Freitag, 18. März 2016

Relaxed & Stiefmom
Aller Anfang ist schwer

Humor hilft auf dem Weg zum WIR Gefühl

Eine gute Beziehung zum Stiefkind? Träum weiter...

Gestern habe ich auf dem Stiefmutterblog von Susanne Petermann gestöbert und einen schrecklichen Artikel nach dem anderen gelesen. Und ich meine nicht nur die Qualität....nein Scherz ;-) Die ist selbstredend großartig, Susannes Beiträge sind sehr lesenswert. Ich meine natürlich die Erfahrungen, von denen die Stiefmütter dort offen und zum Teil herzzerreißend berichten.
Sie klagen über ihre Männer, die scheinbar zwischen alten und neuen Verpflichtungen hin und her gerissen sind, und sich - verbunden mit viel Streit - oft genug eher an alte Verpflichtungen halten, die neuen dabei aber ausblenden. Sie klagen über die unfreundlichen oder ablehnenden Familienmitglieder auf Seiten der Stiefkinder, die boshafte und missgünstige Kommentare machen und auf das Scheitern der Stiefmütter schier warten. Sie klagen über den Mangel an Anerkennung ihrer Leistungen, über die langen Schatten, die die Exfrauen werfen, über das Leben im ständigen Kompromiss mit Menschen, die einem scheinbar nichts Gutes gönnen.

Nach Ende meiner Lektüre war ich aufgewühlt aber auch irritiert. Vieles kam mir so bekannt vor, mit einer Ausnahme: Ich habe es erlebt, und doch war bei uns gefühlt alles anders. Einfach "besser".
Ablehnung, Wut, Hass, Spott, Missgunst, Unterhaltsstreitereien, lädierte Psychen wo man geht und steht...Das hatten wir auch alles durch! Mein Mann ist immerhin mit einer zwanzig Jahre jüngeren (und damals erst 20 Jahre alten!), exotischen, kinderlosen Frau zusammengekommen. Schon das hat Stoff für Hasstiraden sondergleichen geliefert. Es wurde auch alberner Weise in zahlreichen Anwaltsbriefen erwähnt..."die noch immer erst xy-jährige Freundin des Kindsvaters...". Aber irgendwie war trotzdem - gefühlt - alles eher gut als schlecht. Das Glas stets halb voll, nicht halb leer. Trotz der Tränen. der Wut ohne Ventil, der Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten.
Ich grübelte fast die ganze Nacht. Was lief denn bei uns anders? Wo waren die Unterschiede versteckt?

Ich bin zu dem Entschluss gekommen, unter "Relaxed & Stiefmom" über meine Erfahrungen und Lösungen als Stiefmutter zu schreiben. Ich habe bei Susanne zu viele Frauenstimmen gelesen, die ohne Hoffnung ein düsteres Bild für die Zukunft zeichneten:

Eine liebevolle/gute Beziehung zu deinem Stiefkind? Das passiert nie!
Frieden mit der Ex? Träum weiter!
Gleichberechtigung zwischen deinen und seinen Kindern? Forget it!

Ich glaube fest: Das ist ein Irrtum! Es mag Ausnahmen geben, aber ich bin mir sicher, sie müssen nicht die Regel sein! Es kann funktionieren. Davon bin ich fest überzeugt. Fangen wir der Vollständigkeit halber also ganz von vorne an.

P.S. Ich klammere dabei (hoffentlich) alles aus, was auf den emotionalen Schlipps meiner Stiefkinder oder deren Mutter treten könnte, auch diverse unschöne Details. Respekt geht vor.


Aller Anfang ist schwer

"Papa wohnt nicht mehr hier. Der hat jetzt eine Neue."
Ein fingierter Anfang für eine schwere Zeit. Apokalypse für jedes Kind. Endzeitszenario!
Wer sind wir, ihnen die Details zu erklären? Welche? Und darf man das überhaupt? Was müssen sie wissen, was nicht? Und wann sollten sie "die Neue" kennenlernen?  Überhaupt jemals? Oder sofort?

