirklich ein zweites zu Hause bekommt. Einen Ort, wo man sich jederzeit Willkommen und geborgen fühlt. Ein Ort, der sagt "Du bist immernoch mein Kind - ich habe immer einen Raum für dich in meiner Welt".  Irgendwann hat man dann vielleicht sogar zwei Zufluchten, wenn die Welt einem schwer auf den Schultern lastet:
Einer der wenigen Vorteile, der mir einfällt, wenn ich an getrennt lebende Eltern denke (und unsere Kinder).

9. Geld regiert hier nicht die Welt

Man braucht nicht viel Geld, um ein Zimmer interessant zu gestalten. Alles, was wir für die Kinder hatten, haben wir bei IKEA besorgt oder gebraucht gekauft über ebay.kleinanzeigen.de (damals kijiji.de) - liebevoll gestalten geht nämlich mit ganz kleinem Budget. Das sieht man auch an der Babyecke, die wir in der Nestbauphase eingerichtet hatten (2 Mal).

Wohnung im PrenzlBerg
Wohnung in Köpenick

















10.  Höhlen, Zelte, Kisten 

Das Schöne ist: Heute bekommt man tolle Fertighäuser aus Pappe zum Anmalen und selber zusammenbauen für ganz wenig Geld & frei Haus geliefert. Zelte gibt es auch in allerlei Varianten. Ganz altmodisch kann man natürlich auch Pappkartons nehmen - Amazon liefert die ja selbst für ein Paar Socken in Übergröße. So oder so: Die Kinder lieben es! Ach ja - und Flugzeuge und Rennautos kann man natürlich auch aus Pappe bauen!

                                                                   

Schöne Kisten für die Kleinen & ganz Kleinen

Ein Zelt im Wohnzimmer lädt zum Träumen ein

Klar ist: Wandel und Beständigkeit sollten genauso Bestandteil von Räumen, in denen sich Kinder bewegen und aufhalten, sein, wie die Mischung aus Anregung (Platz zum Spielen & Toben) und Abregung (Traum - und Kuschelecken). 

So zumindest meine kleine, bescheidene Meinung zum Thema: Und wie ihr seht - ich halte es keine 5 Minuten im Zimmer aus, ohne irgendwas zu verändern. Ist vermutlich klinisch ;-)