Freitag, 29. September 2017

Verantwortung übernehmen - Deshalb konnte Merkel nicht gehen





Angela Merkel hat eine klare Einstellung zu Flüchtlingen, die hier entweder Zuflucht oder Chancen suchen: In einer Notlage helfen wir. Kein Mensch ist illegal. Deutschland schafft das.
In den Medien wurde schon lange vor der BTW gestöhnt, als Merkel das Offensichtliche bestätigte: Ein weiteres Mal als Kanzlerkandidatin zu kandidieren. "Die ewige Kanzlerin" wird nun gespöttelt, wer ihre Haltung zur Flüchtlingspolitik ablehnt, meint, sie gehört abgeschafft. Gänzlich. Nicht nur als Kanzlerin. Doch was verlangte man von Angela Merkel, als man seinen Überdruss über ihre Wiederaufstellung und Wiederwahl aussprach? Selbst diejenigen, die grundsätzlich mit der Regierung einverstanden waren, schimpften: "Das wird doch langweilig".
Hätte sie wirklich gehen sollen?

Ihr Verantwortungsgefühl verbietet es - Unseres auch


Wer Millionen von Flüchtlingen sagt:
Wir schützen euch.
Wir rehabilitieren euch.
Wir finden eine Lösung.
Wir wollen euch hier und in eurer Heimat helfen.
Wer 80 Millionen Deutschen Zuversicht, Nachsicht, Geduld und Empathie abverlangt.
Wer immer wieder Fehler und Rückschläge hinnehmen und ausbessern muss. Der geht doch nicht mittendrin, doch nicht noch fast am Anfang aller auf uns zukommenden Arbeit, und sagt "Na da habt ihr jetzt echt einiges zu tun: Viel Spaß! Ich geh dann mal."

Was hätten ihre Nachfolger gewettert!
Sie hätten Merkels Politik womöglich nicht vertreten. Sie hätten die Dinge anders gemacht. Alles neu, alles umwerfen, eigene Regeln, eigenes Tempo. Dann hätten sie geschimpft auf alles, was Merkel geschafft hatte, in Bewegung zu setzen. Jedes Mal, wenn sie gescheitert wären, hätten sie auf Merkel als Buhmann gezeigt, gesagt: "Die ist schuld. Die hat uns das eingebrockt!"
Es wäre so geworden, wie mit Obama und Donald in Amerika. Wie mit der Debatte um die Gesundheitsversorgung der angstgepeitschten Amerikaner. Obamas Zeit reichte nicht, um die Fehler, die Lücken und die Schwächen seines Gesundheitsprogramms auszubessern. Er musste sein Baby in die Obhut von Gegnern geben, von Neidern, Feinden. Sie haben das Kind genommen und begonnen, es öffentlich zu schlachten. Die ganze Welt kann dem Ringen der Mächtigen um eine Gesundheitsreform zuschauen. Es ist furchtbar mitanzusehen, aber richtig schlimm muss es sein, direkt von dem Hickhack betroffen zu sein.

Keine andere Wahl


Obama hatte keine andere Wahl: im wahrsten Sinne des Wortes.
Er musste gehen. Das Gesetz verlangte es so. Dabei gab es noch so viel zu tun.
Nun bangen Millionen von Amerikanern um ihre Zukunft. Die Debatte um die Gesundheitspolitik ist dabei um ein Vielfaches bedeutender, als unsere hiesige Flüchtlingspolitik.
Wenn sich Obamas Erzgegner durchsetzen, sind Millionen von Amerikanern dem Tod geweiht.
Wer mit einer Behinderung geboren wird, wer einen Unfall hatte, wer schwanger ist, wer an einer geistigen Krankheit oder an einer Sucht leidet, ist geliefert: Niemand wird die Kosten der Behandlung übernehmen. In Deutschland geht es Gott Lob nicht um Leben und Tod der Deutschen. Wir bangen ja nicht, ob wir wegen des Zustroms an Flüchtlingen in 2018 vielleicht alle sterben müssen. Das tun die Flüchtlinge, über deren Schicksal noch immer nicht ausreichend berichtet wird, um endlich flächendeckende Sympathien zu wecken. Nein, bei uns geht es um ein paar Grundsatz-entscheidungen. Um die Verteilung von Hilfsmitteln, von finanzieller Zuwendung. Bei uns geht es um den Umgang mit Kriminalität unter Zugewanderten, um die Frage, wie weit wir unsere Gesetze verschärfen können, ohne unsere Ideale zu verraten.

