Freitag, 18. Dezember 2015

Mein Trivial Pursuit
Deutschland: Sind wir denn so intolerant?

Momentan rufen weltweit und in Deutschland viele Politiker, Verbände und Institute zu mehr Toleranz auf. Mehr Toleranz in Deutschland - das heißt, wir sind alle nicht tolerant genug. Da eröffnet sich einem doch gleich die Frage: Wo hört denn der Spaß bei Deutschen auf?


Eine (ironische) Analyse



Hitler

Fangen wir bei A wie Adolf an. Adolf Hitler. In Deutschland fahren wir ihn-bezüglich eine ganz klare "zero tolerance" Politik. Er ist unantastbar in der Allmacht seiner Greueltat, in Deutschland gilt allgemeinhin die Auffassung, dass es niemals - schon gar nicht von 1900 - 1950 - einen ansatzweise vergleichbar furchtbaren Diktator auf der ganzen Welt gegeben hat. Da in dieser Auffassung weder Südamerika, noch Asien, noch Afrika zur ganzen Welt zählen, dürfte das annähernd stimmen. Menschen, die den törichten Versuch wagen, Hitler objektiv zu betrachten, verlieren ihr Ansehen, ihre Ämter, ja - mitunter ihre Existenzgrundlage. Eva Herman etwa, die mit Sicherheit kein Nazi ist, hat mit ihren in "Das Eva Prinzip" (2006) verfassten Gedanken zur Rolle der Mutter ihre eigene Rufmordkampagne verfasst. Gelesen haben es die meisten Kritiker nicht: Das ist Teil der "zero tolerance" Politik, ein Wirkmechanismus, der unbedingt zu pflegen ist. Denn: allein anrüchig wirkendes Gedankengut muss verurteilt und verteufelt werden. Und zwar ungeprüft.
Fazit: Ja - bei Hitler ist Deutschland ziemlich intolerant.

Institution "Mutter"

Ich denke, Hitler hat das Vaterbild in Deutschland kaputt gemacht. Einen Vater wie den will keiner haben. Er und sein Gefolge, alles Männer, haben das Bild des Mannes und seine Rolle in der deutschen Gesellschaft verunglimpft. Wer zu so einer Politik fähig ist? Männer. Und was sind Männer dann? Scheusale. Schweine. Und wenn ein Mann ein Vater wird? Gehört das Kind zur Mutter, sicher ist sicher, besser ist besser. Wenn eine Frau einen Sohn bekommt? Sollte sie ihn nicht zum Mann erziehen und ihm die Eigenschaften, die ihn später zu einem Tyrannen machen könnten, sofort austreiben. Männer lieben Gewalt, sie sind grausam, sie sind Tiere. Männer morden, Männer jagen. Männer lieben Waffen. Männer mögen Männer mehr als Frauen, vertrauen Männern mehr als Frauen und reden mehr mit Männern als mit Frauen. Männer wollen nur Sex von Frauen und Kinder, mehr nicht. Männer sind das Übel. Gott Lob hatten wir in Deutschland nach 45 ja eine große Zahl an Frauen übrig. Powerfrauen, die innerhalb von kurzer Zeit aufgeräumt und aufgebaut haben, was in vielen anderen Teilen der Welt ohne externe Hilfsleistungen in Massen nicht möglich wäre. Diese Frauen und ihre Töchter wollten ein neues Deutschland. Eins ohne Blut vergießen. Eins ohne Männerdomäne. In Folge dessen wurde auch die Mutterschaft, nachdem zuvor der Staat über die Jugend verfügte, zum höchsten und heiligsten Gut einer Frau. War sie Mutter, war sie unantastbar. Ihre Güte, ihre Liebe, ihre Fürsorge, ihr Einfühlungsvermögen, ihre Geduld, ihre Ablehnung von Gewalt und Kriegsspielen sollten die deutsche Seele (mit)heilen. Weshalb es auch entgegen den ersten Artikeln im Grundgesetz möglich war, eine Mutter anders zu behandeln, als einen Vater. Väter waren bis vor ein paar Jahren das entrechtete Elternteil. Zu ihnen gehörte nichts, einen Dreck waren sie in der Kindererziehung wert. Wer braucht schon einen Vater, wenn er eine Mutter haben kann? Während sich in der Gesellschaft das Bild der Mutter wandelte zur Frau, die Karriere und Kind besser handelt, als jeder Mann, blieben per Gesetz die "auf die Mutterrolle reduzierten" Regeln gleich. Und während emanzipierte Frauen zunehmend gegen Verfechterinnen der "Nur-Mutter-Rolle" anstürmten, ruhten sich fast alle auf eben dieser Rolle aus, wenn es darum ging, die Familie zu führen und Aufgaben zu verteilen. Der Mann blieb "Mensch zweiter Klasse". Bis heute hat sich in vielen Familienberatungseinrichtungen und bei zahlreichen Jugendämtern nichts geändert: Mütter sind hier immernoch die besseren Menschen .
Fazit: Mehr Toleranz für Väter? Im öffentlichen Raum vielleicht, aber vor dem Gesetz und privat noch lange nicht.

