Donnerstag, 16. Juli 2015

Kind(Er-)Kenntnis
"Ich will nicht Hallo sagen"
Warum ein klares Nein OKAY ist

Immer wieder gerate ich mit meiner Tochter in Situationen, in denen Menschen sie unhöflich finden: Sie versteckt sich hinter mir, mag nicht Hallo sagen, meidet den Kontakt. Es gibt auch andere Situationen - da ist sie neugierig und offen, oder aber zumindest "ernsthaft brav" und gibt die Hand und sagt artig Hallo. Jede Situation steuert sie selbst. Ich insistiere NIEMALS während der Situation auf "gutes Benehmen" - ich erkläre höchstens später, warum ich dieses und jenes erwarte. Und manchmal: Lobe und bestärke ich sie auch mit ihrem "Blocken und Nein-Sagen". Ich finde, mein Kind muss nicht jedem die Hand geben müssen. Es muss auch nicht jedem seinen Namen verraten. Es muss auch nicht zu allen höflich und nett sein. Wenn es diese Person nicht kennt und unter Umständen auch nie wieder sieht (oder nur selten) - wieso juckt es mich dann, wenn es sie nicht kennenlernen will?
Wenn man an die vielen weg-gelockten Kinder denkt, denen unter Umständen ihr intuitives "Nein" aberzogen wurde, wird mir gruselig zu Mute. Ich weiß und erlebe, dass mein Kind anders kann. Das reicht mir. Ich weiß: Für Bewerbungen wird sie das mit dem Händeschütteln also drauf haben.
Jetzt muss sie sich nirgends bewerben. Sondern sie muss sich behaupten. Und auf ihr Bauchgefühl hören. Und wenn das sagt "Dich will ich nicht kennenlernen, du bist komisch" - dann ist das so. Und wisst ihr was: Genau das ist meistens ihre Erklärung, wenn ich sie frage, warum sie sich versteckt hat. "Die mochte ich nicht, die war komisch." Oder: "Der sah gruselig aus". Mein Kind hört auf sein "Gruselbarometer" - ich hoffe, das hilft! Sicherheit vor Höflichkeit.