Dienstag, 9. Februar 2016

PhiloJune
Unendliche Freiheit und der Sinn des Lebens

Sinnsuche in unendlicher Freiheit

So sehr...

So sehr 
So sehr will ich es verstehn! 
So sehr 
Das was ihr seht will ich sehn! 
So sehr so sehr so sehr

Nena, "So sehr", 2005 Soundtrack zu Peter Pan 2

Sehnsucht & Sinnsuche gehören zusammen, wie Peter Pan und die Angst vorm Erwachsenwerden. Dem jungen Herz gehört die Sehnsucht. In Ländern, in denen Armut dann beginnt, wenn man Handy, Fernsehen, Internet, Computer, Haushaltsgeräte,Spielzeug und Suchtmittel nicht mehr regelmäßig durch neuere oder heile ersetzen kann, in denen ein so hoher Sättigungsgrad durch die bedingungslos unbedingt verfügbaren Notwendigkeiten und Luxusgüter erreicht ist, wird die Frage nach dem Sinn des Lebens zu einer lustvollen Last.
Wenn man alles hat: Freunde, genug Geld, Musik, Fernsehen, Internet, Handys und Computer, Parties und Essen, Mädchen und Jungs, Pornographie und echten Sex - wie soll man seinem Leben Sinn geben? Gibt es etwas zu erreichen? Was?
Fragt und horcht man um sich, dann ist die Antwort klar: Glück. 

Glück als höchstes Gut

In einer gesättigten Gesellschaft ist das höchste erreichbare Gut Glück. Es ist so sehr ein Gut geworden, dass manche Politiker fordern, man müsse "das Recht auf Glück" in der Verfassung verankern.
Jugendliche und junge Erwachsene: Sie leben genauso oder rein äußerlich besser, als ihre Eltern. Schon mit 18 haben sie Wohnungen, manchmal eigene. WG ist eine freiwillige Sache, viele können mit ihrem Partner oder sogar allein leben. Sie studieren, gehen Ausbildungen nach oder Hartzen. Alles ist fakultativ, alles kann, nichts muss. Was soll schon passieren? Selbst mit Nichts hat man noch alles. Denn was einem die Eltern nicht geben, das gibt der Staat. So schlafen sie bis in den Nachmittag, obwohl sie zur Uni oder zur Ausbildungsstätte müssten. Wozu sich anstrengen? Sie wissen es nicht.
Ihre Ausbildung macht ihnen keinen Spaß, das beklagen Viele. Spaß = das gehört zum persönlichen Glück dazu. Darauf verzichten empfinden sie als Zumutung. Wie halten die Alten das nur aus? Schuften in Jobs ohne Fun? Nicht wenige Erwachsene - ältere Semester - stimmen in das Klagelied der Generation Y, wie sie gern genannt wird, ein: Sie würden auch gern frei haben, feiern, entspannen, Urlaub machen, tun, wozu sie Lust haben. Sie werfen ihren Kindern oder "den jungen Leuten" ihre Faulheit, ihre Ambitionslosigkeit, ihr übersteigerstes Selbstgefühl und ihre Spaß - und Luxussucht vor, nur um einen Satz später zu betonen "Ich hatte es nicht so gut, wie du". So gut, wie du?
Ich weiß nicht. 

