Mittwoch, 20. Dezember 2017

Das können wir besser!
7 Macken, die Eltern in 2018 ändern können



1. Bildschirmfrust


Deine Kinder betteln ständig um mehr Monitorzeit? Der Haussegen hängt wegen Smartphone und Tablet schief? Kein Gespräch mehr ohne Diskussionen über Fernseh - oder Zockerzeit? Fass dir an die eigene Nase: Wie oft sehen deine Kinder dich mit Bildschirm vorm Gesicht schweben? Wie lange sitzt du am PC/Laptop mit der 'Ausrede' du müsstest noch arbeiten? Und dann erwischen sie dich doch beim Onlineshoppen, Facebookposts lesen oder Fotos sortieren? Bei Displayfrust muss Gleichberechtigung herrschen. Keine Displayzeit, aber das gilt für alle, zum Beispiel, wenn die ganze Familie Zeit füreinander hat. Abendessen, Brettspiele, Lesestunde, Spaziergänge - da sollten die Displays alle aus. Auch die 'erwachsenen'.

2. Lästerschwester & Pöbelschnösel


Sich im Ton vergreifen und Rumpöbeln geriert vielerorts zum Normalton, insbesondere in den Medien. Dass der Umgang rauer wird kann man auch zu Hause erleben. Selbst die Beherrschtesten unter uns verfallen plötzlich in Schimpftiraden, wenn Maischberger oder Will mal wieder aus dem Ruder laufen. Die öffentlich-rechtlichen sind schon lange nicht mehr nur ein Hort des kulturvollen Diskurses, sondern auch der kulturfreien Hasspredigt. In den Nachrichten, in den Kommentarspalten, in den Foren - überall wird geschimpft, gewettert, gemotzt und beleidigt, dass sich die Balken biegen. Dann kommen noch der Arbeits - oder Alltagsfrust dazu, der ausgiebig am Telefon oder am Esstisch abgelassen wird...kein Wunder, dass unsere Kinder auch zu Stänkerfritzen und Giftziegen werden. Finden wir in 2018 zurück zu neutraler, versöhnlicher Kommunikation, oder wenigstens zum alten Sprichwort

Wenn ich nichts Gutes zu sagen habe, sage ich lieber gar nichts. 

Nach wenigen Tagen wird sich die gereizte Stimmung in den eigenen vier Wänden schon deutlich entspannen - wer sich den falschen Ton ins Haus einlädt, braucht sich nicht über die Kakophonie darin zu wundern.


3. Ein echtes Vorbild sein


Schlaflosigkeit, Geldsorgen, Überstunden, der Wein ist alle...es gibt viele Gründe, weshalb wir die Nerven verlieren. Was wir aber nicht wollen, ist dabei ertappt zu werden. Oder schlimmer noch: Einen Dauerzustand aus 'Lass mich jetzt, Mama/Papa ist gestresst!' zu machen. Das ist ungesund. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Familien. Erstens ist unsere psychische Gesundheit davon abhängig, dass wir auch mal vom Gas gehen und gelegentlich geistige Parklücken aufsuchen. Zweitens sind gereizte Eltern zwar schlimm, aber Eltern im Krankenhaus sind schlimmer! Was das mit Vorbildfunktion zu tun hat? Wer permanent unter Strom steht, wessen Familie in einem Reizklima lebt, der bringt seinen Kindern bei, dass das Normalität ist. Schlechte Stimmung muss man eben aushalten. Für immer. Wer artikuliert "Wenn ihr nicht so teuer wärd, müsste ich auch nicht so viele Überstunden machen", der sagt auch: 


Ich lebe nicht mehr mit euch, sondern für euch -
Und das kotzt mich an!

Ein Vorbild sein bedeutet nicht nur, im Straßenverkehr alle Regeln zu beherrschen und Knigge mit den eigenen Skills in Verlegenheit zu bringen: es heißt auch den Kindern vorzuleben, wie man mit schwierigen Phasen umgeht. Wie wir, selbst wenn das Geld knapp ist, einen positiven und freundlichen Umgang pflegen. Wir müssen den Kindern zeigen, dass Familie nicht das Kreuz an unserem Rücken, sondern der stete Silberstreif am Horizont ist. Wenn eure Kinder das von euch lernen, dann kann uns der Stinkefinger im Abendverkehr völlig egal sein!


4. Bodyshaming


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Wenn wir richtig woke wären, richtig tolerant und neutral, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Wer sich rühmen kann, gut beleibte Menschen nicht zu disrespektieren, wer auch findet und fordert, dass mehr normale und nicht-normale Menschen in die Hochglanzmagazine gehören, wer Zahnlücken, Glatze, Brille oder blitzförmige Narben im Gesicht sympathisch findet, der ist schon recht offen. Wer Mensch erstmal den Bonus gibt, auch nur Mensch zu sein, egal ob Anwalt, Ausländer oder Bauer ohne Frau, der hat es fast drauf. Über Kleidung oder Frisuren, die euch nicht gefallen, lästert ihr aber auch nicht, oder? Sieht billig aus, steht nicht, macht fett...sagt ihr nicht? Und Körpersprache ('die Raute') oder das xte Foto im Bikini vom Strandurlaub verleiten euch zu...nichts? Keine fiesen Gedanken? Super! Damit habt ihr schon die Silbermedaille für Toleranz und Nächstenliebe.

Fehlt nur noch eine Disziplin: Selbstliebe. 

Ihr klagt nicht darüber, zu fett zu sein? Ihr jammert nicht, wenn euch etwas nicht steht, sondern sucht optimistisch etwas, das zu euch passt? Ihr faucht nicht, wenn ihr Komplimente bekommt? Ihr versteckt euch nicht vor fremden Blicken? Ihr lasst euch nicht gehen, weil ihr euch aufgegeben habt und für einen hoffnungslosen Fall haltet? Ihr setzt eure Kinder nicht auf asketische Diät, weil ihr Angst habt, sie könnten mal so aussehen, wie ihr? Euch gefällt was ihr seht? Ehrlich? Dann sehen Superman und Superwoman ziemlich blass gegen euch aus - Kryptonit ist ein Witz gegen das Gift, das wir uns selbst täglich freiwillig spritzen.

5. Plusquamperfekt


Perfekt gibt es nicht. Das ist eine totale Illusion. Trotzdem schielen wir zu diesen Illusionen hin, wenn wir über das nachdenken, was wir gern hätten. Benjamin hat zwei linke Füße, der wird nie Fußballspieler. Anne benimmt sich seit ihrer Geburt wie ein Junge, sie wird vielleicht nie lange Haare tragen - oder einen Mann heiraten. Louis ist in der Schule nicht so gut, wie man selbst es mal war und interessiert sich für nichts, außer Lego und Pokemon. Jette himmelt die Schwiegeroma mehr an, als die eigene Mutter. Und keiner kann richtig schön Geige spielen.
Das Leben ist kein reines Wunschkonzert, über Vieles haben wir Eltern keine Macht. Ganz besonders wer und wie unsere Kinder sind können wir nur zu maximal 50% beeinflussen, und der Einfluss schrumpft, je größer sie werden. Es muss nicht alles Plusquamperfekt sein, Präsens reicht vollkommen aus. Das Leben nehmen, wie es ist: Schön, wenn wir das unseren Kindern mitgeben könnten. 

Enttäuschungen haben Menschen, die ständig im falschen Film leben und beim Abspann merken, dass er vorbei ist. 

6. Konsumismus


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Kaufen. Wegwerfen. Neukaufen. Wegwerfen. Neukaufen.
Die Halbwertszeit unserer Besitztümer wird immer kleiner. "Die Qualität nimmt ja auch ab", verteidigt man sich sofort. Das stimmt aber nur neun-dreiviertel. Jedenfalls nicht ganz. Wenn wir unseren Besitz nicht ersetzen, weil er uns veraltet erscheint, dann, weil er nicht mehr funktioniert. Nicht funktionieren ist dabei ein dehnbarer Begriff, da passt alles von 'Es gefällt mir nicht mehr' bis 'Es ist kaputt' rein. Reparieren, umfunktionieren, aufbewahren...die Mühe machen sich Wenige. Wegwerfen spart Zeit, Neukaufen macht glücklich. Die Lust am stetig Neuen übertragen wir so auf unsere Kinder. Die Frustration, wenn etwas nicht mehr perfekt ist, auch. Viele Kinder erleben, dass ihre Eltern Shoppen als Freizeitbeschäftigung betreiben. Sie bekommen fast wöchentlich kleine Aufmerksamkeiten, einfach nur so. Viele von uns halten die Lust nach Mehr in unseren Kindern aufrecht, statt sie mit der Freude am Besitz zu füttern. Klagen über ein Kind, das will, was alle anderen haben, sind meist unfair: Geht es uns denn so anders? Der Strandurlaub, das Auto, das Smartphone, das Tablet, die Tasche, die Schuhe, der Grill, die Keramikserie...mal ehrlich, Viele von uns sind genau wie unsere Kinder. Wir leben alle im selben Umfeld, bombardiert von denselben niemals endenden Reizen. Irgendetwas braucht man immer. Es gibt viele Familien, die mehrmals die Woche einkaufen gehen, und das nicht für Lebensmittel.

In 2018 können wir doch mal wieder den Versuch wagen mit dem glücklich zu sein, was wir bereits haben. 

Ich habe als Unterstützung dafür vor kurzem sämtliche Newsletter abbestellt: Keine Werbung, die mich täglich mit tollen Rabatten locken will. Den 'Do-it-Yourself' Anteil haben wir schon in 2017 einigermaßen verinnerlicht: Zuletzt ist es uns tatsächlich geglückt, einen IMac zu reparieren. Youtube sie Dank! Das Beste daran, die Reize zu filtern und mehr aus dem Leben fernzuhalten? Der Fokus auf das Schöne, das man bereits besitzt, kehrt allmählich ganz von selbst zurück. Wer nicht dauernd mit frischem Gras vor der Kuh rumwedelt, kriegt sie nämlich nicht von ihrer Weide weg.


