Freitag, 12. Februar 2016

Mama Gedanken
10 Irrtümer von Eltern

Bald habe ich sie durchbrochen: Die Schallmauer der Kleinkindära rückt unaufhaltsam näher. Die Schultore rütteln schon laut und verlangen nach neuen, unverbrauchten Hirnen! In kurz: Mein Kind wird 6. Es kommt in die Schule. Alles in diesem Jahr. Abschied von der Kitazeit, von Freunden, von Erziehern. Aufbruch in eine neue Welt, auf geht die Reise zur Unabhängigkeit.
Wenn man so viel Zukunftsmusik trompeten hört, ist es ganz natürlich, sich vor dem Lärm auch mal die Ohren zuzuhalten und in die Vergangenheit reinzuhorchen.
Es waren schöne 6 Jahre. 6 Jahre in denen ich so viele irrtümliche Annahmen über mein Kind gemacht habe, dass ich schon heute - ein wenig geläutert - ab und an versuche, einfach mal keine Prognosen zu machen: Liege ja eh meistens falsch.

Hier sind 10 Irrtümer, die vermutlich alle Eltern (grade bei ihrem ersten Kind!) gemacht haben.

1. Ich werde mich an alles erinnern

Hätte ich bestimmt, wäre da nicht dieser Schlafmangel und die vielen Stunden voller Langeweile gewesen. Wenn ich heute Fotos & Videos von damals anschaue, staune ich manchmal. Einfach, weil wir alle so anders aussehen, so anders reden und meine Tochter so anders klingt, als ich es in Erinnerung habe. Ich habe keine Ahnung WESSEN Erinnerungen das sind, aber sie dürften eigentlich nicht meine sein, denn viele davon sind schlichtweg falsch.

2. Alle Babys sind hübsch

Jetzt, wo meine Tochter wirklich richtig schön ist, kann ich rückblickend ruhigen Gewissens zugeben, dass sie mitnichten ein hübsches Neugeborenes war. Und ehrlich: Es gibt keine hübschen und es gibt hässliche Babys. Sorry Moms, isso. Das Gute an der Sache ist, dass sie alle aus ihrer Gnaupeligkeit, ihrer Faltigkeit, ihrer Glatzköpfigkeit, ihrer Fleckigkeit, ihrer Zerbeultheit, ihrer Gelbhäutigkeit, ihrer Pickeligkeit, ihrer Schiefigkeit und all den anderen wenig attraktiven -Keiten herauswachsen. Mit 3, das garantiere ich euch, schmilzt JEDER wenn euer Kind gute Laune hat! JEDER! Dreijährige Kinder sind süüüüüß!

3. Es wird sich nicht alles ums Kind drehen

Fürchte dich nicht vor der großen Macht, die dein Kind hat! Und ob sich alles um dein Kind dreht: e raubt dir ja auch den Schlaf, es kackt und kotzt dich voll, es kann nichts und will in regelmäßigen Abständen Fullservice: Mal ehrlich, wenn du einen neuen Fulltimejob unter High-Demand antrittst, würdest du da nicht dauernd über diesen Job reden? Eben - Freunde, Babys sind eine Fulltimestelle, von den Pausen merkt man nichts, weil man die meistens im Koma verbringt, REM ist eine Schlafphase, die man erst Jahre später wieder zurückbekommt, und dauernd steht irgendetwas an, dass nach Bewältigung und Herausforderung schreit! Nicht dauernd über das Kind reden - wer das schafft, hat bestimmt in echt gar keins.
Und JA - es nervt einen wirklich oft genug selbst, aber versprochen: Sobald die Kinder ein eigenes Leben führen (Kita, Tagesmutter...) ändert sich das.

4. Mein Kind ist...

Beende diesen Satz mit einem x-beliebigen Adjektiv und geh davon aus, dass du dich irrst. Man hab ich mich oft geirrt. "Sie ist eben ruhiger", "Sie ist eben zierlich", "Sie kann das eben nicht so gut", "Das liegt ihr halt nicht", "Da kommt sie nach dir" - Quatsch, Unfug, Nonsense, alles Wahrsagerei. Ich habe mich an die 100 Mal in ein und derselben Sache getäuscht, ich bin inzwischen so verunsichert, dass ich gar keine Prognosen mehr mache. Ganz unbewusst bin ich zum "Abwarter" geworden, vom Wissenden zum Hoffenden ;-) Meine Tochter ist ein Bündel an Überraschungen. Weil mein Mann sich viel weniger Sorgen gemacht hat, als ich, hat er übrigens öfter Recht gehabt. Zum Beispiel, wenn ich "Das kann sie nicht" - befürchtete, da sagte er sein salomonisches "Das kommt schon noch"-  und er hatte Recht.
Dein Kind ist - eine Surprise Box! Leb damit, du weißt es einfach nicht. Zumindest nicht alles.

