Dienstag, 16. Februar 2016

PhiloJune
3 Gründe, weshalb wir Schluss machen & heulen

"Why so sad?"

Männer dürften sich zurecht irritiert zeigen, wenn ihnen grade der Laufpass erteilt wurde, der Blockwart für die gemeinsame Zukunft allerdings mehr zu leiden scheint, als Mann selbst. Es kommt vor - und es wirft die Frage auf: Warum?
Warum macht sie Schluss und heult sich danach die Seele aus dem Leib?
Warum macht sie Schluss, schickt noch tausend Nachrichten hinterher, analysiert lang und ausgiebig das "Warum" und möchte unbedingt unbedingt, dass der Verlassene den Schlussstrich versteht?
Jeder Mann, der unfreiwillig zum Ex degradiert wurde, wird dieses eine klassische Trennnungsphänomen nicht verstehen:
Du hast mir das Herz gebrochen! - reicht dir das nicht? Warum musst du mich noch quälen, warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen, warum musst du mich mit deiner Verwirrung anstecken?
Ich werde ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Mag ja nicht auf jede zutreffen, aber definitiv traf es mal auf mich zu UND es trifft auf fast jede meiner Freundinnen und weiblichen Bekannten zu, deren Hand ich nach einer selbsterwirkten Trennung halten und deren Seele ich trösten durfte.

Die 3 Hauptgründe, weshalb wir mindestens genauso unglücklich sind, wie unsere Exmänner es sind:

1. Zweifel

Auf Platz 1 des Trennungsschmerzes von Frauen steht mit Sicherheit der Zweifel. Es dauert Ewigkeiten, bis Frau sich trennt. Je nachdem, was sie alles bindet, wird sie einen langen Entscheidungsprozess brauchen, um eine Sache abzuschließen. Und egal wie sehr ihr Herz endgültig sagt: "Du trägst keine Liebe in dir, nicht für ihn und für irgendwen" (Zitat ;-)), ihr Kopf könnte noch lange in die nächste oder übernächste Beziehung hinein brauchen, um einen sachlichen Schlussstrich zu ziehen.
Oh diese Verzweiflung über die Frage "War es die richtige Entscheidung?". Wenn sie sich richtig anfühlt, muss sie noch lange nicht richtig sein. Und jede Frau, die mehrere gescheiterte Beziehungen hat, leidet umso mehr unter Zweifeln, wenn sich das nächste Scheitern anbahnt. Dann quälen sie Fragen wie
  • "Was ist diesmal schief gelaufen?"
  • "Liegt es vielleicht an mir?"
  • "Was mache ich falsch?"
  • "Suche ich mir immer die falschen Männer?" (Die Horrorfrage, die bitte bitte nicht mit "Ja" beantwortet werden kann)
  • "Stimmt was mit mir nicht?"
  • "Bin ich beziehungsgestört?"
  • "Sind Männer heutzutage beziehungsfähig?"
Und die Frage, aller Fragen, die uns schier um den Verstand bringen kann (vor allem, je mehr Beziehungen wir beendet haben)

"Werde ich je den einen, den Richtigen finden?"

