Donnerstag, 19. Oktober 2017

#MeToo# - ER auch

Kollegen, Freunde, Familie...Wer hat wohl wen schonmal wo angefasst...?

Harvey Weinstein.
Damit endet meine Einleitung. Inzwischen weiß jeder, wer Harvey Weinstein ist und worum es mir geht. Hier vorsichtshalber ein Link für die, die hinterm Mond keine aktuellen News empfangen: Kultur der Komplizenschaft. Und Ende. Um Harvey geht es hier nämlich nicht. Auch nicht um die mehrere Millionen Teilnehmer große Onlinebewegung #MeToo#, in der Opfer von männlichem sexuellem Machtmissbrauch aufzeigen, wie groß das Problem ist. Ich kann mich da anschließen. Ich habe zu viel erlebt, sagen wir es so. Ich möchte nicht, dass meine Töchter erleben müssen, was ich erlebt habe. Gewalt, Hilflosigkeit, Flucht, panische Gegenwehr (ich werde nie meine Metallabsätze vergessen: Lebensretter!), Ausgeliefertsein - und eine endlose Reihe furchtbarer Kommentare und Sprüche bis in die 'höchsten' Kreise, Galaveranstaltungen der jungen Wirtschaft und Bälle der sogenannten Reichen und Schönen inklusive. Frau gewöhnt sich im Laufe ihres Lebens daran. Die Männer, die mir weh tun wollten, weh taten oder sich selbst erniedrigt haben, indem sie sexuelle Anspielungen gemacht oder konkret sexuelle Sachen gesagt haben, hatten natürlich immer Komplizen. Zuerst sei deren alkoholisierter Zustand als Mittäter in über 90% der Fälle genannt. Nicht zu verachten die Dunkelheit. Und mein allein zu Fuß unterwegs sein. Erwähnenswert ist auch die aus Männersicht sich wohl ergeben habende günstige Gelegenheit. Ich möchte auch die soziale Komplizenschaft nicht unerwähnt lassen: Da gab es die Gruppe, den Freund, die zwei Freunde...und das häufig alles begleitende Gelächter und Gegrine, weil sexuelle Belästigung ja auch sehr lustig sein kann. Vor allem, wenn das Opfer vor lauter Überrumpelung dumpf dreinschaut - erwartet ja auch keine im Rahmen einer Wirtschaftskammerveranstaltung. Ist schon lustig, im Kreise der Anzugträger. Aber: Hier geht es nicht um mich. Nicht um meine Erfahrungen. Davon liest man ja nun überall im #MeToo#- Schlund, der sich da auftut und ein weiteres Stück des guten männlichen Images verschlingt.

Sexueller Missbrauch

Ich will auch keine Bresche FÜR Männer schlagen, denn in meinen Beispielen sind AUCH Männer die Täter. Aber eben nicht nur. Und - und darum geht es jetzt - Männer sind auch mal die Opfer.
Als neugierige Menschin habe ich in meinen Beziehungen und bei meinen engsten Freunden durchaus mal nachgefragt..."Und du so?"
Das erste Mal als ich erfuhr, dass auch Männer Opfer sein können, war ich vielleicht 18 Jahre alt. Ich hatte meinen Freund gefragt, ob er 'sowas' schonmal erlebt habe. Konnte ich mir mit Sicherheit kaum vorstellen, er war über 2 Meter groß. Sowas passierte ihm doch nicht - oder?
Doch!
Es war ein paar Jahre davor. Ich weiß nicht mehr die genauen Umstände, ist zulange her. Aber die Essenz seiner mit Unbehagen erzählten Story weiß ich genau.
Er, besoffen nach einer Party mit Kumpels am Strand eingepennt.
Er, besoffen, noch schlafend, merkt, dass jemand an seinem Schritt rumfummelt.
Er, besoffen, wird wach und sieht einen Schatten über sich. Kennt er nicht. Mann.
Er, will sich wehren, die Hand des Fremden ist schon zu weit.
Die anderen werden wach.
Der Fremde haut ab.
Wem hat er das erzählt? Niemandem. Macht mann nämlich nicht.

Eine weitere (aber nicht die zweite) Story, erzählte mir ein Freund, der ein wahrer Womanizer ist. Ständig wechselnde Frauen und so. Ich, ungläubig: "Wie - DU?! Ernsthaft?!"
Schlimm: auf Grund der Tatsache, dass ich wusste, wie wichtig ihm Sex war und wie viel er mit wie vielen (ungefähr) gehabt hatte, kam mir gar nicht in den Sinn, dass er so etwas wie eine Grenze haben könnte. Dass auch er verletzlich wäre.
Seine Story ging so.
Er, bekannt für sein 'nachtaktives Hobby', zu Hause, eine Bekannte kommt vorbei. Er will nicht mit ihr, sie aber mit ihm. "Nein" - sagt er. So, wie wir Frauen so oft ungehört Nein sagen. Sie hört es wohl auch nicht. Sie macht weiter. Vielleicht betrunken, aber vor allem zielstrebig. Fasst ihm in den Schritt. Wenig überzeugende Argumente hat sie, um ihn doch rumzukriegen, klingt selbst fast wie ein Mann: "Ich weiß, dass du das magst"- "Ich weiß, dass du das willst". Er ist körperlich leicht ansprechbar, sein Körper besiegt seine Psyche. Geist ist unwillig, Fleisch ist schwach - macht eben nicht mit. Nicht, wie er will. Sie deutet es als Zeichen. "Nein!" - Wegdrehen, Weggehen, Wegschieben - aber immer vorsichtig, weil er keinen Eklat will. Den fürchtet er.
Sie hat gefunden, was er nicht verbergen kann.
Zieht an ihm, als könne sie ihn so dirigieren.
"Hattet ihr...?"
"Ja..." gab er zu.
Es klang fast traurig. So klingt es, wenn man tut, was man nicht wollte. Nachher 'wusste sie', dass sie Recht gehabt hatte. Er hatte Sex mit ihr, es ging, also wollte er es wohl auch. Hatte sich nur geziert. Mein Freund ist ein attraktiver Mann. "Vielleicht eine Art Trophäe?" wollte ich wissen.
Er zuckte die Schultern. Ihm egal. Er schwieg lange.