7. Liebe entdecken


Moderne Eltern lieben ihre Kinder nicht nur über alles, sie lassen sie das auch spüren. Wofür vor wenigen Generationen oft keine Zeit blieb, ist jetzt standardmäßig Zeit: Kuscheln, Vorlesen, Spielen, Rausgehen, Toben. Wir 'neuen' Eltern reflektieren das Verhalten unserer Kinder, informieren uns fortwährend, wägen alle Entscheidungen gewissenhaft ab, die meisten haben längst demokratische Grundrechte an ihre Kinder verliehen. Unsere Kinder wissen, wie es ist geliebt zu werden. Und das ist schön! Aber da geht noch mehr. Hand aufs Herz: Wie viele Menschen in unserem Leben bekommen nicht mehr unsere (umfängliche) Liebe, seit wir Kinder haben?
Auch eine beste Freundin verträgt unsere Schmuse - und Redezeit gut. Ein Mädelsabend lässt auch Mamas Herz höher schlagen. Statt daraus einen 'Termin' zu machen und zu sagen 'Ich muss da jetzt hin', statt ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn mal was liegen bleibt: Zelebrieren wir in 2018 lieber, dass wir Freunde haben mit denen wir eine schöne Zeit verbringen können.
Unserem Partner sein Lieblingsessen kochen und zärtlich zu ihm sein: Das ist Liebe.
Die Partnerin am Wochenende ausschlafen lassen und mit den Kindern ein heimliches Überraschungsfrühstück vorbereiten: Das ist Liebe. Sich kleine Liebesbotschaften an den Kühlschrank kleben, die NICHT für die Kinder sind - aber dennoch jugendfrei -, einen Abend mal nicht Filme gucken, sondern mal wieder kuscheln und schwatzen - auch ohne Kinder und auch jugendfrei - DAS ist Liebe. 

Für die Omi aufstehen, der Schwangeren Platz machen, am Telefon lachen, mit der netten Kassiererin plauschen, fremde Kinder anlächeln: Das ist Liebe! 

Viel zu oft beschränkt sich das Zeigen und Ausleben von diesem wunderbaren Gefühl auf die unmittelbare Familie, oft sogar nur auf die Kinder. Es ist nicht nur schade, wenn Kinder Liebe und Nächstenliebe kaum mehr im Alltag erleben, es ist auch nicht ganz ungefährlich, wenn sie die Einzigen sind, die ihrer teilhaftig werden: So kann schnell mal ein kleiner Haustyrann entstehen.
Jeder hat doch schöne Blumen und ein Küsschen verdient:
Ob nun wortwörtlich, oder sprichwörtlich.
Geben wir also mehr von unserer Sonnenseite, teilen wir mehr unserer warmen Gefühle mit unserer Umwelt - und mit Sicherheit kommt auch ganz viel davon zurück!

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Freitag, 8. Dezember 2017

DIE 10 BESTEN VORSÄTZE FÜRS NEUE JAHR



Abnehmen, das Rauchen aufgeben, eine bessere Mutter sein, mehr Zeit für die Familie haben, sich mehr um seine Freunde kümmern...unsere Neujahrsvorsätze klingen so, als ob Moses höchstpersönlich mit seinen 10 Geboten aus unserem Oberstübchen herabgewandert ist, um uns ein Jahr lang mit seiner moralischen Überlegenheit daran zu erinnern, dass wir doch ein besserer Mensch sein wollten, als im Vorjahr.
Willst du Silvester 2018 glücklich auf deine Speckrollen anstoßen und deine Zigarette mit dem Club der Asphaltlungen ohne schlechtes Gewissen genießen, dann hör nicht auf Moses. Hör auf MICH!

Hier MEINE 10 idiotensicheren Vorsätze fürs neue Jahr - die schaffste locker!

1 Mehr Akzeptanz

Donald ist auch nur ein Mensch










Du bist, wie du bist. Lebe damit. Du hasst Avocados, bist faul, Single, antriebslos und arm. Mein Gott, nobody is perfect!


2 Mehr Ehrlichkeit


Ehrlich währt am längsten. Für ein aufrichtiges Miteinander musst du Aufrichtigkeit praktizieren. Wie? Hier ein paar Übungssätze, die den Einstieg in dein neues ‚Whole Truth‘- Jahr erleichtern. Am besten jeden Tag anwenden und die Dosis langsam auf ‚Berlinniveau‘ erhöhen.

„Nö, keine Lust.“
„Ich mach das nur, weil ich nichts anderes kann.“
„Ich kaufe mit Absicht die vegane Wurst, die den Fleischskandal hatte. Ich bin ein anonymer Fleischfresser.“
„Ich mache nur Yoga, weil ich unsportlich bin. Das merkt da keiner.“
„Ich trage Laufschuhe und Jogginghosen nur, weil sie bequem sind.“
„Ich gucke Game of Thrones nicht, ich wiederhole nur, was die anderen erzählt haben.“
„Ich arbeite tagsüber eigentlich gar nicht, das meiste mache ich immer in der Stunde vorm Feierabend. Feierabend motiviert mich.“
„Ich trage gar keine Kleidergröße 38. Und du auch nicht, das sieht man.“
„Lassen Sie mich durch, ich bin Philosoph!“
„Ich mag Avocados in Wirklichkeit gar nicht.“


3 Mehr Umweltbewusstsein

Mach deiner Umwelt schöne Augen










Man kann nicht nicht kommunizieren. Man kann auch nicht nicht seine Umwelt beeinflussen. Hier ein paar Ideen für mehr positiven Impact, die du leicht umsetzen kannst.

Mehr Kaugummi, weniger Knoblauchsauce.
Mehr Kopfhörer, weniger Headsets.
Mehr Smartphone, weniger fremde Leute anstarren.
Mehr Fokus, weniger „Hast du mit mir gesprochen?“
Mehr ganze Flaschen, weniger Scherben.
Mehr Türsteher, weniger Leute, die den Bus um Schrittlänge verpassen.
Mehr Wirtschaft ankurbeln, weniger sparen.
Mehr Schulterzucken, weniger Puls.
Mehr Blickkontakt, weniger Dekolleté.
Mehr Dekolleté, weniger #MeToo#.
Mehr Unterschriften, weniger Demos.
Mehr Essen, weniger Meckern.
Mehr echtes Frühstück, weniger Avocado.

4 Mehr Liebe

Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst: das Geheimrezept für eine glückliche Gesellschaft. Es gibt da draußen zu viele Leute, die sich selbst hassen. Das muss aufhören, und das kannst du dafür tun:

Spiegel Wenn du erträgst, dass dir Leggings generell nicht stehen, wenn du duldest, dass dein Outfit heute nicht dein bester Freund wird, wenn du annimmst, dass du nur einer von Vielen bist: Dann kannst du auch den Fail zu deiner Linken und den Fail zu deiner Rechten lieben.

Körperkontakt Kuschel dich nachts mal wieder so richtig in die Decke, umarme dich ausgiebig, gib dir selbst einen aufmunternden Händedruck oder auch einen freundschaftlichen Klapps auf den Hintern. Du musst dich fühlen, um dich zu spüren!

Teilen Jesus hat‘s vorgemacht! Teile dein Wissen und deine Zeit. Teile deine liegengebliebenen Aufgaben und deine Kosten. Teile dein Bett und deine Wohnung. Teile Brot und Wein. Teile deine Kleidung, Einteiler sind für Zwerge und Skihasen. Teilet und mehret euch, make more not one!

Geben Wer mit beiden Händen das Alte festhält, hat keinen Platz für Neues. Also lass los!
Lass Sven ziehen, und Anna auch. Öffne dich für Matthias oder Emma! Lass den alten Frust gehen, vertraue darauf, dass genug neuer kommt. Gib dich hin, nimm zurück was übrig bleibt. Da kommt Liebe auf!

5 Mehr Zeit

Stress ist manchmal auch Timing










Das ist der ultimative Perspektivwechsel, wenn du auf deinem Sterbebett liegst und dich fragst: „Hab ich alles richtig gemacht?“ Jeder weiß, dass diese Frage nicht mit „Nein, ich hätte mehr arbeiten sollen“ beantwortet wird. Schwänz mal wieder. Die Arbeit hat sich gestern schon nicht erledigt, wieso dann heute? Du machst das eh nur für Geld und nicht für Fame, wozu dann die Eile? Du machst das eh nur für Fame und nicht für Geld, wozu dann der Druck? Eeeeentspann dich…

6 Mehr Energie

Zero ist anstrengend. Zero Coke, zero Sugar, zero Kalorien = zero fun. Wo bleibt da die Lebensfreude? Für mehr Energie in 2018 erlaubst du dir einfach mehr Energie! Und die verbrennst du dann glücklich, während du dem Sonnenuntergang entgegentanzt.

7 Mehr Geduld

Dir platzt der Kopf, alles muss sich verändern?










Rome wasn´t built in a day. Der BER braucht auch noch zwei Tage. Der Stau löst sich bestimmt noch vor der ersten Kaffeepause auf. Wenn du zu spät zum Kochen mit den Zutaten vom Einkaufen kommst, brauchst du nicht mehr kochen, dann gibt’s Pizza. Mal ehrlich: Was macht Termindruck eigentlich, außer Dinge wichtiger machen, als sie dir vor dem Termin waren?

8 Mehr Grün

Mach dir ein paar grüne Gedanken: Die sind voll im Trend! Grün ist nicht nur eine Lebensweise, sondern auch eine Denkweise. Hier ein paar Ideen, die du für dein grünes Bewusstsein verinnerlichen kannst:

In der Farbenlehre ist Grün die Farbe der Mitte. Sie steht für Neutralität und Zufriedenheit. Außerhalb der Farbenlehre steht Grün für Übelkeit und Neid. Punktuell auch für Trends. 
Grün ist zudem die Farbe des Kreislaufs. Und des Daumens. 
Avocados sind auch grün. 
Grün ist meistens ein guter Anfang.