Obama musste gehen. Er konnte nicht zu Ende bringen, was er begonnen hat.
Merkel hatte die Wahl: tatsächlich aber auch keine andere. Sie MUSSTE gewinnen.
Sie hat "das mit den Flüchtlingen begonnen", sie wird es zu Ende bringen.
Danach, das verspreche ich, wird sie dankbar gehen.
Angela Merkel hat mit Sicherheit nicht geplant 16 Jahre Kanzlerin zu sein.
Aber mit Sicherheit hat sie auch nicht vorgehabt ihren Kanzlerruhestand mit einem Verrat an ihren eigenen Prinzipien zu beginnen. Ich prophezeie, dass sie, sobald sie ihre Ziele - weitestgehend - erreicht hat, still und leise in den Hintergrund treten wird. Es wird jemanden geben, dem sie heimlich das Ruder übergibt. Der immer häufiger für sie sprechen wird. Vielleicht in Jahr 3 ihrer Amtszeit.
Angela Merkel ist nicht unsere ewige Kanzlerin.
Sie ist unsere verantwortungsvollste Kanzlerin!

P.S.
Meines Erachtens ist der Wahlausgang auch keine "Schlappe". Kein Zeichen dafür, dass die Wähler Merkel per se "abgewählt" haben. Für mich ist der Wahlausgang ein Zeichen dafür, dass es eine Vielzahl von Menschen gibt, die weiterhin eine moderne, progressive Politik wollen (Ausstieg Atomkraft, Flüchtlingsdebatte, Homoehe), denen es aber nicht modern und progressiv genug ist.
Eindeutig beweist das der Wiedereintritt der FDP in den Ring. Auch Linke und Grüne haben keine schlechten Positionen, und die SPD steht zwar schlechter da, als je zuvor, doch aber nur, weil es gleichzeitig andere Parteien mit einer starken Positionierung in den Bundestag geschafft haben.
Bei so vielen Parteien, wie wir sie jetzt 4 Jahre lang im Bundestag haben, musste ja eine Umverteilung der Stimmen passieren.
Der Ausgang der BTW ist kein Abgesang auf die CDU oder Deutschland, sondern eine Hymne auf unsere neuen Ideale.


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Hier - mit Augenzwinkern - mehr Argumente, weshalb wir alle gleich sind: Lesen!

Donnerstag, 28. September 2017

AfD - Wenn Familienmitglieder den Hass teilen

...wie die AfD Familienmitglieder verändert...

Wer glaubt die deutsche Gesellschaft stünde vor großen Herausforderungen, der hat noch keinen Blick hinter die Kulissen deutscher Familien geworfen. Die Gräben, die die AfD innerhalb unserer Familien reißt, sind unvergleichlich tiefer und schmerzhafter, bitterer, als der Graben, den die 10% AfD Befürworter in der gesamten deutschen Gesellschaft ausgehoben haben. 

Während des Wahlkampfes mag es öffentlich hoch hergegangen sein - aber wie ist das, wenn der Wahlkampf in der eigenen Familie weitergeführt wird? Wenn wochenlang seitenweise Emails hin - und herfliegen, in denen die nationalsozialistischen Ansichten regelrecht gefördert werden? Wenn verunglimpfende Memen von der Bundeskanzlerin geteilt und Hassreden verbreitet werden?

Hier ein persönlicher Aufschrei der Empörung darüber, was unsere Familie wegen der AfD aushalten muss.
Ein Brief an die AfD-Befürworter in unseren Reihen, die das Edelste in den Dreck ziehen, was wir haben: Unsere Familie!

Brief an die AfD in unseren Reihen


Es geht mir nicht darum, ob alles faktisch stimmt, was die AfD propagiert.
Auf der Metaebene des faktisch Richtigen kann man außerhalb der Familie debattieren.

Innerhalb der Familie kommt für mich vor den Fakten, wofür du stehst.

Bist du für den Klimaschutz, oder dagegen?
Bist du für Europa, oder dagegen?
Bist du für die Errettung Ertrinkender, oder dagegen?
Das ist für mich so einfach zu beantworten, wie
"Atmest du lieber, oder nicht?"
Wer mit "Nicht" antwortet, ist irgendwie gestorben.



