Donnerstag, 26. November 2015

Vorbilder
Die toughe und intelligente Umweltaktivistin Severn Suzuki



Mit 12 Jahren reiste Severn Suzuki zur ersten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro. Ich bin beeindruckt von ihrem Lebensweg und ihrem unglaublichen Drive. Am meisten beeindruckt mich aber die Standhaftigkeit und Stärke, die sie mit ihren 12 Jahren im Antlitz all dieser wichtigen erwachsenen Menschen beweist. Ist es nicht großartig, wenn man seinen Kindern Menschen wie Severn Suzuki als Vorbild zeigen kann?
Wenn man sagen kann:
"Schau mal - die hat den Mund aufgemacht. Die hat keine Angst, das Richtige zu sagen. Sie hat keine Standesdünkel, sie spricht alle als Mensch an. Und alle in ihrer Verantwortung als Mensch. Du solltest auch immer sagen, was wichtig und was richtig ist. Nur die Mutigen werden sich Gehör verschaffen. Sei mutig, wie Severn Suzuki."
Ich lade euch alle ein, mehr über sie zu lesen und ihre Geschichte mit euren Teens und Kindern zu teilen. Ich habe mir erlaubt an diese Stelle eine Übersetzung (stammt von hier!) ihrer Auftaktrede aus dem Jahr 1996 einzufügen. Starke Worte - und so Vieles gilt heute, wie damals. Wie schön, dass es Menschen wie Severn Suzuki gibt!


Hallo, mein Name ist Severn Suzuki, ich spreche im Namen des E.C.O., der „Environmental Children's Organisation”. Wir sind eine Gruppe von 12- bis 13-Jährigen aus Kanada, die versuchen, eine Veränderung herbeizuführen: Vanessa Suttie, Morgan Geisler, Michelle Quigg und ich.
Wir haben das gesamte Geld selbst aufgebracht, das nötig war, um die 6000 Meilen hierher zu reisen und Euch Erwachsenen zu sagen, dass Ihr Eure Lebensweise ändern müsst.
Das, was ich hier sage, meine ich Wort für Wort. Ich kämpfe für meine Zukunft.
Meine Zukunft zu verlieren ist nicht dasselbe, wie eine Wahl oder ein paar Punkte im Aktiengeschäft zu verlieren. Ich bin hier, um im Namen aller zukünftigen Generationen zu sprechen. Ich bin hier, um im Namen der hungernden Kinder dieser Welt zu sprechen, deren Schreie ungehört verhallen. Ich bin hier, um für die zahllosen Tiere zu sprechen, die überall auf diesem Planeten sterben, weil es für sie keinen Platz mehr gibt. Wir können es uns nicht mehr leisten, nicht gehört zu werden.
Ich habe Angst davor in die Sonne zu gehen wegen der Ozonlöcher. Ich habe Angst die Luft einzuatmen, weil ich nicht weiß, welche Chemikalien darin vorkommen. Früher in Vancouver ging ich mit meinem Vater fischen, bis wir dann vor wenigen Jahren Fische fingen, die voller Krebs waren. Und jetzt hören wir von Tieren und Pflanzen, die tagtäglich aussterben – für immer verschwinden. In meinem Leben habe ich davon geträumt, Herden wilder Tiere, Dschungel und Regenwälder voller Vögel und Schmetterlinge zu sehen, doch jetzt frage ich mich, ob das alles für meine Kinder überhaupt noch existieren wird.
Musstet Ihr Euch über solche Sachen Gedanken machen, als Ihr in meinem Alter wart? All dies geschieht vor unseren Augen und dennoch handeln wir, als ob wir noch alle Zeit der Welt hätten und für alles Lösungen. Ich bin nur ein Kind und ich habe nicht all die Lösungen, aber ich möchte, dass Ihr erkennt, dass auch Ihr sie nicht habt!
Ihr wisst nicht, wie Ihr die Löcher in unserer Ozonschicht schließen könnt. Ihr wisst nicht, wie man Lachs in einen toten Fluss zurück bringen kann. Ihr wisst nicht, wie man ein ausgestorbenes Tier wieder ins Leben bringen kann.
Und Ihr könnt uns die Wälder nicht zurückgeben, die einmal da waren, wo nun Wüste ist. Wenn Ihr nicht wisst, wie Ihr all dies rückgängig machen könnt, dann hört damit bitte auf, es zu erstören! Hier mögen Sie zwar Delegierte Ihrer Regierungen sein, Geschäftsleute, Organisatoren, Reporter oder Politiker, aber in Wirklichkeit sind Sie Mütter und Väter, Brüder und Schwestern, Tanten und Onkel – und Sie alle waren einmal Kinder wie wir!
Ich bin nur ein Kind und dennoch weiß ich, dass wir alle Teil einer Familie von fünf Milliarden sind, ja tatsächlich von 30 Millionen Arten, und wir alle teilen dieselbe Luft, dasselbe Wasser und denselben Boden – daran werden weder Grenzen noch Regierungen je etwas ändern.
Ich bin nur ein Kind und doch weiß ich, dass wir alle in einem Boot sitzen und als eine einzige Welt auf ein einziges Ziel hin handeln ollten. In meinem Ärger bin ich nicht blind und trotz meiner Furcht habe ich keine Angst, der Welt zu sagen, wie ich mich fühle. In meinem Land produzieren wir so viel Abfall, wir kaufen und werfen weg, kaufen und werfen weg – und dennoch wollen die nördlichen Länder nicht mit den Armen teilen. Selbst wenn wir mehr als genug haben, haben wir Angst davor, etwas von unserem Wohlstand zu verlieren, fürchten uns davor zu teilen.
In Kanada leben wir ein privilegiertes Leben mit Essen im Überfluss, Wasser und einem Dach über dem Kopf. Wir haben Uhren, Fahrräder, Computer und Fernseher. Vor zwei Tagen waren wir echt geschockt, als wir etwas Zeit mit den Straßenkindern hier in Brasilien verbrachten. Eines dieser Kinder sagte zu uns: „Ich wollte ich wäre reich, denn dann würde ich all den Straßenkindern Essen, Kleider, Medikamente, ein Dach über dem Kopf, Liebe und Zuneigung schenken." Wenn ein Straßenkind, das gar nichts hat, bereit wäre, zu teilen, warum sind wir, die wir doch alles haben, immer noch so gierig?
Ich kann nicht aufhören daran zu denken, dass diese Kinder in meinem Alter sind, dass es einen unglaublichen Unterschied macht, wo man geboren wird, und dass auch ich eines dieser Kinder sein könnte, die in den Favelas von Rio leben.
Ich könnte auch ein hungerndes Kind in Somalia sein, ein Kriegsopfer im Mittleren Osten oder ein Bettler in Indien. Ich bin nur ein Kind und doch weiß ich, was für ein wundervoller Ort diese Erde sein könnte, wenn all das Geld, das in Kriege gesteckt wird, dafür verwendet würde, die Armut zu beenden und Lösungen für unsere Umweltprobleme zu finden.
In der Schule, ja selbst im Kindergarten, bringt Ihr uns bei, wie wir uns in der Welt verhalten sollen. Ihr lehrt uns: nicht mit anderen zu kämpfen, gemeinsame Lösungen zu finden, andere zu respektieren, unseren Müll wegzuräumen, andere Lebewesen nicht zu verletzen, zu teilen – nicht gierig zu sein. Warum um alles in der Welt tut Ihr genau diese Dinge, die Ihr uns lehrt, nicht zu tun?
Vergesst nicht, warum Ihr solche Konferenzen besucht und für wen Ihr das tut – wir sind Eure Kinder. Ihr entscheidet, in was für einer Welt wir aufwachsen werden. Eltern sollten ihre Kinder beruhigen können, indem sie sagen „alles wird gut", „wir tun unser Bestes" und „das ist nicht das Ende der Welt". Ich denke jedoch nicht, dass Ihr das weiterhin zu uns sagen könnt. Stehen wir denn überhaupt noch auf Eurer Prioritätenliste?
Mein Vater sagt immer: „Du bist das was Du tust, nicht das was Du sagst". Nun, was Ihr tut, bringt mich in der Nacht zum Weinen. Ihr Erwachsenen sagt, dass Ihr uns liebt. Ich fordere Euch auf – bitte zeigt uns dies auch in Euren Handlungen!
Danke fürs Zuhören.

20 Jahre später sitzt Severn wieder in Rio. Eine erwachsene Frau, mit neuen Erkenntnissen und mit Erfahrungen, die ihr gezeigt haben - manches geht, manches geht nicht. Auch eine gute Rede - aber nüchterner, als ihr 12-jähriges Ich sie vorgetragen hat. Dennoch sehenswert. Viel Spaß!


Schöne Haut
Creme de la Creme




Wie versprochen stelle ich heute die ersten 3 meiner kosmetischen Lieblingsprodukte vor.

Grundsätzlich gilt für jede/n: Gesichtspflege ist keine Eintagsfliege und auch kein Monorail.
Man kann nicht mal was tun, mal nicht und man kann auch nicht für immer dasgleiche tun - so wird Kosmetik nie Ergebnisse erzielen. Unsere Haut hat nie frei - und sie verändert sich fortwährend.

