Samstag, 8. November 2014

Ehe mit Vaddern
Machs nochmal! Was mein Mann aus der ersten Ehe mitgebracht hat

Aus der Perspektive eines Mannes, der schonmal alles hatte


Ich habe mir das nie romantisch ausgemalt, aber daran gedacht hab ich schon früh: Ans Heiraten. Es gibt ein Selfie-Video von mir, da bin ich 13 Jahre alt und erzähle, was ich werden will (Lehrerin) und wie viele Kinder ich haben werde (2). Ich beschreibe sogar meinen Traummann - ich glaube, der saß damals in meiner Klasse...der Beschreibung nach zu urteilen :-)
Das habe ich  mir aber sicher nie vorgestellt: Dass ich eine Secondhand - Ehe führen würde. Oder gar eine Patchworkfamilie haben könnte. In meiner Phantasie war dieses ganze Familiending eine ziemlich einfache Angelegenheit. Deshalb hatte ich auch nie Angst davor. Wirklich nie.
Mit dieser ziemlich kindlichen Einstellung ("Familie ist doch easy") bin ich dann mit fast 21 Jahren meinem jetzigen Mann auf den Leim gegangen ;-) Bin also kleben geblieben, an ihm und allem, was dazugehörte.

Ich habe viel von ihm, von seiner ersten Frau und von seinen Kindern gelernt.
Meine Top 5 teile ich hier & erzähle aus SEINER Perspektive.

1. Es gibt keine Garantien

Man kann mit dem festen Glauben daran durch die Ehe gehen, dass man genug gemeinsam erlebt, ja überlebt hat - da kann die Ehe nichts mehr erschüttern. Es stimmt einfach nicht. Es gibt keine Garantien. Der Mensch an deiner Seite ist im besten Fall ein Geschenk, auf jedenfall aber dein Weggefährte. Wer stur nach vorn schaut im Glauben, rechts links und hinter einem liefe alles glatt, der verliert das (2.) Wichtigste aus den Augen: Den anderen.

2. Man muss sich wirklich kennen - im Großen und im Kleinen

Mensch ist Mensch. Macken haben wir alle. Einstellungen. Fehler passieren. Aber: Warum? Und - ist es so, wie wir es machen, gut und richtig? Für uns - oder auch für die Ehe? Oder umgekehrt: Für die Ehe zwar gut, für uns aber vernichtend? In Ehen wird oft über die großen Themen diskutiert (Geld, Arbeit, Sex, Familienplanung usw.), aber es gibt auch eine Reihe von kleinen Themen. Wenn man diese nicht behutsam und ernsthaft diskutieren kann, ist es kein Wunder, wenn man es nicht schafft, die großen Themen bei Schwierigkeiten auf die Reihe zu kriegen. 
Kleine Themen können sein:
"Du lässt mich damit immer im Stich"
"Du bürdest mir hier die alleinige Verantwortung auf"
"Du nimmst gar keine Rücksicht auf meine Erschöpfung"
"Du bist immer wichtiger als ich"
"Du merkst nicht, wie unwohl ich mich damit fühle"
"Du lässt meine Gefühle nicht gelten, wenn du sie albern findest"
"Du kommunizierst nur deine Unzufriedenheit mit dem Leben oder mir"
Darüber muss man reden können. Wir akzeptieren viel in der Ehe. Weil wir lernen oder gelernt haben, dass man den anderen nicht verändern kann. Das mag stimmen. Aber - Umstände kann man immer verändern. Und genau das geht tiefer als "Ich akzeptiere dich, wie du bist".  
Weiß ich wirklich, warum du bist, wie du bist? Erleichtere ich dir irgendwas, wenn ich akzeptiere, wie du bist? Oder nehme ich dich in Wirklichkeit gar nicht ernst, wenn ich einfach alles akzeptiere? Willst du wirklich immer stark sein? Willst du wirklich die Kinder mittags zu Hause haben? Willst du wirklich arbeiten, wo du grade arbeitest? Bist du wirklich bereit für mich einen Gefallen zu tun, obwohl du doch grade von einem langen Arbeitstag nach Hause gekommen bist? In anderen Worten stellt sich die Frage: Wie authentisch ist das, was mein Partner tut. Für wen tut er es. Warum tut er es. Warum sagt er es. Wie viel Kompensation, Angst oder (Vor-) Urteil begründet das, was meinen Partner bewegt? Wenn wir das wissen, wissen wir eine Menge übereinander, dann kennt man sich. Und kann manchmal vielleicht wirklich füreinander da sein.


