Mittwoch, 10. Dezember 2014

Kind(Er-)Kenntnis
"Ich will nur das Beste für mein Kind! - Aber nicht von DIR!"

Ich wette, die ein oder andere hat sich schon beim Titel ertappt gefühlt. Es gibt schon im ganz kleinen Bereich Menschen, die unsere Kinder glücklich machen und zum Strahlen bringen und die wir dafür hassen. 

Es gibt die Willy-Wonka-Omis von nebenan, wo die Kinder nur klingeln müssen und schon ergießt sich ein nicht enden wollender Strom aus purem Zucker über ihnen. Oder auch diese unangenehmen aufdringlichen Kioskverkäufer, die beim Anblick des Nachwuchses sofort hinter der Theke hervorspringen und mit viel "Gefühl" eine Überraschung für "ihre Prachtkinder" locker machen. Es gibt aber auch diese elende Verwandtschaft im Ausland, die man nie sieht, die aber zu jeder Gelegenheit die kitschigsten Pakete der Welt schicken, voller Kram und Plunder, den kein Mensch braucht, die aber nicht weggeworfen werden dürfen (falls sie doch mal zu Besuch kommen). 
Diese Menschen gibt es überall - aber die meine ich nicht!

Ich meine z.B. die Schwiegermutter, die jeden Besuch mit großem Trara einläutet, stets eine gewaltige Menge an Geschenken mit sich führt und keine Gelegenheit ungenutzt lässt, einem ihre Sorge um die Umstände, unter denen ihr Enkel gezwungen ist aufzuwachsen, mitzuteilen. Die Kitawahl ist unpassend, weil die Talente des Kleinen nicht genug gefördert werden, der Berufswunsch der Mutter ungesund, weil das Kind seine Mutter braucht, die vegetarische Ernährung zweifelhaft für eine rundum gute Entwicklung des kindlichen Körpers und die Kleidung sieht auch immer "geschossen" aus. Sie will mit Sicherheit nur das Beste fürs Kind - aber um das zu erreichen, müsste sie schon über Leichen gehen. Denn solange Muttern lebendig ist, bleibt der Nachwuchs schön außerhalb dem Aktionsbereich der Besserwissermutter.
Der Exmann darf unter Umständen aber auch nichts gut machen. Wehe die Kinder haben eigene Zimmer oder gar eigene Betten bei ihm. Wehe sie finden es schön dort! Wehe er unternimmt mit ihnen Dinge, die früher aus Prinzip nicht in Frage gekommen wären (Disneyland ahoi!). Wehe er verwöhnt die Kinder mit ihren Lieblingsgerichten (es gibt jedes Wochenende selbstgemachte Pizza), ohne auf ihre Gesundheit zu achten! Wehe er hat dauernd nur Spaß mit ihnen! Wehe die Kinder sind dort so glücklich, dass sie öfter oder länger da sein wollen! Das Leben wäre so viel einfacher ohne ihn - oder wenn er ein schlechter Vater wäre. Verdammt!
Schlimm auch die eigene Schwester, die stürmisch mit "Tanti Tanti Tanti" begrüßt wird. Sie ist kinderlos, reist durch die Welt und hat tausend spannende Geschichten zu erzählen. Außerdem ist sie "Genau so schön, wie du früher, Mama" und denkt auch wirklich NIE daran, den Kindern zum Geburtstag zu gratulieren. Dennoch wird sie abgöttisch geliebt, war sie zu Besuch, wird mindestens eine Woche lang von ihr geredet und geschwärmt. Ein Foto von ihr hängt in jedem Kinderzimmer und "Wenn ich groß bin, will ich werden, wie Tante Leni". Dabei kann die gar nicht mit Kindern, sonst hätte sie ja welche! Kotz!
Ich meine auch die Neue, die sich ständig überall einmischen muss. Vorher war der Ex ein mittelmäßig engagierter Wochenendpapa, den man ab und an mal mit Genugtuung anmeckern konnte, weil er wieder irgendetwas falsch gemacht hatte. Sowas kommt Dank der Neuen nicht mehr vor. Im Gegenteil: Jetzt tut er, als wäre er perfekt - wegen IHR! Um die Kinder geht es ihm doch eh nicht. Und "sie" mit ihrem ganzen dummen Getue und ihrem nervtötenden Geschwätz und wer ist sie überhaupt?! Sie kauft den Kindern Kleider, die sie nicht mehr ablegen wollen, geht mit ihnen zum teuren Friseur und schenkt ihnen Tickets zu Konzerten, zu denen sie gestern gar nicht gehen durften! Sie kauft hochhackige Schuhe, weil sich "die Lütte" sie so gewünscht hatte und lädt ständig alle Freunde der Kinder zum Übernachten ein. Es existieren Fotos von ihr mit den Kindern im Arm und alle lachen und sind glücklich! Was bildet sich diese "Frau" ein, meine Kinder glücklich zu machen? Das steht ihr nicht zu!
Aber auch die eigene Freundin kann zum ungeliebten Gast werden, wenn Kinder im Spiel sind. Sie ist zart, lustig und unglaublich verständnisvoll. Sie versteht die Kinder immer - und zwar wirklich! Letztens ging eines der Kinder zu IHR um über ein Problem zu sprechen - zu ihr! Und wenn es Ärger zu Hause gibt, wird sie zitiert und "Hanna würde sowas nie machen, die liebt mich wirklich!" Das Problem an Hanna ist: Hanna weiß zu viel! Nur deshalb kann sie sich wie ein Alien in die Gehirne der Kinder einklinken und per Gedankenkontrolle aus ihnen kleine, unkritische Leibeigene machen. Die Krönung & das Ende der Freundschaft stehen bevor..."Ich will lieber bei Hanna wohnen"...Ekelhafte Kinderhexe!
Einen Ehrenplatz in der Liste derer, die die Finger vom eigenen Nachwuchs halten sollen, sind Väter. Auch in intakten Familien kann er zum Feindbild werden. Der, der nie Zeit hat, sich um das wirklich Wichtige zu kümmern - aber trotzdem unverhältnismäßig doll angehimmelt wird, nur weil er ab und zu Computerspiele und Fußball spielt. Der, der sich Lorbeeren durch Intrigieren erschleicht, indem er mit Absicht die eigenen Gebote hintergeht - "Ein Keks mehr tut doch nicht weh". Oder er ist einfach immer so kack entspannt - wie sieht man denn neben ihm aus? Man kann nicht mal über den Stress mit den Kindern klagen: Weil er ihn gar nicht hat! Es gibt aber auch die Väter, die alles falsch machen. "Du hältst ihn falsch" - "So geht das nicht" - "Lass mich lieber machen" - "Bist du dir sicher, dass du weißt, wie das geht?" - "Warum fragst du mich nicht zuerst, ehe du wieder so ein Chaos machst" - "Sowas versteht nur eine Mutter".
Das Beste - ganz klar - kann nur eine geben: Mama!

