Dienstag, 16. Dezember 2014

Mein Trivial Pursuit
Der etwas andere Jugendclub: Was Hollywood mit Politik, der Jugend und ISIS zu tun hat

Blutige Träume

Sonntagmorgens kamen wir merkwürdig energiegeladen und bei bester Laune aus dem Film ¨The Equalizer¨ mit Denzel Washington. Merkwürdig, weil wir soeben einen unnötig blutrünstigen Film gesehen hatten. Einen Film, in dem nicht die Polizei bei Ladendiebstahl geholt wird, sondern der Hammer.
Wir überschlugen uns in eigenen Fantasien von ¨Wenn jemand dir das antäte, dann würde ich...¨ und Gedanken, wie ¨Manchmal würde man auch am liebsten mal aufräumen, so wie Denzel.¨ Wir fühlten uns erstaunlich gut, kein Alkohol, keine Drogen - es waren der Blutrausch und das Gefühl von Selbstgerechtigkeit, was uns flutete.
Wer kennt es nicht? Dieses Bedürfnis das Unrecht der Welt in Eigenregie bekämpfen zu wollen. Notfalls mit allen Mitteln.
Ich kenne das. Ich liebe Kinder. Das Wissen darum, dass es überall auf der Welt Kinder gibt, denen Leid angetan wird, quält mich. Es gibt zu viele Kinder, die versklavt werden, Kinder, von denen ganze (Sex)Tourismuszweige leben, Kinder, die verhungern - es ist eine Marter, sich mit diesen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Die Vorstellung den Menschen, die Kinder missbrauchen, töten und versklaven gegenüber treten zu dürfen, um dann Selbstjustiz an ihnen zu üben, tröstet mich in meiner Fantasie ein wenig: Nach Filmen wie ¨Trade - Willkommen in Amerika¨ - sehe ich mich in ihr vor lauter Wut und Verzweiflung über all das gezeigte Leid selbst für Ruhe und Ordnung sorgen. Für einen viel zu langen Moment sind mir die so getöteten Menschen dann egal: "Eh alles Schweine!"

Wenn Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen durch Erwachsene werden - wollen wir sie beschützen. Und den Täter? Den wollen wir ausgehändigt haben. So zeigt es die Realität, wenn kleine Nachbarschaftsgruppen mit selbstgefertigten Plakaten vor den Wohnungen von ehemaligen Straftätern demonstrieren, deren Verschwinden fordern und beklagen, dass die Justiz versagt hat. ¨So ein Schwein gehört gehängt, nicht in die Gesellschaft integriert¨ - hört man dann. Und denkt vielleicht auch, dass solche Menschen ihre Chance auf ein Leben in unserer Gesellschaft vertan haben. Hollywood schafft Abhilfe und füllt die Kluft zwischen dem Bösen und dem (machtlosen) Staat mit neuen Helden. Diese "Helden" (oder eher Anti-Helden), leben nicht für den Ruhm und die Anerkennung, sondern für die Sache an sich. Sie leben mit sozialer Ausgrenzung, sie leben damit missverstanden zu sein, sie leben allein. Ihr Motto lautet: "Grade, weil ich anders bin als ihr, ist mir möglich, anderes zu tun als ihr" und sie tun Gewaltiges. Schreckliches. Aber - davon sind sie überzeugt - in summa summarum tun sie das Richtige. Solche Outlaws, Gesetzlose eben, sind Figuren wie Denzel Washington in ¨The Equalizer¨. Der Ausgleicher. Aber auch Tom Cruise als Jack Reacher. Oder Liam Neeson in ¨Taken¨. Und natürlich auch ¨Batman¨, als der Held, den Gotham verdient hat. Die Zahl der Hollywood/TV - Anti-Helden, die für ihre Ideale und Prinzipien einstehen und für das Erreichen ihrer Ziele über Leichen gehen, ist groß. Die Massen, die sie ins Kino ziehen, sind noch größer. Sie tun das, was sie nicht sollen (zum Beispiel reihenweise morden oder ihre eigene Regierung in Gefahr bringen), weil sie  allein wissen, dass es so richtig ist.