9 Weniger ist Mehr

Da waren die Augen größer als der Teller










In Zeiten des Überflusses, der Maßlosigkeit, des Seine-Grenzen-nicht-Kennens, kann man auch mal zurückrudern und seine ganzen Ansprüche überdenken. Hier ein paar Anregungen:

Weniger Diät, mehr Genuss
Weniger Überstunden, mehr Game of Thrones
Weniger Diskussion, mehr Handlung
Weniger Smartphone, mehr Biergarten
Weniger Spekulation, mehr Wissen
Weniger Avocado, mehr Spinat

10 Mehr Fatalismus


Eines kann man sich aus den Religionen ruhig abgucken, da hatte Moses Recht: Fatalismus.
Weil, wenn du einen Patzer machst, kommst du in die Hölle. Am Ende sowieso. Moses war schon ein großer Motivationscoach seiner Zeit. So ein bisschen "Das Ende ist nah!" - kann im Alltag manchmal echt nicht schaden. Schicksalsergebenheit öffnet dir Türen, wo sich die eine geschlossen hat.  Fatalismus heißt „Shit happens, carry on". Danach zu leben bringt eine große Dosis Leichtigkeit in deine Welt. Sprich mir nach...

Druckerpapier alle
das Blinddate eine Falle
Hasskommentar von Kalle
zu dick für diese Schnalle
keine Flüge mehr nach Malle
Mieterhöhungen für alle 
OMMMM und En Shalla
is am Ende PILLEPALLE!

In diesem Sinne...Happy new year und Prösterchen!





fotos as usual von Ryan McGuire @ gratisography.com


Donnerstag, 30. November 2017

König von Deutschland? Lindners feuchte Träume



Da hat sich FDP Chef Lindner offensichtlich von seinen Träumen zu den Irren führen lassen.
Nachdem Lindner nach harten Sondierungswochen unvermittelt aus den Verhandlungen aussteigt, fährt der Jamaika-Karren an die Wand. Ziel nicht erreicht, das gelbe Navi hat eine Abkürzung vorgeschlagen, ist aber auf dem Holzweg gelandet. Für einen harten Ausstieg hatte man der FDP nicht seine Stimme gegeben. Die Partei sollte mit dem charismatischen Egozentriker vor allem den Zugpferden der alten Regierungskutsche ordentlich die Sporen geben. Da sollte mal eine neue Gangart eingelegt werden, ein bisschen Tempo. Man wählte die FDP, weil man mit ihr als Teil der Regierung schon die Zukunftsmusik hören konnte. Doch leider....

Digital first, Bedenken second.

Dieser Wahlspruch bleibt Programm, auf gut Deutsch bedeutet er jedoch schlicht und ergreifend: Erst meine Ideen, dann eure. Oder auch "Verantwortung? Hinterlasst mir ne Nachricht nach dem Piepton." Dass Lindners FDP nur mit 10% gewählt worden ist, hat der Parteivorsitzende auf Grund seiner Shooting-Star Allüren bei der Zukunftsplanung wohl vergessen. Kommt in den besten Medienbranchen vor. Nur ist die Bundesregierung keine Medienbranche. Lindner bekommt keinen Bambi für seine Darstellung des Rebellen, der das verkrustete System erst verspricht aufzubrechen, nur um es dann ins Chaos zu stürzen. Boooo! rufen da die enttäuschten Wähler zurecht. Die ersten Forderungen nach der Goldenen Himbeere werden laut!
Dass Lindner unser Vertrauen für Wahlversprechen wie 'Eine neue, digitale Zukunft' und 'Ein modernes Bildungssystem: Kinder first' missbraucht, um unsere Stimmen auf der Sandbank von 'nahezu 200 Punkten ohne Einigung' und einem Streit um den Soli vertrocknen zu lassen: Das nimmt man ihm übel. So haben wir nicht gewettet, mein lieber Scholli!
Zu der Insel der Irren wollte FDP-Chef Lindner offensichtlich, dorthin, wo schon Donald Trump neuerdings (sich ab-)regiert. Wenn seine Forderungen nicht alle erfüllt sind, dann gibt es eben keine Demokratie. Wenn sich nicht alle auf ihn einigen können, dann einigt man sich besser auf gar nichts.
Allein: Auf Durchregieren und seinen alleinigen Willen allen Parteien und dem Volk aufdrücken - das ist genau der Vorwurf, der CDU Chefin und Kanzlerin Angela Merkel gemacht wird. Welcher frühpubertäre feuchte Traum hat Lindner eingeflüstert, er hätte mit der gleichen Masche ein super Verkaufsargument für die FDP? 10%, Lindner, machen keinen König, das reicht zum Assistenten. Deshalb hast du nicht mehr Stimmen. Die Führungsposition in Jamaika hat dir niemand zugetraut! Während Lindner sich nun fast duckmäuserisch durch den Hagel an Kritik bewegt, ohne bis dato überhaupt das Ziel seines verfrühten Gehens zu nennen, träumt er scheinbar immernoch gut, da die FDP zwar keine Orientierung für die Zukunft bietet, sich aber sicher ist nun schon mehr Zuspruch bei den Wählern zu haben, als vor der Wahl. Ich bin mir sicher: Das geht nach hinten los!
Viele von uns stehen mit unserer Stimme Dank 'Pubertier' Lindner abholbereit auf der Sandbank, wo er uns mitten im Galopp abgeworfen hat, und strecken frustriert den Daumen raus: Wer nimmt uns mit? Wer hat noch Platz in seinem Parteiprogramm für digital und modern?
Eins hat Mr. Egotripp aber mit Sicherheit geschafft: Jung, provokant und rebellisch? Diese Marketingmasche hat Lindner für zukünftige Wahlen tüchtig versaut - wer erwachsene Politik will, sollte vielleicht doch keinen Punkrocker wählen!





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Donnerstag, 16. November 2017

Ein Millenial-Plädoyer für eigene Kinder

Das Leben wird definitiv bunter


Ich weiß nicht, woran es liegt, aber hierzulande haben die Leute irgendwie keinen Bock mehr auf Nachwuchs. Kinder? O nee! Viele meiner Millenial-Kolleg_Innen sind noch kinderlos. Dabei gehen einige auf Mitte 30 zu. Da denke ich immer: "Man, jetzt kannst du die noch (ein)fangen, mit vierzig wird das erstmal stressig!" 😉 Nicht nur kinderlos sind sie, sie haben oft scheinbar nicht einmal den Wunsch nach Kindern. Höchstens einen Plan für bzw. wider sie. 
Ihre Argumente sind ein Potpourri aus 'Ich kann noch nicht'
  • erst, wenn meine Karriere da angekommen ist, wo ich es mir wünsche
  • erst, wenn wir wissen (nach 5 Jahren Beziehung) ob wir wirklich füreinander bestimmt sind
  • ich muss vorher definitiv noch ein paar Punkte auf meiner Bucketlist abhaken
  • wir sind doch selbst noch halbe Kinder
  • wenns passt
  • ich will meine Freiheiten nicht aufgeben
  • ich habe Angst vor der Verantwortung
  • so viel Geld habe ich nicht
  • ich will meinen Kindern erst etwas bieten können
  • ich weiß nicht, ob ich Kinder in diese Welt setzen will 
Gerade meine männlichen Generationsvertreter scheinen große Probleme mit dem Commitment 'Kind' zu haben. Sie haben Angst vor der Verantwortung und schon - vorauseilend - vor der Scheidung. 
Denn 'Dann hab ich die Kinder umsonst gekriegt, weil Frauen sie dir ja eh wegnehmen'. Ein bisschen wie keine Gesundheitsvorsorge treffen, weil man ja eh irgendwann krank wird. 
Ich möchte auch gar nicht weiter auf EURE Argumente eingehen. Jeder hat seine Gründe und für jeden mögen die Gründe elementar wichtig sein. Verstehe, verstehe! 
Deshalb seht das hier nicht als Diss, sondern als Bliss (= Glück)-Communication. 
Ich habe mit 20.5 Jahren den Sprung in kochendes Wasser gewagt und bin bis heute Stiefmutter ohne Reue von zwei saucoolen Menschen (Kids kann man bald nicht mehr sagen), und habe mit 25 meinen Beitrag zur Familie mit einem weiteren kleinen Menschen geleistet. Die Kids haben mich weichgekocht! Und KLAR gabs bei uns blöde Zeiten, sogar ein ganzes blödes Jahr. ABER der Fokus liegt grundsätzlich immer auf den schönen Seiten, sonst würden wir die nicht massenhaft in eigenen Blogs und Instagram-Feeds dauernd mit euch teilen. Und egal wie viele "Regretful Mom"-Artikel euch überzeugen wollen, dass ihr in einem Meer von Kotze, Windeln und später Widerworten und Streit eure persönliche Würde aufgeben und euren Lebenssinn verlieren werdet: Es ist NICHT wahr! Die Mehrheit von uns Eltern LIEBT es, Eltern zu sein. Schlicht, weil wir unsere Kinder lieben. Anders geht es nicht, man kann nicht seine Kinder lieben und es hassen ihre Eltern zu sein. Also: AUF ins Abenteuer Familie ihr lieben Unentschlossenen und Zögerlichen. In Wirklichkeit haben die viel mehr Angst vor euch, als ihr vor ihnen - oder wie hieß das bei Spinnen? Also:

Ob Stiefkind oder Hausmarke: Kinder sind toll! 