Diese Geschichte hat mich lang beschäftigt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Warum?
Weil ich wusste, dass ich dasselbe gedacht hätte, wie diese Frau. Damals. Als ich noch unaufgeklärt war. Irgendwie - auf Grund meiner eigenen Erfahrungen - war in mir so eine Idee gekeimt, dass Männer doch alle das Gleiche wollen. Sex 'aufgedrückt' bekommen - das stört die doch nicht! Ja, das hatte ich wirklich geglaubt. Erst Recht bei so einem Womanizer. Gefühlt sagt der doch zu allem Ja, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Wieso sagt er dann Nein? Ich gebe zu, ich glaubte ihm, aber ich habe es lang nicht verstanden. Ich habe nicht kapiert, nicht bis tief in mich hinein, dass er dieselben Gefühle haben könnte, wie ich. Wir wir Frauen. Hat er aber. Nicht nur dieselben Gefühle:
Er hat dieselben Erfahrungen wie wir Frauen.

Stimmt doch: Eine Frau, von der jeder weiß, dass sie sexuell sehr aktiv ist, wird gern als Schlampe oder Hure bezeichnet. Wer kennt Samantha Jones aus 'Sex & the City'? Geeenau....so, wenn so eine Frau von einem Mann bedrängt wird, mit dem sie nicht will, was wird er wohl sagen?
"Du willst es doch auch" - "Ich weiß doch, dass du darauf stehst" etc. Und wir? Wären wir nicht ihre Freundin, sondern nur vielleicht Arbeitskollegin, wie würden wir reagieren, wenn sie erzählte "Zuerst war der Abend ganz nett, wir waren auf einer Party, haben getrunken, aber mir war nicht danach, ich wollte nicht, aber er hat mich solange belagert...dann hat er mich ins Schlafzimmer gedrängt...er hat mich vergewaltigt"...wie viel Mitleid würden wir empfinden? Würden wir ihr abkaufen, dass sie das wirklich alles nicht gewollt hat? Was, wenn sie schon tags darauf gut gelaunt wieder zur Arbeit käme? 'Alles Show, habs doch gewusst' würden die Lästerzungen hissen. Dass Opfer sexueller Gewalt überspielen oder gar verschweigen, was ihnen passiert ist, vergessen wir dabei. Würden wir dauernd mit einer "Ich bin vor drei Wochen vergewaltigt worden" - Miene rumlaufen wollen? So, dass wir dauernd darauf angesprochen werden? Nein - ich glaube, die meisten von uns würden das nicht tun.


Sexuelle Belästigung

Kommen wir zum Thema sexueller Belästigung. Wo fängt die bei uns an? Bei mir: sexuell anzügliche Sprüche, wie 'Geile Freundin, macht die auch 'n Dreier?!' oder 'O..schöne Lippen...' plus ein Blick, der mich komplett entkleidet (gegen meinen Willen, kack Fahrkartenkontrolleur!) und das übliche 'Titten&Arsch'-Gebrülle geistbeschränkter Nachtschwärmer und Bauarbeiter. Sowas eben.
Physisch sieht sexuelle Belästigung zum Beispiel so aus: Wenn mir jemand an meine sekundären, und erst recht primären, Geschlechtsorgane fasst - dann fühle ich mich körperlich sexuell belästigt. Mein Hintern fühlt das gar nicht mehr, aber es passiert hin und wieder. Mein Busen fühlt das sehr wohl und ich finde es unverschämt, wie oft es passiert, wenn wir mit Freunden oder Bekannten feiern, essen, ausgehen...ernsthaft: Ich sage jetzt mal, dass man Jacken so nicht reichen muss! Geschweige denn abnehmen! Hashtag KOTZ. Ich weiß, dass das nicht zufällig ist, auch wenn ihr euch alle Mühe gebt, es zufällig wirken zu lassen. Ende Hashtag KOTZ.
Kennen Männer das auch? Das brauche ich nichtmal fragen. Das sehe ich. Oft genug.
Frauen, die besoffen an Männern hängen, die nicht ihre sind und nicht ihre sein wollen. Frauen, die besoffen ihre Hände am männlichen Busen genauso unsittlich oft haben, und manchmal peinlich intensiv, wie umgekehrt Männer. Frauen, die Männern ständig so auf die Oberschenkel klopfen, dass die Hand auffällig nah am Schritt ist. Die Knie drücken und streicheln, wie es seinerzeit nur Gottschalk konnte. Frauen, die auf Po´s klapsen, die verheiratet sind. Frauen, die sich an Schultern ankuscheln, mit dem ganzen Mann kuscheln, obwohl sie selbst vergeben sind. Oder er.
Betrunken, angeschickert oder nüchtern und mit dem Plan, auf sich aufmerksam zu machen: Frauen beherrschen die Kunst, Männer das Handwerk der sexuellen Belästigung. Bei Frauen ist es oft subtiler, je betrunkener aber auch umso offensiver und peinlicher, bei Männern ist es oft plump und fast vorhersehbar, vor allem, wenn es immer die gleiche Art von dem immer gleichen Typ ist (Harvey Weinstein).
Sexuelle Belästigung kommt nicht nur im unpersönlichen 1-zu-1 statt, sondern vor allem und insbesondere im intimen Rahmen, auf Feiern von Freunden oder Firmen, Zuhause bei Geburtstagen, auf Familienfesten...überall, wo sich Mann und Frau begegnen und Sehnsüchte und Alkohol zusammenfließen. Das Feld der sexuellen Belästigung besetzen beide Geschlechter auf ihre Art gleichermaßen unangenehm-'gut'.

Was tun?