Gewalt als aprobates Mittel

Menschen in die Luft sprengen, korrupte Beamte vor den Augen der Familie töten, ganze Dörfer auslöschen: Der Tod ist der stille Reiter in dem Szenario, das die Antihelden dichten. Wir Zuschauer stumpfen langsam ab ob der Übergewalt, die uns täglich präsentiert wird. Selbst die, die Kriegsfilme wegen ihrer Gewaltdarstellung vermeiden, kommen nicht umhin zuzugeben, dass der Tatort auch mal unblutiger war. Auch Filme, wie ¨Django¨ ,¨12 Years a Slave¨ oder ¨Gone Girl¨ schauen wir - wir gucken zunehmend einfach ¨dran vorbei", konsumieren die blutige Kost, fokussieren auf den Rest. Aber Bilder sind wie Worte: Man kann sie nicht zurücknehmen. Erst recht nicht, wenn sie einen täglich begleiten.

Ich erinnere mich an C.S.I. - eine Serie im TV, wo eine Einheit des CSI Tatorte betrachtete, säuberte und Theorien zum Tathergang aufstellte. Damals, als C.S.I. herauskam, empfand ich die Kamerfahrten unmittelbar hinter einem Projektil her, die durch Brust, Knochen, Herz und Rücken führten ekelhaft, ja - grenzwertig. Heute? Ist das ein ziemlich alter Hut. Stören tut es mich nicht mehr, ich habe mich daran gewöhnt solche Bilder zu sehen. Auch die Filmindustrie reagiert auf die Gewöhnung im Publikum - was früher mit Computer gezeigt wurde, wird heute wieder mit viel Kunstblut und Maske technisch unterstützt, um echter auszusehen. Die zweite Hauptfigur aus ¨The Equalizer¨ heißt Teddy und scheint direkt aus der Hölle zu kommen. Er tötet Menschen, noch viel mehr, als (...Denzel) nötig. Es gibt eine Prügelszene, wo man sich fragt ¨Oh mein Gott...muss das sein...? Das sieht aber echt aus...¨. Aber hingeschaut habe ich, bis zum letzten qualvollen Moment. Immerhin:Mir und meinem Mann ist es unangenehm solche Szenen zu sehen. Nicht mehr körperlich, wie früher. Sondern intellektuell. Wir fühlen uns unwohl, dass uns da Gewalt so cool und durchdesignt serviert wird. Uns passt es nicht, dass wir und alle anderen mit uns, sehen, wie ein Mensch buchstäblich zu Brei geschlagen wird. Die Kamera geht voll mit, sie will alles zeigen. Um uns herum sitzen zig junge Männer - ich höre respektvolles, fast ehrfürchtiges Staunen. ¨Krass - alter, dem hat ers voll gezeigt¨. Mein Mann und ich wir sind abgestumpft, wir gucken hin ...aber unser uns umgebendes, junges Publikum ist nicht nur abgestumpft:es ist begeistert. Fasziniert!

Ich ahne: Genau wie ich in meiner Fantasie beim Thema ¨Kindesmissbrauch¨ zum Racheengel werden könnte, sehen sich diese jungen Männer ebenfalls als Heilsbringer, Ausgleicher, als ¨Ritter in einer Welt ohne Ritter¨. Sie haben auch Fantasien, bestimmt. Denn unser aller Köpfe sind wohl genährt mit Bildern aus den Medien - sei es die Tagesschau mit Köpfungsszenen im Fernsehen oder eben das Kino. Neu ist, dass es immer mehr dieser Anti-Helden gibt, immer mehr Menschen, die wirklich grausame und brutale Selbstjustiz üben und dafür merkwürdige Begeisterung ernten und Faszination sähen. Wie der Vater, der in  ¨Taken¨  seine in die Sexsklaverei entführte Tochter aus Paris rettet und dabei alles zu Humus zerschlägt, was nicht fliehen kann (NICHTS kann fliehen!). Und ich meine alles. Keine Überstellung an die Justiz - nein nein, die Regierung, der Staat, die haben versagt - deren Zeit war mal, jetzt kommt einer, der alles richtig macht: Leichen säumen seinen Weg, aber egal - er tut das, wofür der Staat nicht mehr die Mittel und die Rechte hat. Er tut, woran er glaubt. Er verfolgt nur seine Prinzipien. Ein rechtschaffener Mensch, der eben tötet: Die Bösen. Und damit ist er - der Gute?