Ich weiß noch, wie überraschend mein Mann und ich zusammen kamen. Ich habe nicht daran geglaubt, dass wir je ein Paar würden. Wir waren über Monate bloßen Schreibens und netten Plauschens erst beste Freunde geworden, dann Verliebte. Aber ohne Hoffnung, so wie ich das sah. Da gab es ja noch eine Familie. Die Ehe war zerrütet, eine Geschichte, mit deren Veröffentlichung ich sicherlich eine Bestseller-Auszeichnung bekommen würde. Hollywood kennt solche Dramen. Aber es gab ja auch die Kinder. Und vielleicht doch Hoffnung? Nachdem die Gefühle ausgesprochen waren, nach einem romantischen Wochenende (Schande auf mein junges Haupt...), fiel mein Entschluss - hoch idealisiert und auch voll Reue: Wir dürfen uns nicht mehr sehen! Wir dürfen keinen Kontakt mehr haben! Erst musste er aufrichtig - ein 4. Mal - um seine Ehe kämpfen. Das ging nicht, solange ich im Spiel war: Logisch. Vielleicht kann man ja was retten, dachte ich. Ich bestand auf eine vollkommene Sendepause. Und lag fortan heulend in meiner Wohnung, trauerte einer Beziehung, die nie sein würde, nach und hörte schaurige Musik.
Exakt 1 Woche nach unserer Null-Kontakt-Vereinbarung, klingelte unvermittelt (so mitten in meinen hausgemachten Blues hinein) mein Handy. "Ich stehe unten vor der Tür"!
So begann unsere Beziehung!
"Ich stehe unten vor der Tür" - ich erlitt einen halben Nervenzusammenbruch! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. "Willst du mich noch?"
Klar wollte ich. Aber ich hatte grade emotional Abschied genommen, ich konnte meine Gefühle nicht so schnell wieder auf frisch-verliebt umschalten. Was war passiert? Warum war er hier? Was würde nun aus den Kindern werden? Die Details darf ich natürlich nicht verraten, aber eins sei gesagt: Beide haben sich exakto nullo Mühe gegeben, wirklich zusammen zu bleiben. Bereits zu viel Porzellan zerschlagen, vielleicht. Keine Ahnung - über fremde Beziehungen kann man immer nur orakeln.
Zurück zu uns: es wurde ein chaotisches, wildes, stürmisches Zusammenkommen. Eine extreme Berg-und-Talfahrt, wie manisch-depressiv, immer wieder beseelt vom größten Glück und dann von größten Zweifeln.
Und immer blieb die Frage: Wann lerne ich die Kinder kennen? Wann ist der richtige Moment?

Verliebt mit Kompromissen


Wenn man frisch verliebt ist, will man seinen Partner ganz für sich allein haben. Und das Gefühl mit aller Welt teilen. Doch da gab es keine Welt, die von unserem Glück hören wollte. Meine Eltern nicht (Der ist 20 Jahre älter, verheiratet und hat Kinder! What the f***?!?!?!?!) und  natürlich bei ihm auch nicht. Es war also immernoch eine fast geheime Liebe, da sie unter Verschluss gehalten zelebriert werden musste. Machte es einerseits soooo herzschmerz-romantisch, aber auch bedauerlich.
Das nächste, worauf man in so einer Konstellation verzichten kann, ist Einzigartigkeit. Alles existierte im Leben dieses Mannes schon. Hochzeit, Ehe, Kinder. Alle Dinge, in die man sich mit 20 hineinschwärmt und in gemeinsamen Tagträumen verliert, existierten schon. Ich war eben nicht die Erste. Die Eine. Die Einzige. Ich war Nummer 2. Und das bekam ich täglich aufs Brot geschmiert. Riefen seine Kinder an, rauschte er zu ihnen. Natürlich: Was hatte ich auch für ein Recht darauf, ihnen ihren Vater wegzunehmen? Ich glaube, ich habe von unseren 9 gemeinsamen Jahren mindestens 3 gebraucht, um diesen Gedanken endlich abzschütteln. Egal wie oft er sagte, dass die Ehe zerrüttet war, dass einer von beiden irgendwann das Handtuch endgültig geworfen hätte, dass sie ja (das gehört hier nicht hin) und dass er demnach ... und so weiter. Ich hörte es, ich erlebte ja auch, wie die beiden miteinander waren: Aber ich war mir nicht so sicher, ob es stimmte. Bis heute bin ich der Überzeugung, dass mit besserer Hilfe, als die, die sie in ihrer Ehe wahrgenommen haben, bestimmt noch was zu retten gewesen wäre. Mein Mann hasst es wie die Pest, wenn ich das sage. Aber ein kleiner, idealistischer Punkt in mir ist der festen Überzeugung, dass jede Liebe rettbar ist. Ich durfte Fotos aus anderen Zeiten sehen. Glücklichen Zeiten. Es war schmerzhaft und gruselig: Da war mein Mann, jünger, glücklich, voller Energie, mit ihr. Die Frau, die alles gehabt hatte, was ich mir wünschte. Was war schief gegangen? War ich fehl am Platz? Doch Schuld? ("NEIEN" höre ich Roy schon komplett abgenervt rufen. "NEIEN WARST DU NICHT!")
Verliebtheit mit Kompromissen ist eigentlich ein Euphemismus. Ich kam stets auf Rang 2 oder 3. Niemals auf Rang 1. Ich fühlte mich oft genug elend. Aber auch - na klar - glücklich. Wir waren ein tolles Paar, von Anfang an. Ein Team. Und solange alles nur Geschichte und Erzählung blieb, konnte ich auch die Augen ein wenig verschließen. Bis der Tag kam, an dem ich die Kinder kennenlernen sollte. Von diesem Tag an brach die Realität mit aller Macht in mein Leben ein. 

Papa, die sieht voll gruselig aus

Das erste Treffen arrangierten wir in der Stadt. Es war warm, sommerlich. Ich war aufgeregt. Klar - die zwei wichtigsten Menschen im Leben meines Mannes würde ich gleich endlich zu Gesicht bekommen. Ich weiß nicht mehr, was ich gefühlt habe. Alles weg. Ich weiß nur noch, dass seine Tochter sich hinter ihm versteckt hielt und gleich wieder wegwollte. Sie fand, ich sähe gruselig aus. Sein Sohn fand, ich sähe aus wie eine Chinesin. Wegen der Augen (ja...hab ich auch gedacht: Hä?). Das Kennenlernen dauerte ungefähr 5 Minuten, da war es schon vorbei. "Ich will wieder zu Mama!" seine Tochter begann zu weinen. Auflösung der Runde? "Ich will aber bei Papa bleiben". Sein Sohn hatte keine Angst vor mir. Und nicht annähernd dieselben Gefühle, wie seine zwei Jahre ältere Schwester, die viel mehr verstand (leider auch falsch). "Kannst du ihn nehmen, geht das?" fragte mein Mann. Sein Sohn und ich guckten uns an. Klar konnte ich. Also wurde Töchterchen nach Hause gefahren - und wir beide vertrieben uns irgendwie die Zeit. Fußballspielen. Klettern im Park. Toben. Lachen. Ich weiß noch genau, wie es sich anfühlte, als er plötzlich meine Hand nahm. Es war unglaublich. Wir hatten Kontakt! Ich war unendlich glücklich. An diesem ersten Tag lernte ich seinen Sohn nicht nur kennen, sondern ich lernte ihn lieben. Ich war schlichtweg vernarrt in dieses Kind! Und das beruhte schon bald auf Gegenseitigkeit, er war eine wunderschöne Weile lang mein kleiner Fan. Somit hatte ich wohl Glück gehabt. Was das zu Hause anrichtet, bei seiner Schwester und bei seiner Mutter, das wurde uns erst mit der Zeit bewusst. Der Kleine hatte einfach nicht verstanden, wer ich war, was ich darstellte, was ich für seine Zukunft bedeutete. Für ihn war ich einfach jemand, der ihn ganz und gar annahm. Spaß mit ihm hatte. Lustig war. Ungewöhnlich. Interessant.
Welche Probleme wir noch haben würden, war uns beiden damals noch lange nicht klar. 

Ich bei unserem 1. echten Ausflug
mit Sohnemann: Entspricht
meinem Naturell sehr!

Das Alter spielt eine Rolle

Mit meiner großen Stieftochter war nichts zu machen. Ich war der Feind. Was ihre Mutter zu ihrem Vater sagte, wusste sie nicht. Wir hätten es ihr auch nicht gesagt. Wie aussichtslos alles war, wie wenig Hoffnung es gab, wie wenig Lust und Motivation beide Eltern hatten, überhaupt irgendwie zueinander zu finden: Das konnte sie nicht wissen. Tief in ihrem Herzen sah es wohl so aus, wie in meinem. So kindlich war ich (bin ich bis heute noch), was die Liebe angeht. Sie glaubte, wenn ich weg wäre, wären alle Probleme weg. Ich glaubte: Wenn ich weg wäre, würden sie besser miteinander umgehen: Hätten vielleicht doch ein Herz füreinander ("NEIEN, HÄTTE ICH NICHT!" Zitat aus dem Off... ;-)). Egal was passierte, wie schlimm es wurde: Dieser Gedanke war in mir verwurzelt. So, wie ihrer.

Als Feind hatte ich es natürlich nicht leicht, logisch. Sie erzählte mir mal, dass sie Demoplakate mit meinem Namen gebastelt habe und skandierend durch die Wohnung gelaufen sei, mich wüst beschimpfend. Das hat ihrer Mama bestimmt gut getan. Als sie es mir erzählte, Jahre später, freute ich mich sogar darüber. Kampfgeist ist immer eine gute Sache. Auf der anderen Seite kam ihre Wut damals natürlich auch real bei uns an. Sehen wollte sie mich nicht. Bei uns sein auch nicht. So musste immer alles "woanders" stattfinden, ich wurde ausgeklammert. Leiden tat ich darunter keine Spur, im Gegenteil. Mir war unsere erste Begegnung noch unangenehm schuldbeladen in Erinnerung geblieben. Doch dass sie meine Sachen bewusst zerstörte oder klaute, um sie wegzuwerfen, das begann Überhand zu nehmen. Da musste ich mich doch beklagen. Gott Lob zog mein Mann dort eine Grenze. Er verstehe ihre Gefühle, aber das rechtfertige nicht ihre Aktionen. Er wollte natürlich, dass wir uns endlich verstehen. Dass sie mich mochte, so wie ihr Bruder mich mochte. Er drängte demnach auf weitere Treffen. Es gab Anläufe, die alle in Tränen endeten. Sie wollte immer gleich nach Hause. Schließlich weinten seine Tochter und ich beide. Ich hielt ihre Tränen nicht mehr aus. Ich bat meinen Mann, es einfach unversucht zu lassen. Ich überzeugte ihn, dass sie ihren eigenen Weg zu mir finden müsse. Dass man sie nicht zwingen dürfe. Und dass sie - Obacht! - mich auch nicht mögen dürfe. Auch damit könne ich gut leben, wenn sie nur nicht mehr weinen müsse. Wir ließen es also sein. Es dauerte über ein halbes Jahr, bis wir uns wiedersahen. So richtig, nicht nur kurz durchs Fenster. Und dieses Mal war alles anders: Die Neugier hatte gesiegt.


Game of Thrones oder
Neues Glück, Neue Probleme


Wer Geschwisterkinder kennt, weiß, wie heftig die Machtkämpfe zwischen ihnen ausfallen können. Da wird geprügelt, gemobbt, gestohlen, gekratzt, gelogen und gepetzt was das Zeug hält. Eltern haben eben nur eine Aufmerksamkeit - es ist äußerst schwierig, sie im gleichen Moment auf zwei Kinder zu verteilen. Irgendeiner bekommt immer "das größere Stück". Der andere findet das ungerecht. Und protestiert!
So war es auch bei den Kindern meines Mannes. Mit mir brauchten sie seine Aufmerksamkeit nicht teilen, wenn sie bei uns waren, hielt ich mich viel im Hintergrund. Sie durften ihren Papa ja schon so selten sehen, da wollte ich mich bestimmt nicht noch in die kostbaren Stunden mit ihm einmischen und ihnen ihren Vater streitig machen. Doch: Sie konnten sie einander streitig machen. Und womit keiner gerechnet hätte: Auch meine Aufmerksamkeit war schon bald einen Streit wert!
Zum Verständnis:
Die ersten Monate nach der zweiten, endgültigen Trennung seiner Eltern, waren in einer Hinsicht großartig für den Sohn meines Mannes. Da seine Schwester nie zum Papa und zu mir mitkam, war er bei uns nämlich der King. Er war Alleinherrscher, seine Wünsche waren unsere Leitlinie. Er wurde verwöhnt, bespaßt und bespielt, ganz nach seinem Geschmack. Er hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit von gleich zwei Erwachsenen, die ihm jederzeit wohlgesonnen waren und durfte nach Herzenslust mit seinem Papa kuscheln, er musste nicht einmal mit mir teilen. Als wir unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen und die zwei Kinderzimmer herrichteten, war er bei vielem beteiligt. Es dauerte noch Wochen, ehe seine Schwester das erste Mal zu uns kam und so gehörte das neue Reich lange Zeit ihm allein. Eines Tages meldete sie jedoch ganz unvermittelt den Wunsch an, ihr neues Zimmer sehen zu wollen. Aber nur kurz! Dann wolle sie wieder gehen. Ich weiß noch, wie aufgeregt alle waren. Als sie endlich kam, blieb sie: Ein ganzes Wochenende lang. Ich werde ihn nie vergessen (okay, ich habe ihn auch aufgeschrieben), den ersten Satz, mit dem sie über den Graben zwischen uns auf meine Seite sprang: "Oh man, June ist so lustig! Wenn ich sie nicht hassen würde, würde ich sie richtig mögen!" Dieser Satz schmolz in meine Seele, wie Gold in ein Schmuckstück. Es gab Hoffnung, ein Silberstreif am Horizont. Doch dann begann der nächste Krieg. Der Krieg um den Thron in unserem Refugium. War sie nun hier wieder die erste Geige, wie sein ganzes Leben lang? Wurde Sohnemann wieder auf die hinteren Ränge verwiesen? Unmöglich. Nein: Hier war endlich mal alles seins. Hier war endlich er mal "das erste Kind". Der Wichtigere. Das wollte er nicht aufgeben. Der Frieden des ersten Wochenendes war schnell vorbei. Fortan waren unsere Wochenenden eine Mischung aus Heiterkeit und Kampfschauplatz.
Wie gewonnen, so zerronnen...viele wirklich wunderschöne Momente, die mit beiden Kindern kommen sollten, wurden von einer großen Zahl Geschwisterkonflikte überschattet. Es hagelte Vorwürfe "Du liebst ja June fast mehr als Mama". Es gab Gemeinheiten "Ich hasse dich! Ich wünschte du würdest sterben!" Es gab Verzweiflung "Ich will Selbstmord machen" (schrecklich, nicht wahr?!). Es gab verbale Schläge "Papa du bist ein Arschloch!". Es gab echte Schläge.
Die vorherrschenden Gefühle waren

Neid und Konkurrenz zwischen den Geschwistern
Loyalitätskonflikte, auf Ebene 1 "Mama vs. Papa" und Ebene 2 "June vs. Mama"
Verzweiflung und Trauer
Wut und Trotz
Angst und Verlorenheit ("Was soll aus uns werden? Mama sagt wir müssen in einen Plattenbau ziehen")

Für Glück war in Momentaufnahmen Platz. Wer glaubt, dass nur die Kinder gelitten hätten, der irrt sich. Wir haben alle gelitten. Ich habe viele Donnerstagabende heulend in den Armen meines Mannes gelegen. Ich hatte Angst vor den Wochenenden. Ich wusste nicht, wie ich sie aushalten sollte. Der Geschwisterkonflikt, die trotz allem immer wieder aufkeimenden Reibereien und offene Ablehnung von Seiten seiner Tochter gegen mich, UND der geballte Hass, die Intoleranz und die abschätzigen ignoranten Bemerkungen aus dem gesamten Umfeld, insbesondere der Familie meines Mannes: Es war kaum auszuhalten. Dennoch: Wir haben durchgehalten. Wir haben zusammengehalten. Und wir sind letztlich zusammengewachsen.

Nächstes Mal in "Relaxed & Stiefmom" verrate ich euch ein paar Einzelheiten darüber, was ich aushalten musste und wie ich damit umgegangen bin. Ich erzähle euch, wie mir eine selbst ausgedachte Urschreitherapie, das in Kleinstteile Zerreißen eines Pappkartons und Wutphantasien geholfen haben, klar zu kommen. Ich erzähle euch auch, wieso mir Gebete und Frömmigkeit geholfen haben und wie wichtig Humor für unser Überleben war. Ich erzähle aber auch, was mein Mann für Opfer bringen musste und wie wir an seinem Glauben arbeiten mussten, dass er ein guter Vater ist - auch wenn, obwohl und trotzdem...!

Wenn ihr noch Fragen oder Anregungen habt, freue ich mich natürlich auch über Feedback als PM oder hier im Kommentarfeld!

Wer mehr über den Status-Quo als Stiefmama lesen will, kann ja in diese Artikel reinschnuppern:

Machs nochmal! Was mein Mann aus der ersten Ehe mitgebracht hat
Wenn ich keine Stiefmutter bin, bin ich dann Glutamat?