Montag, 2. Oktober 2017

Gauland: Mit den falschen Federn geschmückt

Two wrongs don´t make a right...



Wer kennt Vichy? Den kleinen französischen Kurort, in dem 1940 ein Mann Geschichte schrieb.
Phillipe Petain, der Held aus der Schlacht um Verdun, verhandelte dort mit den Deutschen um das Schicksal Frankreichs. Überrannt von einer übermächtigen Wehrmacht, war das französische Militär flächendeckend außer Gefecht gesetzt. 2 Millionen französische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Darunter der junge Francois Mitterrand.
Petain gelang es, einen Waffenstillstand zu erwirken. Davon überzeugt, dass das Naziregime letztlich siegen würde, übte man sich alsbald darin, wie eine privilegierte Partnerschaft mit Hitlers Deutschland aussehen konnte. Und das ganz ohne Druck aus Deutschland. Das 1940 entstandene Vichy-Regime basierte auf einem unmoralischen Pakt mit dem Teufel. Die Judentransporte, die massenhaft Juden aus Südfrankreich in deutsche Lager wie Dachau deportierten, sind unter anderem trauriges Zeugnis dafür, mit welch hohem Preis Frankreich die Besatzungsfreiheit erkauft hatte.


Was hat das mit Gauland zu tun?

Am 02. September erklärte Alexander Gauland in kleiner, öffentlicher Runde, es sei an der Zeit einen Schlussstrich unter die deutsche Nazivergangenheit zu ziehen. Zudem solle man die Taten der deutschen Wehrmachtssoldaten endlich neu bewerten. So findet Gauland:
"Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."
Als sei das nicht schwierig genug, lobt Gauland obendrein die Wehrmacht. Wir Deutschen hätten ein Recht darauf, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".
Es erübrigt sich an dieser Stelle darauf einzugehen, weshalb diese Ansichten allein die große Mehrheit der Deutschen befremdet. Stolz sein auf unsere Kriegsvergangenheit und die ihr zu Grunde liegenden Motive? Wer Fußnägel hat, dem kräuseln sie sich.

Irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland, nachdem ihm die gefährliche Verharmlosung unserer mitnichten umfänglich aufgearbeiteten Vergangenheit von vielen Seiten vorgeworfen worden ist, irritierend ist für mich, dass Alexander Gauland später zur Verteidigung auf Francois Mitterrand verweist.
Den jungen französischen Soldaten, der in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war.
Egal wie man zu Mitterrand steht, dessen Lob des deutschen Mutes und Patriotismus als Verteidigung heranzuziehen, ist einfach falsch. Gauland hat sich nicht nur mit fremden Federn geschmückt, in dem er sich einen großen (toten) Mann zur Seite stellt, er hat sich auch im großen Stile mit den falschen Federn geschmückt.

Entweder man sieht Francois Mitterand so, wie die Franzosen ihn vor der Aufklärung und Verurteilung der Verbrechen unter dem Vichy-Regime sahen.
Da kommt er ungeschoren als ein Held der berühmten Resistance Bewegung durch.
Da ist er vor allem wichtigstes Mitglied der Sozialistischen Partei in Frankreich gewesen.
Da ist er ein glühender Pro-Europa-Verfechter.
Weshalb er dann als Sozialist, als Europa-Befürworter, als Held der linken Resistance-Bewegung ein merkwürdiger Verteidiger in Gaulands Sinne wäre, der das alles nicht ist.

Oder man sieht Mitterrand als einen wankelmütigen Opportunisten.
Als einen Mann, der ehrgeizig die eigene Moral hintanstellen konnte, wenn es denn seinen Interessen diente. Ein Mann, der nach seiner Flucht aus der Kriegsgefangenschaft für das Vichy-Regime gearbeitet hat, ehe er in die Resistance ging. Der sich aber von Petain mit einem hohen Orden auszeichnen ließ und Petain, den Kriegsverbecher, bis zuletzt als Freund bezeichnete. Ein Mann, der ganz im Geiste der rechtsnationalen Bewegung in Frankreich für die Zeitschrift "France, revue de l`état nouveau" Artikel verfasste. Der sich über Überfemdung echauffierte und den Organisator der Judentransporte aus Vichy bis zu dessen Tod 'sehr schätzte''.
Unter welchen Umständen er ein ebenso schlechter Fürsprecher in Gaulands Sinne wäre, da man dann davon ausgehen kann, dass Mitterrand die Nazivergangenheit Deutschlands ebenso verharmlost hatte, wie Gauland es tat. Two wrongs don´t make a right.

Es bleibt ein Gefühl von Verwirrung darüber, weshalb Gauland sich mit den Federn eines Feindes seiner Ideale, oder eines Freundes seiner Ideale verteidigt hat. Klar ist nur, dass er besser daran getan hätte, jemanden zu zitieren, der weniger kontrovers ist.
Er hätte aber auch einfach zugeben können, dass er die Dinge so meint, wie er sie gesagt hat.
Ohne einen Übersetzer wie Mitterrand heranzuzitieren, der bei näherer Betrachtung auch keine große Hilfe ist.



Foto wie immer von Ryan McGuire, gratisography.com