Eine Bilderbuchgeschichte



Alles fängt im Miniaturformat an. 
Merkwürdiger Weise erfüllt das nicht nur uns Mütter, sondern auch Väter, mit einer Art stolzer Ehrfurcht. Man hat einen Mensch zu Stande gebracht. Einen soooo klitzekleinen Mensch. Da passt am Anfang noch alles in eine Hand. Aber so ein kleiner Mensch braucht Aufmerksamkeit. Und normaler Weise kann man gar nicht anders: Man muss sie ihm schenken!
Viele ziehen - wie wir - in eine neue Wohnung, sobald der Nachwuchs kommt oder da ist. Die Kartons bleiben die ersten Monate mit Kind bei den meisten erstmal generell ungeöffnet. Aufgeräumt wird irgendwann. Ist auch egal. Nach und nach schiebt sich das neue Leben schon zurecht.
Toll an Babys ist, dass scheinbar die ganze Welt mal anfassen will. Helfen möchte. Tragen möchte. Es gibt Eltern, denen das schnell zu viel wird. Die geben ihre Kinder dann nicht mehr aus der Hand. Andere - so wie ich - lassen das Socialisen zu. Die Arbeit muss auch nicht auf der Strecke bleiben: Zuhause bekommen alsbald alle ein Device, Junior auch mal von Fischerprice. Da braucht man sich nicht schämen, Helikoptern fängt da an, wo man Kindern keine Langeweile und Zeit mit sich selbst mehr zugesteht. 
Nach gut einem Jahr fängt die Welt in der Windel an zu schrumpfen, sie wird zu klein. Dann wird der Rest erobert. Alle Familienmitglieder dürfen den kleinen Columbus ertragen: Vom Vierbeiner bis hin zu den Erzeugern.
Leben mit Kindern ist lustig. 
Weil Kinder lustig sind. Wie Zirkusclowns, und das oft unfreiwillig. Ich glaube, wir haben am meisten über die Gesichtsdisko von unserer Tochter gelacht. Meist begleitet von einem herrlichen "Sparta!" - mäßigem Brüller. Jeder Muskel wird ausprobiert, die Stimmmuskeln genau wie die Gesichtsmuskeln. Mit Kindern ist man, wenn man das möchte, ständig auf Achse. Bei uns war und ist das so. Ab aufs Rad und raus in die Natur. Oder ins Museum. Oder ins Café. Zuhause ist es einfach zu eng für Familie mit Wusel, vor allem, wenn man als Städter keinen Garten hat. Und Kinder lieben es mitzumachen. Angucken, anfassen, anpacken: Je mehr Aufgaben ein Kind hat, desto glücklicher ist es. Hauptsache man korrigiert dann nicht ständig an Ausführung und Ergebnis rum: Der Weg ist das Ziel, dann darf der auch dreckig sein! 
Irgendwann ab 3 Jahren fängt es dann an richtig Spaß zu machen. Ich wage zu behaupten, dass ALLE 3 bis 4 jährigen Kinder ausnahmslos ZUCKER sind! Babys nerven manchmal, weil sie weinen und nicht sagen können, was sie wollen. In diesem Alter können Kinder was sagen: Es macht halt nur nicht immer Sinn - oder es ist das ehrlichste und zugleich peinlichste, das du seit langem gehört hast. Und die dicke Frau neben einem ebenso! Kinder in diesem Alter machen einfach nur Spaß. Sie sind robust, fröhlich, voller Bewegungs - und Entdeckungsdrang, lieben es vor sich hin zu reden und holen sich in regelmäßigen Abständen große Liebesdosen von uns Eltern ab. Eine schöne Zeit! Versprochen!  Die Zeit hält nicht an, und ab 4 merkt man so richtig, was man da in die Welt gesetzt hat. Unsere Tochter war und ist ein Powerhouse. Ein Kraftwerk. Wenn es nicht anstrengend, nervenkribbelig, schwindelerregend hoch oder wässrig war, war sie nicht interessiert. Die Elemente wurden alle erprobt, je gefährlicher, desto lieber. Wer glaubt das Leben mit Kind würde langweilig, der MACHT es vielleicht langweilig oder kennt Eltern, die ihr Leben verlangweilen. Wir sind zwar nicht die 'Wir machen eine Weltreise mit 5 Kindern' - Typen, dazu lieben wir Internet & Café Latte zu sehr, ABER wir sind auf jedenfall aktive Eltern. Und da musste unsere Juniorin halt durch. Und was soll ich sagen: Sie hat alle Erwartungen übertroffen. Kinder können eben mehr, als man ihnen zutraut!







Die Zeit vergeht so schnell, das kapiert keiner, bis sie vorbei ist! Dass unsere Tochter jetzt schon 7.6 Jahre alt ist, kann ich irgendwie gar nicht glauben. Eben hat sie noch 'Furz' zu Fuchs gesagt und 'PiepPiep' zu allen Tieren, die sie süß fand, jetzt guckt sie mit uns abends 'große' Filme und kommentiert trocken aus der Ecke: "Na Papa, das würdest du auch gern können?" (Die Unglaublichen). Kinderzeit ist eine spannende und wunderschöne Ausnahme von der Regel, sie ist bunt und laut und herausfordernd und kuschelig und lustig und du wirst am Ende eines fast jeden Tages belohnt, für ihr bloßes Entstehen verantwortlich zu sein. JETZT geht unsere nicht mehr ganz Kleine in die 2. Klasse, möchte nicht mehr 'klein' genannt werden und schreibt uns eigene Nachrichten auf Zettel und klebt sie z.B. an den Kühlschrank, etwa "Bitte-nicht-meine-Jugoz-ezen-deine-Lili" (1. Klasse). Für mich schließt sich langsam der Kreis und ich werde schon jetzt wehmütig, weil ich mir einbilde zu wissen, was kommt. Als ich "Stiefmama" wurde, war mein Junge so alt, wie meine Tochter jetzt, und auch in der 2. Klasse. Nun ist er 18 und macht Abitur. Der Countdown läuft. ICH für meinen Teil werde jede Sekunde genießen, bis auch die Welt, die wir Eltern bieten, zu klein und zu eng wird und das letzte Kind im Bunde flügge wird. Das geht schneller, als man denkt. Allen Zögerlichen sei an dieser Stelle versprochen: Was man in Liebe wiegen kann, kann kein Gold der Welt bezahlen! In anderen Worten - 


Reichtum wirst du mit Geld (allein) nicht so anhäufen können, wie mit Kindern. 
Ehrlich.














Donnerstag, 19. Oktober 2017

#MeToo# - ER auch

Kollegen, Freunde, Familie...Wer hat wohl wen schonmal wo angefasst...?

Harvey Weinstein.
Damit endet meine Einleitung. Inzwischen weiß jeder, wer Harvey Weinstein ist und worum es mir geht. Hier vorsichtshalber ein Link für die, die hinterm Mond keine aktuellen News empfangen: Kultur der Komplizenschaft. Und Ende. Um Harvey geht es hier nämlich nicht. Hier geht es auch nicht um mich. Nicht um meine Erfahrungen. Hier geht es um UNS.

Sexueller Missbrauch

Das erste Mal als ich erfuhr, dass auch Männer Opfer sein können, war ich vielleicht 18 Jahre alt. Ich hatte meinen Freund gefragt, ob er 'sowas' schonmal erlebt habe. Konnte ich mir kaum vorstellen, er war über 2 Meter groß. Sowas passierte ihm doch nicht - oder? Doch!
Die Essenz seiner mit Unbehagen erzählten Story klingt so:
Er, besoffen nach einer Party mit Kumpels am Strand eingepennt.
Er, besoffen, noch schlafend, merkt, dass jemand an seinem Schritt rumfummelt.
Er, besoffen, wird wach und sieht einen Schatten über sich. Kennt er nicht. Mann.
Er, will sich wehren, die Hand des Fremden ist schon zu weit.
Die anderen werden wach.
Der Fremde haut ab.


Wem hat er das erzählt? Niemandem. Macht mann nämlich nicht.


Eine andere Story erzählte mir ein Freund, der ein wahrer Womanizer ist. Ständig wechselnde Frauen und so. Ich, ungläubig: "Wie - DU?! Ernsthaft?!"
Schlimm: auf Grund der Tatsache, dass ich wusste, wie er drauf war, kam mir gar nicht in den Sinn, dass er so etwas wie eine Grenze haben könnte. Dass auch er verletzlich wäre. Seine Story ging so.
Er, bekannt für sein 'nachtaktives Hobby', zu Hause, eine Bekannte kommt vorbei. Er will nicht mit ihr, sie aber mit ihm. "Nein" - sagt er. So, wie wir Frauen so oft ungehört Nein sagen. Sie hört es wohl auch nicht. Sie macht weiter. Vielleicht betrunken, aber vor allem zielstrebig. Fasst ihm in den Schritt. Wenig überzeugende Argumente hat sie, um ihn doch rumzukriegen, klingt selbst fast wie ein Mann: "Ich weiß, dass du das magst"- "Ich weiß, dass du das willst". Er ist körperlich leicht ansprechbar, sein Körper besiegt seine Psyche. Geist ist unwillig, Fleisch ist schwach - macht eben nicht mit. Nicht, wie er will. Sie deutet es als Zeichen. "Nein!" - Wegdrehen, Weggehen, Wegschieben - aber immer vorsichtig, weil er keinen Eklat will. Den fürchtet er.
Sie hat gefunden, was er nicht verbergen kann.
Zieht an ihm, als könne sie ihn so dirigieren.
"Hattet ihr...?"
"Ja..." gab er zu.
Es klang fast traurig. 


So klingt es, wenn man tut, was man nicht will. 


Nachher 'wusste sie', dass sie Recht gehabt hatte. Er hatte Sex mit ihr, also hatte er das ja wohl von Anfang an gewollt. Hatte sich nur geziert. Mein Freund ist ein attraktiver Mann. "Vielleicht eine Art Trophäe?" wollte ich wissen. Er zuckte die Schultern. Ihm egal. Er schwieg lange.
Diese Geschichte hat mich lang beschäftigt. Ich habe damals einfach nicht so richtig kapiert, dass er dieselben Gefühle haben könnte, wie ich. Wie wir! Hatte er aber. Nicht nur dieselben Gefühle: Er hat dieselben Erfahrungen wie wir Frauen gemacht. Schlimm!