5. Ich plane ...

nix. Das Leben hat immer andere Pläne, vor allem mit Kind. Und Vieles geht einfach nicht, selbst wenn man es sich vorgenommen hat. Man kann nichts zu Tage fördern, was nicht da ist, man kann nichts erzwingen, man kann nichts herbeireden. Das Kind ist, wie es ist und damit formt sich das Leben drumherum so, wie es eben will. Pläne mache ich immernoch gern, aber für den Fall der Fälle habe ich immer einen Plan B und einen Plan C parat. Sicher ist sicher.

6. Ich verstehe Eltern nicht, die ihre Kinder ...

Na? Naaaaa? Gebts zu, so langsam versteht ihr die ein oder anderen Eltern doch, oder? Nach Jahren mit Kind versteht man, wenn Eltern einfach mal ihre Ruhe wollen und ihre Kinder wegorganisieren, obwohl sie sie unter der Woche auch schon so selten gesehen haben. Man versteht, wenn Eltern mal laut werden, die Beherrschung verlieren, oder einfach nur dumme Sachen sagen, die absolut unzeitgemäß und pädagogisch wertlos sind ("Weil ich es sage, basta!"). Ich zum Beispiel reagiere sowas von a l l e r g i s c h auf Gejammere, dass ich mich hüten muss, nicht direkt wütend zu werden, nur weil grad gejammert wird. Mein Standardspruch (und der Höllenhund grollt schon leise in mir drin) lautet dann "Wenn Jammern irgendwas nützen würde, würde ich das den ganzen Tag machen, bis ich alles habe, was ich mir wünsche. Mein Strandhaus zum Beispiel. Wo ist mein Strandhaus, wenn ich es haben will?!" Manchmal kommt aber auch nur ein unfreundliches "Jammer nicht". Ich bin bei Jammern nicht flexibel. Ich bin da ziemlich kotzig. Ich werde mich später mal entschuldigen dafür.

7. Ich werde immer verständnisvoll und aufmerksam sein

Quatsch mit Sauce. Schonmal verständnisvolle Zombies oder aufmerksame Vollzeitgestresste gesehen? Ich nicht. Wer ein echtes Leben hat und darin jeden Tag viele große und kleine Aufgaben bewältigen darf, der hat es schwer immer verständnisvoll und aufmerksam zu sein. Ein Grund, weshalb ich das zu-Bett-bringen sehr genieße. Ich kann dann auch mal glatt eine Stunde neben meinem Töchterchen liegen und mit ihr reden. Zeit, die wir am Tage so nicht immer haben. Es ist einfach unmöglich, an nervenaufreibenden Projekten zu sitzen, sich um ein studierendes Stiefkind und die Sorgen eines 16-jährigen Stiefkindes zu kümmern, eine gute Beziehung zu Vaddern zu führen und sich dann zu bemühen eine gute Freundin zu sein. Und dann kommen noch Verabredungen, Geburtstage, Krankheiten, Klausuren, Lehrergespräche, Großeltern und Onkels dazu...ja, bleib mal schön entspannt und aufmerksam. Und verrate mir, wie du das jeden Tag zu 100% schaffst, ich bin neugierig!


8. Ich werde nicht so, wie meine Eltern

Stimmt, ich bin nicht so wie meine Eltern. Ich kann aber auch nicht verstecken, wessen Kind ich bin. Es suppt sozusagen in ganz alltäglichen Situationen aus mir heraus. Es beherrscht mich auch dann, wenn ich es ablehnen will. Zum Beispiel, wenn mein Mann mir empfiehlt, entspannt zu bleiben und auf mein Kind zu vertrauen, wohingegen ich am liebsten aktiv werden und Einsatz zeigen möchte, um "das Schlimmste zu verhindern". Ich merke immer wieder, wo es ganz gut war aus strengem Hause zu kommen (Konsequenzen und so...), komme aber auch an meine Grenzen, weil das Strenge aus mir raus will, obwohl ich weiß, dass es nicht immer geholfen hat. Ich werde nicht sein, wie meine Eltern - aber sie waren nunmal meine Eltern. Meine Erziehungsschule. Das färbt ab.
Touché Oldies...ihr habt einen Teilsieg errungen.... ;-)