Sie tun, woran sie glauben. Sie verfolgen streng ihre Prinzipien. Sie töten Menschen - aber nur die Bösen. Die ISIS

Was hat das alles mit ISIS zu tun? Wenn ich so darüber nachdenke: Eine ganze Menge. Die Medien werden nicht müde uns darüber zu unterrichten, dass der Staat ein Versager ist. Nichts kriegt er hin. In Amerika herrscht unlängst eine ¨Alles muss man alleine machen¨ - Haltung, und ¨Wenn die uns nicht beschützen, machen wir es eben selbst¨. Daher die vielen Toten, die durch eigene Waffen erschossen werden. Auch in Deutschland wird ständig so über den Terror, über Ausländer, über die Politik - ja , eigentlich alles, berichtet, als wären die Politiker regelmäßig am Ende ihres Lateins. Hilflos und an ihre eigenen Gesetze (oder an ihre Geschichte, nämlich das dritte Reich) gebunden. In Kinos wird uns dann noch die Korruption unter die Nase gerieben, das ¨Du kannst eh niemandem als dir selbst trauen¨ - Mantra wird den Zuschauern eingehämmert. Das muss alles in allem ja gewaltig auf die Jugend wirken. Natürlich wenn ich mich schon mit Mähdräschern über Vergewaltiger brausen sehe und finde ¨Die haben es nicht anders verdient¨.
Es gab mal einen Internethype um Kony, den die ältere Erwachsenenwelt scheinbar nicht verstanden hat. Sie sprachen von leicht zu manipulierender Jugend, Naivität, Größenwahn. Meine Theorie? Die Kampagne um Kony hat den Menschen eines gegeben, was die allermeisten Vereine nicht schaffen: den Glauben daran, dass sie WIRKLICH etwas ändern können. Sie hatten lauter Instrumente im Angebot, die man als Befürworter nutzen konnte. Man konnte sich stark und wichtig fühlen.
Die ISIS macht es genauso: ¨Du musst nur zu uns kommen, wir bilden dich aus, wir zeigen dir, wie du für eine bessere Welt kämpfen kannst, du bist der Erleuchtete unter den Blinden, wir sind die Auserwählten, du brauchst nichts, außer Mut, wir nehmen alle an die Hand, gemeinsam können wir die Welt verändern!¨ 

In einer Welt, in der uns vorgebetet wird, es herrsche überall Ungerechtigkeit, in einer Welt, in der uns erzählt wird, die Politik könne nichts mehr ändern, weil: zu viele Regeln, zu viel Korruption! In einer Welt, in der Kinofilme und Serien den Outlaw, den Selbstgerechten, den ¨Macher gegen den Staat¨ verherrlichen und ihm eine breite Bühne geben: In so einer Welt wird man Anhänger der ISIS.

Was kann da helfen? Vielleicht, in dem wir selbst, wir ALLE aufhören, der Jugend einzuflüstern oder einzuhämmern, man könne sich nicht auf den Staat und die Regierung verlassen. Dann muss man nämlich auch nichts gegen das, woran wir glauben - nämlich an die ABGABE der Selbstjustiz in die Hände eines großen, fairen Apparates - unternehmen. Und man muss dem Staat auch nicht ¨helfen¨, in dem man Asylantenheime abfackelt, um zukünftigen Flüchtlingen zu zeigen ¨Hier ist kein Platz für euch¨. Wir müssen deutlich machen, dass der Staat niemanden braucht, der im Alleingang Mauern einreißt und dabei Existenzen ruiniert oder gar vernichtet. Edward Snowden könnte genauso ein Kinofan gewesen sein, wie wir. Ein junger Mann, der von vielen Filmen und einer ihn enttäuschenden Politik überzeugt wurde, im Alleingang die Welt zu verändern. Nur - das Leben ist nicht, wie im Kino. Eine leidvolle Erfahrung, die Edward Snowden machen muss, ebenso wie zahllose traumatisierte und verstörte junge Menschen, die sich der ISIS oder anderen Terrororganisationen angeschlossen haben und nun nicht mehr wissen, was richtig und was falsch ist.