Sexuelle Belästigung
Kommen wir zum Thema sexueller Belästigung. Wo fängt die an? Und: Kennen Männer sie auch? Das brauche ich nichtmal fragen. Das sehe ich. Oft genug. Frauen, die besoffen an liierten oder offensichtlich uninteressierten Männern hängen. Frauen, die besoffen und manchmal peinlich intensiv Männern so auf die Oberschenkel klopfen, dass die Hand auffällig nah am Schritt ist. Frauen, die Knie drücken und streicheln, wie es seinerzeit nur Gottschalk konnte. Frauen, die auf die Po´s ihrer Kollegen oder Freunde klapsen. Frauen, die die körperliche Grenze zwischen intim und vertraut tuschieren. Betrunken, angeschickert oder nüchtern, mit und ohne Plan, auf sich aufmerksam zu machen: Frauen beherrschen die Kunst der sexuellen Belästigung auch, Männer das Handwerk. 
Sexuelle Belästigung kommt nicht nur im unpersönlichen 1-zu-1 statt, sondern vor allem und insbesondere im intimen Rahmen, auf Feiern von Freunden oder Firmen, Zuhause bei Geburtstagen, auf Familienfesten...überall, wo sich Mann und Frau begegnen und Sehnsüchte und Alkohol zusammenfließen. Das Feld der sexuellen Belästigung besetzen beide Geschlechter auf ihre Art gleichermaßen unangenehm-'gut'.

Was tun?

Ich gebe zu, dass ich noch nie gesagt habe "Äh komm, wir gehen dann mal kurz frische Luft schnappen". Ich habe bei Zudringlichkeiten gelacht, oder weggeguckt. So wie die anderen. Ich habe auch noch nie geschimpft: "Ey, Hände weg aus dem Schritt meines Mannes!" - obwohl ich das gesehen habe. Vielleicht, weil ich dachte: "Der kriegt das schon alleine hin". Ich habe keine Sekunde lang im Sinne von #MeToo# gedacht. Den 'Rette mich' - Blick des ein oder anderen Freundes habe ich entweder feixend ignoriert, um dem Schauspiel weiter zuzuschauen (ich weiß....schäm...), oder aber ich habe mich großzügig dazu bereit erklärt die Situation mal aufzulösen. Mit einem breiten Grinsen. Ein Theater habe ich nie gemacht. 
Ich habe erlebt, dass sich eine Bekannte - dabei immer besoffen - an meinen Vater rangemacht hat. Vor uns allen. Unter den Augen aller. Auch vor meiner Mutter. Mein Vater ist bei ihren Grabbelattacken stets zur Salzsäule erstarrt. Meine Mutter hat sich AUFGEREGT! Später, nachher. Unter vier Augen. Allein. Aber gemacht hat keiner was. Igitt, wenn ich mir vorstelle, dass mir dasselbe mit einem männlichen, sabbernden Grabbelknutscher passiert wäre....uäh...eklig (Harvey Weinstein!). Warum hat denn niemand von uns in dem Moment was gemacht? Ach ja: Geburtstagsfeier, Silvester - es war doch grad so schön. Es war doch grad so nett. Das macht man doch nicht kaputt. Und sowieso: 'Das macht die doch immer'. Schlimm, wie wir zu diesem Verhalten regelrecht durch unsere Art ermutigen. Wenn keiner was macht, ists ja auch nicht so schlimm - mäßig. Es ist, wie mit vielen anderen Themen auch, schwierig das richtige Maß zu finden:
Ist es politisch korrekt Stillschweigen zu bewahren, oder ist es korrekt, einzuschreiten, wenn sich offensichtlich daneben benommen wird?

Fazit ist:

Wir müssen aufpassen!


Dass wir Freunden und Verwandten nicht erlauben, Täter zu werden.
Dass wir nicht zulassen, wenn andere zu Opfern werden.







Foto von pexels.com

Dienstag, 17. Oktober 2017

The Truths of Donald Trump
A theory on the president's lie-ability

I won bigly. I got the best words. I´m like a smart person. 

Donald Trump is known for lying. If not on a daily basis, then at least on a weekly basis. But to be honest, when it comes to opinions it's not so much about facts, is it? Factual lying is easy to spot and  we can call it out, because we simply KNOW the truth. But opinions: that is a whole different issue. Now Donald Trump may be a liar, but mostly in a sense of “How he sees it” versus “How we see it”. If Donald Trump says “I´m a smart person”: That´s an opinion. You can have that opinion of yourself and no IQ test in the world could actually prove you the opposite. 

Why is that so?

Ask a 3 year old about his parents. He´ll let you know “My mother is the most beautiful woman in the world” and “My daddy is the strongest man in the world”. It would be easy to find  proof that this little fellow is wrong...but try to convince the kid. Nearly impossible!
So if Donald Trump believes he is smart: What can you actually say against it? In HIS world, that might just be the case. We do not know by which standards he really compares people to one another on behalf of ‘smartness’. What does smart even mean to a person like Donald Trump?
The same is true for his perception of other things, even crowd sizes.
“My daddy has the biggest car” – this can be perfectly true for a kid, even though in reality daddy is driving a 4-seat minivan. What does ‘big’ mean anyway? Or large? 

The biggest I know? The largest I have ever seen? 

Close observers of Donald Trump hear him introduce his own ‘truths’ by saying things like
“From what we know...” or “As far as we are informed...”. He´s being plain honest about really not knowing the facts. He is honest about lacking information. That doesn´t hinder him of making false statements or accusations. Because he relies on something completely else than facts.

As uninformed as Donald Trump seems to be on many political and historical topics, we must assume that he is uninformed, even unaware of a lot of other things, too. Surprising to us: He couldn´t care less. Donald Trump doesn´t need facts to be right.


How his claims make sense: to him

When Donald Trump claims ‘Nobody has ever done it like me’, it is absolutely true from his viewpoint. Even when bragging about how good things are going: It is his very own truth, spoken from a very subjective perception of a very small focus point on what reality really is.
Looking back, maybe it is true that Donald Trump himself has never accomplished so much in such little time like he has as a president. He is proud of himself, so he lets everybody now.
Compared to what he has experienced in his life so far, he actually is doing ‘bigly’. Even ‘betterly’ – from what he is told – than any former president has done. As Donald has no in-depth knowledge of what was really going on before his presidency and surely has never payed close attention to political movements or decisions in the past, in HIS world he is doing better than anybody. Simply because not much existed in his world that he could compare his achievements to. Donald Trump always compares himself to his own self. It might not seem that way, because in words he compares himself to ‘the past’ or to Barack Obama, or to an undefined group of others. But as ignorant as Donald Trump is towards facts, details and in-depth knowledge, he really has no choice but to compare everything and everybody to his own experience, his own past.

And to be honest: It is what we all do. It´s just that usually presidents know the stuff he doesn´t. And if not, they work hard to know them.

Donald Trump, when it comes to his own self, does not lie.

“I have the best words”. Since he doesn´t enjoy reading nor listening too much, he must have the best words. They don´t need to objectively be ‘the best’. They are ‘the best’ in his world, to him: 
That is all that matters.
Donald Trump is often caught lying about facts, besides of opinions, too. I do not know for sure – of course- but I have a theory that even his factual lies are his ‘opinions’. 

For example: this week Donald Trump lied about Barack Obama not calling families to comfort them over the loss of fallen soldiers. It was a rather pathetic quick-response he obviously didn´t give much thought to, in excuse of his own ignorance of the death of four soldiers who have been killed in yet mysterious circumstances in Niger. Called out upon his lie, he quickly claimed somebody else had told him about Barack Obama. Since we are talking about Donald Trump lying – as skilled as a six year old in this particular field – and not Vladimir Putin, I assume that he actually thought it could have been true. He didn´t think of calling the grieving families, why should anyone else? In his reality, not calling is at least a possibility. When Donald Trump claims “somebody told me”, what he´s actually saying is 'I thought'. His thoughts echo in his head the way conversations echo in normal peoples memories. So if he thinks ‘I didn´t call – bet Barack didn´t call either’ he´ll just say it. He´d only have to justify this opinion to himself – before his presidency that is how it used to be.
I´m not blaming me”, Donald Trump said publicly with the senate all around him, when asked about Mr. Bannon attacking Mitch McConnell on failing to ‘get things done’. This proves my point again (at least in my opinion) because: Donald is the only person he ever really compares himself to. The only person who´s criticism really hurts. The only person who´s advice he really considers ("My primary consultant is myself" – Donald Trump stated in an interview about why he doesn´t need all the intel presidents usually are provided with). So in his reality it makes absolute sense to say “I´m not blaming myself”. Why should he? It wasn´t his job to begin with – right? I bet – in his opinion, in his world – this is exactly true.

Let me draw a conclusion from this theory:
1. Donald Trump has only one true foe, competitor, consultant, critic and friend: Himself. 
He´d never betray himself, he´d never hurt himself and he´d never blame himself.
2. If you want Donald Trump to change ANYTHING, you need to get inside of his head. You need to become his own voice. It is no use repeating his words like a parrot: He heard that stuff in his mind before you said it. It is no use trying to bribe him by mirroring his behaviour. He mirrors his behaviour constantly, his reflection is the only reflecting he´s capable of doing. No – to really change him, you need to do what ‘Inception’ taught us: Make him believe YOUR ideas actually are his (the way Saudi Arabia does with Iran).
3. You cannot and should not take Donald Trumps words for what they are in a normal world. We are all part of what is in Donald Trumps head. It is NOT the other way around! All of our insults, criticism, questions and outcries of frustration are only fractions of what he thinks the world is like. He will never see or understand OUR side – he has proven incapable of that forever in the past few months as president.
4. Do not BELIEVE Donald Trump. Do not TRUST Donald Trump. No – understand him. And use what you understand to make sense out of his world, out of the White House, out of present politics. Nothing is the way it used to be – things don´t make sense in the terms we´ve become accustomed to, they only make sense in Trumps world. Welcome to the circus: Don´t try to make sense of the clown. And since the clown is in charge – either enjoy the show, or – if unhappy with what you see – do what you can to get rid of the manager.
It´s at least worth a try.