Zu kosmetischer Gesichtspflege muss man sich bekennen, wie zu jeder anderen Lifestyle-Entscheidung auch. Öko, vegan, vegetarisch, sportlich aktiv, bewusst ernährt, Yoga usw. - das sind alles Trendentscheidungen, deren Ziel es ist, aus unseren paar Tagen auf diesem Planeten das Beste rauszuholen. Wenn wir das Beste für uns und unsere Haut wollen, dann muss man sich auch richtig dafür entscheiden. Nicht halbherzig.

Spätestens mit dem ersten Sonnenbrand wird jedem bewusst, dass die Haut eine angreifbare Fläche ist. Auch ohne Stürze und Schürfwunden kann sie von außen verletzt und irritiert werden. Wer dann zu Sonnenschutzcremes greift, hat seine erste Lektion gelernt. Wer diese aber nur sporadisch oder nur einmal an einem sonnigen Tag oder nur bis SPF 15 nimmt: Der hat seine Lektion gelernt, aber leider nichts begriffen.

Unsere Haut ist ein enorm belastbares, anpassungsfähiges, im Dauerstress befindliches Organ - sie ist wie ein Ausrufezeichen hinter dem Satz "Mein Leben ist ....". Haut lügt nicht. Jeder sieht uns an, wie es um uns steht. Dunkle Augenringe, fahle Haut, Schüppchen, Knitterfältchen, trockene Mundwinkel, hängende Lider, Tränensäcke, große Poren, strenge Mimikfalten, Pickelchen, Pusteln, Entzündungen usw.: Sie alle verraten unseren Mitmenschen, ob Vitalität in unserem Leben ein Zustand oder ein Wunschtraum ist.

Was tue ich für eine Haut mit positivem "Ausrufezeichen"?


Die Themen (richtige) Ernährung, Bewegung (Gesichtsgymnastik) und Schlaf hatte ich bereits hier erwähnt. Ohne ein gutes Leben > Keine gute Haut. Aber neben den "inneren Werten" zählen auch äußere. Meine Top 3 Lieblingskosmetikprodukte und was sie bewirken, teile ich jetzt mit euch.

ARGAN ÖL
Dies ist mein Fläschchen Argan Öl. Ich bestelle nach langem Suchen meine Produkte bei amazon.de, da das Zusenden aus den USA von dem Hersteller InstaNatural leider nicht funktioniert hat (bei mir wars wg dem Zoll).
Via amazon.de kommen die Produkte von InstaNatural in der Regel innerhalb von 3/4 Werktagen an.
Argan Öl liebe ich, weil es ein geruchsneutrales, sehr fluides Öl für Haut und Haare ist. Es beschwert nicht und kann in mini - Dosen verwendet werden. Einen erbensgroßen Tropfen auf den Zeigefinger geben und auf müder, trockener, fahler Haut auftragen: Voila! Schon fühlt sich die Haut glatter an und wirkt frischer. Schön ist, dass die Wirkung von Argan Öl nicht so vorübergehend ist, wie die anderer Kosmetika. Argan Öl verändert die Haut regelmäßig genommen nachhaltig. Schuppen, Verhornungen (in Form von harten, kleinen Pickelchen), verletzte Haut (Sonnenbrand!) werden positiv behandelt und verschwinden, das Haar wird gestärkt und Spliss wunderbar weggezaubert. Ich kann das bestätigen, da ich meine sehr trockenen Afrohaare durch Färben und Glätten besonders pflegen muss und das Argan Öl hilft, Spliss vorzubeugen. Meine Haare wachsen wunderbar, seit ich dieses Öl benutze. Und das trotz regelmäßiger Glättung. Argan Öl - insbesondere das reine, geruchsneutrale von InstaNatural - ist mein bester Freund im Kampf gegen Verletzungen, Trockenheit und Spliss.

AGE DEFYING & SKIN CLEARING SERUM

Dies ist mein Ampullenfläschen vom Age Defying & Skin Clearing Serum, ebenfalls vom Hersteller InstaNatural. Es gibt wenig Produkte, die überall im Internet so eine große positive Resonanz erzielen, wie dieses Serum. Ich verwende es morgens und abends nach der Reinigung, trage es per Pipette auf (Stirn, Wange - Wange, Kinn) und verteile es, was sehr leicht geht, da es samtig und fließend ist. Mehr als die 4 (größeren) Tropfen benötige ich nicht. Begonnen habe ich mit diesem Wundermittel wegen der Probleme, die die Umstellung von "künstlichen Hormonen" zu "eigene Hormone" mit sich bringen. Meine seitdem krass entwickelte Mischhaut ist wieder unter Kontrolle, mein Gesicht ist nicht mehr übersät mit Pickeln, die vereinzelten Hautunreinheiten verschwinden und verblassen schneller (bei farbiger Haut, wie meiner, entstehen von Pickeln - ob berührt oder nicht - oft dunkle Pigmentflecken die früher ca. 3 Monate brauchten, um ganz zu verschwinden: Mit diesem Serum dauerts knapp eine Woche!) und meine Haut ist unglaublich glatt und sieht frisch und "jugendlich" aus. Ich bin super begeistert von diesem Serum, es ist sehr ergiebig und unglaublich wirksam. Durch den hohen Retinol-Anteil (Retinol wirkt fast, wie ein chemisches Peeling - demnach schuppt die Haut insbesondere bei Erstanwenderinnen mit Sicherheit) erneuert sich die Haut tatsächlich schnell und man sieht einfach rundum erholt aus. Erstanwenderinnen sollten es nicht täglich nehmen, so wie ich, sondern jeden zweiten Abend UNTER der Pflegecreme/Nachtcreme. Wenn die Haut nicht zu stark schuppt, kann man auf jeden Abend switchen, und wenn man das gut verträgt, kann man das Serum ruhig 2x täglich nehmen. Wenn es ein Produkt in meinem Leben mit Priorität gibt, dann ist es dieses hier! Einfach unersetzlich! Probiert es aus (gibt es auch bei amazon.de).

ADVANCED ACTION RETINOL MOISTURIZER

Dies ist meine Gesichtspflegecreme, ich verwende sie jeden Morgen und Abend über dem Serum von InstaNatural. Die Advanced Action Retinol Creme hatte ich schon ein paar Monate vor dem Serum entdeckt und sehr zu schätzen gelernt. Wichtig für mich: Die Creme ist perfekt unter Make-Up benutzbar. Außerdem zieht sie so gut ein, dass man mit einer Sonnenschutzcreme toppen kann, was wichtig ist, da in dieser Creme auch Alpha Hydroxid Säure enthalten ist, die mit UV-Licht reagiert und so u.U. zu Pigmentstörungen führen kann! Tagsüber darf im Sommer also kein UV-Schutz fehlen (sollte sowieso nicht!). Dank dieser Creme habe ich auch schon immer Sommer keine Probleme mit fettigen Stellen hier und trockenen Stellen da gehabt, sie hat die Haut schön ausgeglichen. Sie sorgt auch nicht für Pickelchen und lässt Pigmentflecken langsam aber dafür deutlich verblassen. Sie kann feine Linien und Hautreizungen beheben und sorgt definitiv für ein insgesamt frisches, glatteres Aussehen.
Nachdem ich viele, viele, viele (!) Pflegecremes ausprobiert habe, ist diese definitiv momentan meine allerliebste. Ich kann sie jedem uneingeschränkt weiterempfehlen!

Natürlich sind diese 3 Kosmetikprodukte nicht die einzigen Kosmetika, die ich verwende.
Womit ich mein Gesicht reinige, wie ich Make-Up und Mascara entferne, warum ich jeden Abend ein (ganz tolles) Aloe Vera Gel verwende: Das und mehr erzähle ich euch in den nächsten "Schöne Haut" - Beiträgen. Zu guter Letzt werde ich außerdem meine Nahrungsergänzungsmittel vorstellen, die ich täglich nehme.

Falls euch das alles auch so interessiert, wie mich: Dürft ihr gespannt bleiben ;-)


Mittwoch, 25. November 2015

Body Hacks
Es ist nicht deine Figur: Es ist die Hose!



Es gibt Tipps und es gibt TIPPS!

Diese hier zähle ich zu den besten, die ich seit langem über perfekte Outfits gesehen habe.
Die amerikanische Bloggerin mit ihrem Blog graspingforobjectivity (nach Objektivität suchen) beschäftigt sich in ihrem Blog mit ihrem Leben in Birmingham, Alabama - sie ist Fotografin, Mutter zweier Kinder und verheiratet. Und sie hat die beste argumentative Begründung in Form einer Fotoliste, anhand derer sie belegt, warum wir in manchen Hosen total daneben (und unter Umständen viel dicker) aussehen, und warum in anderen nicht.

Hier geht es zu der formidablen "Fitting List" - und eine exta Seite für Plusgrößen gibt es auch!

Tolle Idee - und vielen Dank, das wird mein Kaufverhalten definitiv positiv beeinflussen!

Kind(Er-)Kenntnis
Frau Einhorn und Frau Pfau lieben sich



Wenn man in einer Stadt wie Berlin aufwächst, sind Themen wie "Genderidentität" und "Regenbogenfamilien" gelebter Alltag. Das beginnt bei dem Kind in der Kitagruppe deines Kindes, das seit es sprechen kann, weiß "Ich bin ein Mädchen" - obwohl es ein Junge "ist".  Es gibt Elternpaare, da gibt es keine "echten" Papas beziehungsweise "echten" Mamas.
Auf Grund der Allgegenwart all dieser Themen verwundert es nicht, wenn man mit dem eigenen Nachwuchs hin und wieder diesbezüglich kritische Fragen gemeinsam durchdenken muss.

