Freitag, 22. April 2016

Relaxed & Stiefmom
Trennung? 5 Tipps wie Mann Vater bleibt

Vater mit Migrationshintergrund: In 9 von 10 Fällen verlässt der Vater das "Nest"



Von Vater (&mir) zu Vater

Mein Mann hat dieses Scheidungsding ganz gut gemeistert. Insbesondere mit Blick auf seine Kinder. Fragt dazu bitte nicht sein Umfeld, die sehen das natürlich "alle" anders! Aber wie sooft im Leben geht es nicht darum, wie "die" sich fühlen: Sondern, wie man selbst sich fühlt. Und mein Mann ist mit sich im Reinen. Er ist mit sich zufrieden. Er weiß, dass er Fehler gemacht hat und wo er Schwächen hat. Er weiß, wo er gegen seinen Willen loslassen musste und was für Träume und Hoffnungen seine Kinder betreffend er aufgeben musste. Und vor allem weiß er dies: Er ist immernoch Vater! Und ein guter! Genauso gut, wie es all die anderen Väter sind, die nicht von ihren Kindern getrennt leben. Und das ist ein schönes Gefühl, welches er mit Recht haben darf. Hier also ein Artikel maßgeblich für euch Ex-Väter da draußen geschrieben. Mit meinen Worten & seinen Gedanken, also fast von Mann zu Mann...

1. Was für ein Vater willst du sein?


Solange man Frau und Kind unter einem Dach hat, kann Mann sich Aufgaben teilen oder auch mal Aufgaben abgeben. So richtig klar ist einem vielleicht gar nicht, was für ein Vater Mann sein will. Meistens weiß man nur genau: So einer nicht! 
Wenn Mann die Szene wechselt, bleibt für die Ex und die Kinder der Alltag im Prinzip gleich. Es ändert sich wenig, es sei denn, Mann war Hausmann oder hat aus anderen Gründen viel am Alltag beeinflusst. Wenn Mann allein ist und auf seine Kinder wartet, in einem neuen Zuhause, dann muss Mann die obige Frage zum ersten Mal ernsthaft beantworten! Wischi-Waschi und die alte Arbeitsteilung funktionieren nicht mehr. Mann kann und sollte nicht alles abgeben, aber auch nicht alles an sich reißen.
Mann muss sich sehr genau überlegen:

  • Was will ich wirklich für meine Kinder?
  • Welche Rolle wollte ich auch vor der Trennung in ihrem Leben spielen?
  • Was für Werte will ich ihnen unbedingt mitgeben?
  • Welche Felder sind mir wirklich wichtig?
  • Was kann ich im Grunde nicht und kann es deshalb auch "sein lassen"?
  • Was muss ich können?
  • Muss ich ein Superheld sein, oder muss ich nur besser werden?
  • Muss ich überall besser sein (..als jmd...) oder reicht es, dort besser bzw. gut zu sein, wo es zählt?
  • Wo zählt es?
In Wirklichkeit zwingt einen die Trennung dazu, Stellung zu beziehen. Farbe zu bekennen. Konkret zu werden. Und zwar mit sich selbst. Mit seinen eigenen Idealen. Und mit seinen Träumen und Hoffnungen. Womit wir zu Punkt 2 kämen...