Photo by Ryan McGuire > gratisography.com

Freitag, 13. Oktober 2017

Coming Out
Wie tolerant bist du wirklich?

Anders als ...


'Coming Out' - es ist eines der Themen unserer modernen Zeit. Coming Out bedeutet sich zu seiner sexuellen Orientierung, seiner Sexualität und - mitunter - zu seiner Identität zu bekennen. Während Homosexualität noch in den 90er Jahren das gesellschaftliche Eklat-Thema in diesem Zusammenhang war, ist es heute zunehmend die Bekanntgabe 'Ich bin trans' - also die Bekenntnis eine Geschlechtsidentität zu haben, die nicht zur angeborenen, augenscheinlichen passt.
Grade in Metropolen und/oder Hauptstädten wie Berlin wird gern eine beinahe selbstverständliche Offenheit mit diesem Thema gelebt. Nicht, dass alle älteren Semester mit dieser Haltung mitgehen, aber eine grundsätzliche Offenheit, ja fast Neugier, strömt inzwischen unter den jüngeren Generationen. Wer keine homosexuellen Freunde hat, lebt hinterm Mond. Wer keine Trans oder Quers kennt, ist noch nicht aus seiner Eierschale geschlüpft. Mit dem Brustton der Überzeugung sagen die Kids heute "Schwul - na und? Entspann dich, ist doch egal."
Auch Großstadteltern zeigen sich heute toleranter, als frühere Generationen. Wenn 'er' lieber Haarspangen und Zöpfe trägt, langes Haar haben möchte und am liebsten "Schminken" spielt, dann ist das eben so. Besonders selbstbewusste Väter tragen dann auch mal aus Solidarität einen Rock.
Wir sind ganz schön cool, oder?

So sieht Toleranz aus




Tränen bei Seite - mein erster Gedanke ist:
"Tolle Eltern!"
"Das würde ich auch so machen!"
"Das kann ich schaffen!"

Wir denken, weil wir ja ach so sehr aufgeschlossen sind, dass wir sexuelle Neigungen unserer Kinder und unserer Mitmenschen tolerieren wollen und können. Dass wir das auch müssen. Als Gesellschaft.
Aber...

"Mama ..."
"Warum weinst du?"
"Weil ich...weil ich Angst habe, dass du mich nicht mehr liebst."
"Willst du mir etwas sagen?"
"...ja...ich weiß nur nicht, wie...."
"Schatz, du weißt, du kannst mir alles sagen. Ich werde dich immer lieben."
"...ich weiß nicht...ich habe Angst, dass keiner mich mehr liebt, wenn..."
"Nein, was redest du da? Ich liebe dich, dein Vater liebt dich...wir werden dich immer lieben."
"Ich glaube...ich stehe vielleicht auf..."
"...Männer? Willst du mir sagen, dass du schwul bist?"
"...nein....eher jünger...eher...Kinder..."


Wie gehst du damit um? 

Ich lebe in Berlin. Das Thema Pädophilie ist mir hier NICHT fremd. Wer seine Augen offen hält, dem fallen ab und an diese Leute (ja, alles Männer) auf, die sich einfach merkwürdig um Kinder herum verhalten.
Und ja - ich musste auch schon vor sexuell übergriffigem Verhalten schützen, bzw. einschreiten.
Das war krass! Sich da einmischen, einem Mann zu sagen "Ich hab das gesehen, du hast das Kind da im Schritt angefasst", nicht wissen, was als nächstes tun...Ich habe mir so einen Kinderstuhl aus der früheren Kinderbuchecke geschnappt, mich vor diesen Mann gesetzt und maschinengewehrartig auf ihn eingeredet. "Das geht nicht! Das darfst du nicht! Du hast ein Problem, du musst das kontrollieren. Du musst in Behandlung!" Sowas habe ich gesagt. Es purzelte wahllos aus mir heraus - okay, nicht ganz. Ich habe ihn nicht beschimpft. Ich habe ihn nicht beleidigt. Das hatte einen Grund: Ich hatte mich mit dem Thema Pädophilie eine Weile lang beschäftigt. Aus Angst, als ich selber Mutter wurde. Ist so meine Umgangsform: Kenne den Feind. Dadurch habe ich viel gelernt darüber, wie das sein muss. Ein gewisses Gefühl von "Die armen Typen" ist in mir aufgekeimt. Der Ekel und die Ablehnung und die Schutzhaltung ist aber gleichermaßen stark geblieben. Ich habe drei Kinder. Als sie klein waren/jetzt wo eins klein ist, habe ich permanent das Gefühl, jedem die Augen ausschießen zu müssen, der komisch guckt. Den Mann habe ich angezeigt. Dussmanns hat ihn angezeigt. Ich bin zum Infoschalter gegangen. Der Typ ist abgehauen, aber wir haben Videoaufzeichnungen gehabt, er war eindeutig darauf zu erkennen. Dussmanns hat versprochen sich darum zu kümmern. Wie gesagt: Ich weiß, es folgte eine Anzeige. Und sein Foto war eine Weile lang an den Kassen - Hausverbot!
Pädophile trifft man hier in Berlin dort, wo es für sie am meisten Sinn macht: Auf Spielplätzen. 
Weil ich das weiß, habe ich höllisch auf die Spielumgebung meiner Tochter geachtet. Angst halt.
Auf dem Spielplatz habe ich durchaus auch mal Männer, die wie herrenlose Hunde wirkten, gefragt "Und...welches ist ihres?" Klassiker: Die meisten sind aufgestanden und gegangen, oder haben rumgestottert. Ertappt. Nur einer hatte eine Story parat, er warte hier auf seine Tochter, blöde Scheidung, er dürfe sie nicht sooft sehen, wie er wolle...habe ich akzeptiert. Misstrauisch bin ich trotzdem geblieben. 
Wäre ich in der Lage gewesen mein Psychologiestudium erfolgreich abzuschließen, hätte ich meine Bachelorarbeit gern über Pädophilie geschrieben. Nicht, weil mich das Thema fasziniert. Sondern weil ich denke, von diesen Männern geht, bleiben sie unerkannt und unbehandelt, eine Gefahr aus.
Sie sind die Abnehmer in der schrecklichen Kinderpornobranche.
Sie sind die, die unsere Kinder heimlich fotografieren (erlebt! Horror!!!).
Sie sind die, die unseren Kindern unmoralische und unehrliche Angebote machen (erlebt!). 
Sie sind die, die zum Täter werden.
Nicht alle, aber genug.
ABER - sie sind Söhne. Sie waren irgendwann einmal ein Kind. Ein fußballspielender Junge vielleicht, ein kleiner, brillentragender Bastler, ein Sammler, ein Dinofan, ein Bücherwurm. Eben ein ganz normales Kind - das irgendwann zu alt ist, um seinesgleichen zu lieben: Und es dennoch tut.
Ich hätte meine Bachelorarbeit gern geschrieben, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir als Gesellschaft tatsächlich auch dieses schwierige, mich immer wieder aufwühlende Thema, anpacken müssen. Mit aller dazugehörigen Offenheit. So, wie bei den Homosexuellen.
Es müsste einen Film geben, wie Philadelphia. Wo ein Pädophiler stirbt, vielleicht Suizid begeht. Ein netter Kerl, der keiner Fliege was zu Leide tun würde oder kann - aber vor lauter Verzweiflung über das "Böse" in ihm, keinen Ausweg sieht, als den Tod. Viele junge Männer bringen sich um. Weltweit. Wer weiß, wie viele von ihnen 'Neigungen' haben, die für sie den familiären und gesellschaftlichen Tod bedeuten - oder zu bedeuten scheinen?
Ja - ein Pädophiler kann auch anders zum Täter werden: Gegen sich selbst gerichtet.
Wir müssen, um einen Dialog beginnen, die Tür öffnen. Nicht zu der Möglichkeit die pädophile Neigung zu tolerieren, sondern vor allem den pädophilen Menschen. 

NEIN zu Sex mit Kindern!
Aber JA zu jedem Leben.
Wir waren alle mal Kinder.
Viele von uns haben Kinder.
Wie können wir einander helfen, ein lebenswertes Leben zu führen - ohne Hass, ohne Dunkelheit, ohne Einsamkeit, ohne Ausgrenzung?
NUR durch Dialog. Durch Lernen. Durch Verständnis. Durch den gleichen Lernprozess, den wir für und mit der LGBTQ - Szene durchgemacht haben und immer noch durchmachen.

Ein Schlusswort:
Ich bin denke ich schon froh, dass ich keinen Pädophilen kenne. Da bin ich ehrlich. Die Angst bleibt einfach. Ich wüsste gar nicht, wie ich mit ihm umgehen sollte. Alles in mir würde schreien: Weg mit dir! Fort! Lass meine Familie in Ruhe!
Aber: Wenn sich mir jemand in größter Verzweiflung, so wie oben in dem Coming Out- Video, anvertrauen würde. Wenn er mir sagen würde "Ich glaube, ich stehe auf Kinder" - dann würde ich zuhören! Das weiß ich. Und ich würde ihm helfen wollen. Und ich hoffe, es geht einigen von euch nach diesem Bericht genauso.

Und SO kann man helfen: 

Kein Täter werden










Foto von: https://www.pexels.com/photo/food-colorful-sweet-bear-54633/

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Amis erklärt - Was haben die mit ihren Waffen?