Wir haben in den letzten Wochen tonnenweise Material bekommen, das entweder die AfD Propaganda repräsentiert, oder die AfD Propaganda unterstützt.

Ich bin entsetzt.

Dieses Video ist eines der letzten, das wir per Email bekommen haben.

"Schau´s dir an....". Wir schauten. Fassungslos.




Es zeigt den AfD Politiker Müller aus Bayern. Und es zeigt, wie weit sich vom Kern unserer Familie entfernt wurde. Die AfD hat einen Teil unserer Familie zum Mond geschossen. Von meiner Position hier unten aus, kann ich ihn einfach nicht mehr verstehen.

In einer Familie, die polnische, böhmische, jüdische Wurzeln...die afrikanische, indianische, irische Wurzeln hat, in einer Familie, in der Kinder und Enkelkinder sich mit aller Neugier, Offenheit und Menschenliebe anderen Kulturen zugewandt haben, kann man so eine Rede nicht guten Gewissens teilen. Hier haben wir uns nämlich unlängst der italienischen, der amerikanischen, der russischen, der vietnamesischen Kultur geöffnet. In dieser Familie, in der Mischkultur der Standard ist, in dem es kein Reinheitsgebot gibt, in der niemand wirklich sagen kann, welche Kultur das eigene Aussehen oder unseren emotionalen Reichtum am meisten geprägt hat, in dieser Familie ist die Rede des bayrischen AfD Politikers eine Ohrfeige!


Das ist Nazigedankengut!


Ich fühle, wer auch immer in UNSERER Familie befürwortet, was in dieser Rede propagiert wird, hat sich vom Kern all dessen, was unsere Familie besonders, was alle darin enthaltenen Kinder wertvoll macht, entfernt. WEIT entfernt!

In einer Familie, wie der unseren, KANN man sich gar nicht wohlfühlen,
wenn man diese Rede befürwortet. Wenn man ihre Inhalte teilt.
Wenn man die Konsequenzen aus solchen Reden herbeisehnt.
Nein - in dieser Familie, in der

italienisches
afrikanisches
jüdisches
polnisches
böhmisches
russisches
vietnamesisches
amerikanisches
und vermutlich auch französisches

Blut

gelebt, zelebriert, integriert, geliebt, vermehrt, vermengt wird,
in dieser Familie ist kein Raum für jemanden, der dem Fremden mit so viel
Wut, Hass, Argwohn und Ablehnung gegenübersteht.

Der sogenannte Bevölkerungsaustausch hat in dieser Familie schon über Generationen hinweg Tradition. Er ist Teil unserer Geschichte, er ist schon jetzt - die Partnerwahl unserer Kinder einbeziehend - Teil unserer Zukunft.

Das Reinheitsgebot kennen unsere Adern nicht!
Wir alle sind aus den Herzfasern der Weltbevölkerung gemacht!
Wir sind stark, schön und besonders, weil wir nicht nach einer Art gut geraten, sondern
als Mensch gut geraten sind.

Bis vor kurzem wurde so über das Judentum gesprochen, hier in Deutschland, wie über den Islam. Es gilt:
Die Deutschen sind keine Nazis,
die Juden nicht die Geißel der Menschheit,
die Muslime keine Terroristen!


Es sind stets einzelne, separatistische Gruppen, die ihren Fundamentalismus versuchen in die Welt hinauszutragen. Neuestes Beispiel für fundamentalistische Hardliner sind die AfD und all ihre Anhänger.

Fundamentalismus ist gefährlich.
Fundamentalismus verletzt Menschen, spaltet Familien.
Fundamentalismus lässt keinen Raum für Kompromisse.
Fundamentalismus kennt keine Flexibilität.
Vor allem aber kennt Fundamentalismus kein Pardon.


Die Familie, wie die Gesellschaft, ist ohne Pardon verloren.
Die AfD hat unsere Familie gespalten.
Die Angst, die sie geschürt hat, hat Seelen gefressen.
Uns bleibt nichts, als auf den Rückflug vom Mond zu warten.





Foto wie immer von Ryan McGuire @ gratisography
...von mir verfremdet...


