Dienstag, 5. Januar 2016

Mama Gedanken
Geschieden? Über die Liebe ...



Das finde ich immer besonders schwierig. Liebe in Zeiten des Krieges - so könnte man das nennen, was Kinder geschiedener Eltern gelernt haben. Selbst, wenn die Scheidung versöhnlich und freundschaftlich war: Sie ist und bleibt für viele erschütternd. Für die beteiligten Erwachsenen ebenso, wie für die Kinder. Woran glauben wir, wenn wir an Liebe denken? Und was sagen wir unseren Kindern, wenn wir einmal geliebt, aber unser Gelübde "auf immer und ewig" gebrochen haben?
Wie machen wir ihnen Mut?


1. Liebe ist das schönste Gefühl auf der Welt

Man darf davor keine Angst haben, nur weil Liebe so viele Gesichter hat. Liebe sollte man in großen Dosen einnehmen, wenn sie da ist. Da gibts nichts zu sparen, da gibts nichts zu portionieren. Wer Liebe zu langsam angeht, verpasst sie am Ende noch - oder lernt sie nie zu genießen. Was für eine Tragödie. Liebe will immer, muss immer GANZ genommen werden. Auch wenn man Herzrasen, Schweißausbrüche, völlig bekloptte Einfälle, Stotterkoller, Verzweiflung, Angst, Neid, Eifersucht, Wut, Schmetterlinge im Bauch und Schwerelosigkeit empfindet - das gehört alles zum Programm. Das ist okay! LIEBE mein Kind, sonst hast du nicht gelebt.


2. Liebe sollte man teilen: Auch wenns alle nervt

Liebe ist ein Gefühl, das raus in die Welt will. Es will geteilt und besprochen und in den Himmel gehoben werden. Heimlich ist kacke. Heimlich tut weh. Heimlich verursacht überall Schäden. Zeig Liebe, oder erzähl von ihr, lass sie raus. Auch wenn du einen bereits besetzten Menschen liebst: Teile es ihm mit. Wenn du Anstand hast, teile es ihm mit der nötigen Distanz mit ("Du bist der großartigste Mensch, den ich kenne!") Erzähle es deinen Freunden, deinen Eltern, deinen Kindern - und auch wenn es weh tut: Der Person, die du lieben solltest aber grade nicht liebst. Liebe braucht Wahrheit, um zu funktionieren. Ich weiß das, denn ich habe hässliche Wahrheiten zur Liebe auf den Tisch gebracht. Klar, das kostet mega viel Kraft und Überwindung - aber es hat sich gelohnt. Liebe ist nämlich, wie das Leben - und die, die sein soll, findet im Lichte der Wahrheit immer einen Weg.

3. Liebe mit deinem vollen Herzen, lebe mit deinem vollen Verstand

Wer Angst vor Liebe hat, lässt den Kopf zu sehr regieren. Der sollte keine Angst haben, sondern zwei grundlegende Regeln verinnerlichen: Ändere, was du ändern kannst, akzeptiere, was man nicht ändern kann. Wer nach diesem Prinzip lebt, der kann seinem Herz die Sporen geben! Hüa!!! Lenken muss das Ganze der Kopf, aber die Liebe muss dem Herzen gehören. Das Leben drumherum, das ist Kopfsache. Also zerbrich dir nicht den Kopf über Liebe, sondern um das Leben.

4. Sei der Liebe treu

Das ist knifflig - ist man neuer Liebe treu, oder alter Liebe? Frei nach dem Motto Alter vor Schönheit, bleibe lieber ´dem Alter´ treu. Das heißt nicht, dass man sich ein Leben lang binden muss - manchmal klappt das einfach nicht. Das liegt dann am Leben, und darunter leidet die Liebe. Aber der alten Liebe treu bleiben, heißt, sich selbst treu sein. Es heißt, im Angesicht des Neuen um das alte Kämpfen, so, wie man es vorher vielleicht nie gemacht hat. Die Energie, die man für den Kampf um die neue Liebe hat, die gebührt in Wirklichkeit der alten. Wenn dieser Kampf am Ende zu nichts führt, und man ihn in aller Wahrheit und in allem Respekt gekämpft hat, dann geht Loslassen. Aufrichtig, ohne Scham, ohne Reue. Nur wer ehrlich war und alles versucht hat, ist eine neue Liebe wert und darf eine alte Liebe verlassen.


5. Lüg die Liebe nicht an

Liebe verträgt eine ganze Menge. Deine Schwächen. Deine Macken. Deine beknackten Freunde. Deine schrecklichen Eltern. Deine peinlichen Geschwister. Aber sie verträgt zwei Dinge nicht, davon ist eine: Die Lüge. Vertrauen ist das einzige, was die Liebe beschützt. In einer Welt, wo Vertrauen billig ist und wir es schwer haben, auf Menschen oder Umstände zu bauen, braucht Liebe Vertrauen. Mehr denn je! Vertrauen ist die Firewall der Liebe - es verhindert, dass die Welt einfällt und die Beziehung kaputt macht. Liebe zwischen zwei eigenständigen Individuen sollte nur von diesen beiden aufgelöst werden können. Mit einer Lüge, einem Verrat - reißen sie Löcher in die Firewall. Vertrauen wiederaufbauen ist schwierig - manchen gelingt das nie.

