Dienstag, 23. Februar 2016

Relaxed&Gut
Lass das mal den Papa machen

Väter helfen eben anders...

...denn Papa macht das gut

Mütter genießen den Ruf unerreichbarer Großartigkeit, wenn es um den Schutz und die Aufzucht von Kindern geht. Wo Kinder ein hohes Gut sind, wird das Muttersein wie die WM zelebriert, während die Vaterschaft immernoch eher Bronze bei den Paralympics zu feiern scheint. Voll unfair, aber isso. Dabei sind Väter nicht die besseren Mütter, sie erheben nicht einmal den Anspruch darauf, vollwertige Ersatzmütter zu sein: Sie sind eben Väter - und als Vater machen sie Dinge anders. Wie ein Mann.
Als ich ein Kind war, hat mein Vater mir beigebracht, wie man eine Zwille baut und damit schießt. Der erste Treffer ging ins Auge: Meins! Ein echter Vater zuckt mit den Schultern, brummt "Du hast im Weg gestanden" und zeigt dir beim nächsten Schuss, wie mans richtig macht.
Der Fehlerball liegt extrem selten im Spielfeld der Väter. Fallen gelassen? Das Kind hat sich halt dumm angestellt. Runtergefallen? Das ist trotzdem nicht zu hoch! Arm gebrochen? Kommt in den besten Familien vor! Tränen? Aber nur vom Lachen, bitte. Quängelig? Das hat sie von dir!

Anders mit Sahne drauf

Väter sind anders: Und das ist genau das, was sie auszeichnet. Man kann das nicht einfach pauschalisieren, nein, Väter zeigen in ihren Qualitäten mitunter eine viel größere Variationsbreite als Mütter. Mütter, sehr bemüht darum einen Konsens mit der Gesellschaft und mit anderen Müttern zu finden (also Stinomas,  nicht Exceptionmas), gleichen sich ziemlich oft derartig, als wären sie alle in derselben Familie großgeworden. Sie erinnern sich alle an jeden einzelnen Geburtstag in der Familie, sie kennen alle die Namen der besten Freunde ihrer Kinder, sie sorgen sich alle um eine gesunde Ernährung, sie erheben alle den Anspruch ihr Kind möglichst "fern von" und "ohne" zu erziehen und sehen sich alle gern als Apostel der Liebe und Harmonie.
Väter hingegen vergessen alles, was man in einen Kalender schreiben kann, kennen nicht Namen sondern Eigenschaften der Freunde ihrer Kinder ("Dieser Kiffer?", "Der Kurze mit den krummen Beinen?", "Diese Zickige?", "Die Heulsuse?", "Die mit der Omabrille?", "Der mit der Ökomutter?") und ernähren ihre Kinder weitestgehend alkoholfrei: Das muss reichen. Abgesehen davon ist kein Vater wie der andere. Und DAS macht sie besonders. Über Mütter kann man als Kind im Großen und Ganzen nach 18 Jahren übereinstimmend feststellen, dass sie alle gleich (gut) waren. Aber Väter...oh no, Sir, d a s  ist was Anderes. Von Ich hasse ihn bis Ich liebe ihn ist da alles drin!

Väter sind die Reibungsfläche für den Charakter

Mütter sind eher die Reibungsfläche für unsere Lebensentwürfe, Väter sind die Reibungsfläche für unseren Charakter. Während wir mit Müttern über Meinungen und Ansichten, über was notwendig ist und was nicht, was nervt und was toll ist, debattieren, geht es bei Vätern um essentielle Dinge, wie: Kann ich das? Traue ich mir das zu? Macht mir das was aus? Habe ich davor Angst? Will ich das?Und ganz besonders: Macht mir das Spaß? Und zwar ohne lange Debatten - man wird eiskalt ins kalte Wasser geworfen und dann heißt es eben: Schwimm!