Dienstag, 12. September 2017

Wie Donald Trump moderne Bildungsziele ad absurdum führt

Leben auf der Überholspur: Ist das alles, was wir wollen?


In unserer Gesellschaft wird von Druck gesprochen. Druck und Wettbewerb, und natürlich Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen wachsen, besser werden, schneller werden. Die Frage ist doch nur: Verglichen mit wem? Und: Ist jedweder Vergleich wirklich so vernünftig?

Bildung ohne Konkurrenz


In der Schule wird mobil gemacht. Das heißt: Kaum hat der Erstklässler gelernt sein zukünftiges Schreibbesteck normgerecht zu halten und die Reihung des ABC zu verinnerlichen, beginnen die Diktate in Schreibschrift. Kaum hat der Erstklässler gelernt eine Vorstellung vom Nutzen von Zahlen, vom Zählen, vom Auf- und Abrechnen zu entwickeln, beginnt er mit dem kleinen Einmaleins, ungeachtet dessen, dass er noch immer auf der Spur des Addierens und Subtrahierens ist. Die zweite Klasse beginnt für den Schulneuling mit Druck. Tempo, Fortschritt, Wachstum: Alles jetzt gleich. Wer sich Zeit lässt, wird abgehängt.

Donald Trump machts vor:
Weshalb nur 'in Konkurrenz' denken nicht zum Ziel führt


Donald Trump macht vor, wie ein Kind dieser Schule als Erwachsener agiert:
Schneller, weiter, Wachstum, Konkurrenz, Wettbewerbsfähigkeit. Ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Plan. Das einzige, was er im Kopf hat, ist seine eigene Größe zu maximieren. Bei ihm ist der gesellschaftliche Kanon vom ewigen Wachstum, von ständiger Gewinn(er)maximierung angekommen: Leider vollkommen ohne Inhalte.
Der Präsident der Vereinigten Staaten bemerkt voller Anerkennung, dass das durch den Hurricane Irma am meisten gewachsene Label die amerikanische Wasserwacht geworden sei. Jetzt sind die so richtig bekannt, weil die so mutig gewesen sind und wirklich Leute gerettet haben. Toll - das macht das Label "America" wieder so richtig populär!
Den Hurricane Harvey Opfern teilte der Präsident mitfühlend mit, dass sie mit Sicherheit nie so viel publicity gehabt hätten, wie nun. "Hier ist richtig was los", bemerkt der Präsident, und "Wow, großartig, wie viele Leute hier sind". Er wünscht den Helfern nach einem "wunderschönen Erlebnis" noch einen "schönen Tag". Die Einschaltquoten seien gigantisch!
Donald Trump, der kein besonders guter Stratege, noch ein Diplomat, noch ein Verhandlungstalent, noch irgendetwas vergleichbar Nützliches für einen Mann an seiner Stelle ist, ist nur eines:
Ein Maximalist.
Alles ist in seinem Falle eine Frage der Größe, Größe führt zu Wichtigkeit, und Wichtigkeit ist sein Lohn. Großartigkeit wird bei ihm nicht an Sinnhaftigkeit gemessen.

Donald Trump ist Sinnbild für die Krise, in der die Bildung weltweit steckt:
Ist mehr wirklich immer mehr? Oder: ist mehr immer besser?


Die Massen an Menschen, die ungläubig oder begeistert an seiner Vereidigung zum Präsidenten teilnahmen, vereinten sich in diesem Zusammenhang zur "größten Ansammlung aller Zeiten". Seiner Vereidigung haben angeblich mehr Menschen zugesehen, als bei irgendeiner davor.
Obschon der Präsident wenig für irgendetwas tut, brüstet er sich damit, dass sein de facto chaotischster Regierungsapparat, den die USA je erlebt hat, mehr schafft, als alle vorherigen.
"Wir haben schon jetzt mehr geschafft, als alle meine Vorgänger in den ersten Jahren ihrer Amtszeit", wird Donald Trump nicht müde zu behaupten. Tatsächlich schafft er vor allem mit Hochdruck ab, was sein Vorgänger und größter Konkurrent, Barrack Obama, etablieren wollte bzw etabliert hat.
Er sei der beliebteste Präsident, auch wenn das laut Umfragewerten nicht der Wirklichkeit entspricht.
Er habe mehr für das vereinte Amerika getan, als irgendeiner vor ihm, auch wenn die USA seit Jahrzehnten nicht mehr so tief gespalten war, wie sie es jetzt ist.
Donald Trump liebt es zu polarisieren, zu übertreiben, groß zu tun: Es ist offenbar auch das einzige, was er wirklich kann. Doch: Dumm kann er nicht sein, es gibt keine Belege dafür, dass er weniger intelligent als viele seiner Mitstreiter im Weißen Haus wäre. Aber schlicht ist er. Und das ist ein Problem!


