Samstag, 20. August 2016

PhiloJune
5 Einstellungen, die dich runterziehen

Hier gibts heute 5 x Erleichterung, Aufatmen und gute Laune auf die Guckkullern, also mitlesen und teilen: Ihr könnt die Welt verbessern und euer runtergezogenes Dasein liften!


Janas Eis hatte schon bessere Tage erlebt....


1. Du willst einfach nur glücklich sein

Das ist das Mantra unserer Zeit und du hast es gierig in dich aufgenommen, ohne darüber nachzudenken, ob das überhaupt Sinn macht. Schon der Satz ist völliger BS. Warum?
Es ist eben nicht einfach glücklich zu sein. Und was heißt "nur"?
"Ich will einfach nur glücklich sein" ist ungefähr ein so konkreter und realistischer Wunsch, wie
"Ich will einfach nur meine Bestimmung kennen". 
Das einzige was einfach und ganz klar festzustellen ist: Wenn Glück dein Ziel ist, such dir ein neues!
Glück kann man nicht konstruieren, kann man sich nicht herbeisehnen, kann man nicht fühlen, weil man Lust dazu hat. Es gibt ellenlange philosophische Abhandlungen darüber, was Glück überhaupt ist. Wenn du frustriert vor deinem PC/Fenster/Partner hockst und denkst "Ich will einfach nur glücklich sein", frage ich dich: "Was ist denn Glück?" Wenn du diese Frage sofort beantworten kannst, hast du wahrscheinlich mit "Ausschlafen", "Urlaub", "Fettabsaugen", "der neue Grill" oder "reich sein" geantwortet. Okay - ausgeschlafene, fettabgesaugte Urlauber, die Zuhause einen neuen Grill haben und sich alles kaufen können, was sie wollen, sind also unter allen Umständen glücklich zu nennen? Vermutlich nicht. Tief in dir drin weißt du, dass DAS nicht ist, was du meinst. Was du suchst. Es ist nur die halbe Miete. Es ist sozusagen das "GELD" im Leben. Glück und Geld...die sind sich sehr ähnlich. Dein Fehler ist, dass du das Glücksmantra verinnerlicht hast und nichts darüber gelernt hast, was wirklich zählt. 


2. Du hast nicht gelernt zufrieden zu sein


Geld = Glück
Gesundheit = Zufriedenheit

Ist ganz leicht erklärt. Stell dir also vor, du bist dieser Mensch, der alles hat. Schlaf, Schönheit, Urlaub, nen Grill und alles, was er sich nur wünscht. Nur Gesundheit hat er nicht. 
Gesundheit ist sozusagen greifbare Zufriedenheit. Und ohne die ist alles Geld/Glück der Welt wertlos.

Leider ist Gesundheit absolut out und unattraktiv, anders als Geld und Glück. Sieht man an den in Markenklamotten erstickenden Kids, die besoffen, bekifft und gestoned ihre Gesundheit verachten, weil sie das kurzfristige Glück irgendwie geiler finden....bis sie halt krank werden.

Zufriedenheit ist einfach unsexy. Oma ist zufrieden. Dabei hat die nichtmal ein Leben! Finden ihre Enkel und jagen das Glück. Dabei hat Oma unterm (Summen-) Strich ALLES. Da müssen die Kids noch Jahre auf dem Planeten Leben einsammeln, ehe sie da ankommen, wo Oma ist.

Zufriedenheit....sie ist die kluge, große und alte Schwester vom kleinen, frischen, quirligen Glück. 
Sie ist ein bisschen langweilig. Sie ist ein bisschen eingestaubt. Sie ist ein bisschen spießig.
Aber sie ist auch beständig. Es ist richtig leicht, sie zu finden, sie sitzt immer an der gleichen Stelle im Wohnzimmer und wartet darauf, sich warm und wohlig auszubreiten. Sie ist so ein richtig schönes, tiefes, rundes Gefühl. Mega unsexy, aber eben auch mega bequem. 