Denn ganz ehrlich Männer: Wir haben tief in uns drin ein Bedürfnis nach Klarheit, nach Endgültigkeit, nach Beständigkeit. Ich gebe frei heraus zu, dass wir in der Lage sind all die Klarheit und Beständigkeit mit unserer lästigen Fragerei und Zweiflerei zu zerstören (es gibt Frauen, die das zu einer Beziehungsprofession gemacht haben): Aber das ist worum es uns letztlich immer geht. Die Phobikerinnen unter uns torpedieren genau aus der Angst heraus, nicht den Richtigen gefunden zu haben, die Beziehung solange, bis sie sich ihre Sorge selbst bestätigen, indem sie eine Trennung heraufbeschwören.
Ich weiß noch gut, wie schwer mir die vierte oder fünfte Trennung meiner ersten großen Liebe gefallen ist. Wir hatten echte Probleme, aber ich habe ihn auch echt geliebt. Jedes Mal, wenn ich irgendwie geschafft hatte, mich zu überzeugen "Es ist aus", bettelte mein damaliger Freund um Gnade, sozusagen, und ich kam zurück, sehr bereitwillig, denn ich wollte gar keinen anderen. Ich wollte ihn nur so nicht. Als ich mich endgültig getrennt hatte, hatte ich - wie so viele von uns - einen neuen Freund in Aussicht. Ich brauchte ihn, denn er war das einzig sichere Indiz dafür, dass ich mir mit meinem Entschluss die Trennung zu wollen, sicher sein konnte. Warum? Na, weil er ganz anders war als sein Vorgänger. Wenn das nicht Beweis genug ist?! So habe ich mir das jedenfalls eingebildet. Dann habe ich schnell gemerkt, dass anders nicht zwangsläufig besser ist. Ich spreche mit Sicherheit für viele Frauen, wenn ich die Ernüchterung über diese Erkenntnis ausspreche. Es war eines der schlimmsten Gefühle überhaupt zu wissen, nachdem ich Monate investiert und meinen Ex verlassen hatte, dass das Schlussmachen sich für den Neuen nicht wirklich gelohnt hat. Nicht, dass er nicht auch liebenswert war: Aber ich hatte noch mehr Kämpfe mit ihm auszufechten - noch mehr Kämpfe, die auch gar nicht zu meiner Natur passten - dass ich ehrlich verzweifelt war. Dann kamen die Zweifel, die sicherlich viele Frauen bewegen: Liegt es an mir, oder an ihm? Wenn es mit meiner großen Liebe nicht klappt, und mit der kleinen auch nicht: Wird es jemals klappen? Und wonach muss ich suchen, wenn es mit dem einen und mit seinem Kontrastprogramm nicht klappt? Wo finde ich das "Dazwischen"? Oder war der Erste doch der Richtige und er hätte nur mehr Zeit gebraucht, oder ich lag falsch? Und so weiter und so weiter. Es war ätzend. Das Schlussmachen war auf gewisse Art leichter, die Beziehung war auch hundert Mal weiter von meinem Ideal entfernt, aber ich war danach zerstörter, als je zuvor. Ich war richtig depressiv. Ich WOLLTE gar nicht nach einem Mann suchen, ich wollte ihn einfach nur haben. Den Richtigen. Ich wollte gar nicht auf den Fleischmarkt, ich wollte nicht hundert Enttäuschungen durchmachen, ich wollte auch nicht X Männern, die mich vielleicht wirklich lieben, das Herz brechen. Das waren dunkle Zeiten.
Und daher, liebe Männer, kommen unsere vielen Zweifel.
Also entschuldigt, wenn wir euch noch Jahre später fragen: "Glaubst du, es hätte doch was aus uns werden können?"  - Wenn ihr NEIN sagt, tut ihr uns vermutlich einen Gefallen. Vor allem, wenn wir grad in einer Beziehung sind und ihr auch in einer Beziehung steckt. Ein JA kann zu einem echten emotionalen Desaster führen. Das wisst ihr aus Erfahrung, wenn ihr was mit eurer Ex hattet, während sie in einer Beziehung war. Meistens endet das in einer Katastrophe. Es hatte schon Gründe, weshalb wir uns getrennt haben. Die Zweifel lassen diese Gründe meistens nicht verschwinden.



2. Angst


Dies dürfte ohne Zweifel (haha) der zweite Hauptgrund sein, weshalb wir nach einer Trennung völlig fertig mit den Nerven sind. All unsere Zweifel münden nämlich in einem erschreckenden Kerngedanken: Was ist, wenn ich nie den Mann fürs Leben finde?
Wenn wir eh nicht auf der Suche nach ihm sind, sind Verzweiflung und Angst auch nicht unbedingt Teil des Abwaschgangs. Wenn sie es aber sind: Scheiße, dann sind wir sowas von verzweifelt und verängstigt. Wir wollen dann nämlich nicht allein sein. Wir haben Angst davor, wir wissen ja auch nicht, wie lang dieser Zustand anhält. Frauen, die wie ich, lieber in Beziehungen leben als außerhalb, leben selbst beim schönsten Sommerwetter in einer Wolke aus Grau, wenn wir allein sind. Wir mögen es, wenn Beziehungen eine Bedeutung haben, wenn Worte nicht bloß zu Sex führen, wenn Gesten zu unsere Geschichte werden. Wenn wir zu oft den falschen Mann gefunden und ihm unser Herz und unsere ganze Verrücktheit geschenkt haben, nur um festzustellen: Der ist es auch nicht gewesen - dann bricht etwas in uns.
Stellt euch als Vergleich vor, ihr steht eines Tages auf und die Sonne geht nicht auf. Einfach so bleibt es einen ganzen Tag lang Nacht. Nun, es gibt Menschen, die die Sonne nicht brauchen, um ihr Ding zu machen. Aber Menschen wie ich, die brauchen diesen Sonnenaufgang, diesen Tag, diese Abenddämmerung - so so sehr. Kommt das nun nur einmal vor und nie wieder, können wir die Schrecken dieses dunkelsten Tages verdrängen und eventuell vergessen. Kommt sowas aber öfter vor, häuft es sich, wird es Teil unseres Lebens: Dann bekommen wir Angst. So simpel ist das - und deshalb so schier überlebenswichtig.


