Donnerstag, 7. Januar 2016

Relaxed&Gut
Sex me up! Aufklärung im Webzeitalter


Aufklärung. Insbesondere sexuelle Aufklärung. Viele Eltern scheuen sich davor. Ist ihnen irgendwie peinlich. Ich weiß noch, wie das bei mir war. Aus Respekt vor meinem alten Herrn werde ich Details verheimlichen, aber als mein Dad (erstaunlich, oder? Ich dachte immer, meine Mom würde das machen) mit einer heißen Schokolade in der Hand in mein Zimmer kam, um dieses Gespräch zu führen, war ich fast 18, schon fast 2 Jahre mit meinem 2 Jahre älteren Freund zusammen, hatte mir die Pille erstritten und war keine Jungfrau mehr. Ich habe trotzdem zugehört. Sicher ist sicher. Am Ende haben wir uns ein bisschen steif die Hand geschüttelt. Komische Geste, aber was soll man da machen? Fragen "Und wie isses"? Neeeeeiiiiinnnnn - oder doch?

Ich mache mir das leicht, das Thema Aufklärung. Stimmt gar nicht, eigentlich machts mir mein Kind leicht. Sie hat keinerlei Interesse an dem Thema, sie will eigentlich nur wissen, ob sie ein Baby kriegen kann und wo es in ihr "wohnen" wird und wo es rauskommt. Letztens habe ich ihr einen Spiegel zum Gucken gegeben, und da staunte sie. Da soll mal ein Baby rauskommen? Naturwissenschaftler, der ich bin, habe ich nur locker gemeint "Das ist wie bei Schlangen. Kann groß werden, kann wieder zusammenschrumpfen." Sie hatte die Tierdoku noch im Kopf. Ich weiß nicht, ob sie jetzt denkt, wir klinken einen Teil unserer Vagina aus und haken den nach der Geburt wieder ein. Aber egal. Für 5 reicht das.

Dass sie entstanden ist, weil Mama und Papa Sex hatten, weiß sie vielleicht, vielleicht auch nicht. Erzählt habe ich ihr das, es hat sie aber nicht interessiert. Sie wollte wissen, warum man einen Mann und eine Frau braucht. Da hab ich dann gesagt, dass wir Menschen wie ein Puzzle sind, und jeder braucht Puzzlestücke von einem Mann und einer Frau: Sonst wird das Puzzle nie fertig. Ich finde, für DNA ist das schon ein ziemlich gutes Bild. Ob sie in der Kita von sich als fertiges Puzzle redet?
Ich habe ihr auch definitiv oft gesagt, dass alles an ihr schön und gut ist.
Von einer Freundin weiß ich, dass ihre Mutter zu oft über ihren Geruch ("Du musst dich waschen, sonst riechst du da unten") und über ihr Aussehen ("Du solltest dich langsam rasieren") Kommentare gemacht hat, das hat sie bis heute dortbezüglich ein wenig verklemmt und überbesorgt gemacht.
In Srubs - Die Anfänger vererbt ein Vater seinen Cockring.
Sagen wir so: Es gibt gute und es gibt schlechte Ansätze ;-)

Das Beste, was wir tun können, ist offen und ansprechbar sein.
Und fangt früh an, bevor die Kinder tatsächlich sexuell empfinden oder sexuell aktiv sind!
Und redet nicht nur über die Technik (die gibts ja kostenlos im Internet), sondern vor allem über Gefühle. Dass der Körper ein Programm abspielt. Dass Mädchen sich häufig nach dem Sex stark emotional zu dem Sexpartner hingezogen fühlen, vielleicht spontan verliebt sind - und am Boden zerstört, wenn diese Gefühle nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Dass junge Männer bzw. Jungs gern experimentieren wollen, was im Klartext erstmal "loslegen" heißt. Und dass junge Frauen bzw. Mädels da oft voreilig mitmachen. Man sollte über die Erwartungen sprechen, darüber, wie viel Übung es kostet, bis man das Geschehene tatsächlich genießen lernt. Dass Sex auch langweilig, schmerzhaft oder eklig sein kann. Dass es okay ist, ihn so zu empfinden. Dass man ehrlich mit seinen Gefühlen sein muss, denn schmerzhaften, sinnlosen oder ekligen Sex muss man nicht haben, wenn man nicht will. Dass Sex ein Lernprozess ist - und dass man lernen kann, schnell zum Höhepunkt zu kommen, oder schönen Sex zu haben. Beide sind zwei völlig unterschiedliche "Fachgebiete", und die Herren der Schöpfung verwenden viele Jahre ihres Lebens auf die Erforschung von Fachgebiet 1.

Was wir nicht tun sollten, ist unsere Kinder blauäugig in die sexuelle Welt zu entlassen.
Das Internet spinnt, in Pornos sehen wir oft Schauspieler, über Sex kann man Krankheiten übertragen und Babies abtreiben ist keine Ehrensache, unter der Entscheidung leidet man sehr! (Nie gemacht, aber passiv erfahren). Frauen brauchen mehr Zeit, Männer eher viel zu wenig. Beides kann man mit Geduld in die richtigen Bahnen lenken. Sex kann 1 Minute (im Schnitt 3,5.....wie traurig ist das denn?) oder 1 Stunde dauern. Sex ist mehr als "Rein-Raus", Sex hat ganz viel mit Intimität, mit Körperstudien, mit Hingabe zu tun. Und am Ende: Ganz viel mit Liebe.
Ich finde, man kann ruhig sagen: Sex mit Liebe ist schöner, als Sex ohne Liebe.
Selbst, wenn man das nicht so empfindet, gibt man seinen Kindern bestimmt nichts Falsches mit auf den Weg. Weil ich es grundsätzlich besser fände, wenn mein Kind innerhalb einer Beziehung seine ersten Geh (Steh...) versuche macht. Spießig? Ein bisschen vielleicht. Aber da bin ich besorgte Mama und bestehe auf MEIN Recht zu wünschen, mein Kind würde seinen ersten Sex in einem sicheren Environment erleben.


Bevor ich es vergesse, weshalb ihr dringend VOR der sexuellen Erwachung eures Kindes mit ihm über Sex reden solltet:


Und hier ein Aspekt, anhand des katastrophalen Umgangs mit Sexualität in China argumentiert, warum Aufklärung generell wichtig ist. Allein die Zahl der Abtreibungen in China sind so schwindelerregend hoch, dass man es kaum fassen kann:

 http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/auslandsreport/Chinas-mangelnde-Aufklaerung-hat-schwerwiegende-Folgen-article16573181.html

Im Großen und Ganzen kann man es wie Jims Vater in der obigen Szene machen und sich und alle Beteiligten blamieren, oder aber es schon früh einträufeln...das Thema, dessentwegen wir alle hier sind ;-)