Mittwoch, 17. Januar 2018

Ich habs hinter mir gelassen
Worte und Sätze, die nicht mehr wehtun



Mit den Worten von Beyoncé:
I´m a grown woman!


Ich saß kürzlich mit meiner großartigen Freundin in einer Weinbar und sinnierte über das Leben. Über das Erwachsensein. Noch vor ein paar Jahren fanden wir, dass wir noch "Küken" sind. Grün hinter den Ohren. Trotz Kind & Kegel. Trotz Beziehungen, Ausbildung, Job. Inzwischen fühlen wir uns "groß". In knapp 3 Jahren hat sich unser Lebensgefühl mehr verändert, als unser Leben. Aber was ist jetzt anders?
Vor allem die Art, wie wir im Leben stehen. Der Kopf ist noch in den Wolken, sogar gerne, aber die Füße stehen auf festem Boden. Etwas hat uns reicher gemacht. Nicht Erfahrung per se. Sondern Verständnis. Wissen. Ich habe mich in den letzten Jahren nicht von Menschen abgenabelt, sondern von Worten. Worten, die Macht über mich hatten. Sätzen, die mich gelähmt, verletzt oder gehemmt hatten. Ich habe viel dazugelernt. Am meisten über mich. Es ist 2018. Dieser Text ist für meine liebe Freundin, für mich und für euch: Worte - wir sollten nicht leichtfertig mit ihnen umgehen. Und ihre Bedeutung für uns verstehen.

Na und? Das tut mir nicht mehr weh!


"Du bist doch das totale Opfer!"
"Bonzilla." (Mein Spitzname 'Bonnie' + Godzilla)
"Ich habe mich nicht in dein Aussehen verliebt, sondern in deinen Charakter."
"Toll, jetzt wo du gut aussiehst, machst du mit mir Schluss."
"Bei ihr dreht sich doch alles um Sex."
"Was soll aus dir werden?"
"Egal gibt es nicht, das ist eine schreckliche Haltung."
"Du nervst."
"Nicht so laut."
"Das interessiert mich nicht. Ich will nur die Details."
"Musst du so lachen? Das ist eine schreckliche Lache!"
"Niemand kann immer so gute Laune haben, die ist total falsch."
"Deine ständige Höflichkeit geht mir total auf die Nerven, verstehst du das nicht?"
"Niemand kann so nett sein."
"Ich glaube dir nicht."
"Was kann die denn?"
"Die ist faul."
"Das wird eh nichts."
"Was interessierst du dich für so einen Tussenjob?"
"Ich hoffe, das ist nicht deine Freundin?"
"Was willst du von den Tussen?"
"Mit dem Gesicht kannst du gleich in dein Zimmer gehen."
"Du willst es ja gar nicht, sonst würdest du mehr kämpfen."
"Du machst das falsch."
"Das kann Bonnie nicht."
"So wirst du das nie schaffen."
"Du lässt dich doch von allen ausnutzen."
"Man kann nicht alles mit dem Kopf entscheiden, du musst auch mal auf deinen Bauch hören."


Was hat sich geändert?


Ich habe ein Leben, auf das ich stolz bin. Das war ich eigentlich schon immer, aber mehr denn je ist mir bewusst, dass ich mir SO ein Leben niemals hätte aufbauen können, wenn ich so gewesen wäre, wie andere mich sehen wollten oder gesehen haben. Meine früheren Versuche nicht zu sein, wie ich bin, haben mir wehgetan und mir geschadet. Nettigkeit, Nachsicht und Mitgefühl selbst für Menschen, die wirklich unglaublich böse und gemein zu mir waren, das zeichnet mich aus. Ich bin nicht schwach. Auch wenn mir das mein Leben lang eingeredet wurde. In der Hoffnung, dass ich mich ändere. Ich bin stark. Auf meine Art. Ich halte Gemeinheiten aus. Und ich kann sie hinter mir lassen. Ich kann Menschen sehr gut mehrere Chancen geben. Ich bin gut im Verzeihen. Ich kann sehr gut zuhören und Verständnis entwickeln. Und ich kann auch gut erkennen, ob es überhaupt um mich geht - oder ob jemand gemein ist, weil er eben 'gemein' ist - oder sehr sehr verbittert, zum Beispiel. 
Ich habe mich von Labels befreit. Es gibt Tussen nicht. Es gibt keine Loser. Es gibt keine Winner. Ich interessiere mich, wofür ich mich interessiere. Das sind sehr sehr viele Dinge. Ich muss mich nicht in eine Schublade stecken und ich sollte mir den Zugang zu "Tussen" nicht verbieten, nur weil ich in den Augen der anderen dann einen Schritt in die falsche Richtung mache. In meinem Leben hat es mir weniger geschadet, allerlei Dinge kennenzulernen, als es mir geschadet hat, auf allerlei Menschen zu hören. 
Ausgenutzt habe ich mich tatsächlich den größten Teil meines Lebens gefühlt. Maßgeblich aber, weil mir meine Natur, das Bedürfnis zu geben und nicht wirklich etwas zurück zu verlangen, madig gemacht wurde. Heute lebe ich das voll aus. Ich genieße es so sehr zu geben. Ich bin nicht mehr enttäuscht, wenn Menschen aus meinem Leben gehen, nachdem sie all ihre Traurigkeit oder Unsicherheit mit mir gemeinsam weggearbeitet haben. Statt ihnen böse zu sein, bin ich dankbar. Sie bereichern mein Leben mit ihren Geschichten, sie schenken mir Vertrauen, das nicht einmal ihre Eltern oder engsten Freunde genießen, und sie trennen sich im Guten von mir. 