Gähnende Leere

Wenn ich mir die jungen Leute anschaue, dann sehe ich: Ausgebrannte Gesichter. Menschen, die ohne mindestens einmal die Woche gefeiert zu haben ihr Leben in Frage stellen. Menschen, die den Sinn von Arbeit und Leistung nicht verstehen, sich gegen Anstrengung wehren und unter den ihnen zugeteilten Aufgaben stöhnen. Menschen, die alles haben wollen und nur geben, was ihnen sinnvoll und angenehm erscheint. Strahlende Jugend? Das ist aus Zeiten der Märchen. Verstrahlte Jugend, motzende, nörgelnde Jugend, faule, rumharzende Jugend, überhebliche auf alles und jeden herabblickende Jugend: Das sehe ich viel zu oft.
Und ich habe Mitleid. Es gibt so Wenige, die von sich sagen können "Ich bin glücklich" (geschweige denn wirklich glücklich), dass es erschreckend ist. Alle haben alles: Aber sie sind unzufrieden, überfordert, gestresst, müde und erschöpft. Zu viele Aufgaben, zu viel Verantwortung, zu viele unerfüllte Träume und Luxusgüter, die es zu erreichen gilt. Sie hängen die Messlatte für sich und ihr junges Leben sehr hoch, wer nicht das vollkommene Glück erreicht hat ist und bleibt = unglücklich. Gleichzeitig machen sie den Fehler das volle Maß dessen, was für so ein "reiches & glückliches" Leben notwendig ist, ab. Oder aber sie stürzen sich in den einen Sinn, der ihnen greifbar scheint: Geld. Geld, um Konsumträume zu erfüllen. Sie gehen nicht mehr ihrem Wunschberuf nach, sondern dem, der Geld bringt. Viel und schnell. Sie haben keine Lust unnötig lange zu studieren, wozu auch, die Studienrichtung interessiert sie eh nicht!
Sie vernachlässigen ihre Talente, weil sie auf Sicherheit und Luxus bauen wollen - und von Kunst hat ja noch niemand ein Eigenheim gekauft, oder? Stimmt: Von Kunst allein nicht - sondern von Erfolg & harter Arbeit. 

Lustbetont: JA! Zweckgemäß: NÖ!

Glück = das Ziel derer, die alles haben. Denen keine Grenzen gesetzt sind.
Wenn sie aber merken, dass Glück nicht so leicht herzustellen ist. Dass man für Glück eine innere Überzeugung (für irgendwas) braucht. Dass man für Glück Aufgaben und handfeste Ziele braucht. Dass man für Glück Opfer bringen, arbeiten und aus seiner Komfortzone heraus muss: dann fühlen sie sich um "das echte Glück" betrogen, dieses Gefühl, dass sich einfach so einstellt.
 
Dann werden sie wütend. Oder deprimiert. Oder zynisch. Auf jedenfall sind sie aber eines: UN-GLÜCK-lich.

Die Wütenden, die Deprimierten & Die Zynischen

Die Wütenden suchen nach radikalen Normen, nach klaren Regeln. Sie zerschlagen, was die anderen haben, stehlen es, verwüsten es. Sie verachten andere Menschen, so, wie sie sich selbst verachten - tief in sich drin. Sie wollen sich nicht leer und hilflos fühlen, also machen sie sich stark, suchen Konflikte, in denen sie ihre Macht und Kraft beweisen dürfen.
Die Deprimierten verüben Selbstmord, flüchten sich in Räume ohne Denken und Verantwortung, betäuben ihre innere Leere mit lauter Musik, Drogen (Alkohol, Halluzinogene...), bleiben viel zu lange im sicheren Hafen "Elternhaus", alle Nachteile billigend in Kauf nehmend, und verpassen, wirklich zu leben.
Die Zynischen bauen sich das auf, was erreichbar scheint. Sie verbittern über den Stress, den sie haben, über die Träume, die sie sich trotz der Arbeit nicht erfüllen können, über die Menschen, die es doch schaffen, sie zu überholen. Sie nörgeln, meckern, stöhnen - und vor allem baden sie in ihrer Opferrolle, von der aus sie es erstaunlicher Weise dennoch schaffen, auf andere herabzublicken. Was sie auch tun: Ausgiebig.
Was heute vielen abzugehen scheint, ist es, Lasten zu tragen. Grenzen zu überwinden. Das Leben auszuhalten. Auszuhalten, wenn die Kollegen unsympathisch sind, der Chef ein Tyrann und das Agenturleben schnellebig und hart ist, die Beziehung anspruchsvoll und nicht konfliktfrei läuft und Glück ein nicht einfach herstellbarer Zustand ist. 

Alle Leser wissen, dass ich generalisiere. Ich kenne nicht "alle". Ich weiß, dass es Ausnahmen gibt. Ganze Gruppen von Ausnahmen. Aber die, die ich beschrieben habe, gibt es auch. Ebenso in Gruppen. Und ich begegne ihnen überall. Ich kenne zu Viele, die so sind.

Auf der Suche nach Sinn, im Glauben sie hätten ein Recht auf Glück, stolpern sie ziellos herum. Die unendlichen Möglichkeiten, die vor ihnen liegen, verstehen sie nicht als Wohlstand und Chancenvielfalt: Es ist eher eine Bedrohung, wie ein Labyrinth. Sie sehen nicht "Viele Wege führen nach Rom"; sondern dass zu viele Wege sie von Rom wegführen könnten.

