Donnerstag, 14. Juli 2016

MamaGedanken
Was wäre, wenn...? Wär ich dann anders?

Was wäre, wenn ich wüsste: Die kriegt drei Kinder, alle vier werden 100 und zusammen vererben sie 40 Millionen


"Was wäre, wenn..." 

Ich habe drei Kinder.
Das muss man sich manchmal echt auf der Zunge zergehen lassen. Drei. Ich habe eine Pubertät von A bis Z durch, stecke in der zweiten Pubertät von A bis Z drin und erwarte mit Grauen die dritte.
Ich habe drei Kinder. Obwohl Alpha und Beta nicht von mir sind, habe ich mich immer reingekniet. Ich bin stinksauer auf sie und ich freue mich riesig mit ihnen. Ich liebe sie und ich kotze über sie ab. Ich möchte ein gutes Verhältnis zu ihnen haben und freue mich genauso, wenn ich mal meine Ruhe vor ihnen habe. Meine zwei Bonuskinder sind eben auch meine Kinder.

Drei Kinder....

Mein Mann fragte mich letztens:

Was wäre, wenn du in die Zukunft blicken könntest und wüsstest, alles wird gut?

Wärst du dann eine andere Mutter?


Habt ihr darüber schonmal nachgedacht? Wenn ihr Gewissheit hättet...würde das was ändern?
Was wäre, wenn ihr wüsstet, eure Kinder werden "ewig" leben?
Was wäre, wenn ihr wüsstet, sie würden alle mindestens glückliche 100 Jahre alt und am Ende ihrer Tage zufrieden auf ihr Leben zurückblicken?
Was wäre, wenn ihr wüsstet, dass ihr zu allen enge, freundschaftliche und auf Augenhöhe ruhende Beziehungen führen werdet - egal was war und egal was käme?

Wärd ihr dann eine andere Mutter? Andere Väter? Oder Großeltern? Oder Geschwister?

Meine Antwort: einhundertpro JA!
Ich mache das hier nämlich alles, weil ich NICHT weiß, wie lang wir einander haben.
Weil ich weiß, dass alles vergänglich ist. Weil man sich an Glück nicht klammern kann.
Ich mache das, weil ich Teil all dessen sein möchte, was diese drei Menschen bewegt.
Ein kleiner oder großer Teil...egal, Hauptsache Teil.


Mein anderes "Ich"

Wenn ich Garantien hätte, würde ich öfter mal eine Woche abhauen. Die Welt sehen. Mir frei nehmen von der Familie. Weil ich Bedürfnisse habe, die hinter denen meiner Familie zurückstehen. Deshalb.
Wenn ich Garantien hätte, würde ich nicht zögern, mehr Egoismus zu leben.
Um ein freierer Mensch zu sein.
Ich würde meine Entscheidungen mehr entkoppeln von dem, was für meine Kinder gut zu sein scheint.
Ich würde auch öfter sagen "Weißt du was, das sind deine Kinder. Das ist dein Problem."


Mehr Nein

Ich würde vor allem viel öfter "Nein" sagen.
Nein zu nochmal Kuscheln, zu noch eine Geschichte lesen, noch ein Brot schmieren, noch fünf Minuten länger bleiben, noch mit dieser Mutter oder mit jenem Kind reden, noch zugucken, noch warten, noch winken, noch hinterherlaufen...nein zu all den Situationen, in denen mein egoistisches Ich gern faul wäre, oder woanders, oder einfach schon tödlich gelangweilt oder mega gereizt ist.
Mein anderes Ich würde mehr Geld für sich ausgeben und weniger für die Kinder.
Mein anderes Ich wäre näher an meinem OhneKinder-Ich dran.

Warum wir JA sagen und DA sind

Die schlichte Wahrheit ist, dass wir ohne Garantien wissen, dass alles nur ein Traum ist, der zerplatzen kann, wie eine Seifenblase. 

Menschen sterben. Menschen wenden sich ab. Menschen melden sich nie wieder. Menschen vergessen. Menschen verzeihen nicht alles. 

Familie ist ein zerrüttbares, fragiles und vor allem von Einbildungen gebautes Gerüst aus Situationen, die den nächsten Tag, das nächste Jahr, vielleicht das ganze Leben beeinflussen können. Und sie können dies, weil wir nie wissen, wie sie Einfluss nehmen werden. Deshalb sind wir Eltern hartnäckig, deshalb bleiben wir involviert, deshalb stecken wir so viel Zeit und Gedanken in unsere Kinder, auch wenn es die banalsten Dinge sind, die uns so beschäftigt halten: Weil alles endlich ist. Weil alles eine gut gepflegte, mit viel Aufwand aufrecht gehaltene Hoffnung ist. Ein ständig bearbeitbarer Traum. Etwas, woraus wir nicht erwachen möchten.