Eine gute Frage. Ich gebe zu, dass ich noch nie einer ziemlich zudringlichen Freundin gesagt habe "Äh komm, wir gehen dann mal kurz frische Luft schnappen". Ich habe auch noch nie geschimpft: "Ey, Hände weg aus dem Schritt meines Mannes!" - obwohl ich das gesehen habe. Vielleicht, weil ich dachte: "Der kriegt das schon hin?" Vielleicht - und viel wahrscheinlicher - weil es mir selbst unangenehm gewesen wäre. 'Was macht die für ein Theater?' - 'Da war doch nix': Freundschaft adé....
Meinem Mann ging es schon oft genauso. Etwa, als einer seiner besten Freunde (nicht mehr) mich mal zum Abschied fest auf die Lippen küsste, in Abwesenheit meines Mannes. Dieser Freund war als Grabbler bekannt. Ich war irgendwie irritiert, redete mir aber ein: Daneben gegangener Abschiedskuss. Mein Mann war alarmiert, irritiert, frustriert...aber vor allem ängstlich. Er hatte Angst bei einer 'banalen Sache' überzureagieren. Wir haben lange drüber geredet und entschieden, es nicht anzusprechen. Es ist auch nie mehr passiert. An das Getätschel meines Hinterns hatte ich mich eh schon gewöhnt, denn 'Das macht er ja bei jeder'. Merkwürdig, wie wir uns das schön geredet haben. Wie wir verharmlost haben, was jeder so intensiv als falsch und unangenehm empfindet.
Ich habe erlebt, dass sich eine Bekannte - dabei immer besoffen - an meinen Vater rangemacht hat. Vor uns allen. Unter den Augen aller. Auch meiner Mutter. Meine Mutter hat sich AUFGEREGT! Später, nachher. Unter vier Augen. Bei mir. Mit Sicherheit bei Freunden. Aber gemacht hat keiner was. Igitt, wenn ich mir vorstelle, dass mir dasselbe mit einem männlichen, sabbernden Grabbelknutscher passiert wäre....uäh...eklig (Harvey Weinstein!). Warum hat denn niemand von uns in dem Moment was gemacht? Ach ja: Geburtstagsfeier, Silvester - es war doch grad so schön. Es war doch grad so nett. Das macht man doch nicht kaputt. Und sowieso: 'Das macht die doch immer'.
Es ist, wie mit allen anderen Themen auch: Ist es politisch korrekt Stillschweigen zu bewahren, oder ist es korrekt, einzuschreiten, wenn sich daneben benommen wird?
Bei Fremden würde ich sagen: Erstmal Situation abwarten, Eskalation kann blöd laufen.
Bei Freunden keimt in mir das Gefühl: Ich sag jetzt was!
Vielleicht, indem ich diesen Artikel vornweg schicke. Wenn gaaanz Viele diesen Artikel lesen, können wir über so etwas reden, ohne gleich Freundschaften aufzukündigen. Vielleicht ist es dann okay, wenn ich das nächste Mal einer Freundin sage: 'Hui, ich glaub der letzte Drink hat aber gewältig enthemmt...du hattest grad die ganze Zeit deine Hand fast in seinem Schritt...'. Vielleicht dankt sie mir dann, weil sie nicht merkt, wie weit sie gegangen ist.
Und weil sie gelesen hat, dass ich es nicht böse meine. Sondern, weil ich glaube, dass wir besser aufeinander aufpassen müssen. Wir müssen aufpassen:
Dass wir Freunden und Verwandten nicht erlauben, Täter zu werden.
Dass wir nicht zulassen, wenn andere zu Opfern werden.







Foto von pexels.com

Dienstag, 17. Oktober 2017

The Truths of Donald Trump
A theory on the president's lie-ability

I won bigly. I got the best words. I´m like a smart person. 

Donald Trump is known for lying. If not on a daily basis, then at least on a weekly basis. But to be honest, when it comes to opinions it's not so much about facts, is it? Factual lying is easy to spot and  we can call it out, because we simply KNOW the truth. But opinions: that is a whole different issue. Now Donald Trump may be a liar, but mostly in a sense of “How he sees it” versus “How we see it”. If Donald Trump says “I´m a smart person”: That´s an opinion. You can have that opinion of yourself and no IQ test in the world could actually prove you the opposite. 

Why is that so?

Ask a 3 year old about his parents. He´ll let you know “My mother is the most beautiful woman in the world” and “My daddy is the strongest man in the world”. It would be easy to find  proof that this little fellow is wrong...but try to convince the kid. Nearly impossible!
So if Donald Trump believes he is smart: What can you actually say against it? In HIS world, that might just be the case. We do not know by which standards he really compares people to one another on behalf of ‘smartness’. What does smart even mean to a person like Donald Trump?
The same is true for his perception of other things, even crowd sizes.
“My daddy has the biggest car” – this can be perfectly true for a kid, even though in reality daddy is driving a 4-seat minivan. What does ‘big’ mean anyway? Or large? 

The biggest I know? The largest I have ever seen? 

Close observers of Donald Trump hear him introduce his own ‘truths’ by saying things like
“From what we know...” or “As far as we are informed...”. He´s being plain honest about really not knowing the facts. He is honest about lacking information. That doesn´t hinder him of making false statements or accusations. Because he relies on something completely else than facts.

As uninformed as Donald Trump seems to be on many political and historical topics, we must assume that he is uninformed, even unaware of a lot of other things, too. Surprising to us: He couldn´t care less. Donald Trump doesn´t need facts to be right.


How his claims make sense: to him

When Donald Trump claims ‘Nobody has ever done it like me’, it is absolutely true from his viewpoint. Even when bragging about how good things are going: It is his very own truth, spoken from a very subjective perception of a very small focus point on what reality really is.
Looking back, maybe it is true that Donald Trump himself has never accomplished so much in such little time like he has as a president. He is proud of himself, so he lets everybody now.
Compared to what he has experienced in his life so far, he actually is doing ‘bigly’. Even ‘betterly’ – from what he is told – than any former president has done. As Donald has no in-depth knowledge of what was really going on before his presidency and surely has never payed close attention to political movements or decisions in the past, in HIS world he is doing better than anybody. Simply because not much existed in his world that he could compare his achievements to. Donald Trump always compares himself to his own self. It might not seem that way, because in words he compares himself to ‘the past’ or to Barack Obama, or to an undefined group of others. But as ignorant as Donald Trump is towards facts, details and in-depth knowledge, he really has no choice but to compare everything and everybody to his own experience, his own past.

And to be honest: It is what we all do. It´s just that usually presidents know the stuff he doesn´t. And if not, they work hard to know them.

Donald Trump, when it comes to his own self, does not lie.

“I have the best words”. Since he doesn´t enjoy reading nor listening too much, he must have the best words. They don´t need to objectively be ‘the best’. They are ‘the best’ in his world, to him: 
That is all that matters.
Donald Trump is often caught lying about facts, besides of opinions, too. I do not know for sure – of course- but I have a theory that even his factual lies are his ‘opinions’. 