Genetik

Genetik ist fast ein Unwort in Deutschland. Es steht für Fortschritt, Kapitalismus und Experimente an der Natur, für Ungleichbehandlung und Einteilung nach "Wertigkeit". Vor allem steht Genetik aber für Wissenschaft, und Wissenschaft steht für Fakten, und Fakten mag hier keiner. Beweise und Fakten - die liegen hier meilenweit auseinander. Beweise, das sind die Dinge, die man weiß. Fakten, das sind die Dinge, mit denen andere kommen, um mich von meinem Wissen abzubringen.
Insbesondere die Genetik fällt dieser Geisteshaltung zu Opfer. Ohne wirklich Ahnung zu haben - was ja aber auch nicht notwendig ist - wird etwa die Gentechnik grundsätzlich erst einmal mit viel Misstrauen betrachtet. Immer wieder gerät sie in Verruf, ihre Abschaffung wird gern von diversen Vereinen und Institutionen gewünscht. Abgesehen davon, dass Gentechnik ja etwas verändert, was doch schon immer funktioniert hat (den Mensch, das Gemüse, die Krebsrate), hat doch dieser Hitler damit angefangen, oder nicht? Genetische Auslese - das hatten wir im dritten Reich. Behinderungen jeder Art, unkontrolliertes Zellwachstum und Hunger in Afrika: Wir sind dafür! Hier geht es nicht darum, dass den Deutschen all diese Dinge gefallen - aber das Diktat der Natur steht über dem Diktat des Menschen (oder schlimmer noch: dem Diktat eines Pharmakonzerns!)
Freunde von Gentechnik sind demnach keine Ökos, viel wahrscheinlicher sind sie allmachtsfantasierende Unmenschen, die die Natur verabscheuen.
In Deutschland gibt es derart viele Verbote und Auflagen im Bezug auf wissenschaftliche Genetik, dass die Erforschung oder Nutzung eben jener oft ins Ausland verlagert werden muss.
Auch auf die Genforschung berufen, sollte man sich in Deutschland nicht. Wer Menschen anhand genetischer Dispositionen unterscheidet ist hier hoffentlich Arzt ("In Ihrer Familie gibt es eine genetische Prädisposition für Diabetes"), ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nazi. Wer also sagt, es gibt leistungsschwache und leistungsstarke Menschen, und beide befinden sich links und rechts der großen Masse von mittelmäßig-leistungsstarken Menschen, und dies sei sowohl genetisch begründet, als auch mathematisch, der kommt in Teufels Küche. Wohin sollen solche Vergleiche denn führen, wenn nicht dahin, Menschen nach ihrer Leistung zu beurteilen? Nach ihren Fähigkeiten und Begabungen? Da wenige sich mit dem Facettenreichtum an positiven Möglichkeiten auseinandersetzen, die so eine Betrachtung der Menschen in einer Gesellschaft bedeuten könnte, gilt diese Betrachtung als menschenverachtend. Wenn sich aber die Eltern eines behinderten Kindes mit Vehemenz eine Umwelt wünschen, die ihr Kind mit seinen Stärken UND Schwächen annimmt und behandelt, sind alle ganz d´accor. Wünscht sich ein Politiker dasselbe von der Gesellschaft, lenkt er den Fokus auch auf die Schwächen, wird er als Rassist, Faschist oder irgendein anderer -ist beschimpft.
Fazit: Mehr Toleranz für Genetik? Nicht in Deutschland. Nicht nach Hitler.