Warum dieser Text?


Weil ich möchte, dass ihr eure Ja´s nicht ständig in Zweifel zieht.
Weil ich möchte, dass ihr euer "übertriebenes" Parenting nicht zerredet und auch nicht zerreden lasst.
Weil ich möchte, dass ihr euer Engagement versteht.
Weil ich möchte, dass ihr genießt, was ihr euch aufgebaut habt!

BerlinMitteMom hat diesen Post auch mitzuverantworten...sie schrieb darüber, wenn Mütter sterben.

Was wäre, wenn....

Tja. Bei mir wär alles anders.

Montag, 4. Juli 2016

MamaGedanken
Was du nicht weißt, wenn du keine Kinder hast

Es gibt kein RICHTIG oder FALSCH: Es gibt nur eins: SCHLAF SCHLAF SCHLAF

Während man seine Augenringe spazieren fährt und der schwere Milchbusen auf dem breiten Gummibügel des Mondbuggys ruht, während der Nachfahre nicht mehr schreit und in apathischen Schlaf gefallen ist, und während endlich die Gedanken um Dinge, wie "Schlaf Schlaf Schlaf" kreisen, sieht man sie: Diese Pärchen, die einen so mitleidig angucken, wie es fairer Weise nur echten Opfern gebührt, und sich dabei kurze "Oh Gott, wir werden nie so"- Blicke schenken, als hätten sie ein Patent auf das Leben mit Kind, das ihre Elternzeit überirdisch easy machen wird. Diese 60 - 40 - 60 Modelmädchen, diese "Ich bin mit 30 noch nicht alt genug für Kinder" - Jungs, die händchenhaltend ihre Liebsten streicheln (ihre Smartphones), dabei Lattes und BioZischs schlürfen, und in Gedanken irgendwo außer beieinander sind, zum Beispiel im Album "Urlaub auf Bali", wo sie Likes zählen, oder bei Instagram, um zu schauen, ob ihr "Ich sitze hier und genieße meinen Latte in der Sonne" Selfie Anklang findet. Aber der Mondbusen...nein, der Mondbuggy rollt unberührt von der Naivität dieser erziehungsfernen Menschenschicht stoisch und sinnentleert, wie an jedem sonnigen Vormittag, durch den Park und kennt nur einen heiteren Gedanken "Schlaf Schlaf Schlaf" und nur ein heiteres Ziel "Es schläft, schnell nach Hause, Schlaf Schlaf Schlaf".

Wenn du noch kinderlos bist, dann wirst du auch denken "So werd ich nicht".
Freund oder Freundin: Doch, wirst du. Vielleicht sogar noch schlimmer, als wir. Vielleicht sogar noch schlimmer, als die Altvorderen. Weil du an deiner Freiheit und deiner Ungebundenheit so sehr hängst, dass du eine Beziehung mit dir selbst via Smartphone führst. Eine Beziehung, die du aufgeben musst.
Weil du als Eltern, vor allem in den ersten Jahren, nur einen Job hast: Da sein! Die hundertprozentige Anwesenheitspflicht! Und zwar, weil DAS so (oder so ähnlich) is´, wenn du Kinder hast....

Wenn du glaubst, dass du schlafen kannst, wenn du tot bist, erinnern dich deine Kinder von Anfang an daran, dass du ewig leben wirst - zumindest die ersten drei Jahre. Der Tod kann kommen? Nicht in Form von Schlaf. Ohh ja...schlafen kannst du, wenn du tot bist, aber vorher bist du wach. Für iiiiimmmeeerrrr!

Wenn du glaubst, A sagen führt auch zu A, dann hast du einfach noch nicht das ganze Alphabet der Alternativen zu A gehört. Don´t worry, deine zukünftigen Kinder werden dir viele Wenns und Abers beibringen, die du nicht (mehr) auf dem Kasten hast.

Wenn du aus dem Haus gehst, gehst du aus dem Haus. Weil du es jetzt willst. Weil du es jetzt musst. Genieß das. Mit Kindern kommt dir diese Selbstverständlichkeit (Tür auf, raus, Tür zu, abschließen, Tag beginnen) wie ein Wunder vor...so selten passiert das, was du willst, dann, wenn du es willst - und klappt einfach. Ohne Umstände.

Geteiltes Leid ist halbes Leid? Stimmt nicht. Ganz viel vom kindlichen Leid kann dein Kind für sich behalten. Den Verlust irgendeiner hässlichen Banalität aus dem Silikon-Skurrilitätenkabinett deines Nachwuchses kannst und wirst du nicht beweinen. Niemals! In Wirklichkeit ist das einer der wenigen Gründe für dich zu feiern! Heul doch, Nachwuchs. Es war hässlich und laut, Oma hats gegen meinen Willen gekauft, alle sind froh, dass es weg ist!

