Donnerstag, 30. November 2017

König von Deutschland? Lindners feuchte Träume



Da hat sich FDP Chef Lindner offensichtlich von seinen Träumen zu den Irren führen lassen.
Nachdem Lindner nach harten Sondierungswochen unvermittelt aus den Verhandlungen aussteigt, fährt der Jamaika-Karren an die Wand. Ziel nicht erreicht, das gelbe Navi hat eine Abkürzung vorgeschlagen, ist aber auf dem Holzweg gelandet. Für einen harten Ausstieg hatte man der FDP nicht seine Stimme gegeben. Die Partei sollte mit dem charismatischen Egozentriker vor allem den Zugpferden der alten Regierungskutsche ordentlich die Sporen geben. Da sollte mal eine neue Gangart eingelegt werden, ein bisschen Tempo. Man wählte die FDP, weil man mit ihr als Teil der Regierung schon die Zukunftsmusik hören konnte. Doch leider....

Digital first, Bedenken second.

Dieser Wahlspruch bleibt Programm, auf gut Deutsch bedeutet er jedoch schlicht und ergreifend: Erst meine Ideen, dann eure. Oder auch "Verantwortung? Hinterlasst mir ne Nachricht nach dem Piepton." Dass Lindners FDP nur mit 10% gewählt worden ist, hat der Parteivorsitzende auf Grund seiner Shooting-Star Allüren bei der Zukunftsplanung wohl vergessen. Kommt in den besten Medienbranchen vor. Nur ist die Bundesregierung keine Medienbranche. Lindner bekommt keinen Bambi für seine Darstellung des Rebellen, der das verkrustete System erst verspricht aufzubrechen, nur um es dann ins Chaos zu stürzen. Boooo! rufen da die enttäuschten Wähler zurecht. Die ersten Forderungen nach der Goldenen Himbeere werden laut!
Dass Lindner unser Vertrauen für Wahlversprechen wie 'Eine neue, digitale Zukunft' und 'Ein modernes Bildungssystem: Kinder first' missbraucht, um unsere Stimmen auf der Sandbank von 'nahezu 200 Punkten ohne Einigung' und einem Streit um den Soli vertrocknen zu lassen: Das nimmt man ihm übel. So haben wir nicht gewettet, mein lieber Scholli!
Zu der Insel der Irren wollte FDP-Chef Lindner offensichtlich, dorthin, wo schon Donald Trump neuerdings (sich ab-)regiert. Wenn seine Forderungen nicht alle erfüllt sind, dann gibt es eben keine Demokratie. Wenn sich nicht alle auf ihn einigen können, dann einigt man sich besser auf gar nichts.
Allein: Auf Durchregieren und seinen alleinigen Willen allen Parteien und dem Volk aufdrücken - das ist genau der Vorwurf, der CDU Chefin und Kanzlerin Angela Merkel gemacht wird. Welcher frühpubertäre feuchte Traum hat Lindner eingeflüstert, er hätte mit der gleichen Masche ein super Verkaufsargument für die FDP? 10%, Lindner, machen keinen König, das reicht zum Assistenten. Deshalb hast du nicht mehr Stimmen. Die Führungsposition in Jamaika hat dir niemand zugetraut! Während Lindner sich nun fast duckmäuserisch durch den Hagel an Kritik bewegt, ohne bis dato überhaupt das Ziel seines verfrühten Gehens zu nennen, träumt er scheinbar immernoch gut, da die FDP zwar keine Orientierung für die Zukunft bietet, sich aber sicher ist nun schon mehr Zuspruch bei den Wählern zu haben, als vor der Wahl. Ich bin mir sicher: Das geht nach hinten los!
Viele von uns stehen mit unserer Stimme Dank 'Pubertier' Lindner abholbereit auf der Sandbank, wo er uns mitten im Galopp abgeworfen hat, und strecken frustriert den Daumen raus: Wer nimmt uns mit? Wer hat noch Platz in seinem Parteiprogramm für digital und modern?
Eins hat Mr. Egotripp aber mit Sicherheit geschafft: Jung, provokant und rebellisch? Diese Marketingmasche hat Lindner für zukünftige Wahlen tüchtig versaut - wer erwachsene Politik will, sollte vielleicht doch keinen Punkrocker wählen!