2. Lasset alle Hoffnung fahren

Die meisten Eltern machen diese Phase erst durch, wenn ihre Kinder 16 sind. Oder 18. Oder 28. Auf jedenfall später, als Trennungseltern. Solange Mann mit Frau und Kind unter einem Dach wohnt, kann Mann sich eines einbilden: Dass Mann Kontrolle hat. Und weil Mann sich einbildet - wie alle Eltern - dass Mann Kontrolle hat, beeinflusst Mann das Leben der Kinder. Mann fällt ständig Entscheidungen für sie. Um ehrlich zu sein, haben deshalb auch viele normale Ehepaare Zoff. Die Ladung wird nur manchmal "explosiver", wenn plötzlich eine Trennung im Spiel ist. Es geht ja auch schon in der Ehe so los: Wie viel Taschengeld? Welche Schule? Welche Kita? Taufe ja oder nein? Müssen Markenklamotten sein, geht Secondhand? Muss es immer öko vegan und glutenfrei sein, geht nicht auch Pizza? Warum nicht schon ins Kino? Ab wann ins Konzert? Ist es dafür nicht zu jung? Ist es dafür nicht zu alt? Sei nicht so streng! Sei nicht so nachgiebig! usw. usf. Diese Konflikte haben Elternpaare, weil sie alle von Ängsten und Hoffnungen gesteuert werden. Dabei vergessen sie, dass sie auch mal jemandes Kind waren. Und ich wette, die wenigsten haben sich dorthin entwickelt, wo ihre Eltern sie gesehen haben. Aus dem Musiktalent ist eine Arzthelferin geworden, aus dem Stubenhocker ein Kraftsportler, aus der ambitionierten Schönheitskönigin eine mollige Vollzeitmutter, aus dem Draufgänger und Raufbold ein Anwalt...noch mehr Beispiele? Fakt ist: Wer geht, dem werden die Arme amputiert. Einfach reingreifen und biegen und lenken, das geht nicht mehr. Es ist eines der schwersten und schmerzhaftesten Opfer, die Mann viel zu früh bringen muss, dann, wenn die Kinder noch so schön formbar wirken und so tun, als seien sie angepasst und bestrebt, uns nachzueifern: Die Hoffnung aufgeben!
Wer seine Hoffnung aufgibt und beginnt ein Realist zu sein, der hat es leichter.
Ein Realist schaut in seine eigene Kindheit und weiß: Ich bin nicht geworden, was meine Eltern wollten. Ich habe auch nicht alle Chancen genutzt, die ich hatte (oder umgekehrt) und aus mir ist trotzdem was (ganz anderes) geworden! Ich hatte mal eine Band, ich war mal Fußballjuniorlegist, ich war mal ein richtig guter Schachspieler, ich war mal ein Fitnessfreak, ich kannte mal alle Mineralienarten auswendig, ich war mal...ich konnte mal...ich hatte mal....
Mann war mal jung - Mann wird erwachsen - Mann geht eigene Wege. Das gilt auch für den eigenen Nachwuchs. Kapier das am besten sofort, dann ersparst du dir viel Streit um Dinge, die du eh nicht mehr beeinflussen kannst und viel Schmerz über Träume, die dir deine Ex oder deine Kinder nicht erfüllen wollen.

3. Ehrlichkeit ist gut, Vertrauen ist besser

Ich (Roy) bin kein guter Lügner. Deshalb lüge ich auch nicht. Ich sage vielleicht etwas nicht, aber das ist nicht dasselbe. Ich bin aber vergesslich. Deshalb erzähle ich manchmal die gleiche Geschichte in x verschiedenen Versionen. Deshalb weiß ich, wie es ist, ein Lügner zu sein, auch wenn ich keiner bin: Dir glaubt irgendwann keiner mehr. 
Auch wenn deine Kernaussagen immer stimmen (die Zahlen, die Fakten, das Messbare) - die "weichen Fakten" (Wer war was?, Wo war was?, Wann war was? usw.) machen die Sache rund, und wenn du dich an die nicht erinnerst, hören alle nur: Lüge!
Und in einer Trennungssituation ist es oft so, dass einem keiner glauben will! Egal, wie recht du hast. Egal, wie logisch deine Argumente sind. Egal, ob du mit Fotos oder mit Aufnahmen deine Geschichte belegen kannst: Es interessiert niemanden. Deshalb habe ich gelernt, dass Ehrlichkeit in einer Trennung zwar gut (und wichtig) ist, dass sie aber am Ende wenig nützt. Vertrauen ist viel wichtiger!
Das ist meine Erfahrung. Vertrauen baut man dadurch auf, dass man das tut, was man sagt. Dass genau das passiert, was man prophezeit. Es ist so, als würde man immer "Ich verspreche, dass..." vor jede Aussage, die man macht, setzen. Wenn man diese "inneren Versprechen" halten kann, ist Mann vertrauenswürdig. Ich habe gelernt, dass meine Kinder mir weiche Fakten nicht gern anvertrauen. Ich kann mit ihnen nicht gut umgehen, ich bringe sie durcheinander, ich vergesse sie. Viele interessieren mich auch nicht. Aber meine Kinder kommen zu mir, wenn sie wissen müssen, dass etwas klappt. Wenn sie Vertrauen haben müssen. Denn ich habe mir Mühe gegeben, mein Defizit (die Vergesslichkeit) durch meine größte Stärke wettzumachen: Verlässlichkeit! Wenn deine Kinder Angst vor etwas haben (wenn sie kleiner sind), sag ihnen klipp und klar: Das wird nicht passieren. Wenn du weißt, du würdest es im Notfall verhindern, ist alles gut.
In kurz: Sag am besten nur noch Dinge, die dir später nicht leid tun werden.
Handle verlässlich. Handle nicht mal so, mal so, sondern folge einem berechenbaren Plan.
Deine Kinder sollten wissen, woran sie bei dir sind. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn sie wissen, woran sie bei dir nicht sind (zb der Mensch, mit dem man über die beste Freundin spricht oder über wilde, unrealistische Träume...). 

