Samstag, 21. Februar 2015

Relaxed & Gut! Regel Nummer 4: Ein gutes Fundament bauen

Das Leben kommt, wie es kommt. Manchmal hat man einfach Pech: der Partner passt doch nicht, die Kita ist schrecklich, der erste Grundschullehrer prägt die schulische Laufbahn negativ, kein Hobby will sich institutionalisieren lassen, den Wohnort muss man öfter wechseln, das Geld wird knapp usw. usf.

Kinder sind sehr robust und widerstandsfähig. Angeblich ist ihr kindliches Gehirn sogar aktiv daran beteiligt, negative Erfahrungen zu löschen. Das mag das temporäre Lebensgefühl positiv beeinflussen, doch negative Ereignisse können zu schlechten Zeiten werden. Und diese Zeiten hinterlassen ihre Spuren im Unterbewusstsein. Natürlich, der Schreck, als man vom Baum fiel oder die Angst, die Schule nicht zu schaffen, sind lange vergessen. Der Arm ist verheilt, die Schule geschafft. Aber wie war das damals, als Mama und Papa sich ständig stritten? Als Mama ihre Depression hatte und nur noch im abgedunkelten Schlafzimmer lag? Als Papa abends eine ganze Flasche Wein allein in der Küche trank? Als man mit seinem Geschwisterkind ganz eng aneinander gekuschelt in einem Bett geschlafen hat: Aus Angst? Was ist mit den Zeiten, als sich ein Umzug ankündigte, sich dann bewahrheitete und einen nachhaltig aus den alten Mustern und Freundschaften riss? Und man nie wieder Anschluss fand, bis man auszog und studieren ging? Was ist mit dem Sterben der Lieblingstante und dem Loch im Herzen, das dieses Ereignis gerissen hat? Was ist mit dem Freund, der sich das Leben genommen hat? Was ist mit der Zeit, als Papa seine Arbeit verlor und man es kaum noch zu Hause aushalten konnte?

Diese Zeiten PRÄGEN! Das kindliche Gehirn mag noch so adaptiv, flexibel und großzügig im Vergessen negativer Ereignisse sein - Stress, Angst und dauerhaft negative Umstände brennen sich tief in die Wahrnehmungsweise des Menschen ein. Ich persönlich glaube nicht, dass sich der Charakter oder die Persönlichkeit eines Menschen maßgeblich ändern. Ein sehr fröhlicher Mensch wird nicht ernst, weil er einen lieben Menschen plötzlich verloren hat. Sondern, weil er die Welt mit anderen Augen sieht. Er ist nicht anders, er sieht anders. Die Stadt, in der man seine triste und einsame Jugend verbracht hat, wird sich einbrennen. Mag sie noch so charmant gewesen sein, eine ähnliche Stadt an einem anderen Ort wird dieselbe Brille aus der Jugend hervorzaubern und sich einem auf die Nase setzen: Und man sieht überall Menschen, die einen ausgrenzen und feindselig sind. Schlimm ist es, wenn diese veränderten Perspektiven das ganze Leben nachhaltig negativ beeinflussen - etwa, wenn ein Mensch so viele bedrohliche Einschnitte in jungen Jahren erlebt hat, dass er Zeit Lebens von Angst geplagt sein wird. 

Kann man dem irgendwie entgegen wirken?
JA - kann man. Ein wenig. Man kann die Rahmen weiter stecken, den "Schutzraum" größer machen, um die jedem innewohnende Kraft zu vergrößern, mit der man sich gegen die Widrigkeiten des Lebens zur Wehr setzt.