Geld

Geld stinkt nicht! Dafür aber jeder, der es besitzt. Maßgeblich jeder, der "es" in zu großen Mengen besitzt. Übermaßgeblich und ganz besonders JEDER, der "es" in zu großen Mengen besitzt und nicht das Gros wieder abgibt - der sein Vermögen nicht auf ein deutschen-verträgliches Maß reduziert. Geld an sich stinkt nicht. Im Gegenteil, hier in Deutschland haben Viele die Einstellung "Ich könnt mehr gebrauchen, mach dir mal Gedanken." Da ist man auch sehr tolerant, wenn es um das Umverteilen von Vermögen geht - also nach unten hin. Denn Umverteilung funktioniert nur in eine Richtung, weg von dir her zu mir und das bittschön von oben nach unten. Für die andere Richtung oder "Breitenverteilung" (zum Beispiel Erbschaft unter Reichen), hat man dafür sehr wenig Verständnis. Die allgemeine Toleranz endet dort, wo ein anderer unverdienter Maßen zu viel bekommt, als ihm zusteht. Bewusst "zu viel", denn "mehr" würde ja in der Selbstreflektion nicht funktionieren. Mehr als einem zusteht, das wollen ja alle irgendwie, nicht? Man mag es hier nicht, wenn andere sich mit viel Geld kaufen können, was man sich selbst gern kaufen würde, wenn man das Geld dazu hätte. Da ist man sehr intolerant. Man mag auch nicht, wenn andere viel Geld machen, mit bloßen Ideen, die ja jeder hätte haben können (außer einem selbst). Man möchte gern Hamburger wenden und Ketchup auf Aufklapp-Fertig-Brötchen quetschen und in seiner großen Verantwortung für das Gelingen dieser gastronomisch-gastritischen Köstlichkeit fair und respektabel vergütet werden. Immerhin könnte man auch ins Brötchen spucken. Und das tut man ja nicht. Man ist ja ein verantwortungsbewusster Fertigbrotverkäufer. Ja hier ist man sehr intolerant, wenn es um Geld geht. Wer Geld durch Tricks und Schmulereien gewinnt (etwa durch Spekulationsgeschäfte), ist ein schlechter Mensch, denn er hat sein Geld nicht ehrlich (mit Brötchen) verdient. Außerdem war es mit Sicherheit mal das eigene, bevor man es versteuern musste. Wir Deutschen und unser Geld. Wir sind sehr tolerant mit Besitz, solange es unserer ist. Wir finden es okay Geld vom Staat zu nehmen und uns damit häuslich einzurichten. Jegliche Art moderner Technik findet bei uns ein liebevolles Zuhause. Wir sind aber sehr intolerant, wenn andere sich mit Geld häuslich einrichten: Mit Geld, das sie gar nicht brauchen! Mit Geld, das sie in die sozialen Systeme einfließen lassen könnten - ich kann mir mein Auto nämlich eigentlich gar nicht leisten! Das ist unerträglich ungerecht, dass es Menschen gibt, die ein Auto besitzen, obwohl sie es weder brauchen noch sich leisten können, und dass es Menschen gibt, die viele Autos besitzen, die sie nicht brauchen, aber sich dennoch leisten können. Da sind wir sehr intolerant. 
Fazit: Mit Geld ist hier nicht zu spaßen (es sei denn, es ist unseres)! 

Ämter und Titel
In Deutschland kann man viele Ämter bekleiden und viele Titel tragen. Beeindrucken tun sie niemanden, denn was man dafür tun muss, um an hohe Positionen zu kommen oder besondere Auszeichnungen zu erlangen, weiß in Deutschland jeder: Man muss sich korrumpieren lassen, man muss seine Ideale verraten, man muss gut lügen und schauspielern können. Selbst eine Angela Merkel, die offensichtlich kein schauspielerisches Talent besitzt, spielt gerade mit ihrer Unfähigkeit durch Gesten und Mimik zu überzeugen doch ein ganz übles Spiel mit uns. Dass sie Kanzlerin geworden ist KANN nur mit "Hintenrum" geglückt sein. Nein, ein redlicher und ehrlicher Mensch macht nicht wirklich Karriere und ist schon gar nicht Herrscher über das Schicksal anderer. Ein redlicher Mensch versteckt sich nicht hinter Titeln, er verzichtet auf ihre Nennung. Er gehört keinerlei Gewalt oder Macht an, er ist und bleibt Mensch der Mitte. Ein Amt bekleiden, sich betiteln, sich dekorieren - das findet man hier sehr anstößig in Deutschland. Dafür gibt es nur beim Fußball Applaus.
Fazit: Toleranz für besondere Titel? Nur, wenn du Fußball spielen kannst.

Hat Deutschland mehr Toleranz nötig? Ich denke, ja - oder bin ich zu intolerant ;-)