For example: this week Donald Trump lied about Barack Obama not calling families to comfort them over the loss of fallen soldiers. It was a rather pathetic quick-response he obviously didn´t give much thought to, in excuse of his own ignorance of the death of four soldiers who have been killed in yet mysterious circumstances in Niger. Called out upon his lie, he quickly claimed somebody else had told him about Barack Obama. Since we are talking about Donald Trump lying – as skilled as a six year old in this particular field – and not Vladimir Putin, I assume that he actually thought it could have been true. He didn´t think of calling the grieving families, why should anyone else? In his reality, not calling is at least a possibility. When Donald Trump claims “somebody told me”, what he´s actually saying is 'I thought'. His thoughts echo in his head the way conversations echo in normal peoples memories. So if he thinks ‘I didn´t call – bet Barack didn´t call either’ he´ll just say it. He´d only have to justify this opinion to himself – before his presidency that is how it used to be.
I´m not blaming me”, Donald Trump said publicly with the senate all around him, when asked about Mr. Bannon attacking Mitch McConnell on failing to ‘get things done’. This proves my point again (at least in my opinion) because: Donald is the only person he ever really compares himself to. The only person who´s criticism really hurts. The only person who´s advice he really considers ("My primary consultant is myself" – Donald Trump stated in an interview about why he doesn´t need all the intel presidents usually are provided with). So in his reality it makes absolute sense to say “I´m not blaming myself”. Why should he? It wasn´t his job to begin with – right? I bet – in his opinion, in his world – this is exactly true.

Let me draw a conclusion from this theory:
1. Donald Trump has only one true foe, competitor, consultant, critic and friend: Himself. 
He´d never betray himself, he´d never hurt himself and he´d never blame himself.
2. If you want Donald Trump to change ANYTHING, you need to get inside of his head. You need to become his own voice. It is no use repeating his words like a parrot: He heard that stuff in his mind before you said it. It is no use trying to bribe him by mirroring his behaviour. He mirrors his behaviour constantly, his reflection is the only reflecting he´s capable of doing. No – to really change him, you need to do what ‘Inception’ taught us: Make him believe YOUR ideas actually are his (the way Saudi Arabia does with Iran).
3. You cannot and should not take Donald Trumps words for what they are in a normal world. We are all part of what is in Donald Trumps head. It is NOT the other way around! All of our insults, criticism, questions and outcries of frustration are only fractions of what he thinks the world is like. He will never see or understand OUR side – he has proven incapable of that forever in the past few months as president.
4. Do not BELIEVE Donald Trump. Do not TRUST Donald Trump. No – understand him. And use what you understand to make sense out of his world, out of the White House, out of present politics. Nothing is the way it used to be – things don´t make sense in the terms we´ve become accustomed to, they only make sense in Trumps world. Welcome to the circus: Don´t try to make sense of the clown. And since the clown is in charge – either enjoy the show, or – if unhappy with what you see – do what you can to get rid of the manager.
It´s at least worth a try.




Photo by Ryan McGuire > gratisography.com

Freitag, 13. Oktober 2017

Coming Out
Wie tolerant bist du wirklich?

Anders als ...


'Coming Out' - es ist eines der Themen unserer modernen Zeit. Coming Out bedeutet sich zu seiner sexuellen Orientierung, seiner Sexualität und - mitunter - zu seiner Identität zu bekennen. Während Homosexualität noch in den 90er Jahren das gesellschaftliche Eklat-Thema in diesem Zusammenhang war, ist es heute zunehmend die Bekanntgabe 'Ich bin trans' - also die Bekenntnis eine Geschlechtsidentität zu haben, die nicht zur angeborenen, augenscheinlichen passt.
Grade in Metropolen und/oder Hauptstädten wie Berlin wird gern eine beinahe selbstverständliche Offenheit mit diesem Thema gelebt. Nicht, dass alle älteren Semester mit dieser Haltung mitgehen, aber eine grundsätzliche Offenheit, ja fast Neugier, strömt inzwischen unter den jüngeren Generationen. Wer keine homosexuellen Freunde hat, lebt hinterm Mond. Wer keine Trans oder Quers kennt, ist noch nicht aus seiner Eierschale geschlüpft. Mit dem Brustton der Überzeugung sagen die Kids heute "Schwul - na und? Entspann dich, ist doch egal."
Auch Großstadteltern zeigen sich heute toleranter, als frühere Generationen. Wenn 'er' lieber Haarspangen und Zöpfe trägt, langes Haar haben möchte und am liebsten "Schminken" spielt, dann ist das eben so. Besonders selbstbewusste Väter tragen dann auch mal aus Solidarität einen Rock.
Wir sind ganz schön cool, oder?

So sieht Toleranz aus




Tränen bei Seite - mein erster Gedanke ist:
"Tolle Eltern!"
"Das würde ich auch so machen!"
"Das kann ich schaffen!"

Wir denken, weil wir ja ach so sehr aufgeschlossen sind, dass wir sexuelle Neigungen unserer Kinder und unserer Mitmenschen tolerieren wollen und können. Dass wir das auch müssen. Als Gesellschaft.
Aber...

"Mama ..."
"Warum weinst du?"
"Weil ich...weil ich Angst habe, dass du mich nicht mehr liebst."
"Willst du mir etwas sagen?"
"...ja...ich weiß nur nicht, wie...."
"Schatz, du weißt, du kannst mir alles sagen. Ich werde dich immer lieben."
"...ich weiß nicht...ich habe Angst, dass keiner mich mehr liebt, wenn..."
"Nein, was redest du da? Ich liebe dich, dein Vater liebt dich...wir werden dich immer lieben."
"Ich glaube...ich stehe vielleicht auf..."
"...Männer? Willst du mir sagen, dass du schwul bist?"
"...nein....eher jünger...eher...Kinder..."


Wie gehst du damit um? 