Das Fundament muss stimmen

Ein Mensch, der dazu erzogen wird, sich verantwortlich > ergo schuldig zu fühlen, für das, was in seiner Umwelt passiert, wird in schweren Zeiten eine kaum zu tragende Last auf die (kleinen) Schultern nehmen.
Umgekehrt kann ein Mensch, dem die ganze Kindheit lang jegliche Verantwortung abgenommen wird, sich in schweren Zeiten als Opfer fühlen und meinen, er sei allen Umständen hoffnungslos ausgeliefert.
Es kommt also als Eltern darauf an, das richtige Maß zu finden, zwischen "Das kannst du selbst/Du schaffst das schon" und "Darum kümmere ich mich für dich". Bestrafungen oder Erziehung mit Erpressung ("Wegen dir geht es Mama ganz schlecht") machen das Kind hilflos. Diese Erziehungsmethoden sind wenig hilfreich und sollten tatsächlich Ausnahmen im Sinne des eigenen Versagens sein, an Stelle eines aprobaten Mittels. Ausnahmen kann man verzeihen, Methodik u.U. nicht.
Ein Kind muss eine positive Grundeinstellung vorgelebt bekommen, um sie zu verinnerlichen. Man muss dafür kein naiver Traumtänzer sein, aber man muss selbst immer wieder vermitteln, dass man fest daran glaubt (oder auch weiß!), dass andere Zeiten kommen werden. Dass Dinge sich ändern. Dass nichts für immer bleibt (wenig bleibt für immer). Ein Kind muss in sich drin die Überzeugungen entwickeln, dass es a) durchaus den Gang der Dinge beeinflussen kann (aber nicht muss!) und b) dass jede Krise nur ein herausfordernder Beginn von einem anderen Leben ist, nicht aber von einem schlechteren Leben! Wenn ein Kind glaubt, dass "anders" nicht gleichbedeutend mit "schlecht" sein muss und wenn Eltern schon vor der Krise glaubhaft vorgelebt haben, dass sie auch dieser Überzeugung sind: Dann starten die Kinder (und später Erwachsenen) mit Energie, Mut und Hoffnung in schwierige Zeiten. Ein wichtiges Fundament, um diese durchzustehen. 

Wie viele verzweifelte Suizide könnte man verhindern, wenn der Mensch tief in sich drin überzeugt würde: Man kann eine Lösung/ einen Ausweg finden!
Menschen mit einer schwierigen sexuellen Neigung, Menschen, die ihren Schulabschluss nicht schaffen, Menschen, die noch immer keinen Partner gefunden haben oder schon wieder von einem verlassen wurden, Menschen, die plötzlich alles allein meistern müssen, Menschen, die alles verloren haben: Sie müssen einen Weg finden, weiterzumachen!

Ich glaube an mein Mantra:
GIVE after everything´s been TAKEN!

Ich weiß selbst nicht, ob ich in jeder Situation nach dieser Maxime leben könnte. Aber ich habe inspirierende Vorbilder. All die Menschen, die ihre Kultur, ihre Familien UND ihren ganzen Besitz zurücklassen, um ihr Glück in einem fremden Land zu finden - sie inspirieren mich. Eltern, die ihre Kinder verloren haben und Institutionen gründen, um anderen Eltern in derselben Situation zu helfen: Bewundere ich (ich weiß nicht, ob ich das könnte - ich möchte es auch nicht herausfinden!) Menschen, die alles, was sie sich aufgebaut haben, durch ein Unglück verlieren mussten, und diese Lücke nutzen, um in ihr etwas Aussergewöhnliches zu schaffen: Sie bewundere ich!
Menschen, die 100te von Absagen kassieren, bis sie endlich endlich die eine Zusage bekommen, die sie brauchen, um durchzustarten: Sie bewundere ich!

Es gibt so viele inspirierende Menschen da draußen. Die allermeisten von ihnen haben eines tief verinnerlicht:
Aufgeben ist KEINE Option! Ich KANN das schaffen!
Was für ein Segen diese zwei Sätze sein können. Welche Kraft man aus ihnen schöpfen kann!
Es ist die unbedingte Pflicht aller Eltern, diese beiden Glaubenssätze in ihren Kindern zu verankern: Und vielleicht retten sie ihnen damit eines Tages das Leben!

Montag, 16. Februar 2015

Relaxed & Gut! Regel Nummer 3: Realistische Erwartungen machen zufriedener

Fast alle Eltern haben Erwartungen an das Leben mit Kind, an ihre Kinder und an das Leben, nachdem die Kinder aus dem Haus sind. Wenn man sich mal den Ursprung der meisten Konflikte zwischen Eltern und Kind anschaut, liegt ihnen doch deutlich die Angst zu Grunde, diese Erwartungen könnten enttäuscht werden. ODER - sie wurden enttäuscht.

Das Beste Gegenmittel gegen Enttäuschungen und den daraus resultierenden Zoff ist: Realismus.