4. Rede nie schlecht über die Mutter deiner Kinder

Auch wenn es manchmal (oder oft) schwer ist: Rede nicht schlecht über die Mutter deiner Kinder. Kinder verstehen, wenn sie klein sind, grundsätzlich auch Aussagen, wie "Dann lügt Mama eben", als "schlecht über Mama" reden, selbst wenn es stimmt. Deshalb kann man da auch dann einfach sagen "Ich weiß auch nicht, wie das kommt" und damit die Diskussion, die meistens zu nichts führt, beenden. Es ist nicht so schlimm, manchmal als Ahnungsloser dazustehen (Kinder kennen das, so siehts in ihrer Welt ja ständig aus). Es ist aber schlimm, als gemein und fies dazustehen. Komischer Weise vertrauen Kinder ahnungslosen mehr an, als Menschen, die sie für gemein und fies halten. Wenn du also möchtest, dass deine Kinder ein gutes und vertrautes Verhältnis zu dir haben, sag lieber solange, wie sie Zusammenhänge eh nicht verstehen "Das verstehe ich auch nicht", oder "Hm..das wird schon irgendeinen Grund haben" oder "Dann hab ich mich vielleicht geirrt, kann ja sein", statt
"Mama sollte euch sowas gar nicht zeigen", "Mama hat gelogen" oder "Sowas darf Mama gar nicht".
Verkneift es euch, es wird vor allem euren Kindern viel Leid ersparen (und euch am Ende viel Stress). Wenn die Kinder älter und reifer sind, kann Mann sie ruhig fragen, warum sie etwas wissen wollen.
"Warum willst du das wissen? Was ändert das? Worüber musst du dir eine Meinung bilden? Warum ist das so wichtig? Traust du Mama und mir nicht zu, dass wir das ohne dich hinbekommen? Glaubst du, du musst Partei ergreifen? Warum? Wir sind seit x Jahren erwachsen, wir haben ganz andere Probleme durchgestanden - ich bin sicher, wir werden auch das hier packen. Nach wie vor ohne deine Hilfe" ... usw.
Es ist nicht gut - ich wiederhole - nicht gut, wenn man seine Kinder überall involviert. Es ist schwierig, sie rauszuhalten, wenn der andere das mit dem "nicht - involvieren" ignoriert. Weil er vielleicht eine sehr partnerschaftliche Beziehung zu seinen Kindern hat und deshalb "alles mit ihnen teilt". Das wirkt auf die Kinder so, als könne man ihm alles glauben und als wäre er vertrauenswürdiger. Mit diesem schnellen Urteil der Kinder muss Mann einfach leben. Mann selbst muss wissen, warum Mann etwas tut und Mann muss hinter seinen Überzeugungen stehen, selbst, wenn die Kinder einen für eine Weile als Lügner wahrnehmen. Es ist im Grunde so banal, wie das Angurten im Auto. Selbst wenn sie es bei Mama nicht müssen, wenn du weißt, dass es richtig ist, wirst du es zum Wohl deiner Kinder durchsetzen. In deinem Auto gelten deine Regeln! Genauso muss man das Thema angehen. Und - egal wie sehr Mann innerlich kocht - immer gut von der Mutter reden.!Am Ende brauchen die Kinder eine gute Mutter. Ob sie es nun in der Realität ist, oder nur in den Augen der Anderen. Für die Kinder zählt (erstmal) nur, dass sie es glauben können!

5. Sei der Rosenkavalier deiner Kinder, egal was die Welt denkt


"Du pickst dir ja nur die Rosinen raus"
"Das machst du ja nur, um dich bei den Kindern einzuschmeicheln"
"Du spielst dich ja nur als Gutmensch auf"
"Das sagst du ja nur, damit sie dich mögen"
"Geschenke machen noch keinen guten Vater"
"Du verwöhnst sie ja nur, weil du ein schlechtes Gewissen hast"