Ich habe keine Lösung für das Dilemma, das diese Menschen haben. 
Einige von ihnen werden passiv aggressive "Unter-dem-Radar" - Flieger, die immer nur sehen, was sie nicht haben und mit ihrer schlechten Laune die Umwelt verpesten. Wieder andere werden Glücksritter, die von Wolke zu Wolke hüpfen und sich nie wundern, weshalb jede Wolke verpufft.  
Einige von ihnen werden junge Rebellen. Sie leben bei ihren Eltern und werden Salafisten, IS-Soldaten oder Links - bzw. Rechtsradikale, die Staatseinrichtungen oder Ausländer attackieren.

Was wir aber tun können: Selbst zufrieden sein! Wir müssen gute Vorbilder sein oder werden. Wenn wir ein Dach über dem Kopf, Möbel und Haushaltsgeräte, Geld für Essen und Trinken, und dann sogar noch Geld für Kinder, für Spielzeug und Luxusgüter haben - dann sollten wir Dankbarkeit und Zufriedenheit vorleben. Ist das nicht unglaublich viel, was wir dann haben? Noch dazu in Deutschland, wo Krankenversicherungen obligatorisch sind und die medizinische Versorgung beispielhaft im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Welt ist! Denn das Jammern auf hohem Niveau: Das haben sich unsere Kinder vielleicht auch von uns abgeschaut.

Schlechte Vorbilder

Von den Medien, die "only bad news are good news" zelebrieren.
Von den Parteien, die die gute Arbeit ihrer Kollegen nicht öffentlich loben können, aber jeden Fehler ans Licht ziehen und öffentliche Schmähungen zelebrieren.
Von den Agenturen und Einrichtungen, die ihr Geld damit verdienen, anderen Menschen ihre Fehler aufzuzeigen und sie öffentlich an den Pranger zu stellen (Doktorarbeit & Co).
Von den Autoren, die ein Endzeitszenario nach dem nächsten publizieren.
Von den Lehrern, die unseren Kindern lauter Dinge beibringen, die sie nicht brauchen und ihnen einreden, dass sie mit oder ohne dieses unnütze Wissen ohnehin keine rosige Zukunft zu erwarten haben, da der demographische Faktor, die Regierung, die Rente, Putin, Obama etc...
Von Eltern, die ihren Kindern keine Arbeit abverlangen, keine Niederlagen zutrauen, keine Stärke abverlangen, kein Durchhaltevermögen erwarten, keine schlechten Zeiten zutrauen, keinen Stolz erlauben, keine Konkurrenz wünschen, keine Siege und keine Niederlagen zulassen und im Ausgleich für den Mangel an lebensechten Erfahrungen ihre kleinen Hintern mit allem unverdienten Luxus vollblasen

Where to start?

In den eigenen vier Wänden.
Ich will euch lächeln sehen.
Ich will euch positiv von eurer Arbeit reden hören.
Kein "Leider muss ich arbeiten", sondern "Gott sie Dank habe ich Arbeit".
Ich will euch lieben, eure Zeit, eure Partner und eure Kinder genießen sehen.
Ich will euch die kleinen Dinge zelebrieren sehen!
Ich will euch den Kauf globaler Luxusgüter überdenken sehen!
Ich will euch den Konsum von Medien, die euren Kindern Zukunftsängste und unrealistische Lebenserwartungen eintrichtern, überdenken sehen!
Ich will euch hart und konsequent sehen!
Ich will, dass ihr eure Kinder genauso Sieger wie Verlierer sein lasst!
Ich will, dass ihr euren Kindern Aufgaben gebt und sie arbeiten lasst!
Ich will, dass ihr euren Kindern Mut macht: Für die Zukunft!
Ich will, dass ihr selbst lernt, mutig zu sein.
Seid demütiger, seid dankbarer, seid hoffnungsfroher, seid zuversichtlicher!

Ich will, dass ihr frei nach einem chinesischen Sprichwort euren Kindern wünscht:
Mögt ihr in interessanten Zeiten leben!

Das Leben ist ein Geschenk, jeder Tag eine Chance, die Gegenwart ein Feuerwerk aus Wundern und Spektakeln! 

In diesem Sinne - 
Celebrate & Say your Thank you´s!






Fotos von Ryan McGuire, siehe hier http://gratisography.com/