Vorausgesetzt unsere Kinder sind gesund und entwickeln sich normal und bleiben uns ein ganzes, langes Leben lang erhalten: Welche Erwartungen und Hoffnungen darf man sich realistisch machen? Und welche lieber nicht?

Erwartung 1: Ich hoffe mein Kind wird mal...


- hübsch, klug, erfolgreich, unabhängig, selbstbewusst, beliebt, sozial engagiert, Mutter/ Vater, finanziell unabhängig etc.

Wie/so lässt man los?
Am besten man lässt in puncto Nachwuchs die Schablonen gleich in der Bastellschublade, wo sie hingehören. Ein Mensch ist nunmal kein Phantasieprodukt, wo man mit möglichst viel kreativem Einsatz und Bastellzubehör dran arbeiten kann, bis ein Kunstwerk entstanden ist. Ein Mensch ist ein Wesen aus definierten und undefinierten Stellschrauben, über die wir leider noch nicht genug wissen, um guten Gewissens überall dran herumzudrehen. 
Ergo: Alle Schablonen über Bord und das Wesen in jeder Phase seines Lebens (macht mehr Sinn, als "jeden Tag") so nehmen, wie es ist.

Erwartung 2: Mein Kind soll es mal besser haben, als ich...


- mehr Geld, mehr Eigentum, mehr Erfolg, eine vollere Kindheit, eine echte Kindheit, weniger Stress, weniger Leistungsdruck, mehr Freizeit, mehr Spielzeug etc.

Wie/so lässt man los?
Man sollte den Versuch wagen und sein Kind als Individuum betrachten. Individuen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich voneinander unterscheiden. Manchmal in Kategorien, manchmal nur in Nuancen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es Individuen gibt, die einem sehr ähnlich sind, und Individuen, die sich sehr von einem unterscheiden. Es kann sein, dass man ein Kind bekommt, dass einem in vielen Kategorien und in vielen Nuancen sehr ähnlich wird. Oder nur in wenigen. Oder in keinen erkennbaren oder nennenswerten. Dies wiederum bedeutet, dass das, was ICH als erstrebenswert oder schön empfinde nicht zwangsläufig mit dem übereinstimmt, was mein Kind erstrebenswert oder schön findet. Und auch das, was mich stört oder verletzt, muss mein Kind noch lange nicht stören oder verletzen. 
Ergo: Als Eltern sollte man sein, wie man ist, tun was man für richtig hält, sich als Elternteil definieren, das am Ende des Tages zu dem steht, was es tagsüber zu verantworten hatte. Sollte am Ende ein Kind keinen Wert auf das legen, was man ihm mit aller Liebe schenken und angedeihen lassen wollte, oder sich beklagen über das Fehlen von Dingen, die man bewusst ausgeklammert hat, dann IST ES SO. Und Punkt. 

Erwartung 3: Ich freue mich so sehr, wenn ...


- ich Enkelkinder kriege,  mein Kind seinen Schulabschluss macht, es studiert, es sich selbstständig macht, es aus seinem Talent einen Beruf macht, es in Onkel Egmonds Fußstapfen tritt, wir als Erwachsene eine Freundschaft auf Augenhöhe pflegen werden etc.

Wie/so lässt man los?
Wer schon einmal an den Weihnachtsmann geschrieben hat "Ich wünsche mir ein Pony" oder "Ich wünsche mir ein echtes Feuerwehrauto", weiß, wie einem das Herz bricht, wenn aus den Geschenkkartons nur Miniaturausgaben kommen. Oder - noch schlimmer - "wertvollere" Geschenke. Ungefähr so ist das mit diesen Wünschen und Träumen, die man von Anfang an als Eltern hat oder im Lauf der Zeit entwickelt. Solche, die eine "Wunschlaufzeit" von 10, 20 oder mehr Jahren haben und auf deren Erfüllung man sich so vor - freut, wie früher zu Weihnachten. Das Problem ist nur: Das Leben ist kein Ponyhof - diese Lektion aus Kindheitstagen ("...aber ein Pullover ist doch auch was Schönes!") haben die meisten Eltern vergessen oder deutlich verdrängt. Wünschen bringt nichts! Den Weihnachtsmann gibt es nicht. Die Umstände diktieren, was man kriegt - nicht die Rehaugen. Manche Kinder heiraten nicht, manche Kinder vermehren sich nicht, manche Kinder machen keinen Schulabschluss, manche Kinder wollen anders leben, manche Kinder wollen nichts mehr mit ihren Eltern zu tun haben. Ist so. Mal hat man eine Menge dazu beigetragen, mal kann man einfach nichts dafür. Ce la vie sagt der Franzose, und er hat Recht.
Ergo: Nie vergessen, wie es war, als man zu Weihnachten einen braunen, peinlichen Kratzpullover ausgepackt hat und kein lebensgroßes, lebendiges Pony! Wie gut war es irgendwann zu wissen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und dass hinter unerfüllten teuren Wünschen ein Ausgabenplan, und hinter unerfüllten unrealistischen Wünschen die Realität standen. Beide Erfahrungen dringend! auf die Wünsche als Eltern anwenden.


