Mittwoch, 15. April 2015

Mein Trivial Pursuit
Frauenquote: Wo sie vermutlich wirklich Sinn macht

Ich bin kein Befürworter der Frauenquote. Aus vielen Gründen. Mein Hauptargument bleibt: Wenn wir Menschen nach dem beurteilen, was sie sind und nicht nach dem, was sie geleistet haben, können und wollen, werden wir immer Quoten benötigen, um Lücken zu schließen, die mit einer veränderten Firmenpolitik oftmals gar nicht erst entstanden wären. Ich bilde mir ein, viele Gründe parat zu haben, weshalb Frauen in der Wirtschaft und vor allem in bestimmten Positionen anteilsmäßig nicht so verteilt sind, wie in der Bevölkerung. Dass das für begehrte Posten ebenso gilt, wie für unbegehrte Posten, wird dabei gewöhnlich unterschlagen - oder wie viele Straßenreinigerinnen, Müllfrauen, Straßenbauarbeiterinnen etc. begegnen uns im Alltag?  Dass die Obdachlosen, Kriminellen und Arbeitslosen in der Gesellschaft umgekehrt ungleich verteilt sind (mehr Männer als Frauen), nimmt niemand in die Berechnungen der Quotendebatte mit rein. Die Männerquote in diesen Bereichen zu senken ist eine Forderung, die man nur extrem selten hört- wenn überhaupt geht es bei dieser Debatte um kulturelle Benachteiligung (Anteil Ausländer bei Kriminellen sehr hoch - ergo: das Problem ist ein kulturelles, oder ein integratives).
Es gibt allerdings einen Bereich in der Berufswelt, wo eine Frauenquote mir als dringend erforderlich erscheint. Alle Bereiche nämlich, in denen viele Menschen darauf vertrauen müssen, dass die kranke Psyche der Person, der sie ihr Leben anvertrauen, keinen Einfluss auf die eigene körperliche Unversertheit hat. Der Germanwings Pilot, der so viele Menschen in den Tod riss, hat die Frauenquotendebatte von neuem angeheizt: Dieses Mal gehe ich mit! Die Vizepräsidentin des Dachverbands für Suizidprävention hat ihr Plädoyer für eine Frauenquote in Berufen, in denen Menschen transportiert werden, bereits gehalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine seelisch kranke Frau andere Menschen mit in den Tod reißt, ist verschwindend gering. Bei Männern ist das Gegenteil wahr - während schwere, psychische Störungen bei Frauen zu Arbeitsunfähigkeit führen, führen sie bei Männern zu zwanghafter Handlungsbereitschaft. Während die einen Gewalt und Aggressionen vorrangig gegen sich richten, richten die anderen beides gegen andere - und zuletzt gegen sich. Das macht Männer nicht kränker als Frauen: Aber gefährlicher! Ein seelisch schwer kranker, suizidaler Mann plant, ein Flugzeug mit 149 Menschen an Board in den Tod zu steuern. Was hätte eine seelisch kranke Frau zur selben Zeit in der selben Maschine an seiner Stelle getan? Ich bin mir sicher, und viele Psychologen, die sich derzeit zu Wort melden auch: Nicht dasselbe!
Obwohl ich nach wie vor die Quote generell für eine wenig erfolgreiche Antwort auf die Forderung nach mehr Frauen in bestimmten Berufen halte, bin ich - mangels aktuell einfach umsetzbarer Alternativen - durchaus dafür, dass mehr Frauen in den "Menschenlogistik" - bereich kommen. 6% der Piloten sind weiblich. Unter Umständen ist das ein ernstes Problem.