Und zu guter Letzt: Vielleicht sollte man doch mal Flagge zeigen und einfach aus dem Kino gehen - schlicht und ergreifen deshalb, weil man zermatschte Gesichter eigentlich nicht sehen will.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Kind(Er-)Kenntnis
Länger schlafen und mehr mitkriegen: Schulstart verschieben!

Da bin ich auch dafür, Frau Schröder: Ausschlafen! Es gibt inzwischen immer mehr Studien die bestätigen, was die allgemeine Müdigkeit und Unkonzentriertheit in Schulen am Morgen seit Beginn des Unterrichts zwischen 07.00 Uhr und 8.00 Uhr unlängst bewiesen haben: Die Kinder sollten später mit ernsthaften Unterricht beginnen. Die, die in den ersten ein bis zwei Stunden Sportunterricht haben, die haben es gut - die sind dann wenigstens so richtig wach, wenn Mathe & Co. anfangen. Die Fächer, wo man (mit)denken muss. Es gibt viele Kinder, die kleine Nachteulen sind - auch ohne Film am Abend oder fehlendes Abendritual. Es gibt Kinder, die liegen immer um Punkt 8 im Bett und schlafen trotzdem erst eine halbe bis ganze Stunde später, ohne auch nur einen einzigen "Pipi, Hunger, Durst, Kann nicht schlafen" - Marathon absolviert zu haben. Die sind einfach abends nicht so müde. Dafür aber morgens kaum aus dem Bett zu pulen.
Lasst die Kleinen ruhig länger dösen. Mit einer Hortbetreuung ab 7.30 Uhr morgens sollte jeder Familie gerecht geworden sein, mit Märchen CDs und Kuschelsofa kann dann schön bis 8.30 Uhr geschlummert und nachgeträumt werden. Dann obligatorisch eine halbe Stunde Bewegung, vielleicht sogar an der frischen Luft, ein zweites Frühstück (für manche bekanntlich das erste) und FLUPP! - die Kinder sind so aufmerksam, wie wir nach 2 Espresso zum Frühstück.

Ja - gebt den Kindern mehr Zeit im Tag anzukommen!
Ich halte die Daumen gedrückt & die Zehen gefaltet - vielleicht bringts ja was.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Kind(Er-)Kenntnis
"Ich will nur das Beste für mein Kind! - Aber nicht von DIR!"

Ich wette, die ein oder andere hat sich schon beim Titel ertappt gefühlt. Es gibt schon im ganz kleinen Bereich Menschen, die unsere Kinder glücklich machen und zum Strahlen bringen und die wir dafür hassen. 

Es gibt die Willy-Wonka-Omis von nebenan, wo die Kinder nur klingeln müssen und schon ergießt sich ein nicht enden wollender Strom aus purem Zucker über ihnen. Oder auch diese unangenehmen aufdringlichen Kioskverkäufer, die beim Anblick des Nachwuchses sofort hinter der Theke hervorspringen und mit viel "Gefühl" eine Überraschung für "ihre Prachtkinder" locker machen. Es gibt aber auch diese elende Verwandtschaft im Ausland, die man nie sieht, die aber zu jeder Gelegenheit die kitschigsten Pakete der Welt schicken, voller Kram und Plunder, den kein Mensch braucht, die aber nicht weggeworfen werden dürfen (falls sie doch mal zu Besuch kommen). 
Diese Menschen gibt es überall - aber die meine ich nicht!

