Dienstag, 12. September 2017

Wie Donald Trump moderne Bildungsziele ad absurdum führt

Leben auf der Überholspur: Ist das alles, was wir wollen?


In unserer Gesellschaft wird von Druck gesprochen. Druck und Wettbewerb, und natürlich Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen wachsen, besser werden, schneller werden. Die Frage ist doch nur: Verglichen mit wem? Und: Ist jedweder Vergleich wirklich so vernünftig?

Bildung ohne Konkurrenz


In der Schule wird mobil gemacht. Das heißt: Kaum hat der Erstklässler gelernt sein zukünftiges Schreibbesteck normgerecht zu halten und die Reihung des ABC zu verinnerlichen, beginnen die Diktate in Schreibschrift. Kaum hat der Erstklässler gelernt eine Vorstellung vom Nutzen von Zahlen, vom Zählen, vom Auf- und Abrechnen zu entwickeln, beginnt er mit dem kleinen Einmaleins, ungeachtet dessen, dass er noch immer auf der Spur des Addierens und Subtrahierens ist. Die zweite Klasse beginnt für den Schulneuling mit Druck. Tempo, Fortschritt, Wachstum: Alles jetzt gleich. Wer sich Zeit lässt, wird abgehängt.

Donald Trump machts vor:
Weshalb nur 'in Konkurrenz' denken nicht zum Ziel führt


Donald Trump macht vor, wie ein Kind dieser Schule als Erwachsener agiert:
Schneller, weiter, Wachstum, Konkurrenz, Wettbewerbsfähigkeit. Ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Plan. Das einzige, was er im Kopf hat, ist seine eigene Größe zu maximieren. Bei ihm ist der gesellschaftliche Kanon vom ewigen Wachstum, von ständiger Gewinn(er)maximierung angekommen: Leider vollkommen ohne Inhalte.
Der Präsident der Vereinigten Staaten bemerkt voller Anerkennung, dass das durch den Hurricane Irma am meisten gewachsene Label die amerikanische Wasserwacht geworden sei. Jetzt sind die so richtig bekannt, weil die so mutig gewesen sind und wirklich Leute gerettet haben. Toll - das macht das Label "America" wieder so richtig populär!
Den Hurricane Harvey Opfern teilte der Präsident mitfühlend mit, dass sie mit Sicherheit nie so viel publicity gehabt hätten, wie nun. "Hier ist richtig was los", bemerkt der Präsident, und "Wow, großartig, wie viele Leute hier sind". Er wünscht den Helfern nach einem "wunderschönen Erlebnis" noch einen "schönen Tag". Die Einschaltquoten seien gigantisch!
Donald Trump, der kein besonders guter Stratege, noch ein Diplomat, noch ein Verhandlungstalent, noch irgendetwas vergleichbar Nützliches für einen Mann an seiner Stelle ist, ist nur eines:
Ein Maximalist.
Alles ist in seinem Falle eine Frage der Größe, Größe führt zu Wichtigkeit, und Wichtigkeit ist sein Lohn. Großartigkeit wird bei ihm nicht an Sinnhaftigkeit gemessen.

Donald Trump ist Sinnbild für die Krise, in der die Bildung weltweit steckt:
Ist mehr wirklich immer mehr? Oder: ist mehr immer besser?


Die Massen an Menschen, die ungläubig oder begeistert an seiner Vereidigung zum Präsidenten teilnahmen, vereinten sich in diesem Zusammenhang zur "größten Ansammlung aller Zeiten". Seiner Vereidigung haben angeblich mehr Menschen zugesehen, als bei irgendeiner davor.
Obschon der Präsident wenig für irgendetwas tut, brüstet er sich damit, dass sein de facto chaotischster Regierungsapparat, den die USA je erlebt hat, mehr schafft, als alle vorherigen.
"Wir haben schon jetzt mehr geschafft, als alle meine Vorgänger in den ersten Jahren ihrer Amtszeit", wird Donald Trump nicht müde zu behaupten. Tatsächlich schafft er vor allem mit Hochdruck ab, was sein Vorgänger und größter Konkurrent, Barrack Obama, etablieren wollte bzw etabliert hat.
Er sei der beliebteste Präsident, auch wenn das laut Umfragewerten nicht der Wirklichkeit entspricht.
Er habe mehr für das vereinte Amerika getan, als irgendeiner vor ihm, auch wenn die USA seit Jahrzehnten nicht mehr so tief gespalten war, wie sie es jetzt ist.
Donald Trump liebt es zu polarisieren, zu übertreiben, groß zu tun: Es ist offenbar auch das einzige, was er wirklich kann. Doch: Dumm kann er nicht sein, es gibt keine Belege dafür, dass er weniger intelligent als viele seiner Mitstreiter im Weißen Haus wäre. Aber schlicht ist er. Und das ist ein Problem!


Standardisierung + Wettbewerbsblindheit = Schlichtheit



Donald Trump kommt aus einer Familie, in der einfache Formeln eins bedeuten: Geld.
Geld = Wohlstand, und Wohlstand wollen ja alle.
Den Wohlstand in der Gesellschaft mehren, das ist das Ziel. Wirklich?
Wenn Wohlstand nur die Menge an verfügbaren Finanzmitteln ist, den emotionalen und kulturellen Reichtum eines Menschen aber ausklammert: Laufen wir dann nicht Gefahr, als Gesellschaft zu verarmen? Ist das wirklich, was wir wollen?