Glück hingegen ist quirlig. Sie ist wild. Und sie kann fliegen! Sie ist die Superheldin von den beiden. Leider ist ihre große Stunde immer nur, wenn Action angesagt ist. Außerdem muss sie richtig was leisten, um am Ende groß rauszukommen. Je älter sie wird, desto mehr muss sie tun. Außerdem sind ihre alten Stunts irgendwann so fad, so abgelutscht, so yesterday. Glück, so richtig frisches, lebendig machendes, großes Glück, das gibts nicht einfach so. Das wartet nicht im Wohnzimmer. Superhelden sind so nicht. Die tauchen auf und wieder unter. Wenn man sie mal sieht, sollte man sich irre freuen. Den Moment genießen! Und danach wieder auf die Zufriedenheit bauen. Irgendwann taucht das Glück mit der Superheldennummer wieder auf, aber solange ist eben Zufriedenheit am Zug. Hält dich warm. Hält dich aufrecht. Hält dich gesund. Hält dich im Gleichgewicht. 

Zufriedenheit ist die Lordosestütze unserer Seele, 
Glück ist der Frischekick für Zwischendurch. 

Wenn du nicht zufrieden sein kannst, zum Beispiel, weil du gesund bist, dann lerne das. Sei zufrieden weil du hier bist, hier - und nicht da. Irgendwo zerbombt. Hungrig. Durstig. Dreckig. Du weißt schon. Genieße, dass deine Kinder leben und gesund sind. Dass sie viel Grund zum Lachen haben. Dass ihre Superheldin Glück sie noch kinderleicht fast jeden Tag zum Strahlen bringt. Genieße die Beständigkeit, das Altbekannte, das Hier und Jetzt. Sei zufrieden mit dem, was du gemeistert hast. Hej - du hast überlebt! Du hast es geschafft! Keine Ahnung was...du hast den Streit mit deinem Ex überlebt. Noch dazu die Trennung. Und es war deine dritte. Du hast Geburten überlebt. Blamagen. Schlechte Zensuren...oh ja, du hast deine eigene Pubertät überlebt! Und du wurdest auch nicht Kollateralschaden einer anderen Pubertät. Hurray - celebrate the unsexy Zufriedenheit!

Die Zufriedenheit ist die Summe alles Guten. In die Rechnung fließt sogar das Glück mit ein.
Das heißt, dass am Ende, unter dem (Summen-) Strich immer = Zufriedenheit herauskommt.
Frag Oma: Die weiß das!

3. Du urteilst schlecht über andere und somit über dich!


Boah ist die fett geworden!
Oh Gott ist der alt geworden!
Die hat überhaupt keinen Geschmack!
Der kann sich wohl nichts Vernünftiges zum Anziehen leisten?
Der ist geizig!
Der will doch arbeitslos sein!
Die kann doch nichts!


Wenn du schlecht über andere Menschen denkst und urteilst, werden deine Worte dich eines Tages (oder unmittelbar) wie ein Boomerang treffen. Alles, was du über andere Menschen denkst, alles was du über sie sagst, ist ein Boomerang, den du in die Welt wirfst. Irgendwann kommt er zurück. Bist du bereit ihn aufzufangen? Ihn anzunehmen?
Kannst du damit leben, dass du "fett geworden bist"? Oder trifft dich das hart und eiskalt? Verletzt dich das, weil du andere verletzt hast?
Kannst du damit leben, mal arbeitslos zu sein? Oder haut dich das um, wenn es dich trifft? Weil du schlecht über Arbeitslose denkst?
Kannst du dir selbst ins Gesicht schauen, wenn es schlaffer und faltiger wird, ohne es zu hassen? Kannst du dein Alter annehmen? Oder schmerzt es dich, dich so zu sehen? Weil du jahrelang nur mit negativen Gefühlen auf das Altern geschaut hast?

Wenn du zu den Menschen gehörst, die sich lästernd wohl fühlen, rate ich dir, dich zu ändern.
Wenn nicht für die anderen, dann für dich selbst.
Wir sind nicht fehlerfrei. Irgendwann sitzen wir alle mal in genau dem Glashaus, auf das wir früher von außen munter Steine geworfen haben. Freunde dich lieber mit den Facetten des Lebens und des Menschen an. Versuche das Positive zu sehen. 

Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, lass es.

Wenn du nichts Gutes zu denken hast: Dito.

Du wirst sehen - wenn du dich vom Lästern und Verurteilen befreist, wirds dir selbst leichter ums Herz. Nicht, weil du ein buddhistisches Hoch erreichst. Sondern weil du mit dir selbst wieder freundlicher bist. Automatisch. Versprochen!


4. The grass is greener on the other side


Neid. Neid ist zum Teil in dir angelegt, zum Teil ist er aber auch anerzogen. Gegen den "konditionierten" Neid kannst und solltest du etwas tun. Denn er hilft dir nicht. Er zieht dich runter. Schlimmer noch: Er kann sogar andere runterziehen. Neidische Menschen sind manchmal derart schlecht auszuhalten, dass ihre Liebsten sich von ihnen abwenden. Von Neid zerfressen: Das muss dir nicht passieren! Du kannst die ollen Neidmotten tatsächlich mit ein paar hausgemachten Lavendelbeuteln loswerden. Damit sie dir dein schönes Selbstwertgefühl nicht durchlöchern!

Geht so:
Nimm dir einen Zettel. Und schreib auf, wofür du dankbar bist.
Sic! Dankbarkeit ist dein Lavendel. 
Wenn dir spontan nichts einfällt (arbeitslos, fett, alt, nicht im Urlaub, keinen Grill, nicht reich...), helf ich dir weiter.

DANKBARKEIT...

1. Ich kann schreiben.
2. Ich kann lesen.
[ergo = ich hatte das Glück diese beiden großen Fähigkeiten zu erwerben. Ich kann jetzt schriftlich mein Herz ausschütten. Und ich kann Bücher lesen, die mir was bedeuten und mich berühren]

3. Ich lebe. Ich bin hier.
4. Ich habe ein Dach über dem Kopf.
5. Ich habe keinen Hunger. Ich habe nur Appetit.
6. Ich habe keinen Durst. Ich trinke aus Lust.
7. Ich kann mich mitteilen.
8. Ich kann denken.
9. Ich kann mir Hilfe organisieren.
10. Ich bin ich.

Von da geht es weiter...wer ist "Ich"?
Eben hatte ich es schon erwähnt...Ich kann auch ein Survivor-Typ sein. Der, der mit 40 Jahren sagt "Warum passiert mir immer so eine Scheiße?" kann auch von sich sagen "Ich handle aber auch seit 40 Jahren all diese Scheiße". Manchmal geht es im Leben darum, den Blickwinkel zu ändern. Das Gras ist auf der anderen Seite grüner - aber nur aus deiner Perspektive. Du steckst nicht in den Schuhen vom Gärtner nebenan. Kann sein, dass du gar nicht der Typ für so viel grün bist. Dass du gar nicht leisten kannst oder willst, was für so viel grün notwendig ist.

Führe deine Liste fleißig fort. Nimm den Zettel ruhig mit, wenn du unterwegs bist. Es könnten auch Punkte darauf, wie "Dass es Sommer gibt." oder "Dass ich angelächelt werde". Egal, was es ist, dass dich dankbar macht - schreib es auf. Denk drüber nach. Investier in diese Dankbarkeit. Sie wird dir helfen, dich aus dem eisernen Griff des Neides zu befreien. Na ja, oder zumindest wird es helfen, den Griff immer dann zu lockern, wenn er grade beginnt, dir die Luft abzuschnüren. Versprochen.
Diese Liste der Dankbarkeit wird mal Gold wert sein!

