Dienstag, 8. März 2016

MamaGedanken
Warum Fit unser Skinny ist


Spinat macht schön - wusste schon Popeye


Männer

Männer haben etwas, wovon ich manchmal gern mehr hätte: Testosteron. Natürlich nur in Maßen, ich mag meine Äpfel auf dem Teller und nicht unterm Kinn. Aber so ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, dieser breitbeinige "Ich bin ein Mann von Welt" - Gang, dieses selbstsichere sich auf jeden Stuhl setzen, als wenn es ein Thron (sein Thron!) wäre: Das hat was. Am meisten beneide ich Männer um dieses Selbstbewusstsein, wenn es um ihre Selbstzufriedenheit geht. Maßgeblich in puncto Aussehen. Männer schenken ihrem reflektierten Gegenüber wenig bis null Beachtung. Es ist ihnen auch häufig ziemlich egal, ob sie groß oder klein, dick oder dünn, weich oder fest, haarig oder glatt sind: Die meisten finden sich ziemlich in Ordnung, so wie sie sind (ja, das finden wir zu Recht oft erstaunlich. Aber wir gucken ja auch länger und öfter hin, als sie, die so schnell mit ihrer Morgentoilette fertig sind, das sie mit Sicherheit ohne Probleme auch ein fremdes Gesicht gewaschen hätten - wenn überhaupt). Je älter sie werden, desto eher trifft das zu. Das "Sich-selbst-in-Frage-stellen" - Programm wird irgendwann einfach beendet. Und damit ist gut. 

Frauen

Amüsiert beobachte ich Teeniemädels, die scheinbar grade entdeckt haben, dass auch Schaufenster reflektieren, und duckface-mimend von Fenster zu Fenster schlendern, um sich selbst abzuchecken. Sie merken nicht, wie albern sie dabei aussehen. Sie tun einfach, was (manche) Frau tut: Sich vergewissern, dass sie gut aussehen. Oder sich hinterfragen, ob sie gut aussehen. 
Frauen - je jünger, desto eher - beschäftigen sich täglich mit ihrem Aussehen. Und natürlich mit dem Aussehen anderer. Sie vergleichen sich, versuchen sich einzunorden. Und sind regelmäßig frustriert. Unzufrieden. Manchmal sogar schier verzweifelt. 

Töchter

Ich habe zwei Töchter. Ich wünsche ihnen beiden breitbeiniges Selbstbewusstsein. Ich wünsche ihnen das Gefühl, dass jeder Platz ihrer ist, jeder Stuhl ein Thron sein kann. Doch ich weiß: Wünschen allein nützt nichts. Ich tue also etwas. Für ihr Selbstbewusstsein. Nummer eins: Ich muss an meinem eigenen Selbstbewusstsein arbeiten. Wohlfühlen, so wie ich bin, so wie ich aussehe: Das ist nicht jeden Tag so leicht, wie für die Herren der Schöpfung. Ich bin eitel, aber ich bin auch noch immer "die kleine verletzte June, die zu Hause vor ihrem Spiegel steht und weint" - Zitat einer Freundin, aus unseren pseudopsychologischen Therapiestunden. Sie hat ein bisschen recht. 
Was kann ich noch tun?

Das starke Geschlecht zelebrieren

Statt zu lästern, wenn man eine Frau sieht, die nicht den eigenen Mode- oder Figuridealvorstellungen entspricht, sollte man entweder gar nichts sagen oder deren Individualität und Einzigartigkeit herausstreichen. Dafür muss ich nicht lügen. Mir fallen Frauen ein, die einen unmöglichen BMI haben, und dazu das unverschämt hübscheste Gesicht. Und umgekehrt. Am meisten muss ich aber dem starken Geschlecht in unseren eigenen Reihen Bewunderung schenken.. Frauen, die ihren Körper lieben, seine Kraft und seine Ausdauer schätzen. Sportlerinnen und Bodybuilderinnen gleichermaßen schätzen ihren Körper, er ist nicht ihr ständig blutender Feind, sondern ihr perfekt auf ihre Interessen ausgerichteter Begleiter und Partner. Sie lieben ihr Aussehen, und mehr noch: Den Körper, den sie geschenkt bekommen haben. Sie haben viel Arbeit in ihn investiert, und diese Arbeit zahlt sich aus: Durch enorme Kraft, oder Geschwindigkeit. Durch große Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Gesundheit. Sie haben den Dreh raus: Und ich will das auch. 

Skinny is dead

Mager ist bei mir out. Ihr dürft mir glauben, ich habe beide Seiten kennengelernt: Sehr schwere bei fast 90kg und ziemlich leichte bei knapp über 60kg. Nach der Schwangerschaft wurde das Thema "Körper" eine Kampfangelegenheit: Der Schwangerschaftsspeck war schnell weg, aber meine frühere Figur auch. Ich war zum Glück nur ein paar Jahre lang frustriert. Mit den Jahren hat nämlich ausgerechnet mein Kind mich locker gemacht. Ich liebe nämlich ihren Körper, und der ist athletisch, groß, stark und alles andere als zierlich. Das heißt nicht, dass sie dick wäre oder irgendwie ungesunde Ausmaße hat. Es heißt nur, dass sie kein Vögelchen ist. Ihre Power ist meine Inspiration. Ich könnte es mir selbst nicht verzeihen, wenn ich meiner Tochter nun dieselben Frauenideale eintrichterte, die mich jahrelang beherrscht haben. Die haben alle überhaupt nichts mit ihrer Energie, Lebensfreude, Kraft und Körperlichkeit zu tun!

Stark & Glücklich

Meine Tochter soll Spaß an ihrem Körper haben. Sie soll ihn genießen und schätzen lernen, wie einen guten Freund. Sie soll sich über ihre Muskeln freuen und sie nicht hassen, so wie ich es lange Jahre bei mir selbst tat. Sie soll ihre breiten Schultern als tragfähig erleben und ihren selbstsicheren, ungezwungenen Gang fröhlich in die Welt mitnehmen. Wer wäre ich, der ihr dann Germany´s Next Topmodel zeigt? Oder klassische Frauenmagazine mit Size 0 Models darin in der Wohnung hat? Wer wäre ich, wenn ich nicht genau das, was meine Tochter ausmacht, hier daheim zelebriere? 

Ich liebe meine Tochter genauso wie sie ist. Es wäre ein unendlicher Jammer, wenn sie das eines Tages nicht täte. Meine Tochter ist Kraft, Ausdauer und Power. Und deshalb ist bei uns FIT unser Skinny.






P.S. Foto von Ryan McGuire, gratisography.com