6. Liebe braucht Nächstenliebe

Vertrauen ist wichtig, Nächstenliebe ist wichtiger. Liebe braucht ein starkes Echo - und ein liebenswertes Gegenüber. Ist sie schwach oder findet kein liebenswertes Gegenüber, wird aus offener Liebe eine heimliche und verdeckte Liebe. Einen schlechten Menschen kann man nur schwer lieben , ebenso wie jemanden, der einem seine Liebe nicht zeigen kann oder gar keine empfindet - wohin mit all den Gefühlen, die weder erwidert, noch von den anderen gespiegelt oder akzeptiert werden?

7. Scheiden tut weh....

am meisten aber, wenn man die Scheidung nicht versteht. Das passiert, wenn die Liebe ohne Wahrheit aufgegeben wurde. Wenn monate - oder jahrelang verschwiegen wurde, was los ist. Zum Leben gehören Wut, Frustration, Neid, Langeweile und sogar mal Neuverlieben dazu. Auch zu verlieren und dass sich Träume nicht erfüllen, gehören zum Leben dazu. Sie alle müssen nichts mit Liebe zu tun haben, können diese aber beeinflussen, weil das Leben den Menschen verändert. Seine Gefühle zu sich selbst und auch zu anderen. Es gibt Eltern, denen werden ihre Kinder zu viel - obwohl sie sie lieben. Während man einem Kind schlecht erklären kann, warum man es verlassen möchte, kann man einem Erwachsenen das meistens gut erklären. Und nur aus der schmerzlichen Wahrheit kann ein Prozess entstehen, ein Weg - vielleicht zur alten Liebe zurück. Vielleicht von ihr weg.


8. Gibt es wahre Liebe? 

Die Frage aller Fragen: Gibt es wahre Liebe? Sie zu beantworten ist leicht, wenn man wahre Liebe definiert als aufrichtig. Oder echt. Authentisch. Oder auch tief und innig. Diese Art ´wahre´ Liebe ist so allgegenwärtig, dass sich die Frage nach ihr beim bloßen Hinschauen eigentlich erübrigt. Liebe existiert! Und jeder, der sie gefunden hat, darf sich glücklich schätzen. Bei wahrer Liebe geht es nicht um Äußerlichkeiten wie jung und alt, attraktiv und unattraktiv, pragmatisch und verträumt. Es passt alles zusammen. Wahre Liebe wird von essentiellen Gemeinsamkeiten geformt. Diese kann man von außen meist nicht sehen, etwa optimistisch sein, oder Konflikte am liebsten durch Reden lösen, oder schnell Verzeihen können, oder sehr tolerant sein usw. Diese Gemeinsamkeiten geben einem das Gefühl, wie füreinander gemacht zu sein, sie nehmen Reibung aus dem Alltag und sorgen für innere Balance.

Aber - gibt es die EINE wahre Liebe?

Das ist eine ganz andere Frage. Ich weiß, dass ich auch mit meiner ersten großen Liebe hätte glücklich werden können. Es hätte nur viel mehr Arbeit, viel mehr Streit und viel mehr Jahre gedauert. Aber es hätte klappen können. Und mein Mann hat zwei Mal geheiratet, davon kein Mal aus Pragmatismus ;-) Folglich gilt zumindest für uns: Nein - eine wahre Liebe gibt es in unserem Leben nicht.
Aber wenn man nicht nach Wahrhaftigkeit, sondern nach Einmaligkeit fragt - dann wächst der Seltenheitswert. Ob man im Leben diese eine besondere, einzigartige, unvergleichbare Liebe findet: Das steht in den Sternen. Sie ist es, der wir in "Wie ein einziger Tag" nachsehnen, sie ist es, die Schlagzeilen macht, wenn ein altes Pärchen Seite an Seite seelig dem Leben entschläft, vielleicht sogar liebevoll umschlungen. Diese Liebe, die nur ein einziger Mensch in uns hervorrufen kann: Diese findet leider nicht jeder im Leben. Ich würde es für meine Kinder bedauern, wenn sie sie nie fänden. So wie mir meine Freunde und Freundinnen leid tun, die sie noch nicht gefunden haben - und vielleicht nie finden werden. Eine einzigartige Liebe finden: Das wäre dann aber wirklich ein ganz besonderes Glück!

Schlussendlich zählt aber vor allem, unseren Kindern für Liebe Mut zu machen! Ohne Mut geht es nicht. Ich kann davon ein Lied singen...seid ihr mal mit einem fast 20 Jahre älteren Ossi mit zwei Kindern aus erster Ehe zusammen ;-)

Wer selbst aufrichtig, wahrhaftig und innig liebt, ist ein gutes Vorbild. Klar ist es irgendwie romantisch und am schönsten, wenn die eigenen Eltern sich gegenseitig so liebten. Aber auch zukünftigen Partnern seine Liebe zeigen ist wichtig. Und vor allem heilsam!  Kinder müssen "Liebe" nicht lernen. Denn die hat man in sich. Aber ZU LIEBEN lernt man.
Von den Eltern. Von liebevollen Paaren, die wir bewundern. Von einem tollen Partner.
Neben all den schönen Worten, die man für und um die Liebe machen kann, zählt für Kinder - auch Scheidungskinder - vor allem eins: Dass man ihnen den Glauben an die eigene Liebenswürdigkeit nicht nimmt, und dass sie Liebe erleben!