Worauf darf ich mich ganz realistisch freuen?

Auf den Moment - das ist die ehrlichste und zudem spannendste Erwartung und Vorfreude, die wir aufbauen dürfen. Auf den Moment, wo wir spüren, wie unser Herz vor Liebe übergeht. Schier platzt! Auf den Moment, wo wir gebraucht werden. Auf den Moment, wo wir erleichtert sind. Auf den Moment, wo wir stolz sind. Auf den Moment, wo wir gerührt sind. Auf den Moment, wo wir vor Lachen gar nicht mehr atmen können. Auf den Moment, wo wir uns unserem Kind ganz nah und verbunden fühlen. Er kommt ganz bestimmt. Bei manchen Kindern häufiger, bei manchen seltener. Aber er kommt: Und darauf lohnt es sich, zu hoffen! Versprochen. Zelebrieren, wie ein echtes Feuerwehrauto zu Weihnachten - ERLAUBT!


Sonntag, 15. Februar 2015

Relaxed & Gut! Regel Nummer 2: Perfekt verschreckt

Alles Ton in Ton bei euch? Warum Perfektionismus nicht bedingungslos gut aussieht/ist


Kinder glauben, dass ihre Eltern großartig sind. Solange sie klein sind, ist das eine ziemliche Gesetzmäßigkeit. Da muss man schon ein wirklich schlechter Mensch sein, damit die Kinder von dieser Illusion ablassen. Eltern aus Sicht der Kleinen wissen alles, meistern alles, können alles. Sie helfen und beschützen ihren Nachwuchs und sind die Liebsten und Schönsten und Klügsten.

Und dann kommt die Pubertät. Und alles ändert sich. Das pubertierende Kind rafft, wenn die Eltern etwas nicht raffen. Es sieht, wenn die Eltern etwas übersehen. Es hört, wenn die Eltern nicht zuhören. Es merkt, wenn die Eltern unaufmerksam sind. Es durchschaut, wenn die Eltern unehrlich sind. Kurz: Mit jedem Tag in der Pubertät demontiert das Kind die Illusion um die eigenen Eltern und entkernt den Menschen, der in Wirklichkeit darunter liegt.

Ist das schlimm? Dass der Mensch, der jahrelang ein Vorbild sein wollte, selbst gern mal rumläuft wie der letzte Lump? Dass er nach einem Arbeitstag auch keine Lust mehr hat im Haushalt zu helfen, anfallende Arbeiten gern an die Familie deligiert, den Müll nicht trennt, unfaire Bemerkungen macht, im Streit unlogisch argumentiert, morgens aus dem Mund riecht und selbst schon lange nichts mehr für seine Gesundheit getan hat? Schlimm ist das nicht, sondern ziemlich normal. Und menschlich.
Am Ende ist das für unseren Nachwuchs beruhigend. Weil statistisch gesehen der Anteil von Superhelden in unserer Gesellschaft immer nur 1 pro Gotham City entspricht, sind die meisten von uns eben einfach nur ordinär: Mensch.

Wäre es besser, wenn Eltern Superhelden wären? Nun, gesetzt dem unwahrscheinlichen Fall, dass sich zwei Superhelden in Gotham City finden, die sich auch noch ineinander verlieben und Nachwuchs bekommen: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind auch ein Superheld wird? Nehmen wir an, das Kind wird normal. Im Vergleich zu Super wäre normal dann ja schon "Forrest Gump". Und - wär das schön?