Etwa die Frage, ob besagter Kitafreund ein Junge oder ein Mädchen ist.
"Das kann man sich heute aussuchen, wir sind da nicht mehr so streng."
"Aber er IST ein Junge."
"Ja, aber er WILL kein Junge sein."
"Ich will fliegen."
"Das geht leider noch nicht."
[...]

Manchmal geht es auch um Same-Sex-Ehe.
"Mama - wenn ich groß bin, heirate ich dich."
"Ha - das geht nicht. Ich habe doch schon Papa geheiratet. Außerdem bin ich ja ganz alt, wenn du groß bist. Du willst doch keine Oma heiraten."
"Nein.....na gut.....darf ich dann eine andere Frau heiraten, oder bist du dann böse?"
"Du darfst heiraten, wer dich glücklich macht."
"Auch eine Frau?"
"Ja, auch eine Frau."
"Und wenn die Frau böse ist?"
[...]

Und heute ging es um unmögliche Paare. Meine Tochter setzte sich mit viel Inbrunst für ihr "unmögliches" Paar ein.

Beim Playmobil spielen:
- "Frau Einhorn und Frau Pfau lieben sich."
- "Aber das geht nicht. Sie können nicht zusammen sein."
- "Warum könnt ihr das nicht verstehen, wenn sie sich lieben, lieben sie sich!"
- "Aber sie ist ein Einhorn und sie ein Pfau. Sie werden nie zusammen sein!"
- "Doch, sie lieben sich. Sie dürfen zusammen sein, Ihr könnt sie nicht zwingen."
[...]

Ja - das Leben in Berlin. Macht aus unseren Kindern weltoffene, liberale(re) und tolerante(re) Menschen. Ich freue mich: Vor allem für Frau Einhorn und Frau Pfau!

PhiloJune
"...und das ist auch gut so". Eine Lüge, die uns nicht wirklich hilft

Immer wieder liest man von tapferen Menschen und ihren Schicksalen. Davon, wie sie das Leben meistern, trotz aller angeborenen oder hinzugekommenen Tiefen und Herausforderungen. Gern fügen diese Menschen dem Statement "Ich habe/ Ich bin...." den Halbsatz "...und das ist auch gut so" an. Ich frage mich, warum. Ich bezweifle, dass sie das wirklich so meinen.

Ein Beispiel: Hier schreibt eine junge Mutter von zwei Kindern darüber, wie sie ihr Leben als Multiple Sklerose Erkrankte meistert. "Und das ist auch gut so", stellt sie für die Leser fest. Ich finde es toll, wenn man es schafft, Alltag herzustellen - unter allen Umständen. So wie manche Familien im Kriegsgebiet leben und Kinder zwischen zerbombten Häuserzeilen spielen. Aber ist das "auch gut so", oder ist das das Quäntchen Lüge, was wir brauchen, um durchzuhalten?

Ich - als Beispiel - hatte einen Mammatumor in der linken Brust. Mit 27 Jahren. Ich habe das alles durchgestanden, alle Ängste und Sorgen, habe mein Leben und meine Ernährung umgekrempelt, mich "gesundheitlich aufgepeppt", eine OP erlebt und die Prognose geschluckt, sowas jetzt öfter zu bekommen. Ich bin eine junge Frau, die regelmäßig zur Krebsdiagnose gehen muss, weil meine Krankheitsgeschichte und meine Familiengeschichte sagen: Die kann Brustkrebs kriegen. "Und das ist gut so".

NEIN!

Ist es gar nicht. Es ist scheiße!
Ich lebe trotzdem mein Leben. So wie die meisten Menschen ihr Leben leben und Alltag haben. Und ich bin stolz auf alles, das ich meistere. Und ich bin stolz, dass ich so wie die Multiple Sklerose Mama schaffe, trotz zweier neuer Knoten in meiner linken Brust und einer von nun an lebenslangen Habachtstellung entspannt zu bleiben. Ich nehme auch viele Tabletten, aus Vorsorgegründen. Alles Nahrungsergänzungsmittel. Gott sei Dank bin ich noch nicht krank. Und wenn meine Tochter mich eines Tages fragt, warum ich so viele Tabletten nehme, dann werde ich ihr sagen "Weil ich so lange wie möglich so gesund wie möglich sein will - und die helfen dabei". Und das ist alles gut - aber es ist nicht gut so!

Ich wünschte, ich hätte kein krebswuchriges Damoklesschwert über meinem Kopf schaukeln. Die Familien im Gazastreifen wünschten, sie lebten nicht im Gazastreifen. Und die MS- Mama wünschte in Wirklichkeit auch, sie hätte kein MS.

Aber so ist das Leben. Und einzig und allein, dass wir es so annehmen, wie es ist  - ist gut so!

P.S. Dies ist nur eines der Bücher, die ich empfehlen kann in puncto Krebsvorsorge durch Ernährung. Ich glaube nicht, dass ich verhindern kann an Krebs zu erkranken. Aber ich sehe das so: Wenn meine Gesundheit einen Kontostand hätte, dann zahle ich jetzt in den fetten Jahren richtig viel rein. Ohne Abhebungen. Sollte ich dann irgendwann ernsthaft erkranken, hoffe ich, dass mein Konto wegen dieser Vorsorge niemals ins Minus läuft. Meine Gesundheit möge immer "gedeckt" sein.

Freitag, 20. November 2015

Schöne Haut

Maskiert & zu allen Schandtaten bereit ;-)

Als Kosmetikerin lernt man eine Menge über den Aufbau der Haut, über die Funktionen der Schichten und ihrer Bestandteile und - vor allem - darüber, weshalb man als Kosmetikerin ab spätestens 30 regelmäßig von Kundinnen frequentiert wird.
Ab 30 baut die Haut spürbar ab.

Ich habe erste Veränderungen ein paar Monate nach meinem 28. Geburtstag gemerkt, inzwischen sind sie eindeutig:

Offenbar halten meine elastinen Fasern nicht mehr alles ordentlich an Ort und Stelle, meine Gesichtsmuskulatur ist nicht mehr so stark und zugfähig wie früher, sprich ich bekomme Nasolabialfalten und Tränensäcke, und zu allem Überfluss habe ich nach Absetzen von Hormonen zur Verhütung seit Sommer auch noch schlechte Haut, wie ein Teenager.

Versucht habe ich eine Menge, hier eine Auflistung all der Dinge, die eindeutig Verbesserungen gebracht haben.

1. Gesichtsmuskeltraining
Ich bin ein großer Fan von körperlicher Betätigung und Muskeltraining. Weil ich den körperlichen Unterschied zwischen trainierten und untrainierten Menschen unleugbar finde, fand ich das Argument der Face-Exercise-Philosophie überzeugend. Und mein müdes, spannungsloses Gesicht ist mir echt in den letzten Wochen auf die Nerven gegangen. Also hab ich rumgegoogelt und zwei Bücher nebst einigen Videos bei Youtube gefunden. Ein Buch möchte ich hier empfehlen - JA, sogar mein Mann hat nach nur 3 Wochen Training bemerkt, dass ich wieder jünger aussehe. Und vitaler. Das finde ich auch - ich bin sehr glücklich mit dieser Entdeckung und werde das Training versuchen täglich durchzuführen.



Grundlage des Buches sind mit Sicherheit Trainings von Carole Maggio, die soweit ich weiß das Facercise in seiner heutigen Form erfunden hat. Es geht ja nicht darum, die Uhr zurückzudrehen - sondern bestmöglich auszusehen: Und das, finde ich, kann man definitiv mit dieser Methode erreichen. Es macht einfach Sinn & ICH sehe schon erste Ergebnisse!

2. Rohkost/ Smoothies
Immer wenn mein Mann nicht da ist, koche ich nicht. Ich selbst habe gar keinen großen Hunger, ich bin ein "social eater". Im Sommer, als meine Haut nach Absetzen der hormonellen Verhütung so besonders schlimm war, habe ich aus Lust und Laune 1 Woche lang meinen Morgen mit einem selbstgemachten Smoothie begonnen und den Tag am Abend mit einem Smoothie ausklingen lassen. Abgesehen davon, dass ich blitzartig schlanker wurde und fast so aussah, wie mit 24 vor der Schwangerschaft, war meine Haut ein Traum! Um ehrlich zu sein, jetzt wo ich drüber nachdenke, werde ich definitiv den inneren Schweinehund bezwingen und wieder damit anfangen. Aufrecht gehalten habe ich die Smoothiesache knapp 2 Wochen, danach konnte ich einfach keine mehr sehen. Aber der Effekt war grandios, und da ich grad auf einem "Mein bestes Ich rausholen" - Tripp bin, muss ich mit den Rohkostsmoothies wieder anfangen.

