Mittwoch, 17. Juni 2015

Mama Gedanken
Simba und Mufasa Momente

Meine kleine Tochter liebt den Film "König der Löwen". Wie sehr weiß ich, seid sie vorgestern aus dem Film zitierte. Ich lag mit einer frisch gefangenen Sommererkältung mit hohlem Hämmern im Schädel in ihrem Bett und ließ mich von ihr verärzteln, was sie gern tat. Als ich für sie ein wenig jammerte und so ins Nichts hinein fragte "Warum bin ich nur krank", ließ sie mich mit einem Lächeln und verstellter Stimme wissen: "Mama, lass mich erklären: Wenn du stirbst, wird dein Körper zu Gras. Und die Antilopen fressen das Gras. Und so sind wir alle eins."
Da biste platt - und ja, die 5 Minuten Lachen taten gut.
Aber das ist nicht der einzige Mufasa - Simba - Moment in meinem Leben. Momentan häufen sich kleine Anfälle von Größenwahn, die mich sehr an den kleinen, vorlauten Löwenprinzen und seine Allüren erinnern. So stellte meine Tochter just letztens fest: "Ich kann alles, Mama." Sie meint das auch genauso. A L L E S. Sie erinnert einen auch gern daran, wie viel sie weiß und kann - etwa wenn sie etwas voraussagt und recht behält: "Siehst du, hab ich doch vorher gewusst." oder "Was hab ich dir gesagt?" Auch sonst ist sich meine kleine Madame sicher, immer Bescheid zu wissen - bin ich mal ratlos, bietet sie mir neuerdings so ihre Hilfe an: "Frag mich doch, Mama."

Woher sie diese Überzeugung nimmt, alles zu können und alles zu wissen?
Nun, ich denke wir Eltern sind nicht ganz unschuldig. Wir bestätigen ihr ja jeden Pups, den sie richtig benannt oder erkannt hat. Ich bin zwar kritisch, aber was sie richtig macht - nun, das macht sie unleugbar richtig. Kann man erwähnen, tut ja nich weh. Außerdem holt sie sich Lob aktiv ab ("Hab ich das richtig gemacht, Mama?"). Und zu Selbständigkeit erziehen wir sie auch. Sie soll uns zum Beispiel aus der Stadtmitte per Fahrrad nach Hause lotsen - Kind fährt vor. Und sie macht das großartig. Hält an jeder Straße, schaut nach rechts und links, weiß nicht nur direkte sondern auch Um-Wege. Wir sind nicht umsonst stolz und sagen ihr das auch. Dass man da irgendwann mit ziemlich viel Oberwasser durch die Gegend läuft und sich für den Oberking hält, ist irgendwie klar.
Der Streit darum, wer hier eigentlich der Chef ist, war demnach unvermeidbar. Wir steuerten gestern schon seit nachmittags drauf zu - das Kräftemessen in den eigenen vier Wänden. Wer hier die Mähne schüttelt, behält den Chefsitz - so sah das meine Tochter jedenfalls. Auf Krawall gebürstet wie ein Maidemonstrant, erhielt ich auf jede Bitte oder Anordnung knappe Widerworte mit einem selbstgefälligen Grinsen a la Sieh mal zu was du da machen willst. Beim Noch-nicht-ich-spiele-noch-sieben-Minuten-zu-Ende-Zähneputzen platzte mir der Kragen - mein innerer Mufasa kam raus. Ich schüttelte meine Mähne, stampfte mit dem Fuß auf (ja wirklich - es war einer dieser Rumpelstilzchenmomente) und erklärte: "Ich bin hier der Chef! Und wenn ich dir was sage, dann meine ich das auch. Und jetzt SCHLUSS. ZÄHNEPUTZEN. Und zwar SCHNELL! Zack Zack!"
Tief Luft holen...und wieder auf Erziehung schalten.Ein klassischer Mamalog und eine weinende Löwenprinzessin später saßen wir Arm in Arm im Badezimmer. Wangen trocknen und die Welt erklären...nochmal gaaaanz langsam. Und ich erklärte: Wie das so ist mit dem stark sein, dem unabhängig sein und auch Teil einer Familie sein... insbesondere der kleinste Teil der Familie. Wie das so ist mit Gruppen, und Freunden, die nicht mit einem spielen wollen, wenn es immer nur einen Bestimmer gibt. Die Wahrheit schmerzte noch ein Weilchen nach - dann wars wieder gut. Wenn man ein starkes und unabhängiges Kind möchte, das gute Entscheidungen für sich fällen kann, muss man es fördern - und hin und wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Auf diesem Boden haben mein Töchterchen und ich gestern festgestellt: "Groß werden ist schwer". Und auch: "Stark zu sein heißt nicht, dass man immer seinen Willen durchsetzt. Man muss auch aushalten können, wenn das nicht geht."

Nach so einem Kräftemessen fällt das ins Bett gehen ausnahmsweise leichter...heute glaube ich, Simba und ich sind auf einem guten Weg...