Photo by Ingo Joseph
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Donnerstag, 16. November 2017

Ein Millenial-Plädoyer für eigene Kinder

Von 0 bis 7 ist keine lange Zeit...aber eine schöne

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber hierzulande haben die Leute irgendwie keinen Bock mehr auf Nachwuchs. Kinder? O nee! Viele meiner Millenial-Kolleg_Innen sind noch kinderlos. Dabei gehen einige auf Mitte 30 zu. Da denke ich immer: "Man, jetzt kannst du die noch (ein)fangen, mit vierzig wird das erstmal stressig!" 😉 Nicht nur kinderlos sind sie, sie haben oft scheinbar nicht einmal den Wunsch nach Kindern. Höchstens einen Plan für bzw. wider sie. 
Ihre Argumente sind ein Potpourri aus 'Ich kann noch nicht'
  • erst, wenn meine Karriere da angekommen ist, wo ich es mir wünsche
  • erst, wenn wir wissen (nach 5 Jahren Beziehung) ob wir wirklich füreinander bestimmt sind
  • ich muss vorher definitiv noch ein paar Punkte auf meiner Bucketlist abhaken
  • wir sind doch selbst noch halbe Kinder
  • wenns passt
  • ich will meine Freiheiten nicht aufgeben
  • ich habe Angst vor der Verantwortung
  • so viel Geld habe ich nicht
  • ich will meinen Kindern erst etwas bieten können
  • ich weiß nicht, ob ich Kinder in diese Welt setzen will 
Gerade meine männlichen Generationsvertreter scheinen große Probleme mit dem Commitment 'Kind' zu haben. Sie haben Angst vor der Verantwortung und schon - vorauseilend - vor der Scheidung. 
Denn 'Dann hab ich die Kinder umsonst gekriegt, weil Frauen sie dir ja eh wegnehmen'. Ein bisschen wie keine Gesundheitsvorsorge treffen, weil man ja eh irgendwann krank wird. 
Ich möchte auch gar nicht weiter auf EURE Argumente eingehen. Jeder hat seine Gründe und für jeden mögen die Gründe elementar wichtig sein. Verstehe, verstehe! 
Deshalb seht das hier nicht als Diss, sondern als Bliss (= Glück)-Communication. 
Ich habe mit 20.5 Jahren den Sprung in kochendes Wasser gewagt und bin bis heute Stiefmutter ohne Reue von zwei saucoolen Menschen (Kids kann man bald nicht mehr sagen), und habe mit 25 meinen Beitrag zur Familie mit einem weiteren kleinen Menschen geleistet. Die Kids haben mich weichgekocht! Und KLAR gabs bei uns blöde Zeiten, sogar ein ganzes blödes Jahr. ABER der Fokus liegt grundsätzlich immer auf den schönen Seiten, sonst würden wir die nicht massenhaft in eigenen Blogs und Instagram-Feeds dauernd mit euch teilen. Und egal wie viele "Regretful Mom"-Artikel euch überzeugen wollen, dass ihr in einem Meer von Kotze, Windeln und später Widerworten und Streit eure persönliche Würde aufgeben und euren Lebenssinn verlieren werdet: Es ist NICHT wahr! Die Mehrheit von uns Eltern LIEBT es, Eltern zu sein. Schlicht, weil wir unsere Kinder lieben. Anders geht es nicht, man kann nicht seine Kinder lieben und es hassen ihre Eltern zu sein. Also: AUF ins Abenteuer Familie ihr lieben Unentschlossenen und Zögerlichen. In Wirklichkeit haben die viel mehr Angst vor euch, als ihr vor ihnen - oder wie hieß das bei Spinnen? Also:

Ob Stiefkind oder Hausmarke: Kinder sind toll! 

