Mittwoch, 25. November 2015

PhiloJune
"...und das ist auch gut so". Eine Lüge, die uns nicht wirklich hilft

Immer wieder liest man von tapferen Menschen und ihren Schicksalen. Davon, wie sie das Leben meistern, trotz aller angeborenen oder hinzugekommenen Tiefen und Herausforderungen. Gern fügen diese Menschen dem Statement "Ich habe/ Ich bin...." den Halbsatz "...und das ist auch gut so" an. Ich frage mich, warum. Ich bezweifle, dass sie das wirklich so meinen.

Ein Beispiel: Hier schreibt eine junge Mutter von zwei Kindern darüber, wie sie ihr Leben als Multiple Sklerose Erkrankte meistert. "Und das ist auch gut so", stellt sie für die Leser fest. Ich finde es toll, wenn man es schafft, Alltag herzustellen - unter allen Umständen. So wie manche Familien im Kriegsgebiet leben und Kinder zwischen zerbombten Häuserzeilen spielen. Aber ist das "auch gut so", oder ist das das Quäntchen Lüge, was wir brauchen, um durchzuhalten?

Ich - als Beispiel - hatte einen Mammatumor in der linken Brust. Mit 27 Jahren. Ich habe das alles durchgestanden, alle Ängste und Sorgen, habe mein Leben und meine Ernährung umgekrempelt, mich "gesundheitlich aufgepeppt", eine OP erlebt und die Prognose geschluckt, sowas jetzt öfter zu bekommen. Ich bin eine junge Frau, die regelmäßig zur Krebsdiagnose gehen muss, weil meine Krankheitsgeschichte und meine Familiengeschichte sagen: Die kann Brustkrebs kriegen. "Und das ist gut so".

NEIN!

Ist es gar nicht. Es ist scheiße!
Ich lebe trotzdem mein Leben. So wie die meisten Menschen ihr Leben leben und Alltag haben. Und ich bin stolz auf alles, das ich meistere. Und ich bin stolz, dass ich so wie die Multiple Sklerose Mama schaffe, trotz zweier neuer Knoten in meiner linken Brust und einer von nun an lebenslangen Habachtstellung entspannt zu bleiben. Ich nehme auch viele Tabletten, aus Vorsorgegründen. Alles Nahrungsergänzungsmittel. Gott sei Dank bin ich noch nicht krank. Und wenn meine Tochter mich eines Tages fragt, warum ich so viele Tabletten nehme, dann werde ich ihr sagen "Weil ich so lange wie möglich so gesund wie möglich sein will - und die helfen dabei". Und das ist alles gut - aber es ist nicht gut so!

Ich wünschte, ich hätte kein krebswuchriges Damoklesschwert über meinem Kopf schaukeln. Die Familien im Gazastreifen wünschten, sie lebten nicht im Gazastreifen. Und die MS- Mama wünschte in Wirklichkeit auch, sie hätte kein MS.

Aber so ist das Leben. Und einzig und allein, dass wir es so annehmen, wie es ist  - ist gut so!

P.S. Dies ist nur eines der Bücher, die ich empfehlen kann in puncto Krebsvorsorge durch Ernährung. Ich glaube nicht, dass ich verhindern kann an Krebs zu erkranken. Aber ich sehe das so: Wenn meine Gesundheit einen Kontostand hätte, dann zahle ich jetzt in den fetten Jahren richtig viel rein. Ohne Abhebungen. Sollte ich dann irgendwann ernsthaft erkranken, hoffe ich, dass mein Konto wegen dieser Vorsorge niemals ins Minus läuft. Meine Gesundheit möge immer "gedeckt" sein.