Meine Lieblingszutaten mixen euch DIESEN Smoothie




1 - Banane (unreif geht auch, 1/2 Banane spart ein paar Kalorien)
1 - große Birne oder 1 - großer Apfel
1 - Tasse Spinatblätter
1 - Tasse Romanosalatblätter 
Zitronensaft (2 Zitronen auspressen)
Honig für Süße (ich benutze 1 EL)
1 - Tasse kaltes Wasser


3. Schlaf
Ja - das sagt sich so leicht, ich weiß! Mein Mann und ich haben die Abendstunden, um endlich mal zu reden und so etwas wie ein Paargefühl aufzubauen. Je länger die Kids mit nicht gemachten Hausaufgaben, Ausgehstress oder Nicht-Einschlafen-Können nerven, desto mehr Zeit geht von "unserer" Zeit verloren. Wir schaffen es in der Regel nicht, vor 2 Uhr morgens ins Bett zu kriechen.
Weil wir solange eben brauchen, um gemeinsam abzuschalten, uns auszutauschen, uns gegenseitig Dinge zu zeigen oder vorzulesen und vielleicht sogar noch eine Folge von irgendeiner Serie zu gucken. Oder mal einen Film. Paarzeit kommt einfach sehr kurz.
Wenn man dann noch - für die Schönheit - früher ins Bett gehen will, ist man der Paar-Asi. Der eine will vielleicht noch schön Reden oder einen Film gucken, der andere muss seiner Müdigkeit den Vorrang einräumen und schon um 22 Uhr ins Bett. Klingt nicht besonders machbar.
Aber dennoch: Irgendwie muss man dafür sorgen, dass man ausgeschlafen und somit ausgeruht ist.
Also: Gemeinsam früher ins Bett gehen...und da bis zum nächsten Morgen bleiben.
Ich mache alles: Mal gehe ich früher ins Bett, mal erzwinge ich ein gemeinsames "früher ins Bett" gehen - mal bleibe ich länger wach. Ich versuche meinem Körper Ruhe zu schenken - auch wenn sich das nicht immer sehr "social" anfühlt.

Das sind meine Essentials! Sozusagen die 3 Kochrezepte, die meines Erachtens am wichtigsten sind. Aber als Kosmetikerin geht natürlich nichts ohne Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel - nur helfen die nicht SO signifikant bei Hautproblemen, wie Ausgeruhtsein, Fitness und Ernährung.
Nächstes Mal stelle ich hier meine Lieblingskosmetikprodukte und die - meines Erachtens - sinnvollsten Nahrungsergänzungsmittel vor.  

Eine Regel steht natürlich über allem, weshalb ich jetzt auch mal den Mixer anschmeißen werde:
Disziplin und Konsequenz führen zum Ziel, Schludrigkeit und "Mal Hü mal Hott" nicht.
Also Mädels: Dranbleiben!

Donnerstag, 19. November 2015

Mein Trivial Pursuit
Warum dein Kind KEIN Terrorist ist

Immer wieder wird diskutiert, welche Ingredientien notwendig sind, um aus einem Menschen einen Mörder zu machen. Im aktuellen Weltgeschehen interessiert uns nicht schlicht "der Mörder", sondern der Terrorist. Wieso tötet er? Und wieso tötet er am Ende nicht selten sogar sich selbst?

Nehmen wir das Argument "Lebensumstände", meist verkürzt auf die Aspekte Armut und Bildung. Wenn das die einzigen Zutaten wären, um Terror zu rechtfertigen, würde die Flüchtlingswelle aus Syrien keinen Sinn machen. Viele Menschen aus einfachen Verhältnissen kommen zu uns, darunter Männer und Frauen, die keine Ausbildung genossen haben oder deren schulische Laufbahn sehr kurz war. Zuwanderer aus der Türkei, aus dem Senegal, aus Somalia etc. - bei vielen gehören Armut und ein geringer Bildungsgrad zu ihrer Realität.
Warum werden sie dann nicht alle Terroristen? Warum fliehen die jungen Männer, statt zu den "Rebellen" zu gehen, wie die Terroristen fälschlicher Weise aufgewertet werden? Sie könnten doch auch Kämpfen für eine andere Welt, für andere Lebensumstände. Sind sie feige?
Umgekehrt müsste eine Vielzahl von aktiven Terroristen enorm einfach gestrickt sein, ohne eine tiefgreifende Form von Alphabetisierung erfahren zu haben. Tatsächlich sind die Terroristen der Anschläge, die die westliche Welt erreichen, das Gegenteil: Hochgebildet, kommen sie aus der oberen Mittelschicht und kennen Armut und Ungerechtigkeit zum Teil nur von Erzählungen oder Urlauben in ihren Herkunftsländern, nicht aber aus ihrer Heimat (USA, Deutschland, Frankreich, Belgien usw.). Demnach machen Geld und Bildung uns nicht per se zu besseren Menschen.

Was ist es dann?


Ein fester Wertekanon! Wenn ich feste Werte habe, stehen diese über meinen Gefühlen. Egal wie religiös ich fühle und bin, wenn jemand meinen Glauben beleidigt, töte ich ihn nicht. Denn das Leben eines Menschen hat für mich einen noch viel höheren Stellenwert als die Anerkennung und Ehrfurcht gegenüber meiner Religion. Wenn mein moralischer Kompass funktioniert, dann treibt mich Hunger nicht mit Macheten bewaffnet durch die Nachbarschaft. Denn vergewaltige ich niemanden, selbst wenn ich es schwer habe, einen Partner für meine sexuellen Bedürfnisse zu finden. Dann lüge ich nicht, um mir einen Vorteil zu verschaffen. Dann gehe ich nicht über Leichen.
Nein - denn mein Wertekanon ist ein unfehlbarer Kompass und mich von ihm leiten zu lassen hat mich auf lange Sicht noch nie in die Irre geführt.
Indem wir gelernt haben, dass unsere temporären Gefühle nicht entscheiden dürfen über unsere Handlungen (und deren Konsequenzen), haben wir auch gelernt keine Terroristen zu sein!

Terrorismus erscheint nicht nur auf den ersten Blick sinnlos und egoistisch. Er ist es, egal wie oft man ihn sich anschaut. Er ist das extreme Wutgefühl eines unbändigen Kindes, dem alles egal ist. Junge Menschen sind Terroristen, weil sie keine Werte verinnerlicht haben. Weil sie gelernt haben, dass sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen müssen oder dürfen.
Ein Terrorist hat die Kontrolle über sich selbst verloren. Er ist Opfer seiner Gefühle, die ihn so leiten, wie die Gefühle ein Baby. Er schreit, brüllt, schießt. Er fühlt sich erwachsen, weil er Macht demonstrieren kann, weil er für einen Moment Macht hat, aber in Wirklichkeit ist er ein Kind, das die Werte einer funktionierenden Gemeinschaft nicht verinnerlicht hat.

Wenn dein Kind gelernt hat, dass seine Bedürfnisse keine Priorität haben, sondern nur situativ Vorrang gewährt werden kann, und es trotzdem weiß, dass es deshalb nicht unwichtig oder ungeliebt ist, dann wird es kein Terrorist. Nicht ein solcher, wie wir ihn aus dem Fernsehen und dem Kino kennen, und auch nicht ein solcher, wie ihn Michael Winterhoff in seiner 3er Buchreihe über Kinder als Tyrannen [Buch 1: "Warum unsere Kinder Tyrannen werden"] beschreibt. Ein kindlicher Tyrann und ein erwachsener Terrorist sind sich in vielen Eigenschaften ähnlich. Was sie vor allem vereint ist, dass sie keine Beziehung zu Menschen (bzw zu ihrer Gemeinschaft) herstellen können, in der ihre Bedürfnisse nicht permanent bzw. "optimal" befriedigt werden. Sie tun Dinge, die einen großen Effekt haben, ohne über Nachhaltigkeit oder Konsequenzen nachzudenken.

Wir sollten im Umgang mit unseren Kindern stets unsere Werte heiligen, tatsächlich nach ihnen leben und auch formulieren, wenn wir sie über unsere Bedürfnisse stellen. Etwa "Ich habe jetzt auch keine Lust zur Arbeit zu gehen, aber das ist nunmal meine Aufgabe - und deine Aufgabe ist es zur Schule zu gehen", oder "Ich will auch nicht immer aufräumen und würde lieber tun, worauf ich Lust habe, aber ich finde es wichtig, dass wir uns zu Hause alle wohl fühlen, und das geht nur, wenn es hier einigermaßen aufgeräumt ist". Ein Kind, das die Werte seiner Eltern und seiner Umwelt verinnerlicht hat, hat gelernt seine Gefühle zurückzustellen, wenn wichtige Werte Priorität haben (zB "Mama hat Kopfschmerzen, ich nehme Rücksicht und lasse sie heute in Ruhe" - oder "Papa ist müde von der Arbeit, ich lasse ihn erstmal ausruhen").

Und DAS ist der Grund, weshalb nicht alle Menschen, die in widrigen Umständen leben, Terroristen werden: Weil ihr Kompass funktioniert! Und DAS ist der Grund, weshalb dein Kind KEIN Terrorist wird: Weil du mit Sicherheit ein paar gute Werte in ihm verankerst, und wenn es "nur" die Achtung vor anderem Leben ist!




Montag, 16. November 2015

Social Hack: Streit - Wie du mir, so ich dir


Jeder streitet anders. 

Und deshalb dauern viele Streits länger als nötig. Meine These: Benutze die gleichen Mittel des anderen im Konflikt, und er ist schneller beigelegt.

Der Brüller
Es gibt Leute, die werden unglaublich laut im Streit.
Wenn man nicht so drauf ist, stört einen das sehr. Man würde nie so laut sein.
Dann schweigt man vielleicht oder redet betont leise.
Das wiederum könnte den Schreier provozieren. Er versteht nicht "Ich schreie nicht", sondern "Ich schreie nicht mit dir" - ja, auch Schreien kann Teamwork sein. 

