Freitag, 13. Februar 2015

Relaxed & Gut! Regel Nummer 1: Mach ein paar Schrauben locker!

Fast jeder kennt das Bild des perfekt laufenden Uhrwerks. Alle Zahnräder sind perfekt aufeinander abgestimmt und greifen perfekt ineinander ein. Die Uhr läuft perfekt. Millimetergenau. Auf die Sekunde genau. Und das ein Leben lang.

Nun betrachten wir mal die Familie. Meistens völlig ungeplant oder unerwartet wird aus zwei Menschen ein Trio. Selbst geplante Schwangerschaften sind oft von zahlreichen Unvorhersehbarkeiten geprägt. Dann kommt die Geburt: Nennt mir eine, wo wirklich alles nach Plan läuft. Sie dürfte die Ausnahme von der Regel sein - nicht umgekehrt. Und dann ist Mini da und plötzlich kommen die ganzen beziehungstechnischen Strukturreformen, Haushaltspläne, Vierjahresbeziehungszinsen und Kontrollkarten zum Einsatz. Aus ganz viel Zufall und Glück (und Pech), soll sich plötzlich ein Uhrwerk entwickeln. Für die "perfekte" Familie.

Leider sind alle Familienmitglieder gestresst. Wir sind ja schon vorher nicht perfekt gewesen. Das Leben mit seinen "eigenen Plänen" ist uns mit Sicherheit oft genug in die Parade gefahren. Fruchtblasen platzen, Kredite platzen, Träume platzen - und dann ensteht Raum für Neues.

Wer sich das vergegenwärtigt,  hat es leichter im Leben. Auch als Eltern. Na und - dann ist dein Kind eben nicht, wie du es dir vorgestellt hast. Mach mal ein paar Schrauben locker (umbauen nicht notwendig, ändert sich ja eh immer alles). Grade mit Kindern kommt alles anders, und ganz anders als man denkt. Was heute ist, muss morgen lange nicht mehr sein.

Eines meiner Kinder ist von Geburt an ein Multitalent auf musischer Ebene gewesen. Konnte mit 5 Jahren Titel aus Zeitungen vorlesen, hatte es sich selbst beigebracht. Konnte ohne Furcht vor Publikum Geschichten ausdenken, Gedichte vortragen, ganze Theaterstücke inszenieren und wunderbar Klavier spielen. Fiel ihm alles leicht. Und nun? Steht es nicht in den Startlöchern einer wundervollen Karriere in diesem Bereich, wo ihm alles leicht fiele - nein: Es sucht sich den schweren Weg. Will sich beweisen. Will sich vielleicht ja auf anderer Ebene entdecken, will vielleicht mehr sein, als das Kind, das alle für seine musische Begabung schätzen. Darf man darüber frustriert sein?
Na ja - vielleicht kurz und ein bisschen, aber das bleibt bitte unter Verschluss. Meistens kommt doch eh alles anders als man denkt - wer weiß schon, was morgen ist? Wussten wir doch gestern schon nicht, warum sind wir uns dann heute so sicher?

Eines meiner Kinder hat spät sprechen gelernt. Dafür war es schon immer sehr körperlich. Der kommunikative Knoten ist erst geplatzt, als die meisten anderen Kinder schon richtig von ihren Erlebnissen, Gefühlen und Ideen erzählen konnten. Heute argumentiert, redet und erzählt dieses Kind, wie ein Weltmeister. Gern stundenlang, gern auch nur mit sich selbst. Und das Körperliche? Seit das Risikobewusstsein sich eingeschaltet hat, wird der Tobemodus nur unter kontrollierbaren Rahmenbedingungen aktiviert. Existieren tut er demnach noch.

Am Ende des Tages vergessen so manche Eltern, was für ein Glück sie haben, ungewaschene, freche, komplett talentfreie, rebellische, bockige oder sonstwie "anders geratene" Kinder ins Bett zu stecken. Dieses Glück ist nicht allen gegönnt. Schon allein das zu wissen, dürfte bei der nächsten Imperfektion helfen. Einfach mal im Sinne von "Schwamm drüber" denken! Nicht immer, sondern dann, wenn es tatsächlich keine Relevanz für das Kind hat, ob es in Kust eine 3 hat, oder in der ganzen Küche Unordnung verbreitet hat. Imperfekt: So ist schließlich das Leben!