9. Ich werde kein hysterisches Helikoptereltern

Bin ich nicht. Aber helikoptern kann man ja auf viele Arten. Es gibt halt die, die das ständig raushängen lassen. Die ihr Kind wirklich überall hin begleiten, die sich überall für ihr Kind einsetzen, die es ständig beschützen, die einfach nicht von seiner Seite rücken und ständig in das Spielen und eigene Erfahrungen machen eingreifen. Und dann gibt es Eltern, wie mich. Sie sitzen entspannt auf der Bank und schauen ihrem Kind beim Spielen zu. Wenn es stürzt, schätzen sie anhand der Schreistärke ein, wie ernst die Verletzung ist. Stehen dann auf oder rufen "Steh auf, war nicht so schlimm". Sie sagen dann Sachen, wie "Wird sie/ihn schon nicht umbringen", oder "Das gehört eben zum Leben dazu". Zuhause, wenn die Kinder außer Hörweite sind, dann zeigen sie ihr zweites Gesicht. Leute...

Yo, you helicoptormoms ain´t got nothing on the stuff going on in my head!

Mein Kind steht auf südländische, dunkelhaarige Männer mit Bart und Brille, liebt Gruselfilme und mag Aktion, will gern Kampfsport machen, verehrt Mulan, will gern in warme Länder verreisen, ist stur und manchmal halsstarrig.....

"Was, wenn sie mal einen Muslimen heiratet und in ein muslimisches Land zieht, um dort eine IS - Kämpferin zu werden, weil sie so auf Gruselfilme steht und ja immer die Action sucht und überhaupt in warmen Ländern leben will und Mulan verehrt hat, weil sie eine Soldatin war und ich sie nicht überzeugen kann, hier zu bleiben, weil sie so stur ist und ja eh macht, was sie will"

DRAMA! Ich kann das richtig gut, meine Phantasie kennt keine Grenzen. Ihr wisst schon, was ich denke, wenn sie mal vom Klettergerüst fällt und ich rufe: "Macht nichts, Süße. Steh auf, das tut gleich nicht mehr weh".
Dann denke ich durchaus auch mal: "Wenn sie dann mal einen Unfall hat und sich verletzt, wird sie von ihren Verletzungen unter Umständen nicht so eingeschränkt sein, weil sie gelernt hat, Schmerz wegzustecken, und dann kann sie noch zu einem Telefon humpeln oder irgendwie sich in Sicherheit bringen, und mich dann anrufen, damit ich sie da raushole"....So ungefähr. Weil man ja nie wissen kann, nech?! ;-)
Ihr seht: Helicopter is in your head - und manche lassen das Ding raus, während ich mir ein schönes Heli-Panik-Monster im Inneren halte.

10. Hauptsache Liebe

Okay wisst ihr was? Das stimmt schon. Liebe ist wirklich die Hauptsache, und es ist krass, wie sehr man seine Kinder liebt. Ich habe nur ein leibliches Kind - die Vorstellung es zu verlieren, fühlt sich an, wie das eigene Leben verlieren. Als wenn ich mich dann vor lauter Schmerz in Nichts auflöse. Meinen Mann verlieren? Fühlt sich nach grenzenlosen Möglichkeiten an.... NEIN NEIN Scherz ;-)
Vaddern liest mit, das Gesicht wollte ich nur sehen, höhöhö...
Meinen Mann verlieren fühlt sich nach Schmerz an, aber eher wie ein Loch, nicht wie sich in Schmerz auflösen. Ein Loch, das fühlt sich irgendwie machbar an. Aber das Nichts...wie soll man mit Nichts weitermachen?! Ich kenne Eltern, die ihr Kind verloren haben. Ich weiß nicht, wie sie es schaffen mit diesem Schmerz zu leben. Meine Mutter sagte mal, das sei der Grund, weshalb sie auf jedenfall zwei Kinder haben wollte. So für den Fall der Fälle. Das klingt erst einmal furchtbar...aber sei mal Mutter oder Vater. Du wirst das Gefühl sofort verstehen. Die Vorstellung keinen Grund mehr zu leben zu haben, ist schier unerträglich...Kinder sind nicht unser Lebensinhalt, denken wir. Aber wenn wir sie verlieren, wird uns bewusst...dooooch....schoooon....
Diese einzigartige Liebe zu unseren Kindern ist es, die diese Welt zu einem besseren Ort macht. Und nicht nur diese Welt, sondern eben auch unsere eigenen, kleinen vier Wände. Die sind ein besserer Ort mit Kindern! Wirklich!

Eltern-Kind-Liebe: Das schönste Gefühl der Welt!