Das Gegenteil will sie auch nicht

Ich kenne einige dieser Mütter. Sie sind meine Freundinnen, oder Bekannte. Oder mir wurde von ihnen erzählt - von ihren Männern. Ich kenne auch einige aus persönlicher Erfahrung, der Satz "Da wird man ja fast ein bisschen neidisch, wenn er so von dir schwärmt" ist mir durchaus geläufig (genau wie "Was bildet die sich ein?").

Das Paradoxon, das sich hier auftut, ist, dass sich über das echauffiert und an dem gestört wird, was wir unseren Kindern doch am allermeisten auf der Welt wünschen: Dass ihnen von anderen Menschen gespiegelt wird, wie liebenswert und toll sie sind! Was für eine wunderbare Erfahrung es doch ist, zu wissen, dass man von mehr Menschen als den eigenen Eltern geliebt und verstanden wird. Was für eine tröstliche Erfahrung zu erleben, dass nicht nur Mama (und Papa) bereit ist (sind), einem zu helfen. Wie großartig zu sehen, dass da am Tor noch andere Menschen stehen, die einem zujubeln! Es ist genau das, was wir für unsere Kinder wollen - dennoch gibt es Menschen, wo sich uns die Nackenhaare aufstellen, wenn sie ihr Bestes geben. Viele Mütter (ich kenne das bei Vätern nicht, ich bin mir aber sicher, da wird es auch solche Kandidaten geben), teilen ihre Kinder gern, aber nicht deren Liebe, Begeisterung und Zuneigung.

Entspannt das Gute annehmen

Ich teile mein(e) Kind(er) gern. Sowohl die Stiefis, als auch "dit biologische, wa". Ich genieße es, wenn mein Kind strahlend und glücklich von anderen Menschen nach Hause kommt. Mich stört es nicht, wenn es sagt, dass es lieber eine andere Mutter hätte, nämlich eine, die nicht so streng ist (haha). Ich weiß, was ich gut mache und was ich kann - und ich weiß, wozu ich zu faul bin oder was mir einfach nicht liegt. Mathehausaufgaben? Ich kann nicht mal Wechselgeld ausrechnen. Die Böden wienern und ständig das Lieblingsessen kochen? Hey, meine Vorfahren waren schon vor Jesus Zeiten Sklaven - ich suche mir Fußfesseln außerhalb des Haushalts! Ich kann auch überhaupt nicht gut über Freundinnen lästern und verziehe über viele "Wehwehchens" nicht mal eine Miene...sorry, du musst dir eine richtige Freundin suchen, ich bin nur June, deine Mutter. Ich liebe den Wettkampf und werde garantiert maximal in 50% der Fälle mit Absicht verlieren, du Loser! Werd erstmal so groß und stark, wie ich! Ja - so eine Mutter bin ich, so ein Mensch...klar kann ich auch Zeug, was andere neidisch macht oder wo sie sagen "Dafür hätte ich auch gern die Energie". Aber dafür glänzen die eben mit anderen Punkten, die ich nicht auf meiner Liste habe. Jeder Mensch hat was Tolles zu bieten - ich finds super, wenn mein(e) Kind(er) von diesen vielen "Plussen" profitieren. Bin ja nich perfekt, nech ;-)