Standardisierung + Wettbewerbsblindheit = Schlichtheit



Donald Trump kommt aus einer Familie, in der einfache Formeln eins bedeuten: Geld.
Geld = Wohlstand, und Wohlstand wollen ja alle.
Den Wohlstand in der Gesellschaft mehren, das ist das Ziel. Wirklich?
Wenn Wohlstand nur die Menge an verfügbaren Finanzmitteln ist, den emotionalen und kulturellen Reichtum eines Menschen aber ausklammert: Laufen wir dann nicht Gefahr, als Gesellschaft zu verarmen? Ist das wirklich, was wir wollen?

Wettbewerbsblindheit macht, dass wir Druck auf Individuen ausüben, die wir trotz ihrer Einzigartigkeit alle auf eine Stufe stellen, um sie überhaupt miteinander vergleichen zu können.
Wettbewerbsblindheit macht, dass wir mit einer regelrechten Manie Standards und Normen aufstellen, an denen wir jeden einzelnen messen.
Wettbewerbsblindheit macht, dass wir alle Fähigkeiten und Potentiale beschneiden und verbiegen, damit sie zu unseren Normen und Standards passen.
Wettbewerbsblindheit sorgt dafür, dass wir alle Menschen, alle Schüler, in eine Schublade stecken.

Der Sinn von Bildung ist uns abhanden gekommen, das bloße Pauken von Methodenkompetenzen und das Voranpeitschen von Kindern zu höheren, größeren, weiteren Lernzielen verfehlt, worum es in der Bildung, in der Mensch - und Erwachsenwerdung eigentlich geht: So bekommen wir keine gesamtheitlich gebildeten Menschen mehr, die in der Lage sind, ihr Leben und die Welt ganzheitlich zu formen.
Ohne ganzheitliche Bildung - werden wir höchstens bessere Trumps.
Und das ist keine schöne Aussicht.


Was muss sich ändern?


Wir müssen Konkurrenz abbauen.
Als Konkurrenten sehen wir nur: "Was hat der, was ich nicht habe?", statt zu sehen "Was habe ich, was kann ich damit alles machen?" Wenn wir nur einer definierten Zielgerade folgen, bemühen wir uns auch nur, diese eine Zielgerade zu erreichen: Und Erster dabei zu sein.
So kommen wir nur einen Schritt weiter, als der andere.
Aber wir erreichen nie mehr, als das.
So, wie Donald Trump.

Er hätte ein großartiger Politiker sein können. Er ist ganz anders, als all seine Vorgänger, er hat Humor und weiß, wie man unterhält. Er hätte mit seiner Fähigkeit, selbst die bildungsfernsten Menschen zu bewegen, Großes vollbringen können. Er hätte sich aller Themen annehmen können und sagen können: Gemeinsam gehen wir über alle uns bekannten Ziele hinaus!
Aber weil er ein Kleingeist ist, weil er unter völliger Bildungsarmut leidet, kennt er nur:
Zielgeraden. Planvorgaben. Zahlen. Größe.
Und weil sein größter Konkurrent Barack Obama ist, und weil der schon so viel Lob eingeheimst hat, fällt ihm nichts Besseres ein, als Barack seine Lorbeeren wegzunehmen. Wenn nicht durch Leistung, dann durch Streichung der Disziplin, in der Barack sie einstmalst verdiente.