Ich lebe in Berlin. Das Thema Pädophilie ist mir hier NICHT fremd. Wer seine Augen offen hält, dem fallen ab und an diese Leute (ja, alles Männer) auf, die sich einfach merkwürdig um Kinder herum verhalten.
Und ja - ich musste auch schon vor sexuell übergriffigem Verhalten schützen, bzw. einschreiten.
Das war krass! Sich da einmischen, einem Mann zu sagen "Ich hab das gesehen, du hast das Kind da im Schritt angefasst", nicht wissen, was als nächstes tun...Ich habe mir so einen Kinderstuhl aus der früheren Kinderbuchecke geschnappt, mich vor diesen Mann gesetzt und maschinengewehrartig auf ihn eingeredet. "Das geht nicht! Das darfst du nicht! Du hast ein Problem, du musst das kontrollieren. Du musst in Behandlung!" Sowas habe ich gesagt. Es purzelte wahllos aus mir heraus - okay, nicht ganz. Ich habe ihn nicht beschimpft. Ich habe ihn nicht beleidigt. Das hatte einen Grund: Ich hatte mich mit dem Thema Pädophilie eine Weile lang beschäftigt. Aus Angst, als ich selber Mutter wurde. Ist so meine Umgangsform: Kenne den Feind. Dadurch habe ich viel gelernt darüber, wie das sein muss. Ein gewisses Gefühl von "Die armen Typen" ist in mir aufgekeimt. Der Ekel und die Ablehnung und die Schutzhaltung ist aber gleichermaßen stark geblieben. Ich habe drei Kinder. Als sie klein waren/jetzt wo eins klein ist, habe ich permanent das Gefühl, jedem die Augen ausschießen zu müssen, der komisch guckt. Den Mann habe ich angezeigt. Dussmanns hat ihn angezeigt. Ich bin zum Infoschalter gegangen. Der Typ ist abgehauen, aber wir haben Videoaufzeichnungen gehabt, er war eindeutig darauf zu erkennen. Dussmanns hat versprochen sich darum zu kümmern. Wie gesagt: Ich weiß, es folgte eine Anzeige. Und sein Foto war eine Weile lang an den Kassen - Hausverbot!
Pädophile trifft man hier in Berlin dort, wo es für sie am meisten Sinn macht: Auf Spielplätzen. 
Weil ich das weiß, habe ich höllisch auf die Spielumgebung meiner Tochter geachtet. Angst halt.
Auf dem Spielplatz habe ich durchaus auch mal Männer, die wie herrenlose Hunde wirkten, gefragt "Und...welches ist ihres?" Klassiker: Die meisten sind aufgestanden und gegangen, oder haben rumgestottert. Ertappt. Nur einer hatte eine Story parat, er warte hier auf seine Tochter, blöde Scheidung, er dürfe sie nicht sooft sehen, wie er wolle...habe ich akzeptiert. Misstrauisch bin ich trotzdem geblieben. 
Wäre ich in der Lage gewesen mein Psychologiestudium erfolgreich abzuschließen, hätte ich meine Bachelorarbeit gern über Pädophilie geschrieben. Nicht, weil mich das Thema fasziniert. Sondern weil ich denke, von diesen Männern geht, bleiben sie unerkannt und unbehandelt, eine Gefahr aus.
Sie sind die Abnehmer in der schrecklichen Kinderpornobranche.
Sie sind die, die unsere Kinder heimlich fotografieren (erlebt! Horror!!!).
Sie sind die, die unseren Kindern unmoralische und unehrliche Angebote machen (erlebt!). 
Sie sind die, die zum Täter werden.
Nicht alle, aber genug.
ABER - sie sind Söhne. Sie waren irgendwann einmal ein Kind. Ein fußballspielender Junge vielleicht, ein kleiner, brillentragender Bastler, ein Sammler, ein Dinofan, ein Bücherwurm. Eben ein ganz normales Kind - das irgendwann zu alt ist, um seinesgleichen zu lieben: Und es dennoch tut.
Ich hätte meine Bachelorarbeit gern geschrieben, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir als Gesellschaft tatsächlich auch dieses schwierige, mich immer wieder aufwühlende Thema, anpacken müssen. Mit aller dazugehörigen Offenheit. So, wie bei den Homosexuellen.
Es müsste einen Film geben, wie Philadelphia. Wo ein Pädophiler stirbt, vielleicht Suizid begeht. Ein netter Kerl, der keiner Fliege was zu Leide tun würde oder kann - aber vor lauter Verzweiflung über das "Böse" in ihm, keinen Ausweg sieht, als den Tod. Viele junge Männer bringen sich um. Weltweit. Wer weiß, wie viele von ihnen 'Neigungen' haben, die für sie den familiären und gesellschaftlichen Tod bedeuten - oder zu bedeuten scheinen?
Ja - ein Pädophiler kann auch anders zum Täter werden: Gegen sich selbst gerichtet.
Wir müssen, um einen Dialog beginnen, die Tür öffnen. Nicht zu der Möglichkeit die pädophile Neigung zu tolerieren, sondern vor allem den pädophilen Menschen. 

NEIN zu Sex mit Kindern!
Aber JA zu jedem Leben.
Wir waren alle mal Kinder.
Viele von uns haben Kinder.
Wie können wir einander helfen, ein lebenswertes Leben zu führen - ohne Hass, ohne Dunkelheit, ohne Einsamkeit, ohne Ausgrenzung?
NUR durch Dialog. Durch Lernen. Durch Verständnis. Durch den gleichen Lernprozess, den wir für und mit der LGBTQ - Szene durchgemacht haben und immer noch durchmachen.

Ein Schlusswort:
Ich bin denke ich schon froh, dass ich keinen Pädophilen kenne. Da bin ich ehrlich. Die Angst bleibt einfach. Ich wüsste gar nicht, wie ich mit ihm umgehen sollte. Alles in mir würde schreien: Weg mit dir! Fort! Lass meine Familie in Ruhe!
Aber: Wenn sich mir jemand in größter Verzweiflung, so wie oben in dem Coming Out- Video, anvertrauen würde. Wenn er mir sagen würde "Ich glaube, ich stehe auf Kinder" - dann würde ich zuhören! Das weiß ich. Und ich würde ihm helfen wollen. Und ich hoffe, es geht einigen von euch nach diesem Bericht genauso.

Und SO kann man helfen: 

Kein Täter werden










Foto von: https://www.pexels.com/photo/food-colorful-sweet-bear-54633/

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Amis erklärt - Was haben die mit ihren Waffen?



Lädst du noch oder schießt du schon?