Lädst du noch oder schießt du schon?


Amerika hat momentan viel auf seiner To-Do-List: angefangen beim chaosstiftenden Joker im Weißen Haus (Batman: wo bist du?), über eine Reihe von verheerenden Naturkatastrophen, bis zu dem an Kraft gewinnenden Rechtsruck, der die Nation spaltet. Amerika ist wie ein Trump Hotel, das grade durch eine Inventur muss, während draußen schon die Geländer von den maroden Balkonen krachen. Ein Punkt brennt aber schon seit Jahrzehnten auf der U.S.-To Do-Liste, und egal wie viele neue Punkte oben dazukommen, dieser eine Punkt schafft es leider immer wieder in die Schlagzeilen, und damit in die Top 10.
Sandy Hook – ein Amoklauf in einer Grundschule, 20 Kinder und 8 Erwachsene sterben hier
Pulse Bar – ein Amoklauf in einer Schwulenbar, 49 Erwachsene sterben hier
Las Vegas Strip – der schlimmste Amoklauf seit Schwarze nicht mehr in Bäumen hängen: 59 Erwachsene sterben hier, über 500 wurden zum Teil schwer verletzt


Rattattattata Ratta Rattattattata – Die Hymne der NRA


Es ist der schlimmste Amoklauf der amerikanischen Geschichte: Ein weißer, millionenschwerer Frührentner erschießt in nur wenigen Minuten fast 60 feiernde Menschen auf dem Las Vegas Strip und verletzt über 500 weitere teilweise schwer. Die Nation ist erschüttert, aber auch verwirrt: Was ist das für ein Mann, den man in überhaupt kein sonst übliches Feindbild pressen kann? Nichts weiß man über ihn, außer, dass er eigentlich normal war. Normal ist in Amerika eben auch, wenn man ein eigenes Waffenarsenal besitzt. Normal ist, wenn man mit einem Arsenal an Waffen reist. Normal ist auch, dass der Täter dieses Amoks weiß ist. Und während Nachrichtensprecher sich sogar in ihrer Wirrnis verhaspeln und öffentlich sagen, dass sie einfach nichts Schlechtes an diesem Mann finden können, werden die Rufe nach verschärften Waffengesetzen wieder laut.
Aber die Schreie der Gegenstimmen sind lauter.

„Hollywood ist schuld“, weiß die NRA, um den Verwirrten eine Rettungsleine zuzuwerfen. Ein sonst völlig normaler Mann MUSS eben zu viele Hollywoodfilme konsumiert haben. Die haben ihn verkorkst! Obwohl Hollywood fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland macht, wo – komischer Weise – Amokläufe in amerikanischem Ausmaße üblicher Weise nicht auf der To-Do-Liste stehen.
„Es könnte sein, dass er ein Atheist war“, unken die Christlichkeit heuchelnden Nächsten (Trump-Wähler).  Immer wieder wird Gott herangezogen, wenn man erklären will, weshalb frei verkäufliche Waffen töten…äh Menschen (ja Menschen!) töten: Entweder war der falsche Gott schuld, der fanatische Glaube an Gott oder die Abwesenheit von Gott.
Die Erklärungsversuche sind ungefähr so überzeugend, wie „Schatz, ich wollte nicht mit ihr schlafen…“.

Hier auf Englisch wie Amerika versucht den Täter zu "verdauen":

             

Guns ‚N Roses – Der Amerikaner, das Gewehr und die Romantik


Um zu verstehen, warum ein Teil der Amis so an seinen Waffen hängt, wie ein Kettenraucher am nächsten Zug, müssen wir uns etwas Einzigartiges anschauen: The 2nd Amendment.
Als die von Patrioten viel zitierten Gründungsväter 1789 ihre „Bill of rights“ quer durch die bürgerkriegsgebeutelte USA schickten, legten sie den Grundstein für etwas, das inzwischen genauso alt ist, wie alles andere, was 200 Jahre her ist. Die ‚Bill of rights‘ sind klinisch tot, werden aber künstlich am Leben erhalten.
Ernsthaft: Alle paar Jahre ändern sich – sogar in Amerika! – die Schulbücher als Reaktion auf die Veränderungen in unserer Umwelt und Gesellschaft. Die gehen sogar mit verrückten Trends wie Kreationismus mit und löschen die Evolutionstheorie aus. Die Schulbücher werden geändert, aber nicht die Gesetze, auf die man sich beruft. Die werden nicht angefasst, die sind heilig! Sagt übrigens auch viel darüber aus, wie die Amis zu 'Weiter'-Bildung stehen….
In diesem momentan wieder bis zur Verfeindung verteidigtem ‚2nd Amendment‘ steht unter anderem drin, dass der Amerikaner ein Recht darauf hat sich zu bewaffnen. Damals war das auch eine Art Empfehlung, weil jederzeit mit Umstürzen durch durchgeknallte Monarchen, Anarchen oder Diktatoren gerechnet worden ist. Vor DENEN sollte man sich zu jederzeit schützen, sie notfalls sogar stürzen (…hinrichten…) dürfen. Das war sozusagen heilige Pflicht.

Der Amerikaner wird nicht mit vielen Gedanken zur Lage der Welt großgezogen. Erstmal wird er dazu erzogen, sich Gedanken um Amerika zu machen. Während es dabei in den Schulen auch um die „Bill of Rights“ geht, wird gerne versäumt zu erörtern, auf welcher Basis die eigentlich geschaffen wurde. Der historische Kontext wird im amerikanischen Unterricht zu oft zu einem süßen Heroenbrei verkocht, bis die Kinder glauben, man hätte damals mit den Indianern zu Thanksgiving wirklich Friedenspfeife geraucht, die Sklaverei hätte mit George Washington wirklich geendet, die Nationalhymne ginge auf die Zeiten von Christoph Columbus zurück, der selbst ein ehrenhafter und edler Mann gewesen sei. In diesen Cocktail wird noch eine Miniprise Schuldgefühl (Sklaverei) und eine große Prise Rachelust (11. September) gemischt, und fertig ist der völlig sinnentleerte, kontextlose und fehlgeleitete Nationalgeist auf einem Trip durchs Erwachsenenleben, in dem es viel zu oft um Schuld und Sühne, und viel zu selten um Empathie und Nachsicht geht.
So wächst der von Kindesbeinen an gegen nationale Zweifel geimpfte Amerikaner in der Illusion auf, dass alles, was mit der amerikanischen Geschichte zu tun hat, vor allem mit Stolz, mit dem Kampf um das Richtige, mit dem Sieg des Guten über das Böse, zusammenhängt. Sein ganzes Sein wird auf den Grundfesten dieser Überzeugungen aufgebaut. Und weil zu diesen Überzeugungen per Gesetz der Besitz von Waffen und die Verteidigung der Freiheit schlichtweg dazugehören, haben die Amis Probleme ohne Ende.

Ich fürchte dich – drum schieße ich


Um sich gegen die eventuelle Übernahme von Monarchen oder Diktatoren zu wappnen, dürfen alle Amis zur Waffe greifen. Und zwar herzhaft. Auf sogenannten Gun-Shows gehen die weg wie warme Semmel am Sonntagmorgen. Inzwischen ist aus der Bewaffnung aus Angst vor einer feindlichen Übernahme das Recht „mich, meine Familie und meinen Besitz zu beschützen“ geworden. Es geht also nicht mehr so richtig ums Land, sondern um „da, wo ich bin“. Und überall wo ich bin, trage ich meine Waffe. Sicherheitshalber. Und weil wir heute keine Angst mehr vor invadierenden Monarchen haben und keiner checkt, was einen Diktator eigentlich von einem General oder Footballcoach unterscheidet, bewaffnen sich die Amis vor allem, um sich vor „den anderen“ zu schützen.
Dieses „ich schütze mich und meine Familie vor den anderen“ ist zu so einem gefährlichen, hohlen Mantra geworden, dass schon als bedrohlich empfunden wird, wer nicht in die Nachbarschaft ‚gehört‘. Da wird die Polizei gerufen, weil Latinos oder Schwarze – im gruseligsten Falle sogar in Gruppen – in der Gegend rumlaufen. Weil man sie noch nie gesehen hat, geht man grundsätzlich davon aus, dass sie eine Bedrohung darstellen. Mit ihrer Schusswaffe am Anschlag stehen sie am Telefon neben der Eingangstür und warten…“Wehe du setzt auch nur einen Fuß auf mein Grundstück…dann schieße ich dich über den Haufen“.  Wer schießt, hat seiner puren Angst vor dem Fremden Munition gegeben. Wer schießt hat seine Furcht vor dem schwer einzuschätzenden, mystisch bedrohlichem Raum gegeben. Eine Furcht, die sogar bis in die Reihen der Polizei hineindiffundiert. Die Polizisten haben solche Angst, dass sie vor Nervosität den Abzug drücken, ehe sie überhaupt die Situation verstanden haben. So sind fast 50% der von Polizisten getöteten Menschen solche, die eine psychische Störung hatten und in Deutschland in Behandlung gekommen wären.
Aus Angst schießen: so eine Mentalität gibt es hier nicht. Uns wird weder Stolz eingetrichtert, noch Furcht. Uns wird weder Fremdenangst noch die Idee, das wir eine Lösung für alle Probleme hätten, eingeimpft. Wir glauben nicht daran, dass ‚die Wahrheit‘ in der Bibel steht. Wir glauben nicht an eine zweihundert Jahre alte Verfassung. Wir ändern unsere Schulbücher genauso wie unsere Gesetze, und das fast sooft wie unsere Wintergarderobe.  Und: Wir halten nichts von Waffen. Waffen gehören in die Hände von Profis, Profikiller ausgenommen. Wir überlassen das Schießen den Polizisten und dem Schützenverein. Und in der Regel schießen letztere. Ja – nicht einmal unsere Polizei nutzt Schusswaffen. Vorbildlich bei den Auseinandersetzungen auf dem G20-Gipfel dieses Jahr unter Beweis gestellt. Ein Krieg tobt auf der Straße und es bricht keine Massenschießerei aus: It´s possible. It´s unamerican.
Die wenigen Deutschen, die unter einer Dunstglocke der Fremdenangst aufwachsen, werden hierzulande das, was sie überall sind: latente oder manifeste Rassisten. In Amerika heißen dieselben Leute ‚Patrioten‘ oder ‚Alt-Rights‘ (die sich besonders gern auf die Bill of Rights berufen…Kontext Leute, Konteeeeext!).