Ich meine z.B. die Schwiegermutter, die jeden Besuch mit großem Trara einläutet, stets eine gewaltige Menge an Geschenken mit sich führt und keine Gelegenheit ungenutzt lässt, einem ihre Sorge um die Umstände, unter denen ihr Enkel gezwungen ist aufzuwachsen, mitzuteilen. Die Kitawahl ist unpassend, weil die Talente des Kleinen nicht genug gefördert werden, der Berufswunsch der Mutter ungesund, weil das Kind seine Mutter braucht, die vegetarische Ernährung zweifelhaft für eine rundum gute Entwicklung des kindlichen Körpers und die Kleidung sieht auch immer "geschossen" aus. Sie will mit Sicherheit nur das Beste fürs Kind - aber um das zu erreichen, müsste sie schon über Leichen gehen. Denn solange Muttern lebendig ist, bleibt der Nachwuchs schön außerhalb dem Aktionsbereich der Besserwissermutter.
Der Exmann darf unter Umständen aber auch nichts gut machen. Wehe die Kinder haben eigene Zimmer oder gar eigene Betten bei ihm. Wehe sie finden es schön dort! Wehe er unternimmt mit ihnen Dinge, die früher aus Prinzip nicht in Frage gekommen wären (Disneyland ahoi!). Wehe er verwöhnt die Kinder mit ihren Lieblingsgerichten (es gibt jedes Wochenende selbstgemachte Pizza), ohne auf ihre Gesundheit zu achten! Wehe er hat dauernd nur Spaß mit ihnen! Wehe die Kinder sind dort so glücklich, dass sie öfter oder länger da sein wollen! Das Leben wäre so viel einfacher ohne ihn - oder wenn er ein schlechter Vater wäre. Verdammt!
Schlimm auch die eigene Schwester, die stürmisch mit "Tanti Tanti Tanti" begrüßt wird. Sie ist kinderlos, reist durch die Welt und hat tausend spannende Geschichten zu erzählen. Außerdem ist sie "Genau so schön, wie du früher, Mama" und denkt auch wirklich NIE daran, den Kindern zum Geburtstag zu gratulieren. Dennoch wird sie abgöttisch geliebt, war sie zu Besuch, wird mindestens eine Woche lang von ihr geredet und geschwärmt. Ein Foto von ihr hängt in jedem Kinderzimmer und "Wenn ich groß bin, will ich werden, wie Tante Leni". Dabei kann die gar nicht mit Kindern, sonst hätte sie ja welche! Kotz!
Ich meine auch die Neue, die sich ständig überall einmischen muss. Vorher war der Ex ein mittelmäßig engagierter Wochenendpapa, den man ab und an mal mit Genugtuung anmeckern konnte, weil er wieder irgendetwas falsch gemacht hatte. Sowas kommt Dank der Neuen nicht mehr vor. Im Gegenteil: Jetzt tut er, als wäre er perfekt - wegen IHR! Um die Kinder geht es ihm doch eh nicht. Und "sie" mit ihrem ganzen dummen Getue und ihrem nervtötenden Geschwätz und wer ist sie überhaupt?! Sie kauft den Kindern Kleider, die sie nicht mehr ablegen wollen, geht mit ihnen zum teuren Friseur und schenkt ihnen Tickets zu Konzerten, zu denen sie gestern gar nicht gehen durften! Sie kauft hochhackige Schuhe, weil sich "die Lütte" sie so gewünscht hatte und lädt ständig alle Freunde der Kinder zum Übernachten ein. Es existieren Fotos von ihr mit den Kindern im Arm und alle lachen und sind glücklich! Was bildet sich diese "Frau" ein, meine Kinder glücklich zu machen? Das steht ihr nicht zu!
Aber auch die eigene Freundin kann zum ungeliebten Gast werden, wenn Kinder im Spiel sind. Sie ist zart, lustig und unglaublich verständnisvoll. Sie versteht die Kinder immer - und zwar wirklich! Letztens ging eines der Kinder zu IHR um über ein Problem zu sprechen - zu ihr! Und wenn es Ärger zu Hause gibt, wird sie zitiert und "Hanna würde sowas nie machen, die liebt mich wirklich!" Das Problem an Hanna ist: Hanna weiß zu viel! Nur deshalb kann sie sich wie ein Alien in die Gehirne der Kinder einklinken und per Gedankenkontrolle aus ihnen kleine, unkritische Leibeigene machen. Die Krönung & das Ende der Freundschaft stehen bevor..."Ich will lieber bei Hanna wohnen"...Ekelhafte Kinderhexe!
Einen Ehrenplatz in der Liste derer, die die Finger vom eigenen Nachwuchs halten sollen, sind Väter. Auch in intakten Familien kann er zum Feindbild werden. Der, der nie Zeit hat, sich um das wirklich Wichtige zu kümmern - aber trotzdem unverhältnismäßig doll angehimmelt wird, nur weil er ab und zu Computerspiele und Fußball spielt. Der, der sich Lorbeeren durch Intrigieren erschleicht, indem er mit Absicht die eigenen Gebote hintergeht - "Ein Keks mehr tut doch nicht weh". Oder er ist einfach immer so kack entspannt - wie sieht man denn neben ihm aus? Man kann nicht mal über den Stress mit den Kindern klagen: Weil er ihn gar nicht hat! Es gibt aber auch die Väter, die alles falsch machen. "Du hältst ihn falsch" - "So geht das nicht" - "Lass mich lieber machen" - "Bist du dir sicher, dass du weißt, wie das geht?" - "Warum fragst du mich nicht zuerst, ehe du wieder so ein Chaos machst" - "Sowas versteht nur eine Mutter".
Das Beste - ganz klar - kann nur eine geben: Mama!