Amerika hat momentan viel auf seiner To-Do-List: angefangen beim chaosstiftenden Joker im Weißen Haus (Batman: wo bist du?), über eine Reihe von verheerenden Naturkatastrophen, bis zu dem an Kraft gewinnenden Rechtsruck, der die Nation spaltet. Amerika ist wie ein Trump Hotel, das grade durch eine Inventur muss, während draußen schon die Geländer von den maroden Balkonen krachen. Ein Punkt brennt aber schon seit Jahrzehnten auf der U.S.-To Do-Liste, und egal wie viele neue Punkte oben dazukommen, dieser eine Punkt schafft es leider immer wieder in die Schlagzeilen, und damit in die Top 10.
Sandy Hook – ein Amoklauf in einer Grundschule, 20 Kinder und 8 Erwachsene sterben hier
Pulse Bar – ein Amoklauf in einer Schwulenbar, 49 Erwachsene sterben hier
Las Vegas Strip – der schlimmste Amoklauf seit Schwarze nicht mehr in Bäumen hängen: 59 Erwachsene sterben hier, über 500 wurden zum Teil schwer verletzt


Rattattattata Ratta Rattattattata – Die Hymne der NRA


Es ist der schlimmste Amoklauf der amerikanischen Geschichte: Ein weißer, millionenschwerer Frührentner erschießt in nur wenigen Minuten fast 60 feiernde Menschen auf dem Las Vegas Strip und verletzt über 500 weitere teilweise schwer. Die Nation ist erschüttert, aber auch verwirrt: Was ist das für ein Mann, den man in überhaupt kein sonst übliches Feindbild pressen kann? Nichts weiß man über ihn, außer, dass er eigentlich normal war. Normal ist in Amerika eben auch, wenn man ein eigenes Waffenarsenal besitzt. Normal ist, wenn man mit einem Arsenal an Waffen reist. Normal ist auch, dass der Täter dieses Amoks weiß ist. Und während Nachrichtensprecher sich sogar in ihrer Wirrnis verhaspeln und öffentlich sagen, dass sie einfach nichts Schlechtes an diesem Mann finden können, werden die Rufe nach verschärften Waffengesetzen wieder laut.
Aber die Schreie der Gegenstimmen sind lauter.

„Hollywood ist schuld“, weiß die NRA, um den Verwirrten eine Rettungsleine zuzuwerfen. Ein sonst völlig normaler Mann MUSS eben zu viele Hollywoodfilme konsumiert haben. Die haben ihn verkorkst! Obwohl Hollywood fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland macht, wo – komischer Weise – Amokläufe in amerikanischem Ausmaße üblicher Weise nicht auf der To-Do-Liste stehen.
„Es könnte sein, dass er ein Atheist war“, unken die Christlichkeit heuchelnden Nächsten (Trump-Wähler).  Immer wieder wird Gott herangezogen, wenn man erklären will, weshalb frei verkäufliche Waffen töten…äh Menschen (ja Menschen!) töten: Entweder war der falsche Gott schuld, der fanatische Glaube an Gott oder die Abwesenheit von Gott.
Die Erklärungsversuche sind ungefähr so überzeugend, wie „Schatz, ich wollte nicht mit ihr schlafen…“.

Hier auf Englisch wie Amerika versucht den Täter zu "verdauen":

             

Guns ‚N Roses – Der Amerikaner, das Gewehr und die Romantik


Um zu verstehen, warum ein Teil der Amis so an seinen Waffen hängt, wie ein Kettenraucher am nächsten Zug, müssen wir uns etwas Einzigartiges anschauen: The 2nd Amendment.
Als die von Patrioten viel zitierten Gründungsväter 1789 ihre „Bill of rights“ quer durch die bürgerkriegsgebeutelte USA schickten, legten sie den Grundstein für etwas, das inzwischen genauso alt ist, wie alles andere, was 200 Jahre her ist. Die ‚Bill of rights‘ sind klinisch tot, werden aber künstlich am Leben erhalten.
Ernsthaft: Alle paar Jahre ändern sich – sogar in Amerika! – die Schulbücher als Reaktion auf die Veränderungen in unserer Umwelt und Gesellschaft. Die gehen sogar mit verrückten Trends wie Kreationismus mit und löschen die Evolutionstheorie aus. Die Schulbücher werden geändert, aber nicht die Gesetze, auf die man sich beruft. Die werden nicht angefasst, die sind heilig! Sagt übrigens auch viel darüber aus, wie die Amis zu 'Weiter'-Bildung stehen….
In diesem momentan wieder bis zur Verfeindung verteidigtem ‚2nd Amendment‘ steht unter anderem drin, dass der Amerikaner ein Recht darauf hat sich zu bewaffnen. Damals war das auch eine Art Empfehlung, weil jederzeit mit Umstürzen durch durchgeknallte Monarchen, Anarchen oder Diktatoren gerechnet worden ist. Vor DENEN sollte man sich zu jederzeit schützen, sie notfalls sogar stürzen (…hinrichten…) dürfen. Das war sozusagen heilige Pflicht.

Der Amerikaner wird nicht mit vielen Gedanken zur Lage der Welt großgezogen. Erstmal wird er dazu erzogen, sich Gedanken um Amerika zu machen. Während es dabei in den Schulen auch um die „Bill of Rights“ geht, wird gerne versäumt zu erörtern, auf welcher Basis die eigentlich geschaffen wurde. Der historische Kontext wird im amerikanischen Unterricht zu oft zu einem süßen Heroenbrei verkocht, bis die Kinder glauben, man hätte damals mit den Indianern zu Thanksgiving wirklich Friedenspfeife geraucht, die Sklaverei hätte mit George Washington wirklich geendet, die Nationalhymne ginge auf die Zeiten von Christoph Columbus zurück, der selbst ein ehrenhafter und edler Mann gewesen sei. In diesen Cocktail wird noch eine Miniprise Schuldgefühl (Sklaverei) und eine große Prise Rachelust (11. September) gemischt, und fertig ist der völlig sinnentleerte, kontextlose und fehlgeleitete Nationalgeist auf einem Trip durchs Erwachsenenleben, in dem es viel zu oft um Schuld und Sühne, und viel zu selten um Empathie und Nachsicht geht.
So wächst der von Kindesbeinen an gegen nationale Zweifel geimpfte Amerikaner in der Illusion auf, dass alles, was mit der amerikanischen Geschichte zu tun hat, vor allem mit Stolz, mit dem Kampf um das Richtige, mit dem Sieg des Guten über das Böse, zusammenhängt. Sein ganzes Sein wird auf den Grundfesten dieser Überzeugungen aufgebaut. Und weil zu diesen Überzeugungen per Gesetz der Besitz von Waffen und die Verteidigung der Freiheit schlichtweg dazugehören, haben die Amis Probleme ohne Ende.