3. Respekt und Achtsamkeit sind das A und O


Wie viel Selbstverletzung, wie viel Schmerz, wie viel Leid erlauben wir dem Menschen, mit dem wir unser Leben teilen (und zwar prognostisch vielleicht bis zum eigenen Tod!), uns anzutun? Verzeihen wir aus Liebe?  Schlucken wir aus Großzügigkeit? Tolerieren wir, weil er/sie ja nicht anders kann - weil man etwas schon kennt? Das Herz verschenken ist eine heikle Sache: In einer Ehe ohne Respekt und Achtsamkeit kann das ganz schnell zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Ständig wird auf den eigenen Gefühlen herumgetrampelt. Ständig muss man Verletzungen einstecken. Wie viel Narben will man entstehen lassen? Wie viele Beleidigungen will man akzeptieren? Wie viel Bloßstellung kann man ertragen? 
Es gibt Beziehungen (Eltern - Kind, Vorgesetzter - Angestellter, Geschwister, Freunde, Partner), die leiden an einer ganz bestimmten, subtilen Form von Respekt - und Achtlosigkeit. Obwohl (!) man weiß, welche Waffen den anderen verletzen, verletzt man ihn mit genau diesen. Und würde man noch so wütend gegen Dritte in den Kampf ziehen, um die Ehre der Geliebten/des Geliebten zu schützen: In den eigenen vier Wänden schießt man selbst mit giftigen Pfeilen immer wieder auf das, was man eigentlich wie den eigenen Augapfel hüten sollte. Nämlich das Selbstwertgefühl meines Gegenübers.
Schlagende Eltern, sich ständig übertrumpfen wollende Geschwister, sich in großer Runde ständig über den anderen lustig machende Partner oder die verletzende Ehrlichkeit von Freunden: Sie alle sabotieren das, was ihnen mit großem Vertrauen geschenkt wurde. Ich schenke dir meine Liebe und einen Teil meiner Selbst. Ich binde mich an dich. Ich bin für dich da.

"Du siehst heute morgen wieder scheiße aus."
"Oh, das kann die Dame auch nicht?" 
"Wie blöd bist du eigentlich?"
"Ja ja, geb dir keine Mühe, auf dich kann man sich eh nicht verlassen."
"Du spinnst doch total."
"Ich wills gar nicht mehr hören."
"Weißt du was? Das ist mir egal!"
"Meine Mutter hatte Recht - "

Egal wie wenig Liebe, Freundschaft oder Verständnis in manchen Momenten für den anderen da ist:
OHNE Respekt und Achtsamkeit degradieren wir den anderen zu einem Menschen 2. Klasse - nämlich zu jemandem, mit dem wir uns GEZWUNGEN sehen Zeit zu verbringen. Jemand, der unsere besten Seiten nicht mehr wert ist. Jemand, den wir eben x-beliebig behandeln.

4. Kein Sex außerhalb der Ehe

Dieser Punkt ist einfacher geschrieben, als umgesetzt. Viele tiefliegende Krisen treten durch eine aufgeflogene Affäre ans Licht. Selbstbeherrschung und die bewusste Entscheidung FÜR oder GEGEN die Ehe sollten die Hauptmotive sein, nach denen sich alles richtet. Man ist es sich selbst, dem eigenen Partner und auch der Affäre schuldig schnell und ohne Verzögerung eine klare Entscheidung PRO oder CONTRA zu fällen. Und das geht - immer! Nicht bereit? Dann hat man noch nicht genug aufgearbeitet, dann gehört man noch in die Ehe. Erst in dem man zu anderen Menschen ehrlich ist, ist man auch zu sich selbst ehrlich. "Ich will Sex mit unserem Freund" kann der Motor sein, der lange nicht geführte Gespräche endlich ins Rollen bringt. "Ich habe Sex mit unserem Freund gehabt" beendet mit einem Schlag eine ganze Reihe von Gesprächen, die man hätte führen können und müssen. Was für ein Verlust für beide!


5. Man muss es wirklich wollen


Freundschaft ist eine gute Grundlage. Toller Sex kann auch eine sein. Gemeinsame Ziele und Vorstellungen auch. Irre  unbeschreibliche Verliebtheit sowieso. ABER wenn die weg sind (wenn auch nur temporär - aber ein Jahr ist lang!), dann zählt nur eines: Man muss es wollen. Man muss wirklich wirklich zusammen sein wollen. Man kann eine Ehetherapie nicht beginnen, wenn man von vorneherein nicht sicher ist, ob man die Ehe noch will. Dessen muss man sich im Klaren sein. Braucht man dafür Zeit? Ja - manchmal ist das die schwerste Entscheidung von allen, aber sie ist die Wichtigste. Wenn man sie mit Ja beantworten kann, ist der Weg danach vielleicht steinig: Aber es geht mit Sicherheit aufwärts. Ohne Steine kann der Weg noch so leicht zu beschreiten sein, wenn die Antwort Nein lautete, wird er zwangsläufig abwärts führen. So einfach ist das.


An dieser Stelle möchte ich ein Buch empfehlen - auch Roy und ich hatten unsere Krise (ganz klassisch im 7. Jahr. Irgendwas musste bei uns dann ja auch mal normal verlaufen, nech?!) - das ich zwar erst NACH dem 7. Jahr gelesen habe, bei dem ich aber regelmäßig gedacht habe "Ja, zum Glück haben wir das auch so gesehen" oder "Zum Glück haben wir das auch so gemacht". Dieses Buch hat mir gezeigt was wir in unserer Krise richtig gemacht haben. Und wie viel ich aus früheren Fehlern gelernt hatte - ebenso wie Roy. Wir sind beide erstaunlich reif durch die Sache gegangen. Zumindest ich komme mir jetzt ein bisschen "over-wise" vor und klopfe mir in unseren vielen glücklichen Momenten regelmäßig stolz auf die Schulter. Aber ich finde: DA darf man dann auch mal so richtig stolz sein. Eine Ehe durch hausgemachtes Unwetter in einen sicheren Hafen bringen - das ist harte Arbeit. Kein Scherz!

Hier das Buch der vielen wichtigen (kleinen) Wahrheiten:
Der EHE CODE von Nadine Magg

Sommer 2014/ Ostsee
Ein schönes Wochenende wünsch ich euch - nein, wünschen WIR ;-)