Das Gegenteil will sie auch nicht

Ich kenne einige dieser Mütter. Sie sind meine Freundinnen, oder Bekannte. Oder mir wurde von ihnen erzählt - von ihren Männern. Ich kenne auch einige aus persönlicher Erfahrung, der Satz "Da wird man ja fast ein bisschen neidisch, wenn er so von dir schwärmt" ist mir durchaus geläufig (genau wie "Was bildet die sich ein?").

Das Paradoxon, das sich hier auftut, ist, dass sich über das echauffiert und an dem gestört wird, was wir unseren Kindern doch am allermeisten auf der Welt wünschen: Dass ihnen von anderen Menschen gespiegelt wird, wie liebenswert und toll sie sind! Was für eine wunderbare Erfahrung es doch ist, zu wissen, dass man von mehr Menschen als den eigenen Eltern geliebt und verstanden wird. Was für eine tröstliche Erfahrung zu erleben, dass nicht nur Mama (und Papa) bereit ist (sind), einem zu helfen. Wie großartig zu sehen, dass da am Tor noch andere Menschen stehen, die einem zujubeln! Es ist genau das, was wir für unsere Kinder wollen - dennoch gibt es Menschen, wo sich uns die Nackenhaare aufstellen, wenn sie ihr Bestes geben. Viele Mütter (ich kenne das bei Vätern nicht, ich bin mir aber sicher, da wird es auch solche Kandidaten geben), teilen ihre Kinder gern, aber nicht deren Liebe, Begeisterung und Zuneigung.

Entspannt das Gute annehmen

Ich teile mein(e) Kind(er) gern. Sowohl die Stiefis, als auch "dit biologische, wa". Ich genieße es, wenn mein Kind strahlend und glücklich von anderen Menschen nach Hause kommt. Mich stört es nicht, wenn es sagt, dass es lieber eine andere Mutter hätte, nämlich eine, die nicht so streng ist (haha). Ich weiß, was ich gut mache und was ich kann - und ich weiß, wozu ich zu faul bin oder was mir einfach nicht liegt. Mathehausaufgaben? Ich kann nicht mal Wechselgeld ausrechnen. Die Böden wienern und ständig das Lieblingsessen kochen? Hey, meine Vorfahren waren schon vor Jesus Zeiten Sklaven - ich suche mir Fußfesseln außerhalb des Haushalts! Ich kann auch überhaupt nicht gut über Freundinnen lästern und verziehe über viele "Wehwehchens" nicht mal eine Miene...sorry, du musst dir eine richtige Freundin suchen, ich bin nur June, deine Mutter. Ich liebe den Wettkampf und werde garantiert maximal in 50% der Fälle mit Absicht verlieren, du Loser! Werd erstmal so groß und stark, wie ich! Ja - so eine Mutter bin ich, so ein Mensch...klar kann ich auch Zeug, was andere neidisch macht oder wo sie sagen "Dafür hätte ich auch gern die Energie". Aber dafür glänzen die eben mit anderen Punkten, die ich nicht auf meiner Liste habe. Jeder Mensch hat was Tolles zu bieten - ich finds super, wenn mein(e) Kind(er) von diesen vielen "Plussen" profitieren. Bin ja nich perfekt, nech ;-)