Ich fürchte dich – drum schieße ich


Um sich gegen die eventuelle Übernahme von Monarchen oder Diktatoren zu wappnen, dürfen alle Amis zur Waffe greifen. Und zwar herzhaft. Auf sogenannten Gun-Shows gehen die weg wie warme Semmel am Sonntagmorgen. Inzwischen ist aus der Bewaffnung aus Angst vor einer feindlichen Übernahme das Recht „mich, meine Familie und meinen Besitz zu beschützen“ geworden. Es geht also nicht mehr so richtig ums Land, sondern um „da, wo ich bin“. Und überall wo ich bin, trage ich meine Waffe. Sicherheitshalber. Und weil wir heute keine Angst mehr vor invadierenden Monarchen haben und keiner checkt, was einen Diktator eigentlich von einem General oder Footballcoach unterscheidet, bewaffnen sich die Amis vor allem, um sich vor „den anderen“ zu schützen.
Dieses „ich schütze mich und meine Familie vor den anderen“ ist zu so einem gefährlichen, hohlen Mantra geworden, dass schon als bedrohlich empfunden wird, wer nicht in die Nachbarschaft ‚gehört‘. Da wird die Polizei gerufen, weil Latinos oder Schwarze – im gruseligsten Falle sogar in Gruppen – in der Gegend rumlaufen. Weil man sie noch nie gesehen hat, geht man grundsätzlich davon aus, dass sie eine Bedrohung darstellen. Mit ihrer Schusswaffe am Anschlag stehen sie am Telefon neben der Eingangstür und warten…“Wehe du setzt auch nur einen Fuß auf mein Grundstück…dann schieße ich dich über den Haufen“.  Wer schießt, hat seiner puren Angst vor dem Fremden Munition gegeben. Wer schießt hat seine Furcht vor dem schwer einzuschätzenden, mystisch bedrohlichem Raum gegeben. Eine Furcht, die sogar bis in die Reihen der Polizei hineindiffundiert. Die Polizisten haben solche Angst, dass sie vor Nervosität den Abzug drücken, ehe sie überhaupt die Situation verstanden haben. So sind fast 50% der von Polizisten getöteten Menschen solche, die eine psychische Störung hatten und in Deutschland in Behandlung gekommen wären.
Aus Angst schießen: so eine Mentalität gibt es hier nicht. Uns wird weder Stolz eingetrichtert, noch Furcht. Uns wird weder Fremdenangst noch die Idee, das wir eine Lösung für alle Probleme hätten, eingeimpft. Wir glauben nicht daran, dass ‚die Wahrheit‘ in der Bibel steht. Wir glauben nicht an eine zweihundert Jahre alte Verfassung. Wir ändern unsere Schulbücher genauso wie unsere Gesetze, und das fast sooft wie unsere Wintergarderobe.  Und: Wir halten nichts von Waffen. Waffen gehören in die Hände von Profis, Profikiller ausgenommen. Wir überlassen das Schießen den Polizisten und dem Schützenverein. Und in der Regel schießen letztere. Ja – nicht einmal unsere Polizei nutzt Schusswaffen. Vorbildlich bei den Auseinandersetzungen auf dem G20-Gipfel dieses Jahr unter Beweis gestellt. Ein Krieg tobt auf der Straße und es bricht keine Massenschießerei aus: It´s possible. It´s unamerican.
Die wenigen Deutschen, die unter einer Dunstglocke der Fremdenangst aufwachsen, werden hierzulande das, was sie überall sind: latente oder manifeste Rassisten. In Amerika heißen dieselben Leute ‚Patrioten‘ oder ‚Alt-Rights‘ (die sich besonders gern auf die Bill of Rights berufen…Kontext Leute, Konteeeeext!).

Was hat das mit Waffen zu tun?


Wenn man einem (der vielen) unreflektierten Patrioten das aus der Verfassung hervorgehende Recht auf Bewaffnung beschneiden will, beschneidet man damit seine Potenz und befeuert seine Angst, sich anders nicht gegen ‚die Anderen‘ wehren zu können.
Der Verlust seiner Waffe würde den Gebrauch seines Präfrontalkortex zwingend nach sich ziehen, wenn er in der Welt ohne freien Waffenbesitz überleben will. Das bedeutet, dass er den Nerv aufbringen muss sich in ‚anderes‘ hineinzuversetzen, denn nur was man versteht kann man auch einschätzen, und was man einschätzen kann, muss man nicht mehr – so sehr – fürchten. 
Das verlangt viel von einem, dem seine ganze Schullaufbahn gesagt worden ist, er sei etwas Besonderes, bis er erwachsen ist und merkt, dass das nicht stimmt. Und um die Illusion aufrecht zu halten, hält sich dieser jemand dann an der zweifelhaften Romantik vergangener Tage fest, verbindet sich innerlich mit dem Urgroßvater, der für sein Land (und sein Recht auf Sklaven….) gekämpft hat, und streichelt dabei seine Waffe, die ihn wie eine in Blei gegossene Zeitmaschine direkt in die gute, alte, einfache Zeit, in eine ‚schwarz-weiße‘ Welt zurückversetzt.
Ohne sein Recht auf die Waffe: Was hat er dann noch?
Worauf und wie weit soll er sich noch reduzieren lassen?
Wie viel Beschneidung kann ein Mann vertragen, ohne sich komplett impotent zu fühlen?
Der Rassist in Deutschland weiß, dass er keine Sonderrechte auf Instrumente hat, die ihm ein Gefühl von Größe, Einfluss und Wichtigkeit geben. Der Rassist, also Patriot, in Amerika, hat das Gefühl, nicht nur ein Recht, sondern Privilegien zu besitzen. Privilegien, die selbst den einfachsten Mann zu einem anerkannten Nationalhelden machen. Dazu muss er nichts leisten, außer nach amerikanischem Gesetz erwachsen werden. Wer würde sich die nehmen lassen?
Genau auf dieser Klaviatur aus fatal zusammengepanschten Gefühlen wie Nationalstolz, Angst und Wehmut, spielt die NRA. Die NRA sagt dem Patrioten, der in Deutschland einfach nur ein Rassist wäre, dass er OHNE Waffen nackt wäre.