Eine Bilderbuchgeschichte



Alles fängt im Miniaturformat an. 
Merkwürdiger Weise erfüllt das nicht nur uns Mütter, sondern auch Väter, mit einer Art stolzer Ehrfurcht. Man hat einen Mensch zu Stande gebracht. Einen soooo klitzekleinen Mensch. Da passt am Anfang noch alles in eine Hand. Aber so ein kleiner Mensch braucht Aufmerksamkeit. Und normaler Weise kann man gar nicht anders: Man muss sie ihm schenken!
Viele ziehen - wie wir - in eine neue Wohnung, sobald der Nachwuchs kommt oder da ist. Die Kartons bleiben die ersten Monate mit Kind bei den meisten erstmal generell ungeöffnet. Aufgeräumt wird irgendwann. Ist auch egal. Nach und nach schiebt sich das neue Leben schon zurecht.
Toll an Babys ist, dass scheinbar die ganze Welt mal anfassen will. Helfen möchte. Tragen möchte. Es gibt Eltern, denen das schnell zu viel wird. Die geben ihre Kinder dann nicht mehr aus der Hand. Andere - so wie ich - lassen das Socialisen zu. Die Arbeit muss auch nicht auf der Strecke bleiben: Zuhause bekommen alsbald alle ein Device, Junior auch mal von Fischerprice. Da braucht man sich nicht schämen, Helikoptern fängt da an, wo man Kindern keine Langeweile und Zeit mit sich selbst mehr zugesteht. 
Nach gut einem Jahr fängt die Welt in der Windel an zu schrumpfen, sie wird zu klein. Dann wird der Rest erobert. Alle Familienmitglieder dürfen den kleinen Columbus ertragen: Vom Vierbeiner bis hin zu den Erzeugern.
Leben mit Kindern ist lustig. 
Weil Kinder lustig sind. Wie Zirkusclowns, und das oft unfreiwillig. Ich glaube, wir haben am meisten über die Gesichtsdisko von unserer Tochter gelacht. Meist begleitet von einem herrlichen "Sparta!" - mäßigem Brüller. Jeder Muskel wird ausprobiert, die Stimmmuskeln genau wie die Gesichtsmuskeln. Mit Kindern ist man, wenn man das möchte, ständig auf Achse. Bei uns war und ist das so. Ab aufs Rad und raus in die Natur. Oder ins Museum. Oder ins Café. Zuhause ist es einfach zu eng für Familie mit Wusel, vor allem, wenn man als Städter keinen Garten hat. Und Kinder lieben es mitzumachen. Angucken, anfassen, anpacken: Je mehr Aufgaben ein Kind hat, desto glücklicher ist es. Hauptsache man korrigiert dann nicht ständig an Ausführung und Ergebnis rum: Der Weg ist das Ziel, dann darf der auch dreckig sein! 
Irgendwann ab 3 Jahren fängt es dann an richtig Spaß zu machen. Ich wage zu behaupten, dass ALLE 3 bis 4 jährigen Kinder ausnahmslos ZUCKER sind! Babys nerven manchmal, weil sie weinen und nicht sagen können, was sie wollen. In diesem Alter können Kinder was sagen: Es macht halt nur nicht immer Sinn - oder es ist das ehrlichste und zugleich peinlichste, das du seit langem gehört hast. Und die dicke Frau neben einem ebenso! Kinder in diesem Alter machen einfach nur Spaß. Sie sind robust, fröhlich, voller Bewegungs - und Entdeckungsdrang, lieben es vor sich hin zu reden und holen sich in regelmäßigen Abständen große Liebesdosen von uns Eltern ab. Eine schöne Zeit! Versprochen!  Die Zeit hält nicht an, und ab 4 merkt man so richtig, was man da in die Welt gesetzt hat. Unsere Tochter war und ist ein Powerhouse. Ein Kraftwerk. Wenn es nicht anstrengend, nervenkribbelig, schwindelerregend hoch oder wässrig war, war sie nicht interessiert. Die Elemente wurden alle erprobt, je gefährlicher, desto lieber. Wer glaubt das Leben mit Kind würde langweilig, der MACHT es vielleicht langweilig oder kennt Eltern, die ihr Leben verlangweilen. Wir sind zwar nicht die 'Wir machen eine Weltreise mit 5 Kindern' - Typen, dazu lieben wir Internet & Café Latte zu sehr, ABER wir sind auf jedenfall aktive Eltern. Und da musste unsere Juniorin halt durch. Und was soll ich sagen: Sie hat alle Erwartungen übertroffen. Kinder können eben mehr, als man ihnen zutraut!







Die Zeit vergeht so schnell, das kapiert keiner, bis sie vorbei ist! Dass unsere Tochter jetzt schon 7.6 Jahre alt ist, kann ich irgendwie gar nicht glauben. Eben hat sie noch 'Furz' zu Fuchs gesagt und 'PiepPiep' zu allen Tieren, die sie süß fand, jetzt guckt sie mit uns abends 'große' Filme und kommentiert trocken aus der Ecke: "Na Papa, das würdest du auch gern können?" (Die Unglaublichen). Kinderzeit ist eine spannende und wunderschöne Ausnahme von der Regel, sie ist bunt und laut und herausfordernd und kuschelig und lustig und du wirst am Ende eines fast jeden Tages belohnt, für ihr bloßes Entstehen verantwortlich zu sein. JETZT geht unsere nicht mehr ganz Kleine in die 2. Klasse, möchte nicht mehr 'klein' genannt werden und schreibt uns eigene Nachrichten auf Zettel und klebt sie z.B. an den Kühlschrank, etwa "Bitte-nicht-meine-Jugoz-ezen-deine-Lili" (1. Klasse). Für mich schließt sich langsam der Kreis und ich werde schon jetzt wehmütig, weil ich mir einbilde zu wissen, was kommt. Als ich "Stiefmama" wurde, war mein Junge so alt, wie meine Tochter jetzt, und auch in der 2. Klasse. Nun ist er 18 und macht Abitur. Der Countdown läuft. ICH für meinen Teil werde jede Sekunde genießen, bis auch die Welt, die wir Eltern bieten, zu klein und zu eng wird und das letzte Kind im Bunde flügge wird. Das geht schneller, als man denkt. Allen Zögerlichen sei an dieser Stelle versprochen: Was man in Liebe wiegen kann, kann kein Gold der Welt bezahlen! In anderen Worten - 


Reichtum wirst du mit Geld (allein) nicht so anhäufen können, wie mit Kindern. 
Ehrlich.