Woran man merkt, ob man auch mal laut werden sollte und kann?
Wenn man es einmal probiert und es den anderen a) entweder überhaupt nicht stört oder b) er wieder ruhiger wird.
Achtung: Hier geht es nicht um Inhalte - nur um die Art, wie man sich streitet!


Der Schweiger
Es gibt Leute, die kriegen einfach den Mund nicht auf. Sie gucken einen nur an.
Sie wollen auch nichts sagen. Vielleicht, weil sie nicht eloquent sind im Streit. Oder weil sie Worte für verletzendere Waffen halten, als Taten. Alles Reden hat bei diesen Leuten keinen Sinn. Sie hören sich alles an - und sagen nichts. Wenn man mit dieser Klientel einen Konflikt lösen möchte, sollte man ihn einmal ansprechen - und dann auch schweigen. Wer nichts sagt, der handelt. Beobachtet man den anderen, wird man ja sehen, was er tut. Rückzug? Schmollen? Oder plötzlich nette kleine Gesten, größere Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeiten? Manch einer arbeitet mit Taten, wo Worte für ihn nicht funktionieren. Das sollte man annehmen - und wenn es angebracht ist und geht, immitieren. Das löst den "Rechtfertigungssstress" und den "Predigtenstress", der sich unter Umständen aufbaut.

Auch hier gilt: Die Inhalte des Konflikts entscheiden natürlich, wie er verläuft - nur das Verhalten im Streit zu kopieren, kann helfen, den Streit zu ent-intensivieren. Die Dramatik rausnehmen. 

Der Beleidiger
"Du bist so erbärmlich" - "Das verstehst du vermutlich auch nicht" - "Bist du so schwer von Begriff?" - und andere Beleidigungen können einen Konflikt mit jemandem, der sich Worte sehr zu Herzen nimmt, massiv verschärfen. Statt aber ins Schweigen zu gehen, beleidigt zu sein und sich zurückzuziehen (als Beispiel), sollte man es mal mit einer Retourkutsche versuchen. "Du bist doch selber erbärmlich" - "Du verstehst ja wohl auch nur Bahnhof" - "Du bist doch schwer von Begriff". Ein Ping-Pong aus Verbalangriffen, ohne Steigerungsformen, einfach nur eins zu eins zurückgeben, was bei einem im Spielfeld gelandet ist. Man merkt, dass man es mit einem Beleidiger aus Prinzip zu tun hat, wenn a) das zurückbeleidigen einem ausnahmslos verziehen wird und b) die Beleidigungen unter Umständen nach ein paar Schlagabtauschen aufhören und es plötzlich wieder konstruktiv wird.

Der Dealer
Es gibt Menschen, die ständig mit einem verhandeln. Die nur soweit gehen, wie der Deal reicht. Wen das stört, der sollte statt sich abzuwenden, dieses Verhaltensmuster nutzen. Und sich besonders gute und solide Deals überlegen. Nachhaltige. Der Dealer wird sonst immer nur sehen, dass er lauter Angebote macht und "du" auf keines eingehen willst. Für ihn ist jedes Angebot ein "Kompromiss"; auch wenn er den Sinn und Inhalt eines Kompromisses mitnichten verstanden hat oder beherzigt. Aber mit Sicherheit ist ein Konflikt mit dem Dealer schnell beigelegt, wenn man mitmacht - und nicht auf seinen Deal eingeht, sondern auf einen wirklich guten!

Der Bündnisse-Schmieder
Manche nennen sie intrigant: Die Bündnis-Schmieder. Aber unter Umständen sind sie nicht intrigant, sondern glauben eben mehr an die Macht anderer, als an ihre eigene. Vielleicht, weil sie sich selbst auch nicht von nur einer Person beeinflussen lassen. Erst, wenn "die kritische Masse Involvierter" erreicht ist, werden sie handlungsfähig. Können sie den Konflikt lösen. Vor der Lösung steht beim Bündnisse-Schmieder also immer, andere Menschen zu involvieren und hinter sich zu vereinen. Auch wenn man kein Freund von öffentlicher Konfliktbewältigung ist, reicht es ja vielleicht, wenn man seinen besten Freund, seine Eltern oder irgendjemanden, der üblicher Weise auf der Seite des anderen steht (ein wichtiger "Obmann") involviert. Das darf man nicht als Spielchen-spielen verstehen: Es ist einfach die Art, wie der Bündnis-Mensch an Probleme herangeht.

Der Botschafter
Briefe von Dritten, Anrufe von Freunden, Nachrichten gespickt mit "Petra hat auch gesagt..." - "Meine Mutter findet, dass...." - "Alle haben mir bestätigt": Der Botschafter übermittelt im Konflikt gern die Worte anderer, statt eigener. Wenn ein anderer besonders krass formuliert hat, kann der Botschafter das mitteilen ohne sich für die Worte verantwortlich zu fühlen, denn er hat sie ja nur übermittelt und nicht selbst erdacht. Auch Lösungsansätze kommen oft von anderen Menschen, als vom Botschafter selbst. Da der Botschafter also nicht nur in den Worten anderer spricht, sondern auch nach den Vorschlägen anderer handelt, kann man Konflikte mit ihm bestimmt schneller beilegen, wenn man ebenfalls in Botschaften spricht, sich Drittmeinungen einholt ("Juristen sagen", "Fachärzte meinen", "Meine Kollegen finden"...) und ebenfalls Vorschläge von anderen zur Lösungsfindung bringt ("Normaler Weise macht man dann XY, das haben mir alle Erzieher bestätigt"). Der Botschafter kann oder will keine eigenen Beiträge liefern, deshalb kann oder/und will er eben auch keine "selbstgemachten" Beiträge ohne Weiteres akzeptieren. Das im Hinterkopf behaltend, können Konflikte mit Botschaftern mit Sicherheit gut beendet werden. 

Der Analytiker
Es gibt Menschen, die am liebsten Zahlen, Fachartikel oder Berichte nutzen, um sich im Konflikt Gehör zu verschaffen. Tatsächlich kann ein Konflikt mit solchen Menschen ausufern, wenn man sich auf eine "Faktenschlacht" einlässt, denn die sind ja bekanntlich unendlich vorhanden. Um einen Konflikt mit ihm schneller beizulegen, macht es deshalb Sinn, selbst Fakten zu schaffen und sich dabei auf Studien etc. zu berufen. Widerspruch ist zwecklos, denn man entspricht ja den Fakten - und da es ja kaum noch Präzedenzfälle auf der Welt gibt, wird es meistens auch schon irgendwo da draußen einen Fachartikel mit der situations-entsprechenden Lösung geben. Also Fakten schaffen und schon mit der entsprechenden Lösung wedeln. Kann den ein oder anderen Analytiker-Konflikt enorm verkürzen.

Der Dogmatiker
Schwieriger Kandidat: Ein Mensch, der nie von seinem Standpunkt abweicht. Ein Mensch, der immer Recht behält und andere Ansichten niemals annimmt. Einen Konflikt mit diesem Menschen kann man vermutlich nicht lösen. Aber man kann ihn entschärfen und gegebenenfalls dafür sorgen, dass dieser Konflikt nie wieder aufkommt. Denn ein Dogmatiker hält sich strikt an seine inneren Gesetze und Regeln. Das beste Mittel wird demnach vermutlich sein, ein neues Gesetz, ein neues Dogma gemeinsam zu entwickeln - denn dauernd streiten will der Dogmatiker sicherlich nicht. Er kann ja nichts dafür, dass "dich" seine Ansichten so stören. Also findet man am besten ein Dogma, an das man sich halten kann - ein für alle Mal. "Darüber reden wir nicht mehr". "Gut, dann entscheide ich das in Zukunft immer." - "Wenn du A machst, dann darf ich in Zukunft aber auch immer B machen". 
Mit großer Sicherheit sind Dogmatiker-Konflikte so zu entschärfen.

Ist eine These - aber ich glaube, es kann funktionieren! 



 
Foto von RyanMcGuire von Gratisographie

  

Samstag, 14. November 2015

Mein Trivial Pursuit
Terror in Paris: Ein Aufruf

Nur das Gute wird uns gegen den Hass helfen!
Paris: We pray for you!


Ich kann die ganzen Kommentare und Meinungen nicht mehr lesen, in denen den USA oder anderen "Westmächten", die in ihrem "Luxus leben" und sich "einen Scheiß für das Leid der Menschen" interessieren, die Schuld an sämtlichen Terrorakten in der Welt gegeben wird.

Wisst ihr was? Es gibt millionenfach Menschen auf der Welt, die auf Grund politischer, kultureller oder gesellschaftlicher Umstände in Armut leben, oder ohne große Perspektiven, oder in ständiger Not ET CETERA. Diese Millionen Menschen gehen aber nicht aufeinander los und töten sich. Sie lassen sich nicht manipulieren, nein: sie sterben, weil sie sich nicht manipulieren lassen wollen. Weil sie - allen Umständen zu Trotz - Mensch bleiben!