Ich kenne diese Vorwürfe alle. Da ist Mann mal ein Wochenende mit Sohnemann im Ausland, weil Mann irgendwie wieder eine Verbindung zu ihm aufbauen will, und es kommt (statt "Tolle Idee" oder "Schön, dass du es irgendwie versuchst") nur "Das macht eure Beziehung auch nicht besser" und "Das macht dich nicht zu einem besseren Vater". Lasst sie reden und hetzen gegen eure Manöver, wie sie wollen: Es schadet den Kindern nicht, von euch verwöhnt und geliebt zu werden, auch wenn ihr eure Liebe nicht mit Butterbrote schmieren oder Hausaufgaben kontrollieren zeigt. Ihr habt die Kinder (vermutlich) nicht unter der Woche, also gelten auch nicht diegleichen Regeln, wie unter der Woche.
Die meisten Eltern möchten am Wochenende mit ihren Kindern etwas Schönes unternehmen. Sie machen Fahrradtouren, kleine Ausflüge, einen Mini-Urlaub oder kaufen den lieben Kleinen mal eine Überraschung. Es ist nicht eure Schuld, wenn ihr die Kinder nur an den Wochenenden habt. Dazu sind Wochenenden augenscheinlich in jeder Familie da: Zum Verwöhnen.
Wenn euch danach ist, ihnen Geschenke zu machen, tut es. Wenn ihr einen Urlaub machen wollt, tut es. Und wenn dann jemand schnippisch sagt "Das machst du ja nur, damit sie dich lieb haben", sag "Ja stimmt" und mach weiter. Ist doch egal, was die anderen sagen oder denken: Du musst mit dir selbst im Reinen sein, und wenn du gern Geschenke machst, oder Ausflüge oder leidenschaftlicher Idealist bist - aber nur am Wochenende - dann ist das so.
Das einzige, was gar nicht geht ist: All diese Dinge aus einem schlechten Gewissen heraus zu tun. Habe ich ganz am Anfang auch, aber das schlechte Gewissen war mein Problem, nicht die Ausflüge und Geschenke. An seinem schlechten Gewissen muss Mann arbeiten. Ich habe noch nie erlebt, dass Mann seine Arbeit nicht macht und das beim Chef mit Pralinen kompensiert. Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, hast du ein Problem.
Das ist dein Wunder Punkt und da bist du angreifbar!
Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, bist du nie für deine Kinder da, weil du dein authentisches Ich hinter dem "Ich bügel alles wieder aus" - Papa versteckst.
So schwer es auch ist, das zu akzeptieren: Es ist aus. Deinetwegen, ihretwegen, euretwegen - egal!
Es ist vorbei! Das kannst du nicht damit wiedergutmachen, dass deine Kinder bei dir Narrenfreiheit haben oder alles von dir geschenkt bekommen, was sie sich wünschen. Denk an Punkt 1: Du warst vor der Trennung ein Mann mit Idealen und Werten, ein Papa mit einem vagen Konzept - werf das nicht über Board! Werd dir klar wer du bist und wer du sein willst und lebe das! Deine Kinder haben nichts davon, wenn sie bei dir schlechtes Benehmen lernen, kaputte Zähne kriegen und mit lauter maßlosen Forderungen zu ihrer Mutter nach Hause gehen, wo sie dann deinetwegen Streit haben und unglücklich sind. Sei ein Mann. Steh zu dir. Steh zu den Entscheidungen, die getroffen wurden und zu den Entscheidungen, die du fällst. Wenn du wenig Zeit hast, hast du wenig Zeit. Dann erklär das deinen Kindern und sorg dafür, dass du im Rahmen deiner Zeit verlässlich bist (Punkt 2!). Verwöhn sie in dieser Zeit, mit Aufmerksamkeit, mit Geschenken, mit Ausflügen - womit auch immer. Solange du das auch getan hättest (oder hast!), als du und deine Kinder noch permanent unter einem Dach gewohnt habt. Man kann mit Geschenken nicht zurückkaufen, dass deine Kinder nicht mit ihren Eltern zusammenleben können. Das ist vorbei. Aber man kann natürlich alles tun, um eine gute Beziehung zu haben, um Spaß zu haben, eine schöne Zeit, wo man schon so wenig Zeit miteinander hat.
"Toll - du machst es dir immer leicht, und ich habe die ganze Arbeit".
Wenn du bereit wärst, ihr die Arbeit unter der Woche abzunehmen, es aber nicht geht oder sie es nicht will: So ist das Leben. Who cares?! Mach, was du (Punkt 1, Punkt 2) für richtig hältst. Und mach das gut. Dann brauchst du bald kein schlechtes Gewissen mehr haben. So einen Vater haben deine Kinder verdient: Einen, der auch aus der Distanz weiß was er tut und warum - und vor allem: Für wen.


Diese Tipps sind nur einige, die helfen, trotz Trennung ein guter Vater zu sein und zu bleiben.
Wenn man in eine neue Beziehung kommt, gelten im Grunde dieselben Regeln.
Es kommen aber noch neue dazu. Die gibt es im nächsten Artikel zur Reihe 
"Relaxed & Stiefmom". 

Hier noch ein Link zu Susanne Petermanns Blog und ihrem Artikel über

10 Irrtümer im Sorge - und Umgangsstreit

der sehr lesenswert ist. Vor allem zu wissen, was das Jugendamt darf und was nicht, dürfte die allgemeine Angst und das Misstrauen vorm Jugendamt deutlich beeinflussen. Das Jugendamt ist weder ein Tiger, noch ein Tiger ohne Zähne, noch sonst in irgendeiner Art gefährlich. Also weder damit drohen, noch Drohungen mit dem Jugendamt ernst nehmen. Das Jugendamt ist eher wie die Feuerwehr: Erste Anlaufstelle, wenns brennt!

P.S. Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com