"Lauf doch mal schneller, bis du den Wind unter dir Rauschen fühlst!"
"Ich lauf doch schon so schnell ich kann."
"Lauf Forrest, lauf!"

"Mit meinen Augen kann ich durch Wände sehen."
"Ich brauche eine Brille, Pa."

"Mit meinen superanalytischen Fähigkeiten kann ich alle Informationen innerhalb von Sekunden verarbeiten. Ich habe in den letzten 20 Minuten dreihundert Korruptionsfälle in der Stadt aufgedeckt!"
"Mama, wie geht dieses Puzzle?"
"Das sind nur 35 Teile!"

"Heute habe ich wieder 10 Schurken verprügelt und sie gleichzeitig, eigenhändig ins Gefängnis getragen."
"Ich hab mir in den Finger gepiekst! Buuuuu....!"

Superheldeneltern machen alles besser, können alles besser und sehen auch noch besser aus, als alle anderen Menschen. Menschen hingegen sind nicht perfekt. Sie haben Fehler und Macken. Superhelden geht die Kraft nie aus, sie haben einen unendlichen Energiespeicher, den sie unendlich anzapfen können. Wir Menschen werden müde, unsere Kräfte lassen nach, unsere Fähigkeiten brauchen sich auf. Dass das so ist, entspannt unsere Kinder ungemein. Sie müssen nicht perfekt sein, um in dieser Welt was zu werden.

Erwartungen zu entsprechen, denen man nicht entsprechen kann - das ist ein frustrierendes Joch, unter dem sich niemand glücklich entwickeln kann. Also sollte man als Eltern versuchen, nicht perfekt, sondern authentisch zu sein. Eine der wichtigsten Botschaften überhaupt ist doch: Sei du selbst!


Foto von Ryan McGuire

Freitag, 13. Februar 2015

Relaxed & Gut! Regel Nummer 1: Mach ein paar Schrauben locker!

Fast jeder kennt das Bild des perfekt laufenden Uhrwerks. Alle Zahnräder sind perfekt aufeinander abgestimmt und greifen perfekt ineinander ein. Die Uhr läuft perfekt. Millimetergenau. Auf die Sekunde genau. Und das ein Leben lang.

Nun betrachten wir mal die Familie. Meistens völlig ungeplant oder unerwartet wird aus zwei Menschen ein Trio. Selbst geplante Schwangerschaften sind oft von zahlreichen Unvorhersehbarkeiten geprägt. Dann kommt die Geburt: Nennt mir eine, wo wirklich alles nach Plan läuft. Sie dürfte die Ausnahme von der Regel sein - nicht umgekehrt. Und dann ist Mini da und plötzlich kommen die ganzen beziehungstechnischen Strukturreformen, Haushaltspläne, Vierjahresbeziehungszinsen und Kontrollkarten zum Einsatz. Aus ganz viel Zufall und Glück (und Pech), soll sich plötzlich ein Uhrwerk entwickeln. Für die "perfekte" Familie.

Leider sind alle Familienmitglieder gestresst. Wir sind ja schon vorher nicht perfekt gewesen. Das Leben mit seinen "eigenen Plänen" ist uns mit Sicherheit oft genug in die Parade gefahren. Fruchtblasen platzen, Kredite platzen, Träume platzen - und dann ensteht Raum für Neues.

Wer sich das vergegenwärtigt,  hat es leichter im Leben. Auch als Eltern. Na und - dann ist dein Kind eben nicht, wie du es dir vorgestellt hast. Mach mal ein paar Schrauben locker (umbauen nicht notwendig, ändert sich ja eh immer alles). Grade mit Kindern kommt alles anders, und ganz anders als man denkt. Was heute ist, muss morgen lange nicht mehr sein.