Wettbewerbsblindheit macht, dass wir Druck auf Individuen ausüben, die wir trotz ihrer Einzigartigkeit alle auf eine Stufe stellen, um sie überhaupt miteinander vergleichen zu können.
Wettbewerbsblindheit macht, dass wir mit einer regelrechten Manie Standards und Normen aufstellen, an denen wir jeden einzelnen messen.
Wettbewerbsblindheit macht, dass wir alle Fähigkeiten und Potentiale beschneiden und verbiegen, damit sie zu unseren Normen und Standards passen.
Wettbewerbsblindheit sorgt dafür, dass wir alle Menschen, alle Schüler, in eine Schublade stecken.

Der Sinn von Bildung ist uns abhanden gekommen, das bloße Pauken von Methodenkompetenzen und das Voranpeitschen von Kindern zu höheren, größeren, weiteren Lernzielen verfehlt, worum es in der Bildung, in der Mensch - und Erwachsenwerdung eigentlich geht: So bekommen wir keine gesamtheitlich gebildeten Menschen mehr, die in der Lage sind, ihr Leben und die Welt ganzheitlich zu formen.
Ohne ganzheitliche Bildung - werden wir höchstens bessere Trumps.
Und das ist keine schöne Aussicht.


Was muss sich ändern?


Wir müssen Konkurrenz abbauen.
Als Konkurrenten sehen wir nur: "Was hat der, was ich nicht habe?", statt zu sehen "Was habe ich, was kann ich damit alles machen?" Wenn wir nur einer definierten Zielgerade folgen, bemühen wir uns auch nur, diese eine Zielgerade zu erreichen: Und Erster dabei zu sein.
So kommen wir nur einen Schritt weiter, als der andere.
Aber wir erreichen nie mehr, als das.
So, wie Donald Trump.

Er hätte ein großartiger Politiker sein können. Er ist ganz anders, als all seine Vorgänger, er hat Humor und weiß, wie man unterhält. Er hätte mit seiner Fähigkeit, selbst die bildungsfernsten Menschen zu bewegen, Großes vollbringen können. Er hätte sich aller Themen annehmen können und sagen können: Gemeinsam gehen wir über alle uns bekannten Ziele hinaus!
Aber weil er ein Kleingeist ist, weil er unter völliger Bildungsarmut leidet, kennt er nur:
Zielgeraden. Planvorgaben. Zahlen. Größe.
Und weil sein größter Konkurrent Barack Obama ist, und weil der schon so viel Lob eingeheimst hat, fällt ihm nichts Besseres ein, als Barack seine Lorbeeren wegzunehmen. Wenn nicht durch Leistung, dann durch Streichung der Disziplin, in der Barack sie einstmalst verdiente.

Der fette, plumpe, reiche Junge, der gern so cool und sportlich wäre, wie der schlacksige, braune Highschoolliebling, wird Schulsprecher. Er verbietet zuerst die Teilnahme an Sportwettbewerben für schlacksige, braune Kinder. Dann verbietet er Sportwettbewerbe gänzlich. Dann lässt er den Trophäenschrank, der an die Leistungen der Sportler erinnert, vernichten.
Dann fällt ihm nichts mehr ein.
Bis ihm auffällt, dass der schlacksige, braune Junge immernoch gelobt wird: für seine Arbeit in der Schülerzeitung. Die macht er dann platt. Indem er alle, die Anhänger seines Erzfeindes sind, feuert. Und durch Schleimer, die ihm huldigen, ersetzt. Er liest nie die Artikel, die über ihn verfasst werden. Er zählt nur, wie oft sein Name in jeder Ausgabe auftaucht. Das vergleicht er damit, wie oft der Name seines Konkurrenten auftaucht. Nur, wenn er öfter genannt wird, als der genannt wurde, ist er zufrieden.
Er ist ein Junge ohne eigene Werte, eigene Ideale, eigene Inhalte. Er ist ein Junge ohne Ideen.
Er ist eine geistlose Maschine, die nur zu einem Zweck gebaut wurde:
Konkurrenz vernichten, Konkurrenz überholen.


Wollen wir das für unsere Kinder?

Nein, mit Sicherheit nicht.
Deshalb sei allen Eltern, Lehrern und Bildungspolitikern an dieser Stelle gesagt:
Zensuren zeigen nur, an welcher Stelle ein Mensch im Wettrennen um die besten Plätze ins Ziel gekommen ist. Sie zeigen nur, was dieser Mensch im Rahmen fester Standards ohne Flexibilität, ohne Platz für Individualität, kann. Wenn ihr den Druck dieses Systems aufrecht erhaltet, schiebt ihr die Menschen weg von ihrem ureigenen Potential: Und macht ihnen am Ende Angst davor, es zu entfalten.
So werden wir zu China, zu einem Land von Überflüglern, die vor allem darin glänzen, die Ideen und Erfindungen anderer zu kopieren und höchstens zu verfeinern. Mit eigenen Ideen glänzen momentan immernoch wir - wenn wir wollen, dass es so bleibt, sollten wir schleunigst umdenken!


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Foto wie immer von gratisography.com, Ryan McGuire