Ich habe gute 99% der Zeit gute Laune. Ich bin einfach aus Prinzip lieber glücklich statt unglücklich. Ich überspiele nichts, ich bin, wie ich bin. Ich lache, ich lächle, ich rede und lache laut, ich genieße meine Zeit. Ich bin aufrichtig. Viel aufrichtiger, als mir große Strecken meines Lebens unterstellt wurde. Ich war oft naiv, verpeilt, habe mich geirrt, etwas vergessen - es ist in meinem Leben zu Missverständnissen und unglücklichen Zufällen gekommen, die mich unglaubwürdig aussehen lassen haben. Diese Momente sollten nicht mein Leben definieren, oder mein Bild von mir - haben sie aber. Ich habe darunter gelitten, dass ich als unaufrichtig wahrgenommen wurde. Statt hinzunehmen, dass manche Menschen das Schlechteste zuerst annehmen und mich auf das zu berufen, was ich wusste! 

Ich bin ein normaler Mensch, ich tue am liebsten, was mir guttut und vermeide, was mir schadet. Die Reduzierungen, die ich erfahren habe, von unattraktiv aber nett, über sehr attraktiv aber schlampig und untreu, haben mein Ego gefährlich reduziert. Streckenweise habe ich meinen Körper versteckt, dann wieder unsicher präsentiert. Ich war mit mir nicht im Reinen, weil ich mich für meine Ausstrahlung ständig schämte, oder für sie rechtfertigen musste. So viel von dem, was mich ausmacht, war für meine Umwelt ein Problem.

Ich habe mir eine eigene Welt geschaffen.
  • Eine Welt in der ich nett sein kann, so wie ich es bin. 
  • In der ich immer wieder verzeihen, nachgeben, zuhören und helfen kann.
  • Eine Welt, in der meine vielen Projekte, Ideen und Erfolge gewürdigt werden.
  • Eine Welt, in der ich so viel erzählen und schreiben kann, wie ich will. 
  • In der ich mich nicht limitieren muss, damit mir Aufmerksamkeit geschenkt wird.


Ich bin frei 


All die Labels, all die Sprechverbote, all die Regeln 'euren' sozialen Miteinanders, all das angedichtete, vermutete, hinterrücks spekulierte, tut mir nicht mehr weh. Ich bin frei. Im Zentrum meines Lebens steht, was ich über mich weiß. Meine Wahrheit. Und die gefällt mir. Das kann mir niemand wegnehmen. Mein Leben ist, wie es ist, weil ich bin, wie ich bin.

Die Lektion


Wenn ihr wisst, wie es in euch aussieht - lasst euch nichts anderes einreden.
Wenn ihr wisst, wer ihr seid - lasst euch zu niemand anderem machen.

Wenn ihr wisst, was euch guttut - lasst euch nicht etwas anderes aufschwatzen.
Wenn ihr wisst, was euch schadet - geht ihm aus dem Weg.

Wenn ihr wisst, was ihr könnt - gebt es, teilt es. Auch wenn nichts zurückkommt!
Wenn ihr wisst, was ihr liebt - tut es, teilt es, sucht es: Bereichert euch selbst.



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