Väter geben einem ein Leben lang Denkstoff für Benehmen, Lebenslust, Egoismus und Leidenschaft. Mancher ist besoffen vielleicht unglaublich musikalisch und lustig, ein anderer holt beim Grillen sein penibel gepflegtes Chirurgenbesteck hervor, wieder andere nehmen ihr Kind zu jedem Spiel vom Lieblingsverein mit und der ein oder andere gewinnt einfach bei jedem Spiel gegen die 4-jährige Konkurrenz: Einfach, weil "die sonst nie lernt, Verlieren zu verkraften. Außerdem spielt sie halt schlecht!" Väter sind vielmehr sie selbst und viel weniger eine Rolle, der sie sich verpflichtet fühlen - sie können liebevoll sein, ohne das als gesellschaftliche Pflicht zu sehen und im nächsten Moment enorm egoistisch, weil sie grade am Computer sitzen. Sie können mit Hingabe ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und dabei die anderen anwesenden Geschwisterkinder völlig ignorieren, und im nächsten Moment die Tür hinter sich zuschlagen oder für lange Zeit auf Geschäftsreise gehen. Sie können ahnungslos vorm Laden stehen und nicht wissen, was sie zum Geburtstag schenken sollen und trotzdem von jeder Reise mit einem tollen Mitbringsel zurückkommen. Sie können Zigarette rauchend mit Totschlag drohen, sollten sie Junior vor 18 mit einer Zigarette im Mund erwischen. Sie haben mit Drogen rumexperimentiert und finden das gehört zum Leben dazu. Sie sind tiefenentspannt und vertrauen auf das Motto "Das Leben findet immer einen Weg", weshalb sie um 4 Uhr nachts laut schnarchend im Bett neben der von Ängsten zerfressenen Mutter liegen können. So sind sie eben...



Sie spüren instinktiv, dass Zäune völlig überbewertet sind. 


Sie lassen ihre 3-jährigen Kinder ans Steuer: Wo kein Zeuge, da kein Verbrechen.

Sie kennen sich mit Ernährungstabellen, Basometern, Veganismus und Gluten so gut aus, wie der Rest der Menschheit vor circa 5 Jahren und behalten diesen Status gern und dickfällig bei: Bei ihnen gibt es Pizza, Eis mit Sahne und Smarties, Malzbier, Überraschungseier und YPS-Hefte, die Mama in den meisten Fällen nicht einmal kennt.
Wenn ein Kind in der Kita über Egoismus und Charakterunterschiede unter Gleichaltrigen lernt, lernt es dasselbe von den erwachsenen Vätern um es herum. Mütter reden einfach viel zu gern über ihre Kinder und Beziehungen, egal, wie viele von ihnen beisammen sitzen. Männer? Mord und Totschlag, Demos, WM-Tabellen, Kinofilme, Zahlen im Allgemeinen, der Job, die Vergangenheit, Jugendsünden: Sie schwatzen gern - genau wie Mütter - jedoch über ganz andere Themen!

Väter kriegen große Augen: Wie die Kleinen

Kriegspielen: Sowas geht nur mit Papa


Egal ob Dinosaurier, Star Wars, Lego, Miniatureisenbahn oder Spielzeugpistole: Väter sind auch nur Kinder. Ich kenne nicht annähernd so viele phantasievolle Mütter, wie Väter. Da geht es nämlich nicht nur um "Gute-Nacht-Geschichten-Ausdenken", sondern um Geschichten leben. Mittendrin stecken im Todeskampf, im Krieg der Sterne, im Gefecht. Während die Mütter kopfschüttelnd am Esstisch sitzen, jagen die Männer bis an die Zähne mit Plastikpistolen bewaffnet den Kindern hinterher, grausam brüllend oder gefährlich schleichend. Sie verstecken sich mit Herzklopfen hinter Türen und Vorhängen, sie schliddern über den Boden, um hinter einem niedrigen Sessel Schutz zu finden: so sind Väter (live erlebt). Sie sind Nerds, Abenteurer, Spielkälber, Forscher und Entdecker, Sportenthusiasten und große Fans ihrer Kinder!
Sie verstehen Spaß und haben keine Angst, wenn es ernst wird - viele Väter fordern sogar den Ernst im Leben ihres Nachwuchses ein, denn "Wo soll es das denn sonst lernen?".
Ich kenne viele Mütter, die darüber stöhnen, dass sie zu Hause in Wirklichkeit x + 1 Kind haben - und damit meinen sie ihren Mann. Sie müssen ihm hinterherwaschen, hinterherräumen, hinterhertelefonieren, hinterherorganisieren usw. Vatern hinterlässt in vielen Beziehungen eine Spur an niederen Aufgaben, auf die Mutter genauso wenig Bock hat wie er, nur dass sie schon nach wenigen Stunden die Geduld verliert und eingreift, während Vatern scheinbar getrost ein paar Monate das "Niedere" liegen lassen kann. Natürlich kann und will ich niemanden pauschal beurteilen - geht auch nicht, so viele kenne ich dann doch nicht - aber es wäre wirklich an den Haaren herbeigezogen, würde man nun einzelne Ausnahmefälle auflisten, um mir (oder irgendwem) das Gegenteil beweisen zu wollen. Das Gegenteil hiervon kann man nämlich nicht beweisen: Oder würde irgendjemand meiner These folgen und sie eins zu eins auf das Gros der Frauen ummünzen? Geeenau: Das geht tatsächlich nicht.