Es sind nicht die "bösen Großen" die Schuld sind - höchstens mitverantwortlich - sondern verantwortlich sind die Menschen, die sich gegen das Leben versündigen! Und das obwohl ihre Nachbarn, ihre Eltern, ihre Brüder und Schwestern, ALLE die in der gleichen Situation leben, sich für das Leben entscheiden. (Und mal ehrlich, wo kommen denn die meisten uns bekannten Attentäter her? Richtig: Von der UNI!!!)
Macht macht Menschen nicht zu bösen Menschen,
Angst macht Menschen nicht zu bösen Menschen,
Armut macht Menschen nicht zu bösen Menschen,
auch Unbildung,
Analphabetismus,
nicht einmal Gefangenschaft oder der Tod eines geliebten Menschen,
nicht einmal der eigene Tod macht aus Menschen böse Menschen!

Nein:
Wahnsinn!
Egoismus!
Empathielosigkeit!
Feigheit!
Skrupellosigkeit!
Hass!
Überheblichkeit!
Arroganz! (soll ich fortfahren?)
machen einen Menschen böse- und zwar alle Eigenschaften zusammen!

Viele Attentäter, Terroristen oder diejenigen, die solche finanzieren und ausbilden, kennen Armut und ein hartes Leben genauso nur aus dem Fernsehen, wie du und ich. Sie sind einfach BÖSE und HASSERFÜLLT - und wenn wir anfangen, Feindbilder zu schüren (zum Beispiel die USA oder "Westmächte"), dann sind wir ganz nah an dem Gefühlsleben dieser Scheusale dran. Ganz ganz nah

Wer Schuldige sucht, wird immer Urteile fällen - wie viel fehlt, bis aus ihnen Todes-Urteile werden?

Wer wirklich findet, dass das größte Unheil der Welt "von außen" kommt, der spinnt total.

Der verachtet und ignoriert all die mutigen, selbstlosen, moralisch-sauberen Menschen, die sich eher auf offener Straße köpfen oder erschießen lassen, als mit Barbaren und Wahnsinnigen auf Raubzug zu gehen! 

Wer Armut die Schuld gibt, gibt Armen die Schuld!
Wer Unbildung die Schuld gibt, gibt Ungebildeten die Schuld!
Wer Hunger die Schuld gibt, gibt Hungrigen die Schuld!

Beleidigt nicht die Menschen, die all das Elend ihres Lebens und ihrer Generationen schultern und tapfer bis zum Ende tragen, nur weil einige aus ihren Reihen treten, um wie wilde Tiere über die Menschen (und das Menschliche) herzufallen!
Es gibt GUTE Menschen - und es gibt BÖSE Menschen.

Man wird ihnen NICHT Herr, in dem wir uns mit all den Hass-schürenden Terrormilizen in eine Reihe stellen und ebenfalls anfangen, überall Schuldige zu suchen. 

Seid ihr empört? Seid ihr verletzt? Seid ihr wütend?
Dann HELFT denen, die zu uns kommen, die fliehen vor den Raubtieren!
Helft wo ihr könnt den Guten Gutes zu geben. Helft, indem ihr nicht weiter Hass und Torheiten schürt, sondern indem ihr eure Energie und eure Klugheit in das Gute investiert. 
Und JA dazu gehört auch ein einfaches, kleines "I hope you have a nice day" zu posten. Bei Facebook & Co. Warum? Weil es vielleicht den einen unter euch aufmuntert, der nichts anderes als diese Worte gebraucht hat, um heute weiterzumachen!
Bleibt positiv und hört nicht auf das Gute zu teilen! 

Und BITTE hört auf mit dem ganzen Gerufe, wer alles Schuld ist!
Die USA, Frankreich,Großbritannien, Deutschland - jede Regierung auf der Welt - muss harte Entscheidungen fällen, grade in diesen Zeiten. Dass sie nicht immer gute, richtige, nachhaltige oder moralisch einwandfreie Entscheidungen fällen, ist sicher wahr. Wahr ist aber auch, dass niemand von uns bessere, richtigere, nachhaltigere oder moralischere Entscheidungen fällen könnte. 
Warum? Weil sich auch nur anzumaßen ein besserer, klügerer, perfekterer oder weiserer Mensch zu sein, als die vielen einstmals idealistischen, leidenschaftlichen, klugen und kreativen Köpfe, die Präsidenten, Kanzler und Primeminister geworden sind, die dümmste und arroganteste Einbildung seit langem wäre! 
Und Dummheit und Arroganz sind Fortbewegungsmittel, die meistens in eine Sackgasse führen....

So -
Es sind Menschen gestorben! Es ist überhaupt nicht unmoralisch, dass uns das in Paris betroffener macht, als in Timbuktu. Wenn meine Tante stirbt macht mich das auch betroffener, als wenn eine Tante in Timbuktu stirbt. Wenn ein Haus in meinem Land explodiert, macht mich das betroffener, als wenn ein Haus in Timbuktu explodiert. Es ist RICHTIG und NORMAL und MENSCHLICH jetzt, als Europäer, als Europa-reisender, als Tourist, als MENSCH - jetzt besonders betroffen zu sein, vielleicht auch länger, als wenn irgendwo in einer uns sehr fremden Welt dasgleiche passiert.
Fühlt euch betroffen. Fühlt den Schmerz und die Angst.
Und beginnt das Gute zu teilen! Hört niemals damit auf! 
Wir wissen nicht, welchem Menschen wir damit helfen! 
Das Gute und das Böse können anstecken - seid die bessere Epidemie!!!

Donnerstag, 12. November 2015

PhiloJune
Die Ex und die Neue: Zwei ungleiche Freundinnen

Sex & The City - Liebe & Freindschaften



Kann man mit jemandem befreundet sein, der das Ende einer früheren Beziehung manifestiert? Kann man mit jemandem befreundet sein, der am Ende dieser Beziehung allein geblieben ist? Können Ex und die Neue sich anfreunden, obwohl ihre Perspektiven so unterschiedlich sind?
Ja.

Meine beste Freundin und ich, wir sind so ein Paar. Ich bin aus ihrer Perspektive "die Neue", sie ist die Ex. Gut, wir haben uns nie den gleichen Mann geteilt - aber das heißt nicht, dass wir nicht in die Kontroverse gehen. Und manchmal heftig. Denn der Ex meiner Ex hat eine Neue. Und mit ihr ein neues Leben. Ein neues Kind. Sogar eine Ehe. Meine beste Freundin hat: Ihre gemeinsame Tochter und sich. Ihr Leben ist seit bald 10 Jahren ziemlich gleich. Zumindest in puncto Beziehungen - denn da war bislang einfach noch kein Mr. Right dabei. (Und nur einen Mr. Right hat sie verdient ;-))

Wenn wir beide uns auf dem Parkett "Ex&Neue" bewegen, müssen wir beide vorsichtig sein, die andere nicht zu verletzen. Oder zu vergessen.
Wenn "seine Neue" sich etwa mit um ihr Kind kümmert, dann geht das ja sowas von gar nicht. Oder sich "Stiefmutter" nennt. Hallo - ich lebe noch! - protestierte letztens meine Freundin. Und überhaupt: Eigentlich wäre ihre Tochter viel besser dran, wenn sie nicht mehr zu den beiden und ihrer oberflächlich heilen, sortierten Familienwelt ginge. Besser, sie würden das Wechselmodell endlich mal aufgeben und die Große bliebe dann dauerhaft bei ihr.

Meine beste Freundin blickt manchmal auf "die Neue" herab. Sie hat manchmal einfach kein Verständnis für sie, außer vielleicht Mitleid. Weil "die Neue" natürlich mit so einem Kaliber, wie ihrem Ex eigentlich völlig überfordert sein muss. Und überhaupt, diese Beziehung ist ohnehin zum Scheitern verurteilt....

Weil wir beste Freundinnen sind, verzeihe ich ihr gern und von Herzen, dass sie meine Gefühle sobald es um "die Neue" geht, so oft vergisst. Dass es viele Situationen gibt, in denen sie 1 zu 1 meinen Lebensalltag, meine Lebenswirklichkeit runterputzt. Das vergisst sie eben - wenn es ihr auffällt, sagt sie schnell "Bei dir ist das was anderes". Ich weiß auch warum: Von mir hält sie was - und ich hab nicht ihren Mann!

Aber fairer Weise sei gesagt: Ich musste ja auch dazu lernen. Und das habe ich gern! Es war augenöffnend! Und meine Freundin wächst auch immer wieder über sich hinaus: Und zeigt eine Größe, die ich bei vielen anderen Single-Müttern vermisse.

Normaler Weise lästere ich nicht über die Ex von meinem Mann. Diese Gefühle und Gedanken sind privat, und sie gehen eigentlich keinen was an.(Und sie sind manchmal so peinlich, dass ich sie eh für mich behalten will.) Aber meiner besten Freundin habe ich damals, als wir uns kennengelernt haben, einfach alles erzählt. Und bekam von ihr nicht selten eine knallharte Retourkutsche. Es war schon gut, dass ich meine Gefühle und Gedanken sonst für mich behalten habe - ich habe nicht gewusst, einfach nicht verstanden, wie man sich als Ex fühlt. Selbst wenn die Ex ihr altes Beziehungsschicksal selbst und bewusst in die Trennung gelenkt hat. Ich kapierte einfach nichts und war auch nicht selten "von oben herab" eingestellt, natürlich nur vor meiner Freundin. Von ihr habe ich meine Lektionen gelernt.
Denn, wenn Kinder involviert sind - das lerne ich von ihr - dann ist das alles gar nicht so einfach. Auch wenn man die Trennung aktiv oder passiv herbeigefördert hat: Man ist sich so lange und immer wieder unsicher, ob man nicht doch hätte bleiben sollen. Ob man mehr hätte investieren müssen. Oder ob man jetzt, heute, genug investiert. Und selbst wenn man ihn nicht mehr liebt, man mag ihn eben hin und wieder einfach gern. Man will vielleicht von ihm hören, dass die Kinder toll sind oder sich toll machen. Man will vielleicht auch einfach mal hören, dass man eine gute Mutter ist. Oder man will sich freuen über die gemeinsame Zeit von Vater und Kind - aber immer ist da diese "blöde Neue" dabei und macht einem (sometimes....) alles kaputt. Und natürlich hört man "Das machst du gut" gar nicht mehr - denn die Komplimente streicht jetzt eine Fremde ein, die nichts mit den eigenen Kindern zu tun hat.