Freunde sind das Wichtigste für dich? Wer braucht Freunde, wenn er Schlaf haben kann? Ja, auch du mein Sohn Brutus...auch du wirst eines Tages wissen, was Eltern meinen, wenn sie sagen
"Freikarten für Beyonce? Sorry, ich hab babyfrei...ich will einfach nur schlafen".

Mein Sexleben wird nicht darunter leiden... Frag mal Komapatienten nach ihrem Sexleben. Paare mit 5 Kindern hatten noch genau 4 Mal Sex nachdem Nummero Uno zur Welt kam, glaub mir! Sexualität MIT Kindern im Haus geht so gut, wie mit neugierigen (Schwieger)Eltern im Haus. Dein Sexleben wird vielleicht nicht leiden, aber eures, oder ihres, oder seins...für einige Zeit. Bis der Komapatient erwacht oder das letzte Kind das Feld geräumt hat. So ungefähr.... ;-)

Mit 40 kauf ich mir einen Sportwagen. Ja, so einen, in den die zukünftige Nicht-Fußball-EM Mannschaft reinkrümelt...äh...reinpasst. Und das ist dann schon Luxus. Bei manchen passen nur große Reisekoffer, drei Kilo Windeln, ein Mondbuggy und zehn angefangene Hipp Biokekspackungen rein. Und das ist dann schon Luxus. Bei manchen passen nur 2 überdimensionale Babysitze rein. Und ein Kilo Windeln. Und ein Buggy. Ohne Mond. Und das ist dann schon Luxus. Manche haben immerhin noch selber Platz. Und das ist dann schon Luxus. Und mache haben ein BVG Abo. Da passt zwar ganz schön viel rein, sozusagen alles. Aber Luxus ist das nicht. Und es ist weit entfernt vom Sportwagen mit 40.

Ich mach alles anders. Anders als wer? Höchstens als du es dir vorgestellt hast. Klar, anders als deine Eltern, anders als der Milchbusen-Mondbuggyschiebende-Mutterzombie im Park von letztens, anders als deine Freundin gedacht hätte oder anders, als Bernhard Buebb empfiehlt: Aber falls du mit deinem "anders" irgendwie in Richtung "besser" und vor allem "richtig" abgezielt hast, muss ich dich enttäuschen. Anders kann jeder, der Rest ist eine unbekannte Variable auf die DU ALLEIN viiiiel zu wenig Einfluss hast.

Falls du jetzt wachliegst und dich fragst, ob du das Kind wirklich willst, oder ganz generell "Kinder", falls du Angst hast zu versagen oder nicht klarzukommen, es gibt gleich zwei Mal Trost!

Erstens: DU BIST NICHT ALLEIN! 
Dreh dich um, da liegt noch so ein Opfer an deiner Seite (mit Glück). Vergrauls nicht. Krauls lieber. Bring ihm einen Kaffee. Irgendwas als Wiederbelebungsmaßnahme. Das bindet. Oder schieb deinen müden Hintern durch den Park in irgendein Café. Vermutlich triffst du dort andere Hirntote, wie dich.

Zweitens: JUHU DU HAST KINDER!
Wenn du nicht vergisst, einfach mal dankbar zu sein, dass deine einzigen Probleme auf einer massiven energetischen Unterversorgung deines Gehirns basieren, kannst du voll aufatmen und diesen Zustand genießen lernen. Du hast ein Parenthangover vom Feinsten, wenn du voll bei der Sache bist. Andere Väter sind irgendwo und verwirklichen sich in ihren Karrieren. Die kriegen dann mit 50 eine Krise, weil sie die jungen Menschen, die ihnen gegenüber stehen, gar nicht kennen und die auch keinen Bock haben, Zeit mit ihrem Finanzminister zu verbringen. Die fangen deinen Stress dann manchmal mit 55 mit einer zwanzig Jahre jüngeren nochmal an. Und DANN genießen sie ihn komischer Weise richtig doll, mehr als du vielleicht, aber nur, weil sie das beim ersten Mal versäumt haben. Also genieß es einfach gleich und spar dir die Chinesische Wasserfolter kurz vor 60. Da willst du eigentlich so oft es geht Urlaub machen. Weil du dann keine Kinder mitnehmen musst und du überall den Seniorenpreis kriegst. Viiiiel gechillter! Versprochen.

Ach ja: Und die LIEBE wächst bekanntlich mit ihren Aufgaben. Hat mal ein berühmter Arzt gesagt. Also ran da. Jetzt weißt du ja, was du nicht wusstest, weil du keine Kinder hast.






Foto von Ryan McGuire: gratisography.com