5. Realität, bitte!


Der letzte Punkt, der dich vermutlich runterzieht, ist die Realität. Ihre bloße Existenz = da draußen, aber nicht in dir drinnen! In dir drinnen sind Ideale. Idealvorstellungen. Mogelpackungen, die dir die Werbung, oder die Lügen deiner Eltern, oder die schlechten Vorbilder deiner Kindheit, oder dieser eine bewundernswert verrückte Mensch von damals, oder Hollywood & Co. dir eingetrichtert haben. Ganz ähnlich, wie bei dem Glücksmantra, kann man auch anderen BS in sich reinstopfen und ein Leben lang daran glauben. Zum Beispiel, dass es die wahre Liebe gibt. Es ist nicht so, dass es sie nicht gibt. Aber es ist auch nicht so, dass es sie geben muss. Das ist wie mit Gott. Es ist nicht bewiesen, dass es ihn nicht gibt. Es ist aber auch nicht bewiesen, dass es ihn gibt. Du kannst an ihn glauben, du kannst ihn suchen, du kannst akzeptieren, dass andere an ihn glauben und du kannst sagen, den gibts nicht. Alles legitim. Aber schneide dir mit deiner Position nicht ins eigene Fleisch! Wenn er dir begegnet, sag nicht "Den gibts gar nicht, ich halluziniere! Was war in dem Kaffee drin?" Sag: Hej....boahh...das ist...das ist GOTT!!!!! (= Liebe)
Und wenn du ihn nicht persönlich triffst, dann sag halt: Ich glaube an andere Dinge. Aber ich glaube. (= auch eine Art zu lieben!)
Die Realität ist, dass das Leben dir ständig Gelegenheit bietet, sie anzuerkennen. Sie anzunehmen. Du musst nicht an deinen Idealvorstellungen festhalten. Du solltest dich an der Realität orientieren. Die schützt dich zum Beispiel davor, immer wieder mit denselben Blödmännern im Bett zu landen. Sie schützt dich auch davor, jemand zu sein, der du einfach nicht bist. Sie hilft dir außerdem, deine Stärken und deine Schwächen zu erkennen. Und sie hilft dir, nicht nur die Leute rauszufiltern, die den Fokus auf deinen Schwächen haben. Die Realität ist eine wenig beachtete Gefährtin, die nichts anderes im Sinn hat, als uns auf Kurs zu bringen. Sie ist wie ein gut geeichter Kompass, aus dem wir leider allzuoft die Nadel entfernen, um dann irritiert auf N - O - S - W zu starren und zu klagen "Der hilft mir jetzt auch nicht weiter". Realität möchte nicht mit Wahrheit verwechselt werden. Sie erhebt Anspruch auf Objektivität, das heißt vor allem Messbarkeit.
Wenn du der Realität die Chance gibst, sich an deinen Mogelpackungen vorbeizudrängen, dann hat sie wiederum die Chance, dich weiterzubringen. Nicht nur auf Kurs, sondern vorwärts. Denn wenn du die "Szenen einer Ehe" abschüttelst, kann da ne richtig runde, selbstgemachte Sache draus werden.
Denk an die hässlichen Tongefäße deiner Kinder, wie stolz sie auf diese peinlichen Kultobjekte einer jeden Elternwohnung sind...sie sind stolz, und du voller Liebe. So ist das mit der Realität - die braucht kein WMF oder Rosenthal, um zu punkten. Sondern nur die richtige Sicht auf die Dinge.
Sprich: Der eine hats mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gemacht und dir aus Liebe geschenkt. Du hast es aus Liebe mit allen dir zur Verfügung stehenden Mitteln gelobt. Ein traumhaftes Ende - so könnte dein ganzes Leben sein!

Wenn du noch mehr Perspektivwechselnde Geschichten willst, lies mal hier rein....gefällt mir voll gut und wurde erstaunlich oft übersehen. Wir sind alle gleich!