Nichts? Na ja, das ist genau der Punkt. Meine beste Freundin wünscht sich das, und aus ihrer Perspektive kann ich das emotional total gut verstehen. Sie kann sich das fast nicht vorstellen, wie das aussehen soll - ihr Kind mit dieser Neuen. Unauthentisch. Fake. Aufgesetzt. "Die sind keine echte Familie".

Das weiß ich wiederum besser - ich habe nie ein unaufrichtiges, fakes, aufgesetztes Gefühl den Kindern meines Mannes gegenüber gehabt. Alles, was wir teilen, ist von meiner Seite aus authentisch. Als die Kinder meines Mannes noch echte Kinder waren, habe ich irre intensiv für sie empfunden. Ich wollte sie auch knuddeln, sie waren ja auch total süß und lustig und lieb. Ich konnte gar nicht verstehen, wie eine Mutter nicht wollen kann, dass ich mich nicht mit ihren Kindern verstehe. Wäre es nicht viel schlimmer, wenn ich so ne olle Hexe wäre, die ihre Kinder zweit - oder drittklassig behandelt, oder immer abschiebt? Das wäre doch verletzend, das täte den Kindern doch weh?
"Ja, sorum gesehen hast du ja Recht." Auch meine Freundin sieht das ein. Aber obwohl sie es einsieht, wird sie nicht müde mir haarklein aufzulisten, wo "die Neue" versagt oder Fehler, kleine Macken, hat.  Und wo sie sich einmischt, obwohl die Tochter meiner Freundin ja offensichtlich nicht ihr Kind ist.
Das Verrückte ist, dass meine Freundin von einem neuen Mann in ihrem Leben nichts Geringeres wollen würde: Er hat sich für sie UND ihre Tochter zu entscheiden. Mit allem, was dazugehört. "Alle anderen können gleich wieder gehen". Wenns so nicht läuft - läuft gar nichts! Aus ihrer Perspektive macht das nur Sinn - nur umgekehrt nicht. Wie kommt ein Ex dazu "auf Familie zu machen mit dieser x-y-z- Person an seiner Seite, die er geheiratet hat, nur, damit er jetzt endlich sein Leben in kleine Schubladen sortieren kann?!" Nicht etwa aus Liebe oder so. Das ist O-Ton von der Ex meines Mannes. Es ist boshaft: Aber so oder so ähnlich fühlen alle "Ex-Frauen" manchmal.

Wie können wir befreundet bleiben, wenn dieses Thema immer mal wieder hochkommt?
Weil wir beide gelernt haben. Und wenn es nur für den Moment war. So, wie ich gelernt habe, mehr Respekt vor der Ex meines Mannes zu haben: Ich habe begriffen - einigermaßen - wie schwer alles für sie war. Auch wenn sie immer Männer hatte (auch jetzt hat sie eine langjährige Beziehung) - es ist eben nicht leicht, die eigenen Kinder zu teilen. Und so Vieles allein auf die Reihe zu kriegen. Es ist nicht leicht, seine Kinder "an die olle Neue" abzugeben, schon gar nicht, wenn sie nicht zu 100% tut, was man möchte. Es ist auch nicht leicht, "Allergene" aus dem anderen Haushalt in das eigene Reich getragen zu bekommen - kein Wunder, wenn man da auch "allergisch" reagiert.

Umgekehrt hat meine beste Freundin auch (hin und wieder) mehr Verständnis für die Neue in ihrer Welt. Es ist nämlich ziemlich frustrierend und anstrengend sich im Leben immer wieder nach den Wünschen, Unmutsbekundungen und Forderungen einer Ex zu richten. Es ist furchtbar, dass diese Frau so viel Macht über den Alltag hat (solange Kinder involviert sind). Dass man immer abhängig von ihr ist. Nicht nur finanziell, auch planerisch. Das Leben so gestalten, wie man will? Mit einer Ex und Kindern aus erster Beziehung sehr schwierig. Da heißt es "Kompromisse machen" - und zwar mit ihr. Man stelle sich dieselbe Situation ohne Kinder vor: Wer würde sich das gefallen lassen, als Neue?
Eben! Und so machen beide Frauenkaliber ihren "Gegenüberinnen" das Leben ein bisschen schwer. Dass sie einem das Leben auch leichter machen - trotz allem - ist die Lektion, die wir, meine beste Freundin und ich, vor allem voneinander gelernt haben! Denn wenn die Ex in meinem Leben krank ist, oder schwer verliebt (war) und dann spontan Urlaub machen will: Wer ist zur Stelle, kümmert sich um Schulbrote, Wehwechen, Klamotten und Co.? Richtig: Die Neue (also ich)! Und wem hat man eine große Familie zu verdanken, ohne selbst so oft schwanger geworden zu sein? Richtig: Der Ex! Ich meine, ich habe 3 Kinder! Das sind irgendwas zwischen 3 und 6 Enkelkinder mindestens! Das sind mehrere stolze Momente pro Jahr und pro Leben! Ich darf so viele schöne Momente mit unseren Großen teilen - Momente, die ich ohne die Arbeit und Liebe "der Ex" gar nicht hätte. Und auch nicht, wenn sie die Kinder von uns fernhielte. Was sie nicht (mehr) tut. Und das Beste: Wenn mir dieses unbiologische Familienglück manchmal doch zu viel wird, kann ich mir immer sicher sein, dass die Kids der Ex zu ihr gehen. Die haben ja ein zweites Zuhause. Die brauchen mich nicht. Dann hab ich meine Ruhe, obwohl ich 3 Kinder habe. Und was noch? Ich muss nicht so auf Schule & Co. fixiert sein, wie die Ex. Ich habe also wirklich wesentlich weniger emotionale und echte Arbeit mit meinen 3 Kindern, obwohl ich natürlich genauso in der Pflicht bin, wenn sie ein paar Tage oder auch ein paar Wochen bei uns bleiben. Oder - wie der Große - bei uns wohnen (seit über 2 Jahren). Man ist pflichtbewusst, aber man hat keine Verantwortung. Das haben die anderen beiden. Also: Mehr Familienglück bei weniger Verantwortung und ungleich verteilten Pflichten. Klingt super, oder?
Meine beste Freundin als Ex, und ich als Neue, verstehen uns aber sowieso wunderbar (sonst wären wir ja nicht so dicke miteinander). Und diesbezüglich haben wir gelernt, dass wir für mehr Verständnis füreinander, vor allem über die Konstellationen in unserem Leben, einfach über diese Konstellationen reden müssen. So sind wir schlauer geworden - und entspannter. Auch mit der "Ex" und "der Neuen" in unserem privaten Familienleben.

Unser Leben ist nicht ganz wie in "Sex & The City" - aber manche Dramen und Konflikte sind doch nah an einem Drehbuch dran. Jetzt bleibt nur die Frage, ob es gut wäre, wenn "die Neue und die Ex" aus unserer beiden Leben wüssten, wie wir in Wirklichkeit zu ihnen stehen...viel fairer, als vielleicht angenommen. Aber dann müsste man unter Umständen alle Konstellationen neu machen...und das Leben ist ja schon kompliziert genug ;-)





Dienstag, 3. November 2015

PhiloJune
Akzeptanz oder Krieg? Wie man am besten älter wird

"Die Treppe ist immer so ein Moment der Wahrheit", meinte letztens ein befreundeter Vater über seinen aktuellen Fitnessstatus. Aktuell ist die Treppe in den dritten Stock für ihn dasgleiche, wie einmal um den Block joggen. Zumindest findet sein Herz das so, und seine Lungen, und die Beine und überhaupt...das ging früher echt leichter. Um fit und jung zu bleiben muss man investieren, das weiß jeder, das hört jeder. Täglich, man kann fast gar nicht dran vorbeihören, geschweige denn vorbeisehen. Geworben wird mit super-sexy Models aus der Top-Strichliste, die "in nur 5 Minuten zu ihrer Lieblingsfigur kommen", oder die "In nur 20 Minuten 10 Jähre jünger aussehen" (dementsprechend also wie 8). Aber man wird nicht nur von unten mit dem Jugendwahn angegriffen, von der anderen Seite gruseln einen die Werbeplakate mit den 50plus Models - die auch superfit und superschön sind, für ihr Alter und obwohl sie total ergraut sind (und an Inkontinenz leiden). Als Otto-Normalverbraucher fragt man sich echt manchmal: Und wo werde ich repräsentiert? Und warum wollt ihr mich so erschrecken (mit 50plus will ich aussehen, wie die 50ger, die ich kenne). Wer zum Kuckuck ist eigentlich für die Mitte da, für die Normalos? Müssen die alle in Versicherungs-werbungen und bei der Telekom untergebracht sein? Woher sollen wir wissen, wie eine 42-jährige Größe 44 in Birnenform in der neuesten H&M Kollektion aussieht? Und wie sieht 50plus Erotik ohne Kotzfaktor und Slipeinlage aus? Was ist gesund und fit eigentlich, wenn uns immer nur 20 und zu jung, um nicht-fit-zu-sein präsentiert wird? Wir 30plus - 60minusler: Sind wir wirklich so alt und krank? Will uns wirklich keiner haben?