3. Hoffnungslosigkeit


Ich betone nochmal vorweg, dass dies sicherlich nicht auf alle Frauen zutrifft. Aber es gibt eben Frauen wie mich und meine Freundinnen, auf die Zweifel und Angst und die aus beiden Punkten resultierende Hoffnungslosigkeit zutrifft. Es heißt "Auf jeden Topf passt ein Deckel" - aber wenn du seit 10 Jahren von Beziehung zu Beziehung driftest: Welche Garantien hast du dann dafür, dass dieser Satz wahr ist? Vielleicht ist der Vergleich zu krass, aber ich fühle, dass er in die ähnliche Richtung abzielt: Wenn wir Frauen unsere Tage bekommen, mit 12, 13 oder 14 Jahren, dann wird uns gesagt "Das bedeutet, dass du eine Frau wirst. Das bedeutet, dass du Kinder haben kannst." Und dann stellen wir fest, mit 28, oder mit 30, oder mit 32: Nein, das bedeutet es nicht! DU kannst keine Kinder bekommen. Du hast einfach nur so deine Tage und all die (sehr symbolisch auf eine Beziehung übertragbaren!) Regelschmerzen: Einfach nur so. Es hat keine Bedeutung. Es wird nie ein "Dafür habe ich aber endlich zu dir gefunden, dafür habe ich nach all den Regelblutungen endlich mein Traumkind bekommen" in deinem Leben geben. Sorry, Süße: Du bist unfruchtbar!
Ich möchte hier keiner Frau auf diese Wunde treten und ihr weh tun, wenn ich diese Situation damit vergleiche, Angst zu haben, nie den richtigen Mann zu finden. Aber am Ende bedeutet das das Gleiche: Kein Mann = Keine Beziehung = keine gemeinsame Zukunft = keine Kinder.
Es ist nunmal unser Programm, dafür beginnt doch die "Erdbeerwoche" überhaupt nur (ein Begriff, den ich letztens erst gelernt habe), dafür haben wir Sex, dafür suchen wir nach einem Mann, in den wir unsere Hoffnungen setzen, dafür schauen wir, ob unser Freund gut mit Kindern kann, ob unsere Freunde ihn mögen, ob er in unser Leben passt = weil wir uns was mit ihm aufbauen wollen. Wenn das alles nicht geht, wenn wir einen Abbruch nach dem nächsten erleben, wenn wir jahrelang von Freundinnen und Bekannten überholt werden, die ihren Mr. Right gefunden haben, die heiraten, eine Familie gründen, eine Zukunft haben: Dann befallen uns Panik - und irgendwann ein schales, tristes Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Ich hatte das etwas peinlicher Weise schon mit 20.
Ich habe ernsthaft geglaubt, dass es da draußen in der Welt keinen Mann für mich gibt. Nachdem es mit meiner großen Liebe nicht geklappt hatte, ich drei bewusst unbedeutende Dinger "zwischendurch" hatte und 2 absolut unnötige One-Night-Stands, und nun noch meine zweite ernste Beziehung gescheitert war, war ich bereit anzunehmen, dass ich alles Männermaterial durchhatte. Was ich nicht wollte, war mir ziemlich klar. Aber, ob ich das finden würde, was ich mir wünschte, das war mir nicht klar. Und so war ich mega unglücklich. Ich war richtig deprimiert. Und das obwohl ich mich von jedem einzelnen getrennt hatte, bzw. mich nie ganz auf die eingelassen hatte, die was von mir wollten, das ich nicht wollte.

Ich bin mir sicher, nicht jede kann sich damit identifizieren: Aber einige. Ich bin mit Sicherheit keine Ausnahme, und ich habe sicherlich auch keine Kuriositätensammlung an Freundinnen.

Das Gute daran: So sehr Frauen zweifeln, gern auch jahrelang und für immer obwohl sie in einer dauerhaften Beziehung sind, so sehr sind wir aber auch für Ernsthaftigkeit, Bestand, aufrichtige Liebe bis in alle Ewigkeit. Und wenn wir glauben, den Richtigen gefunden zu haben, dann zeigen wir es ihm aus genau diesen Gründen gern! Und DAS meine Herren ist der Grund, weshalb es so schön ist, von einer Frau geliebt und umschwärmt zu werden: Wir wissen wie man das Gefühl vermittelt, der einzige und beste Mensch auf der ganzen Welt zu sein.
Wir müssen das auch vermitteln wollen: Wir glauben allzu gern daran!

& diese 3 Gründe dürften ganz gut erklären, weshalb wir Schluss machen & heulen










Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography