Samstag, 23. April 2016

Relaxed & Stiefmom
Trennungsfamilien
Sollten Neu & Alt an einem Strang ziehen, oder ist das moderner Quatsch?

Die moderne Patchworkfamilie: Für wen eigentlich modern?

Es ist nichts Neues, wenn Erwachsene aus Liebe zu einem anderen Erwachsenen dessen Kinder als die eigenen (mit)annehmen. Das war nicht nur in Kriegszeiten so, wenn Männer gefallen waren und Frauen mit ihren Kindern allein zurückblieben. Das ist beim Thema ungewollte Schwangerschaft so, wenn der Vater vielleicht gar kein Interesse daran hat, Kinder zu haben. Das ist beim Thema Kuckuckskind so. Und da Trennungen nun wirklich nicht erst heute erfunden wurden, ist es auch bei ihnen so. Es ist eine falsche Behauptung, die gern aufgestellt wird, dass Patchworkfamilien ein Novum sind. Neu ist eher die Art und Weise, wie Patchwork in unserer Gesellschaft gelebt und verstanden wird. Für uns neu ist: Alle kümmern sich ums Kind, die Ex und die Neue ziehen möglichst an einem Strang, der Ex verträgt sich mit dem Neuen, besondere Feiertage und Geburtstage werden zusammen gefeiert, die Stiefeltern spielen plötzlich eine zentrale Rolle. Diesem Ideal versuchen Viele zu entsprechen, in Medien wie Familienmagazinen werden erfolgreiche Beispiele zelebriert.

Andere Normen, andere Sitten

Jada Pinkett Smith mit ihren 2 eigenen Kindern und Will Smiths Exfrau plus Sohn aus erster Ehe: Sie sind gute Vorbilder!
Foto von ihrer öffentlichen Facebookseite HIER

Tatsächlich gibt es Kulturen, in denen genau das seit langen Zeiten Gang und Gebe ist. Das heißt nicht(!), dass diese Kulturen den Dreh raus haben und Experten sind, denen man alles abschauen darf. Wenn es schon in der normalen Kernfamilie Fehden und Parteikämpfe gibt, wird es diese zwangsläufig auch in Patchworkfamilien geben.
Aber den Erwachsenen dieser Kulturen wird eines in Sachen Trennung ganz deutlich gemacht:
Es geht hier nicht um dich!  

Eine Kernaussage, die ich fortwährend den gestressten Eltern in Trennung sagen möchte, wenn sie - um ihren Stress zu mindern - alles daran setzen, ihre Kinder vom Stressor fernzuhalten. Egal wie stressig das eigene Leben nach Trennung wegen ihm oder ihr ist: Es geht nicht um dich! Es geht nicht um ihn! Es geht um die Kinder - und sie haben ein Recht auf ihre Familie.

Hab ich das aus Büchern? Zum Teil. Und Black Hollywood hat auch etwas damit zu tun. Aber vor allem basiert mein Wissen auf Überlieferungen und eigenen Erfahrungen. In meiner Familie nämlich, und in vielen anderen black-american Familien, wird das so gemacht. Die Erwachsenen haben nicht einmal die Wahl. Sie können sich nicht einfach aus dem System verabschieden und sagen "Ich habe jetzt eine neue Familie, ich will mit meiner Ex nichts zu tun haben". Dann kommen die Ältesten zusammen und setzen einen unter Druck. Sie sagen dann Dinge, wie "Die Kinder haben sich diese Situation nicht ausgesucht" oder "Die Kinder sind alle miteinander verwandt, ihr dürft sie nicht trennen". Dass ich einen Mann mit zwei Kindern aus erster Ehe liebe und mit ihm eine Familie gründen wollte, war überhaupt nichts Besonderes. Ich werde darauf hingewiesen, keinen Unterschied zwischen meinen und seinen Kindern zu machen. "Das muss ihnen doch weh tun, sie haben doch alle den gleichen Vater". Ich werde ermahnt, sie alle "meine Kinder" zu nennen, wenn ich von ihnen rede, denn " Du hast dich ja auch für sie entschieden, nicht nur für ihn". Wenn wir meine Familie besuchen, fragen sie "Wann bringst du mal alle Kinder mit?" Wer sich in meiner Familie trennt, von dem wird erwartet das Opfer zu bringen sich dem Willen der Familie zu beugen. Familie ist ein großes Ganzes, wie eine Patchworkdecke. "Jeder einzelne gehört dazu, jeder bringt seine Geschichte mit". Glaubt ihr, das wäre nur in meiner Familie so? Nun, wenn man Filme sieht, die schwarze Familienkultur (also nicht die Brady Family) portraitieren, dann ist dieses Modell seit Jahrzehnten ein klassisches Thema schwarzer Filmkultur. Es überzieht den amerikanischen Kontinent, es ist kein verrückter Flitz eines einzigen Familienzweigs, dem ich zufällig entstamme.

Was ich in meiner Familie gelernt habe -
Was ich versuche zu leben


Obwohl es immer schwierig ist, meine Kulturvorstellungen und meine Erfahrungen in ´das deutsche Modell´ zu integrieren, habe ich mir immer Mühe gegeben. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass ich diesbezüglich eine fremde Sprache spreche. Bei der Exfrau meines Mannes sind meine Vorschläge und Wünsche sprichwörtlich in Chinesisch angekommen. Sie konnte damit nichts anfangen und hat - gemäß ihrer Kultur - mit Abschottung und Ausgrenzung gearbeitet. Bis ich begriffen hatte, dass ich die Wahl habe, sie für den Rest unseres Lebens mit meinen kulturellen Idealvorstellungen zu nerven oder ihrer Kultur Respekt zu erweisen und sie in Frieden zu lassen - auch wenn meine Kultur mir sagt, dass es ein falscher Weg ist - habe ich Jahre gebraucht. Es war mein stillschweigendes Weihnachtsgeschenk an sie, nachdem es wieder einmal Streit gegeben hatte, dass ich sie endlich ´in Ruhe lasse´.  Ich gab auf, nett zu ihr zu sein, ihr Gefallen zu tun (Sie: "Kannst du Fotos von den Kindern machen? Aber ohne diesen amerikanischen Firlefanz, einfach ganz normale Fotos."), meinen Mann zu bewegen, was er alles für sie tun könnte und wo wir uns auf sein Drängen hin treffen und absprechen sollten...ich hörte auf, ihre geheime Freundin und Fürsprecherin im Hintergrund zu sein. Ich hörte auf, von gemeinsamen Unternehmungen oder - noch utopischer - Frieden zu träumen.

Meine Idealvorstellungen, die Gedanken beinhalteten, wie die unteren, waren ihr einfach fremd.

  • "Lass uns das gemeinsam machen"
  • "Lasst uns uns doch alle treffen und gemeinsam hinsetzen und reden" 
  • "Du kannst auch mich anrufen, wenn was mit den Kindern ist" 
  • "Wenn du Fragen hast, bin ich auch da" 
  • "Wir könnten Weihnachten und Ostern doch zusammen feiern"
  • "Wir könnten die Geburtstage der Kinder alle gemeinsam feiern" 
  • "Wenn du mal krank bist, spring ich auch gern ein, du musst mich nur fragen"
Habt ihr schonmal geröstete Heuschrecken gegessen? Oder gebratenen Hundedarm? Habt ihr schonmal aus dem Kopf eines kleinen Äffchens Eis gegessen? Nein? Warum nicht? Ist euch das zuwider? Schüttelt es euch da? Findet ihr das unnatürlich? Kommt es euch hoch?

Ungefähr so ging es der Exfrau meines Mannes. Der Ex in meinem Leben ;-) Meine Anbahnungen, meine Bemühungen, meine Nettigkeiten waren für sie unnatürlich. Aus ihrem kulturellen Kontext heraus, konnte sie sie nur als "giftig, ungesund, gefährlich" einordnen. Denn in der deutschen Kultur ist die Form von Patchwork, die ich von Kindheit an kenne, noch neu. Hier machte bis vor kurzem jeder seins. Die Next-Partners haben sich aus den Kinderangelegenheiten herauszuhalten, obwohl sie Haus und Leben mit ihnen teilen. Wo ich überall von meinem Mann einbezogen werde, weiß ich, dass sie uns "neue Partner" aus den Kinderangelegenheiten heraushält. Man hat zwar alles andere beizusteuern, muss die Kinder aushalten und tollerieren, aber ein Wörtchen mitreden? Nein. Das ist ein Raum, der einzig und allein ihr und meinem Mann (wenigstens das wieder) vorbehalten ist. Unbefugten ist der Zutritt verboten.
Aus meiner kulturellen Sicht empfinde ich diese Einstellung als kurzsichtig. Unklug. Ich finde, dass sie vielleicht das Leben mit den Kindern im ganz kleinen Familienkern erleichtern kann, aber doch das ganze Familiengefüge um so anstrengender macht. Wer sich ein Leben teilt, sollte auch wirklich Anteil an diesem Leben haben. Wer sich Kinder teilt, sollte auch wirklich Anteil an den Kindern haben. Das geht dann am besten, wenn alle an einem Strang ziehen. Im offenen Dialog. Wo man sich kennenlernt, die Möglichkeit hat, einander einzuschätzen. Die Möglichkeit hat, zu lernen - voneinander.

The good times

Ich habe also meine kulturellen Vorstellungen von Patchwork begraben, nach vielen Jahren. Hin und wieder bitte ich meinen Mann "Mach doch mal den Vorschlag", oder "Triff dich doch mal mit ihr, diskutiert das doch persönlich aus"...das ist eben meine Natur, da komme ich nicht raus. Ich will ja auch meinem Mann helfen. Aber ich melde mich bei ihr nicht mehr. Ich schicke ihr keine Fotos, mache keine Vorschläge, versuche nichts zu erklären oder zu rechtfertigen. Interessanter Weise haben sich dennoch drei Wunder getan, und zwar im letzten Jahr. Vielleicht auch deshalb, weil ich vor ihren kulturellen Erwartungen endlich den gebührenden Respekt gezeigt habe. Vielleicht konnte sie deshalb endlich auch einen Schritt auf meine Kultur zu machen.

Wir haben
  • das Abitur ´unserer´ großen Tochter gemeinsam gefeiert
  • den Geburtstag ´unseres´ großen Sohnes
  • und den Geburtstag ´unserer´ großen Tochter
Und, obwohl ich im Leben nicht gewusst hätte, worüber wir reden sollen und ob es ihr, nachdem sie mir an die 1000 Stopp-Schilder gezeigt hatte, überhaupt Recht wäre, wenn ich sie anspreche: Wir wechselten zum ersten Mal seit Jahren ein paar harmlose Worte. Am Geburtstag ihres/unseres Sohnes. Da schenkte sie mir ein Paar Markenschuhe für meine/unsere Tochter, die Jüngste im Bunde. "Unsere haben die nie getragen, sie sind fast wie neu". Ich habe ihr von Herzen gedankt, mehr als sie sich vorstellen kann. Es war ein kulturelles Zugeständnis. Ein ganz kleines. 
Das sind die Tage, die einem Hoffnung machen - und die Augen öffnen. Vor allem dafür, wie einfach alles sein könnte, wären unsere Kulturen gleich und basierten auf Einander-Helfen und Einander-Geben. 

Jada & Sheree = Next & Ex
Schöne neue Welt...
Foto von ihrem öfftl. FB Profil HIER

Fazit

Sollten Neu & Alt an einem Strang ziehen? Meine Meinung: Ja - unbedingt! Es geht ja nicht um uns Erwachsene: Es geht um die Kinder! Darum, ihnen eine Familie zu sein, egal wie groß und egal wie zerstreut. Es geht darum ihnen zu zeigen, dass eine Trennungsfamilie nicht bedeutet, dass sie entweder rechts oder links von der Straße spielen müssen. Sondern, dass ihnen weiterhin das ganze Dorf gehört. Denn: Braucht es nicht auch ein Dorf, um ein Kind großzuziehen?

Freitag, 22. April 2016

Relaxed & Stiefmom
Trennung? 5 Tipps wie Mann Vater bleibt

Vater mit Migrationshintergrund: In 9 von 10 Fällen verlässt der Vater das "Nest"



Von Vater (&mir) zu Vater

Mein Mann hat dieses Scheidungsding ganz gut gemeistert. Insbesondere mit Blick auf seine Kinder. Fragt dazu bitte nicht sein Umfeld, die sehen das natürlich "alle" anders! Aber wie sooft im Leben geht es nicht darum, wie "die" sich fühlen: Sondern, wie man selbst sich fühlt. Und mein Mann ist mit sich im Reinen. Er ist mit sich zufrieden. Er weiß, dass er Fehler gemacht hat und wo er Schwächen hat. Er weiß, wo er gegen seinen Willen loslassen musste und was für Träume und Hoffnungen seine Kinder betreffend er aufgeben musste. Und vor allem weiß er dies: Er ist immernoch Vater! Und ein guter! Genauso gut, wie es all die anderen Väter sind, die nicht von ihren Kindern getrennt leben. Und das ist ein schönes Gefühl, welches er mit Recht haben darf. Hier also ein Artikel maßgeblich für euch Ex-Väter da draußen geschrieben. Mit meinen Worten & seinen Gedanken, also fast von Mann zu Mann...

1. Was für ein Vater willst du sein?


Solange man Frau und Kind unter einem Dach hat, kann Mann sich Aufgaben teilen oder auch mal Aufgaben abgeben. So richtig klar ist einem vielleicht gar nicht, was für ein Vater Mann sein will. Meistens weiß man nur genau: So einer nicht! 
Wenn Mann die Szene wechselt, bleibt für die Ex und die Kinder der Alltag im Prinzip gleich. Es ändert sich wenig, es sei denn, Mann war Hausmann oder hat aus anderen Gründen viel am Alltag beeinflusst. Wenn Mann allein ist und auf seine Kinder wartet, in einem neuen Zuhause, dann muss Mann die obige Frage zum ersten Mal ernsthaft beantworten! Wischi-Waschi und die alte Arbeitsteilung funktionieren nicht mehr. Mann kann und sollte nicht alles abgeben, aber auch nicht alles an sich reißen.
Mann muss sich sehr genau überlegen:

  • Was will ich wirklich für meine Kinder?
  • Welche Rolle wollte ich auch vor der Trennung in ihrem Leben spielen?
  • Was für Werte will ich ihnen unbedingt mitgeben?
  • Welche Felder sind mir wirklich wichtig?
  • Was kann ich im Grunde nicht und kann es deshalb auch "sein lassen"?
  • Was muss ich können?
  • Muss ich ein Superheld sein, oder muss ich nur besser werden?
  • Muss ich überall besser sein (..als jmd...) oder reicht es, dort besser bzw. gut zu sein, wo es zählt?
  • Wo zählt es?
In Wirklichkeit zwingt einen die Trennung dazu, Stellung zu beziehen. Farbe zu bekennen. Konkret zu werden. Und zwar mit sich selbst. Mit seinen eigenen Idealen. Und mit seinen Träumen und Hoffnungen. Womit wir zu Punkt 2 kämen...

2. Lasset alle Hoffnung fahren

Die meisten Eltern machen diese Phase erst durch, wenn ihre Kinder 16 sind. Oder 18. Oder 28. Auf jedenfall später, als Trennungseltern. Solange Mann mit Frau und Kind unter einem Dach wohnt, kann Mann sich eines einbilden: Dass Mann Kontrolle hat. Und weil Mann sich einbildet - wie alle Eltern - dass Mann Kontrolle hat, beeinflusst Mann das Leben der Kinder. Mann fällt ständig Entscheidungen für sie. Um ehrlich zu sein, haben deshalb auch viele normale Ehepaare Zoff. Die Ladung wird nur manchmal "explosiver", wenn plötzlich eine Trennung im Spiel ist. Es geht ja auch schon in der Ehe so los: Wie viel Taschengeld? Welche Schule? Welche Kita? Taufe ja oder nein? Müssen Markenklamotten sein, geht Secondhand? Muss es immer öko vegan und glutenfrei sein, geht nicht auch Pizza? Warum nicht schon ins Kino? Ab wann ins Konzert? Ist es dafür nicht zu jung? Ist es dafür nicht zu alt? Sei nicht so streng! Sei nicht so nachgiebig! usw. usf. Diese Konflikte haben Elternpaare, weil sie alle von Ängsten und Hoffnungen gesteuert werden. Dabei vergessen sie, dass sie auch mal jemandes Kind waren. Und ich wette, die wenigsten haben sich dorthin entwickelt, wo ihre Eltern sie gesehen haben. Aus dem Musiktalent ist eine Arzthelferin geworden, aus dem Stubenhocker ein Kraftsportler, aus der ambitionierten Schönheitskönigin eine mollige Vollzeitmutter, aus dem Draufgänger und Raufbold ein Anwalt...noch mehr Beispiele? Fakt ist: Wer geht, dem werden die Arme amputiert. Einfach reingreifen und biegen und lenken, das geht nicht mehr. Es ist eines der schwersten und schmerzhaftesten Opfer, die Mann viel zu früh bringen muss, dann, wenn die Kinder noch so schön formbar wirken und so tun, als seien sie angepasst und bestrebt, uns nachzueifern: Die Hoffnung aufgeben!
Wer seine Hoffnung aufgibt und beginnt ein Realist zu sein, der hat es leichter.
Ein Realist schaut in seine eigene Kindheit und weiß: Ich bin nicht geworden, was meine Eltern wollten. Ich habe auch nicht alle Chancen genutzt, die ich hatte (oder umgekehrt) und aus mir ist trotzdem was (ganz anderes) geworden! Ich hatte mal eine Band, ich war mal Fußballjuniorlegist, ich war mal ein richtig guter Schachspieler, ich war mal ein Fitnessfreak, ich kannte mal alle Mineralienarten auswendig, ich war mal...ich konnte mal...ich hatte mal....
Mann war mal jung - Mann wird erwachsen - Mann geht eigene Wege. Das gilt auch für den eigenen Nachwuchs. Kapier das am besten sofort, dann ersparst du dir viel Streit um Dinge, die du eh nicht mehr beeinflussen kannst und viel Schmerz über Träume, die dir deine Ex oder deine Kinder nicht erfüllen wollen.

3. Ehrlichkeit ist gut, Vertrauen ist besser

Ich (Roy) bin kein guter Lügner. Deshalb lüge ich auch nicht. Ich sage vielleicht etwas nicht, aber das ist nicht dasselbe. Ich bin aber vergesslich. Deshalb erzähle ich manchmal die gleiche Geschichte in x verschiedenen Versionen. Deshalb weiß ich, wie es ist, ein Lügner zu sein, auch wenn ich keiner bin: Dir glaubt irgendwann keiner mehr. 
Auch wenn deine Kernaussagen immer stimmen (die Zahlen, die Fakten, das Messbare) - die "weichen Fakten" (Wer war was?, Wo war was?, Wann war was? usw.) machen die Sache rund, und wenn du dich an die nicht erinnerst, hören alle nur: Lüge!
Und in einer Trennungssituation ist es oft so, dass einem keiner glauben will! Egal, wie recht du hast. Egal, wie logisch deine Argumente sind. Egal, ob du mit Fotos oder mit Aufnahmen deine Geschichte belegen kannst: Es interessiert niemanden. Deshalb habe ich gelernt, dass Ehrlichkeit in einer Trennung zwar gut (und wichtig) ist, dass sie aber am Ende wenig nützt. Vertrauen ist viel wichtiger!
Das ist meine Erfahrung. Vertrauen baut man dadurch auf, dass man das tut, was man sagt. Dass genau das passiert, was man prophezeit. Es ist so, als würde man immer "Ich verspreche, dass..." vor jede Aussage, die man macht, setzen. Wenn man diese "inneren Versprechen" halten kann, ist Mann vertrauenswürdig. Ich habe gelernt, dass meine Kinder mir weiche Fakten nicht gern anvertrauen. Ich kann mit ihnen nicht gut umgehen, ich bringe sie durcheinander, ich vergesse sie. Viele interessieren mich auch nicht. Aber meine Kinder kommen zu mir, wenn sie wissen müssen, dass etwas klappt. Wenn sie Vertrauen haben müssen. Denn ich habe mir Mühe gegeben, mein Defizit (die Vergesslichkeit) durch meine größte Stärke wettzumachen: Verlässlichkeit! Wenn deine Kinder Angst vor etwas haben (wenn sie kleiner sind), sag ihnen klipp und klar: Das wird nicht passieren. Wenn du weißt, du würdest es im Notfall verhindern, ist alles gut.
In kurz: Sag am besten nur noch Dinge, die dir später nicht leid tun werden.
Handle verlässlich. Handle nicht mal so, mal so, sondern folge einem berechenbaren Plan.
Deine Kinder sollten wissen, woran sie bei dir sind. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn sie wissen, woran sie bei dir nicht sind (zb der Mensch, mit dem man über die beste Freundin spricht oder über wilde, unrealistische Träume...). 

4. Rede nie schlecht über die Mutter deiner Kinder

Auch wenn es manchmal (oder oft) schwer ist: Rede nicht schlecht über die Mutter deiner Kinder. Kinder verstehen, wenn sie klein sind, grundsätzlich auch Aussagen, wie "Dann lügt Mama eben", als "schlecht über Mama" reden, selbst wenn es stimmt. Deshalb kann man da auch dann einfach sagen "Ich weiß auch nicht, wie das kommt" und damit die Diskussion, die meistens zu nichts führt, beenden. Es ist nicht so schlimm, manchmal als Ahnungsloser dazustehen (Kinder kennen das, so siehts in ihrer Welt ja ständig aus). Es ist aber schlimm, als gemein und fies dazustehen. Komischer Weise vertrauen Kinder ahnungslosen mehr an, als Menschen, die sie für gemein und fies halten. Wenn du also möchtest, dass deine Kinder ein gutes und vertrautes Verhältnis zu dir haben, sag lieber solange, wie sie Zusammenhänge eh nicht verstehen "Das verstehe ich auch nicht", oder "Hm..das wird schon irgendeinen Grund haben" oder "Dann hab ich mich vielleicht geirrt, kann ja sein", statt
"Mama sollte euch sowas gar nicht zeigen", "Mama hat gelogen" oder "Sowas darf Mama gar nicht".
Verkneift es euch, es wird vor allem euren Kindern viel Leid ersparen (und euch am Ende viel Stress). Wenn die Kinder älter und reifer sind, kann Mann sie ruhig fragen, warum sie etwas wissen wollen.
"Warum willst du das wissen? Was ändert das? Worüber musst du dir eine Meinung bilden? Warum ist das so wichtig? Traust du Mama und mir nicht zu, dass wir das ohne dich hinbekommen? Glaubst du, du musst Partei ergreifen? Warum? Wir sind seit x Jahren erwachsen, wir haben ganz andere Probleme durchgestanden - ich bin sicher, wir werden auch das hier packen. Nach wie vor ohne deine Hilfe" ... usw.
Es ist nicht gut - ich wiederhole - nicht gut, wenn man seine Kinder überall involviert. Es ist schwierig, sie rauszuhalten, wenn der andere das mit dem "nicht - involvieren" ignoriert. Weil er vielleicht eine sehr partnerschaftliche Beziehung zu seinen Kindern hat und deshalb "alles mit ihnen teilt". Das wirkt auf die Kinder so, als könne man ihm alles glauben und als wäre er vertrauenswürdiger. Mit diesem schnellen Urteil der Kinder muss Mann einfach leben. Mann selbst muss wissen, warum Mann etwas tut und Mann muss hinter seinen Überzeugungen stehen, selbst, wenn die Kinder einen für eine Weile als Lügner wahrnehmen. Es ist im Grunde so banal, wie das Angurten im Auto. Selbst wenn sie es bei Mama nicht müssen, wenn du weißt, dass es richtig ist, wirst du es zum Wohl deiner Kinder durchsetzen. In deinem Auto gelten deine Regeln! Genauso muss man das Thema angehen. Und - egal wie sehr Mann innerlich kocht - immer gut von der Mutter reden.!Am Ende brauchen die Kinder eine gute Mutter. Ob sie es nun in der Realität ist, oder nur in den Augen der Anderen. Für die Kinder zählt (erstmal) nur, dass sie es glauben können!

5. Sei der Rosenkavalier deiner Kinder, egal was die Welt denkt


"Du pickst dir ja nur die Rosinen raus"
"Das machst du ja nur, um dich bei den Kindern einzuschmeicheln"
"Du spielst dich ja nur als Gutmensch auf"
"Das sagst du ja nur, damit sie dich mögen"
"Geschenke machen noch keinen guten Vater"
"Du verwöhnst sie ja nur, weil du ein schlechtes Gewissen hast"

Ich kenne diese Vorwürfe alle. Da ist Mann mal ein Wochenende mit Sohnemann im Ausland, weil Mann irgendwie wieder eine Verbindung zu ihm aufbauen will, und es kommt (statt "Tolle Idee" oder "Schön, dass du es irgendwie versuchst") nur "Das macht eure Beziehung auch nicht besser" und "Das macht dich nicht zu einem besseren Vater". Lasst sie reden und hetzen gegen eure Manöver, wie sie wollen: Es schadet den Kindern nicht, von euch verwöhnt und geliebt zu werden, auch wenn ihr eure Liebe nicht mit Butterbrote schmieren oder Hausaufgaben kontrollieren zeigt. Ihr habt die Kinder (vermutlich) nicht unter der Woche, also gelten auch nicht diegleichen Regeln, wie unter der Woche.
Die meisten Eltern möchten am Wochenende mit ihren Kindern etwas Schönes unternehmen. Sie machen Fahrradtouren, kleine Ausflüge, einen Mini-Urlaub oder kaufen den lieben Kleinen mal eine Überraschung. Es ist nicht eure Schuld, wenn ihr die Kinder nur an den Wochenenden habt. Dazu sind Wochenenden augenscheinlich in jeder Familie da: Zum Verwöhnen.
Wenn euch danach ist, ihnen Geschenke zu machen, tut es. Wenn ihr einen Urlaub machen wollt, tut es. Und wenn dann jemand schnippisch sagt "Das machst du ja nur, damit sie dich lieb haben", sag "Ja stimmt" und mach weiter. Ist doch egal, was die anderen sagen oder denken: Du musst mit dir selbst im Reinen sein, und wenn du gern Geschenke machst, oder Ausflüge oder leidenschaftlicher Idealist bist - aber nur am Wochenende - dann ist das so.
Das einzige, was gar nicht geht ist: All diese Dinge aus einem schlechten Gewissen heraus zu tun. Habe ich ganz am Anfang auch, aber das schlechte Gewissen war mein Problem, nicht die Ausflüge und Geschenke. An seinem schlechten Gewissen muss Mann arbeiten. Ich habe noch nie erlebt, dass Mann seine Arbeit nicht macht und das beim Chef mit Pralinen kompensiert. Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, hast du ein Problem.
Das ist dein Wunder Punkt und da bist du angreifbar!
Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, bist du nie für deine Kinder da, weil du dein authentisches Ich hinter dem "Ich bügel alles wieder aus" - Papa versteckst.
So schwer es auch ist, das zu akzeptieren: Es ist aus. Deinetwegen, ihretwegen, euretwegen - egal!
Es ist vorbei! Das kannst du nicht damit wiedergutmachen, dass deine Kinder bei dir Narrenfreiheit haben oder alles von dir geschenkt bekommen, was sie sich wünschen. Denk an Punkt 1: Du warst vor der Trennung ein Mann mit Idealen und Werten, ein Papa mit einem vagen Konzept - werf das nicht über Board! Werd dir klar wer du bist und wer du sein willst und lebe das! Deine Kinder haben nichts davon, wenn sie bei dir schlechtes Benehmen lernen, kaputte Zähne kriegen und mit lauter maßlosen Forderungen zu ihrer Mutter nach Hause gehen, wo sie dann deinetwegen Streit haben und unglücklich sind. Sei ein Mann. Steh zu dir. Steh zu den Entscheidungen, die getroffen wurden und zu den Entscheidungen, die du fällst. Wenn du wenig Zeit hast, hast du wenig Zeit. Dann erklär das deinen Kindern und sorg dafür, dass du im Rahmen deiner Zeit verlässlich bist (Punkt 2!). Verwöhn sie in dieser Zeit, mit Aufmerksamkeit, mit Geschenken, mit Ausflügen - womit auch immer. Solange du das auch getan hättest (oder hast!), als du und deine Kinder noch permanent unter einem Dach gewohnt habt. Man kann mit Geschenken nicht zurückkaufen, dass deine Kinder nicht mit ihren Eltern zusammenleben können. Das ist vorbei. Aber man kann natürlich alles tun, um eine gute Beziehung zu haben, um Spaß zu haben, eine schöne Zeit, wo man schon so wenig Zeit miteinander hat.
"Toll - du machst es dir immer leicht, und ich habe die ganze Arbeit".
Wenn du bereit wärst, ihr die Arbeit unter der Woche abzunehmen, es aber nicht geht oder sie es nicht will: So ist das Leben. Who cares?! Mach, was du (Punkt 1, Punkt 2) für richtig hältst. Und mach das gut. Dann brauchst du bald kein schlechtes Gewissen mehr haben. So einen Vater haben deine Kinder verdient: Einen, der auch aus der Distanz weiß was er tut und warum - und vor allem: Für wen.


Diese Tipps sind nur einige, die helfen, trotz Trennung ein guter Vater zu sein und zu bleiben.
Wenn man in eine neue Beziehung kommt, gelten im Grunde dieselben Regeln.
Es kommen aber noch neue dazu. Die gibt es im nächsten Artikel zur Reihe 
"Relaxed & Stiefmom". 

Hier noch ein Link zu Susanne Petermanns Blog und ihrem Artikel über

10 Irrtümer im Sorge - und Umgangsstreit

der sehr lesenswert ist. Vor allem zu wissen, was das Jugendamt darf und was nicht, dürfte die allgemeine Angst und das Misstrauen vorm Jugendamt deutlich beeinflussen. Das Jugendamt ist weder ein Tiger, noch ein Tiger ohne Zähne, noch sonst in irgendeiner Art gefährlich. Also weder damit drohen, noch Drohungen mit dem Jugendamt ernst nehmen. Das Jugendamt ist eher wie die Feuerwehr: Erste Anlaufstelle, wenns brennt!

P.S. Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com

Mittwoch, 20. April 2016

PhiloJune
Skinny Talk

Eureka! Endlich zurück aus dem Krankenhaus! Was für eine Odyssee, was für eine ur-lange Zeit! Endlich wieder daheim bei meinen Lieben, endlich wieder vor meiner geliebten Tastatur, bereit, die Welt aus den Angeln zu tippen!
Und schon bereit, meinen ersten Blogartikel nach dem Krankenhausaufenthalt zu verfassen.

Skinny & die ganze Welt spielt verrückt


4. Tag im Krankenhaus.
Fast modelreif: Noch ein paar Infusionen mehr, und ich kann auf den Laufsteg!

Ich weiß, dass es kein böser Wille ist. Deshalb nehme ich es niemandem übel. Aber es sind alles Zeichen unserer Zeit und ich finde sie ein wenig verrückt. Irgendwie sind unsere Punkte auf der "besonders erstrebenswert" Punkteliste massiv verrutscht, die Ideale, die wir haben, sind dementsprechend verzerrt. Eben deshalb....

Im Krankenhaus wurde ich auf eine strenge Diät gesetzt. Erde, Gras und Kräutertee. Oder auch mal mineralische Pfützen, Gras und Kräutertee. Das kommt davon, wenn man in einer antroposophischen Klinik liegt. Überschlagen waren das eine Woche lang täglich weniger als 1500 Kalorien. Ich bin mindestens eine ganze 500-Kalorien-Portion mehr pro Tag gewohnt. Für mich hieß das demnach nicht nur strenge Diät, sondern HUNGERN.
Ich habe so sehr unter meinem Hunger gelitten, dass ich ernsthaft von Essen geträumt habe. Oft waren meine ersten Gedanken am Morgen "Oooo jetzt einen saftigen Burger". Überhaupt habe ich ständig von Fastfood geträumt, ein eindeutiges Zeichen dafür, dass weder Schokolade noch Kuchen mich aus meiner Misere gerettet hätten. Ich wollte was mit Geschmack! Salz, Fett, IRGENDWAS, biiittee!
In dieser Woche habe ich 5 Kilo abgenommen. Aus meinem schlanken Ich wurde ein dünnes Ich.

Du siehst (aber eigentlich) toll aus


Blass, mit leicht dunklen Ringen unter den Augen, etwas fahler Haut und mit einem kraftlosen Lächeln begrüßte ich in den letzten zwei Tagen Freunde und Bekannte wieder. Alle schenkten mir lieber Weise ihr Mitleid, sie hatten auch fast alle über diverse Medien den Kontakt zu mir gehalten. Und eine Vielzahl ließ mich wissen, dass ich "eigentlich" toll aussehe. Jetzt sähe ich aus, wie ein richtiges Model! Karrierereif, sozusagen.
Heute früh brachte mein Mann die Lütte zur Kita und wurde von einem Vater dort in ein Gespräch verwickelt. Er erkundigte sich nach meinem Wohlergehen und fragte dann irgendwann: "Hat sie abgenommen?" Klar hatte ich, mein Mann beschrieb, wie dünn ich geworden war. "Dann sag ihr aber nicht, dass sie jetzt aussieht wie ein Model." Warum....weils ja nicht von Dauer ist, wahrscheinlich.

Gott sei Dank fand mein Mann schon vor meiner Magerkur, dass ich aussehe, wie ein Model.
Bei Hosengröße 38 und 1,80m Körpergröße habe ich mich absolut als schlank und gut aussehend empfunden. Wieso sollte ich Angst haben, so auszusehen, wie mein altes Ich?

Frauenideale

Ich weiß, dass das nicht böse gemeint ist. "Du siehst aus, wie ein Model" ist ein ernstzunehmendes Kompliment. Ich nehme das gern an, denn momentan stimmt es auch. Ich war fast einen Monat lang ernsthaft krank und konnte immer weniger und weniger essen: Jetzt sehe ich aus, wie ein Model.
Wieder wird mir bewusst, was für ein Wahnsinn dieser Schlankheitswahn ist. Fast alle Mütter in der Kita meiner Tochter sind nicht schlank, sondern dünn. Ich weiß nicht, ob es allen viel Arbeit und Disziplin abringt - aber einigen sehe ich an, dass sie ruhig mehr Essen vertragen könnten. Sie sehen nämlich so aus, wie ich jetzt. Und ich musste dafür einen Monat lang leiden.
Dass Männer diese feenzarten, nur ein Abglanz-ihrer-selbst-Frauen verehren, ist mir zwar kein Rätsel: Aber ich bevorzuge naturgemäß lieber die Sorte Mann, die gern jemanden mit Energie, Kraft, Elan und Bewegungslust an ihrer Seite haben. Jemanden zum Bäume ausreißen. Jemanden, der stark ist. Jemanden, der Inbegriff einer Powerfrau ist. Es ist ein ziemlich hochgestecktes Ideal, das ich da verfolge, aber der Weg dorthin macht mir mehr Spaß, als der Weg zum Ideal der blütenzarten Modelvariante.

Mein pre-skinny Ich könnte sich rückwirkend beleidigt fühlen. Aber tut es nicht. Ich fand mich vorher schön. Meine irre dürren Arme und meine eingefallenen, hohlen Wangen erschrecken mich. Ich sehe müde, erschöpft und ausgepumpt aus. Und das stimmt ja auch: Ich bin ein Spiegel der Tatsachen!
Ich wäre gern Spiegel anderer Tatsachen.

Was wirklich zählt

Liebe Frauen, Freundinnen, Verwandtinnen, Mütter, Töchter und Mädchen da draußen: In einer Welt, in der einer seit einem Monat ernsthaft erkrankten, verhungerten, saft- und kraftlosen Frau derart ernstzunehmende Komplimente wie "Du siehst aus wie ein Model. Karrierereif!" gemacht werden, läuft etwas schief! Es gibt von Natur aus dünne Frauen, sie haben das Glück die gesichtslosen Kleiderstangen der Modemogule zu werden, manche von ihnen schaffen es sogar in die Welt des Gegenübers und werden Plakatmodels. Jede Frau, die NICHT von Natur aus derart dünn ist, sollte ein Ideal anstreben, das ihr und ihren Möglichkeiten entspricht!

Wenn ich eine Frau oder ein Mädchen sehe, zählen für mich Faktoren, wie:
Sieht sie zufrieden aus?
Strahlt sie innere Ruhe aus?
Wirkt sie selbstbewusst?
Wirkt sie freundlich?
Wirkt sie wie jemand, der viel und gern lacht?
Sieht sie gesund aus?
Wirkt sie fit und vital?
Hat sie Esprit?
Wenn ich diese Fragen beim ersten Blick-Check mit Ja beantworten kann, dann habe ich eine Frau entdeckt, die mich neugierig gemacht hat. Neugierig darauf, wie sie es schafft, all das auszustrahlen. Eine Frau, die Eleganz und Kraft in sich vereint und beides mit einer Prise Charme und einem Hauch Geheimnis verströmt, ist für mich eine Frau zum in-die-Knie-gehen. Ihre Geheimnisse will ich lüften!
Ihre Lebensweise interessiert mich!

Eine Frau, die ganz so aussieht, als wäre ihr "Wie-ein-Model-aussehen" alles, was sie ausmacht, hat keine spannenden Geheimnisse. Hat kein Leben, das mich brennend interessiert. Die hat höchstens hunger - und davon hab ich genug.


Donnerstag, 14. April 2016

Mama Gedanken "Unemanzipiert oder bloß Realist?"

Wer putzt das Klo?
Wer putzt die Fenster?
Wer wäscht die Wäsche?
Wer hängt sie auf?
Wer faltet sie?
Wer räumt sie in den Schrank?
Wer bügelt?
Wer steht am Wochenende mit den Kindern auf?
Wer überzieht die Betten?
Wer macht die Einkaufsliste?
Wer plant was gegessen wird?
Wer gießt die Blumen?
Wer näht kaputte Kleidungsstücke?
Wer bringt den Müll runter?
Wer macht die neue Mülltüte in den Mülleimer?
Wer saugt?
Wer wischt den Staub?
Wer wischt den Boden?
Wer wischt die Schränke mal aus?
Wer kümmert sich rechtzeitig um die Geburtstags/Weihnachtsgeschenke?
Wer denkt an die Geburtstage der Verwandtschaft?
Wer achtet darauf dass die Schuhe der Kinder passen?
Wer besorgt neue Schuhe?
Wer macht den Großeinkauf?
Wer besorgt alle paar Tage frische Sachen wie Obst und Gemüse?
Wer kauft Windeln?
Wer geht zum Elternabend?
Wer sortiert die kaputte und nicht passende Kleidung der Kinder aus?
Wer schneidet den Kindern die Fingernägel?
Wer denkt an die U-Untersuchung?
Wer geht mit den Kindern zur U-Untersuchung?
Wer repariert ein kaputtes Fahrrad?
Wer schaut nach der Wechselwäsche im Kindergarten?
Wer entrümpelt das Kinderzimmer?
Wer macht den Ofen sauber?
Wer macht jeden Morgen die Schulbrote?
Wer räumt die Spülmaschine aus?
Wer räumt sie ein?
Wer macht die Spülmaschine regelmäßig sauber?
Wer erledigt die Behördengänge?
Wer denkt an ablaufende Fristen?
Wer kocht?
Wer deckt den Tisch?
Wer räumt den Tisch ab?
Wer macht die Schuhe sauber?

Diese Liste habe ich HIER http://dasnuf.de/partnerschaftlich-geteilt/ im Internet gefunden. Sie ist Basis des Manifests, dass Gleichberechtigung zu Hause immernoch ganz klein geschrieben wird. In Wirklichkeit. Sie ist Basis des Glaubens, der Mann versäume seinen Beitrag zu leisten. Sie ist Basis einer mir unbegreiflichen Undankbarkeit und Kleinlichkeit, die fast allen Männern widerfährt. Ich bin vermutlich aus der Steinzeit...ich bin ein Teilzeit-Steinzeitler. Oder Philosoph...oder Realist?
Auf jedenfall bin ich nach solchen Listen stets auf der Seite der Männer.

Es mag faule Männer geben. Männer, die morgens das Haus nicht verlassen und dennoch keinen Finger rühren, um den IST Zustand vom morgen gegen Abend ausgebessert zu haben. Faule gibt es, träge Nichtstuer. Aber die gibts auch und zwar zu Hauf unter Frauen. Es gibt auch Chauvis, die die Liste oben als 'Frauenarbeit' abtun. So einen Deckel braucht kein Topf. No thank you.

Aber die meisten Männer, die ich kenne arbeiten.

Wer steht jeden morgen früh auf und geht zur Arbeit?
Wer muss dort Fehler ausbügeln?
Wer muss schmutzige Wäsche waschen?
Wer muss in Hintern kriechen?
Wer muss sich verbiegen?
Wer muss immer service-orientiert denken?
Wer darf seine Launen zu Hause lassen?
Wer wird von Jüngeren überholt?
Wer bekommt keine Beförderung?
Wer macht unbezahlte Überstunden?
Wer steht unter täglichem Leistungsdruck?
Wer zahlt die Gebühren der Krankenkasse?
Wer macht die Steuern?
Wer bezahlt den Urlaub?
Wer bezahlt die Kita?
Wer bezahlt den Einkauf?
Wer bezahlt die Weihnachts/Geschenke?
Wer hat es täglich mit mehreren Arschlöchern zu tun?
Wer ist vom Arbeitsklima, vom Arbeitsmarkt, vom Wirtschaftswachstum abhängig?
Wer lebt seine Träume auch nicht?
Wer hatte mal viele Hobbies und jetzt nur eins oder keins?
Wer steckt im Hamsterrad?

Mir fallen noch viele solcher Fragen ein.
Fairer Weise, wenn es um Gleichberechtigung in Partnerschaften geht, müssten diese Fragen auch beiden gestellt werden. Und ganz klar - ich weiß es aus eigener Erfahrung - wenn BEIDE vor allem meine Fragen mit "Wir" beantworten können, können meistens BEIDE den obigen "Haushalts-& Familienfragebogen" nur mit "Wir nicht" beantworten. Und es ist in so einer Situation voll kacke, wenn das Geld BEIDER dann nicht wirklich für eine Putzfrau und schon gar nicht für eine Nanny reicht. Wenn es das nicht tut - ich spreche aus eigener Erfahrung - dann leiden BEIDE darunter, dass sie den ganzen Tag und viele Nächte arbeiten und das Leben um sie herum trotzdem zerbröselt, wie eine vertrocknende Blume.

Wenn einer in der Lage ist, die ganz obige Liste komplett mit "ICH mache das" zu beantworten, wird er erfahrungsgemäß kaum meine Liste mit "Das mache ICH auch" beantworten.

Warum?

BEIDES geht nicht!
Es ist pure Logik. Es ist nicht menschenmöglich. Jede Frau und jeder Mann, die dieses Pensum beider Listen annähernd schaffen - meine Mutter zum Beispiel (#stolz#) - hat einen Orden verdient. Braucht aber vermutlich Urlaub. Massenhaft.

Wenn ein Mann aus beiden Bereichen Punkte für sich in Anspruch nimmt, ist das ein toller Mann.
Wenn eine Frau aus beiden Bereichen Punkte für sich in Anspruch nimmt, ist das eine tolle Frau.

Viele sich wegen ihrer Einstellung zu Zeit und Umgang mit Kindern nicht beruflich verwirklichen könnende Frauen, beklagen, dass ihre Männer ihnen nichts oder fast nichts aus ihrer Zuhause&Schule- ToDo Liste abnehmen. Ihre Männer wiederum können diese Frauen auch nicht in irgendeinen Beruf schicken, damit sie frei sind von der lästigen Heimarbeit, mosern aber auch nicht (vermutlich) "Nie nimmst du mir mal meine Überstunden ab, damit ich mal früher Feierabend machen kann".

Dieses ewige Vergleichen und Beklagen, dieses bescheuerte einander aufrechnen, was wer geleistet hat, geht mir auf meine nicht vorhandenen Klöten, und zwar gewaltig. Solange ER euch und euren Kindern nicht schadet oder wie ein Zementklotz am Bein hängt, und solange IHR viele Wahlmöglichkeiten habt was aus eurem Leben und Alltag zu machen, die genau wie für ihn diverse Einschränkungen bedeuten, dann hört mit dem Beklagen der Unvollkommenheit auf. Und JA lobt und DANKT euren Männern und Frauen, wenn sie Einsatz zeigen. Wenn eure Frauen einen Halbtagsjob annehmen und dennoch alle Punkte von ganz oben abarbeiten, behandelt sie wie Königinnen! Wenn eure Männer ihre Karriere mit Elternzeit riskieren, wenn sie das Geld für eine Putzfrau verdienen, wenn sie abens trotz eines Scheißtages mit einem Lächeln nach Hause kommen, wenn sie ab und zu im Haushelt helfen und euren Shopping, Urlaubs oder "Ich brauche mal Zeit für mich, ich möchte Bloggerin werden" - Wünschen nicht im Weg stehen, sie sogar unterstützen, vielleicht sogar finanzieren: Behandelt sie wie Könige.

Und alle die, die Punkte aus BEIDEN Listen in großer Zahl für sich in Anspruch nehmen können: Das sind echte Superhelden! Verehrt sie! Egal, ob Mann oder Frau.

Ist Ordnung das halbe Leben? Und Ihrs oder Seins?

Freitag, 8. April 2016

PhiloJune
Ich muss alles alleine machen! Wenn Eltern nicht miterziehen wollen


Ein Fall für Zwei: Wie sehr unterschiedliche Eltern Erziehungsarbeit leisten


Floskeln, die die Erde zittern lassen (könnten)


Wir kündigen sie an....
"Oh oh, wenn das Mama sieht!"
"Warte nur, bis Papa nach Hause kommt, dann setzt es was!"

Wir fordern sie auf, in den Ring zu steigen...
"Jetzt sag doch auch mal was dazu!"
"Willst du da gar nichts machen?"

Doch am Ende: Sind wir allein. Auf uns gestellt. Ausgesetzt in den endlosen Weiten der Erziehungswüste, mit nur einem Schluck Wasser zum Überleben.

Denn der Angekündigte erscheint nicht auf der Bühne, verpasst seinen Auftritt, bleibt hinter dem Vorhang versteckt. Diese Rolle, verteidigt er sich, hat er sich nicht ausgesucht!

Wenn dein Partner Arbeitsverweigerer ist


Es heißt allgemein nicht etwa diffus Elternarbeit, sondern Erziehungsarbeit. Eben Arbeit, nicht Müßiggang. So, wie es meistens Arbeitstag und nicht Feiertag lautet. Arbeit macht frei, glauben die einen. Freiheit macht frei, finden die anderen. Fakt ist: Ohne Arbeit geht eins nicht = Erziehung. Weil dem so ist, kocht die Luft, wenn man als Eltern feststellen muss, dass der andere nicht so recht mitarbeiten will. Kinder groß zu ziehen ist ein Projekt, bei dem es fair und richtig ist, wenn man am Ende eine 2 dafür bekommt. Zurecht haben da viele Eltern Angst, dass das Projekt scheitert, wenn die ganze Arbeit nur von einem gemacht wird. 6, sitzen geblieben, von der Schule geflogen, arbeitslos, drogenabhängig, tot: Das ist das Szenario, das zu vermeiden Motivation vieler fleißiger Eltern ist.
Ausgenommen der Arbeitsverweigerer.
Er hat auch ein Szenario, das ihn motiviert. Es heißt: "Du machst das schon". Er (oder sie, aber ich bleibe einfach beim "allgemeinen Er") wähnt seinen Nachwuchs in Sicherheit, denn es gibt ja noch den anderen. Für ihn ist es nicht nur normal, sondern am besten so, wenn er nach Hause kommt und einfach nur seine Ruhe haben will. Am Abendbrottisch hört er sich die schaurigen Begebenheiten aus dem Alltag seiner Kinder aus der Perspektive eines sehr unzufriedenen Partners an und wird subtil oder deutlich aufgefordert, nachdem die Tathergänge ausführlich geschildert wurden, Polizei zu spielen. Also Festnahme, Zimmerarrest, Einzelhaft. Oder - amerikanische Polizei - Einberufung eines Geschworenen Gerichts, Vorbereitung einer Verhandlung, Prozessierung, Freispruch oder Festsetzung des Strafmaßes (z.B. Computerverbot), Quittung über Prozesskosten folgt. Doch leider sitzt da nicht die Polizei, sondern der Herr bzw. die Frau Beamte. Und Beamte haben von einem zu viel und von einem zu wenig: Zeit versus Entscheidungsfreude. Die Sache mit der Zeit nervt ungemein. Wer Zeit hat, will alles genau wissen. Das hilft bei der Entscheidungsfindung. Also wird nochmal genau nachgehakt.
"Also was ist nochmal passiert?" Dann hört sich der Familienverwaltungsbeamte die ganze Geschichte noch einmal an. Harte Fälle fragen dann, wenn sie alles ein zweites Mal gehört haben, sogar: "Und was war jetzt so schlimm daran?" Wer nicht ganz so sehr auf Ärger mit seinem Partner aus ist, aber dennoch gern alle Entscheidungsbefugnisse abgeben möchte, fragt - genervt, wie alle Beamten - lustlos: "Und was soll ich jetzt bitte machen?" Das ist der Punkt, andem die Angeklagten allerspätestens wissen, dass sie aus dem Schneider sind. Aufstehen und Abhauen sind legitime Mittel, um sich dem drohenden Rechtsspruch auf kurz oder lang zu entziehen, denn nun steht jemand anderes im Visier des Kopfgeldjägers: Der Beamte.

Clash of the Titans



"Du fragst ernsthaft, was du jetzt machen sollst? Die Kinder haben sich heute den ganzen Tag gekloppt, sie haben Geschirr kaputt gemacht, Julian hat Bastians Legowelt mit Absicht zerstört und beide haben eine Mahnung vom Klassenlehrer wegen Störens und Widerworte bekommen! Fällt dir da gar nichts zu ein?!"
Verbeamtete Väter neigen in solchen Momenten dazu, beschwichtigend daran zu erinnern:
"So sind Jungs nunmal."
Verbeamtete Mütter verallgemeinern ihre Beschwichtigung mit einem Schlüsselsatz, ihrem persönlichen Leitmotiv:
"Es sind doch noch Kinder."
Das sind dann die Sätze, wo der Kopf des jeweils anderen Elternteils klingelt, wie eine Teekanne, wenn das Wasser kocht. Vorsicht: Verbrennungsgefahr!
Während im Kinderzimmer friedlich Räuber und Gendarme gespielt oder wieder gemeinsam gemalt wird, steigen zwei Giganten in den Ring, in dem seit es das Rollenmodell Vater-Mutter-Kind gibt, jedes Jahr literweise Blut und Tränen vergossen werden.
Der Schlagabtausch beginnt meistens mit einer lauten, funkensprühenden Predigt über die negative Arbeitshaltung, ja die schiere Leistungsverweigerung des verbeamteten Elternteils. Übliche Beamte, nachdem die Rauchschwaden aus dem Kriegsgraben verzogen sind, verfolgen die Taktik der Verunsicherung und gehen weder auf ihre Verantwortung, noch auf ihre Arbeitseinstellung, noch auf den eigentlichen Grund des Konflikts, nämlich die Vergehen der Fast-Häftlinge in Zellblock B, ein. Nein, übliche Beamte arbeiten mit ihren innerlich abgehefteten Karteikarten, auf denen sie Sprüche gesammelt haben, die sie zur Verunsicherung und Verwirrung des Gegners nacheinander herunterbeten können.
"Du übertreibst mal wieder maßlos".
"Du hörst dich an, wie deine Mutter."
"Du bist, wie dein Vater."
"Das kann man jetzt auch nicht mehr ändern."
"Das ist doch kein Weltuntergang."
Und zuletzt, als krönender Abschluss:
"Dann mach DU doch, wie du es gesagt hast! Wozu brauchst du mich dafür?"
Wenn dem anderen es dann noch immer möglich ist, weiterzudiskutieren, macht dieser meistens dem erziehungsmüden Beamten den Strafprozess, den der Nachwuchs eigentlich verdient hätte. Das heißt Schuldspruch, interne Festlegung der Strafdauer, Verkündung des Urteilsspruchs, Abgang. Der verbeamtete Elternteil, nun wieder in Ruhe gelassen, isst sein Abendbrot zu Ende. Trinkt sein Feierabendbier. Oder verbündet sich mit den Kindern. Sie sind es ja nicht, die ihm den Schlamassel mit dem Familientyrann eingebrockt haben!

Raus aus dem Ring, Rein in die Arbeitsteilung

Der einzige Weg, um diesem Brandherd in Ehe-und Familienleben zu löschen, ist: Die Begebenheiten akzeptieren, wie sie sind.
Der eine ist also ein guter Cop. Hat eine Spürnase für Ärger. Ist halb Detektiv- halb Drogenspürhund. Hat ein klares Familiengesetzbuch, nach dem er handelt. Sorgt für Recht und Ordnung. Wäre gern öfter Freund, ist aber ein guter Helfer.
Der andere ist ein guter Philosoph. Alle Beamte sind gute Philosophen. Er lässt sich Zeit mit den Dingen. Er fühlt den Druck nicht, er gibt auch keinen weiter. Sein Glas ist halb voll, er weiß, er ist unkündbar. Verbeamtet auf Lebenszeit: Zeit, die hat er. Ruhe, bloß kein Stress, lass uns Friedenspfeife rauchen. Recht und Ordnung sind genehm, aber sie einzufordern, unbequem. Er hilft und richtet, wenn er der festen Überzeugung ist, dass es gar nicht anders geht. Demnach selten (denn es gibt ja den Cop)
Die Kinder indes können tatsächlich von beiden Welten profitieren. Statt, dass Cop und Philosoph sich bekriegen, sollten sie Hand in Hand arbeiten. Der Cop darf alle drei Staatsgewalten im Rollenspiel einnehmen, also als Cop, als Anwalt und als Richter. Der Philosoph überlässt ihm das Feld, akzeptiert aber, wenn er als Philosoph gefordert ist. "Kau ihnen ein Ohr ab", "Mach sie mürbe", "Rede mit ihnen"....ein kluger Cop weiß, wovon der Philosoph zu viel hat, davon haben die Kinder zu wenig (je älter, je weniger): Zeit. Und so ist eine faire Strafe, wenn der Philosoph den Kindern Zeit stiehlt. Ihnen alles über Recht und Ordnung erzählt. Ihnen alles erklärt. Hat er das Gefühl, nicht verstanden worden zu sein, erklärt er es auch gern ein zweites Mal. Der Cop wacht über die Stunden, die der Bewährungshelfer mit der Ganovenbande verbringt und stellt ihn als leicht schläfrigen Wachposten ab, damit er redend und wachend ein Auge auf die Fortschritte der Gefangenen im Arbeitslager hat (Müll rausbringen, Küche aufräumen, Schulsachen ordnen etc.).

Das Ende vom Lied


Am Ende werden die Kinder, je älter desto eher, einen kurzen Prozess wünschen. Unter Umständen beteiligen sie sich sogar an der Findung eines fairen Strafmaßes. Und geben sich Mühe, weniger auffällig zu sein. Wenn sie dem Cop alles beichten und um mildernde Umstände flehen, dann nur, um der Laberei des Philosophen-Bewährungshelfers zu entgehen.
Alle Eltern haben eine besondere Macht. Und wenn es die ist, ihren Familienmitgliedern durch Langsamkeit und langstieligem Sinnieren den letzten Nerv zu rauben.

So kann wieder Frieden an den heimischen Abendbrottisch kehren.
Und der 3-Gewalten-Cop und der Beamten-Philosoph lernen sich und ihre ungleichen Fähigkeiten endlich zu schätzen.

Donnerstag, 7. April 2016

Relaxed&Stiefmom
Das zerlumpte Scheidungskind

Sie tragen Löcher aus reinem Pragmatismus!



Weil darum gebeten wurde, heute ein kleiner Einschub zum Thema "Warum kommt mein Kind in Fetzen?"

Es ist ein Phänomen, von dem ich überall lese, und das wir auch selbst erlebt haben. Das Wochenende mit den Kindern aus erster Ehe steht an, alles ist hübsch und aufgeräumt und wartet auf die Begrüßung: Und es kommen Kinder, die aussehen, als hätten sie eine Woche Inhaftierung in Guantanamo hinter sich!
Mich hat es insgeheim jahrelang geprickt zu verstehen, warum wir die Kinder so bekamen. War das ein Zeichen im Sinne von "Ihr zahlt mir so wenig Geld, dass ich die Kinder nicht einmal richtig anziehen kann?" Oder war das Vernachlässigung, derer wir jedes 2. Wochenende Zeuge wurden? Was wollte man uns damit sagen?

Zu schön für euch


Die Antwort bekam ich von meiner besten Freundin, die, die auf der anderen Seite der Macht steht (sie Singlemutter, er mit "der Neuen" in Patchwork verflochten). Irgendwann kam ich mal auf das Thema zu sprechen und - oh Wunder - meine Freundin hatte absolutes Verständnis.
"Ich kaufe doch nicht schöne Klamotten, damit mein Kind bei denen immer toll aussieht? Außerdem ziehe ihr immer die alten Sachen an, weil mir dann egal ist, wenn mal was liegen bleibt oder so."
So einfach ist das also.

Erstens geht es um Missgunst. Dieses Kind "gehört" nicht den Anderen, "gehört" nicht in die andere Familie. "Gehört" eben der Mutter. Und die Mutter erhebt Anspruch darauf, dass ihr Kind bei ihr aussieht, wie aus dem Ei-gepellt. Was die anderen machen, ist deren Sache.
Zweitens geht es um Pragmatismus: Als Mutter ärgert man sich nämlich, wenn man sein Kind in den guten Klamotten ins Wochenende schickt und erst zwei Wochen später eben jene zurückbekommt. Oder erst nach 100 Mal nachfragen. Und statt der eigenen schönen Sachen, trägt das Kind dann vielleicht Klamotten, die Mama nie gekauft hätte.

Ich war völlig baff. Die Antwort liegt auf der Hand, ich hätte selbst darauf kommen können. Mir wurde damals vielerseits auch dazu geraten, die Kinder nicht mit "meinen" guten Sachen nach Hause zu lassen. Und so wie es mich störte, die Kinder in zu kleinen, zu kurzen oder kaputten Sachen zu sehen, störte es sie, die Kinder in "geschmacklosen" Sachen von der ollen Neuen zu sehen.
Und es gibt sogar einen dritten, plausiblen Grund:

Fremdes Nest



Jeder kennt das: Wenn ein Jungtier aus dem Nest gefallen ist oder verloren wirkt, soll man es nicht anfassen. "Sonst erkennt die Mutter es nicht mehr am Geruch". Nun, wir erkennen unsere Kinder Gott Lob neben dem Geruch noch an ihrem Lärm, insofern kann uns die Natur da nicht so schnell ausboten. ABER wenn unsere Kinder ihre Zeit in feindlichen Lagern verbringen und dann auch noch überall dieser Geruch an ihnen haftet...dieses fiese Parfüm des Erzfeindes, diese schreckliche Backluft, die verräterisch nach ungesunder Verwöhnung riecht und dieses ätzende Waschmittel und der schreckliche Weichspüler, die schiere Dieselwolken auf das Kind legen und es zu einem "Fremden" machen - das mag selbst für die Toleranteste unter uns schwer zu verdauen sein!
Wie ich darauf komme? Weil ich sie ja auch an den Kindern gerochen habe. Ich habe ihr Waschmittel zufällig im Supermarkt entdeckt, als jemand Duftproben anbot. Ich habe ihr Parfüm gerochen, wenn ich unterwegs war. Ihr Shampoo. Einfach sie - die Mutter meiner geliebten Bonuskinder. Nur - mich hat das nicht gestört. Aber sie war ja auch nicht sinnbildlich in mein Leben eingebrochen. Nein: Das war wohl ich.

Wer sich nun noch wundert, weshalb er Kinder überreicht bekommt, die nach einer Menge Wasch - und Flickarbeit aussehen, der versteht die banalen Grundprinzipien des Tierreichs ebenso wenig, wie blanken Pragmatismus. Allen anderen, denen jetzt ein Licht aufgegangen ist, sei gesagt: Nun dürft ihr entspannen! Die Kinder sind mit großer Wahrscheinlichkeit keine Opfer von Vernachlässigung und ihr Anblick kein Paycheck-Wink-mit-dem-Zaunpfahl.

Also: Umarmen, Look akzeptieren, abends ordentlich wienern und bürsten und morgens in 'eure' Klamotten stecken. Fertig!


Foto wie immer von Ryan McGuire

Freitag, 1. April 2016

Relaxed & Stiefmom
Urschreitherapie und brutale Gewalt:Konfliktlösung für Stiefmütter

Auch eine Art Konfliktbewältigung

Der Anfang ist geschafft

Das erste Jahr für mich als Stiefmutter war, wie ihr im ersten Teil dieser Reihe gelesen habt, ein wahrer Sturm. Alle waren furchtbar emotionalisiert, jedes Wort wurde auf die Goldwaage gelegt, Konflikte schossen aus dem Boden, wie Schneeglöckchen! Heute, bald 9 Jahre nachdem ich plötzlich mit 20 Jahren Stiefmutter wurde, wirken die Probleme der Vergangenheit wie aus einem schlechten Film, den man irgendwann mal geguckt hat. Der Nebel des Vergessens und die vielen guten Zeiten schichten sich gütig über dem Müll der ersten Jahre: Irgendwann wird da mit Sicherheit ein ganz hübscher Hügel mit Aussicht und Grün drauf - der Schutt darunter wird niemanden mehr interessieren.
Dass ich das so empfinden kann, hat viel mit Glück zu tun. Aber auch mit Arbeit, Disziplin, Opferbereitschaft, Vertrauen und dem unbedingten Willen das Ding irgendwie zu schaukeln.

Hier lest ihr, wie wir mit Konflikten umgegangen sind. Mal aus der Not geboren, mal nach reichlicher Überlegung. Ich bin so fair und verrate auch gleich immer, ob unsere Lösungen was gebracht haben ;-)

Das Tal der Vorwürfe, des Misstrauens & der Lügen


"Die will mir die Kinder wegnehmen" "Die hat den Kindern pornographische Bilder gezeigt"
"Die erzählt Drogen sind gut" "Die ist eine Erbschleicherin" "Die ist nur hinter Geld her"
"Die ist ein junges, dummes Huhn" "Die kann nicht mitreden, die hat ja keine Kinder, die ist ja selbst noch ein Kind" "Die hat schlechten Einfluss auf den Kindsvater, wenn sie dabei ist, sollte der Umgang mit den Kindern verboten werden" "Die schadet den Kindern" "Die macht die Kinder krank"
"Die setzt den Kindern Flausen in den Kopf" "Die lügt"

Das sind nur einige der vielen, vielen Beleidigungen, Vorwürfe und Lügen, denen ich jahrelang ausgesetzt war. Weil die Pistole am Kopf es "denen" nur leicht gemacht hätte, habe ich andere Wege gefunden, klarzukommen ;-)

Auf emotionaler Ebene:
Muss man versuchen, über den Dingen zu stehen. Ich habe es wirklich lange lange versucht, aber ich war nicht stark genug. Ich wusste, wenn ich diesem Unsinn erlaube, meine Gefühle zu beherrschen, mache ich Fehler. Die habe ich auch gemacht. Irgendwann ist mir die emotionale Hutschnur geplatzt und das bedauere ich bis heute zutiefst. Nicht, weil ich gern die beste Freundin der Exfrau meines Mannes wäre. Sondern weil ich damit leider a) einige Klischees und Lügen unfreiwillig bestätigt habe und b) mir niemand meine generell stets guten Absichten abkaufen wollte. Alles wurde unter dem Licht meiner Fehltritte beleuchtet, all das Gute wurde einfach ausgeblendet.
Also: Stark bleiben! NICHT zurückschießen! NICHT auf dieses Niveau sinken! Es ist definitiv eine Idiotenfalle. Von Idiotie aufgebaut, stolpert man bei Unachtsamkeit über den Strick und bricht sich das Genick.
Ich wollte immer stolz, fair, aufrichtig und vor allem höflich und respektvoll sein. Das habe ich irgendwann aber einfach nicht mehr geschafft.
Tut euch selbst den Gefallen und bleibt tapfer! Ihr MÜSST nicht darauf eingehen. Ihr MÜSST nicht zurückschießen. Ihr MÜSST nichts persönlich richtig stellen.

Ich habe zwei Dinge gelernt, die mich massiv desillusioniert haben:
Erwachsene benehmen sich nicht erwachsen! Gestresste Erwachsene benehmen sich wie Kleinstkinder. Sie schreien, kratzen, drohen, beleidigen, schmeißen mit Gegenständen, schlagen und benehmen sich komplett unlogisch - und dennoch ist das alles keine Erlaubnis, selbst aus der Haut zu fahren.
Ich habe - typisch für mich - ein Schmähgedicht veröffentlicht. Ehrlicher Weise habe ich nicht gewusst, dass die Exfrau meines Mannes es lesen würde. Ich hatte nämlich vor ihr das persönlich zu schicken (so weit war ich schon auf Kindergartenniveau mitgesunken), aber mein Mann hatte mir davon abgeraten. Also habe ich es auf meiner damaligen MySpace Seite veröffentlicht - schon in derselben Nacht war die Kacke am Dampfen. Dieses Gedicht wurde fortan überall und jederzeit gezückt, um mir jedes Mitspracherecht abzusprechen. Es wurde damit gedroht, es würde gegen mich benützt werden. Ich hätte bis heute keine Angst es noch einmal zu veröffentlichen. Mit einer weiteren, ordentlichen Entschuldigung drunter. Aber alles entschuldigen, alles Gute davor und alles Gute danach war mit diesem einen Gedicht für die Katz. Es war so, als hätte die Exfrau endlich etwas gegen mich in der Hand. So hat sie es auch behandelt und benutzt.
Was für ein Frust. Meine Fehler vom Anfang haben viele Verhandlungen und Klärungen unmöglich gemacht. Immer kreischte es gleich "Nicht wenn June dabei ist!"
Verdammt, kann ich euch sagen.
Lektion gelernt: NIEMALS seine Contenance verlieren, NIEMALS eine Blöße geben, NIEMALS negative Gefühle verbalisieren! Frei nach dem Motto: Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, lass es!
Oma hatte Recht, ihr Leute.

Das zweite was ich gelernt habe: Es gibt KEINE Gerechtigkeit! Warum? Weil sich wirklich niemand, aber auch niemand für dich interessiert. Alles Negative waren nur Instrumente, damit sich die "Geschädigten" besser fühlen konnten, oder damit sie etwas an mir auszusetzen hatten - und zuletzt waren es einfach Missverständnisse, weil zB Bikinifotos auf meinem privaten PC ohne meine Erlaubnis und ohne mein Wissen angeschaut wurden und für Pornographie gehalten wurden. Heute besitzen alle jungen Mädchen mit IPhone oder Tablet solche Fotos, um ein Vielfaches aufreizender, als die harmlosen Bilder aus meiner Zeit. Oder die Sache mit den Drogen: Das war einfach nur gelogen, um mich schlecht aussehen zu lassen. In Wirklichkeit hatte ich mal wieder einen kleinen Aufreger und hatte eine Standpauke über die Schlechtigkeit von Drogen gehalten, ich bin ja sogar gegen Alkoholkonsum vor 60! Das wurde einfach verkehrt erzählt und sich vermutlich am Ärger, den diese Lüge verursacht hat, erfreut. Darum ging es letztlich: Hauptsache June hat Ärger. Hauptsache June sieht schlecht aus! Wenn dich alle hassen und keiner dein Freund ist: Warte nicht auf Gerechtigkeit. Versuch auch nicht, irgendwas grade zu biegen, wenn es nicht absolut notwendig ist.
Das habe ich irgendwann gelernt, je absurder die Vorwürfe und Lügen wurden, desto eher.
Ich habe irgendwann die Schultern gezuckt. Na und? Lass sie doch. Eines meiner Lieblingslieder aus der Zeit war von den Ärzten. "Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu, die meisten Leute haben ja nichts besseres zu tun...usw." Ich habe irgendwann aufgehört mir Mühe zu geben mich zu rechtfertigen, oder zu erklären, wie der Pups von dem Pups zu differenzieren sei, oder zum x-tausendsten-Mal zu versichern, dass ich die Kinder betreffend nur die besten Absichten habe.
Einfach Schulterzucken. Einfach drüber stehen. Wenns nicht deine besten Freunde sind: Kann dir ihre Meinung egal sein!


Therapie Marke Eigenbau


Was tut man, wenn man vor Wut platzt?
Wenn man das Gefühl hat, niemand versteht einen?

Wenn man verzweifelt, weil einem jede gute Geste als fiese Matente ausgelegt wird?
Wenn man die Hand zum Helfen ausstreckt und sie in blutigen Fetzen vom Handgelenk hängend zurückbekommt?


1. InsiderWitze
Jeder im Stress braucht Insiderwitze, Die sind böse, die sind unfreundlich. Deshalb sollten sie Insider sein. Aber wenn Feuerwehrmänner und Ersthelfer über Mettwurstbroten lachen und Scherze darüber machen, dass die Mettwurst aussieht, wie das Gehirn, das sie letztens von der A2 aufsammeln mussten, dann versteht man vielleicht, weshalb Humor wichtig ist. Galgenhumor eben.
Wir haben unseren eigenen  "Your Ex"  - Humor entwickelt. Nicht fein, aber heilsam. Muss man dann auch irgendwann wieder ablegen, wenn man reif dafür ist.

2. Urschreitherapie
Das erste Mal laut und unbeherrscht Brüllen ist gar nicht so leicht. Mein Mann war am Verzweifeln, raufte sich die Haare, verstand nicht, warum alles ein Krieg sein musste. Er wusste weder ein noch aus und wirklich ändern konnten wir an dem Verhalten "von Gegenüber" ja nichts. Ändern kann man immer nur sich!!! GANZ WICHTIGE LEKTION. Also schlug ich vor: Schrei doch! Mein Mann guckte mich an, als sei ich bekloppt. Wie schreien? Es hatte schon sowas Komisches sich das vorzustellen, dass wir schnell zwischen Lachen und Schreien entscheiden mussten. Wir blieben aber dabei, ich zählte bis drei und dann brüllten wir aus Leibeskräften! Ich weiß nicht, ob AAAAA oder ÖÖÖÖÖÖÖ oder SCHAAAAALKEEEEE - keine Ahnung. Irgendwas. Und es hat irre gut getan. So gut, dass mein Mann seine Kinder auch zum Urschreien anhielt. Da fuhren wir gemeinsam Fahrrad durch den Wald, es hatte mal wieder Kloppe und Streit gegeben und die Luft war zum Schneiden dick. Also raste mein Mann plötzlich vor und brüllte dabei wie ein Besessener, ich hinterher und schrie "Macht mit, macht mit" und dann fuhren die vier beklopptesten Patchworker ever brüllend und johlend durch den Berliner Wald, bis wir erschöpft und zufrieden waren. Danach waren Wut und Kummer wie weggeblasen. Es funktioniert! Vor allem mit Kindern.

3. Pure Gewalt
Gewalt hat viele Gesichter. Wenn man in einem verzwickten Hasskonflikt steckt, dann will man schon mal mit Heugabeln aufeinander losgehen, sieht man ja in Sachsen & Co. Wie oft wurde mir der Tod gewünscht, von allen Damen der Familie?! Ich war nicht ganz so drastisch, ich wollte auch gar nicht mit den Weibern kämpfen, hätte ich ja eh gewonnen ;-) Ich hatte eher Fantasien davon, mich mit dem neuen Lebensgefährten der Exfrau zu duellieren, so von Mann zu Mann ;-) Der war großartig darin , Öl ins Feuer zu gießen und hätte den Fight verdient, fand ich. Ich hatte aufgeregte Tagträume von Martial Arts Kämpfen vor der Haustür und war ganz hibbelig, wenn ich ihn darin mal wieder besiegt hatte. Aber Tagträume sind nicht so befriedigend, wie "the real thing" und dafür gibt es zahlreiche Lösungen. Holzhacken ist großartig. Keine Ahnung, wen man da in seiner Phantasie für den Winter kleinmacht und aufschichtet, aber es tut gut. Ich habe mal eine halbe Stunde lang einen großen Umzugskarton klitzeklein gerissen. Wortlos. Einfach nur Mini-Schnipsel um Mini-Schnipsel aus dem Karton gerissen. Als ich fertig war, ging es mir gut und der Karton hatte für seine Sünden gebüßt. Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht habe. Aber ich war vielleicht einfach im Zerkleinerungsflow, und darin ging es mir richtig gut. Danach war ich energiegeladen und konnte wieder normale Dinge normal anpacken. Also ja: Nicht am Menschen auslassen, sondern am Sperrmüll, am Papiermüll, am Winterholz oder oder. Wut muss nicht immer in ein sinnvolles Projekt fließen - das kann sonst ganz schnell richtig scheiße aussehen. Wer will schon in einem wutgebauten, schiefem Gartenpavillon grimmig verkohlte Bratwürstchen herunterwolfen?! Eben. Papier tuts auch.

4. Sport
Sport hat uns gerettet, viele Male! Fahrradfahren bis die Beine schmerzen, Gewichte heben, auf dem Laufband imaginären Scheidungsanwälten davonlaufen, im Hallenbad vor eingebildeten, bissigen Angehörigen davonschwimmen: Danach hat man einfach keine Energie für Bullshit und fühlt sich erneuert. Ich kann es nur empfehlen. Und wenn es ein langer Spaziergang ist.

5. Aussprache
Keine Angst vor Psychologen und dem Jugendamt. Ich finde: Wer sich scheiden lässt, sollte drüber reden. Und auf jedenfall sofort zum Jugendamt gehen und sich schonmal vorstellen. Sich einen persönlichen Berater suchen, der für einen da ist, wenns doch mal brenzlig wird. Beim Jugendamt arbeiten auch nur Menschen, gute und mindergute. Leider ist dort die Quote menschlichen Versagens scheinbar recht hoch. Insbesondere wenn Männerfeinde einem gegenübersitzen. Aber dann sucht man eben weiter. Man muss nicht zu den immergleichen Idioten gehen, man hat das Recht darauf solange zu suchen, bis beide Seiten zufrieden sind. Sogar mein Mann und seine Exfrau haben nach fast 4 Jahren so eine Mediationsstelle gefunden, die ich an dieser Stelle auch gut weiterempfehlen kann.
Hier der Link zum einzigen Verein, der wirklich gute Konzepte und überzeugende Arbeit geleistet hat: http://www.zif-online.de/ Leider nur in Berlin, klar. Aber Berlin ist ja eine Scheidungshochburg. Wer ebenfalls gute Adressen kennt, darf und soll sie bitte bitte unten in den Kommentaren einfügen, am besten vorher noch den Ort angeben, also "Düsseldorf; Beratung XY".

6. Ist es wirklich so wichtig?
Die Frage, die bei uns ein Mantra geworden ist. "Ist es wirklich so wichtig?" Manchmal kämpft man um Umstände, die in 2 oder 5 Jahren eh vorbei sind. Manchmal kämpft man um Vereinbarungen, die sich bald ändern, weil jemand umzieht, oder die Kinder eigenständiger werden oder einer krank oder arbeitslos wird usw. Lohnt sich der Kampf überhaupt? Muss man alles zurecht rücken, muss man immer Recht behalten? Nein, muss man nicht!
Wenn man sich bewusst macht, dass man eigentlich auch verzichten kann, dass einem etwas eigentlich nicht so wichtig ist, passieren zwei wunderbare Dinge:
Erstens entspannt man automatisch. Als wenn ein Knoten platzt. Plötzlich hat man ein Thema weniger, um das man sich sorgen muss.
Zweitens entspannt nicht selten die andere Seite auch. Es ist leider allzuoft ein Kräftemessen, ähnlich wie beim Tauziehen. Wenn der eine loslässt: Wieso sollte der andere noch ziehen? Es ist wichtig, sich diese Frage immer dann zu stellen, wenn einem der Puls bis zum Hals schlägt. Das gilt auch für die Kinder.

7. Muss ich das wirklich?
Stichwort Kinder. Das ist die Frage, mit der man seinen Stiefkindern und sich selbst fair begegnen kann. "Muss ich das wirklich?". Natürlich haben am Anfang Viele gedacht, ich "spiele" Mutter. Ich habe mich aber nur so um die Kinder gekümmert, wie ich selbst es kannte. Die Leute vergessen immer, dass man selbst vielleicht keiner Kinder hat, aber auf jedenfall mal eins war. Und gute sowie schlechte Erinnerungen aus der Kindheit mitbringt, die das Handeln formen. Ob wir nun plötzlich ein Bündel neugeborenes Leben in Händen halten, oder ob einem ein kleiner Junge vertrauensvoll die Hand gibt und man weiß "Jetzt ist es ernst", ist völlig egal: Danach agiert man seinen eigenen Erinnerungen und Erwartungen gemäß. Die Eltern, die meinen "Die kann das nicht, die hat ja keine Kinder", argumentieren so: "Die darf nicht operieren, die hat ja nicht Chirurgie studiert." Sie vergessen dabei, dass sie auch kein Erziehungsstudium absolviert haben, sie haben einfach nur Kinder bekommen, von ihnen gelernt und sich auf diese Menschen eingelassen. Nichts anderes tun Stiefeltern. Da es keinen Elternführerschein und kein Elterndiplom gibt (schade eigentlich), ist das Argument hinfällig - und darf auch ignoriert werden. Nur ob man "das muss" ist die Frage. Ich wusste zum Beispiel, dass die Exfrau meines Mannes mich sofort in Fahrdienste für die Kinder involviert hätte, hätte ich damals einen Führerschein gehabt. Also habe ich den boykottiert. Ich wollte nicht schlecht behandelt UND Fahrsklave werden. Ich tat für die Kinder das, was ich für richtig hielt. Ich musste nicht tun, was sie für richtig hielt, auch wenn sie der Meinung war, ich müsse Dinge tun, die ihr gefallen. Einigen musste ich mich, wie in jeder Partnerschaft, nur mit meinem Mann. Nehmen wir heute: Muss ich für die Kinder alles machen? Nein, muss ich nicht. Sie haben zwei Eltern, ich bin hier nur der Sidekick. Und wenn sie nicht nach meiner Pfeife tanzen wollen, muss ich auch nicht nach ihrer tanzen, so einfach ist das. Ich habe das Privileg, sie nicht wie eine Mutter zu lieben, sondern wie ein Coach oder Lehrer. "Du bist nicht meine Mutter!" - nehmt euch diesen Satz nicht so zu Herzen, er ist ein Freibrief! Sehr richtig, wir sind NICHT die Mutter (oder der Vater). Wir sind nicht für die Fehler, die Dummheiten, die Eigenarten und auch nicht den Lebensstandard der Kinder verantwortlich. Wir sind einfach nur Sidekicks, manche wohlwollend, so wie ich, die gern zugucken und helfen, wenn wir gefordert sind. Wir legen keinen Wert darauf, die Pflichten und Rechte der Eltern anzunehmen, es sei denn, uns wird explizit die Vormundschaft angeboten und auch da sollte man gut drüber nachdenken.
"Muss ich mich eigentlich hierüber aufregen, oder ist das dein Job?"
"Muss ich mir diesen Schuh anziehen, oder gehört der eigentlich in ihre Garderobe?"
"Muss ich mir das Gefallen lassen, oder kann der/die mich vielleicht wie einen normalen Erwachsenen behandeln?"
Egal wie viel die Eltern sich gefallen lassen und egal wie sehr sie als Eltern in der Pflicht sind und müssen: Wir müssen nicht. Unterschätzt das nicht, wenn ihr das nächste Mal als "Du kannst nicht mitreden" - Mensch auf die Ersatzbank verwiesen werdet. Da ist es manchmal verdammt gemütlich.

8. Richtig Argumentieren
Ich habe ein ziemlich gutes rhetorisches Mittel entwickelt, das uns nachdem wir fast 2 Jahre lang nur dummen Streit hatten, endlich mal ab und zu vorwärts gebracht hat.
  • RECHT GEBEN
  • RELATIVIEREN
  • RICHTIG STELLEN
Die drei R, so haben wir die Strategie genannt. Funktioniert übrigens in vielen Streits, ich wende sie immernoch an. Die Idee ist: Wenn es wirklich um eine ernste Sache geht, will man dann nicht konstruktiv und positiv arbeiten? Oder will man immer nur zetern und kämpfen und sich sinnlos mit Gift bespeien lassen? Eben: Nein, will man nicht.
Wenn ein Vorwurf ("Du machst es dir ja leicht mit den Kindern!")
Eine Beleidigung ("Du bist faul und geizig")
oder Erpressungen kommen ("Ich kann mir das nicht leisten, wenn du nicht bezahlst, muss ich den Kindern leider sagen, dass sie xy nicht machen können"), dann kann man aus der Haut fahren, oder
RECHT GEBEN.
"Du machst es dir ja leicht mit den Kindern" - "Ja stimmt schon, ich habe es meistens leicht mit den Kindern."
"Du bist faul und geizig" - "Ja, ich könnte mit Sicherheit mehr arbeiten, dann wäre auch mehr Geld da."
"Wenn du nicht bezahlst, dann..." - "Ja, das sehe ich ein. Dann können die Kinder das nicht, wenn ich nicht alles bezahle."
So zu argumentieren, nimmt viel Wind aus den Segeln. Sie haben ja Recht.
Dann kommen vielleicht weitere Argumente oder auch Stille. Man muss überlegen, gibt man weiter Recht, oder kann man schon Stufe 2 einleiten, das RELATIVIEREN.
"Aber ich sehe die Kinder ja nur an den Wochenenden. Würde es dir nicht viel leichter machen, wenn ich die Kinder auch mal unter der Woche sehe?"
"Aber wenn ich noch mehr arbeite, habe ich noch weniger Zeit für die Kinder. Das fände ich schade."
"Aber vielleicht muss ich ja nicht immer alles alleine bezahlen."
Natürlich kann daraus wieder Aufwind für Streitrunde 2 aufkommen, aber wenn man immer wieder ins Recht geben verfällt, macht das Streiten einfach keinen Spaß. Dann kommt zuletzt das RICHTIG STELLEN.
"Wenn du mir die Kinder zu anderen Zeiten gibst, kann ich dich entlasten. Ansonsten habe ich es tatsächlich leichter mit ihnen. Und es bleibt auch dabei."
"Da ich die Kinder möglichst viel sehen möchte, werde ich nicht noch mehr arbeiten. Dann musst du mich als faul und geizig sehen, ich will vor allem Zeit haben."
"Dann werde ich mal beim Jugendamt fragen, wie man sich besser auf größere Zahlungen vorbereiten kann und welche Maßnahmen wir ergreifen können, damit nicht alle Kosten auf mir sitzen bleiben. Dieses Mal bezahle ich alles."
Das waren jetzt Beispiele, um euch eine Idee davon zu geben, was ich meine. Probiert es einfach nach eigenem Bauchgefühl aus. Vor allem der "Recht Geben" - Punkt ist unglaublich entwaffnend. In einem Konflikt, der vom Kräftemessen geprägt ist, dem anderen spontan und ohne Kraftaufwand rechtgeben, ist ziemlich überraschend. Bei so manchem Streit glätten sich dann gleich die Nackenhaare. Und MANCHMAL stellt man fest, dass der andere sogar Recht hat! Wenn man so sehr aufs Gewinnen fokussiert ist, merkt man nämlich unter Umständen nicht, dass man faktisch auf der Verliererseite steht.

9. Die Kinder ernst nehmen
Egal was sie sagen, egal was sie tun: Behaltet immer im Kopf, dass sie für die Gesamtsituation nichts können. Sie sind den Entscheidungen der Erwachsenen dauernd ausgeliefert, alles wird über ihren Kopf hinweg bestimmt, sie werden stets mit vollendeten Tatsachen überrascht. Dass macht auch so manche "Komm wir diskutieren jeden Pups aus" Erziehung nicht wieder wett, dann die wirklich wichtigen Dinge werden dennoch einfach entschieden. Schlimm muss das sein, wenn es dabei um die Zeit mit den geliebten Eltern, um Eigentumsverhältnisse, um Privatsphäre usw geht. Ein Kind das überhaupt nicht mehr frei entscheiden kann, wird bockig werden. Man muss ein Nein tatsächlich mal akzeptieren, auch wenn es aus dem schokoverklebten Mund eines trotzigen 5-jährigen kommt. Das heißt aber nicht, dass man alles durchgehen lassen muss. Sondern, dass man Räume haben sollte, in denen das Nein möglich ist. Bei uns war es ganz klar das "uns sehen". Töchterchen wollte ihren Papa nicht so oft sehen, Sohnemann dafür sehr oft und viel länger als vereinbart. Von unserer Warte aus haben wir den Kindern stets kommuniziert: Ihr seid immer willkommen, wenn IHR kommen wollt. Natürlich haben wir nachgehakt, wenn Verabredungen plötzlich gecancelled wurden. Aber die Entscheidung wurde ohne Murren akzeptiert. Mein Mann hat höllisch gelitten, als seine Tochter ihn nicht sehen wollte. "Na gut, dann ein anderes Mal." Natürlich war er enttäuscht, natürlich war er verletzt, natürlich zählte er die Stunden und Tage im Herzen zusammen, die er sein heißgeliebtes Mädchen nicht gesehen hatte: Aber er akzeptierte ihr nein. Das war ihr Raum für Neins. Kinder müssen mal launisch sein dürfen, im Rahmen. Es ist okay in sein Zimmer zu gehen, um dort allein zu sein. Es ist nicht okay, fluchend und Türen schlagend ins Zimmer zu gehen. Es ist okay seine Verzweiflung rauszurufen, "Ihr seid alle bescheuert" oder dergleichen, es ist nicht okay, sich später nicht dafür zu entschuldigen. Es ist okay, mal was für sich allein haben zu wollen, es ist nicht okay, es dem anderen wegzunehmen. Es ist okay, schlechte Laune zu haben, es ist nicht okay, andere aus schlechter Laune heraus zu quälen. Denkt über die Räume nach, die ihr euren Stiefkindern (und eigenen Kindern) geben wollt. Nehmt sie ernst. Lasst sie atmen. Lasst sie zu Wort kommen. Lasst sie ihre Launen haben. Die Frage ist nicht unbedingt immer "Was" erlaubt ist, sondern wie es erlaubt ist.

Nachdem ich nun so viel über Konfliktbewältigung geschrieben habe, freue ich mich in Erinnerung an früher, wie wenig Konflikte wir heute noch haben. Ein Konflikt ist "Wie viel über uns darf June öffentlich preisgeben" - das Schreiben über sich und seine Erfahrungen ist ja eine Glaubensfrage. Ich glaube, dass die Kinder selbst so viel Wichtiges und Aufschlussreiches zu erzählen hätten, dass sie ganz vielen anderen Scheidungskindern mit ihrer Erfahrung helfen könnten. Wer weiß, welche Schmerzen sie lindern, welchen Trost sie spenden könnten? Was mich und die Exfrau meines Mannes angeht, so bin ich überzeugt, dass wir voneinander im Guten wie im Schlechten einigermaßen wissen, was wir voneinander zu halten haben und worauf wir beieinander vertrauen können. Sie hat mich mit vielem unterwältigt, aber es gab auch Situationen, in denen sie mich ehrlich überwältigt hat. Aktionen die so cool waren, dass ich sie anerkennend meinen Freunden erzähle (euch nicht, weil das bestimmt Ärger gäbe ;-)). Für mich bedeutet Geschichtenerzählen und dabei authentisch sein, dass man auf Augenhöhe kommuniziert. Auch mit sich selbst. Ich versuche, die wichtigen Dinge zu sagen, wie sie sind - und ich hoffe, dass einige von euch davon profitieren.

Im nächsten Teil "Relaxed & Stiefmom" geht es dann ums Eingemachte. Ich hatte es weiter oben schon erwähnt. Wie wird man sich als Paar einig, wie bringt man einen Scheidungsvater dazu, seine Rollen richtig wahrzunehmen und nicht alles, aber auch wirklich alles, den Scheidungskindern oder der Exfrau unterzuordnen? Ich habe viele explosive Geschichten in Susanne Petermanns Stiefmutterblog dazu gelesen und bin manchmal recht fassungslos, was sich Stiefmütter so alles von ihrem Mann gefallen lassen. Ich verstehe aber auch oft den Mann, eine Vielzahl der Argumente, die sie vorbringen, kenne ich auch noch von früher. Etwa "Ich habe Angst, dass sie mich dann nicht mehr lieben!", oder "Was soll ich denn machen, sie macht alles kaputt, was ich aufbaue?" oder "Sie lässt mich immer schlecht vor den Kindern aussehen, was soll ich da tun?"
Die Väter plagt ein schlechtes Gewissen, weil sie fühlen, dass sie viel mehr da sein möchten und wollen, aber der Weg der Scheidung ist nunmal einer mit zeitlich engen Grenzen. Ob man geht oder gegangen wurde: Die Zeit mit den Kindern wird heilig. Und wehe sie läuft dann nicht so, wie man es sich wünscht. Oder wehe die Kinder sagen ab. Oder wehe die neue Partnerin mäkelt an den unerzogenen Kindern nur herum und macht einem das kurze Vergnügen, sie zu sehen, madig.
All diese Gefühle kenne ich. Und deshalb schreibe ich nächstes Mal darüber - und wie vor allem mein Mann seinen Seelenfrieden mit der Trennung von seinen Kindern gemacht hat.

Ich freue mich wie immer auf Anregungen, Fragen und noch mehr tolle private Nachrichten!
Eure June


P.S. Das schöne Foto der Fresslust stammt von Ryan McGuire, gratisography.com