Foto as usual von Ryan McGuire, gratisography


Donnerstag, 11. August 2016

Junes KINDER ABC




A Aa gemacht – Aber – Ahhh! – Arsch – Arschloch – Aua – Auto B Baba – Baby - Bagger – Besser - B*tch – Bitte – Biiiiitteeee – Blöd – Blödmann – Bob der Baumeister –  Bibi Blocksberg C Check ich nicht - Cool D Da – Darf ich auch mal? - Das darfst du nicht! – Das darf man nicht! – Das ist ungerecht! – Das ist gemein! – Das sagt man nicht! – Das ist meins! – Das ist für mich! – Darth Vader – Doch! – Doofmann – Digga – Das war ich nicht – Danke – Die andern dürfen auch alle - Du schummelst! E Echt? – Ehrlich – Egal – Ehm – Erster! F Falsch –Facebook – Fett  – Feuerwehr – Feeertig! – F*ck dich – F*cken – Frau X hat gesagt – Furzen – Fußball G Gangsta – Gar nicht – Gummibärchen – Geht das? – Geht nicht  - Geenauu – Größer – Geil H Haha! – Hast du gar nicht – Hab ich gar nicht – Hast du wohl – Hab ich nicht – Heute? – Herr X hat gesagt - Hm? – Hä? I Iiiiiii – Ich – Igitt – Ich weiß nicht – Ich will nicht – Ich mag nicht – Ich kann das nicht – Ich will aber – Ich brauche das – Ich muss mal – Ich trau mich nicht – In echt? – Ist mir doch egal J Ja – Jo K Kann ich auch mal ? – Kannst du gar nicht – Kann ich wohl – Kann er nicht – Kannst du mich nicht einmal in Ruhe lassen – Kann ich das haben? – Kann ich das kaufen? – Kannst du mir Geld leihen? – Kannst du mich da hinbringen? – Kannst du mir mal helfen? – Kaka gemacht – Keine  Ahnung – Kein Bock – Keine Lust – Klar – Kotz! – Kiffer – Krass - Kaputt L Lach – Lass mich – Lol – Loser – Lügner – Luke Skywalker M Mama – Mach mich nicht an – Mach ich – Mach ich nicht – Mannoo – Meins – Mecker mecker mecker – Mutti – Muschi  N Na? – Na gut – Nee – Nein – Nö O O! – O o! – Oaaa – Ohhh – O nein – Okay P Papa – Pech gehabt – Pferd - Pfosten – Pipi – Pippi Langstrumpf - Pimmel – Polizei - Pokemon Q R Rate mal was ich habe? – Richtig – Riesengroß S Schneller – Scheiß – Scheiße - Scheiße sagt man nicht – Schön – Sex – Snapchat – Star Wars – Stimmt gar nicht – Stimmt wohl – Stoned T Tada! – Tatütata – Titten – Toll  – Total - U Und? V Vielleicht – Versprochen – Voll – Voll nicht - Vollpfosten – Vorglühen W Warum? – Warum immer ich? – Warum nicht? – Was? – What? – Wauwau – Weißt  du was? – Wieso ? – W*xer – Wer? – Wer sagt das? – Waaaa? – Whack – Whattup? - Whatsapp – Warcraft – Wo – Wann – Wohin – Wo bin ich? – Wo warst du? – Wo ward ihr? – Weiß ich doch nicht!  X Y Y? Z Zocken - Zicke  

Mittwoch, 10. August 2016

Relaxed&Stiefmom
Nicht aufgeben

Heute hat Susanne Petermann in ihrem Stiefmutterblog einen Text ihrer Freundin Sabi veröffentlicht. "Ich bin gescheitert" - das ist Sabis Aussage. Sie beschreibt, wie sie sich selbst verleugnet und aufgegeben hat. Wie sie, weil sie ihr authentisches Ich verbergen musste, den, der ihr authentisches Ich hätte lieben sollen, abzulehnen begann. Wie sie letztlich nach elf Jahren Patchworkfamilie aufgeben musste. Ihr Beziehungsende kommt einer fristlosen Kündigung gleich. Sie erhielt einen Brief ihres Mannes mit der Bitte auszuziehen.

Schattendasein: Die Beziehung steht im Patchwork oft an letzter Stelle...das darf sie nicht!


Wie schafft man es aber zu bleiben? Wie hält man es aus, nicht (immer) authentisch zu sein?
Darf man sein wahres Ich verleugnen? Hier ein paar Situationen und Sätze, an die ich spontan beim Lesen von Sabis Bericht denken musste, die uns und vor allem mir geholfen haben.