Eines meiner Kinder ist von Geburt an ein Multitalent auf musischer Ebene gewesen. Konnte mit 5 Jahren Titel aus Zeitungen vorlesen, hatte es sich selbst beigebracht. Konnte ohne Furcht vor Publikum Geschichten ausdenken, Gedichte vortragen, ganze Theaterstücke inszenieren und wunderbar Klavier spielen. Fiel ihm alles leicht. Und nun? Steht es nicht in den Startlöchern einer wundervollen Karriere in diesem Bereich, wo ihm alles leicht fiele - nein: Es sucht sich den schweren Weg. Will sich beweisen. Will sich vielleicht ja auf anderer Ebene entdecken, will vielleicht mehr sein, als das Kind, das alle für seine musische Begabung schätzen. Darf man darüber frustriert sein?
Na ja - vielleicht kurz und ein bisschen, aber das bleibt bitte unter Verschluss. Meistens kommt doch eh alles anders als man denkt - wer weiß schon, was morgen ist? Wussten wir doch gestern schon nicht, warum sind wir uns dann heute so sicher?

Eines meiner Kinder hat spät sprechen gelernt. Dafür war es schon immer sehr körperlich. Der kommunikative Knoten ist erst geplatzt, als die meisten anderen Kinder schon richtig von ihren Erlebnissen, Gefühlen und Ideen erzählen konnten. Heute argumentiert, redet und erzählt dieses Kind, wie ein Weltmeister. Gern stundenlang, gern auch nur mit sich selbst. Und das Körperliche? Seit das Risikobewusstsein sich eingeschaltet hat, wird der Tobemodus nur unter kontrollierbaren Rahmenbedingungen aktiviert. Existieren tut er demnach noch.

Am Ende des Tages vergessen so manche Eltern, was für ein Glück sie haben, ungewaschene, freche, komplett talentfreie, rebellische, bockige oder sonstwie "anders geratene" Kinder ins Bett zu stecken. Dieses Glück ist nicht allen gegönnt. Schon allein das zu wissen, dürfte bei der nächsten Imperfektion helfen. Einfach mal im Sinne von "Schwamm drüber" denken! Nicht immer, sondern dann, wenn es tatsächlich keine Relevanz für das Kind hat, ob es in Kust eine 3 hat, oder in der ganzen Küche Unordnung verbreitet hat. Imperfekt: So ist schließlich das Leben!

Relaxed & Gut!
Regeln für entspannte Eltern

Ich habe mit Sicherheit nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen - wie komme ich also dazu, Regeln fürs Elternsein aufzustellen? Nun - es sind eh meine Regeln. Sie entsprechen meinem Wertekanon, wo Toleranz, Respekt, Fairness, Achtsamkeit und Aufrichtigkeit eine große Rolle spielen. Und sie entsprechen meinen Lösungen für das Dilemma "Disziplin versus Freiheit", das sich wie ein roter Faden durch mein Leben und also auch durch mein Leben mit drei Kindern zieht.
Entspannung bringt einen im Leben weiter, wenn Panik auch nichts mehr nützt. Hab ich gelernt. Disziplin ist ein guter Freund, aber Freiheit ist ein hohes Gut - beides muss man irgendwie schaukeln und in ein gutes Verhältnis zueinander bringen. Meine beiden Stiefkinder begleite ich seit der 2. und 3. Klasse - Nummer 1 macht grad Abitur und Nummer 2 beendet die 10. Klasse. Da hat man eine Menge mitgemacht!Und Nummer 3, mein Beitrag zum Team, kommt nächstes Jahr in die Schule - ich fühle mich grade so, als hätte ich alle "Stages of Ages" durchlaufen. Wenn die Jüngste in 2 Jahren 7 Jahre alt wird, beginnt alles da, wo es schonmal für mich begann: Mit meinem Stiefsohn, als er 7 Jahre alt war. Dann ist der Kreis irgendwie einmal durchlaufen und damit einmal geschlossen. DESHALB fühle ich mich in der Lage, ein paar meiner Regeln zu teilen. Ich halte sie für wertvoll - ich bin stolz auf mein gutes Verhältnis zu meinen Stiefkindern und darauf, wie gut ich dieses Patchworkleben inklusive aller Herausforderungen einer normalen Familie hinbekomme. Klar hatte ich dabei Unterstützung von einem tollen Partner - aber sein größter Beitrag bestand darin, mir zu vertrauen. "Du machst das schon". Und was ich getan habe - das steht in den "Relaxed & Gut! Regeln für entspannte Eltern"

Ich freue mich über Feedback!
Eure June