Was hat das mit Waffen zu tun?


Wenn man einem (der vielen) unreflektierten Patrioten das aus der Verfassung hervorgehende Recht auf Bewaffnung beschneiden will, beschneidet man damit seine Potenz und befeuert seine Angst, sich anders nicht gegen ‚die Anderen‘ wehren zu können.
Der Verlust seiner Waffe würde den Gebrauch seines Präfrontalkortex zwingend nach sich ziehen, wenn er in der Welt ohne freien Waffenbesitz überleben will. Das bedeutet, dass er den Nerv aufbringen muss sich in ‚anderes‘ hineinzuversetzen, denn nur was man versteht kann man auch einschätzen, und was man einschätzen kann, muss man nicht mehr – so sehr – fürchten. 
Das verlangt viel von einem, dem seine ganze Schullaufbahn gesagt worden ist, er sei etwas Besonderes, bis er erwachsen ist und merkt, dass das nicht stimmt. Und um die Illusion aufrecht zu halten, hält sich dieser jemand dann an der zweifelhaften Romantik vergangener Tage fest, verbindet sich innerlich mit dem Urgroßvater, der für sein Land (und sein Recht auf Sklaven….) gekämpft hat, und streichelt dabei seine Waffe, die ihn wie eine in Blei gegossene Zeitmaschine direkt in die gute, alte, einfache Zeit, in eine ‚schwarz-weiße‘ Welt zurückversetzt.
Ohne sein Recht auf die Waffe: Was hat er dann noch?
Worauf und wie weit soll er sich noch reduzieren lassen?
Wie viel Beschneidung kann ein Mann vertragen, ohne sich komplett impotent zu fühlen?
Der Rassist in Deutschland weiß, dass er keine Sonderrechte auf Instrumente hat, die ihm ein Gefühl von Größe, Einfluss und Wichtigkeit geben. Der Rassist, also Patriot, in Amerika, hat das Gefühl, nicht nur ein Recht, sondern Privilegien zu besitzen. Privilegien, die selbst den einfachsten Mann zu einem anerkannten Nationalhelden machen. Dazu muss er nichts leisten, außer nach amerikanischem Gesetz erwachsen werden. Wer würde sich die nehmen lassen?
Genau auf dieser Klaviatur aus fatal zusammengepanschten Gefühlen wie Nationalstolz, Angst und Wehmut, spielt die NRA. Die NRA sagt dem Patrioten, der in Deutschland einfach nur ein Rassist wäre, dass er OHNE Waffen nackt wäre.

Urknalltheorie



Und genau deshalb wird das Thema Waffen und Waffennarrheit in den USA noch lange diskutiert werden. Erst, wenn sich der Patriot von Schusswaffen bedroht fühlt, könnte sich etwas ändern.      Wer muss sich also bewaffnen?
Wenn er wirklich der Rassist ist, für den ich ihn halte, wenn ihn wirklich so viel Fremdenangst plagt, dann ist die Antwort leicht: Die anderen!
Wenn die anderen nämlich plötzlich alle bis an die Zähne bewaffnet rumlaufen, bekommt der Rassist es mit rationaler Angst zu tun. Rationalität ist ja der Saatkeim aller Gesetzgebungen, und Logik führt sogar den schlichtesten Waffennarr zur einzig möglichen Conclusio:
Selbst wenn er sein eigenes Recht auf Waffenbesitz gern ausübt – DIE dürfen das nicht!
Also muss das Recht (seins!) auf Waffenbesitz strenger kontrolliert, überwacht und reglementiert werden – damit das bei denen nicht aus dem Ruder läuft!
Hoffen wir, dass die Amerikaner, um aus der Urzeit in die Steinzeit zu gelangen, keinen Urknall benötigen, sprich: keine bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen einer beliebigen Zahl von „anderen“ mit einer beliebigen Zahl von „nicht anderen.
Hoffen wir, dass irgendwann auch ohne Praxis die Theorie die Runde macht, ja, dass das Gros der 2nd Amendment Verfechter statt ihrer Waffe ihre Kinder liebevoll streicheln, weil ihnen bewusst geworden ist, in was für einer Welt diese leben, wo narzisstisch gestörte Rentnermillionäre sie beim unschuldigen Feiern auf einem Country Music Festival erschießen könnten.

Montag, 2. Oktober 2017

Gauland: Mit den falschen Federn geschmückt

Two wrongs don´t make a right...



Wer kennt Vichy? Den kleinen französischen Kurort, in dem 1940 ein Mann Geschichte schrieb.
Phillipe Petain, der Held aus der Schlacht um Verdun, verhandelte dort mit den Deutschen um das Schicksal Frankreichs. Überrannt von einer übermächtigen Wehrmacht, war das französische Militär flächendeckend außer Gefecht gesetzt. 2 Millionen französische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Darunter der junge Francois Mitterrand.
Petain gelang es, einen Waffenstillstand zu erwirken. Davon überzeugt, dass das Naziregime letztlich siegen würde, übte man sich alsbald darin, wie eine privilegierte Partnerschaft mit Hitlers Deutschland aussehen konnte. Und das ganz ohne Druck aus Deutschland. Das 1940 entstandene Vichy-Regime basierte auf einem unmoralischen Pakt mit dem Teufel. Die Judentransporte, die massenhaft Juden aus Südfrankreich in deutsche Lager wie Dachau deportierten, sind unter anderem trauriges Zeugnis dafür, mit welch hohem Preis Frankreich die Besatzungsfreiheit erkauft hatte.


Was hat das mit Gauland zu tun?

Am 02. September erklärte Alexander Gauland in kleiner, öffentlicher Runde, es sei an der Zeit einen Schlussstrich unter die deutsche Nazivergangenheit zu ziehen. Zudem solle man die Taten der deutschen Wehrmachtssoldaten endlich neu bewerten. So findet Gauland:
"Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."
Als sei das nicht schwierig genug, lobt Gauland obendrein die Wehrmacht. Wir Deutschen hätten ein Recht darauf, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".
Es erübrigt sich an dieser Stelle darauf einzugehen, weshalb diese Ansichten allein die große Mehrheit der Deutschen befremdet. Stolz sein auf unsere Kriegsvergangenheit und die ihr zu Grunde liegenden Motive? Wer Fußnägel hat, dem kräuseln sie sich.

Irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland, nachdem ihm die gefährliche Verharmlosung unserer mitnichten umfänglich aufgearbeiteten Vergangenheit von vielen Seiten vorgeworfen worden ist, irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland später zur Verteidigung auf Francois Mitterrand verweist.
Den jungen französischen Soldaten, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war.
Egal wie man zu Mitterrand steht, dessen Lob des deutschen Mutes und Patriotismus als Verteidigung heranzuziehen, ist einfach falsch. Gauland hat sich nicht nur mit fremden Federn geschmückt, in dem er sich einen großen (toten) Mann zur Seite stellt, er hat sich auch im großen Stile mit den falschen Federn geschmückt.

Entweder man sieht Francois Mitterand so, wie die Franzosen ihn vor der Aufklärung und Verurteilung der Verbrechen unter dem Vichy-Regime sahen.
Da kommt er ungeschoren als ein Held der berühmten Resistance Bewegung durch.
Da ist er vor allem wichtigstes Mitglied der Sozialistischen Partei in Frankreich gewesen.
Da ist er ein glühender Pro-Europa-Verfechter.
Weshalb er dann als Sozialist, als Europa-Befürworter, als Held der linken Resistance-Bewegung ein merkwürdiger Verteidiger in Gaulands Sinne wäre, der das alles nicht ist.

Oder man sieht Mitterrand als einen wankelmütigen Opportunisten.
Als einen Mann, der ehrgeizig die eigene Moral hintanstellen konnte, wenn es denn seinen Interessen diente. Ein Mann, der nach seiner Flucht aus der Kriegsgefangenschaft für das Vichy-Regime gearbeitet hat, ehe er in die Resistance ging. Der sich aber von Petain mit einem hohen Orden auszeichnen ließ und Petain, den Kriegsverbecher, bis zuletzt als Freund bezeichnete. Ein Mann, der ganz im Geiste der rechtsnationalen Bewegung in Frankreich für die Zeitschrift "France, revue de l`état nouveau" Artikel verfasste. Der sich über Überfemdung echauffierte und den Organisator der Judentransporte aus Vichy bis zu dessen Tod 'sehr schätzte''.
Unter welchen Umständen er ein ebenso schlechter Fürsprecher in Gaulands Sinne wäre, da man dann davon ausgehen kann, dass Mitterrand die Nazivergangenheit Deutschlands ebenso verharmlost hatte, wie Gauland es tat. Two wrongs don´t make a right.

Es bleibt ein Gefühl von Verwirrung darüber, weshalb Gauland sich mit den Federn eines Feindes seiner Ideale, oder eines Freundes seiner Ideale verteidigt hat. Klar ist nur, dass er besser daran getan hätte, jemanden zu zitieren, der weniger kontrovers ist.
Er hätte aber auch einfach zugeben können, dass er die Dinge so meint, wie er sie gesagt hat.
Ohne einen Übersetzer wie Mitterrand heranzuzitieren, der bei näherer Betrachtung auch keine große Hilfe ist.



Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com