"Sie (die Bonuskinder) können ja nichts für die Situation"....
Das war ein stehendes Mantra. Es tat gut, sie nicht zu Schuldigen zu machen. Zu Verursachern. Aber irgendwann musste ich damit aufhören mir das zu sagen. Nein, Scheidungskinder können nichts für die Situation. Aber spätestens wenn sie in anderen Situationen Vernunft, Rücksicht, Empathie und Verantwortung zeigen, darf man das für sich auch einfordern. Es ist gut ein Mantra zu haben - aber manchmal muss man sich von einem Mantra auch lösen. Eine Trennungssituation ist nämlich irgendwann einfach vorbei. Dann gibt es neue Umstände. Neue Situationen. Und an die passt man sich an. Irgendwann ist alles mal vorbei. Selbst nach dem Tod geht das Leben weiter.

"Ich möchte, dass sie hier auch ein Zuhause haben"...
Ja, das ist ein richtiger und wichtiger Ansatz. Aber ein Zuhause haben heißt nicht nur, dass man einen Raum ohne Reibung und ohne Ecken und Kanten anbietet. Das wäre dann ein Wellnesstempel, und darin lebt man nicht, darin macht man Urlaub. Wenn die Kinder in keiner emotionalen Notlage sind, brauchen sie vom Leben keinen Urlaub. Sondern Räume, in denen sie ihre Grenzen spüren. Sich selbst spüren. Menschen, von denen sie sich unterscheiden, an denen sie sich aber auch orientieren können. Ich habe am Anfang viel Energie in das Konzept "Wellnessoase" gesteckt. Klar, wenn man die Kinder nur an Wochenenden bekommt - was soll man am Wochenende anderes machen, als eine schöne Zeit haben? Aber irgendwann sind die Kinder öfter da. Übernimmt man mehr Verantwortung. Beginnt man die Dinge zu tun, die Vater oder Mutter auch tun würden. Spätestens dann beginnen die Reibungen. Die muss man aushalten. Das geht nur, wenn man zu sich und seinen Entscheidungen steht. Ein richtiges Zuhause ist, wo alle ihren Raum haben  - nicht nur die Kinder!

"Meine Kinder sind das Allerwichtigste"...
Natürlich hat mein Mann das auch gesagt. Und er empfindet es auch heute so. Inzwischen inkludiert dieser Satz auch unsere gemeinsame Tochter. Ich werde auch ihretwegen kritisiert, wenn er findet, dass ich zu streng bin oder zu ungeduldig. Ja, seine Kinder sind ihm heilig. Aber muss man sie dann auch wie Paschas behandeln? Muss man ihnen fortwährend huldigen? Muss man alles tun, was sie wollen? Muss man all ihre Launen mitmachen? Nein. Denn man bleibt ja auch Vorbild und Erzieher. Wie habe ich meinem Mann geholfen, als er vor der Wahl stand seinen Kindern alles durchgehen zu lassen, oder Grenzen zu setzen? Ich musste ihn immer wieder davon überzeugen, dass er ein guter Vater ist. Auch wenn er kein positives Feedback von seinen Kindern bekommt. Klar - "Papa du Arschloch!" - das ist ziemlich unmissverständlich. Kein so schmeichelndes Feedback. ABER es heißt auch mehr. Es heißt "Papa, ich reibe mich an deinen Entscheidungen" und "Papa, ich bin wütend auf dich" oder auch "Papa, ich fühle anders als du". Ist das abzulehnen? Ist das nicht Feedback, das zu einer guten Beziehung gehört? Wenn euer Mann diese Art Rückmeldungen seiner Kinder nicht erträgt, würde ich schnell das Weite suchen. Der ist aus Zucker und schmilzt im Regen!
Arschloch ist wirklich nur ein Wort. Man kann es durch obige und andere Sätze ersetzen.
Es bedeutet nicht "Du Arschloch", es bedeutet "Hej, wir müssen jetzt an unserer Beziehung arbeiten, mir stinkts!". Mein Mann hat die Arschloch-Feedback-Variante geschluckt, sich viele Nächte von mir volllullen lassen ("Du bist ein guuuuuter Vater...ein feeeiiiner Vater....so ein feeeiiiiner Vater..." ;-)) und hat AUCH von mir viel Rückenstärkung und Rückendeckung erhalten. Das ist keine Einbahnstraße!