Der fette, plumpe, reiche Junge, der gern so cool und sportlich wäre, wie der schlacksige, braune Highschoolliebling, wird Schulsprecher. Er verbietet zuerst die Teilnahme an Sportwettbewerben für schlacksige, braune Kinder. Dann verbietet er Sportwettbewerbe gänzlich. Dann lässt er den Trophäenschrank, der an die Leistungen der Sportler erinnert, vernichten.
Dann fällt ihm nichts mehr ein.
Bis ihm auffällt, dass der schlacksige, braune Junge immernoch gelobt wird: für seine Arbeit in der Schülerzeitung. Die macht er dann platt. Indem er alle, die Anhänger seines Erzfeindes sind, feuert. Und durch Schleimer, die ihm huldigen, ersetzt. Er liest nie die Artikel, die über ihn verfasst werden. Er zählt nur, wie oft sein Name in jeder Ausgabe auftaucht. Das vergleicht er damit, wie oft der Name seines Konkurrenten auftaucht. Nur, wenn er öfter genannt wird, als der genannt wurde, ist er zufrieden.
Er ist ein Junge ohne eigene Werte, eigene Ideale, eigene Inhalte. Er ist ein Junge ohne Ideen.
Er ist eine geistlose Maschine, die nur zu einem Zweck gebaut wurde:
Konkurrenz vernichten, Konkurrenz überholen.


Wollen wir das für unsere Kinder?

Nein, mit Sicherheit nicht.
Deshalb sei allen Eltern, Lehrern und Bildungspolitikern an dieser Stelle gesagt:
Zensuren zeigen nur, an welcher Stelle ein Mensch im Wettrennen um die besten Plätze ins Ziel gekommen ist. Sie zeigen nur, was dieser Mensch im Rahmen fester Standards ohne Flexibilität, ohne Platz für Individualität, kann. Wenn ihr den Druck dieses Systems aufrecht erhaltet, schiebt ihr die Menschen weg von ihrem ureigenen Potential: Und macht ihnen am Ende Angst davor, es zu entfalten.
So werden wir zu China, zu einem Land von Überflüglern, die vor allem darin glänzen, die Ideen und Erfindungen anderer zu kopieren und höchstens zu verfeinern. Mit eigenen Ideen glänzen momentan immernoch wir - wenn wir wollen, dass es so bleibt, sollten wir schleunigst umdenken!


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Hier ist ein weiterer Artikel über Donald Trump mit prophetischen Zügen: Lesen!


Foto wie immer von gratisography.com, Ryan McGuire

Dienstag, 5. September 2017

SCHULE - Loslassen oder Anfassen?

Führen mit festem Druck: Oder einfach nur zugucken


Seit der Einschulung unserer jüngsten Tochter ist ein Jahr vergangen. Die Aufregung der ersten Monate und das Gefühl, mein Kind ganz ganz falsch untergebracht zu haben, sind abgeklungen.
Ähnlich wie bei den Phasen der Trauer sind wir beim Stadium der Akzeptanz angekommen:
Wir akzeptieren, dass die Schule SO nichts für unsere Tochter ist.
Wir akzeptieren, dass wir momentan noch keine Alternative für sie gefunden haben.
Wir akzeptieren, dass wir diese Alternative nicht haben, weil wir unsere Tochter als Schulkind erst noch kennenlernen wollen und müssen - Step by Step.

Schule ist doof. 

"Ich mag die Schule nicht" - stellt meine Tochter nüchtern fest. Wenn andere sie kürzlich fragten "Und, freust du dich schon auf die Schule?" - es waren ja grade Sommerferien - beantwortete sie das erwartungsgemäß mit "Ja" - und gab dann Fersengeld. Bloß keine weiteren Fragen beantworten müssen. Uns sagt sie, was sie denkt. Sie mag die Konkurrenz nicht. Das Tempo ist zu hoch. Die Lehrerin zu streng. Sie kann sich nicht konzentrieren, wenn alles zu schnell geht. Sie hat Angst, Fragen zu stellen. Hilfe abzuholen. Wegen der anderen.
Wenn unsere Tochter von Schule erzählt, klingt das schon jetzt, wie wenn meine Freundinnen von ihrer Arbeit erzählen. Nach Stress pur. 

Cool bleiben. Aber wie cool?


Unsere Reaktion darauf: Entspannt bleiben. Ruhe reinbringen. Dem Kind Freiheiten lassen, zu tun, wonach ihr ist , wenn sie von der Schule kommt. Schwierig nur, dass unsere Tochter eigentlich mehr Hilfe braucht. Mathe ist so ein Kandidat. Daran beißt sie sich schon jetzt die Zähne aus. Eine Kombination aus Prüfungsstress und Talentfreiheit. Wir versuchen es mit Mathespielen. Aber die reichen offensichtlich nicht. Man müsste richtigen Stoff üben - aber dann kommt der Druck zurück. Der, dem wir hier ausweichen wollen. Wir wollen nicht Schule nachmachen, wir spielen höchstens mal Schule. Wir wollen nicht Wissen vermitteln, sondern beim Vertiefen unter die Arme greifen. Tränen über Mathespiele? Nein - that was not the plan.