NEIN
Offensichtlich nicht. Und wenn man über seine Fußfalten ins Badezimmer gestolpert kommt und sich morgens durch dicke Klüsen anfunzelt: Weiß man warum. Weil Werbung nicht fair und nicht authentisch ist. Sie ist unfair und realitätsfern. Zugegeben: Klüsen sind nicht das geilste Accessoire der Welt und ein Waschbärbauch ist nicht sexy, aber beides ist gemütlich und normal. So isset nunmal. Und wenn man dann doch neben seinem Familien - und Berufsalltag eisern Sport macht, Diät hält, sich allerlei Freude und Freiheit verbietet, einfach weil der Alltag sonst immernoch Spaß machen würde: Ist man dann wirklich zufrieden? Am Ziel? Jünger - schöner - besser?

NEIN
Seit ich das dritte Mal genullt habe, hab ich langsam echt keinen Bock mehr auf 0. Früher - also vor ein paar Monaten noch - war ich megastreng mit mir und mit allen. Gestern hab ich meinem sich beruflich bis zur Erschöpfung verausgabendem Spatzl Schokopralinen mitgebracht. Mit Alkohol drin. Obwohl "wir" den eigentlich nicht trinken, geschweige denn essen. Ist ja nicht gesund und so. Da war ich früher streng dogmatisch. Für mich will ich auch dabei bleiben, aber muss ich meinen Mann da mit reinziehen? Es wird doch ein Feierabendschlückchen drin sein? Und auch mal Schokolade. Weil, wenn man die ganze Zeit Idealen nach-wahnt, kann man im normalen Alltagsstress kaum überleben. Da geht die Seele unter. Und ja: Laster heitern die Seele nunmal auf! Bei mir sind die Laster ziemlich gleich verteilt auf Dauerschlaf und Schokolade, beides würde ich mir gern öfter und in höheren Dosen gönnen. Bei anderen ist es dann vielleicht das Feierabendbierchen oder so. Und was ist mit der Figur? Und der Gesundheit? Und der Erotik? Und mit der Jugend?

Weißte was? Eh vorbei!
Und wenn du vor lauter Alltag kaum noch ein Lächeln hinkriegst und du dir dann noch die letzte Freude durch Wasser statt Wein nimmst, dann hilft dir kein Size-Zero-Negligee, dann hilft dir kein Sixpack: Weil auf deine Laune dann auch keiner mehr Bock hat!

Also: Lieber mehr Akzeptanz, ab 30 nimmt halt die geil-aussehen-Kurve no matter what: ab! Lieber für die gute Laune mal ein Laster durchwinken und ansonsten einfach die Balance finden. Oder halt beibehalten. Alles ist besser als Krieg gegen sich selbst: Am Ende sieht man vielleicht wie ein heißer 50ger aus (aber ist nichts im Vergleich zu den heißen 20gern), verbreitet aber so gute Laune, wie ne Beerdigung.

Wenn wir also in Zukunft so ein grinsendes, voll-ergrautes, faltiges 50plus Ding irgendwo auf einem Inkontinenzplakat sehen, auf einer Hollywoodschaukel schaukelnd und mit dem Spruch "Ich genieße mein Leben" auf den Lippen - dann sollten wir nicht panisch das Weite suchen und innerlich schreien "So will ich nicht werden! So will ich nicht werden!" - sondern wir sollten inne halten und uns fragen: Was muss man alles richtig machen im Leben, damit man so zufrieden auf einer Hollywoodschaukel die Falten auswedeln und zu seiner Inkontinenz stehen kann?

Wer darauf eine Antwort gefunden hat: Wird entspannt älter - Bestimmt!

Yeah - Rockt die Blasenschwäche weg, Ladies!
Und die Figursorgen!
Und die Wehwechen!
Und das Alter!
WOOHOO
FREIHEIT!


Montag, 2. November 2015

(Stief-) Eltern sein dagegen sehr...
Wenn ich keine Stiefmutter bin, bin ich dann Glutamat?

Über die Themen Stiefelternschaft, Trennungsfamilien und Singleeltern könnte ich stundenlang schreiben! Wer glaubt, ich sähe mein Patchwork - und Zweitehenleben nur total subjektiv, der irrt sich. Dafür habe ich zu viele Single-Eltern im Freundeskreis, die mit mir ihre Gefühlswelt, ihre Erfahrungen und ihre Gedanken teilen.

Mein Lieblingsgegenüber ist dabei eine meiner besten Freudinnen, die versucht hat mich durchs Studium zu schleifen, bis wir beide einsehen mussten, dass ich einfach nicht rechnen kann. Ihre Tochter ist fast 10 Jahre alt und die Beziehung zum Papa fast genau so lang vorbei. Also auf Papier und in den eigenen vier Wänden, denn auch getrennte Eltern haben eine Beziehung - mitunter für den Rest ihres Lebens. Jedenfalls ist seit er eine Neue hat, eben diese auch ein Thema. Sie - J* - ist irgendwie das Gegenteil von meiner Freundin - was ich gern glaube, denn meine Freundin ist so einmalig, dass "das Gegenteil von" eigentlich immer eine treffende Beschreibung ist. Jedenfalls hat "ihr Gegenteil" ihren Ex nicht nur geheiratet, sie haben sogar einen kleinen Sohn. So klein, dass man sagen kann, "seit neuestem". Und als wir so über Familie, Patchwork und was wem an Einmischung zusteht sprachen, stellte ich ganz nebenbei fest, dass  J* ja jetzt offiziell Stiefmama sei.Das war wieder so ein Moment, in dem man von einem einzigen Blick gepfählt wird. Meine Freundin fragte scharf: "Hä, wieso das denn?! Ich bin doch noch da, ich bin die Mutter!"
Das hat mir zu denken gegeben. Ich fragte leicht in Deckung gegangen mutig:"Wie würdest du sie denn sonst nennen?" - worauf wir beide nach einigem Hin und Her ehrlich keine Antwort wussten. Immerhin ließ sie mich wissen, dass ich eine gute Stief - oder was auch immer - sei. Aber das sei ja eine Ausnahme. Und bei mir sei eh alles ganz anders. Klar, ne?! ;-)
Aber ihr Einwand war berechtigt: Stiefmütter ersetzen doch eigentlich immer die leibliche Mutter. Wenn J* und ich also gar kein Surrogat sind, sondern ein Zusatzstoff: Was kriegt die Suppe dann für einen Geschmack? Und wie nennt man uns dann? Glutamat?

Hmm...ich finde, wir brauchen einen Titel. Zweitfrau sind wir meistens ja auch nicht. "Die Zweite" auch nicht immer. "Die Olle" nur im Auge des Betrachters. Stiefmutter klang mir eh schon immer so böse nach Hexe & Co. In den Club der finsteren Stiefmütter, die ihre Stiefkinder hänseln und greteln, wollte ich nicht. Da hab ich mir immer Mühe gegeben. Aber wie unnötig, oder? Denn ich bin ja nie eine gewesen. Nie ein Ersatz, keine "zweite Mutter". Ich war immer schon einfach - ja was?
Wenn ich heute von "meinen Kindern" rede, ist da ehrlicher Weise ein kleiner Beigeschmack. Die Großen sind 16 und 18 - und irgendwie schmecke ich das Glutamat raus. Ist eben doch nicht echt. Nicht so richtig. Obwohls [mir] schmeckt.

Wenn man jetzt aus der offiziellen Beschreibung des Lebensmittelgesetzbuches liest, was ein Zusatzstoff ist und das 1 zu 1 für Familien übersetzt, dann haben wir ja eigentlich unseren Titel...es lag mir eh auf der Zunge:

Im Sinne des § 2 Abs. 3 des Familiendefinitionsgesetzbuches (FDGB) sind Familienzusatzstoffe alle Stoffe (mit oder ohne Mehrwert), die
  • in der Regel nicht als Familienmitglied gezählt werden sowie auch
  • in der Regel nicht charakteristische Zutat einer Familie sind aber
  • absichtlich
  • Familien nach oder in Trennungen beigefügt werden (wozu unter anderem Auseinanderleben, Tod von Angehörigen, Verlust von Angehörigen, Scheidungen usw.gehören)
  • aus eingebildeten oder ernstzunehmenden Gründen zugesetzt werden und
  • selbst oder durch ihre Aktions- und Reaktionsprodukte mittelbar oder unmittelbar zu einem Teil des Familiengebildes werden oder werden können.

Eben nicht Stiefmama oder Stiefpapa - sondern Zusatzstoff. (*Mein Zusatzstoff wäre dann Kaliumchlorid - ich sehe mich auch als Festigungsmittel und Geschmacksverstärker ;-))