"Das nervt"...
Oh ja. Es nervt, wenn sich die Bonuskinder nicht so verhalten, wie man es möchte. Ach was..."möchte". Wie man es mag. Wie man es richtig findet. Wie man es nach kantscher Manier für alle Menschheit bevorzugt! Nerven ist ein Euphemismus für das, was wirklich in einem passiert, wenn die Bonuskinder auf der Klaviatur unseres Nervengeflechts Eishockey spielen. Die Frage ist: Schlucken oder Kotzen? Die Antwort = Reden!
Reden reden reden. Manches kann man nicht ändern. Das muss man akzeptieren. Aber dann muss man es sagen dürfen. Dann muss es raus dürfen. Und wem sagt man das? Dem Vater! Warum nicht den Kindern? Wenn es etwas ist, das sich nicht (mehr) ändern lässt, warum einen sinnlosen Konflikt mit ihnen darüber losbrechen? Oder wenn man vielleicht in Wirklichkeit nur kleinlich und kleinkariert ist, wieso darüber einen Konflikt ausbrechen lassen? Wenn ich nur schlucken würde, würde ich platzen. Ich bin streng, ich bin manchmal kleinkariert, ich bin spitzfindig und ich bin "altmodischst", wie mein Mann liebevoll meint. Ja - im Bezug auf Familie, Ehe und Kinder kann ich auch locker in die 80er Jahre rein. Wo Frauen emanzipiert sind und die Eltern noch die Hosen anhaben. Wo unser Wort Gesetz ist in Ewigkeit - Amen. Ja, da passe ich durchaus hin. Aber ich bin auch modern und aufgeschlossen und unkonventionell und ideenreich - und deshalb findet mein absolut unstrenger, großzügiger, nachsichtiger, beide Augen zudrückender und ständig vor Strenge zurückschreckender Mann mich aushaltbar. Und sogar gut ;-) Aber NUR weil wir reden. Weil er aushält, was ich zu sagen habe, auch wenn es ihn manchmal verletzt. Weil er mir dankt, dass ich kein Drama draus mache, wenn mich etwas "nervt". Sondern es ihm einfach frei heraus sage. Und es dann gut sein lasse. Das muss man üben, das ging nicht von heut auf morgen. Zuerst hat er mit erhobenem Zeigefinger gegen gehalten und ist richtig laut geworden. Recht hatte ich in 90% der Fälle am Ende trotzdem. Also hat er den Finger eingesteckt und mir zugehört. Ich musste dafür akzeptieren, dass er nicht loszieht und die Welt (oder seine Kinder) ändert, nur weil mir was nicht passt. Aber dass er mir zuhört, mich ernst nimmt und mir sogar manchmal zumindest in Worten Recht gibt: Das hat mir gut getan.
"Das nervt"...man muss es sagen, ums zu ertragen!

Am Ende zählt, dass wir alle lernen einander zu akzeptieren.
Die Kinder können schon was dafür, wie sie sind. Sie entscheiden ja auch ganz viel selbst. Aber das gilt auch für uns! Egal wie nett und freundlich und engagiert wir uns selbst vorkommen, es muss trotzdem nicht zu einem Sympathiesturm führen. Kann sein, dass man uns trotzdem tollerieren muss, oder sogar akzeptieren - selbst, wenn wir uns mit Geschenkverband präsentieren! Und ja - unseren Mann und seine Rolle, seinen Wunsch von den Kindern geliebt zu werden und seine Einstellung "Meine Kinder sind heilig" müssen wir auch zu einem gewissen Grad akzeptieren. Ebenso wie die Spannungen, die sehr unterschiedliche Erziehungsstrategien mit sich bringen.
Akzeptanz - das geht nur, wenn wir zu uns selbst stehen und auch zu den anderen!

Stimmts ;-)