Urknalltheorie



Und genau deshalb wird das Thema Waffen und Waffennarrheit in den USA noch lange diskutiert werden. Erst, wenn sich der Patriot von Schusswaffen bedroht fühlt, könnte sich etwas ändern.      Wer muss sich also bewaffnen?
Wenn er wirklich der Rassist ist, für den ich ihn halte, wenn ihn wirklich so viel Fremdenangst plagt, dann ist die Antwort leicht: Die anderen!
Wenn die anderen nämlich plötzlich alle bis an die Zähne bewaffnet rumlaufen, bekommt der Rassist es mit rationaler Angst zu tun. Rationalität ist ja der Saatkeim aller Gesetzgebungen, und Logik führt sogar den schlichtesten Waffennarr zur einzig möglichen Conclusio:
Selbst wenn er sein eigenes Recht auf Waffenbesitz gern ausübt – DIE dürfen das nicht!
Also muss das Recht (seins!) auf Waffenbesitz strenger kontrolliert, überwacht und reglementiert werden – damit das bei denen nicht aus dem Ruder läuft!
Hoffen wir, dass die Amerikaner, um aus der Urzeit in die Steinzeit zu gelangen, keinen Urknall benötigen, sprich: keine bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen einer beliebigen Zahl von „anderen“ mit einer beliebigen Zahl von „nicht anderen.
Hoffen wir, dass irgendwann auch ohne Praxis die Theorie die Runde macht, ja, dass das Gros der 2nd Amendment Verfechter statt ihrer Waffe ihre Kinder liebevoll streicheln, weil ihnen bewusst geworden ist, in was für einer Welt diese leben, wo narzisstisch gestörte Rentnermillionäre sie beim unschuldigen Feiern auf einem Country Music Festival erschießen könnten.

Montag, 2. Oktober 2017

Gauland: Mit den falschen Federn geschmückt

Two wrongs don´t make a right...



Wer kennt Vichy? Den kleinen französischen Kurort, in dem 1940 ein Mann Geschichte schrieb.
Phillipe Petain, der Held aus der Schlacht um Verdun, verhandelte dort mit den Deutschen um das Schicksal Frankreichs. Überrannt von einer übermächtigen Wehrmacht, war das französische Militär flächendeckend außer Gefecht gesetzt. 2 Millionen französische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Darunter der junge Francois Mitterrand.
Petain gelang es, einen Waffenstillstand zu erwirken. Davon überzeugt, dass das Naziregime letztlich siegen würde, übte man sich alsbald darin, wie eine privilegierte Partnerschaft mit Hitlers Deutschland aussehen konnte. Und das ganz ohne Druck aus Deutschland. Das 1940 entstandene Vichy-Regime basierte auf einem unmoralischen Pakt mit dem Teufel. Die Judentransporte, die massenhaft Juden aus Südfrankreich in deutsche Lager wie Dachau deportierten, sind unter anderem trauriges Zeugnis dafür, mit welch hohem Preis Frankreich die Besatzungsfreiheit erkauft hatte.


Was hat das mit Gauland zu tun?

Am 02. September erklärte Alexander Gauland in kleiner, öffentlicher Runde, es sei an der Zeit einen Schlussstrich unter die deutsche Nazivergangenheit zu ziehen. Zudem solle man die Taten der deutschen Wehrmachtssoldaten endlich neu bewerten. So findet Gauland:
"Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."
Als sei das nicht schwierig genug, lobt Gauland obendrein die Wehrmacht. Wir Deutschen hätten ein Recht darauf, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".
Es erübrigt sich an dieser Stelle darauf einzugehen, weshalb diese Ansichten allein die große Mehrheit der Deutschen befremdet. Stolz sein auf unsere Kriegsvergangenheit und die ihr zu Grunde liegenden Motive? Wer Fußnägel hat, dem kräuseln sie sich.

Irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland, nachdem ihm die gefährliche Verharmlosung unserer mitnichten umfänglich aufgearbeiteten Vergangenheit von vielen Seiten vorgeworfen worden ist, irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland später zur Verteidigung auf Francois Mitterrand verweist.
Den jungen französischen Soldaten, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war.
Egal wie man zu Mitterrand steht, dessen Lob des deutschen Mutes und Patriotismus als Verteidigung heranzuziehen, ist einfach falsch. Gauland hat sich nicht nur mit fremden Federn geschmückt, in dem er sich einen großen (toten) Mann zur Seite stellt, er hat sich auch im großen Stile mit den falschen Federn geschmückt.

Entweder man sieht Francois Mitterand so, wie die Franzosen ihn vor der Aufklärung und Verurteilung der Verbrechen unter dem Vichy-Regime sahen.
Da kommt er ungeschoren als ein Held der berühmten Resistance Bewegung durch.
Da ist er vor allem wichtigstes Mitglied der Sozialistischen Partei in Frankreich gewesen.
Da ist er ein glühender Pro-Europa-Verfechter.
Weshalb er dann als Sozialist, als Europa-Befürworter, als Held der linken Resistance-Bewegung ein merkwürdiger Verteidiger in Gaulands Sinne wäre, der das alles nicht ist.

Oder man sieht Mitterrand als einen wankelmütigen Opportunisten.
Als einen Mann, der ehrgeizig die eigene Moral hintanstellen konnte, wenn es denn seinen Interessen diente. Ein Mann, der nach seiner Flucht aus der Kriegsgefangenschaft für das Vichy-Regime gearbeitet hat, ehe er in die Resistance ging. Der sich aber von Petain mit einem hohen Orden auszeichnen ließ und Petain, den Kriegsverbecher, bis zuletzt als Freund bezeichnete. Ein Mann, der ganz im Geiste der rechtsnationalen Bewegung in Frankreich für die Zeitschrift "France, revue de l`état nouveau" Artikel verfasste. Der sich über Überfemdung echauffierte und den Organisator der Judentransporte aus Vichy bis zu dessen Tod 'sehr schätzte''.
Unter welchen Umständen er ein ebenso schlechter Fürsprecher in Gaulands Sinne wäre, da man dann davon ausgehen kann, dass Mitterrand die Nazivergangenheit Deutschlands ebenso verharmlost hatte, wie Gauland es tat. Two wrongs don´t make a right.

Es bleibt ein Gefühl von Verwirrung darüber, weshalb Gauland sich mit den Federn eines Feindes seiner Ideale, oder eines Freundes seiner Ideale verteidigt hat. Klar ist nur, dass er besser daran getan hätte, jemanden zu zitieren, der weniger kontrovers ist.
Er hätte aber auch einfach zugeben können, dass er die Dinge so meint, wie er sie gesagt hat.
Ohne einen Übersetzer wie Mitterrand heranzuzitieren, der bei näherer Betrachtung auch keine große Hilfe ist.



Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com