Dienstag, 27. Januar 2015

PhiloJune
Exkurs über das Ältern - Werden

Wenn uns zwischen Die-fünfte-Kerze-Ausblasen, scharfkantigen Legosteinen und zu vielen bunt - gestreiften Kleidungsstücken bewusst wird: Ich bin Älter


Der Geschenketsunami von Weihnachten ist endlich Schnee von gestern, die Wunschliste besteht wieder aus "Länger-Aufbleiben-Dürfen" und "Noch-eine-Geschichte-Vorlesen-Bitte"und der Alltag fließt elegant um uns herum, erodiert hier und dort ein bisschen von unserer Substanz, spült hier und da ein paar Ufer weg, schmirgelt unsere Kanten glatt und macht aus uns einen Handschmeichler im Fluss der Zeit. Wir fügen uns ein in das, was ist.

Kuchen backen, dekorieren, wirklich hässliche Kuscheltiere, bunteste Feen und Prinzessinnen, laute Spielzeugautos, furchteinflößende Dinosaurier und Geschichten am Abend gehören zu unserem Leben dazu, wie Atmen. Zwischen dem, was Kindheit ausmacht, wird organisiert und verabredet. Und dann steht man manchmal neben sich, beobachtet sich aus den Augenwinkeln und fragt sich: Wer ist diese Person, die da einen komplett durch - choreographierten Tanz um das Leben der Bedürfnisse und Notwendigkeit anderer herum veranstaltet? Und was hat sie mit der Person gemacht, die ständig aus dem Takt kam und nie eine Schrittfolge behalten konnte? Wo sind die Fehler hin, die Dummheiten, die Wildheit, die Neugier? In den Hunger nach Mehr ist eine Teilsättigung hineingewachsen, die sich auszubreiten droht. Da ist eine Ruhe, eine Sicherheit, ein Gleichtakt - das ist das Leben. Ist das das Leben? Ist das wonach man vor dem positiven Schwangerschaftstest ewig gesucht hat?
Dann: Debatten um "doofe" Regeln, Hetzereien gegen Sitzblockaden am Morgen und Abgabeschluss in Kita und Schule, Diskussionen um Computerzeiten und den Begriff Eigentum, Verhandlungen über den Unterschied zwischen "ungefragt Nehmen" und "höflich Ausleihen" und Scheiß-Wetter, das jeder aus der Familie inklusive Hund bis in jede Ritze des häuslichen Fußbodens trägt.
Nein: Das war nicht wonach wir damals gesucht haben. Das ist nicht das Leben, das ist etwas darunter (und darüber): Das ist der Alltag mit Kindern!
Das alte Ich existiert in den Momenten zwischen dem "darunter und darüber", zwischen den Zeilen des Alltags, die ein normales (gutes) Leben schreiben.

Der Unterschied ist einfach nur: Man ist Älter(n) geworden - man hat etwas dazu gelernt, man ist an Ängsten, Sorgen und Erfolgen gewachsen, man ist klüger, gelassener, man hat mehr Durchblick, klarere Ziele: Alles Dank der schönen Aufgabe, einen anderen Menschen an unserer Stelle auf die Spur zu schicken. Was wir von uns erwartet haben, aber nicht umsetzen konnten, weil wir so sehr mit jung und ungebunden-sein beschäftigt waren, müssen wir nun als Maßstab für die Erziehung eines Anderen nehmen: Und richten uns damit selbst auf, dorthin, wo wir stehen wollten, als wir uns "angekommen" sahen. Der Weg ist das Ziel - eine Lektion, die einem fast Nichts auf der Welt so sehr lehrt, wie das Leben ("darüber und darunter") mit Kindern.
Ich bin ganz nah bei mir angekommen: Zeit, die Mitte in der ich mich befinde zu nutzen, um dort meinen eigenen Leuchtturm zu bauen. Von da oben kann ich dann ein bisschen die Fenster zu meinem Oberstübchen öffnen und ein paar Leuchtsignale in die Welt da draußen senden. Schön...