Mütter sind notwendig: Aber ohne Väter fehlt was

Ohne Väter geht es nicht? Hm...diesen Satz würde ich tatsächlich stark in Zweifel ziehen und erst einmal durchdiskutieren, was ohne sie nicht gehen soll. Faktisch kann ich tatsächlich für mich und viele meiner Mutter-Kolleginnen mit gutem Recht behaupten, dass sie schon jetzt für Vieles nicht notwendig sind. Der Laden läuft durchaus ohne ihr Zutun. Das meine Damen und Herren heißt aber NICHT, dass der Laden besser oder schöner liefe, wenn es Väter gar nicht gäbe. Es heißt auch nicht, dass sie als Teil des Familiengeschäfts unbrauchbar sind (und ich nehme bewusst die Ernährerrolle raus, weil ich die einfach zu primitiv finde...ich meine schon echtes Mitmischen!).
Es heißt nur, dass Mütter sehr gut Pausenbrote schmieren, Termine vereinbaren, Sorgen anhören und beschwichtigen, aufpassen, Kinder verabreden, gute Ausbildungsangebote und Kurse auswählen, gesundes Essen kaufen und kochen, das Kind sauber und ordentlich halten und ihm Liebe und Geborgenheit schenken können. Das geht auch, wenn Papa nicht da ist. Entweder, weil beruflich oder weil beziehungstechnisch migriert. Egal: Mama kann das alles ohne ihn und zwar gut. Und ja: Ich kenne kaum ein Kind, das nicht glücklich und gesund bei Mama aufwächst, ob Papa nun da ist oder nicht. ABER - eine gute Beziehung zu einem tollen Mann zu haben, der eben anders ist, vielleicht auch mal schwierig, der lustig ist, der sich um ganz andere Dinge einen Kopf macht, der ganz anders anwesend und aufmerksam sein kann, der dich herausfordert, in die Ecke drängt und gleichzeitig aus der Reserve lockt: Das ist für Kinder Gold wert. Und ich meine das genau so!
Zum Vergleich: Ein Dach überm Kopf zu haben und sich um nichts Sorgen machen zu müssen, ist wirklich schön (mit Muttern), aber wenn dieses Dach regelmäßig am Wochenende auf dem Planeten Naboo steht und Mama zur Königin Amidala gekrönt wird, oder wenn Pixarscharen Regale und Wände unter diesem Dach bevölkern und wenn es darunter regelmäßig einen neuen Wettbewerb gibt, sei es Turmbau mit 2 Jahren, Fußball mit 7 Jahren oder Rafting mit 15 Jahren: Dann weiß ich, wo ich lieber leben und aufwachsen möchte.

Mütter mögen vielerorts unsere Erde sein: Aber Väter sind definitiv das Salz darin!
Ich bin froh, dass ich einen Vater zum Zähne-dran-ausbeißen-und-dran-wachsen zu Hause hatte. Und ich bin froh, dass meine Tochter bzw. unsere Kinder ihren Vaddern haben.

Hiermit gilt mein Dank demnach allen Vätern, die für ihre Kinder da sind: Ohne euch würde unser Leben eine ganze Prise fader schmecken!