Loslassen


Eine momentan viel beäugte Möglichkeit ist das Loslassen. Die Schule passt nicht zu uns Eltern, der Unterricht und die Ziele nicht so wirklich zu unseren Ideen und zu unserer Lebenswirklichkeit.
Artikel von Bloggern, die "Aussteiger" sind, also aus dem System ausgestiegen sind, oder von neuen Schulkonzepten, wie dem der NSH Hamburg, über das ein ins System Zurückgekehrter in der letzten brandeins berichtet hat, machen uns Hoffnung. Und Mut. 
Es stellt uns aber auch vor eine Herausforderung: Wie können wir neben Arbeit und Alltag den Raum schaffen, indem unsere Tochter das mitbekommt, was wir uns eigentlich von der Schule erhofft haben? 

Erziehungskompetenzen ausbauen


Wir müssen uns an die eigene Nase fassen.
Unser Kind besucht eine altmodische Schule. Wir sind das Gegenteil von altmodisch. Wir leben so modern, dass es unsere Eltern mitunter befremdet. Wir sind weltfremd, wird uns vorgehalten. Aber nicht hier. Nicht, wo wir uns ein Leben aufgebaut haben. In unserer Wahrnehmung sieht Zukunft so aus, wie unsere Nachbarschaft. Wie unser Kiez. Wie unsere vier Wände. Liberal. Weltoffen. Neugierig. Multikulturell. Wir glauben an selbstfahrende Fahrzeuge, Uber, Airbnb, Share-Communities, Recycling, Shared-Offices...also gesellschaftliche Modelle, die sich von dem, womit wir aufgewachsen sind, unterscheiden.
Jetzt heißt es unserer Tochter nicht nur vorleben, sondern beibringen, wie diese Modelle funktionieren. Erfindungsgeist, Wissensdurst, Bewusstsein schaffen...Kompetenzen, in denen wir 'ausbilden' müssen, um fürs Erste auszugleichen, was ihre Schule nicht bieten kann und wird.
Gott Lob müssen wir das Rad nicht neu erfinden - es gibt viele Kurse in einer Hauptstadt wie Berlin, die alle dasselbe wollen: Unser Geld - und formbare menschliche Geister!

Und dann?


Loslassen, statt Druck ausüben und führen. Ich erinnere mich an meine Kindheit: Weinend über Matheaufgaben gebeugt. Oder mein Bruder: Nachmittage seiner Kindheit waren dahin, eingesperrt in einem dunklen Zimmer, hoffnungslos überfordert aber auch hochgradig blockiert von all dem Druck, der in der Schule, wie auch Zuhause auf ihm lastete. Mein Bruder ist mein Vorbild. Er hat sich gegen alle Widrigkeiten Freiheit erkämpft. Die Grenzen seines Lebens hat er sich selbst ausgesucht, den Druck, den er jetzt in seiner Arbeit erlebt, hat er selbst gemacht. SELBST...das ist das Ziel. Die Antwort.
Das erste Wort unserer Jüngsten war ein langes, ausgedehntes "Neiin". Nicht laut, nicht schrill. Das ist nicht ihr Stil. Sondern klar, deutlich, nüchtern. Es war ein "-ich meine das ernst" - Nein. Was sie sagt, meint sie. Hat Hand und Fuß. Ist meist sachlich korrekt. Sie weiß, was sie will, und wenn sie kann, lebt sie danach. Druck ist nicht ihr Ding. War es nie. Wir wollen ihr zeigen, wofür sie zur Schule geht. Warum sie das alles macht. Wofür sich das lohnt. Das schafft die Schule nicht - sich attraktiv zu machen für Querdenker und Eigenbrödler. Nur, wer gern mitläuft und sich gern mit anderen misst, ist in dieser altmodischen Form von Schule gut aufgehoben. 

Wir lassen also los...wir werfen den Boomerang. Hoffentlich trifft er uns nicht!